Tabakkonsum und COVID-19
der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Michael Theurer, Jens Beeck, Dr. Marco Buschmann, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Reginald Hanke, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Manuel Höferlin, Reinhard Houben, Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Konstantin Kuhle, Oliver Luksic, Matthias Seestern-Pauly, Dr. Hermann Otto Solms, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Nach Angabe des Robert Koch-Instituts (RKI) scheint Rauchen bei COVID-19 „das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zu erhöhen“ (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogruppen.html). Diese Auffassung deckt sich mit Medienberichten, die ebenfalls Raucher als Risikogruppe einstufen, mit Verweis auf China, wo deutlich mehr Männer als Frauen an COVID-19 verstorben sind, wird sogar die These aufgestellt, dass nicht das Geschlecht, sondern das Rauchverhalten dafür verantwortlich sein könnte, weil in China deutlich mehr Männer aus Frauen Tabakprodukte konsumieren (https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Coronavirus-Raucher-haben-erhoehtes-Infektionsrisiko,coronavirus1354.html).
Eine französische Studie wiederum zeigt genau das Gegenteil. Dort wird beobachtet, dass sich besonders wenige Raucher unter den COVID-19-Patienten befinden. Die Hypothese aus den Ergebnissen lautet, dass Nikotin möglicherweise vor COVID-19 schützen könnte (https://www.mdr.de/brisant/corona-nikotin-positive-wirkung-100.html).
Unabhängig von diesen konträren Beobachtungen gefährdet Rauchen eindeutig die Gesundheit, weshalb die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu einem Verzicht rät (http://www.euro.who.int/de/health-topics/disease-prevention/tobacco/news/news/2011/01/smoking-cessation).
Durch die Schutzmaßnahmen während der COVID-19-Pandemie mussten viele Menschen ihre Lebensgewohnheiten ändern und beispielsweise mehr zuhause bleiben und sich weniger mit anderen Menschen treffen. Nach Auffassung der Fragesteller ist es daher von besonderem Interesse, ob sich dabei auch das Konsumverhalten bei Tabakprodukten verändert hat. Da Tabakerzeugnisse stark reguliert und besteuert sind, sollte die Bundesregierung die Verkäufe von Tabakerzeugnissen darstellen können.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen11
Welche Mengen welcher Tabakprodukte wurden nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils in den Monaten Januar bis Mai 2020 im Vergleich zu den Monaten des Vorjahres 2019 in Deutschland verkauft und konsumiert?
Welche Mengen welcher Tabakprodukte wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2019 im Vergleich zu den drei Vorjahren in Deutschland verkauft und konsumiert?
Welche Anzahl an Personen ist nach Kenntnis der Bundesregierung bislang im Jahr 2020 an den Folgen des Tabakkonsums verstorben, und wie hat sich diese Anzahl im Vergleich zu den drei Vorjahren entwickelt?
Welche Anzahl welcher Personen aus welchen Altersgruppen konsumiert nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell in Deutschland in welcher Regelmäßigkeit welche Tabakprodukte, und wie hat sich die Anzahl der Konsumenten in den Jahren seit 2017 verändert?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der Entwöhnbehandlungen und die Anzahl der verkauften Rauchentwöhnungsprodukte wie Nikotinpflaster im Jahr 2020 im Vergleich zu den drei Vorjahren entwickelt?
Besteht nach Kenntnis der Bundesregierung ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Tabakprodukten und den schweren Verläufen bei COVID-19?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Raucher unter den jeweils stationär und intensivmedizinisch behandelten COVID-19-Patienten, und welche internationalen Vergleichszahlen existieren hier?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Raucher unter den COVID-19-Todesfällen, und welche internationalen Vergleichszahlen existieren hier?
Wie bewertet die Bundesregierung die eingangs genannte Berichterstattung zu einer möglichen vor COVID-19 schützenden Wirkung von Nikotin?
Welchen Einfluss hat die COVID-19-Pandemie auf die von der Bundesregierung jeweils vollständig oder anteilig finanzierten Programme zur Prävention und Suchthilfe im Bereich des Tabakkonsums?
Plant die Bundesregierung Maßnahmen zur Rauchentwöhnung und Tabakkonsumprävention, die im Zusammenhang mit COVID-19 stehen, wenn ja, welche, und wann?