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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Schüleraustausch in Abhängigkeit vom Geldbeutel der Eltern

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Datum

07.08.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2126124.07.2020

Schüleraustausch in Abhängigkeit vom Geldbeutel der Eltern

der Abgeordneten Peter Heidt, Katja Suding, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Britta Katharina Dassler, Dr. h.c. Thomas Sattelberger, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Jens Beeck, Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Thomas Hacker, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Manuel Höferlin, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Dr. Marcel Klinge, Daniela Kluckert, Pascal Kober, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Roman Müller-Böhm, Dr. Martin Neumann, Christian Sauter, Matthias Seestern-Pauly, Frank Sitta, Judith Skudelny, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Benjamin Strasser, Michael Theurer, Stephan Thomae, Dr. Florian Toncar, Sandra Weeser, Nicole Westig und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Unsere immer enger zusammenwachsende Welt verlangt, dass schon unsere Schülerinnen und Schülern international aufgestellt werden, um in der globalen Welt von morgen bestehen zu können. Die Kenntnisse anderer Sprachen und das Zurechtfinden in anderen Kulturen ist Voraussetzung dafür, dass auch unser Nachwuchs weltweit konkurrenzfähig bleibt und Deutschland so weiterhin an Fortschritt und Wohlstand teilhaben kann. Ein Schüleraustausch bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich die erforderlichen Kenntnisse für die internationale Welt von morgen anzueignen, indem andere Sprachen gelernt und trainiert sowie interkulturelle Kompetenzen erlangt werden.

Transnationale Partnerschaften und Freundschaften werden durch den Schüleraustausch geknüpft. Man lernt sich kennen und verstehen; wächst enger zusammen. Der universelle Gedanke der Völkerverständigung wird so gelebt und der Zusammenhalt der Menschen unterschiedlicher Gesellschaften über Staatengrenzen hinweg gefördert und gefestigt.

Die Bundesregierung unterstützt durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend diverse Jugendwerke finanziell, die u. a. internationale Schüleraustauschprogramme organisieren wie das Deutsch-Israelische Jugendwerk, das Deutsch-Griechische Jugendwerk, das Deutsch-Französische Jugendwerk und das Deutsch-Polnische Jugendwerk (Bundestagsdrucksache 19/11800 – Einzelplan 17).

In den letzten fünf Jahren bewegt sich die Zahl der Schüler und Schülerinnen in der Bundesrepublik Deutschland bei etwa elf Millionen (https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Schulen/_inhalt.html ). Bundesweit nahmen nur insgesamt rund 2 Prozent der Jugendlichen in den relevanten Altersstufen an einem Schüleraustausch im Schuljahr 2017/2018 teil (https://weltweiser.de/wp-content/uploads/pdf/weltweiser-studie_schueleraustausch_high_school_auslandsjahr_statistik_2019.pdf.pdf, S. 6). Die Anzahl der Schüler und Schülerinnen, die sich jedoch dazu entscheiden, einen Austausch im Ausland (für mindestens drei Monate) zu vollziehen, ist bereits im siebten Jahr in Folge rückläufig (https://weltweiser.de/wp-content/uploads/pdf/weltweiser-studie_schueleraustausch_high_school_auslandsjahr_statistik_2019.pdf.pdf, S. 5). Haupt-, Berufs- und Realschülerinnen und Haupt-, Berufs- und Realschüler sowie Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf sind im internationalen Austausch bisher deutlich unterrepräsentiert (https://www.austausch-macht-schule.org/warum-austausch). Vor der Ausreise zum Austausch besuchten 82 Prozent der Austauschschülerinnen und Austauschschüler in Deutschland ein Gymnasium und nur 18 Prozent der Teilnehmenden kamen von sonstigen Schulformen, unter anderem Gesamtschulen, Mittelschulen, Realschulen, Stadtteilschulen oder Privatschulen (https://weltweiser.de/wp-content/uploads/pdf/weltweiser-studie_schueleraustausch_high_school_auslandsjahr_statistik_2019.pdf.pdf, S. 6).

Innerhalb Europas werden die Schüler und Schülerinnen, die einen Auslandsaufenthalt in Anspruch nehmen wollen, lediglich mit 500 Euro zusätzlich durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz gefördert. Bei einem Austausch außerhalb Europas erhalten sie eine pauschale Reisekostenförderung von 1.000 Euro (https://www.bafög.de/de/auslandsfoerderung-384.php). So hängt der Austausch der Schülerinnen und Schüler maßgeblich auch vom Geldbeutel der Eltern ab.

Neben dem längeren Schüleraustausch für mindestens drei Monate besteht für die Schüler und Schülerinnen die Option des schulorganisierten kürzeren Schüleraustausches. Das längere Austauschprogramm wird in der Regel von den Schülern und Schülerinnen, in Zusammenarbeit mit fachkundigen Organisationen, selbständig organisiert. Anders sieht es bei dem kürzeren Austausch aus. Oftmals finden diese aufgrund des innerschulischen Engagements der jeweiligen Schuldirektionen, des Fremdsprachenangebots der Schulen, der Beziehungen zu Schulen in Partnerstädten oder aufgrund der vom Lehrpersonal gesehenen Wichtigkeit statt. Die kurzfristigen Austauschprogramme sind ein guter Start in eine offene und vernetzte (Schul-)Welt, können aber die Erfahrungen eines längeren Austauschprogrammes nicht erreichen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen21

1

Wie bewertet die Bundesregierung den generellen Nutzen eines mehrmonatigen Schüleraustausches?

2

Hat die Bundesregierung Pläne, die Länder bei den Förderungen des Schüleraustausches stärker zu unterstützen?

Wenn ja, wie, und wenn nein, warum nicht?

3

Plant die Bundesregierung in nächster Zeit eine Aufstockung ihrer finanziellen Unterstützung der Länder beim Schüleraustausch?

Wenn nein, warum nicht?

4

Sieht die Bundesregierung Unterschiede bei der Teilnehmeranzahl von Schüleraustauschprogrammen zwischen dem städtischen und dem ländlichen Raum?

Wenn ja, welche, und was sieht sie als Grund für die Unterschiede?

5

In welcher Höhe hat die Bundesregierung finanzielle Mittel zur Unterstützung der Länder in den letzten zehn Jahren für den Schüleraustausch bereitgestellt (bitte nach einzelnen Ländern und Jahren getrennt auflisten)?

6

Worin sieht die Bundesregierung die Ursachen, dass immer weniger Schülerinnen und Schüler an Auslands-Austauschprogrammen teilnehmen?

7

Hat die Bundesregierung Pläne, die Länder dabei zu unterstützen, Austauschprogramme unabhängig vom Einkommen der Eltern und/oder von der Schulform zu ermöglichen?

Wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?

8

Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, wie viele Jugendliche mit einer Behinderung in den letzten fünf Jahren an einem Schüleraustausch teilgenommen haben?

Wenn nein, plant die Bundesregierung, hier Zahlen von den Ländern zu erfragen, und wenn nein, warum nicht?

9

Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Länder dabei zu unterstützen, dass Jugendlichen mit einer Behinderung die Teilnahme an einem Schüleraustausch erleichtert wird?

10

Plant die Bundesregierung Maßnahmen, die Länder dabei zu unterstützen, dass mehr Schülerinnen und Schüler von Austauschprogrammen erfahren?

Wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?

11

Plant die Bundesregierung Maßnahmen, um Deutschland bei ausländischen Schülern und Schülerinnen als Austauschland attraktiver zu machen, wenn ja welche, und wenn nein, warum nicht?

12

Hat die Bundesregierung Kenntnisse, wie viele private Unternehmen Austauschprogramme anbieten?

13

Werden private Anbieter von Schüleraustausch von der Bundesregierung finanziell gefördert?

Wenn ja, wie, und in welcher finanziellen Höhe, und wenn nein, warum nicht?

14

Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob es seitens deutscher Schüler und Schülerinnen Probleme bei der Anerkennung von ausländischen Schulleistungen gibt?

15

Plant die Bundesregierung, die Länder dabei zu unterstützen, Förderprogramme für einen Schüleraustausch mit anderen EU-Staaten aufzulegen oder zu stärken?

Wenn nein, warum nicht, und wenn ja, wie sollen die konkret aussehen?

16

Ist eine Intensivierung von Austauschprogrammen mit bestimmten Staaten außerhalb der EU durch die Bundesregierung geplant, oder hat die Bundesregierung Kenntnisse über solche Pläne der Länder?

Wenn ja, um welche Staaten handelt es sich, warum mit diesen Staaten, und wie soll die Intensivierung durchgeführt werden?

17

Für welche Jugendwerke hat die Bundesregierung eine Verkürzung der finanziellen Mittel beschlossen, und wenn ja, warum ausgerechnet für diese Jugendwerke?

18

Eragtet die Bundesregierung die geplanten Förderungen des Deutsch- Israelischen Jugendwerkes, in Anbetracht der besonderen Beziehungen zum Staat Israel, als ausreichend (wenn ja, bitte begründen)?

Wenn nein, plant die Bundesregierung konkrete Maßnahmen, dies zu ändern?

19

Nach welchen Kriterien werden Jugendwerke mit den jeweiligen Ländern errichtet?

20

Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, für wie viele Schülerinnen und Schüler in den Jahren 2010 bis 2018 ein Schüleraustausch von ihren Lehrerinnen und Lehrern organisiert wurde, und wie hoch der zeitliche Aufwand für Lehrerinnen und Lehrer hierfür pro Jahr im Schnitt ist (bitte nach Ländern, Jahren und Dauer der Aufenthalte – mehrtägige Klassenfahrten, ein Aufenthalt von einigen Wochen oder mehr als drei Monaten – einzeln auflisten)?

21

Hat die Bundesregierung Pläne, beim Schüleraustausch, der von den Lehrern selbst organisiert wird, gemeinsam mit den Ländern die Lehrer zu entlasten und/oder Maßnahmen zu ergreifen, dass die Lehrer das nicht mehr ehrenamtlich in ihrer Freizeit machen müssen?

Wenn ja, welche Pläne konkret, und wenn nein, warum nicht?

Berlin, den 20. Juli 2020

Christian Lindner und Fraktion

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