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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Allergien und Allergiker in Deutschland

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

24.09.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2196931.08.2020

Allergien und Allergiker in Deutschland

der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Michael Theurer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Reinhard Houben, Olaf in der Beek, Dr. Marcel Klinge, Oliver Luksic, Alexander Müller, Matthias Seestern-Pauly, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Andrew Ullmann, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

„Im Laufe ihres Lebens erkranken mehr als 20 Prozent der Kinder und mehr als 30 Prozent der Erwachsenen an mindestens einer allergischen Erkrankung“, so das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Internetseite zu Allergien (https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Themen/Chronische_Erkrankungen/Allergien/Allergien_node.html). Besonders häufig treten nach Informationen des RKI Heuschnupfenallergien auf, rund 12 Prozent der Menschen sind hier betroffen, bei Nahrungsmittelallergien zeigen nur rund 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung allergische Reaktionen. Allerdings stammen die Daten des RKI aus dem Jahr 2011.

Das European Centre for Allergy Research Foundation (ECARF) verweist auf neuere Daten aus dem Jahr 2019, nach denen in Europa 15,6 Prozent aller Erwachsenen an Heuschnupfen leiden und 8,7 Prozent unter Asthma bronchiale. Weiter sind 8,6 Prozent der erwachsenen Menschen von Kontaktekzemen betroffen, danach folgen Nahrungsmittelallergien (5,0 Prozent), Neurodermitis (3,7 Prozent), Urtikaria (3,6 Prozent) und Insektengiftallergien (3,0 Prozent; vgl. https://www.ecarf.org/wp-content/uploads/factsheetallergien-ueberarbeitet-v3-190924.pdf).

Während Allergietests von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt werden, müssen Medikamente zur Behandlung von Allergien, etwa Antihistaminika, in der Regel von den Versicherten selbst bezahlt werden (https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/04/25/wirksames-gegen-allergie-was-zahlt-die-kasse). Gleichzeitig entstehen der Volkswirtschaft durch Allergien große Schäden, etwa durch Arbeitsunfähigkeit oder medizinische Folgen. Hierzu bietet die Gesundheitsberichterstattung des Bundes Daten, die allerdings aus dem Jahr 2000 stammen. Demnach lagen damals die Gesamtkosten für allergische Erkrankungen bei mehr als 6,7 Mrd. DM pro Jahr (http://www.gbe-bund.de/gbe10/abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gast&p_aid=0&p_knoten=FID&p_sprache=D&p_suchstring=4438::Krankheitskostenrechnung). Diese Zahlen dürften wegen der Inflation, des medizinischen Fortschritts und der Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur nach Auffassung der Fragesteller nur sehr geringe Aussagekraft für aktuelle Kosten haben, die durch allergische Erkrankungen verursacht werden.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen12

1

Welche Anzahl an Personen in Deutschland in welchen Altersgruppen leidet nach Kenntnis der Bundesregierung unter welchen Allergien, und wie hat sich diese Zahl jeweils jährlich seit dem Jahr 2000 entwickelt?

2

Wie verhält sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der an den einzelnen Allergien leidenden Menschen in Deutschland zu denen anderer EU-Staaten?

3

Welche Anzahl an Personen ist nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland jährlich seit 2017 an den Folgen einer Allergie, etwa durch einen anaphylaktischen Schock, gestorben?

4

Was löst nach Kenntnis der Bundesregierung Allergien aus?

5

Welche direkten und indirekten Kosten entstehen nach Kenntnis der Bundesregierung jährlich durch welche Allergien in Deutschland sowohl im Gesundheitssystem als auch in der Volkswirtschaft, und wo fallen diese jeweils an?

6

Könnten nach Ansicht der Bundesregierung durch eine bessere Prävention und frühere Behandlungen von Allergien Folgekosten vermieden werden, wenn ja wie, und in welchem Umfang?

7

In welchem Umfang wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren 2017, 2018, 2019 und 2020 Medikamente in Deutschland verkauft bzw. abgegeben, die zur Behandlung von Allergien verwendet werden, wie beispielsweise entsprechende Nasensprays oder Antihistaminika (bitte nach Wirkstoffen und Anzahl der Dosen und Umsatz aufschlüsseln)?

a) Welche Kosten sind hierbei der gesetzlichen Krankenversicherung entstanden?

b) Welche Kosten sind hierbei Privatpersonen entstanden?

8

Welche Anzahl an Personen wurde nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils in den Jahren 2017, 2018, 2019 und 2020 aufgrund einer Allergie ärztlich behandelt?

9

Was unternimmt die Bundesregierung, um Allergien zu vermeiden und die Belastung für Allergiker zu verringern?

10

Welche Präventionsmaßnahmen ergreift die Bundesregierung, um Allergien zu vermindern und um Aufklärung zu leisten?

a) In welcher Höhe sind diese Maßnahmen aus welchen Haushaltstiteln finanziert?

b) Welche Anzahl an Personen wird durch diese Maßnahmen jährlich erreicht?

c) Wie wird die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüft, wann gab es für welche Maßnahme eine Evaluation mit welchem Ergebnis?

11

Was unternimmt die Bundesregierung, um die Identifizierung von Allergenen auf Produkten zu verbessern, etwa durch eine eindeutige Kennzeichnung und die Definition von Mindestmengen?

12

Welche Forschungsprogramme zu Allergien fördert die Bundesregierung aktuell in welcher Höhe?

Berlin, den 26. August 2020

Christian Lindner und Fraktion

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