Posttraumatische Belastungsstörung bei Mitarbeitenden im Rettungsdienst
der Abgeordneten Pascal Kober, Sandra Bubendorfer-Licht, Stephan Thomae, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Sandra Bubendorfer-Licht, Dr. Marco Buschmann, Carl-Julius Cronenberg, Britta Katharina Dassler, Christian Dürr, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Dr. Christian Jung, Dr. Marcel Klinge, Daniela Kluckert, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Alexander Müller, Dr. Wieland Schinnenburg, Dr. Hermann Otto Solms, Michael Theurer, Gerald Ullrich, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Schwere Verletzungen, tödliche Unfälle, Amokläufe und Einsätze, bei denen kleine Kinder involviert sind – das sind nur einige Beispiele für Situationen, mit denen Mitarbeitende im Rettungsdienst in ihrem beruflichen Alltag konfrontiert werden. Solche Situationen können auf die Rettungskräfte belastend und auch traumatisch wirken. Als Folge des Erlebens einer oder mehrerer besonders belastender Situationen kann sich nach Ansicht der Fragesteller eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln. Bei der PTBS handelt es sich um eine schwerwiegende psychische Erkrankung, die die Lebensqualität massiv einschränkt und zu starkem Leiden bei den Betroffenen führen kann.
Neben den Mitarbeitenden im Rettungsdienst gibt es weitere Berufsgruppen, insbesondere auch im Bereich der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), bei denen die Mitarbeitenden besonders häufig Situationen ausgesetzt sind, die belastend oder auch traumatisch wirken können und in denen das Krankheitsbild PTBS überdurchschnittlich häufig auftritt. Als weitere Berufsgruppen sind hier beispielsweise Soldatinnen und Soldaten bei der Bundeswehr zu nennen. Die Bundeswehr hat dies erkannt und in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt die Versorgung der Betroffenen verbessert, Hilfsangebote entwickelt, präventive Maßnahme eingeführt und die Thematisierung psychischer Erkrankungen, welche teilweise noch immer gesellschaftlich tabuisiert werden, forciert. Dabei hat sich die Bundeswehr Erfahrungswissen angeeignet, welches auch für weitere Berufsgruppen nutzbar gemacht werden könnte.
Um Betroffene berufsfeldübergreifend optimal zu unterstützen, wäre es nach Ansicht der Fragesteller wünschenswert, wenn Erfahrungen und Best Practices aus unterschiedlichen Bereichen gebündelt und ein Austausch zwischen den besonders stark betroffenen Berufsgruppen initiiert werden würde. So könnten die unterschiedlichen Bereiche voneinander lernen und sich gemeinsam weiterentwickeln.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen33
Wie viele Mitarbeitende im Rettungsdienst gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung deutschlandweit (bitte nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach Ländern aufgliedern)?
Welcher Bedarf besteht nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit an Mitarbeitenden im Rettungsdienst (bitte nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach Ländern aufgliedern)?
Wie viele Arbeitskräfte fehlen nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit im Rettungsdienst (bitte nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach den Ländern aufgliedern)?
Wie lange ist nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittliche Verweildauer im Rettungsdienst (bitte für die Jahre 2010 bis 2020 angeben und nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach Ländern aufgliedern)?
Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Altersstruktur im Rettungsdienst (bitte prozentual angeben und nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach Ländern aufgliedern)?
Wie viele Krankheitstage haben nach Kenntnis der Bundesregierung Mitarbeitende im Rettungsdienst im Durchschnitt jährlich (bitte für die Jahre 2010 bis 2020 angeben sowie nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach Ländern aufgliedern)?
Was sind nach Kenntnis der Bundesregierung die zehn häufigsten Krankheitsursachen von Mitarbeitenden im Rettungsdienst, die zu einer Berufsunfähigkeit oder einer Krankschreibung von einem Monat oder länger geführt haben (bitte quantifizieren und nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach Ländern aufgliedern)?
Wie viele Mitarbeitende im Rettungsdienst haben nach Kenntnis der Bundesregierung berufsbedingt eine psychologische, psychotherapeutische und/oder psychiatrische Behandlung in Anspruch genommen (bitte für die Jahre 2010 bis 2020 angeben sowie nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach Ländern aufgliedern)?
Bei wie vielen Mitarbeitenden im Rettungsdienst wurde nach Kenntnis der Bundesregierung eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert (bitte für die Jahre 2010 bis 2020 angeben sowie nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach Ländern aufgliedern)?
Bei wie vielen Mitarbeitenden im Rettungsdienst wurde nach Kenntnis der Bundesregierung eine Berufsunfähigkeit aufgrund psychischer Belastungen festgestellt (bitte für die Jahre 2010 bis 2020 angeben sowie nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach Ländern aufgliedern)?
Wie viele Mitarbeitende im Rettungsdienst sind nach Kenntnis der Bundesregierung aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung aus dem Rettungsdienst ausgeschieden (bitte für die Jahre 2010 bis 2020 angeben sowie nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach Ländern aufgliedern)?
Wie viele Mitarbeitende im Rettungsdienst konnten nach Kenntnis der Bundesregierung nach einer posttraumatischen Belastungsstörung wieder erfolgreich in ihre vorherige berufliche Tätigkeit integriert werden (bitte für die Jahre 2010 bis 2020 angeben sowie nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach Ländern aufgliedern)?
Wie viele Suizide wurden nach Kenntnis der Bundesregierung von Mitarbeitenden im Rettungsdienst begangen (bitte für die Jahre 2010 bis 2020 angeben sowie nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach Ländern aufgliedern)?
Welche präventiven Maßnahmen werden nach Kenntnis der Bundesregierung angeboten, um einer posttraumatischen Belastungsstörung von Mitarbeitenden im Rettungsdienst vorzubeugen (bitte nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach Ländern aufgliedern)?
Von wie vielen Mitarbeitenden im Rettungsdienst werden nach Kenntnis der Bundesregierung diese Maßnahmen und Angebote in Anspruch genommen (bitte für die Jahre 2010 bis 2020 angeben und nach Art der Maßnahme und nach Ländern aufgliedern)?
Über welche Wege erhalten Mitarbeitende im Rettungsdienst nach Kenntnis der Bundesregierung Zugang zu solchen präventiven Maßnahmen, bzw. über welche Wege werden sie darüber informiert (bitte nach Art der Maßnahme und nach Ländern aufgliedern)?
Welche Hilfsangebote gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung für Mitarbeitende im Rettungsdienst, die im Rahmen ihrer Berufstätigkeit eine Situation erlebt haben, die belastend oder traumatisch wirkt (bitte nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach den Ländern aufgliedern)?
Von wie vielen Mitarbeitenden im Rettungsdienst werden nach Kenntnis der Bundesregierung diese Hilfsangebote in Anspruch genommen (bitte für die Jahre 2010 bis 2020 angeben und nach Art des Hilfsangebots und nach Ländern aufgliedern)?
Über welche Wege erhalten Mitarbeitende im Rettungsdienst nach Kenntnis der Bundesregierung Zugang zu solchen Hilfsangeboten, bzw. über welche Wege werden sie darüber informiert (bitte nach Art des Hilfsangebots und nach Ländern aufgliedern)?
Welche Hilfsangebote gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung für Mitarbeitende im Rettungsdienst, die an einer posttraumatischen Belastungsstörung erkrankt sind (bitte nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach den Ländern aufgliedern)?
Von wie vielen Mitarbeitenden im Rettungsdienst werden nach Kenntnis der Bundesregierung diese Hilfsangebote in Anspruch genommen (bitte für die Jahre 2010 bis 2020 angeben und nach Art des Hilfsangebots und nach Ländern aufgliedern)?
Über welche Wege erhalten Mitarbeitende im Rettungsdienst nach Kenntnis der Bundesregierung Zugang zu solchen Hilfsangeboten, bzw. über welche Wege werden sie darüber informiert (bitte nach Art des Hilfsangebots und nach Ländern aufgliedern)?
Welche Unterstützung wird nach Kenntnis der Bundesregierung Mitarbeitenden im Rettungsdienst zur Verfügung gestellt, um ihre Resilienz zu fördern (bitte nach Notfallsanitätern – ehemals Rettungsassistenten – und Rettungssanitätern sowie nach Ländern aufgliedern)?
Von wie vielen Mitarbeitenden im Rettungsdienst werden nach Kenntnis der Bundesregierung diese Unterstützungsleistungen in Anspruch genommen (bitte für die Jahre 2010 bis 2020 angeben und nach Art der Unterstützung und nach Ländern aufgliedern)?
Über welche Wege erhalten Mitarbeitende im Rettungsdienst nach Kenntnis der Bundesregierung Zugang zu solchen Unterstützungsangeboten, bzw. über welche Wege werden sie darüber informiert (bitte nach Art der Unterstützung und nach Ländern aufgliedern)?
Welche präventiven Maßnahmen plant die Bundesregierung darüber hinaus, um posttraumatischen Belastungsstörungen bei Mitarbeitenden im Rettungsdienst vorzubeugen?
Welche Studien sind der Bundesregierung bekannt, die sich mit dem Thema posttraumatische Belastungsstörung im Rettungsdienst befassen?
Welche Studien hat die Bundesregierung zum Thema posttraumatische Belastungsstörung im Rettungsdienst in Auftrag gegeben?
Welche Kooperationen bestehen zwischen dem Rettungsdienst und anderen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) sowie der Bundeswehr hinsichtlich der Prävention, der Erkennung und des Umgangs mit posttraumatischen Belastungsstörungen?
Welche Kooperationen sind nach Kenntnis der Bundesregierung zwischen dem Rettungsdienst und anderen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) sowie der Bundeswehr hinsichtlich der Prävention, der Erkennung und des Umgangs mit posttraumatischen Belastungsstörungen geplant?
Welchen Austausch und welche Kooperationen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung zwischen den Ländern hinsichtlich der Prävention, der Erkennung und des Umgangs mit posttraumatischen Belastungsstörungen in Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS; bitte nach Ländern aufgliedern)?
Welche länderübergreifenden Angebote gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung hinsichtlich der Prävention, der Erkennung und des Umgangs mit posttraumatischen Belastungsstörungen?
Welchen Austausch und welche Kooperationen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung mit anderen Staaten hinsichtlich der Prävention, der Erkennung und des Umgangs mit posttraumatischen Belastungsstörungen in Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS; bitte nach den Staaten aufgliedern)?