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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Biotechnologie-Standort Deutschland - Antiinfektiva und Impfstoffe
(insgesamt 85 Einzelfragen)
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Datum
05.11.2020
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/2317807.10.2020
Biotechnologie-Standort Deutschland - Antiinfektiva und Impfstoffe
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Mario Brandenburg (Südpfalz),
Katja Suding, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Britta Katharina Dassler,
Peter Heidt, Renata Alt, Christine Aschenberg-Dugnus, Nicole Bauer, Jens Beeck,
Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker,
Reginald Hanke, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja
Hessel, Manuel Höferlin, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek,
Dr. Christian Jung, Karsten Klein, Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Carina
Konrad, Konstantin Kuhle, Roman Müller-Böhm, Dr. Martin Neumann, Matthias
Nölke, Bernd Reuther, Dr. Wieland Schinnenburg, Matthias Seestern-Pauly, Frank
Sitta, Dr. Hermann Otto Solms, Linda Teuteberg, Michael Theurer, Stephan
Thomae, Dr. Florian Toncar, Gerald Ullrich, Sandra Weeser, Nicole Westig,
Katharina Willkomm und der Fraktion der FDP
Biotechnologie-Standort Deutschland – Antiinfektiva und Impfstoffe
Die aktuelle SARS-CoV-2-Pandemie hat gezeigt, dass Infektionserreger mit
neuartigen Eigenschaften, die ein schwerwiegendes Seuchenereignis auslösen,
plötzlich auftreten können und massive, disruptive Implikationen auf das
Gesundheitssystem und auf die gesellschaftliche wie wirtschaftliche Entwicklung
der Bundesrepublik Deutschland haben können. Neben Pandemien, ausgelöst
durch Viren, rückt auch die zunehmende Gefahr steigender Infektionszahlen,
ausgelöst durch multiresistente Bakterien, in den Fokus.
Als Reaktion auf die Auswirkungen der SARS-Coronavirus(CoV)-Pandemie
von 2002/2003, die erste Pandemie des 21. Jahrhunderts, wurde die
Risikoanalyse „Pandemie durch Virus Modi-SARS“ unter fachlicher Federführung des
Robert Koch-Instituts (RKI) und unter Mitwirkung weiterer Bundesbehörden
durchgeführt und am 3. Januar 2013 auf der Bundestagsdrucksache 17/12051
veröffentlicht. Im Verlauf der SARS-CoV-2-Pandemie 2019/2020 ist nach
Ansicht der Fragesteller deutlich geworden, dass Empfehlungen und Maßnahmen
aus der Risikoanalyse „Pandemie durch Virus Modi-SARS“ von der
Bundesregierung nicht oder nur unvollständig umgesetzt wurden. Durch die SARS-
CoV-2-Pandemie werden nach Auffassung der Fragesteller grundsätzliche
Schwächen des Biotechnologie-Standorts Deutschland im Bereich der
Antiinfektiva deutlich. Antiinfektiva sind Wirkstoffe zur Behandlung von
Infektionskrankheiten. Diese Anfrage beschäftigt sich mit aktuellen Problemen im
Bereich der Forschung und Entwicklung von Impfstoffen, Virostatika
(Substanzen, welche die Vermehrung von Viren hemmen), und Antibiotika (Substanzen,
welche hemmendend oder toxisch auf Bakterien wirken). Es ist nach Ansicht
der Fragesteller politischer Handlungsbedarf erforderlich, der nicht nur
Deutschland als Biotechnologie-Standort stärkt, sondern die Bundesrepublik
Deutschland für zukünftige Epidemien und Pandemien besser aufstellt.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/23178
19. Wahlperiode 07.10.2020
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hoch sind die von der Bundesregierung bereitgestellten Mittel für die
wissenschaftliche Forschung im Bereich der Infektionsforschung?
a) Wie haben sie sich in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte jährlich
in absoluten Zahlen und in Prozent der gesamten Fördermittel für
wissenschaftliche Forschung darstellen)?
b) Wie viel Prozent der durch die Bundesregierung bereitgestellten Mittel
für die wissenschaftliche Forschung im Bereich der Life Sciences/
Biomedizin fließen in den Bereich der Infektionsforschung, wie viel
Prozent in die Krebsforschung, wie viel Prozent in die Erforschung
kardiovaskulärer Erkrankungen, und wie viel Prozent in restliche
Bereiche (bitte die letzten zehn Jahre darstellen)?
c) Wie viel Prozent der durch die Bundesregierung bereitgestellten Mittel
für die wissenschaftliche Forschung im Bereich Infektionsforschung
fließen in den Bereich der Bakteriologie, wie viel Prozent in den
Bereich der Virologie, und wie viel Prozent in restliche Bereiche der
Infektionsforschung (bitte die letzten zehn Jahre darstellen)?
d) Wie viel Prozent der durch die Bundesregierung bereitgestellten Mittel
für die wissenschaftliche Forschung im Bereich der Life Sciences/
Biomedizin fließen in den Bereich der angewandten Forschung, wie
viel Prozent in die Grundlagenforschung (bitte die letzten zehn Jahre
darstellen)?
e) Plant die Bundesregierung, die bereitgestellten Mittel für die
wissenschaftliche Forschung im Bereich der Infektionsforschung zu erhöhen?
2. Liegen der Bundesregierung Zahlen vor, wie viel Prozent des in
Deutschland insgesamt verfügbaren Wagniskapitals in dem Bereich der
Biotechnologie/Life Science/Biomedizin, speziell in die Forschung und Entwicklung
von Antiinfektiva geht?
a) Falls ja, wie sehen diese aus?
b) Falls ja, wie haben sich diese Zahlen die letzten zehn Jahren
entwickelt?
c) Falls nein, ist die Bundesregierung bereit, diese zu ermitteln?
Wenn nein, warum nicht?
3. Wie erklärt sich die Bundesregierung, dass in Deutschland von den
insgesamt 6,2 Mrd. Euro an Wagniskapital für deutsche Startups 2019 nur
1,5 Prozent in Startups im Bereich der Biotechnologie investiert wurden (a
ssets.ey.com/content/dam/ey-sites/ey-com/de_de/news/2020/01/ey-start-u
p-barometer-januar-2020.pdf)?
4. Wie bewertet die Bundesregierung die Zahl der Gründungen im Bereich
der Biotechnologie in Deutschland im internationalen Vergleich?
5. Teilt die Bundesregierung die Auffassung der Fragesteller, dass das
mangelhafte Kapitalökosystem in Deutschland dazu beiträgt, dass die Zahl der
Gründungen im Bereich der Biotechnologie niedrig ist?
Falls ja, warum?
Falls nein, warum nicht?
6. Teilt die Bundesregierung die Auffassung der Fragesteller, dass im
internationalen Vergleich die Zahl der Gründungen in Deutschland im Bereich der
Biotechnologie niedrig ist?
Wenn ja, was sind die Gründe?
Wenn nein, warum nicht?
7. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung generell, um den
Biotechnologie Standort Deutschland attraktiver für Gründungen zu machen?
8. Wie erklärt sich die Bundesregierung die Tatsache, dass im Jahr 2019 in
Großbritannien fast dreimal so viel Risikokapital für Biotech-
Unternehmen eingeholt wurde wie in Deutschland (www.nature.com/articl
es/s41587-020-0483-6)?
9. Welche Rolle spielen aus Sicht der Bundesregierung Family Offices und
Business Angels für die Finanzierung deutscher Biotechnologie-
Unternehmen im Vergleich zu Wagniskapitalgesellschaften?
10. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um das in Deutschland
verfügbare Wagniskapital für die Biotechnologie-Branche zu erhöhen?
11. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um das in Deutschland
verfügbare Wagniskapital für die Forschung und Entwicklung von
Antiinfektiva zu erhöhen und bestehende Maßnahmen zu evaluieren?
12. Wie erklärt sich die Bundesregierung, dass ein Großteil der Börsengänge
deutscher Biotechnologie-Unternehmen an Börsen in den Vereinigten
Staaten stattfinden (assets.ey.com/content/dam/ey-sites/ey-com/de_de/new
s/2020/04/ey-deutscher-biotech-report-2020.pdf und www.handelsblat
t.com/unternehmen/industrie/finanzierung-warum-sich-immer-mehr-deuts
che-biotechs-ihr-kapital-in-den-usa-besorgen/24193992.html?ticket=ST-5
051030-ZQRUdSeYhPTVvUbKBoQv-ap5)?
13. Wie bewertet die Bundesregierung den Zugang deutscher Biotech-Firmen
zu staatlichem Kapital im Vergleich zu den USA?
a) Teilt die Bundesregierung die Auffassung der Fragesteller, dass
deutsche Biotech-Firmen in den USA schneller als in Deutschland Zugang
zu privatem Kapital erlangen können?
Falls ja, warum?
Falls nein, warum nicht?
b) Teilt die Bundesregierung die Auffassung der Fragesteller, dass
deutsche Biotech-Firmen aufgrund des mangelnden Kapitalökosystems in
Deutschland einen Börsengang in den USA gegenüber Deutschland
bevorzugen?
c) Plant die Bundesregierung generell Maßnahmen, die Zahl an
Börsengängen deutscher Biotechnologie-Unternehmen an deutschen Börsen
zu erhöhen, und wenn ja, welche?
14. Welche Gründe haben aus Sicht der Bundesregierung dazu geführt, dass
die großen pharmazeutischen Unternehmen heute weitgehend ihre
Forschungsaktivitäten im Bereich der Antibiotika eingestellt haben (www.oec
d.org/g20/summits/hamburg/Tackling-Antimicrobial-Resistance-Ensuring-
Sustainable-RD.pdf und https://www.sciencedirect.com/science/article/ab
s/pii/S1369527403001097?via%3Dihub)?
15. Liegen der Bundesregierung Zahlen zu den Marktanteilen deutscher
pharmazeutischer Unternehmen im Impfstoffmarkt vor?
a) Falls ja, wie sehen diese aus?
b) Falls nein, ist die Bundesregierung bereit, diese zu ermitteln?
Wenn nein, warum nicht?
16. Teilt die Bundesregierung die Auffassung der Wirtschaftswissenschaftlerin
Prof. Mariana Mazzucato, dass risikoreiche Investitionen in für die
Gesellschaft bedeutende Bereiche, wie z. B. die Forschung und Entwicklung von
Antiinfektiva, vom Staat getätigt werden sollten, um einem Marktversagen
auf diesem Feld entgegenzuwirken?
17. Welche Formen der Push-Mechanismen (d. h. Mechanismen, die zur
Kostenreduzierung und Risikodiversifizierung der Forschung und Entwicklung
neuer Antiinfektiva beitragen) plant die Bundesregierung?
a) Welche Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln zieht die
Bundesregierung aus den Anstrengungen Australiens (Biomedical Translation
Fund, www.business.gov.au/Grants-and-Programs/Biomedical-Translat
ion-Fund) und der Schweiz (Zukunftsfonds Schweiz, www.nzz.ch/fina
nzen/zukunftsfonds-schweiz-spaltet-weiter-die-gemueter-ld.1349041),
mit Hilfe eines öffentlich-privatwirtschaftlichen Fonds die
Investitionen in den Bereich der Biotechnologie zu steigern?
b) Plant die Bundesregierung die Schaffung eines Fonds, wie
beispielsweise der australische Biomedical Translation Fund, um Investition in
dem Bereich der Biotechnologie zu steigern, und falls nein, warum
nicht?
c) Plant die Bundesregierung die Schaffung eines öffentlichen Fonds für
die Steigerung der Investitionen in Forschung und Entwicklung von
Antiinfektiva, und falls nein, warum nicht?
d) Wie kompetitiv ist aus Sicht der Bundesregierung die deutsche
Besteuerung von Investitionen durch Business Angels und Family Offices
speziell in Forschung und Entwicklung von Antiinfektiva im
internationalen Vergleich?
e) Plant die Bundesregierung, Investitionen durch Business Angels und
Family Offices speziell in Forschung und Entwicklung von
Antiinfektiva steuerlich zu bevorteilen, und falls nein, warum nicht?
f) Falls ja, wie genau plant die Bundesregierung, diese steuerlichen
Vorteile zu gestalten?
g) Plant die Bundesregierung die Schaffung von Möglichkeiten, dass
beispielsweise Krankenversicherungen und Pensionsfonds in Biotech
investieren können?
18. Welche Formen der Pull-Mechanismen (d. h. Mechanismen, welche die
erfolgreiche Entwicklung von Antiinfektiva belohnen) plant die
Bundesregierung?
a) Plant die Bundesregierung Belohnungen für den Markteintritt von
Antiinfektiva („market entry rewards“) , und falls nein, warum nicht?
b) Plant die Bundesregierung die Aussetzung des Festbetragssystems bei
Antiinfektiva, und falls nein, warum nicht?
c) Plant die Bundesregierung die Einführung von Marktexklusivitäts-
Gutscheinen beim Auslauf des Patentschutzes z. B. innerhalb von zehn
Jahren nach Markteintritt, und falls nein, warum nicht?
19. Plant die Bundesregierung eine Entkopplung der Vergütung antiinfektiver
Präparate von Verkaufszahlen?
Falls ja, in Form von Garantien, um eine vereinbarte Anzahl an
Wirkstoffen abzunehmen bzw. zu kaufen?
Falls ja, in welchen anderen Formen?
Falls nein, warum nicht?
20. Aus welchen Gründen wurde das milliardenschwere Förderprogramm zur
Erforschung von Antibiotikaresistenzen, welches die Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel auf dem G7-Gipfel 2015 und beim G20-Gipfel 2017
angekündigt hatte, nie vollständig realisiert (https://www.faz.net/aktuell/wi
rtschaft/g-20-gipfel-merkel-kaempft-gegen-die-killerkeime-1509474
1.html)?
a) Wie hoch sind die Restmittel aus dem Förderprogramm?
b) Plant die Bundesregierung, die Restmittel zur Erforschung von
Antibiotikaresistenzen einzusetzen, und falls nein, warum nicht?
21. Wie positioniert sich die Bundesregierung zu der Forderung führender
Wissenschaftler nach einem internationalen Fonds („Global Vaccine
Development Fund“) für die Entwicklung von Impfstoffen und Virostatika
gegen potenziell auftretende Infektionskrankheiten, die ein schwerwiegendes
Seuchenereignis auslösen könnten, wie z. B. SARS-CoV-2?
a) Plant die Bundesregierung, sich federführend an der Etablierung eines
solchen Fonds zu beteiligen, und falls nein, warum nicht?
b) Wie beurteilt die Bundesregierung die Etablierung eines ähnlichen
Fonds zur Förderung der Forschung und Entwicklung neuer
Antibiotika?
22. Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus den Anstrengungen der
amerikanischen Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde
(FDA – Food and Drug Administration), die Wirkstoffentwicklung bereits
in einer frühen Phase strategisch zusammen mit Universitäten und
Biotech-Start-ups zu beraten („A decision to proceed with a “target
product profile” entails plans for human clini-cal experimentation, developed
with guidance from the FDA.“, https://www.jci.org/articles/view/12
9122.)?
a) Plant die Bundesregierung, das Bundesinstitut für Arzneimittel und
Medizinprodukte (BfArM) in die strategische Projektplanung von
Wirkstoffen durch Biotech-Unternehmen und/oder Universitäten
stärker einzubeziehen, und falls nein, warum nicht?
b) Plant die Bundesregierung, das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in die
strategische Projektplanung von Impfstoffen durch Biotech-Unternehmen
und/oder Universitäten stärker einzubeziehen, und falls nein, warum
nicht?
c) Wie lange dauert im Durchschnitt der gesamte Prozess, also die
„Turnaround Time“ (vom Antrag bis zum Erhalt der Leistung), als Biotech-
Unternehmen einen sogenannten Scientific Advice durch das BfArM
bzw. das PEI zu erhalten?
Wie ist die Zeitdauer im internationalen Vergleich?
d) Wirkt die Bundesregierung darauf hin, Zulassungsverfahren für
Impfstoffe und Antiinfektiva durch die Europäische Arzneimittel-Agentur
(EMA) zu beschleunigen, und falls nein, warum nicht?
23. Plant die Bundesregierung, dem EXIST-Programm des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) Fördermittel zur Verfügung zu
stellen, um insbesondere die Gründungsaktivität im Bereich der
Antiinfektiva zu fördern, und falls nein, warum nicht?
24. Plant die Bundesregierung, der durch das Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF) initiierten Gründungsoffensive Biotechnologie
(„GO-Bio“) zusätzliche finanzielle Mittel zukommen zu lassen, um
insbesondere Projekte mit Fokus auf den Bereich der Antiinfektiva zu fördern,
und falls nein, warum nicht?
25. Plant die Bundesregierung, durch das Förderprogramm „GO-Bio initial“
auch Projekte im Bereich der Antiinfektiva zu fördern, und falls nein,
warum nicht?
26. Plant die Bundesregierung Anreize zu schaffen, durch das
Förderprogramm „GO-Bio initial“ vermehrt Projekte im Bereich der Antiinfektiva
zu fördern, und falls nein, warum nicht?
27. Welche Projekte im Bereich pharmazeutische Biotechnologie wurden im
Rahmen des vom BMBF aufgelegten Förderprogramm „KMU-innovativ“
(KMU = kleine und mittlere Unternehmen) gefördert, und welche Projekte
wurden abgelehnt, und warum?
28. Wie viel Prozent der geförderten Projekte und wie viel Prozent der
Fördervolumen von „KMU-innovativ“ gehen in Projekte biotechnologischer
Verfahren insbesondere in pharmazeutische Biotechnologie im Bereich
Antiinfektiva?
29. Werden nach Kenntnis der Bundesregierung mit der am 8. Mai 2020
bekannt gemachten Neuauflage von „KMU-innovativ“ Projekte der
pharmazeutischen Biotechnologie gefördert (bitte drei Beispiele nennen)?
30. Wie viele Projekte im Bereich der Biotechnologie in Relation zur
Gesamtzahl an Projekten liegen der Agentur für Sprunginnovation gegenwärtig
zur Prüfung oder Förderung vor?
31. Wie erklärt sich die Bundesregierung, dass die Ausgründungsrate aus
Universitäten (Total Early-Stage Entrepreneurial Activity Rate) in
Deutschland im internationalen Vergleich niedrig ist (gruender.wiwo.de/studie-deu
tschlands-wissenschaftler-gruenden-zu-wenig/ und https://www.pressebo
x.de/inaktiv/unternehmertum-gmbh/Forschung-spitze-Verwertung-beschei
den-Auf-der-Suche-nach-den-Gruenden/boxid/974479)?
32. Liegen der Bundesregierung Zahlen zur Ausgründungsrate aus
Universitäten in Deutschland im Bereich der Life Science/Biomedizin/
Biotechnologie vor?
Falls ja, wie haben sich diese Zahlen den letzten zehn Jahren entwickelt
(bitte jährlich darstellen)?
Falls nein, plant die Bundesregierung, diese Zahlen zu ermitteln?
Wenn ja, wann ist mit Ergebnissen zu rechnen?
33. Plant die Bundesregierung Maßnahmen, um den Wechsel von
Wissenschaftlern zwischen akademischer Forschung und unternehmerischen
Aktivitäten in Deutschland zu vereinfachen, und wenn ja, welche?
a) Welche Konsequenzen für ihre eigenen Vorhaben zieht die
Bundesregierung aus den Vorschlägen von Experten, eine Reform des
Hochschulgesetzes anzustoßen, sodass Professoren freiwillig aus dem
Beamtenverhältnis aus- und wieder eintreten können, um
Gründungsaktivitäten voranzutreiben, und welche beamtenrechtlichen und
arbeitsrechtlichen Vorgaben stehen einem solchen Aus- und Wiedereintritt aus
dem Beamtenverhältnis entgegen, und falls nein, warum nicht?
b) Welche Konsequenzen für ihr eigenes Vorhaben zieht die
Bundesregierung aus den Anstrengungen weltführender Universitäten, wie z. B. des
Massachusetts Institute of Technology (MIT) oder des Imperial
College London, Professoren neben ihren akademischen Pflichten
Freiheiten zu verschaffen, um eigene Start-ups zu gründen bzw. zu betreuen
(www.bitkom.org/sites/default/files/2020-06/200605_impulspapier_ki-
forschung.pdf)?
34. Plant die Bundesregierung, dem Beispiel weltführender Universitäten wie
dem MIT oder dem Imperial College London zu folgen und Professuren zu
schaffen, die durch Hochschullehrerinnen oder Hochschullehrer besetzt
werden, die Teilzeit an der Universität präsent sein und Teilzeit in eigenen
Start-ups oder in der Industrie tätig sein können, und falls nein, warum
nicht?
35. Wie schätzt die Bundesregierung die generelle Ausrichtung der Forschung
bei den Alexander-von-Humboldt-Professuren ein (Grundlagenforschung
oder angewandte oder translationale Forschung)?
a) Wie viele der mit einer Alexander-von-Humboldt-Professur besetzten
Lehrstühle sind nach Kenntnis der Bundesregierung auf
Grundlagenforschung ausgerichtet?
b) Wie viele der mit einer Alexander-von-Humboldt-Professur besetzten
Lehrstühle sind nach Kenntnis der Bundesregierung auf angewandte
Forschung ausgerichtet?
c) Wie viele der mit einer Alexander-von-Humboldt-Professur besetzten
Professuren sind nach Kenntnis der Bundesregierung auf translationale
Forschung ausgerichtet?
d) Wie viele der mit einer Alexander-von-Humboldt-Professur besetzten
Professuren sind nach Kenntnis der Bundesregierung auf
Infektionsforschung ausgerichtet?
e) Plant die Bundesregierung, in Zukunft die Vergabe bzw. Förderung von
Alexander-von-Humboldt-Professuren im Bereich der angewandten
und im Bereich der translationalen Forschung im Vergleich zur
Grundlagenforschung zu erhöhen?
36. Mit welchen Projekten der Bundesregierung wurde angewandte Forschung
in den letzten zehn Jahren nachweislich gefördert?
Welche Qualitätskontrollmechanismen und Evaluierungsmechanismen
nutzt die Bundesregierung, um den Forschungsoutput ihrer Maßnahmen
zur Stärkung der translationalen und angewandten Forschung zu messen?
37. Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus der Forderung der
Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die translationale Forschung in der
Universitätsmedizin zu fördern?
a) Unternimmt die Bundesregierung Anstrengungen, um an den
Medizinischen Fakultäten eine der Translation zugewandte Forschungskultur,
ein „Mindset für Translation“ zu stärken, und falls nein, warum nicht?
b) Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus der Forderung,
Ausbildungsstrukturen weiterzuentwickeln, um Wissenschaftler frühzeitig an
translationale Forschung heranzuführen und den damit verbundenen
Ansprüchen gerecht zu werden?
c) Welche Anstrengungen unternimmt die Bundesregierung momentan,
um dies zu fördern?
d) Will die Bundesregierung die von der DFG geforderten Translations-
Hubs aufbauen, und falls ja, bis wann, und falls nein, warum nicht?
38. Plant die Bundesregierung, in diesen Translations-Hubs Mitarbeiter des
Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte und Mitarbeiter des
Paul-Ehrlich-Instituts aktiv in die strategische Planung der
Wirkstoffentwicklung einzubinden?
39. Plant die Bundesregierung, das Personal und die finanziellen Kapazitäten
von BfArM und PEI dazu auszubauen, um diese Behörden zu stärken?
40. Würde die Bundesregierung die Etablierung von Patent- oder „Technology
Development“-Büros nach amerikanischem Vorbild (otd.harvard.edu/facul
ty-inventors/resources/resources-for-entrepreneurs/) an deutschen
Universitäten und/oder an Fachhochschulen (FHs) bzw. Hochschulen für
Angewandte Wissenschaften (HAWs) begrüßen?
Falls ja, plant die Bundesregierung Maßnahmen, um Patent- oder
„Technology Development“-Büros nach amerikanischem Vorbild an deutschen
Hochschulen zu etablieren?
41. Wie positioniert sich die Bundesregierung zu der Lösung, ein
Biotechspezialisiertes „Technology Development“-Büro zu etablieren, welches
durch Kooperation ausgewählter Universitäten in Deutschland geführt
wird?
42. Wie gut sind existierende Patent- oder „Technology Development“-Büros
an deutschen Universitäten derzeit nach Kenntnis und Einschätzung der
Bundesregierung besetzt?
Welche Kompetenzen für Patent- oder „Technology Development“-Büros
in Deutschland sind nach Kenntnis der Bundesregierung nötig, um das
Niveau US-amerikanischer Patent- oder „Technology Development“-Büros
zu erreichen?
43. Fördert die Bundesregierung die Aufgabe, hochqualifizierte
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Tätigkeiten in Patent- oder „Technology
Development“-Büros deutscher Universitäten zu gewinnen, und wenn ja,
wie?
44. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus den Anstrengungen
US-amerikanischer Universitäten, die Anzahl von Ausgründungen aus
Universitäten massiv zu erhöhen, durch sogenannte Talent Scouts der
Patent- oder „Technology Development“-Büros, die Forschungsergebnisse
identifizieren, welche das Potenzial für die Kommerzialisierung neuer
Wirkstoffe haben?
Plant die Bundesregierung, in Abstimmung mit den Landesregierungen die
Einführung solcher Strukturen an deutschen Universitäten, und falls nein,
warum nicht?
45. Wie beurteilt die Bundesregierung die Qualität und die finanzielle
Ausstattung (Anzahl an Publikationen im Bereich Life Sciences, Anzahl an
Biotech-Unternehmen, Anzahl an Pharma-Unternehmen, Skalierung dieser
Unternehmen, Anzahl an Universitätskliniken und
Forschungseinrichtungen, Förderung des Wissenstransfers zwischen Universitäten,
Forschungseinrichtungen und Biotech-Unternehmen) deutscher Biotech-Cluster im
internationalen Vergleich?
46. Welche Großräume und Regionen zählen nach Kenntnis der
Bundesregierung zu den größten Biotechnologie-Clustern (weltweit, in Europa und in
Deutschland)?
47. Teilt die Bundesregierung die Auffassung der Fragesteller, dass
Biotechnologie-Cluster in Deutschland weniger Forschungsoutput in Form
von kommerzialisierbaren Wirkstoffen generieren als Biotechnologie-
Cluster in Großbritannien oder den USA?
48. Wie erklärt sich die Bundesregierung, dass sich laut dem Times Higher
Education World University Ranking (www.timeshighereducation.com/wo
rld-university-rankings/2020/subject-ranking/life-sciences), dem
ShanghaiRanking (www.shanghairanking.com/Shanghairanking-Subject-Rankin
gs/biological-sciences.html) und dem QS World University Ranking
(www.topuniversities.com/university-rankings/university-subject-ranking
s/2020/life-sciences-medicine) keine deutsche Universität im Bereich Life
Sciences unter den Top 30 befindet?
49. Plant die Bundesregierung Maßnahmen, um die Qualität der Universitäten
und ihrer Cluster im Bereich der Life Sciences im internationalen
Vergleich zu erhöhen, und wenn ja, welche?
50. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um Biotechnologie-
Cluster weiter zu fördern?
a) Sind der Bundesregierung die Anstrengungen Großbritanniens zur
Förderung von Biotech-Clustern durch Enterprise Zones bekannt, und
wenn ja, wie ordnet sie diese ein (https://www.gov.uk/government/new
s/life-science-sector-boosted-by-enterprise-zones und https://enterprise
zones.communities.gov.uk/enterprise-zones-by-sector/)?
b) Plant die Bundesregierung eine Einführung von Enterprise Zones wie
in Großbritannien zur Förderung von Biotech-Clustern, falls nein,
warum nicht?
c) Plant die Bundesregierung, Forschungsausschreibungen mit der
Aufforderung des Clusterbezugs zu versehen, um den messbaren
Forschungsoutput aus Clustern zu erhöhen?
51. Plant die Bundesregierung, die Netzwerkbeziehungen und Kooperationen
zwischen Biotech-Clustern innerhalb Deutschlands zu fördern, und falls ja,
wie, und falls nein, warum nicht?
52. Plant die Bundesregierung eine Neuauflegung einer Clusterförderung am
Beispiel der vom BMBF initiierten BioRegio-Initiative, insbesondere zur
Förderung der Infektionsforschung innerhalb der Biotech-Cluster in
Deutschland?
53. Aus welchen Gründen wurde die Fördermaßnahme „Spitzencluster-
Wettbewerb“ des BMBF eingestellt (https://www.clusterplattform.de/CLU
STER/Navigation/DE/Bund/SpitzenclusterWettbewerb/spitzencluster-wett
bewerb.html)?
Plant die Bundesregierung eine Neuauflage der Fördermaßnahme
„Spitzencluster-Wettbewerb“, um die Clusterentwicklung in Deutschland
insbesondere im Bereich der Biotechnologie zu fördern?
Falls nein, warum nicht?
54. Wie bewertet die Bundesregierung unter der Voraussetzung, dass Cluster
sowohl durch private als auch durch öffentlich geförderte
Clustermanagement-Strukturen wie die BioM Biotech Cluster
Development GmbH in München oder die „BioRegio-Initiative“ gefördert werden
können, die Forderung der Fragesteller, öffentlich geförderte
Clustermanagement-Organisationen zu schaffen, die nicht nur bei Biotech-
Gründungen unterstützen, sondern auch aktiv die Patentverwertung
mitgestalten und bei rechtlichen Fragen unterstützen?
Plant die Bundesregierung die Schaffung solcher Clustermanagement-
Organisationen, z. B. im Rahmen eines neuen Spitzencluster-Wettbewerbs
oder der Exzellenzstrategie?
55. Wie viele Wissenschaftler in Deutschland sind nach Kenntnis der
Bundesregierung im Bereich der Life Sciences
a) in den Universitäten,
b) in außeruniversitären Forschungsinstituten beschäftigt?
56. Wie viele Wissenschaftler in Deutschland sind nach Kenntnis der
Bundesregierung im Bereich der Infektionsforschung
a) in den Universitäten,
b) in außeruniversitären Forschungsinstituten beschäftigt?
57. Liegen der Bundesregierung aktuelle Zahlen zur Zuwanderung
ausländischer Wissenschaftler und zur Abwanderung deutscher Wissenschaftler im
Bereich Life Sciences vor?
a) Falls ja, wie viele Zuwanderungen und Abwanderungen sowie
Nettogewinne und Nettoverluste gibt es?
b) Falls ja, wie haben sich die Zahlen der letzten zehn Jahre entwickelt
(jährliche Darstellung in absoluten Zahlen)?
Falls nein, warum nicht?
c) Falls nein, ist die Bundesregierung bereit, diese Zahlen zu ermitteln?
Falls nein, warum nicht?
58. Welche sind nach Kenntnis der Bundesregierung die fünf häufigsten
Zielländer deutscher Wissenschaftler auf dem Feld der Life Sciences, die
Deutschland verlassen?
59. Wie erklärt sich die Bundesregierung das Abwandern deutscher
Wissenschaftler auf dem Feld der Life Sciences ins Ausland?
60. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um mehr ausländische
Wissenschaftler auf dem Feld der Life Sciences dazu zu bewegen, in
Deutschland zu forschen?
61. Hat die Bundesregierung erwogen oder geprüft, eine steuerliche Förderung
bzw. steuerliche Anreize, z. B. in Form einer geringeren Einkommensteuer
für Wissenschaftler wie in Dänemark einzuführen (www.rechtdaenisch.de/
unternehmen/steuerrecht/steuerverguenstigungen-forscher-daenemark/)?
Falls nein, warum nicht?
Falls ja, wann plant die Bundesregierung, die Umsetzung dieser
Steuervorteile vollzogen zu haben?
Falls ja, wie will die Bundesregierung dieses Steuermodell gestalten?
62. Hat die Bundesregierung erwogen oder geprüft, ein „Fast Track Talent
Visum“, wie es in Großbritannien geplant ist, einzuführen (https://www.bb
c.com/news/science-environment-51258068)?
Falls nein, warum nicht?
Falls ja, wann plant die Bundesregierung, die Einführung eines „Fast
Track Talent Visums“ vollzogen zu haben?
Falls ja, wie will die Bundesregierung diese Art des „Fast Track Talent
Visums“ gestalten?
63. Wie beurteilt die Bundesregierung die Stärken und Schwächen der
Infektionsforschung in Deutschland im internationalen Vergleich
a) an den Universitäten,
b) an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und
Fachhochschulen,
c) an außeruniversitären Forschungsinstituten?
d) Auf Grundlage welcher Vergleichsdaten beurteilt die Bundesregierung
die Stärken und Schwächen der Infektionsforschung in Deutschland im
internationalen Vergleich?
64. Kann sich die Bundesregierung spezielle Leitlinien auf dem Gebiet der
Infektionsforschung im Rahmen der Exzellenzstrategie vorstellen, und falls
ja, wie, und falls nein, warum nicht?
65. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um im Pandemiefall
schneller als bisher an zuverlässige Zahlen zur aktuellen Zahl Infizierter
und zur Nachverfolgung der Infektionsketten zu gelangen?
a) Wie positioniert sich die Bundesregierung zu den technologischen
Methoden (Künstliche Intelligenz, Big Data) der Johns-Hopkins-
Universität, um die Zahl Infizierter zu erfassen und Infektionsketten zu
verfolgen?
b) Stehen dem Robert Koch-Institut die gleichen technologischen
Methoden zur Verfügung, und falls nein, warum nicht?
66. Inwieweit wurden von der Bundesregierung die Empfehlungen und
Maßnahmen aus der Risikoanalyse „Pandemie durch Virus Modi-SARS“
(Bundestagsdrucksache 17/12051) für die Vorbereitung auf eine potenzielle
Pandemie umgesetzt?
a) Welche konkreten Empfehlungen und Maßnahmen zur Vorbereitung
auf eine mögliche Pandemie aus der Risikoanalyse „Pandemie durch
Virus Modi-SARS“ wurden von der Bundesregierung vor dem
weltweiten Ausbruch der SARS-CoV-2-Pandemie umgesetzt (Liste aller
Empfehlungen und Maßnahmen)?
b) Wie viele Tage nach dem Auftreten der ersten SARS-CoV-2-Infektion
weltweit und wie viele Tage nach dem Auftreten der ersten SARS-
CoV-2-Infektion in Deutschland wurden bestehende Pläne bzw.
Maßnahmen aus der Risikoanalyse „Pandemie durch Virus Modi-SARS“
aktiviert?
c) Wie viele Tage nach dem Auftreten der ersten SARS-CoV-2-Infektion
in Deutschland wurden die in der Risikoanalyse wichtigsten
empfohlenen Schutzmaßnahmen (Hygieneregeln befolgen,
Massenansammlungen vermeiden, öffentlichen Personennahverkehr [ÖPNV] meiden) an
die Bevölkerung kommuniziert?
67. Plant die Bundesregierung die Erstellung eines neuen Pandemieplans,
basierend auf den Erkenntnissen, die durch die aktuelle SARS-CoV-2-
Pandemie erlangt wurden, und falls nein, warum nicht?
Plant die Bundesregierung, die Empfehlungen und Maßnahmen zur
Vorbereitung auf zukünftige Pandemien aus einer von Bundesbehörden neu
erstellten Risikoanalyse oder eines neu erstellten Pandemieplans zeitnah
umzusetzen?
68. Welche konkreten Maßnahmen und Vorkehrungen plant die
Bundesregierung, um sich auf eine potenzielle Pandemie oder Epidemie durch einen
neuen Infektionserreger mit neuartigen Eigenschaften in der Zukunft
vorzubereiten?
69. Plant die Bundesregierung, Arzneimittel, Medizinprodukte, persönliche
Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel in ausreichender Menge zu
produzieren und zur Vorbereitung auf zukünftige Pandemien zu lagern,
und falls nein, warum nicht, und falls ja, wie?
70. Unternimmt die Bundesregierung Anstrengen zur Schaffung eines
Mindestmaßes an nationalen Produktionskapazitäten für Schutzmaterial, und
falls ja, wie?
71. Wie bewertet die Bundesregierung den Vorschlag der Fragesteller, eine
europäische „Antiinfektiva-Reserve“ in Form einer Einlagerung von
Wirkstoffen und Schutzausrüstung zu bilden?
Will die Bundesregierung dieses Vorhaben anstoßen, und falls nein, warum
nicht?
72. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die noch in
Deutschland ansässige biotechnologische Wirkstoffproduktion in Bezug auf
Antiinfektiva bzw. Impfstoffe zu halten und zu fördern?
73. Plant die Bundesregierung, das vom Präsidenten des Bundesamtes für
Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe vorgeschlagene „Verfahren zum
Monitoring oder Controlling der Ergebnisse“ eines Pandemieplans
einzuführen, und falls nein, warum nicht?
74. Plant die Bundesregierung, Anreize zu schaffen, um die ins
außereuropäische Ausland verlegte Produktion von lebensnotwendigen Arzneimitteln
und Medizinprodukten wieder in Europa anzusiedeln, und falls nein,
warum nicht, und falls ja, wie?
a) Wie bewertet die Bundesregierung den Vorschlag der Fragesteller,
Sonderpreis-Garantien für vollständig in der EU hergestellte Produkte
einzuführen?
b) Wie bewertet die Bundesregierung den Vorschlag der Fragesteller,
Gutscheine für EU-Produkte in Form eines beschleunigten
Markteintritts einzuführen?
75. Plant die Bundesregierung, Zuschläge für Produkte zu erheben, deren
relevante Ausgangsstoffe im Nicht-EU-Ausland hergestellt werden (außer
Nordamerika) , und falls nein, warum nicht?
Plant die Bundesregierung, diese Zuschläge zusammen mit den
Mitgliedstaaten der Europäischen Union umzusetzen, und falls nein, warum nicht?
76. Wie bewertet die Bundesregierung generell die Handlungsempfehlungen
der Leibniz Gemeinschaft, um die Bundesrepublik Deutschland vor
Pandemien besser zu rüsten (https://www.leibniz-gemeinschaft.de/fileadmin/use
r_upload/Bilder_und_Downloads/Neues/Presse/Pressemitteilungen/28-04-
2020_Stellungnahme_Teil_02_neu.pdf)?
a) Plant die Bundesregierung die Stärkung der Forschung im Bereich der
Infektionsforschung durch dynamische Weiterentwicklung und
Stärkung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung, und falls nein,
warum nicht?
b) Plant die Bundesregierung die Etablierung der von der Leibniz
Gemeinschaft vorgeschlagenen integrativen Förderprogramme zur
Förderung der Forschung und Entwicklung von „Therapeutischen
Antikörpern und Antiinfektiva“ und von „Epidemiologie und
Versorgungsforschung der Pandemie“ durch das BMBF, und falls nein, warum nicht?
c) Plant die Bundesregierung die Entwicklung integrierter und innovativer
Versorgungsstrukturen (Einlagerung kritischer Wirkstoffe und
Grundstoffe, eigene Produktionskapazitäten) unter Einbeziehung des
Wissenschaftsrats?
d) Plant die Bundesregierung die Etablierung einer von der Leibniz
Gemeinschaft vorgeschlagenen wissenschaftsbasierten
Kommunikationsplattform („Pandemiekonferenz“), um Expertise interdisziplinär zu
bündeln und die Pandemieforschung strategisch zu entwickeln, und
falls nein, warum nicht?
e) Plant die Bundesregierung die Förderung der Forschung zur
Risikowahrnehmung, um durch Risikokommunikation die Akzeptanz von
Interventionsmaßnahmen im Gesundheitswesen zu verbessern?
f) Will sich die Bundesregierung an der Initiierung und Etablierung einer
koordinierten Europäisierung der Pandemieforschung beteiligen?
g) Plant die Bundesregierung die Etablierung eines nationalen Zentrums
zur Entwicklung von Antiinfektiva und therapeutischen Antikörpern,
und falls nein, warum nicht?
77. Teilt die Bundesregierung die Auffassung der Fragesteller, dass die
Bundesregierung beim Ausbruch der COVID-19-Pandemie einen großen
Aufruf an die Pharma- und Biotech-Industrie hätte starten müssen, um die
Pandemie aktiv und professionell zu bekämpfen – idealerweise verknüpft
mit der Bereitstellung eines passenden Förderinstruments in Höhe von ca.
1 Mrd. Euro (bitte näher ausführen), und wenn nein, warum nicht?
78. Liegt das Interesse der Bundesregierung eher in der Förderung von
Biotech-Unternehmen, welche an Impfstoffen gegen das SARS-CoV-2
forschen, oder an Biotech-Unternehmen, welche an antiviralen Therapien
bzw. therapeutischen Wirkstoffen forschen?
a) Welche Gründe haben die Bundesregierung dazu bewogen, sich mit
300 Mio. Euro an dem Biotech-Unternehmen Curevac zu beteiligen?
b) Plant die Bundesregierung, die finanzielle Förderung von Biotech-
Unternehmen, welche an der Entwicklung von Medikamenten und
therapeutischen Verfahren gegen COVID-19 arbeiten, zu erhöhen, und
falls nein, warum nicht?
c) Teilt die Bundesregierung die Ansicht der Fragesteller, dass vor dem
Hintergrund der in dieser Kleinen Anfrage beschriebenen
Herausforderungen in der Forschung und Entwicklung (FuE) und Produktion eines
Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 bei der Förderung auf dem Gebiet der
therapeutischen Wirkstoffe gegen SARS-CoV-2 potenzielle
Versäumnisse existieren, wenn vorwiegend Projekte im Bereich der
Impfstoffentwicklung gefördert werden, und wenn nein, warum nicht (https://w
ww.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/coronavirus-forsc
hung-1733358 und https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/th
emenseite-forschung/corona-impfstoff-1787044)?
d) Teilt die Bundesregierung die Ansicht der Fragesteller, dass sie eine
einseitige Strategie fährt, wenn sie ausschließlich auf die Entwicklung
von Impfstoffen setzt, und wenn nein, warum nicht?
e) Warum wird von der Bundesregierung lediglich die Testung und
Produktion der Impfstoffe von Curevac und BioNTech gefördert und nicht
z. B. die Entwicklung sogenannter sterilisierender Impfstoffe?
79. Welche biotechnologischen Verfahren im Bereich Pharmazeutik und
Medizin sind nach Kenntnis und Ansicht der Bundesregierung
erfolgversprechend für die
a) Diagnose, Therapie und Heilung von Krebserkrankungen,
b) Diagnose, Therapie und Heilung von Erbkrankheiten und Gendefekten,
c) Diagnose, Therapie und Heilung von Infektionskrankheiten,
d) personalisierte Medizin?
80. In welchem Zeitraum können nach Kenntnis der Bundesregierung die
genannten, von der Bundesregierung zu den Fragen 79a bis 79d aufgeführten
Verfahren, an den Markt und sind für alle Menschen zugänglich?
81. Wie lange dauert nach Kenntnis der Bundesregierung ein
Zulassungsverfahren für ein neues gentechnologisches Verfahren wie CRISPR/Cas9 in
Deutschland im Vergleich zu
a) Dänemark und Großbritannien,
b) China,
c) den USA?
82. Welche deutschen Unternehmen sind der Bundesregierung bekannt, die
gentechnologische Verfahren patentiert und marktreif erforscht und
entwickelt haben (bitte Produkt, Jahr der Marktreife, Forschungs- und
Entwicklungsdauer, Anwendungsfälle angeben)?
83. Wie viele Projekte fördert die Bundesregierung, die zukünftig moderne
biotechnologische Verfahren mit modernen digitalen Technologien wie
Künstliche Intelligenz verbinden (bitte fünf Beispiel-Projekte mit
Förderbeginn, Förderdauer, Förderinhalt, Förderdauer und Förderziel benennen)?
84. Wie wird die Bundesregierung moderne biotechnologische Verfahren in
den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen integrieren?
Wie erfolgt die Abstimmung mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss?
Wann können diese Verfahren flächendeckend für alle Menschen zur
Verfügung stehen?
85. Plant die Bundesregierung, die Kommunikation biotechnologischer
Verfahren in der Öffentlichkeit zu verbessern, und falls nein, warum nicht,
und falls ja, wie?
a) Wie bewertet die Bundesregierung die verstärkte Thematisierung von
Technologien wie der Synthetischen Biologie und der Gentechnik,
sowie der Infektionsforschung, insbesondere der Impfforschung, im
Lehrplan an Schulen in Absprache mit den Landesregierungen?
b) Plant die Bundesregierung, die Bundesländer darauf hinzuweisen, in
Zukunft Technologien wie die Synthetische Biologie und die
Gentechnik, sowie die Infektionsforschung verstärkt in den Schulen zu
thematisieren, und falls nein, warum nicht?
c) Welche Aufklärungs- und Bildungskampagnen zur Stärkung des
Verständnisses dieser neuen Technologien plant die Bundesregierung?
Berlin, den 10. September 2020
Christian Lindner und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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