[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Markus Herbrand, Christian Dürr,
Renata Alt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der FDP
– Drucksache 19/23224 –
Geldwäscheaufsicht im Nichtfinanzsektor im Lichte des Wirecard-Skandals
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der Deutsche Bundestag hat im Zuge der Umsetzung der Vierten EU-
Geldwäscherichtlinie herausgestellt, dass im Hinblick auf die Geldwäscheaufsicht im
Nichtfinanzsektor „Verbesserungen dringend geboten“ seien (vgl.
Bundestagsdrucksache 18/12405, S. 156). Die Fraktionen CDU/CSU, SPD und BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN haben darin angeführt, dass die Aufsicht über
Geldwäsche und Terrorfinanzierung im Nichtfinanzsektor keiner zentralen Behörde
obliege, sondern in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt sei.
Hierdurch würden sich Effizienzverluste in der Bekämpfung der Geldwäsche
ergeben, die zum Teil auch mit einer über Jahre andauernden dünnen
Personalausstattung und fehlender IT in Verbindung stünden. Dieser Zustand sei
zwingend zu verbessern, auch um die generelle Schlagkräftigkeit
Deutschlands im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung weiter zu
stärken, stellt das Parlament fest (vgl. ebd.).
Aufgrund dieser Begründung hat die Bundesregierung vom Deutschen
Bundestag im Rahmen einer Protokollerklärung den expliziten Auftrag erhalten,
Gespräche mit den Ländern im Hinblick auf eine „sinnvolle Aufsichtsstruktur
im Nichtfinanzsektor zu forcieren“. Die Bundesregierung ist dieser Forderung
nach Ansicht der Fragestellenden nicht adäquat nachgekommen, was auch
dazu führte, dass die Geldwäscheaufsicht erhebliche Betrugsversuche nicht
erkannte, wie die jüngsten Entwicklungen des Wirecard-Skandals beispielhaft
belegen. Zwar hat die Bundesregierung auf Anfrage der Fraktion der FDP
vom 14. Januar 2020 die Defizite der Geldwäscheaufsicht im
Nichtfinanzsektor beschrieben und in diesem Zuge den Einsatz der Bundesländer bei der
Geldwäschebekämpfung bemängelt. So stellte das Bundesministerium der
Finanzen (BMF) beispielsweise heraus, dass „die Bundesregierung von den
Ländern erwartet, dass sie ihrem gesetzlichen Haftungsauftrag nachkommen
und ihre Zuständigkeit in der Geldwäscheprävention effektiv ausgestalten“
(vgl. die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 19/16464, S. 9), allerdings hat die Bundesregierung selbst
keine Maßnahmen getroffen, weder konkrete Gespräche mit den Ländern wurden
geführt noch wurde Unterstützung bei der Schaffung einer Datenbank der
Verpflichteten angeboten, bei der die Bundesregierung nach Ansicht der
Fragestellenden einen wertvollen Beitrag leisten könnte.
Deutscher Bundestag Drucksache 19/23662
19. Wahlperiode 26.10.2020
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen
vom 26. Oktober 2020 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Der Deutsche Bundestag hat die Bundesregierung im Rahmen der Umsetzung
der EU-Geldwäscherichtlinien damit beauftragt, regelmäßig statistische Daten
der Länder zu erheben, damit es eine Übersicht über den Zustand der
Geldwäscheprävention in den Ländern gibt. In den vergangenen Jahren hat das
Bundesministerium der Finanzen deshalb immer wieder Umfragen bei den
zuständigen Landesbehörden durchgeführt, um sich über die mitunter stark
voneinander abweichende (Personal-)Situation der Geldwäscheaufsicht in den
jeweiligen Bundesländern zu informieren (vgl. u. a. Ausschussdrucksache des
Finanzausschusses des Deutschen Bundestages vom 1. Juni 2016
(Ausschussdrucksache 18(7)320 – Nachbericht). Zuletzt haben die Bundesländer dem
BMF im März 2020 statistische Daten für das Jahr 2019 übermittelt, die u. a.
Informationen über die Aufsichtstätigkeit der Länder nach § 51 des
Geldwäschegesetzes (GwG) umfassen (vgl.
https://www.bundesfinanzministerium.de/
Content/DE/Standardartikel/Themen/Internationales_Finanzmarkt/Finanzmar
ktpolitik/2019-07-03-aufsichtstaetigkeit-geldwaeschegesetz.html). Bislang
wurden diese Daten weder auf der Internetseite der Bundesregierung
veröffentlicht noch wurden sie dem Finanzausschuss des Deutschen Bundestages
übermittelt, obwohl diese Informationen für eine Bewertung der
Geldwäscheprävention in Deutschland, insbesondere mit Blick auf die jüngsten
Enthüllungen des Wirecard-Skandals, von erheblicher Bedeutung sind. Vor diesem
Hintergrund möchten sich die Fragestellenden nach der Situation der
Geldwäscheprävention in den Ländern erkundigen.
1. Welche Rolle nimmt nach Ansicht der Bundesregierung die
Geldwäscheaufsicht im Nichtfinanzsektor aus rechtsstaatlichen Überlegungen ein?
Die Länder üben entsprechend dem verfassungsrechtlichen Regelfall des
Artikel 83 des Grundgesetzes die Aufsicht über die geldwäscherechtlich
Verpflichteten des Nichtfinanzsektors als eigene Angelegenheit aus. Diese
Aufgabenverteilung spiegelt sich in den geldwäscherechtlichen Regelungen bzw. der
Auffangklausel des § 50 Nummer 9 des Geldwäschegesetzes (GwG) wider, nach
denen die Aufsichtsbehörde die nach Bundes- oder Landesrecht zuständige
Stelle ist. Abhängig von den einschlägigen landesrechtlichen Regelungen ist
die Aufsicht in den Ländern auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt. Trotz
der Zuordnung zum Nichtfinanzsektor unterstehen z. B. Wirtschaftsprüfer,
Buchprüfer, Patentanwälte und Rechtsanwälte beim Bundesgerichtshof nicht
einer Landesaufsicht, sondern Aufsicht durch die jeweilige Kammer.
Grundsätzlich sind nicht alle Wirtschaftssubjekte vom Geltungsbereich des
Geldwäschegesetzes erfasst. Eine geldwäscherechtliche Verpflichtung darf
aufgrund des damit verbundenen Eingriffs in die verfassungsrechtlich verbürgte
Handlungsfreiheit/Unternehmensfreiheit nicht jedem Wirtschaftssubjekt
auferlegt werden, sondern nur solchen, bei denen typischerweise hohe Risiken
bestehen, dass sie zu Geldwäschezwecken missbraucht werden.
2. Ist die Geldwäscheaufsicht im Nichtfinanzsektor nach Ansicht der
Bundesregierung effizient genug ausgestaltet, um eine sichere Bekämpfung
von Geldwäsche und Terrorfinanzierung zu gewährleisten?
Die Regelungen des GwG treffen für die Aufsichtsbehörden – auch im
Nichtfinanzsektor – bundesweit einheitliche Vorgaben zur Prävention der Geldwäsche
und Terrorismusfinanzierung. Sämtliche aufsichtliche Maßnahmen und
Befugnisse sind insoweit bundeseinheitlich ausgestaltet. Auch werden die
Verpflichtetengruppen bundeseinheitlich bestimmt. Zusätzlich folgen aus der nationalen
Risikoanalyse Erkenntnisse, an denen alle Aufsichtsbehörden und
Verpflichteten sich orientieren und auf die sie mit eigenen risikoadäquaten Maßnahmen
aufsetzen. Die Bundesregierung unterstützt die Aufsichtsbehörden der Länder
zudem im Hinblick auf eine einheitliche Anwendung der Regelungen. Unter
Vorsitz des BMF tagt regelmäßig der Bund-Länder-Austausch
„Geldwäscheprävention und Verhinderung der Terrorismusfinanzierung“, in dessen Rahmen
Auslegungs- und Anwendungsfragen zwischen Bund und Ländern erörtert
werden.
– Der Bund hat mit der Errichtung eines ressortübergreifenden
Steuerungskreises unter Einbeziehung der Länder sowie mit den Koordinierenden
Stellen bei Bund und Ländern die Koordinierung und die Stärkung des
risikobasierten Ansatzes gemeinsam mit den Ländern maßgeblich vorangetrieben
(vgl. hier Frage 8).
– Zugleich wurde die Kooperation der mit der Verhinderung, Aufdeckung und
Verfolgung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zuständigen
öffentlichen Stellen gestärkt und auch die Möglichkeit zur Verhängung
erhöhter Bußgelder bei Verstoß gegen die Pflichten des GwG verschärft.
– Die neu ausgerichtete Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen
(FIU) setzt die ihr verliehene Koordinierungsfunktion gegenüber den
Aufsichtsbehörden der Länder im Bereich des Verdachtsmeldewesens in
verschiedenen Austauschformaten wie Geldwäsche-Tagungen und Workshops
sowie ebenso konzertierten Aktionen mit den Aufsichtsbehörden der Länder
um. Hierdurch wird einerseits ein bundesweit einheitlicher Kenntnisstand,
andererseits ein Wissenstransfer realisiert.
3. Wie verhält sich die jeweils jährliche Anzahl der bei der Zentralstelle für
Finanztransaktionsuntersuchungen (FIU) eingegangenen
Verdachtsmeldungen aus dem Nichtfinanzsektor im Verhältnis zu den eingegangenen
Verdachtsmeldungen aus dem Finanzsektor für die letzten vier Jahre
jeweils in Prozent (bitte tabellarisch darstellen)?
Das Verhältnis der jährlich aus dem Nichtfinanzsektor und dem Finanzsektor
eingegangenen Verdachtsmeldungen bitte ich der nachstehenden Tabelle zu
entnehmen:
Jahr 20161 2017 2018 2019
Verhältnis NFS/FS 0,6 % 0,7 % 0,8 % 1,3 %
1 Die Prozentangabe für das Jahr 2016 ist dem Jahresbericht der (BKA-) FIU entnommen und stellt
das Verhältnis von Verdachtsmeldungen aus dem Nichtfinanzsektor zum Gesamtmeldeaufkommen
dar. Sie ist dementsprechend nicht unmittelbar vergleichbar mit den Jahren 2017 bis 2019, zu denen
– entsprechend der Fragestellung – das Verhältnis der Verdachtsmeldungen des NFS zu denjenigen
des FS ausgewiesen ist.
Zu den vergleichsweise geringen Meldezahlen aus dem Nichtfinanzsektor heißt
es zur Begründung im Jahresbericht der FIU 2019: „Eine Erklärung für das
unterschiedliche Meldeverhalten in Finanz- und Nichtfinanzsektor liegt darin,
dass insbesondere Kreditinstitute über vergleichsweise hoch entwickelte,
etablierte Monitoringsysteme verfügen, deren Effektivität der zentralen Aufsicht
der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) unterliegt. Zudem
unterscheidet sich der strukturelle Aufbau eines typischen Unternehmens im
Nichtfinanzsektor signifikant von dem eines Unternehmens im Finanzsektor.
Während die Handhabung großer Mengen von Transaktionen eine
Kerntätigkeit von Kreditinstituten und Finanzdienstleistern darstellt, handelt es sich bei
der Mehrzahl der Verpflichteten des Nichtfinanzsektors oft um relativ kleine
Unternehmen.“
4. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der in den
Aufsichtsbehörden der Länder beschäftigten Personen, gemessen in
Vollzeitäquivalenzen (VZÄ), die mit der Geldwäscheaufsicht über die
Verpflichteten im Nichtfinanzsektor betraut sind, in den vergangenen fünf
Jahren jeweils jährlich entwickelt (bitte tabellarisch darstellen, nach
Jahren aufschlüsseln und vorliegende Daten für das Jahr 2019, die bis zum
31. März 2020 an das BMF und die Financial Intelligence Unit (FIU)
übermittelt wurden, sowie ggf. aktuell vorliegende Informationen aus
dem laufenden Jahr 2020 integrieren)?
Mit Neufassung des Geldwäschegesetzes im Jahr 2017 wurde die Regelung des
§ 51 Absatz 9 in das Geldwäschegesetz aufgenommen, um durch einige
grundlegende statistische Daten zur Aufsichtstätigkeit einen Gesamtüberblick zu
ermöglichen. In diesem Rahmen erhält das Bundesministerium der Finanzen
seither jährlich statistische Daten sämtlicher Aufsichtsbehörden zu Personal,
aufsichtlichen Maßnahmen, Bußgeldverfahren und Anzahl der an die FIU
abgegebenen Verdachtsmeldungen. Diese Daten werden jährlich vom BMF auf der
Homepage des BMF veröffentlicht (
https://www.bundesfinanzministerium.de/
Content/DE/Standardartikel/Themen/Internationales_Finanzmarkt/Finanzmarkt
politik/2020-06-26-aufsichtstaetigkeitgeldwaeschegesetz-2020.html). So
zuletzt im Juli 2020 für den Berichtszeitraum 2019. Die Daten aus den Vorjahren
werden nicht mehr fortgeführt.
Diese statistischen Daten sind u. a. Grundlage der Beantwortung der Fragen 4,
12 und 13. In der Statistik des BMF nach § 51 Absatz 9 GwG finden sich seit
dem Jahr 2018 (Berichtszeitraum 2017) unter den Angaben zu den
Aufsichtsbehörden der Länder auch die jeweilige Personalausstattung der für Angehörige
der verpflichteten freien Berufe zuständigen Aufsichtsbehörden (für
Rechtsanwälte und Steuerberater die jeweils örtlich zuständigen Kammern sowie für
Notare die Präsidenten der Landgerichte). Wirtschaftsprüfer, Buchprüfer,
Patentanwälte und die Rechtsanwälte beim Bundesgerichtshof (BGH) unterliegen der
Aufsicht von Bundeskammern und werden daher in der Statistik gesondert
erfasst. Die Angaben für Buchprüfer werden von den statistischen Angaben der
Wirtschaftsprüfer mit umfasst und werden nicht gesondert ausgewiesen. Die
Angaben zu den Bundeskammern, die Aufsichtsaufgaben im Nichtfinanzsekror
wahrnehmen, wurden der Vollständigkeit halber mit ausgewiesen, auch wenn
nach Aufsichtsbehörden der Länder gefragt wurde.
Statistische Daten für das Jahr 2020 wurden noch nicht gemeldet, da § 51
Absatz 9 GwG eine Meldung erst zum 31. März des Folgejahres vorsieht.
Beschäftigte Personen in
Aufsichtsbehörden Nicht-
Finanzsektor (in VZÄ)
2017 2018 2019
Länder 146,67 238,22 215,55
Bundeskammern 32 4,5 3,75
2 Angabe ohne Rechtsanwaltskammer beim BGH; da 2017 noch nicht erfasst
a) Wie verteilen sich die beschäftigen Personen in VZÄ auf die einzelnen
Bundesländer für die jeweils erfragten Jahre (bitte alle vorliegenden
Daten – auch unvollständige Informationen –, die der
Bundesregierung vorliegen aufführen)?
Zahlen zur Aufsicht durch die Landesbehörden wurden in der veröffentlichten
Fassung nicht nach Ländern aufgeschlüsselt. Soweit hier auch Angaben aus
nicht veröffentlichten Daten übernommen wurden, ist zu berücksichtigen, dass
die Liste mit diesen Zahlen auch nach Veröffentlichung der Daten weitergeführt
wird und verspätete Meldungen bzw. Korrekturen aufgenommen werden. In die
nachfolgende Aufstellung sind daher u.U. auch Zahlen eingeflossen, die nach
der Auswertung und Veröffentlichung der Statistik im BMF eingegangen sind;
Inkonsistenzen zwischen den veröffentlichten und den hier angegebenen Daten
können daher nicht ausgeschlossen werden.
Bundesland (VZÄ) 20173 20183 20193
Baden-Württemberg 25 23,62 21,45
Bayern 23,23 24,36 23,65
Berlin 4,45 7,79 7,94
Brandenburg 4,2 4,69 4,15
Bremen 0,85 2,40 2,15
Hamburg 5,85 7,60 5,3
Hessen 9,8 20,46 20,85
Mecklenburg-Vorpommern 3,4 4,06 6,15
Niedersachsen 10,88 22,69 18,74
Nordrhein-Westfalen 17,65 72,11 69,34
Rheinland-Pfalz 11,49 15,09 15,91
Saarland 2 3,60 1,23
Sachsen 13,8 11,55 4,18
Sachsen-Anhalt 4,1 6,46 3
Schleswig-Holstein 6,75 8,15 7,5
Thüringen 3,22 3,45 4
3 Abweichungen aufgrund von Rundungsdifferenzen möglich
b) Wie verteilen sich die beschäftigten Personen in VZÄ auf den
gehobenen Dienst, den höheren Dienst sowie auf die Anzahl der Personen
insgesamt in den jeweiligen Bundesländern für die jeweils erfragten
Jahre (bitte alle vorliegenden Daten – auch unvollständige
Informationen – aufführen, die der Bundesregierung vorliegen, und nach den
jeweiligen Bundesländern aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Informationen vor.
c) Wie verteilen sich die beschäftigten Personen in VZÄ auf die
zuständigen Aufsichtsbehörden nach § 50 GwG im Nichtfinanzsektor,
sortiert nach den jeweiligen Bundesländern und aufgeschlüsselt nach den
folgenden Verpflichtetengruppen für die jeweils erfragten Jahre (bitte
alle vorliegenden Daten – auch unvollständige Informationen –
aufführen, die der Bundesregierung vorliegen, und nach den jeweiligen
Bundesländern aufschlüsseln)
Rechtsanwälte und Kammerrechtsbeistände auf die jeweils örtlich
zuständige Rechtsanwaltskammer (§§ 60 und 61 der
Bundesrechtsanwaltsordnung); Patentanwälte auf die Patentanwaltskammer (§ 53 der
Patentanwaltsordnung); Notare auf den jeweiligen Präsidenten des
Landgerichts, in dessen Bezirk der Notar seinen Sitz hat (§ 92
Nummer 1 der Bundesnotarordnung); Wirtschaftsprüfer und vereidigte
Buchprüfer auf die Wirtschaftsprüferkammer (§ 57 Absatz 2 Nummer
17 der Wirtschaftsprüferordnung); Steuerberater und
Steuerbevollmächtigte auf die jeweils örtlich zuständige Steuerberaterkammer
(§ 76 des Steuerberatungsgesetzes); Veranstalter und Vermittler von
Glücksspielen, soweit das Landesrecht nichts anderes bestimmt, auf
die für die Erteilung der glücksspielrechtlichen Erlaubnis zuständige
Behörde; die jeweils nach Bundes- oder Landesrecht zuständige Stelle
für Finanzunternehmen; die jeweils nach Bundes- oder Landesrecht
zuständige Stelle für Versicherungsvermittler; die jeweils nach
Bundes- oder Landesrecht zuständige Stelle für Rechtsbeistände; die
jeweils nach Bundes- oder Landesrecht zuständige Stelle für
Dienstleister für Treuhandgesellschaften, Treuhänder; die jeweils nach
Bundesoder Landesrecht zuständige Stelle für Immobilienmakler; die jeweils
nach Bundes- oder Landesrecht zuständige Stelle für Güterhändler?
Vorbemerkung zur Wirtschaftsprüferkammer, zu Buchprüfern, Patentanwälten
und Rechtsanwälten beim Bundesgerichtshof: Bei diesen Berufsgruppen
handelt es ich um Verpflichtete des Nicht-Finanzsektors. Sie unterstehen jedoch
nicht einer Landesaufsicht, sondern einer Bundeskammer. Die Angaben für
Buchprüfer sind in den Angaben für Wirtschaftsprüfer enthalten. Erst für den
Berichtszeitraum 2019 erfolgte die Pflicht zur Angabe der jeweiligen
Verpflichteten.
Für Finanzunternehmen, Versicherungsvermittler und Güterhändler liegen
keine Einzelangaben vor, da sie weitgehend von einer Behörde beaufsichtigt
werden. Für Kammerrechtsanwälte liegen keine Einzelangaben vor.
Verpflichtete des
Nicht-Finanzsektors
(NF) (Länder)
Aufsichtsbehörde 2017 (VZÄ)4 2018 (VZÄ)4 2019 (VZÄ)
Baden-Württemberg
sonstiger NF Behörden der Länder 6,85 5,35 7,85
Glücksspiel Behörden der Länder 7,5 0,03 0,5
Notare Präsidenten der Landgerichte 10,4 9,74 8,05
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 0,25 5,7 4
Steuerberater Steuerberaterkammer 2,8 1,05
Bayern
sonstiger NF Behörden der Länder 11,05 11,65 10,55
Glücksspiel Behörden der Länder 0,25 2,45 2,795
Notare Präsidenten der Landgerichte 9,2 5,31 6,1582
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 0,5 2,25 2,25
Steuerberater Steuerberaterkammer 2,23 2,7 1,9
Berlin
sonstiger NF Behörden der Länder 2,45 5 6
Glücksspiel Behörden der Länder 0,55 1,4
Notare Präsidenten der Landgerichte 0,04 0,04
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 0,2 0,2
Steuerberater Steuerberaterkammer 2 2 0,3
Brandenburg
sonstiger NF Behörden der Länder 2,3 1,7 2,15
Glücksspiel Behörden der Länder 0,09 0,1
Notare Präsidenten der Landgerichte 0,4 0,4 0,4
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 1 1
Steuerberater Steuerberaterkammer 1,5 1,5 0,5
Bremen
sonstiger NF Behörden der Länder 1
Glücksspiel Behörden der Länder
Notare Präsidenten der Landgerichte 0,85 0,85 0,85
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 0,05 0,2
Steuerberater Steuerberaterkammer 1,5 0,1
Hamburg
sonstiger NF Behörden der Länder 2,4 2,05 2,05
Glücksspiel Behörden der Länder 0,4 0,5 0,5
Notare Präsidenten der Landgerichte 1,05 1,05 1,05
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 2 1
Steuerberater Steuerberaterkammer 2 2 0,7
Hessen
sonstiger NF Behörden der Länder 7,1 5,2 8,65
Verpflichtete des
Nicht-Finanzsektors
(NF) (Länder)
Aufsichtsbehörde 2017 (VZÄ)4 2018 (VZÄ)4 2019 (VZÄ)
Glücksspiel Behörden der Länder 2 4 2
Notare Präsidenten der Landgerichte 0,7 10,2 7,9
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 1 2
Steuerberater Steuerberaterkammer 0,06 0,3
Mecklenburg-
Vorpommern
sonstiger NF Behörden der Länder 3,1 1,775 3,775
Glücksspiel Behörden der Länder 0,3 0,3 0,3
Notare Präsidenten der Landgerichte 0,48 0,78
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 1 1
Steuerberater Steuerberaterkammer 0,5 0,3
Niedersachsen
sonstiger NF Behörden der Länder 8,48 8,7350 9,87
Glücksspiel Behörden der Länder 0,5 0,5 0,646
Notare Präsidenten der Landgerichte 0,4 6,95 4,825
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 1,5 4 3,1
Steuerberater Steuerberaterkammer 2,5 0,3
Nordrhein-Westfalen
sonstiger NF Behörden der Länder 5 21,08 14,45
Glücksspiel Behörden der Länder 0,2 31,9901 36,632
Notare Präsidenten der Landgerichte 11 13,69 12,415
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 0,45 2,85 2,85
Steuerberater Steuerberaterkammer 1 2,5 3
Rheinland-Pfalz
sonstiger NF Behörden der Länder 7,83 8,35 11,53
Glücksspiel Behörden der Länder 0,3 0,5 0,5
Notare Präsidenten der Landgerichte 1,36 3,91 1,41
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 2 2,2 2,3
Steuerberater Steuerberaterkammer 0,13 0,17
Saarland
sonstiger NF Behörden der Länder 2 0,33
Glücksspiel Behörden der Länder 2 0,2
Notare Präsidenten der Landgerichte 0,5 0,5
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 1 0,1
Steuerberater Steuerberaterkammer 0,1 0,1
Sachsen
sonstiger NF Behörden der Länder 3,1 1,1 1,71
Glücksspiel Behörden der Länder 1
Notare Präsidenten der Landgerichte 9,7 7,7 1,52
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 0,75 0,75
Steuerberater Steuerberaterkammer 1 1 0,2
Sachsen-Anhalt
sonstiger NF Behörden der Länder 1,1 1,1 1,109
Glücksspiel Behörden der Länder 0,86 0,086
Notare Präsidenten der Landgerichte 3 1,055
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 0,25
Steuerberater Steuerberaterkammer 3 1,5 0,5
Schleswig-Holstein
sonstiger NF Behörden der Länder 2 3 3,2
Glücksspiel Behörden der Länder 0,8 0,1 0,5
Notare Präsidenten der Landgerichte 2,95 3,55 3,1
Verpflichtete des
Nicht-Finanzsektors
(NF) (Länder)
Aufsichtsbehörde 2017 (VZÄ)4 2018 (VZÄ)4 2019 (VZÄ)
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 1 1 0,2
Steuerberater Steuerberaterkammer 0,5 0,5
Thüringen
sonstiger NF Behörden der Länder 1 1 0,8
Glücksspiel Behörden der Länder 1,5
Notare Präsidenten der Landgerichte 0,52 0,45 0,7
Rechtsanwälte Rechtsanwaltskammer 0,2 1 0,5
Steuerberater Steuerberaterkammer 1,5 1 0,5
4 leeres Feld: es liegen keine Angaben vor oder es wurde „Null“ gemeldet
5. Wie hat sich der Personalbestand der Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in den vergangenen fünf Jahren jeweils jährlich
entwickelt?
Wie verteilt sich für die jeweiligen Jahre die Anzahl der VZÄ auf den
gehobenen, mittleren und höheren Dienst (bitte tabellarisch darstellen)?
Der Stellen- und Personalbestand der BaFin hat sich in den vergangenen fünf
Jahren nach Laufbahngruppen und insgesamt jeweils wie folgt entwickelt:
Jahr Status hD gD meD Gesamt
2016
Stellen 1.120 735 465 2.319
Beschäftigte 1.075 741 481 2.297
2017
Stellen 1.151 757 474 2.381
Beschäftigte 1.129 757 484 2.370
2018
Stellen 1.339 789 492 2.620
Beschäftigte 1.236 763 493 2.492
2019
Stellen 1.372 795 492 2.659
Beschäftigte 1.293 782 484 2.559
01.09.20205
Stellen 1.392 800 495 2.687
Beschäftigte 1.309 776 484 2.569
5 Ohne Stellen für die Aufsicht über Finanzanlagendienstleister (FAD)
6. Plant die Bundesregierung, eine gesetzliche Definition des
„Nichtfinanzsektors“ anzustoßen, die nach Kenntnis der Fragestellenden zurzeit nicht
existiert, und falls ja, welche Vorteile hätte eine solche Definition?
Im deutschen GwG werden in § 2 Absatz 1 Verpflichtete, die im Finanzsektor
und im Nichtfinanzsekror tätig sind, bestimmt. Die Unterscheidung in
Finanzsektor und Nichtfinanzsektor ist dabei keine ausdrücklich gesetzlich geregelte
Kategorie. Allerdings ergibt sich diese Aufteilung aus den Bestimmungen in
§ 50 GwG mit einer klaren Zuordnung der aufsichtsrechtlichen Zuständigkeit
der BaFin im Finanzsektor einerseits und für die Länder und Kammern im
Nichtfinanzsektor andererseits. Eine zusätzliche Definition des Begriffes
Nichtfinanzsektor würde im Hinblick auf die bestehende Zuständigkeitsregelung
nicht mehr Klarheit schaffen. Eine entsprechende Unterscheidung kann zudem
an die Kategorisierung in den Empfehlungen der Financial Action Task Force
(FATF) angelehnt werden. Dort wird in „Financial institutions“ (Finanzsektor)
und den sogenannten „Designated non-financial businesses and professions
(DNFBP)“ unterschieden. Es handelt sich somit um definierte Unternehmen
und Berufe außerhalb des Finanzbereichs.
7. Wie stellt sich nach Schätzung bzw. Kenntnis der Bundesregierung die
Anzahl der Verpflichteten des Geldwäschegesetzes (GwG) in
Deutschland dar (bitte tabellarisch darstellen)?
a) Wie viele Verpflichtete gibt es insgesamt im Finanzsektor?
Die Fragen 7 und 7a werden gemeinsam beantwortet.
Die Anzahl der Verpflichteten im Finanzsektor kann nicht abschließend
benannt werden, da zu den Verpflichteten nach § 2 Absatz 1 Nummer 5 GwG
keine Angaben vorliegen. In den übrigen Verpflichtetenkategorien wird von
insgesamt 7816 Verpflichteten ausgegangen (vgl. Antwort zu Frage 7b).
b) Wie verteilt sich die Anzahl der Verpflichteten im Finanzsektor
aufgeschlüsselt nach den jeweiligen Verpflichtetengruppen des § 2 Absatz 1
GwG?
Es werden zum Teil Schätzungen zugrunde gelegt. Die Angaben im Einzelnen
sind der nachstehenden Übersicht zu entnehmen.
§ 2 Absatz 1
GwG
Verpflichtete Anzahl
Nr. 1 Kreditinstitute 1.615
Nr. 2 Finanzdienstleistungsinstitute 1.324
Nr. 3 Zahlungs- und E-Geld-Institute 133
Nr. 4 Agenten, E-Geld-Agenten 4.078
Nr. 5 selbständige Gewerbetreibende Keine Angabe
Nr. 7 Versicherungen 119
Nr. 9 Kapitalverwaltungsgesellschaften 547
c) Wie viele Verpflichtete gibt es insgesamt im Nichtfinanzsektor?
Die Anzahl der Verpflichteten im gesamten Nichtfinanzsektor kann nicht
abschließend benannt werden. Es ist zu beachten, dass nach dem deutschen
Geldwäschegesetz grundsätzlich alle Unternehmen mit bestimmten risikobehafteten
Geschäftstätigkeiten nach den GwG-Vorgaben als Verpflichtete anzusehen sind.
Faktisch greifen aber z. B. bei der großen Gruppe der Güterhändler (s. unten
unter d) die entsprechenden Sorgfaltspflichten erst ab einer Bargeldschwelle
von 10.000 Euro je Transaktion (bei Edelmetallhändlern bereits ab 2000
Euro)). Es besteht ein risikoorientierter Ansatz. Gleichzeitig führen beispielsweise
bei Rechtsanwälten nur bestimmte Geschäftstätigkeiten zu einer
Verpflichteteneigenschaft, ggf. muss auch der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit ermittelt
werden. Ein Rückschluss zur Anzahl der Verpflichteten im Nichtfinanzsektor
auf Grundlage der Register-, Gewerbe- oder auch Steuerdaten ist daher nicht
möglich.
Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Umsetzung der 5. Geldwäscherichtlinie zum
1. Januar 2020 haben sich gemäß § 45 Absatz 1 GwG sämtliche Verpflichteten
nach § 2 Absatz GwG bei der FIU zu registrieren. Das Inkrafttreten dieser
Registrierungspflicht ist an die Inbetriebnahme des Neuen Informationsverbundes
der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen gekoppelt (§ 59 Absatz
6 GwG).
d) Wie verteilt sich die Anzahl der Verpflichteten im Nichtfinanzsektor
aufgeschlüsselt nach den jeweiligen Verpflichtetengruppen des § 2
Absatz 1 GwG?
Der Bundesregierung liegen in folgenden Verpflichtetengruppen valide Zahlen
zu Anzahl der Verpflichteten vor.
Nr. 10 Notare 7.049
Nr. 11 Rechtsdienstleister 257
Nr. 12 Wirtschaftsprüfer 14.492
Nr. 12 vereidigte Buchprüfer 2.662
Nr. 12 Steuerberater 87.500
Nr. 12 Steuerbevollmächtigte 45.000
Nr. 12 Lohnsteuerhilfevereine (Verpflichtete seit 1.1.2000) 300
Nr. 15 Veranstalter und Vermittler von Glücksspielen 19.143
Für die folgenden Verpflichtetengruppen des Nichtfinanzsektors können derzeit
nur Annahmen dahingehend getroffen werden, von wie vielen Akteuren am
deutschen Markt ausgegangen wird, die grundsätzlich als Verpflichtete in
Betracht kommen. Ob eine Verpflichteteneigenschaft gegeben ist, hängt von der
konkreten Ausgestaltung der Geschäftstätigkeit ab.
§ 2 Abs. 1
GwG
Verpflichtete Akteure am deutschen Markt
Quelle
Nr. 6 Finanzunternehmen (Finanzanlagenvermittler
und Honorarfinanzanlagenberater)
37.961 (§ 34f GewO), 205 (§ 34h GewO)
DIHK (10/2020)
Nr. 8 Versicherungsvermittler 79.265DIHK (10/2020)
Nr. 10
Rechtsanwälte, Kammerrechtsbeistände,
Patentanwälte sowie Notare, soweit sie an sog.
Kataloggeschäften mitwirken:
Nr. 10 Rechtsanwälte inkl. Kammerrechtbeistände 167.234RAK Mitgliederstatistik 2020
Nr. 10 Patentanwälte 3.948Statista (01/2020)
Nr. 14 Immobilienmakler 30.324Umsatzsteuerstatistik 2017
Nr. 16 Güterhändler Mind. 800.000Umsatzsteuerstatistik 2017
Unter Hinweis auf die Ausführungen in der Beantwortung zu Frage 7c ist die
Erfüllung der Sorgfaltspflichten und die Pflicht zum Vorhalten eines
Risikomanagments bei Güterhändlern und s. g. Mietmaklern an bestimmte
Schwellenwerte gebunden. Entsprechend ist gerade bei Güterhändlern unter
Risikogesichtspunkten von einer geringeren Anzahl an tatsächlich relevanten
Verpflichteten auszugehen.
8. Was hat die Bundesregierung wann konkret getan, um die in der
Vorbemerkung dieser Anfrage erwähnte Protokollnotiz umzusetzen, die im
Zuge der Umsetzung der Vierten EU-Geldwäscherichtlinie
(Bundestagsdrucksache 18/12405) festgeschrieben wurde?
Zu welchen Daten wurden die geforderten Gespräche mit welchen
Stellen der Länder geführt, und was waren die jeweiligen Ergebnisse und
Schlussfolgerungen (bitte tabellarisch darstellen)?
Die Bundesregierung steht zu Fragen der Geldwäscheaufsicht in vielfältigem
und regelmäßigem Austausch mit den Bundesländern. Zudem steht das BMF
seit 2011 im institutionalisierten Bund-Länder-Austausch mit den für die
Geldwäscheaufsicht zuständigen Stellen der Bundesländer, beispielsweise zu
rechtlichen Auslegungsfragen des GwG. Zur Weiterentwicklung der strategischen
Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern bei der Aufsicht über den
Nichtfinanzsektor wurden zuletzt weitere Initiativen angestoßen. Mit der im Januar
dieses Jahres durch BMF für die Bundesregierung vorgestellten Strategie zur
Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung wurden für den
Nichtfinanzsektor u. a. die Ziele der höheren Priorisierung, Verbesserung der
Risikoorientierung und Stärkung der Zusammenarbeit der Akteure definiert.
In Ergänzung hierzu wurden im Jahr 2019 zudem in den Bundesländern auf
Bitte des BMF und zur Vorbereitung der anstehenden FATF-
Deutschlandprüfung im Bereich der Bekämpfung von Geldwäsche und
Terrorismusfinanzierung „koordinierende Stellen“ eingerichtet. Das System der koordinierenden
Stellen hat sich nach Auffassung aller Beteiligten bewährt und ermöglicht eine
effektivere Koordinierung bis in alle für die Länderaufsicht relevante Sektoren
des Nichtfinanzsektors. Das BMF hat daher ein Konzept für eine dauerhafte
Zusammenarbeit der koordinierenden Stellen entwickelt und den Ländern dies
mit Schreiben von Bundesminister Scholz vom 3. Juli 2020 vorgeschlagen, um
so zur Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern
beizutragen. Gleichzeitig wurde gegenüber den Ländern die dauerhafte
Wahrnehmung der Aufgaben einer koordinierenden Stelle Bund durch BMF zugesichert.
Das Konzept der koordinierenden Stellen sieht vor allem die Verbesserung der
gemeinsamen strategischen Ausrichtung und Risikoorientierung sowie die
Koordination von Bund und Ländern und die Vereinfachung der
Kommunikationswege auf ministerieller Ebene vor.
Außerdem wurde im Jahr 2019 der ressortübergreifende „Steuerungskreis zur
Bekämpfung der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“ eingesetzt, der
künftig zweimal im Jahr tagen wird. Der Steuerungskreis ermöglicht
hochrangige Abstimmungsprozesse auf horizontaler Ebene. Teilnehmerinnen und
Teilnehmer sind die zuständigen Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter aus
den beteiligten Bundesministerien (u. a. BMF, BMI, BMJV) sowie die
Leitungen der zuständigen Behörden (u. a. FIU, BKA, BaFin). Mit der zweiten
Sitzung wurden auch zwei Vertreter der Länder dauerhaft in den Steuerungskreis
einbezogen, die stellvertretend für alle Bundesländer teilnehmen. Die
Teilnahme der Länder wird über die koordinierenden Stellen sichergestellt. Durch die
Einbindung der koordinierenden Stellen in den Steuerungskreis wird so die
Verknüpfung mit dem Hauptgremium für die Ausrichtung der
gesamtstaatlichen Risikoorientierung sichergestellt. Die Einrichtung der koordinierenden
Stellen bei den Ländern sowie des Steuerungskreises Geldwäsche und
Terrorismusfinanzierung beim Bund sind erhebliche Fortschritte in der
gesamtstaatlichen Koordinierung. Diese Entwicklungen bringen auch Verbesserungen in der
Qualität der Aufsicht im Nichtfinanzsektor mit sich.
Der FIU obliegt seit ihrer Einrichtung beim Zoll im Zusammenhang mit der
Entgegennahme und Analyse von Verdachtsmeldungen insoweit auch der
Informationsaustausch und die Koordinierung mit inländischen Aufsichtsbehörden
(§ 28 Absatz 1 Satz 2 Nummer 3 GwG) und der Austausch mit inländischen
Aufsichtsbehörden insbesondere über Typologien und Methoden der
Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung (§ 28 Absatz 1 Satz 2 Nummer 9 GwG).
Dieser gesetzlich normierten Koordinierungsfunktion der FIU (§ 28 Absatz 1
Nummer 3 GwG) trägt diese in Form eines eigenen Arbeitsbereichs Rechnung.
Dieser organisiert und koordiniert die verschiedenen Austauschformate wie
Geldwäschetagungen und Workshops sowie konzertierte Aktionen mit den
Aufsichtsbehörden des NFS. Hierdurch wird einerseits ein bundesweit
einheitlicher Kenntnisstand, andererseits ein Wissenstransfer realisiert. So wurde
bereits aus der ersten gemeinsamen Kontrollaktion im Jahr 2019 allseits eine
insgesamt positive Bilanz gezogen. Sowohl die FIU als auch die
Länderaufsichtsbehörden beabsichtigen diese kontinuierlich fortzuführen. Hierbei soll der
Fokus auf weitere Branchen ausgeweitet werden, um auch andere
Verpflichtetengruppen aus dem Nichtfinanzsektor zu sensibilisieren und in der Ausübung
ihrer Pflichten nach dem Geldwäschegesetz zu unterstützen.
9. Wie steht die Bundesregierung vor dem Hintergrund des Wirecard-
Skandals der Forderung von Teilen der Medien und der (Fach-)
Öffentlichkeit gegenüber, dass die Strukturen der Geldwäscheaufsicht im
Nichtfinanzsektor stärker als bisher zentralisiert werden sollten?
Die Bundesregierung hat sich als Konsequenz aus der Insolvenz der Wirecard
AG in einem Aktionsplan auf zahlreiche Maßnahmen, auch im Bereich der
Verbesserung der Geldwäscheaufsicht, verständigt. Zu berücksichtigen ist, dass es
sich bei den Verpflichteten des Nichtfinanzsektors um eine große Anzahl im
gesamten Bundesgebiet verteilter Unternehmen handelt, die in ihrer Größe und
der Ausrichtung ihrer Geschäftstätigkeit sehr heterogen sind. Dies spricht
weiterhin grundsätzlich für die Verortung der entsprechenden Zuständigkeit bei
den Aufsichtsbehörden der Länder, dem grundgesetzlich vorgegebenen
Regelfall des Gesetzesvollzugs durch die Bundesländer entsprechend. Auf diese
Weise kann die flächendeckende Präsenz der Aufsichtsbehörden gewährleistet
werden.
10. Welchen Ministerien sind nach Kenntnis der Bundesregierung die
Geldwäscheaufsichtsbehörden im Nichtfinanzsektor in den jeweiligen
Bundesländern unterstellt (bitte tabellarisch darstellen und nach Bundesland
und Ministerium aufschlüsseln)?
Die Aufsichtsbehörden des Nichtfinanzsektors sind verschiedenen Ministerien
in einem Bundesland unterstellt. So haben in allen Bundesländern die
Justizressorts die Rechtsaufsicht über die Rechtsanwaltskammern (§ 50 Nummer 3
GwG) sowie die Fach- und Rechtsaufsicht über die Landgerichte, bei deren
Präsidenten die Aufsicht über Notare angesiedelt ist (§ 50 Nummer 5 GwG).
Die Finanzressorts der Länder haben die Rechtsaufsicht über die
Steuerberaterkammern (§ 50 Nummer 7 GwG) sowie die Fach- und Rechtsaufsicht über die
Aufsichtsbehörden für Lohnsteuerhilfevereine (§ 50 Nummer 7a GwG). Durch
die Koppelung der Geldwäscheaufsicht an die glücksspielrechtliche Aufsicht in
§ 50 Nummer 8 GwG unterliegen die Aufsichtsbehörden im Bereich
Glücksspiel den Landwirtschaftsressorts im Bereich der Pferdewetten und den
Innenressorts für die übrigen verpflichteten Glücksspielanbieter. Der Bereich des
Nichtfinanzsektors, für den die Länder nach § 50 Nummer 9 GwG die
Aufsichtsbehörden in eigener Zuständigkeit benennen, untersteht den folgenden
Ressorts
Land Ministerien der Länder
Geldwäsche-Aufsichtsbehörden nach § 50 Nr. 9 GwG
Baden-Württemberg Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration
Bayern Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration
Berlin Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe
Brandenburg Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie
Bremen Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa
Hamburg Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation
Hessen Hessisches Ministerium des Innern und für Sport Glücksspielaufsicht und
Gemeinsame Geschäftsstelle Glücksspiel
Mecklenburg-Vorpommern Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit
Niedersachsen Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und
Digitalisierung
Nordrhein-Westfalen Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie
Rheinland-Pfalz Ministerium des Innern und für Sport
Saarland Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr
Sachsen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Sachsen-Anhalt Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung
Schleswig-Holstein Finanzministerium des Landes Schleswig-Holstein
Thüringen Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale
Gesellschaft
11. Kann die Bundesregierung bestätigen, dass es keine vollständige
Datenbank gibt, in der die Verpflichteten des Nichtfinanzsektors geführt
werden?
Falls ja, welche Möglichkeiten erkennt die Bundesregierung, um eine
möglichst aktuelle Datenbank zu etablieren?
Inwiefern plant die Bundesregierung, die Schaffung einer solchen
Datenbank zu unterstützen?
Welche Maßnahmen strebt sie konkret an?
Hinsichtlich der Erfassung der Verpflichteten ist nach den einzelnen
Verpflichtetengruppen zu unterscheiden. Diese bedürfen zum Teil nach ihren jeweiligen
berufsrechtlichen Vorgaben einer Erlaubnis und werden daher erfasst. So gibt
es eine Zulassungspflicht für Angehörige freier Berufe, die den zuständigen
Kammern grundsätzlich einen belastbaren Überblick ermöglichen, welche
Personen als Verpflichtete in Frage kommen.
Mit dem Gesetz zur Umsetzung der Änderungen zur Vierten
Geldwäscherichtlinie wurde eine Registrierungspflicht aller Verpflichteten nach dem GwG bei
der FIU geregelt. Diese Verpflichtung besteht ab dem Jahr 2024.
12. Wie viele Prüfungen haben nach Kenntnis der Bundesregierung –
aufgeschlüsselt nach Vor-Ort-Prüfungen und sonstigen Prüfungsmaßnahmen –
die jeweiligen Bundesländer in den letzten drei Jahren jeweils
durchgeführt (bitte tabellarisch darstellen, nach Bundesländern aufschlüsseln und
vorliegende Daten für das Jahr 2019, die bis zum 31. März 2020 an das
BMF und die Financial Intelligence Unit (FIU) übermittelt wurden,
sowie ggf. aktuell vorliegende Informationen aus dem laufenden Jahr 2020
integrieren)?
Wie viele dieser Prüfungen haben, differenziert nach den betroffenen
Verpflichteten nach § 2 Absatz 1 GwG (§ 51 Absatz 9 Satz 1 Nummer 1b
GwG) und aufgeschlüsselt nach den einzelnen Bundesländer in den
vergangenen drei Jahren jeweils jährlich stattgefunden (bitte tabellarisch
darstellen)?
Bei der Betrachtung der Zahlen ist zu berücksichtigen, dass die
Geldwäscherisiken im Nichtfinanzsektor aufgrund der regionalen Unternehmen und
Wirtschaftsstruktur unterschiedlich ausfallen und insoweit landesspezifischer
Vollzugskonzepte bedürfen. Die Aufsichtstätigkeit ist in den Ländern vor diesem
Hintergrund auch unterschiedlich organisiert. Die quantitativen Vollzugsdaten
sind in Abhängigkeit von der Größe der Wirtschaftsstruktur eines Landes sowie
von den konkreten Aufsichtsmaßnahmen abhängig und erlauben keinen
Rückschluss auf die Qualität der Aufsicht.
Bei der Bewertung der Aufgabenwahrnehmung der Aufsichtsbehörden der
Länder sollten sämtliche im Berichtszeitraum rechtskräftig ergriffene Maßnahmen
einbezogen werden. Aus Sicht des BMF sollte die Betrachtung neben der
Anzahl der durchgeführten Vor-Ort-Prüfungen auch die sonstigen ergriffenen
Prüfungsmaßnahmen miteinbeziehen. Insbesondere Prüfungen im schriftlichen
Verfahren sollten nicht unberücksichtigt bleiben, da diese in der Statistik des
BMF nur aufgenommen werden, wenn sie hinsichtlich ihres Prüfungsumfanges
einer Vor-Ort-Prüfung entsprechen und dieser somit hinsichtlich der
Prüfungsqualität gleichwertig sind. Die Summenangaben für die Jahre 2018 und 2019
geben daher die Vor-Ort-Prüfungen als auch die Prüfungen im schriftlichen
Verfahren wieder.
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13. Wie stellt sich nach Kenntnis der Bundesregierung Folgendes sortiert
nach den einzelnen Bundesländern in den letzten drei Jahren jeweils
jährlich dar:
a) die Anzahl der Maßnahmen, bei denen die Aufsichtsbehörde eine
Pflichtverletzung festgestellt hat, und
b) die Anzahl der Fälle, in denen die Aufsichtsbehörde anderweitig
Kenntnis von einer solchen Pflichtverletzung erlangt hat (§ 51
Absatz 9 Satz 1 Nummer 1c GwG)?
Die Fragen 13a und 13b werden gemeinsam beantwortet.
Anzahl der Maßnahmen, bei denen die Aufsichtsbehörde eine Pflichtverletzung
festgestellt hat und Anzahl der Fälle, in denen die Aufsichtsbehörde
anderweitig Kenntnis von einer solchen Pflichtverletzung erlangt hat (§ 51 Absatz 9
Satz 1 Nummer 1c GwG) für die Jahre 2017, 2018 und 2019
Angaben zu § 51 Abs. 9 Satz 1 Nr. 1c GwG (Länder) 2017
Anzahl der im Berichtsjahr
abgeschlossenen Maßnahmen, bei denen eine
Pflichtverletzung festgestellt wurde
Fälle, in denen die Aufsichtsbehörde
anderweitig Kenntnis von einer solchen
Pflichtverletzung erlangt hat
Baden-Württemberg 1628
319
19
Bayern 769
Berlin 18
Brandenburg
Hansestadt Bremen
Hansestadt Hamburg 89
Hessen 59 39
Mecklenburg-
Vorpommern
69
Niedersachsen 88
19
59
Nordrhein-Westfalen 218
69
29
Rheinland-Pfalz 109
Saarland
Sachsen 49
Sachsen-Anhalt 229
Schleswig-Holstein
Thüringen
8 Im Jahr 2017 durchgeführte Prüfungen
9 Im 2. Halbjahr 2017 durchgeführte Prüfungen
keine Angaben: es liegen keine Daten vor
Angaben zu § 51 Abs. 9 Satz 1 Nr. 1c GwG (Länder) 2018
Anzahl der im Berichtsjahr
abgeschlossenen Maßnahmen, bei denen eine
Pflichtverletzung festgestellt wurde
Fälle, in denen die Aufsichtsbehörde
anderweitig Kenntnis von einer solchen
Pflichtverletzung erlangt hat
Baden-Württemberg 322 12
Bayern 329 --
Berlin 27 4
Brandenburg -- --
Hansestadt Bremen 7 --
Hansestadt Hamburg 6 --
Angaben zu § 51 Abs. 9 Satz 1 Nr. 1c GwG (Länder) 2018
Anzahl der im Berichtsjahr
abgeschlossenen Maßnahmen, bei denen eine
Pflichtverletzung festgestellt wurde
Fälle, in denen die Aufsichtsbehörde
anderweitig Kenntnis von einer solchen
Pflichtverletzung erlangt hat
Hessen 40 1
Mecklenburg-
Vorpommern
-- --
Niedersachsen 34 --
Nordrhein-Westfalen 127 10
Rheinland-Pfalz 13 --
Saarland 2 --
Sachsen 25 2
Sachsen-Anhalt 25 --
Schleswig-Holstein 8 --
Thüringen -- --
Angaben zu § 51 Abs. 9 Satz 1 Nr. 1c GwG (Länder) 2019
Anzahl der im Berichtsjahr
abgeschlossenen Maßnahmen, bei denen
eine Pflichtverletzung festgestellt
wurde
Fälle, in denen die Aufsichtsbehörde
anderweitig Kenntnis von einer
solchen Pflichtverletzung erlangt hat
Baden-Württemberg 206 26
Bayern 371 8
Berlin 19 3
Brandenburg 1 --
Hansestadt Bremen 6 --
Hansestadt Hamburg 48 --
Hessen 116 5
Mecklenburg-Vorpommern 12 --
Niedersachsen 121
Nordrhein-Westfalen 216 17
Rheinland-Pfalz 15 1
Saarland 8 --
Sachsen 39 2
Sachsen-Anhalt 22 --
Schleswig-Holstein 75 --
Thüringen 3 --
14. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl von
Strafverfahren zur Verfolgung von Geldwäsche, die jährlich eingeleitet
wurden, in den letzten drei Jahren jeweils entwickelt?
Wie hat sich die Anzahl von Strafverfahren zur Verfolgung von
Geldwäsche, die jährlich abgeschlossen wurden, in den letzten drei Jahren
jeweils entwickelt (bitte tabellarisch darstellen)?
Die jährlich vom Statistischen Bundesamt herausgegebene Statistik der
Staatsanwaltschaften erfasst die eingeleiteten und erledigten Ermittlungsverfahren
differenziert nach verschiedenen Sachgebieten. Die Geldwäschedelikte werden
dabei gesondert erfasst. Die ebenfalls jährlich vom Statistischen Bundesamt
herausgegebene Statistik der Strafgerichte erfasst die eingeleiteten und erledigten
Strafverfahren bei den Gerichten differenziert nach den verschiedenen
Instanzen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Statistik lediglich das Delikt mit
dem höchsten Strafrahmen erfasst, so dass ggf. weitere Verfahren mit
Geldwäschebezug unter anderen Delikten erfasst sind. Hinzu kommt, dass vielfach
Ermittlungen wegen Geldwäscheverdachts eingeleitet werden, dann aber der
Schwerpunkt der Ermittlung sich auf die Vortat richtet.
Nachgehend werden die Neuzugänge bei den Staatsanwaltschaften und die
durch Anklage erledigten Verfahren dargestellt.
Eingeleitete und erledigte Verfahren wegen Geldwäschedelikten gemäß
§ 261 StGB
Jahr
Ermittlungsverfahren der Staats-und Amtsanwaltschaft beim
LG
Eingeleitet Erledigtdurch Anklage
2017 40.308 449
2018 39.876 443
2019 40.763 513
Quelle: Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Statistik der Staatsanwaltschaften.
Die Zahl der erledigten Verfahren wegen Geldwäschedelikten vor den
Amtsgerichten, Land- und Oberlandesgerichten kann der nachstehenden Tabelle
entnommen werden.
Erledigte Verfahren wegen Geldwäschedelikten gemäß § 261 StGB vor
dem Amtsgericht, Landgericht und Oberlandesgericht
Jahr
Erledigte Verfahren
Amtsgericht Landgericht Oberlandesgericht1. Instanz Berufung 1. Instanz Revision
2017 640 18 48 0 7
2018 649 18 73 0 6
2019 723 34 83 0 10
Quelle: Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Statistik der Strafgerichte BMJV
15. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Zahl der Verfahren,
die aus der präventiven Geldwäscheaufsicht resultieren?
Welche Rolle nimmt die präventive Geldwäscheaufsicht für die
Erkennung von kriminellen Sachverhalten ein?
Die präventive Geldwäscheaufsicht zielt darauf ab, dass Verpflichtete des
Geldwäschegesetzes nicht durch Dritte (Geldwäscher) zu Zwecken der Geldwäsche
missbraucht werden. Insoweit kann die präventive Geldwäscheaufsicht
aufgrund ihrer engen Zielsetzung (Missbrauch durch Dritte) und der Fokussierung
auf einen Einzelstraftatbestand (§ 261 StGB) auch nur eine Teilmenge zur
Erkennung sämtlicher krimineller Sachverhalte beitragen. Auch führen die
präventiv ausgerichteten Aufsichtsbehörden keine Statistik zu
Verdachtsmeldungen der Verpflichteten und daraus resultierenden Ermittlungsverfahren.
Das System, wie die präventive Geldwäscheaufsicht bei der Erkennung
krimineller Sachverhalte mitwirkt, stellt sich wie folgt dar: Verpflichtete des
Geldwäschegesetzes erkennen aus ihren Systemen zur Prävention von Geldwäsche
auffällige Sachverhalte. Sie melden diese in Gestalt von
Geldwäscheverdachtsmeldungen an die FIU. Die FIU bewertet diese und gibt sie an die
Strafverfolgungsbehörden weiter, welche in den Sachverhalten aus strafrechtlicher
Perspektive ermitteln. Die Aufsichtsbehörden überwachen, dass die Verpflichteten
tatsächlich angemessene Präventionssysteme vorhalten, die darauf ausgerichtet
sind, die notwendigen Geldwäscheverdachtsmeldungen auch unverzüglich
abzugeben.
Zudem können die Aufsichtsbehörden in Einzelfällen auch eigene
Verdachtsmeldungen abgeben. Die FIU hat im Jahr 2018 54 Verdachtsmeldungen von
Aufsichtsbehörden erhalten, im Jahr 2019 waren es 149 Verdachtsmeldungen.
16. An welchen Daten ist die BaFin an welche Stellen in Bayern in den
letzten vier Jahren telefonisch oder persönlich herangetreten, um sich
darüber auszutauschen, wer für die Geldwäscheaufsicht über den Wirecard-
Konzern zuständig ist, bzw. die jeweilige Stelle über Sachverhalte zu
informieren, die die Geldwäscheaufsicht über den Wirecard-Konzern
betreffen (bitte tabellarisch darstellen)?
27.05.2020 BaFin, Bezirksregierung
Niederbayern
Die BaFin trat telefonisch an die Regierung von Niederbayern
heran. Auslöser war eine Mitteilung der Bezirksregierung vom
25.2.2020 an die BaFin, wonach die Bezirksregierung die
Einschätzung teile, dass die Wirecard AG als Finanzunternehmen im
Sinne von § 1 Abs. 24 GwG anzusehen sei, und um abschließende
Einschätzung der BaFin bat, welche diese jedoch mangels
geldwäscherechtlicher Zuständigkeit für Finanzunternehmen und die mit
der Aufsicht über letztere zusammenhängende Fragen nicht geben
konnte.
22.06.2020 BaFin, Bezirksregierung
Niederbayern
Die BaFin trat im Hinblick auf die von der Bezirksregierung
Niederbayern selbst vorgenommene Einschätzung (s. o.) an diese per
Mail heran, um ihr als zuständige Aufsichtsbehörde Informationen
über Tochterunternehmen der Wirecard AG zu übermitteln, die
nach den Informationen der BaFin an ihrem Sitz
geldwäscherechtlichen Pflichten und damit Gruppenpflichten nach § 9 GwG
unterliegen.
25.06.2020 BMF, BaFin,
Bayerisches Staatsministerium
des Innern
Teilnahme der BaFin an einer Telefonkonferenz zwischen dem
BMF und dem Bayerischen Staatsministerium des Innern, in der
das Bayerische Ministerium mitteilte, dass die Wirecard AG die
Voraussetzungen für ein Finanzunternehmen nach § 1 Abs. 24
GwG nicht erfülle und damit keine geldwäscherechtliche
Aufsichtszuständigkeit der Bezirksregierung bestünde. Die BaFin
wiederholte diesbezüglich ihre Position vom 27.05.2020.
17. Wann werden nach Kenntnis der Bundesregierung die
Deutschlandprüfung der bei der OECD in Paris angesiedelten FATF (Financial Action
Task Force on Money Laundering) und die dazugehörige Vor-Ort-
Prüfung genau stattfinden, die aufgrund der Corona-Pandemie zum Teil
verschoben werden mussten?
An welchen Daten sollen sie beginnen, und an welchen enden?
Aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie und den damit verbundenen
Herausforderungen wurden mit Beschluss des Plenums der FATF vom 31. März
2020 alle noch nicht abgeschlossenen Länderprüfungen (Mutual Evaluations)
sowie alle laufenden Follow-Up-Verfahren (Follow-Up-Processes) der 4.
Evaluationsrunde um einen Plenarzyklus (ca. vier Monate) nach hinten verschoben.
Weitere Informationen hierzu sind zu finden unter:
http://www.fatf-gafi.org/publications/fatfgeneral/documents/mer-postponemen
t-covid-19.html
Die Länderprüfung Deutschlands durch die FATF hat nun Anfang September
2020 begonnen; nach derzeitiger Planung der FATF endet die Evaluation im
Oktober 2021. Der Vor-Ort-Besuch der FATF in Deutschland ist derzeit über
einen Zeitraum von zweieinhalb bis drei Wochen im März 2021 geplant.
18. Wie bereitet sich die Bundesregierung auf die FATF-Deutschlandprüfung
sowie auf die Vor-Ort-Prüfung konkret vor?
19. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Vorbereitungen der
Länder auf die anstehende FATF-Deutschlandprüfung sowie auf die Vor-
Ort-Prüfung der FATF?
Inwiefern wirkt sich die Corona-Pandemie auf diese Vorbereitungen aus?
Die Fragen 18 und 19 werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung hat unter aktiver Einbindung und Beteiligung der Länder
frühzeitig begonnen, sich auf die Herausforderungen einer solchen Prüfung
vorzubereiten. Unter anderem wurde hierfür im Bundesministerium der
Finanzen eigens eine Projektgruppe mit 8 Vollzeitstellen zur Vorbereitung auf die
FATF-Prüfung eingerichtet. Für weitere Informationen wird verwiesen auf
Bundestagsdrucksache 19/16464. Unabhängig von der Prüfung und mit Blick
auf die wachsende Bedeutung der Gefahren von Geldwäsche und
Terrorismusfinanzierung findet schon seit Jahren eine zunehmende Vernetzung der
zuständigen Stellen auf allen Ebenen statt.
20. Wie weit ist nach Kenntnis der Bundesregierung das sog. Strategic
Review der FATF, das im Oktober 2019 angestoßen wurde, fortgeschritten?
Gab es hinsichtlich der Einführung kürzerer Prüfzyklen der
Evaluierungsverfahren, die zurzeit zehn Jahre dauern, Fortschritte, und falls ja,
welche?
Der Strategic Review der FATF ist ein dreigliedriger Prozess, bei dem das
Verfahren der FATF-Länderprüfung (Evaluierungverfahren), die
Evaluierungsmethodologie sowie das Listungsverfahren der FATF in einzelnen Projektteams
überprüft und überarbeitet werden. Ziel ist es, die FATF-Prozess schneller,
gezielter, risiko-fokussierter und weniger ressourcenaufwändig zu gestalteten
(„more timely, targeted, risk-based and less resource intensive“). In diesem
Zusammenhang wird auch eine Verkürzung des Prüfzyklus für die 5.
Evaluierungsrunde diskutiert, um in kürzeren Abständen ein aktuelles Bild vom
Präventionsregime gegen Geldwäsche, Terrorismus- und
Proliferationsfinanzierung der einzelnen Mitgliedstaaten der FATF und ihrer Regionalorganisationen
zu haben. Dies wird durch die Mehrheit der FATF-Mitglieder unterstützt.
Verhandlungen darüber dauern jedoch an und sollen spätestens im Juni 2021 zu
einem Abschluss gebracht werden, sodass aktuell keine abschließende Aussage
über die Dauer getroffen werden kann.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]