BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Feuerwehr-Datenbank

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Datum

03.11.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2349919.10.2020

Feuerwehr-Datenbank

der Abgeordneten Sandra Bubendorfer-Licht, Stephan Thomae, Renata Alt, Nicole Bauer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Katja Hessel, Manuel Höferlin, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Dr. Christian Jung, Daniela Kluckert, Pascal Kober, Dr. Lukas Köhler, Carina Konrad, Ulrich Lechte, Roman Müller-Böhm, Dr. Martin Neumann, Bernd Reuther, Matthias Seestern-Pauly, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Katja Suding, Michael Theurer, Manfred Todtenhausen, Gerald Ullrich, Sandra Weeser, Katharina Willkomm und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Feuerwehrleute sind die Retter in der Not. Retten, löschen, bergen, schützen – diese vier Wörter fassen die herkömmlichen Aufgaben der Feuerwehr zusammen. Bei diesen Aufgaben sind die Feuerwehrleute aber erheblichen Gefahren ausgesetzt, die sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit der Einsatzkräfte gefährden. Bei der Brandbekämpfung kommen die Feuerwehrleute regelmäßig in Kontakt mit krebserregenden Stoffen, die bei Gebäudebränden aus den Baumaterialien entweichen, unter anderem Asbest. Dies führt trotz persönlicher Schutzausrüstung wie Atemschutz erwiesenermaßen zu einem erhöhten Risiko für einige Krebserkrankungen bei Feuerwehrleuten (https://www.feuerwehrmagazin.de/wissen/studie-krebs-haeufigste-todesursache-nach-feuerwehreinsaetzen-84738).

Aber nicht nur die unmittelbaren körperlichen Einflüsse im Einsatz gefährden die Feuerwehrleute. Auch das im Einsatz erlebte kann schwere Folgen für die psychische Gesundheit der Einsatzkräfte haben. So mussten 2012 Einsatzkräfte der Feuerwehr, nachdem sie die Eltern und ein Kind aus einer brennenden Dachgeschosswohnung retteten, mitansehen, wie weitere drei Kinder in der Wohnung verbrannten und sie anschließend bergen. Ein fünftes Kind holten die Feuerwehrleute noch aus der Wohnung, allerdings konnten die Ärzte es nicht retten (https://www.stern.de/panorama/weltgeschehen/brandtragoedie-saarbruecken-eltern-verlieren-vier-kinder-in-den-flammen-3590782.html). Erlebnisse aus dem Einsatz wie dieses belasten die Psyche der Feuerwehrleute und führen nicht zuletzt zu posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS).

In der jüngeren Vergangenheit kommt es, nach eigenständig von der Feuerwehr Berlin erhobenen Daten, vermehrt zu An- und Übergriffen auf Einsatzkräfte der Feuerwehr. In der Bundeshauptstadt finden alle 42 Stunden Attacken auf Feuerwehrleute statt. Diese Übergriffe sollen allein im Jahr 2020 um 30 Prozent gestiegen sein (https://www.bild.de/regional/muenchen/muenchen-aktuell/feuerwehrgewerkschaft-immer-mehr-rettungskraefte-fuerchten-um-ihr-leben-71468048.bild.html).

Um diese Entwicklungen bei Schadstoffexpositionen, Gewalt gegen Feuerwehrleute und psychischen Belastungen bewerten und ihnen entgegensteuern zu können, braucht es nach Ansicht der Fragesteller offizielle Erhebungen und Statistiken.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen16

1

Wie viel Prozent der Feuerwehren in Deutschland protokollieren nach Kenntnis der Bundesregierung die Schadstoffexposition ihrer Einsatzkräfte in einer Datenbank (bitte nach Bundesland sowie Berufs-, Werks- und Freiwilliger Feuerwehr aufschlüsseln)?

2

Werden entsprechende Einträge nach Kenntnis der Bundesregierung nach einheitlichen Kriterien in die Datenbanken aufgenommen, und um welche Kriterien handelt es sich?

3

Verfolgt die Bundesregierung eine Strategie, um die Schadstoffexposition aller im Feuerwehrdienst tätigen Menschen zu erfassen, und wenn ja, welche?

4

Welche Strategien der Bundesländer sind der Bundesregierung bekannt, um die Erfassungsquote zu steigern?

5

Bei wie vielen Feuerwehrleuten in Deutschland wurde nach Kenntnis der Bundesregierung zwischen 2010 und 2020 eine PTBS diagnostiziert (bitte nach Bundesland und Jahren sowie Berufs-, Werks- und Freiwilliger Feuerwehr aufschlüsseln)?

6

Wie viele Feuerwehrleute in Deutschland sind nach Kenntnis der Bundesregierung aufgrund psychischer Belastungen derzeit berufsunfähig (bitte nach Bundesland sowie Berufs-, Werks- und Freiwilliger Feuerwehr aufschlüsseln)?

7

Wie viele Feuerwehrleute in Deutschland sind nach Kenntnis der Bundesregierung aufgrund einer PTBS zwischen 2010 und 2020 aus dem Dienst ausgeschieden (bitte nach Bundesland und Jahren sowie Berufs-, Werks- und Freiwilliger Feuerwehr aufschlüsseln)?

8

Werden nach Kenntnis der Bundesregierung präventive Maßnahmen angeboten, um einer PTBS bei Feuerwehrleuten vorzubeugen, und wenn ja, welche?

9

Welche Hilfsangebote gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung für Feuerwehrleute, die im Rahmen ihrer Tätigkeit eine Situation erlebt haben, die belastend oder traumatisch wirkt?

10

Wird Feuerwehrleuten nach Kenntnis der Bundesregierung Unterstützung zur Verfügung gestellt, um ihre Resilienz zu fördern, und wenn ja, welche?

11

Verfolgt die Bundesregierung bzw. verfolgen nach ihrer Kenntnis die Länder weitere Strategien und Maßnahmen, um PTBS bei Feuerwehrleuten vorzubeugen, und wenn ja, welche?

12

Werden von der Bundesregierung Statistiken, Analysen, Daten und wissenschaftliche Erkenntnisse von der Bundesregierung erhoben bzw. ausgewertet, um einen bundesweiten Überblick über die psychischen Erkrankungen von Feuerwehrleuten zu erlangen, und wenn ja, welche?

13

Welchen Austausch und welche Kooperationen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung zwischen den Ländern hinsichtlich der Prävention, der Erkennung und des Umgangs mit PTBS bei Feuerwehrleuten?

14

Wie viele An- und Übergriffe haben nach Kenntnis der Bundesregierung zwischen den Jahren 2010 und 2020 auf Einsatzkräfte der Feuerwehr im Bundesgebiet stattgefunden (bitte nach Bundesland und Jahren sowie Berufs-, Werks- und Freiwilliger Feuerwehr aufschlüsseln)?

a) In wie vielen dieser Fälle wurden Ermittlungsverfahren durch die Strafverfolgungsbehörden eingeleitet?

b) In wie vielen dieser Fälle kam es zu einer Verurteilung (bitte nach Straftatbeständen aufschlüsseln)?

15

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, weshalb Feuerwehrleute im Rahmen ihrer Arbeit angegriffen werden?

16

Existieren nach Kenntnis der Bundesregierung Strategien und Pläne, um Feuerwehrleute vor An- und Übergriffen besser zu schützen, und wenn ja, welche?

Berlin, den 7. Oktober 2020

Christian Lindner und Fraktion

Ähnliche Kleine Anfragen