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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

"Ehrenpflegas"-Miniserie

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Datum

18.11.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2395704.11.2020

„Ehrenpflegas“-Miniserie

der Abgeordneten Matthias Seestern-Pauly, Thomas Hacker, Katja Suding, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Britta Katharina Dassler, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Dr. Gero Clemens Hocker, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Dr. Christian Jung, Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Konstantin Kuhle, Judith Skudelny, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Michael Theurer, Stephan Thomae, Sandra Weeser und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Mit der Serie „Ehrenpflegas“ hat sich das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) das Ziel gesetzt, Jugendliche für eine Ausbildung in der Pflege zu begeistern. Die Serie soll „auf unterhaltsame Weise über den Pflegeberuf“ informieren und auf „die Chancen und die Vielfalt der neuen Pflegeausbildung aufmerksam“ machen (https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/serie-ehrenpflegas-gestartet-1797950).

Die Serie stieß in der Öffentlichkeit auf ein negatives Echo (https://www.spiegel.de/start/ehrenpflegas-werbung-des-familienministeriums-sorgt-fuer-aerger-a-15acde52-d587-433a-9a7c-466a71d2709e). So heißt es beispielsweise: „Die Resonanz im Netz fällt vernichtend aus. Auf den Social-Media-Accounts des Bundesfamilienministeriums machen sich Nutzer über die Jugendsprache lustig und kritisieren, dass das Bundesministerium durch die Serie so wirke, als würden die Leute dort junge Menschen, die eine Ausbildung in der Pflege erwägen, nicht ernst nehmen.“ (https://www.sueddeutsche.de/medien/serie-youtube-pflege-1.5069951). Die Kritik an der veröffentlichten Miniserie wächst zusehends und mündet aktuell sogar in einer laufenden Petition bei einer Drittanbieterplattform (https://www.openpetition.de/petition/online/wir-sind-keine-ehrenpflegas).

Unstrittig aus Sicht der Fragesteller ist, dass die Pflegeausbildung gestärkt werden muss. Ob dies jedoch durch die Serie des Bundesfamilienministeriums gelungen ist, ist aus Sicht der Fragesteller anzuzweifeln.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen25

1

Welche konkreten Ziele – die im Vorfeld von der Bundesregierung formuliert wurden – sind mit der Veröffentlichung und Verbreitung der Miniserie „Ehrenpflegas“ erreicht worden, und wie und wann evaluiert die Bundesregierung die Zielerreichung?

Falls ja, in welcher Form?

Falls nein, weshalb nicht?

2

Welche inhaltlichen Anforderungen hat die Bundesregierung an die Produktionsfirma der Serie gestellt, und ist die Bundesregierung der Auffassung, dass diesen entsprochen wurde (bitte begründen)?

3

Teilt die Bundesregierung die vom Deutschen Berufsverband geäußerte Kritik, dass die Art und Weise, in der in dieser Serie die Ausübung des Pflegeberufs dargestellt wird, würde „Selbstverständnis, Ethos und Pflegefachlichkeit der Berufsgruppe“, die Darstellung der Pflege verletzen (https://www.sueddeutsche.de/medien/serie-youtube-pflege-1.5069951; bitte begründen)?

4

Spiegelt die Darstellung des Pflegeberufs in der Serie „Ehrenpflegas“ das Bild des Pflegeberufs der Bundesregierung wider (bitte begründen)?

5

Hat die Bundesregierung weitere Vereinbarungen mit der Produktionsfirma der Serie „Ehrenpflegas“ getroffen, beispielsweise über eine Fortsetzung der Serie?

Falls nein, plant die Bundesregierung derartige Gespräche und/oder eine Fortsetzung?

6

Hat die Bundesregierung weitere Vereinbarungen mit Produktionsfirmen getroffen, um ähnliche Formate für andere Berufsfelder (z. B. Erzieherberuf) zu produzieren?

Falls ja, für welche Berufsfelder wurden welche inhaltlichen Vereinbarungen jeweils getroffen?

Falls nein, haben dahin gehend vorbereitende Gespräche mit relevanten Akteuren (z. B. Produktionsfirmen) stattgefunden?

7

Welche Kriterien waren für die Umsetzung einer Kampagne zur generalistischen Pflegeausbildung im Rahmen einer „unterhaltsamen Miniserie“ für die Bundesregierung entscheidend (https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/ehrenpflegas-miniserie-neue-pflegeausbildung/161080)?

8

Welche Zielgruppe mit welchen konkreten bestehenden Schlüsselkompetenzen sollen durch die Miniserie adressiert werden?

9

Aus welchen Gründen entschied sich das BMFSFJ im Zuge der Kampagne gegen eine authentische Darstellung des Berufsalltags von Pflegekräften, die neben Dokumentationspflichten auch den Schwerpunkt Hospizpflege thematisiert?

10

Inwiefern ist der Pflegeberuf nach Ansicht der Bundesregierung aufgrund seiner besonderen ethischen wie medizinischen Anforderungen überhaupt für eine „unkonventionelle Darstellung“ geeignet?

11

Aufgrund welcher Überlegungen des BMFSFJ bzw. welcher Kriterien werden einzelne Hauptcharaktere in „Ehrenpflegas“ nach Auffassung der Fragesteller überwiegend als bildungsferne wie naive Akteure mit geringer Sozialkompetenz dargestellt?

12

Wie gestaltete sich dabei der Prozess von der Ideenfindung über die Konzeption bis zur Realisierung (bitte chronologisch auflisten und Beteiligte benennen)?

13

Welche Interessenverbände und Gruppen aus dem Bereich Pflege bzw. Gesundheitsmanagement waren an diesem Prozess zu welchem Zeitpunkt beteiligt, und falls keine beteiligt waren, warum nicht (bitte chronologisch auflisten)?

14

Wann, durch wen, und in welchen Produktionsphasen war das BMFSFJ über den gesamten Zeitraum hinweg beteiligt (bitte chronologisch auflisten und Beteiligungen konkret ausweisen)?

15

Durch wen und auf welcher Entscheidungsgrundlage erfolgte die finale Freigabe im BMFSFJ zur Veröffentlichung von „Ehrenpflegas“ bei YouTube?

16

Aufgrund welcher Kriterien bzw. dramaturgischen Überlegungen erfolgte der Cameo-Auftritt der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Dr. Franziska Giffey in Folge 5 der Miniserie?

17

Aus welchen Gründen wird die Ausbildungsvergütung nach Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes 1 140,69 Euro (brutto) in der Miniserie nie konkret benannt?

18

Welche konkreten Kosten hat die Miniserie verursacht, und sind die in der Presse kursierenden Summen von 700 000 Euro zutreffend (https://www.deutschlandfunkkultur.de/videoserie-ehrenpflegas-cool-oder-voll-daneben.2165.de.html?dram:article_id=485686)?

19

Wie haben sich die Gesamtkosten konkret auf alle Beteiligten des Produktionsprozesses – angefangen bei den Kommunikations- und Marketingunternehmen über das Produktionsstudio bis hin zu den Personen vor und hinter der Kamera – verteilt?

20

Warum erfolgten die Konzeption und Produktion allein durch die Constantin Film?

21

Ist die Konzeption und Produktion der Miniserie ausgeschrieben worden, und hätte nach Ansicht der Bundesregierung die Produktion entsprechend der Vergabeordnung ausgeschrieben werden müssen, falls nein, bitte begründen?

22

Welche Gründe haben aus Sicht der Bundesregierung für eine Veröffentlichung auf der Plattform YouTube gesprochen, und inwieweit evaluiert die Bundesregierung die Abrufzahlen?

23

Welche Auffassung zum Erfolg der Kampagne vertritt die Bundesregierung nach Veröffentlichung der Miniserie sowie der Kritik betroffener Fachverbände?

24

Inwiefern spiegelt die Miniserie aus Sicht der Bundesregierung die hohen Anforderungen, Belastungen und allgemeinen Bedingungen in der Pflege wider?

25

Welche Aspekte der ganzheitlichen Pflegeausbildung und des beruflichen Pflegealltags werden nach Ansicht der Bundesregierung in der Miniserie dargestellt, und inwiefern wird deren jeweilige Darstellung als realistische Alltagsdarstellung eingestuft?

Berlin, den 29. Oktober 2020

Christian Lindner und Fraktion

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