[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sabine Zimmermann (Zwickau),
Susanne Ferschl, Matthias W. Birkwald, weiterer Abgeordneter und der
Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 19/25012 –
Callcenter: Subventionen, Entlassungen und Betriebsschließungen
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Callcenter sind eine Wachstumsbranche. Der Umsatz eigenständiger
Callcenterunternehmen ist von 4,58 Mrd. Euro 2010 auf 6,43 Mrd. Euro 2016
gewachsen, die Beschäftigtenzahl dieser Unternehmen stieg von 98 456 im Jahr
2010 auf 134 249 im Jahr 2018 (Antwort der Bundesregierung auf die
Mündlichen Fragen 44 und 58 der Abgeordneten Sabine Zimmermann,
Plenarprotokoll 19/100). Hinzu kommen Hunderttausende Beschäftigte in sogenannten
Inhouse-Callcentern und die von ihnen erwirtschafteten Umsätze. Mehr als die
Hälfte der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten der Kerngruppe
arbeitet im Wirtschaftszweig „Callcenter“ zum Niedriglohn (ebenda).
Trotz steigender Nachfrage nach Callcenterleistungen und niedriger Löhne in
Callcentern wird seit Jahren regelmäßig medial über die Eröffnung von
Callcentern im Ausland für deutsche Kunden im Inland berichtet, und zwar
sowohl für Unternehmen des Wirtschaftszweiges „Callcenter“ als auch für
Inhouse-Callcenter (
https://www.spiegel.de/wirtschaft/callcenter-verlagerung-
die-tschechen-sprechen-doch-auch-gut-deutsch-a-321945.html,
https://www.w
elt.de/wirtschaft/article141988006/Wenn-die-Hotline-am-Sonntag-stumm-blei
bt.html,
https://www.wiwo.de/my/unternehmen/dienstleister/deutsche-teleko
m-hotline-im-ausland/25596468.html). Zudem drohte der Call Center Verband
Deutschland e. V. (CCV) im Jahr 2015 die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins
Ausland an, nachdem das Bundesverwaltungsgericht das Verbot der
Sonntagsarbeit auf Callcenter erstreckt hatte (
https://callcenter-verband.de/sonntagsarbe
it-ccv-fordert-schnelle-rechtssicherheit-von-der-politik-in-bund-und-laend
ern/).
Trotz insgesamt guter wirtschaftlicher Lage der Branche werden Callcenter in
Deutschland geschlossen. Zuletzt kündigte der Majorel-Konzern mitten in der
zweiten Welle der Corona-Pandemie an, mehrere Callcenter zum Jahresende
2021 zu schließen. Dies betrifft unter anderem den Standort Chemnitz mit
rund 400 Beschäftigten, darunter zahlreiche einst ausgegliederte Beschäftigte
der Telekom. Weitere 1 400 Beschäftigte sind von Standortschließungen in
Neubrandenburg, Schwerin und Stralsund betroffen (
https://www.freiepress
e.de/chemnitz/grosskonzern-majorel-streicht-standort-in-chemnitz-400-mensc
hen-verlieren-ihren-job-artikel11195886).
Deutscher Bundestag Drucksache 19/25741
19. Wahlperiode 08.01.2021
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
7. Januar 2021 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Diese Entwicklung deutet nach Auffassung der Fragestellenden darauf hin,
dass Callcenterunternehmen das Arbeitsmarktpotenzial in Deutschland
bewusst nicht ausschöpfen, um Personalkosten als den zentralen Kostenfaktor
der Branche einzusparen und dadurch Gewinne zu maximieren oder
Arbeitsschutzvorschriften in Deutschland zu umgehen. Zugleich hat sich in der
Vergangenheit gezeigt, dass Callcenterunternehmen in großem Umfang
öffentliche Fördergelder erhalten haben (Antworten der Bundesregierung auf die
Kleinen Anfragen auf den Bundestagsdrucksachen 17/3319 und 17/7132). Die
Zweckmäßigkeit des Einsatzes von öffentlichen Fördermitteln steht nach
Auffassung der Fragestellenden infrage, wenn geförderte Betriebe geschlossen
oder neue Arbeitsplätze vor Ort nicht in dem Ausmaß geschaffen werden, wie
es dem Auftragswachstum des Unternehmens und der Branche entspricht.
1. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Umsätze und
Gewinne in der Callcenterbranche in den Jahren 2000 bis 2020
entwickelt?
Ergebnisse liegen im statistischen Unternehmensregister für die Berichtsjahre
2003 bis einschließlich 2019 vor. Eine Vergleichbarkeit der Daten
untereinander ist nur unter größter Vorsicht möglich, da zum einen ab dem Berichtsjahr
2006 eine neue Klassifikation der Wirtschaftszweige angewandt wurde und
zum anderen das Unternehmensregister, gerade zu Beginn, einem ständigen
Entwicklungsprozess zur Steigerung der Qualität unterzogen war und noch
immer ist. Die Auswertungen der Umsatzwerte, für die mit einheitlicher
Klassifikation aufbereiteten Jahre 2006 bis 2019, in der Wirtschaftsgruppe 82.2
„Call-Center“ können Anlage 1 entnommen werden.
2. Hat es nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten Jahren in der
Callcenterbranche eine wirtschaftliche Konzentration gegeben?
Wenn ja, wie lässt sich diese in Zahlen beschreiben, und wie bewertet die
Bundesregierung diese Entwicklung?
Im Zeitraum von 2006 bis 2019 waren in der Wirtschaftsgruppe 82.2 die
Anzahl der Rechtlichen Einheiten insgesamt rückläufig. Im Gegensatz dazu stieg
in diesem Zeitraum die Anzahl der Rechtlichen Einheiten mit mehr als 250
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (für 2019: abhängig Beschäftigte)
(siehe Anlage 1).
Aus Sonderauswertungen, die für die Bezugsjahre 2007 bis 2017 für die
Monopolkommission erfolgten, zeigt sich anhand der Maße Herfindahl-Hirschman-
Index (HHI) und CR6 (Prozentualer Umsatzanteil der sechs größten
Marktteilnehmer) im Zeitraum von 2011 bis 2017 eine recht stabile Marktkonzentration
auf einem höheren Niveau gegenüber dem Zeitraum davor (2007 und 2009). Zu
Einzelheiten siehe die nachstehende Tabelle.
Statistisches Unternehmensregister (Stand: 11/2019)
Maße Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) und CR6 (Prozentualer Umsatzanteil
der sechs größten Markteilnehmer) der Wirtschaftsgruppe 82.2 „Call-Center“
nach Berichtsjahren
Berichtsjahr HHI CR6
2007 274,1 33,56
2009 294,4 33,88
2011 634,7 42,81
2013 503,7 40,34
2015 460,7 37,79
2017 659,5 41,84
3. Welche sind nach Kenntnis der Bundesregierung die 20 größten
Unternehmen der Callcenterbranche (bitte mit Umsätzen und
Beschäftigtenzahlen nennen)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Daten vor. Aus Gründen des
Datenschutzes und der statistischen Geheimhaltung ist es nicht möglich, Daten
einzelner Rechtlicher Einheiten zu veröffentlichen
4. In welchem Ausmaß sind nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils
in den einzelnen Jahren 2000 bis 2020 Callcenter und Unternehmen
der Callcenterbranche durch verschiedene Instrumente der
Wirtschaftsförderung subventioniert worden (bitte auch nach Bundesländern
aufgliedern)?
Wie stark ist bei diesen Instrumenten jeweils die Förderintensität der
Callcenter verglichen mit der Gesamtwirtschaft?
Zum Umfang der Förderung im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe
„Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) wird auf die Antwort zu
Frage 5 verwiesen.
In der folgenden Tabelle werden die Kreditzusagen der KfW an Callcenter nach
Jahren aufgelistet (Stand: 30. Dezember 2020). Über Zusagen in den Jahren vor
2018 liegen entweder keine strukturierten Daten vor oder es sind keine Zusagen
gemacht worden.
Jahr Zusagen Zusagevolumen in Euro
2018 1 80.000
2019 1 150.000
2020 32 7.199.000
Gesamt 34 7.429.000
In der folgenden Tabelle werden die Kreditzusagen der KfW an Callcenter nach
Land aufgelistet (von 2018 bis 2020).
Land Anzahl Zusagevolumen
in Euro
Baden-Württemberg 5 920.000
Bayern 11 1.540.000
Berlin 4 1.535.000
Hamburg 1 800.000
Hessen 1 50.000
Mecklenburg-Vorpommern 3 160.000
Niedersachsen 1 150.000
Nordrhein-Westfalen 6 974.000
Rheinland-Pfalz 1 500.000
Sachsen-Anhalt 1 800.000
Gesamt 34 7.429.000
Die Programme der KfW sehen nicht vor, dass Callcentern verglichen mit
sonstigen Unternehmen besondere Konditionen zugebilligt werden.
Darüber hinausgehende Informationen liegen der Bundesregierung nicht vor.
5. Welche Callcenterunternehmen haben im aktuellsten Jahr, für das Daten
vorliegen, sowie im Gesamtzeitraum 2000 bis 2020 aus den Mitteln der
Gemeinschaftsaufgabe regionale Wirtschaftsstruktur Fördergelder
erhalten (bitte Förderzeitraum, Vorhaben und Fördersumme nennen)?
Im Rahmen der GRW, an deren Finanzierung Bund und Länder gemäß
Artikel 91a Grundgesetz je zur Hälfte beteiligt sind, wurden in den Jahren 2000 bis
2020 insgesamt 179 betriebliche Investitionsvorhaben aus der Wirtschaftsklasse
82.20 bzw. 74.86 „Call-Center“ (Klassifikation der Wirtschaftszweige,
Ausgabe 2008 bzw. 2003) gefördert. Der nachfolgenden Tabelle ist zu entnehmen,
für welche Unternehmen in den Jahren 2008 bis 2020 GRW-Mittel bewilligt
wurden. Detaillierte Angaben zum Investitionsvorhaben liegen für diesen
Zeitraum nicht vor. Angaben zur Förderung einzelner Unternehmen können für
frühere Bewilligungszeitpunkte wegen der damals gültigen Regelung zur
Wahrung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen aus datenschutzrechtlichen
Gründen nicht veröffentlicht werden. Insgesamt wurden für den Zeitraum 2000
bis 2007 für 125 Investitionsvorhaben knapp 106 Mio. Euro an GRW-Mitteln
bewilligt.
Bewilligte GRW-Mittel 2008-2020 (Bundes- und Landesanteil)
Unternehmen Investitionszeitraum
GRW-
Mittel
in Euro
ebuero AG/DBS Deutsche Business Services GmbH 14.02.2007 12.02.2010 73.160
Andrea Wauligmann 19.12.2007 01.07.2010 5.630
Bosch Communication Center Magdeburg GmbH 08.11.2007 28.09.2010 42.505
callplus telemarketing GmbH 16.11.2007 15.11.2010 25.875
Sandy Trense 01.03.2008 31.12.2009 9.025
call 24 telemarketing GmbH 01.08.2008 31.07.2011 51.750
D+S communication center Rügen GmbH 11.05.2007 31.12.2011 4.664.600
Frank Sadowski 12.06.2007 31.12.2010 20.700
adm Anklam GmbH 01.10.2007 31.12.2011 3.382.700
buw operations Schwerin GmbH 01.09.2008 31.12.2012 500.500
GLS Verwaltungs- und Service GmbH 01.10.2007 31.12.2009 51.400
Interact Tele Service AG 05.05.2008 31.10.2010 47.900
Flash Telemarketing GmbH 03.09.2007 31.08.2010 3.750
D+S communication center Gera GmbH 01.04.2008 31.10.2009 1.287.683
Lufthansa Global Tel Sales GmbH 27.10.2008 10.09.2010 55.800
SITEL GmbH 01.09.2008 30.06.2011 84.330
lead on GmbH 07.03.2008 31.12.2009 52.100
SNT Deutschland AG Zweigniederlassung Potsdam 16.02.2007 15.02.2010 6.584.000
Globus Support GmbH 15.04.2009 31.07.2009 25.000
Euler Hermes Collections GmbH 17.02.2009 31.01.2012 1.547.500
LDB Phone + Mail Services GmbH 01.10.2008 31.10.2008 57.100
e.dialog GmbH 01.05.2008 31.12.2012 1.016.900
118000 Telefonvermittlung GmbH c/o GoYellow Media 01.10.2009 31.12.2012 1.504.600
Communication Factory GmbH 20.12.2007 19.12.2010 248.125
Service-Direkt Telemarketing Verwaltungsgesellschaft 18.12.2008 31.12.2010 31.600
Competence Call Center Leipzig GmbH 24.09.2009 31.12.2010 51.600
tema-direkt GmbH 22.11.2010 31.10.2013 580.500
CC WellCom GmbH 01.01.2011 31.10.2013 818.400
callplus telemarketing GmbH 19.05.2011 16.01.2014 161.500
CommuniGate Kommunikationsservice GmbH 29.07.2011 28.07.2014 314.300
Benchmark Partner GmbH Agentur für Dialogmarketing 22.01.2010 30.06.2011 72.800
KDW Neustrelitz GmbH 01.08.2010 30.10.2015 808.700
KiKxxl GmbH 20.02.2012 31.12.2014 151.158
Bosch Communication Center Magdeburg GmbH 01.03.2012 31.12.2013 450.000
lead on GmbH 25.05.2012 13.05.2015 45.600
plus49 group GmbH 27.04.2012 31.12.2013 1.162.730
Benchmark Partner GmbH Agentur für Dialogmarketing 24.10.2011 31.12.2013 83.800
Service24Direct GmbH 14.09.2012 31.12.2013 21.900
KDW + Service GmbH 08.05.2013 31.08.2014 9.730
Viafon GmbH 19.02.2014 16.02.2016 33.540
Webhelp Deutschland GmbH 01.08.2015 31.12.2015 141.500
Teleperformance Germany S.à.r.l. & Co. KG 03.12.2015 30.11.2018 380.306
Schneider Electric GmbH 01.05.2016 31.12.2018 43.040
Bosch Service Solutions Leipzig GmbH 14.01.2016 20.06.2019 198.700
Vocando Gelsenkirchen GmbH
(umgew. in Avedo Gelsenkirche GmbH)
01.09.2016 31.12.2018
108
Trend Service GmbH 07.05.2018 31.12.2020 30.000
CCC Essen Digital GmbH 18.09.2017 31.12.2018 200.000
Sky Deutschland Customer Center GmbH 14.08.2017 31.12.2018 108.880
Unternehmen Investitionszeitraum
GRW-
Mittel
in Euro
HORNBACH Baumarkt AG 11.06.2018 31.12.2019 12.450
Telesense Kommunikation GmbH 01.06.2018 31.05.2021 38.290
e-hoi GmbH 01.07.2019 30.06.2021 479.130
Dialoghafen GmbH 01.10.2017 30.06.2019 119.652
ja-dialog Wolfen GmbH 01.12.2018 30.11.2021 11.119
Interact Tele Service Aktiengesellschaft, ITS AG 01.11.2017 31.03.2021 21.321
6. In welchem Ausmaß sind seit dem Jahr 2000 Callcenter und
Unternehmen der Callcenterbranche durch verschiedene Instrumente der
Arbeitsmarktförderung subventioniert worden (bitte die Summe der Förderung
für die einzelnen Jahre nennen sowie nach Art der Förderung aufzählen;
falls möglich, auch die Unternehmen nennen)?
Angaben der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu Teilnehmenden an
arbeitsmarktpolitischen Instrumenten, die bei einem Arbeitgeber der
Wirtschaftsgruppe 82.2 „Call Center“ tätig sind, können Anlage 2 entnommen
werden.
Die Auswertung umfasst arbeitsmarktpolitische Instrumente, die sich an
Arbeitgeber richten oder bei denen der Arbeitgeber als Bezugseinheit (z. B. bei
Maßnahmen bei einem Arbeitgeber) erfasst wird. In der Förderstatistik der BA
liegen Daten differenziert nach wirtschaftsfachlicher Gliederung erst ab dem
Jahr 2008 vor. Ausgaben für einzelne arbeitsmarktpolitische Instrumente liegen
der Bundesregierung in dieser Differenzierung nicht vor.
7. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung beschäftigungspolitische
Kriterien für die Fördermittelvergabe auf Bundes- und Landesebene
(z. B. Mindestentgelte, Art der Beschäftigungsverhältnisse)?
a) Wenn nein, warum ist das bisher nicht in Erwägung gezogen
worden?
b) Wenn ja, um welche handelt es sich dabei (bitte genaue Regelungen
für Bundes- und Landesebene nennen)?
Die Fragen 7 bis 7b werden gemeinsam beantwortet.
Mit den mit Mitteln GRW geförderten Investitionsvorhaben müssen in den
Fördergebieten neue Dauerarbeitsplätze geschaffen oder vorhandene gesichert
werden. Ausbildungsplätze können wie Dauerarbeitsplätze gefördert werden.
Auch Investitionen zur Schaffung oder Sicherung von Telearbeitsplätzen
können gefördert werden. Den für die Durchführung der GRW zuständigen
Ländern steht es frei, weitere beschäftigungspolitische Kriterien festzulegen.
8. Welche Callcenterstandorte in Deutschland sind nach Kenntnis der
Bundesregierung seit dem Jahr 2000 geschlossen worden (bitte einzeln
aufführen und jeweils die Zahl der zuletzt dort Beschäftigten nennen)?
Angaben über Gewerbeanmeldungen und -abmeldungen für Call-Center
(Wirtschaftsgruppe 82.2) liegen nicht vor, da die Daten der Gewerbeanzeigenstatistik
nicht so tief gegliedert sind. Sie werden nur auf der 2-Steller-Ebene
nachgewiesen.
Dagegen liegen Daten aus der Insolvenzstatistik vor. Der nachstehenden
Tabelle sind die beantragten Insolvenzverfahren mit den betroffenen
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern für Call-Center für Deutschland zu entnehmen.
Ergebnisse nach Ländern für Call-Center liegen der Bundesregierung nicht vor.
Beantragte Insolvenzen für Deutschland
Jahr Beantragte Insolvenzen von Call-Centern(Wirtschaftsgruppe 82.2)
Unternehmen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
Anzahl
2003 72 552
2004 75 495
2005 100 418
2006 98 374
2007 99 1.287
2008 143 2.233
2009 196 6.098
2010 174 892
2011 132 675
2012 99 798
2013 83 8.908
2014 79 519
2015 40 186
2016 30 166
2017 30 147
2018 25 201
2019 18 90
Januar bis September
2020 9 598
9. Sind der Bundesregierung Fälle bekannt, in denen Unternehmen
einerseits Beschäftigte eines Callcenters entlassen oder Betriebsschließungen
von Callcentern vorgenommen haben, anderseits aber neue Callcenter-
Standorte mit der Nutzung von Subventionen errichtet haben (bitte
einzeln aufführen und in Beziehung zu den Angaben aus den Antworten zu
den Fragen 4 bis 6 und 8 setzen)?
Dazu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
10. Sind der Bundesregierung Fälle bekannt, in denen Callcenterstandorte,
für die in den letzten 20 Jahren Fördermittel (aus der
Gemeinschaftsaufgabe regionale Wirtschaftsstruktur oder über Instrumente der
Arbeitsmarktförderung) geflossen sind, geschlossen wurden (bitte einzeln
aufführen und in Beziehung zu den Angaben aus den Antworten zu den
Fragen 4 bis 6 und 8 setzen)?
a) Wenn ja, sind der Bundesregierung Fälle bekannt, in denen dieselben
Unternehmen in zeitlichem Zusammenhang mit der
Standortschließung Standorte im europäischen oder außereuropäischen Ausland
eröffnet haben (bitte einzeln aufführen), und ist der Bundesregierung
bekannt, ob die Unternehmen dort öffentliche Fördergelder erhalten
haben und zu welchen Bedingungen die Beschäftigten an den
jeweiligen Standorten im Ausland arbeiten?
b) Wenn nein, warum hält die Bundesregierung nicht nach, ob der
langfristige Zweck öffentlicher Förderung erreicht wurde?
Die Fragen 10 bis 10b werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung hat keine Kenntnis über etwaige Schließungen von Call-
Center-Standorten, die über die GRW gefördert wurden.
Die GRW leistet in den strukturschwachen Regionen Deutschlands über das
Instrument der Investitionsförderung einen Beitrag zur Schaffung und
Sicherung von nachhaltigen Arbeitsplätzen. Konkret sind im Rahmen der GRW nur
jene betrieblichen Investitionsvorhaben förderfähig, durch die in
strukturschwachen Regionen neue Dauerarbeitsplätze geschaffen oder vorhandene gesichert
werden. Um dies zu gewährleiten, müssen die Arbeitsplätze für eine
„Überwachungszeit“ von mindestens fünf Jahren nach Abschluss des
Investitionsvorhabens tatsächlich besetzt oder zumindest auf dem Arbeitsmarkt dauerhaft
angeboten werden. Dies wird durch die Länder, die für die Durchführung der
GRW, d. h. insbesondere die Auswahl der Förderprojekte sowie die
Bewilligung und Auszahlung der Fördermittel, verantwortlich sind, über die
„Verwendungsnachweisprüfung“ und die „Bindefristprüfung“ geprüft.
11. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Callcenterunternehmen, die
im öffentlichen Besitz sind oder waren oder Tochterfirmen öffentlicher
Unternehmen sind oder waren?
Wenn ja, welche, wie viele sind das, wie viele Beschäftigte arbeiten dort,
und wie viele Unternehmen mit wie vielen Beschäftigten wurden in
private Eigentümerstrukturen überführt (bitte auch einzeln aufführen)?
Das Statistische Unternehmensregister hat Kenntnis von 12 rechtlichen
Einheiten in der Wirtschaftsgruppe 82.2 „Call Center“, die dem öffentlichen Bereich
zugeordnet werden, bei denen der Staat (Bund, Länder, Gemeinden,
Sozialversicherung) also unmittelbar oder mittelbar mit mehr als 50 Prozent des
Nennkapitals oder des Stimmrechts beteiligt ist. Es muss aber davon ausgegangen
werden, dass zahlreiche weitere öffentlich bestimmte Einheiten Call-Center-
Bereiche betreiben, die jedoch keine eigenen rechtlichen Einheiten sind und
daher im Unternehmensregister nicht abgebildet werden. Denkbar sind hierbei
Call Center von öffentlich bestimmten Energieversorgern, Wasserversorgern,
etc., aber auch Call Center im Bereich der Sozialversicherung (z. B.
Arbeitsverwaltung, Krankenversicherung). Hierzu liegen im Unternehmensregister keine
Angaben vor. Auf die Anlage 3 wird verwiesen.
12. Inwiefern hält die Bundesregierung die derzeitige statistische Erfassung
der Callcenterbranche für zweckmäßig vor dem Hintergrund, dass laut
dem Call Center Verband Deutschland e. V. in der Branche 540 000
Menschen arbeiten, während die Beschäftigtenstatistik der
Bundesagentur für Arbeit 2018 für den Wirtschaftszweig 134 249 Beschäftigte
auswies, sodass – auch nach eigener Aussage der Bundesregierung – die
sogenannten internen Callcenter oder Inhouse-Callcenter statistisch nicht
als Callcenter erfasst werden?
Die Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2008) dient dazu, die
wirtschaftlichen Tätigkeiten statistischer Einheiten in den amtlichen Statistiken
einheitlich zu erfassen. Die wirtschaftsfachliche Gliederung der Rechtlichen Einheiten
erfolgt basierend auf dem Schwerpunkt ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit.
Einheiten deren wirtschaftlicher Schwerpunkt nicht in der Wirtschaftsgruppe 82.2
„Call-Center“ liegt, werden einem anderen Wirtschaftszweig zugewiesen.
Beschäftigte von Rechtlichen Einheiten, die Call Center betreiben und deren
wirtschaftlichen Schwerpunkt einem anderen Wirtschaftszweig zuzurechnen ist,
werden in der Amtlichen Statistik gemäß dem wirtschaftlichen Schwerpunkt
der Einheit ausgewiesen.
Anlage 1
Anlage 2
Anlage 2
Anlage 3
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]