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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Quantentechnologie - Förderung der Bundesregierung und aktuelle Herausforderungen im Wettbewerb um die Quantenüberlegenheit
(insgesamt 46 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Datum
03.03.2021
Aktualisiert
07.09.2023
BT19/2640703.02.2021
Quantentechnologie - Förderung der Bundesregierung und aktuelle Herausforderungen im Wettbewerb um die Quantenüberlegenheit
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Mario Brandenburg, Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Katja
Suding, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Britta Katharina Dassler, Peter
Heidt, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Marco Buschmann, Carl-Julius
Cronenberg, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker,
Reginald Hanke, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Manuel
Höferlin, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Pascal Kober, Carina
Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Till Mansmann, Alexander Müller,
Dr. Wieland Schinnenburg, Matthias Seestern-Pauly, Dr. Hermann Otto Solms,
Katja Suding, Linda Teuteberg, Stephan Thomae, Gerald Ullrich und der Fraktion
der FDP
Quantentechnologie – Förderung der Bundesregierung und aktuelle
Herausforderungen im Wettbewerb um die Quantenüberlegenheit
Deutschland debattiert derzeit viel darüber, was es für Staat und Gesellschaft
bedeutet, wenn eine ganze Ebene des Miteinanders in der Hand weniger Firmen
liegt, die einer anderen Rechts- und in Teilen auch Werteordnung unterliegen.
Bekannt als Soziale Medien stellen sie einen wesentlichen Teil der Infrastruktur
für die Kommunikation von Menschen und Firmen unter- und miteinander.
Schon die rein softwarebezogene Dominanz bringt uns in die Situation,
abgehängt und digital nicht souverän zu sein. Eine Abhängigkeit auf der Ebene der
Hardware wird in Zukunft noch weit gravierende Auswirkungen auf unser
Land haben. Auch wenn eine Infrastruktur auf der Grundlage von
Quantentechnologie noch entfernt scheint, entscheidet sich bereits heute, welchen Einfluss
wir auf die Entwicklung nehmen können. Denn ähnlich wie die Entwicklungen
in der Rechen- und Speicherleistung klassischer Computer-Hardware ist bei der
Hardware für Quantencomputer in wesentlichen Teilen eine exponentielle
Entwicklung bei gleichzeitig sinkenden Kosten für die erforderliche Hardware
prognostiziert worden (vgl. https://www.nature.com/articles/s41586-019-16
66-5). Die Fragesteller sehen die möglichen positiven wie negativen Folgen
von Quantentechnologien (vgl. Bundestagsdrucksache 19/4845) und begrüßen
entsprechend, dass die Bundesregierung einer drohenden Abhängigkeit jetzt
mit weiteren signifikanten Mitteln entgegenwirkt. Als wesentlich erachten die
Fragesteller dabei aber eine enge Zusammenarbeit mit Partnern in der
Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten sowie mit der Wirtschaft.
Bereits im September 2018 wurde unter der Verantwortung des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) das Rahmenprogramm
„Quantentechnologien – von den Grundlagen zum Markt“ aufgelegt, das sich mit
650 Mio. Euro dem Ziel widmet, Quantentechnologien der zweiten Generation
für Anwendungen frühzeitig nutzbar zu machen (vgl. https://www.bmbf.de/upl
oad_filestore/pub/Quantentechnologien.pdf). Um das zu erreichen, soll die
Deutscher Bundestag Drucksache 19/26407
19. Wahlperiode 03.02.2021
Forschungslandschaft ausgebaut und eng mit der Wirtschaft vernetzt werden.
Verschiedene Förderprogramme richten sich speziell an Start-ups und kleine
und mittlere Unternehmen (KMU) (beispielsweise „Enabling Start-up –
Unternehmensgründungen in den Quantentechnologien und der Photonik“, „KMU-
innovativ: Photonik und Quantentechnologien“). Die Bundesministerin für
Bildung und Forschung Anja Karliczek hat das Ziel, Deutschland technologisch an
der Weltspitze zu halten, zu Beginn des Jahres mit einer sog. strategischen
Initiative zum Quantencomputing (vgl. https://www.bmbf.de/de/karliczek-wir-start
en-strategische-initiative-zum-quantencomputing-10748.html) bestärkt, die
Entwicklungen sowohl im Bereich Soft- als auch Hardware für
Quantencomputer vorantreiben soll. Ergänzend finden sich Fördermöglichkeiten für
Quantentechnologien etwa in Programmen zur Förderung des Leichtbau und der
Förderung der Photonik-Forschung.
Im Rahmen der Zukunftsinvestitionen des Corona-Konjunkturpakets vom
Juni 2020 kamen weitere 2 Mrd. Euro für die Förderung von „Entwicklung und
Produktion von Quantentechnologien in Deutschland“ hinzu (vgl. https://www.
bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Schlaglichte
r/Konjunkturpaket/2020-06-03-eckpunktepapier.pdf?__blob=publicationFile&
v=12, S. 11). Davon sollen unter anderem auch Aufträge für den Bau von
mindestens zwei Quantencomputern an geeignete Konsortien vergeben werden.
Die Umsetzung eines Programmes dieser Größe im Rahmen der Corona-
Konjunkturmaßnahmen wirft Fragen auf. Denn ein sehr kurzer,
krisenbestimmter Planungshorizont kontrastiert mit einem langen Zeithorizont für
Entwicklung und Bau von Quantencomputern. Nach Ansicht der Fragesteller sollte der
Bau nicht nur mit Blick auf die Forschung erfolgen. Die Potenziale für den
Wirtschaftsstandort müssen nach Meinung der Fragesteller ebenfalls im Blick
behalten werden, damit hier gewonnene Forschungsergebnisse auch hier zu
Produkten werden können.
Auch Fragen zur Einbettung der neuen Maßnahmen in die auf Ebene der
Europäischen Union laufenden Initiativen werden nach Ansicht der Fragesteller
bislang nicht zufriedenstellend adressiert, obwohl die Ausübung der EU-
Ratspräsidentschaft eine Abstimmung nahegelegt hätte. Immerhin gibt es auf
europäischer Ebene bereits bedeutende Initiativen zur Erforschung und
Entwicklung von Quantentechnologien, beispielsweise das „Quantum Flagship“
mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einem Budget von 1 Mrd. Euro (vgl.
https://qt.eu/), für das bereits im Jahr 2017 der Grundstein gelegt wurde (vgl.
https://ec.europa.eu/transparency/regexpert/index.cfm?do=groupDetail.groupD
etailDoc&id=34809&no=1). Eine enge wissenschaftliche wie politische
Abstimmung liegt nach Ansicht der Fragesteller schon wegen der starken
Vernetzung der europäischen Forschungslandschaft näher als ein nationaler
Alleingang. Zusätzliches Potenzial kann darüber hinaus in der Abstimmung mit
anderen länderübergreifenden Initiativen wie Gaia-X liegen. Auch in der
Koordination nationaler Maßnahmen sehen die Fragesteller Möglichkeiten für
Synergien.
Darum fragen wir die Bundesregierung:
1. Welche Erwägungen führten zu der Ankündigung der Bundesregierung,
die Summe von 2 Mrd. Euro zusätzlich in den Bereich Quantentechnologie
zu investieren (vgl. https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Th
emen/Schlaglichter/Konjunkturpaket/Konjunkturprogramm-fuer-alle/zusa
mmen-durch-starten.html)?
a) Wie verteilt sich die Summe auf welche Ressorts?
b) Welches Ressort war federführend bei der Entscheidung über die
konkrete Summe?
c) Zwischen welchen Ressorts werden die weiteren Schritte nach der
Veröffentlichung der Roadmap abgestimmt (vgl. https://www.bmbf.de/de/
karliczek-mit-quantentechnologien-zu-mehr-technologischer-souverae
nitaet-13489.html)?
Welches Ressort hat die Federführung?
Wie verteilen sich die Mittel?
d) Über wie viele Jahre erstreckt sich die Förderung von
Quantentechnologien aus diesem Konjunkturpaket?
e) Welchen Mehrwert über die bisherigen Investitionen in die Förderung
von Quantentechnologien erhofft sich die Bundesregierung aus den
zusätzlichen Mitteln?
f) Teilen sich die 2 Mrd. Euro auf Forschungsförderung für die
Wissenschaft und wettbewerbliche Verfahren für die Industrie auf, und wenn
ja, in welchem Verhältnis?
2. Auf welche „grundlegenden Schlüsseltechnologien“ bezieht sich das
BMBF in seiner angekündigten ersten Förderung in Höhe von
120 Mio. Euro (vgl. https://www.bmbf.de/de/karliczek-mit-quantentechnol
ogien-zu-mehr-technologischer-souveraenitaet-13489.html)?
3. Warum wurden die Aufträge zum Bau von mindestens zwei
Quantencomputern nicht, wie angekündigt, unmittelbar vergeben?
a) Gibt es einen Kriterienkatalog, den die Bundesregierung zur
Beurteilung der Eignung von Konsortien heranzieht, und wenn ja, wird dieser
der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden?
b) Welche Kriterien sind darin enthalten?
c) Welche Ansprüche stellt die Bundesregierung an die technischen
Fähigkeiten (bitte detailliert angeben) von Organisationen, die einen
international wettbewerbsfähigen Quantencomputer bauen sollen?
d) Mit wie vielen Konsortien laufen bereits Gespräche?
e) Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass der von ihr zu vergeben
geplante Auftrag zum Bau von mindestens zwei Quantencomputern mit
Artikel 107 Absatz 1 des Vertrags über die Arbeitsweise der
Europäischen Union vereinbar ist?
f) Wird die Bundesregierung den Auftrag zum Bau der geplanten
Quantencomputer in einem wettbewerblichen Verfahren ähnlich dem in
Finnland vergeben (vgl. https://www.vttresearch.com/en/news-and-ide
as/vtt-build-finlands-first-quantum-computer)?
4. Welche unterschiedlichen Vorstellungen führten dazu, dass sich das
Bundesministerium für Bildung und Forschung und das
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie laut Medienberichten nicht über die
Verwendung der Mittel einigen konnten (vgl. https://background.tagesspiege
l.de/digitalisierung/roadmap-quantencomputing-moonshot-oder-mutlos)?
Welche Erwägungen haben zur dort erwähnten Intervention des
Bundeskanzleramts geführt?
Wann geschah das?
5. Welches Ressort wird die Federführung bei der Verwendung der Mittel
innehaben?
Welches Ressort hat die Federführung bei der Erstellung eines
Umsetzungsplans zur Strategie oder der Anpassung derselben?
6. Welche „dringend nötigen Strukturen für die Vorbereitung, Aktivierung
und Vernetzung der Wirtschaft und der wissenschaftlichen Communities“
(vgl. https://www.bmbf.de/de/karliczek-mit-quantentechnologien-zu-meh
r-technologischer-souveraenitaet-13489.html) fehlen nach Ansicht der
Bundesregierung?
7. Aus welchen Erwägungen heraus hat die Bundesregierung beschlossen,
eine neue Expertenkommission ab Oktober einzusetzen, obwohl auf
europäischer Ebene auf Basis von Experten bereits eine Roadmap erstellt wurde
(vgl. https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/news/quantum-technolo
gies-and-advent-quantum-internet-european-union-brochure)?
a) Welche Mitglieder der Expertenkommission weisen nach Kenntnis der
Bundesregierung praktische Expertise im Bau und der Verwendung
von Quantentechnologie auf?
b) Wie viele Firmen wurde insgesamt von Mitgliedern dieser Experten
gegründet (bitte wenn möglich tabellarisch und mit Jahresumsatz
auflisten)?
8. Welche unterschiedliche Bewertung der vorgelegten Roadmap nehmen die
unterschiedlichen Bundesministerien vor (vgl. https://background.tagesspi
egel.de/digitalisierung/roadmap-quantencomputing-moonshot-oder-mu
tlos)?
Welche weiteren Schritte leitet die Bundesregierung aus den in den
Medien genannten Differenzen ab, um eine koordinierte Strategie zu
formulieren?
9. Welche neuen Ideen zur Kommerzialisierung von Quantentechnologien
hat die Kommission nach Ansicht der Bundesregierung bereits geliefert?
Wie grenzen sich diese Ideen von den bekannten Konzepten ab, und wie
werden diese Ideen jetzt umgesetzt?
10. Bekennt sich die Bundesregierung zum durch die Expertenkommission in
der Roadmap vorgeschlagenen „Meilenstein: ein international
wettbewerbsfähiger Quantenrechner mit mindestens 100 individuell
ansteuerbaren Qubits“, der auf „mindestens 500 Qubits skalierbar sein soll“ (vgl.
https://www.quantentechnologien.de/fileadmin/public/Redaktion/Dokume
nte/PDF/Publikationen/Roadmap-Quantencomputing-bf-C1.pdf, S. 6)?
Wenn ja, hält die Bundesregierung das Ziel für innerhalb von fünf Jahren
erreichbar?
11. Wie trägt die von der Expertenkommission vorgeschlagene Gründung von
Forschungshubs (vgl. https://background.tagesspiegel.de/digitalisierung/ro
admap-quantencomputing-neue-organisation-und-strukturen-angedacht)
nach Ansicht der Bundesregierung zu einer unternehmerisch und am
Technologietransfer ausgerichteten Forschungspolitik bei?
a) Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass die vorgeschlagenen Hubs
zum Ziel der technologischen Souveränität im
Quantencomputersegment beitragen?
b) Schließt sich die Bundesregierung der in der Roadmap
vorgeschlagenen Klassifizierung nach „systemkritischen, neutralen oder trivialen
Komponenten“ (vgl. https://www.quantentechnologien.de/fileadmin/pu
blic/Redaktion/Dokumente/PDF/Publikationen/Roadmap-Quantencom
puting-bf-C1.pdf, S. 28) an?
c) Welche Kontrollmechanismen gibt es, und in welchem Turnus erfolgt
die Überprüfung?
12. Wie verhält sich die Bundesregierung zu der in der Presse berichteten
Einschätzung, dass die Umsetzung der Roadmap eine „extrem träge und
schwerfällige, nahezu handlungsunfähige Struktur“ (vgl. https://backgroun
d.tagesspiegel.de/digitalisierung/roadmap-quantencomputing-moonshot-od
er-mutlos), zur Folge habe?
13. Nutzt oder plant die Bundesregierung im Rahmen der bisherigen und
kommenden Förderungen Instrumente zur Mobilisierung privaten Kapitals
für die Quantentechnologie?
a) Inwiefern sieht die Bundesregierung ihre Förderpolitik in Konkurrenz
mit Projekten privater Kapitalgeber?
b) Inwiefern sieht die Bundesregierung derzeit oder in Zukunft eine
Konkurrenz zwischen den von ihr finanzierten oder geförderten
Quantentechnologien und bereits oder zukünftig kommerziell angebotenen
Quantentechnologien wie etwa des auch in Deutschland ansässigen
Unternehmens IQM (vgl. https://www.handelsblatt.com/technik/forsch
ung-innovation/quantencomputing-millionen-fuer-quantencomputer-au
s-europa-darum-weckt-iqm-so-grosse-hoffnungen/26607624.html)?
14. Wie bindet die Bundesregierung Start-ups aktiv in die Vergabe von Mitteln
ein?
Welche Start-ups haben bereits Mittel aus der Förderung der
Bundesregierung für Quantentechnologien erhalten?
15. Plant die Bundesregierung die gezielte Förderung von Geschäftsmodellen,
die sich vom standardmäßig genutzten digitalen Quantencomputing
abgrenzen (zum Beispiel applikationsspezifische Prozessoren oder Co-
Prozessoren im Sinne eines „Quantum Accelerators”), und falls ja,
welche?
Wenn nein, weshalb nicht?
16. Fördert die Bundesregierung aktiv Forschungskooperationen im Bereich
der Quantentechnologien mit Forscherinnen und Forschern anderer
Staaten, und wenn ja, wie?
17. Welche Summe plant die Bundesregierung im Rahmen der Förderung oder
an anderer Stelle dafür ein, die eigene IT-Infrastruktur resistent gegen die
Möglichkeiten quantencomputergestützter Entschlüsselungssoftware zu
machen (vgl. Bundestagsdrucksache 19/4845)
18. Welche Hubs oder Kompetenznetzwerken der Quantentechnologie sollen
im Rahmen der Roadmap Quantencomputing in Deutschland aufgebaut
oder ausgebaut werden?
Sind auch grenzüberschreitende Hubs oder Kompetenznetzwerke geplant,
und wenn ja, wo?
19. Welche Synergien sind nach Ansicht der Bundesregierung möglich
zwischen den von ihr im Rahmen des Konjunkturpakets zu bauen geplanten
Quantencomputern und dem Projekt „OpenSuperQ“, dessen Ziel ebenfalls
der Bau eines Quantencomputers ist (vgl. ttps://www.fz-juelich.de/Shared
Docs/Pressemitteilungen/UK/DE/2018/2018-10-29-gemeinsam-zum-europ
aeischen-quantencomputer.html;jsessionid=6D1EAF51165B795C4B50CB
09BD169BBA?nn=448936)?
a) Verläuft das genannte Projekt nach Kenntnissen der Bundesregierung
nach dem angestrebten Zeitplan, der den fertigen Bau im Jahr 2021
vorsah?
b) Wie viele Personen sind in der Bundesregierung in welchen Ressorts
dafür zuständig, Kontakt zu den Verantwortlichen von „OpenSuperQ“
mit dem Ziel des Austauschs von Wissen und Erfahrung zu halten?
Haben die Verantwortlichen einen fachlichen Hintergrund in einem für
Quantentechnologien relevanten Bereich?
c) Wie plant die Bundesregierung Erkenntnisse aus dem Projekt in die
eigene Auftragsvergabe einfließen zu lassen?
20. Will die Bundesregierung sicherstellen, dass sog. Quantenüberlegenheit
auch durch Verwendung ausschließlich europäischer Technologie erreicht
wird, und wenn ja, wie?
Auf welche in Deutschland generierten Innovationen setzt die
Bundesregierung hierbei, und welche Rolle spielen innovative Ansätze von
Startups?
21. Welche Maßnahmen zum Transfer von der Forschung in die Anwendung
sind nach Ansicht der Bundesregierung für den
Quantentechnologiestandort Deutschland besonders erfolgreich?
An welchen Parametern macht die Bundesregierung diese Einschätzung
fest?
Wie haben sich die relevanten Parameter in den letzten fünf Jahren
verändert?
22. Hat die Bundesregierung Kenntnis von geheim gehaltenen
Forschungsoder Entwicklungsprojekten anderer Staaten oder privater Akteure im
Bereich der Quantentechnologie?
Wie schätzt die Bundesregierung das Bedrohungspotenzial geheim
gehaltener F&E im Bereich der Quantentechnologie für Deutschland und Europa
etwa in Hinblick auf die technologische Souveränität ein?
23. Hat die Bundesregierung die Prognose bewertet, nach der die
Rechenleistung mit Quantencomputern doppelt exponentiell steigt (vgl. https://www.
nature.com/articles/s41586-019-1666-5)?
Welche Implikation hat diese prognostizierte Entwicklung auf die Vergabe
von öffentlichen Geldern durch die Bundesregierung an Forschungshubs,
an etablierte Unternehmen und an Start-ups?
24. Hat die Bundesregierung die Wettbewerbsfähigkeit des
Forschungsstandortes Deutschland beim Einreichen von Patenten zur Quantentechnologie
im Verhältnis zu anderen Staaten bewertet?
a) Welche fünf Staaten sind nach Einschätzung der Bundesregierung die
fünf relevantesten bei der Patentierung von Quantentechnologien?
An welcher Stelle wäre die Europäische Union (ohne Großbritannien)?
b) Wie bewertet die Bundesregierung analog den Anteil tatsächlich
wirtschaftlich genutzter Patente?
Wie wird sich das Verhältnis und die Wettbewerbsfähigkeit
Deutschlands und der fünf relevantesten Staaten in den nächsten Jahren
entwickeln?
c) Welche in Deutschland ansässigen Firmen sind nach Wissen der
Bundesregierung bei der Patentierung von Quantentechnologien
federführend ?
d) Welche Rolle spielen nach Ansicht der Bundesregierung Start-ups
dabei, und wie unterstützt die Bundesregierung diese bei der Patentierung
von Quantentechnologien?
Hat die Bundesregierung Kenntnis von unterstützenden Programmen
anderer Akteure, etwa der Länder oder von Universitäten?
Sind der Bundesregierung private Initiativen zur Unterstützung von
Start-ups bei der Patentierung von Quantentechnologien bekannt?
25. Welche in Deutschland ansässigen Firmen sind nach Kenntnis der
Bundesregierung derzeit in der Lage, quantentechnologische Innovationen aus der
Wissenschaft in die (industrielle) Anwendung zu transferieren?
Welche Rolle spielen Start-ups hierbei nach Kenntnis der
Bundesregierung?
26. Sind der Bundesregierung Organisationen bekannt, die „die Entwicklung
von Quantencomputern ganzheitlich angehen und mit den Akteuren aus
den USA bzw. China auf Augenhöhe agieren“ können (vgl. https://backgro
und.tagesspiegel.de/digitalisierung/roadmap-quantencomputing-neue-orga
nisation-und-strukturen-angedacht), oder teilt die Bundesregierung die in
der Quelle zitierte Sichtweise, dass es diese Fähigkeiten in Europa derzeit
nicht gibt?
27. Wie sind Deutschland und die Europäische Union nach Einschätzung der
Bundesregierung bei der Verfügbarkeit von Venture Capital für
Quantentechnologien aufgestellt (vgl. https://www.handelsblatt.com/meinung/gast
beitraege/gastkommentar-europa-braucht-einen-eigenen-
quantencomputertut-dafuer-aber-nicht-genug/25219340.html?ticket=ST-8024378-SJ9ER3jd
vR3yToj10zoA-ap1)?
28. Wird nach Kenntnis der Bundesregierung der Bereich Quantentechnologie
im vom Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier mit
vorangetriebenen Projekt Gaia-X berücksichtig?
a) Strebt die Bundesregierung an, die beiden von ihr zu beauftragen
geplanten Quantencomputer über einen im Rahmen von Gaia-X
festgelegten Cloud-Standard cloudfähig zu machen?
b) Welche Akteure und Institutionen sollen nach Meinung der
Bundesregierung in dem Fall berechtigten Cloud-Zugriff auf die
Quantencomputer haben?
Wird der Zugriff kostenfrei, kostendeckend oder unter einem anderen
Vermarktungsmodell erfolgen?
c) Wird der im Rahmen einer Kooperation von IBM und dem Fraunhofer
IAF betriebene Quantencomputer „System Q“ nach Kenntnis der
Bundesregierung „Gaia-X-ready“ sein, oder ist das geplant (vgl.
https://background.tagesspiegel.de/digitalisierung/roadmap-quantenco
mputing-neue-organisation-und-strukturen-angedacht)?
29. Wie schätzt die Bundesregierung Deutschlands Fähigkeiten bei
Ausbildung oder Anwerbung von Fachkräften mit für Quantentechnologien
relevanten Fähigkeiten ein?
a) Ist ein ähnliches Szenario wie beim Mangel an IT-Fachkräften
absehbar (vgl. https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Erstmals-m
ehr-als-100000-unbesetzte-Stellen-fuer-IT-Experten#item-5656--2)?
b) Ist der Saldo der Migration von Fachkräften mit für
Quantentechnologien relevantem Hintergrund nach Wissen der Bundesregierung für
Deutschland positiv oder negativ?
Wie hat sich die Zahl nach Kenntnis der Bundesregierung in den
letzten fünf Jahren entwickelt?
Wie wird sich die Zahl nach Einschätzung der Bundesregierung in den
kommenden Jahren entwickeln?
c) Welche Kenntnis hat die Bundesregierung darüber, wie viele
Fachkräfte in welche Staaten bzw. aus welchen Staaten nach Deutschland
migrieren?
d) Welche Firmen bauen nach Kenntnis der Bundesregierung in
Deutschland derzeit Arbeitsplätze im Bereich Quantentechnologie auf?
Welche speziell im Bereich Quantencomputing?
Wie viele internationale Talente wurden bereits für die Arbeit in
Deutschland geworben?
Welchen Anteil daran haben nach Kenntnis der Bundesregierung
Startups ?
e) Welche Firmen und Start-ups sind nach Kenntnis der Bundesregierung
aktiv in der Ausbildung von Fachkräften (z. B. auch durch das
Anbieten von Promotionsstellen in der Industrie)?
f) Welche Maßnahmen der Bundesregierung zielen darauf ab, dass sich
der Mangel an IT-Fachkräften nicht negativ auf die Fähigkeiten
Deutschlands im Bereich der Quantentechnologien auswirkt?
30. Welche Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung von Informatikern und
Ingenieuren für eine Arbeit im Bereich der Quantentechnologien fördert
die Bundesregierung?
Hat die Bundesregierung Kenntnis von derartigen Projekten der Länder
(wenn ja, bitte auflisten)?
31. Mit welchen Maßnahmen fördert die Bundesregierung gezielt Aktivitäten
in der Quantentechnologieberatung?
a) Wie viele Unternehmen bieten nach Kenntnis der Bundesregierung
Quantentechnologieberatung in Deutschland an?
b) Welche Qualifikationen bzw. welchen Bildungshintergrund haben die
in Deutschland tätigen Quantentechnologieberater?
32. Mit welchen Maßnahmen fördert die Bundesregierung gezielt die
Softwareentwicklung für Quantencomputer in Deutschland?
a) Wie viele Softwareentwickler oder Programmierer für auf
Quantencomputern nutzbare Software gibt es nach Kenntnis der
Bundesregierung in Deutschland?
Wie hat sich die Zahl in den letzten fünf Jahren entwickelt?
Ist das nach Einschätzung der Bundesregierung eine auch im Verhältnis
zur Nachfrage ausreichende Anzahl?
Wenn nein, welche Anzahl wäre nach Einschätzung der
Bundesregierung im Verhältnis zur Nachfrage in Deutschland erforderlich?
b) Welche Maßnahmen zur Erreichung dieser Anzahl plant die
Bundesregierung?
33. Wie viele in Deutschland ansässige Firmen sind nach Kenntnis der
Bundesregierung derzeit in der Lage, einen Quantencomputer zu bauen
oder als Systemintegrator zu dienen?
Welche sind das nach Kenntnis der Bundesregierung?
34. Wie schätzt die Bundesregierung die Zulieferindustrie für
Quantentechnologien in Deutschland ein?
a) Welche Maßnahmen zum Aufbau führt die Bundesregierung aus?
Welche Maßnahmen sind in Planung?
b) Welche Standorte sind nach Kenntnis der Bundesregierung
aussichtsreich für Quantentechnologie-Cluster aus Wissenschaft und Wirtschaft
inklusive Zulieferern und Entwicklern von Software?
35. Wie ist Deutschland nach Einschätzung der Bundesregierung bei der
Abschätzung von Dual-Use-Potenzialen durch Fortschritte in der
Quantentechnologie insgesamt und bei einzelnen Bauteilen aufgestellt?
Wie viele Experten sind damit befasst?
Wie viele hält die Bundesregierung in Zukunft für erforderlich?
36. Sollen Quantencomputer in Deutschland in sog. Supercomputing Center
integriert werden, und wenn ja, in welche?
Wenn nein, welche Überlegungen sprechen nach Ansicht der
Bundesregierung dagegen?
37. Wurde die in der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 19/18355 für Ende 2020 angekündigte
quantengesicherte Videokonferenz auf einer Demonstrationsstrecke zwischen dem
BMBF und einer weiteren Bundesbehörde realisiert?
a) Wenn ja, zwischen welchen Behörden wurde die Konferenz geführt?
b) Wenn nein, was sind die Gründe für die Verzögerung, und wann ist die
Konferenz geplant?
c) Welchen weiteren Entwicklungsbedarf sieht die Bundesregierung
davon ausgehend für das Projekt QuNET-alpha?
Welchen Zeitplan verfolgt die Bundesregierung?
Welche Meilensteine sollen noch in dieser Legislaturperiode erreicht
werden?
38. Fördert oder betreibt die Bundesregierung selbst derzeit Projekte oder
plant sie, Projekte zu fördern oder selbst zu betreiben, die, vergleichbar zu
von ihr geforderten sog. back doors in derzeitiger E2EE (vgl. https://www.
tagesschau.de/inland/eu-messenger-sicherheit-101.html), das Ziel haben,
quantenverschlüsselte Kommunikation für staatliche Sicherheitsbehörden
(mit-)lesbar oder anders verfügbar zu machen?
39. Welche Rolle spielt die Bundesregierung bei der Gründung einer sog.
Deutschen Quantengemeinschaft (DQG)?
Wie verteilt sich die Verantwortung zur Zusammenarbeit und zum
Kontakthalten über die Ressorts der Bundesregierung?
Wie unterscheidet sich die deutsche Dachorganisation von Aktivitäten auf
europäischer Ebene etwa des Strategic Advisory Board (vgl. https://qt.eu/a
bout-quantum-flagship/introduction-to-the-quantum-flagship/sab-
strategicadvisory-board/) oder dem Quantum Industry Consortium (vgl. https://q
t.eu/about-quantum-flagship/the-quantum-flagship-community/quic/)?
a) Schließt sich die Bundesregierung der Prognose des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie an, dass die Gründung einer solchen
Gesellschaft konfliktträchtig ist und lange dauern wird (vgl. https://bac
kground.tagesspiegel.de/digitalisierung/roadmap-quantencomputing-m
oonshot-oder-mutlos)?
b) Wie sehen die nächsten Schritte der Bundesregierung zur Gründung
der Dachorganisation aus?
Wie sieht der Zeitplan der Bundesregierung dazu aus?
c) Gab oder gibt es in der Bundesregierung Überlegungen, von der
Gründung abzusehen?
40. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass ihre Roadmap
Quantentechnologie möglichst effizient Synergien mit der „mission to lead on
supercomputing“ (vgl. https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_20_
1592) der Europäischen Union erzielt?
41. Strebt die Bundesregierung im Rahmen ihrer Quantentechnologiepolitik
eine enge Abstimmung mit den Programmen europäischer Partnerländer,
beispielsweise im Rahmen der oben genannten Initiative Frankreichs, an?
42. Mit welchen politischen Maßnahmen trägt die Bundesregierung bereits
zum Erfolg des “Quantum Flagship“ der Europäischen Union bei?
43. Welche Unterstützung bietet die Bundesregierung Antragstellern aus
Deutschland bei der Beantragung von EU-Fördermitteln für
Quantentechnologien (etwa für Mittel des European Research Council)?
a) Wie groß war die Nachfrage nach den verschiedenen Arten der
Unterstützung, wie viele Antragsteller wurden erreicht, und wie viele
Fördermittel konnten in der Folge eingeworben werden (bitte für die letzten
Jahre nach Jahr und unterstützender Maßnahme aufschlüsseln)?
b) Welche weiteren Unterstützungsleistungen plant die Bundesregierung?
44. Wie bereitet die Bundesregierung ihre eigene Kommunikation und die
Kommunikation anderer staatlicher Akteure, etwa des Militärs, auf ein
Szenario vor, in dem klassische Methoden der Verschlüsselung durch
spezialisierte Quantencomputer wirkungslos werden?
a) Stellt die Speicherung von derzeit noch nicht dechiffrierbaren
Nachrichten für eine spätere Entschlüsselung nach Ansicht der
Bundesregierung eine aktuelle Bedrohung für Deutschland dar?
b) Wie wirkt die Bundesregierung derzeit einem derartigen Szenario
entgegen?
c) Welche Kenntnis hat die Bundesregierung darüber, welche Akteure
derzeit verschlüsselte Nachrichten mit dem Ziel einer späteren
Entschlüsselung speichern?
Wenn nein, plant die Bundesregierung Fähigkeiten einzusetzen oder zu
entwickeln, um darüber Kenntnis zu erlangen?
45. Verfolgt die Bundesregierung (ggf. zusammen mit Partnern aus der EU
oder anderen Ländern) Projekte, die mit dem chinesischen
Quantenkommunikations-Satellitensystem vergleichbar sind, mit dem China bis 2030
rund um den Planeten kommunizieren können möchte (vgl. https://science.
orf.at/v2/stories/2791284)?
a) Wenn ja, welche Meilensteine sind für ein solches Projekt bis wann
vorgesehen?
b) Wenn nein, welche Auswirkungen hat nach Einschätzung der
Bundesregierung ein von China erfolgreich installiertes Satellitensystem für
globale quantengesicherte Kommunikation auf Deutschland und die
EU?
c) Verfolgen andere Staaten oder private Akteure nach Kenntnis der
Bundesregierung vergleichbare Ziele?
Wie realistisch ist es nach Einschätzung der Bundesregierung, dass ein
Staat über einen relevanten Zeitraum eine derartige Infrastruktur
quasimonopolistisch betreibt?
d) Wirkt die Bundesregierung ggf. darauf hin, dass China, die USA – oder
ein anderer erfolgreicher Akteur – ein solches System analog zur
Internetinfrastruktur diskriminierungsfrei und politischer wie
wirtschaftlicher Neutralität verpflichtet als globales Allgemeingut bereitstellt?
Wenn ja, welche Mittel der internationalen Politik sind nach
Einschätzung der Bundesregierung denkbar?
Wenn nein, warum nicht?
e) Wirkt die Bundesregierung aktiv am Aufbau von internationalen
Institutionen hin, die vergleichbar mit dem Internet Governance Forum eine
Plattform zum Multi-Stakeholder-Dialog für eine derartige
Quantenkommunikationsinfrastruktur bzw. ein zukünftiges „Quanteninternet“
bieten können?
Wenn nein, warum nicht?
46. Wie wahrscheinlich und wie bedrohlich ist nach Einschätzung der
Bundesregierung ein Szenario, in dem der Zugang zu relevanten
Quantentechnologien auf bestimmte Nutzerkreise oder Nationen beschränkt ist oder
Schlüssel-Technologien für Quantentechnologien nur in den Händen
einzelner Firmen oder Nationen liegen?
Berlin, den 27. Januar 2021
Christian Lindner und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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