AlphaDekade 2021
der Abgeordneten Britta Katharina Dassler, Katja Suding, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Pascal Kober, Carina Konrad, Ulrich Lechte, Matthias Seestern-Pauly, Dr. Hermann Otto Solms, Stephan Thomae, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
In Deutschland gibt es über 6,2 Millionen Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können. Diese geringe Literalität, die die Studie „LEO 2018 – Leben mit geringer Literalität“ der Universität Hamburg aufgezeigt hat, ist immer noch ein großes Problem (https://www.bmbf.de/files/2019-05-07%20leo-Presseheft_2019-Vers10.pdf, zuletzt aufgerufen am 4. Januar 2021).
Aus der 2012 gegründeten Nationalen Strategie zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in Deutschland (2012 bis 2016) ging dann die Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung 2016 bis 2026 („AlphaDekade“) hervor. Die Bundesregierung hat für die Laufzeit der AlphaDekade rund 180 Mio. Euro veranschlagt und ist verpflichtet, alle drei Jahre über den Stand der AlphaDekade Auskunft zu geben. Zudem erscheint jährlich ein Monitoring-Bericht der im Rahmen der AlphaDekade geförderten Projekte.
Diese Zwischenberichte zeigen nach Ansicht der Fragesteller deutlich auf, dass die Bemühungen der Bundesregierung bei weitem nicht ausreichen, um eine signifikante Senkung der gering literalisierten Menschen in Deutschland zu erzielen. Zwar verzeichnet der jüngste Bericht immerhin wieder einen Anstieg der erreichten Personen, nachdem die Personenzahl für 2018 deutlich eingebrochen ist. So konnte immerhin beinahe das Startniveau aus dem Bericht 2016/2017 erreicht werden, jedoch scheinen die Zahlen im Hinblick auf die Zahl von 6,2 Millionen gering literalisierter Menschen in Deutschland marginal. Hier steht die Zahl 33 158 erreichte Personen gegenüber.
Neben inhaltlichen Fragen der AlphaDekade muss nach Ansicht der Fragesteller insbesondere sichergestellt werden, dass sie effektiv organisiert und aufgebaut ist. Gerade in Zeiten von Corona stellt sicher ferner die Frage, ob die Strategie nachhaltig anwendbar ist. Gerade kontaktbeschränkende Maßnahmen scheinen erheblichen Einfluss auf die Arbeitsmöglichkeit der AlphaDekade zu haben.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen23
Hat die Corona-Pandemie nach Kenntnis der Bundesregierung besondere Auswirkungen auf die Lernmöglichkeiten oder das Lernverhalten von gering literalisierten Menschen?
Welches konkrete Ziel strebt die Bundesregierung in Abstimmung mit den Bundesländern an, wenn laut Bundesregierung kein quantitatives Ziel bestimmt wurde und zugleich das Ziel der AlphaDekade ist, innerhalb von zehn Jahren den funktionalen Analphabetismus in Deutschland zu verringern (vgl. https://www.alphadekade.de/files/01_Grundsatzpapier%20zur%20Nationalen%20Dekade%20Alphabetisierung%20und%20Grundbildung_final.pdf)?
Wieso hat die Bundesregierung kein quantifizierbares Ziel für die AlphaDekade festgelegt?
Welche Multiplikatoren will die Bundesregierung erreichen, und welche hat sie konkret mit welchen Maßnahmen erreicht?
a) Welche Multiplikatoren will die Bundesregierung darüber hinaus noch erreichen?
b) Wie will die Bundesregierung mehr Multiplikatoren erreichen?
Welche Maßnahmen wurden zur Umsetzung der Empfehlungen der Kommission in die Wege geleitet?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Strategie der AlphaDekade aufgrund der Corona-Pandemie verändert?
a) Wurden nach Kenntnis der Bundesregierung Weiterbildungsangebote eingeschränkt bzw. beendet?
b) Wurden nach Kenntnis der Bundesregierung neue Ansätze gewählt?
c) Wurden nach Kenntnis der Bundesregierung vermehrt digitale Schulungsmöglichkeiten genutzt?
Konnten nach Kenntnis der Bundesregierung Volkshochschulen-Kurse zur Grundbildung während der Corona-Zeit stattfinden?
a) Wenn ja, wie konnten diese umgesetzt werden, und mit welchem Erfolg?
b) Wenn nein, wieso nicht?
Welche innovativen Zugangswege der Alphabetisierung bilden in der Entwicklung und Erprobung den Schwerpunkt der Bundesregierung?
Wie sieht die konkrete digitale Strategie der Bundesregierung zur Erreichung der gering literalisierten Menschen aus?
Durch welche konkreten Maßnahmen sollen gering literalisierte Menschen erreicht werden und zu einer Fortbildung bewegt werden?
Wie vielen Menschen konnte nach Kenntnis der Bundesregierung mit „innovativen Zugangswegen“ seit Beginn der AlphaDekade konkretes Wissen vermittelt werden (bitte nach Jahren und Maßnahmen aufschlüsseln)?
Könnten nach Meinung der Bundesregierung gering literalisierte Menschen durch Microtargeting besser erreicht werden?
Wie ist die aktuelle Mittelabschöpfung der AlphaDekade, und lässt sich nach Meinung der Bundesregierung aus dem vollständigen Abfließen des jährlichen Haushaltsansatzes der AlphaDekade in den Jahren 2016 bis 2020 auf eine Unterfinanzierung schließen?
Plant die Bundesregierung die Erhöhung der Mittel der Alphadekade vor dem Hintergrund, dass im Jahr 2018 bereits ein Drittel der vorgesehenen Mittel abgeflossen sind (vgl. Bundestagsdrucksache 19/17956)?
Wie bewertet die Bundesregierung den Erfolg der AlphaDekade vor dem Hintergrund, dass der Rückgang der Anzahl von gering Literalisierten lediglich aufgrund einer empirischen Veränderung zustande kommt (vgl. https://leo.blogs.uni-hamburg.de/wp-content/uploads/2019/05/LEO2018-Presseheft.pdf, https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2019-05/leo-2018-studie-literalitaet-analphabetismus-deutschland)?
Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung über die im Zwischenbericht genannten 4 338 gering literalisierten Teilnehmenden noch weitere Personen, die konkret geschult wurden?
a) Wenn ja, mit welchem Erfolg konnten diese Personen geschult werden?
b) Wenn nein, wie bewertet die Bundesregierung die erreichte Personenanzahl?
Sind nach Kenntnis der Bundesregierung Angebote im Rahmen der AlphaDekade sinnvoll, die nur eine geringe Anzahl an Unterrichtsstunden beinhalten, und welche Erfolge können verzeichnet werden?
a) Hat die Bundesregierung Kenntnisse über den Erfolg von Angeboten mit weniger als elf Unterrichtsstunden?
b) Hat die Bundesregierung Kenntnisse über den Erfolg von Angeboten, die zwischen elf und 20 Stunden umfassen?
c). Hat die Bundesregierung Kenntnisse über den Erfolg von Angeboten, die mehr als 40 Unterrichtsstunden umfassen?
Wie bewertet die Bundesregierung den Erfolg der AlphaDekade vor dem Hintergrund, dass der Rückgang der Anzahl von gering Literalisierten lediglich aufgrund einer empirischen Veränderung zustande kommt (vgl. https://leo.blogs.uni-hamburg.de/wp-content/uploads/2019/05/LEO2018-Presseheft.pdf, https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2019-05/leo-2018-studie-literalitaet-analphabetismus-deutschland)?
Weshalb nehmen nach Kenntnis der Bundesregierung lediglich 0,7 Prozent der gering literalisierten Personen an Weiterbildungsmaßnahmen teil, und welche Maßnahmen wird die Bundesregierung ergreifen, um diesen Anteil nachhaltig zu erhöhen?
Wie gedenkt die Bundesregierung, die Weiterbildungsmaßnahmen weiter auf die tatsächlichen Bedarfe auszurichten, und welche Rolle sollen digitale Prozesse dabei spielen?
Plant die Bundesregierung einheitliche Standards zur Entwicklung und Anwendung von KI in Verbindung mit Bildung?
Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung mit KI-Einsatz im Bereich der Literalisierung?
Wie können Menschen mit geringem Einkommen nach Kenntnis der Bundesregierung während der Weiterbildungsmaßnahmen gemäß der AlphaDekade finanziell abgesichert werden?