Digitalisierungspotenziale in der frühkindlichen Bildung
der Abgeordneten Matthias Seestern-Pauly, Britta Katharina Dassler, Katja Suding, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Christine Aschenberg-Dugnus, Nicole Bauer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Sandra Bubendorfer-Licht, Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Katja Hessel, Manuel Höferlin, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Gyde Jensen, Pascal Kober, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Alexander Müller, Dr. Martin Neumann, Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Dr. Wieland Schinnenburg, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Einrichtungen der frühkindlichen Bildung sind erster Teil der Bildungskette. Die frühe Bildung nimmt aus Sicht der Fragesteller einen hohen Stellenwert bei der Förderung der sozialen, motorischen und sprachlichen Entwicklung von Kindern ein. Im Laufe der Corona-Pandemie hat die Debatte um die Digitalisierung im Bildungswesen weiter an Gewicht gewonnen. Aus Sicht der Fragesteller bleibt der Fokus im Bereich der frühkindlichen Bildung jedoch zu häufig allein auf dem Betreuungsaspekt und zu wenig auf den Auswirkungen für die Bildungschancen und die Entwicklung der Kinder. Denn pädagogische Fachkräfte in Kitas leisten wesentlich mehr als die „bloße Betreuung“ der Kinder.
Der Corona-Kita-Rat „[…] besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Bundesländer, von Kommunen, Kita-Trägern, Gewerkschaften, dem Bundesverband für Kindertagespflege und der Bundeselternvertretung. Gemeinsam soll der Rat den Regelbetrieb in den Kindertagesstätten begleiten, die Entwicklungen bundesweit bewerten sowie Beispiele der guten Praxis und Lösungen austauschen.“ (https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/presse/pressemitteilungen/corona-kita-rat--erneute-flaechendeckende-schliessungen-von-kitas-und-kindertagespflege-vermeiden--ist-gemeinsames-ziel/160206).
In diesem Zusammenhang stellen die Fragesteller fest, dass digitale Lehr- und Lernangebote nicht nur im schulischen Bereich ausgebaut werden müssen, sondern auch die frühkindliche Bildung, als erster Teil der Bildungskette, stark von einer entschlossenen Digitalförderung profitieren kann. Digitale Angebote beispielsweise der Sprachförderung sowie digitale Kontakte zwischen Fachkräften und Eltern werden aus Sicht der Fragesteller nur unzureichend seitens der Bundesregierung in der öffentlichen Debatte adressiert.
Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung e. V. (DIW) stellt fest: „[…] in der Vergangenheit wurde vor solchen Digitalisierungsüberlegungen im Kita-Bereich sogar gewarnt. Dem liegt wohl ein Missverständnis zugrunde. Natürlich geht es nicht darum, dass Kinder den Kita-Alltag unbegleitet vor Bildschirmen verbringen – sondern zunächst einmal darum, frühzeitig Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien zu erwerben.“ (https://www.diw.de/de/diw_01.c.807639.de/nachrichten/ein_digitalpakt_fuer_kitas_ist_ueberfaellig.html).
Auch über die derzeitige pandemische Lage hinaus birgt die Digitalisierung nach Auffassung der Fragesteller große Potenziale bei der Vereinfachung von Dokumentationspflichten und Leitungsaufgaben sowie der Erkennung von individuellen Förderbedarfen.
Aus Sicht der Fragesteller ergibt sich Informationsbedarf über den Kenntnisstand der Bundesregierung bezüglich der Digitalisierungspotenziale in der frühkindlichen Bildung, den aktuellen Stand der politischen Debatte sowie die Initiativen, Förderungen und Maßnahmen der Bundesregierung in diesem Bereich.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen16
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die digitale Ausstattung von Einrichtungen der frühkindlichen Bildung vor?
Welche bildungswissenschaftlichen Studien zum Einsatz digitaler Mittel in der frühkindlichen Bildung sind der Bundesregierung bekannt (bitte Studie und Erscheinungsjahr sowie Haupterkenntnisse angeben)?
Welche bildungswissenschaftlichen Studien zum Einsatz digitaler Mittel in der frühkindlichen Bildung wurden in den letzten fünf Jahren vom Bund gefördert (bitte nach Studie, Forschungsinstitut sowie Höhe der Förderung aufschlüsseln)?
Welche Schlüsse hat die Bundesregierung aus den ihr bekannten Studien zum Einsatz digitaler Mittel in der frühkindlichen Bildung gezogen, und welche Anwendungsmöglichkeiten hat sie identifiziert?
Welche Handlungsbedarfe im Bereich digitaler Lösungen in der frühkindlichen Bildung hat die Bundesregierung aufgrund der ihr vorliegenden Erkenntnisse identifiziert?
Welche Rückmeldungen aus den Bundesländern zum Einsatz digitaler Lösungen in der frühkindlichen Bildung während der Corona-Pandemie haben die Bundesregierung erreicht?
Ist das Thema Digitalisierung im Bereich der frühkindlichen Bildung in den bisherigen Sitzungen des Corona-Kita-Rates erörtert worden, und wenn ja, mit welchem Ergebnis?
Welche Modellprojekte im Bereich der Digitalisierung in der frühkindlichen Bildung wurden von der Bundesregierung finanziell oder strukturell gefördert (bitte für die letzten fünf Jahre und ggf. Höhe der Förderung aufschlüsseln)?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung aus diesen Modellprojekten gewonnen?
Sieht die Bundesregierung eine angemessene digitale Ausstattung als Qualitätsmerkmal in der frühkindlichen Bildung an?
Wie bewertet die Bundesregierung das Potenzial einer bundesweiten, qualitätsgeprüften und mehrsprachigen digitalen Plattform, die datenschutzrechtlich gesicherte Kommunikation zwischen Fachkräften und Eltern sowie den Einsatz digitaler Lernangebote ermöglicht?
Hat die Bundesregierung Maßnahmen ergriffen, um den Einsatz einer solchen Plattform zu prüfen?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den zeitlichen Aufwand von Fachkräften in der frühkindlichen Bildung für Dokumentationspflichten vor?
In welchen digitalen Lösungen sieht die Bundesregierung Potenzial, um den Dokumentationsaufwand von Fachkräften in der frühkindlichen Bildung zu verringern?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den Einsatz digital unterstützter Diagnostik individueller Förderbedarfe in der frühkindlichen Bildung?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den Einsatz digital unterstützter Diagnostik individueller Förderbedarfe in der frühkindlichen Bildung im europäischen Ausland?