[Deutscher Bundestag Drucksache 17/2833
17. Wahlperiode 01. 09. 2010 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Rolf Mützenich, Rainer Arnold,
Dr. Hans-Peter Bartels, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD
– Drucksache 17/2356 –
Regionale Sicherheitsgemeinschaften als Bausteine für den weltweiten Frieden
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Auch 20 Jahre nach Beendigung des Kalten Krieges befindet sich die Welt
noch immer im sicherheitspolitischen Umbruch. Der ehemals vorherrschende
Ost-West-Konflikt wurde abgelöst durch weiterhin ungelöste und neue
regionale Konflikte und weltweite Sicherheitsprobleme, wie verschärfte
Entwicklungsdefizite, Hunger- und Umweltkatastrophen, den internationalen
Terrorismus, die zunehmende Proliferation von Massenvernichtungswaffen,
ausbleibender Abrüstung und den Mangel an akzeptierten Regeln und Normen
zugunsten gemeinsamer Sicherheit. An die Stelle des klassischen
Staatenkrieges treten zunehmend nichtinternationale bewaffnete Konflikte, in denen
supra- oder substaatliche Akteure eine wesentliche Rolle spielen. Zugleich
verlagerte sich der Schwerpunkt der Debatte um die internationale Sicherheit
von der Ost-West- auf die Nord-Süd-Achse. Spätestens seit den
Terroranschlägen auf das World Trade Center 2001 hat eine zunehmende Sensibilisierung
für die „neuen“ Bedrohungen aus dem Süden in den Ländern des Nordens
stattgefunden. Im Mittelpunkt stehen dabei Ausdehnungseffekte von
Regionalkonflikten im Süden und damit einhergehende Staatszerfallsprozesse, die
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und der Terrorismus; alles
Entwicklungen, die mittelbar auch die nördlichen Staaten gefährden können.
Das sicherheitspolitische Vakuum konnte bis dato nicht nachhaltig gefüllt
werden. Den Vereinten Nationen als globale Organisation zur Sicherung des
Weltfriedens gelang es nicht, das Vakuum dauerhaft für sich zu nutzen und
Antworten auf die Fragen der neuen Weltordnung zu finden. Verschärfend
wirkt darüberhinaus, dass sich die Vereinten Nationen selbst in einer schweren
Krise befinden.
Seit den 90er-Jahren fand in den südlichen Ländern eine allmähliche Reform
der Sicherheitspolitik statt. Als Reflex auf die Zunahme regionaler Probleme
und Konflikte bei gleichzeitig fehlender Bindungswirkung durch den
weggefallenen Ost-West-Konflikt, wuchs die Bereitschaft zu regionaler
Zusammenarbeit. Das Bemühen, regionale Konflikte und gemeinsame
Herausforderungen durch die Ausweitung regionaler Kooperation zu lösen, nahm in den
letzten Jahren zu.
Gegenstand der Kleinen Anfrage ist daher die Problemstellung, inwieweit
regionale Sicherheitsgemeinschaften in Afrika, Asien und Lateinamerika einen Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 30. August 2010 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/2833 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeBeitrag zur Entschärfung regionaler Spannungen und zur Sicherung des
Friedens leisten können. Dabei interessieren die Typen der regionalen
Sicherheitsbündnisse und die Frage ihrer möglichen Weiterentwicklung.
Wichtig ist, die Rolle der Demokratisierung als Voraussetzung für
Friedenssicherung genauer zu beschreiben.
Die Rolle und der Einfluss autoritärer Regime bei der Frage der Störung von
Friedensprozessen sollte präziser bewertet werden.
Europäische Erfahrungen zeigen, dass regionale Organisationen besser
nachhaltig gewaltsamen Konflikten vorbeugen und vorhandene Konflikte lösen
können als Staaten. Regionale und internationale Kooperation sind zudem
dringend notwendig, um den sicherheitspolitischen Herausforderungen zu
begegnen. Dies gilt sowohl für die Bekämpfung der Ursachen von
Sicherheitsrisiken als auch für die Abwendung akuter Bedrohungen. Die Erfolge dieser
Prozesse können schließlich zu einer Transformation der Beziehungen
zwischen den Staaten führen.
In diesem Zusammenhang ist auch die Rolle regionaler
Wirtschaftsbeziehungen und regionaler Wirtschaftsbündnisse und Wirtschaftszonen dahingehend
zu beleuchten, ob und inwieweit sie Kooperationen im sicherheitspolitischen
Bereich befördern können.
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Erläuterungen zu den im Text verwendeten Abkürzungen finden sich in dem
der Antwort beigefügten Glossar.
Allgemeines
1. Wie schätzt die Bundesregierung die Rolle und Wirkungsmöglichkeiten
der regionalen Sicherheitsgemeinschaften in Afrika, Asien und
Lateinamerika ein?
Die Bundesregierung unterstützt das Bemühen um regionale und kontinentale
Kooperation und Integration. Regionalorganisationen bzw. Sicherheitsforen
können hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten, um Frieden und Sicherheit zu
fördern. Sie bieten häufig ein Forum, um Lösungen für regionale Konflikte zu
finden. Sie bündeln die Bemühungen ihrer Mitglieder in deren Streben, globale
Herausforderungen zu meistern. Dabei unterscheiden sich die bestehenden
regionalen Sicherheitsforen durchaus erheblich – sowohl in ihrem
Aufgabenspektrum als auch in ihrer Effektivität.
In Afrika steht die Afrikanischen Union (AU) als den gesamten Kontinent
umfassende Regionalorganisation im Mittelpunkt der Bemühungen um
Kooperation und Integration. Daneben bestehen eine Reihe von
Regionalorganisationen, die jeweils nur unmittelbar benachbarte Staatengruppen umfassen, sich
anfänglich in erster Linie über eine wirtschaftliche Agenda definierten und als
Wirtschaftsgemeinschaften entstanden sind. Die mittlerweile fortgeschrittene
sicherheitspolitische Einbindung dieser Regionalorganisationen und
Koordinationsmechanismen in die Afrikanische Friedens- und Sicherheitsarchitektur
(siehe Antwort zu Frage 80) wurde im Januar 2008 durch Vereinbarungen zur
Intensivierung und konkreten Ausgestaltung der Zusammenarbeit im Bereich
Frieden und Sicherheit inklusive der Aufstellung afrikanischer
Bereitschaftskräfte formalisiert (siehe Antwort zu Frage 77). Die Unterschiede im Einfluss
und in der Effektivität der einzelnen afrikanischen Organisationen hängen mit
ihrer jeweiligen Geschichte, Mitgliedschaft, ihrem Mandat und anderen
Faktoren zusammen. Wie unter den Antworten zu den einzelnen Organisationen
ausgeführt, wird die Effizienz dieses Netzwerks afrikanischer
Regionalorganisationen vor allem durch überlappende Mitgliedschaften behindert.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/2833In Asien gibt es verschiedene Organisationen und Foren, die sich umfassende
regionale Zusammenarbeit zum Ziel gesetzt haben. Der Verband
Südostasiatischer Staaten (ASEAN) ist die am weitesten integrierte Regionalorganisation.
ASEAN strebt – bei Beibehaltung des ASEAN-Prinzips der gegenseitigen
Nichteinmischung – eine „ASEAN-Gemeinschaft“ in den drei Bereichen
Politik/Sicherheit, Wirtschaft und Gesellschaft/Kultur bis 2015 an. ASEAN sieht
sich im Zentrum der sich entwickelnden regionalen „Architektur“ und als deren
Impulsgeber. Um ASEAN herum gruppieren sich die regionalen Foren
ASEAN+3, der Ostasiatische Gipfel (EAS) und das ASEAN Regionalforum
(ARF). Bei ASEAN+3 liegt der Schwerpunkt der Zusammenarbeit bei
Wirtschaft und Finanzen, der EAS dient dem Austausch und der Zusammenarbeit in
verschiedenen Politikfeldern (u. a. Wirtschaft, Finanzen, Energie, Umwelt und
Gesundheit), bei ARF stehen Vertrauensbildung, Konfliktprävention und
allgemeine sicherheitspolitische Zusammenarbeit auf der Tagesordnung. Der
Südasiatische Verband für regionale Zusammenarbeit (SAARC) hat zwar ebenfalls
ein breites Aufgabenspektrum, die Zusammenarbeit seiner Mitglieder ist bisher
jedoch eher schwach ausgeprägt. Die Shanghaier Organisation für
Zusammenarbeit (SCO) ist zurzeit primär ein Forum der Vertrauensbildung und hat kein
z. B. mit ASEAN oder anderen Regionalorganisationen in Asien vergleichbares
Profil entwickelt. Eine regionale Zusammenarbeit in Zentralasien wäre aus
Sicht der Bundesregierung wichtig, scheiterte aber bisher an divergierenden
Interessen und dem überragenden Interesse an neugewonnener Unabhängigkeit
der betroffenen Staaten. Trotz einer Vielzahl regionaler Initiativen mit
Sicherheitsrelevanz, u. a. der SCO, der Organisation des Vertrags über kollektive
Sicherheit (OVKS), der Konferenz über Zusammenwirken und
vertrauensbildende Maßnahmen in Asien (CICA), der Eurasischen
Wirtschaftsgemeinschaft (EURASEC), der Zentralasiatischen Regionalen Wirtschaftskooperation
(CAREC), dem Zentralasiatischen Regionalen Informations- und
Koordinierungszentrum (CARICC), der Zentralasiatischen Organisation für
Zusammenarbeit (CACO) und der Zentralasiatische Union (CAU), gibt es bisher keine
über Gipfeltreffen hinausgehende Kooperation.
In der Region Lateinamerika und Karibik gibt es verschiedene politische
Regionalgemeinschaften, u. a. die Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR),
die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und die Rio-Gruppe. Andere
Organisationen dienen der wirtschaftlichen Integration, wie etwa der
Gemeinsame Markt Südamerikas (Mercosur), die Andengemeinschaft (CAN) und die
Bolivarianische Allianz der Völker Amerikas (ALBA), welche jeweils ihre
eigenen regionalen Schwerpunkte gesetzt haben. In der Karibik gibt es die
Organisation Ostkaribischer Staaten (OECS), die praktisch alle Inselstaaten
vereinigt und die Karibische Wirtschaftsgemeinschaft (CARICOM). Der Stand der
Integrationsbemühungen variiert von Organisation zu Organisation stark, alle
Foren fördern jedoch den Dialog zwischen ihren Mitgliedstaaten und tragen
somit zur Stabilisierung der Sicherheitslage in der Region Lateinamerika und
Karibik bei. Für nähere Informationen zu den einzelnen Gemeinschaften wird
auf die Ausführungen im regionalen Teil verwiesen.
2. Welche dieser Gemeinschaften leisten nach Einschätzung der
Bundesregierung einen messbaren Beitrag zur regionalen Konfliktvermeidung und
Konfliktregelung?
In Afrika haben insbesondere die AU sowie die Regionalorganisationen
Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS), Ostafrikanische
Gemeinschaft (EAC), die Zwischenstaatliche Behörde für Entwicklung von
Staaten in Nordostafrika (IGAD) und die Entwicklungsgemeinschaft des südlichen
Afrika (SADC) spürbare Beiträge zur regionalen Konfliktvermeidung und zur
Friedenssicherung erbracht. Für nähere Informationen zu den einzelnen Ge-
Drucksache 17/2833 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodemeinschaften wird auf die Ausführungen im regionalen Teil verwiesen. Die
Internationalen Konferenz „Große Seen“ (ICGLR) hat eine speziell auf
Stabilisierung der Region ausgestaltete Zielrichtung, sie ist jedoch als
Konferenzbasiertes Konsultationsforum und nicht als Organisation konzipiert. Ihre
Mitgliedstaaten sind daher alle zugleich Mitglieder der diversen
Regionalorganisationen.
In Südostasien ist der Beitrag ASEANs zur regionalen Konfliktvermeidung
besonders hervorzuheben. Das ARF ist als Dialogforum ebenfalls wichtig, hat
aber sein Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Im zentralasiatischen
Raum leistet allenfalls die SCO einen Beitrag im Rahmen der regionalen
Konfliktprävention.
In der Region Lateinamerika und Karibik leistet die UNASUR durch ihre
gezielte Schwerpunktsetzung im Bereich der Sicherheitspolitik wichtige Beiträge
zur regionalen Konfliktvermeidung und zur Friedenssicherung. Ein wichtiges
Instrument für Vertrauensbildung ist der 2009 von der UNASUR gegründete
südamerikanische Verteidigungsrat („Consejo Sudamericano de Defensa“).
Auch die Rio-Gruppe konnte z. B. bei der Schlichtung des Konflikts zwischen
den Republiken Kolumbien und Ecuador Erfolge verbuchen.
Andere Gemeinschaften wie die OAS oder der Mercosur erbringen durch ihre
Förderung des Dialogs zwischen ihren Mitgliedstaaten wichtige Beiträge zur
regionalen Konfliktprävention. Zu den einzelnen Gemeinschaften wird im
jeweiligen regionalen Teil Stellung genommen.
3. Welche dieser Gemeinschaften unterstützt die Bundesregierung mit
welchen Maßnahmen bzw. beabsichtigt sie zu unterstützen?
Der wichtige Partner der Bundesregierung in Afrika ist die AU. Als
kontinentalweite Organisation ist sie sowohl geographisch als auch thematisch dazu
berufen, für Sicherheit, Frieden, nachhaltige Entwicklung und wirtschaftliche
Entfaltung Afrikas zu sorgen. Nach den Vorgaben der Gemeinsamen Afrika-
EU-Strategie von 2007, die die Staaten Afrikas und die Mitgliedstaaten der
Europäischen Union gemeinsam erarbeitet haben, erfolgt die Zusammenarbeit mit
der AU und Deutschland auf gleicher Augenhöhe. Die deutsche Unterstützung
für die AU will es möglich machen, die von der AU eigenverantwortlich
bestimmte und gestaltete Politik umzusetzen. Mit ihren Maßnahmen sorgt die
Bundesregierung vor allem dafür, dass die Fähigkeiten der AU umfassend
gestärkt werden. Im Übrigen wird für die Region Afrika auf den regionalen Teil
verwiesen.
In Asien fördert die Bundesregierung insbesondere die Integration ASEANs
durch verschiedene Projekte. Schwerpunkte der Förderung von ASEAN sind
die wirtschaftliche Integration sowie Umwelt und Klima, siehe hierzu auch
Antwort zu Frage 98. Die Bundesregierung kooperiert darüber hinaus mit der
SAARC in einzelnen Projektfeldern. Außerdem flankiert die Bundesregierung
die Arbeit des ARF, in dem die EU Mitglied ist, durch Projekte im
Sicherheitsbereich.
Im Bereich der konventionellen Rüstungskontrolle und der militärischen
Vertrauensbildung kooperiert die Bundesregierung mit der Arabischen Liga, dem
ARF und der UNASUR. Der Schwerpunkt der deutschen Unterstützung liegt in
der Projektförderung und der Vermittlung eigener Erfahrungen.
In der Region Lateinamerika und Karibik unterstützt die Bundesregierung
beispielsweise die OAS und nimmt unter den permanenten Beobachtern derzeit
den Rang des fünftgrößten Gebers ein. Sie finanziert Projekte und nimmt als
Ständiger Beobachter an Sitzungen der OAS teil. Den Integrationsprozess un-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/2833terstützt die Bundesregierung auch durch die Kooperation mit der UNASUR im
Bereich der Vertrauens- und Sicherheitsbildenden Maßnahmen. Die deutsche
staatliche Entwicklungszusammenarbeit leistet weitere Beiträge zum
Integrationsprozess.
4. Welche Rolle spielt die Handelspolitik der EU und der Bundesrepublik
Deutschland bei der Integration bzw. Desintegration regionaler
Gemeinschaften, etwa hinsichtlich bilateraler Freihandelsabkommen?
Die Handelspolitik der EU versucht, einen Beitrag zur Stärkung der regionalen
wirtschaftlichen Integration mit ihrem zugleich entwicklungsfördernden
Potenzial zu leisten. Auch der Abschluss von Freihandelsabkommen wird deshalb in
vielen Fällen mit einem regionalen Ansatz angestrebt. Die Verwirklichung
hängt allerdings von der Bereitschaft der betroffenen Drittstaaten ab. So konnte
ein regionaler Ansatz mit Zentralamerika umgesetzt werden, während dies
bisher bei der Andengemeinschaft trotz intensiver Bemühungen der EU nicht
möglich war. Die auf WTO-Konformität bedachten, entwicklungsfördernden
Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA) zwischen der EU und den Staaten
Afrikas, der Karibik und des Pazifiks (AKP) haben zum Ziel, die regionale
Integration und somit auch den Süd-Süd-Handel zu unterstützen. Im Prozess der
eigenständigen Zuordnung zu regionalen EPA-Verhandlungsgruppen wurden
die Regionalorganisationen in Afrika und der Karibik gestärkt. In den
Verhandlungen berücksichtigt die EU die Komplexität der einzelnen Regionen, wie
z. B. das Verhältnis der Südafrikanischen Zollunion (SACU) zum
Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit der SADC. Auch mit einzelnen ASEAN-Staaten
führt die EU auf Wunsch dieser Staaten derzeit getrennte Verhandlungen über
Einzelabkommen, die zukünftig in einem von der EU angestrebten regionalen
Abkommen aufgehen können.
5. Wie hoch sind die aktuellen und geplanten Haushaltsmittel hierfür?
Der jährliche Betrag der Zusammenarbeit mit der AU beläuft sich auf
durchschnittlich circa 12 Mio. Euro, der für die von der AU anerkannten
Regionalorganisationen auf jeweils 5 Mio. Euro für ECOWAS und EAC, auf 1,5 Mio.
Euro für IGAD und auf 12 Mio. für SADC. Daneben wird das Sekretariat der
ICGLR von Deutschland mit jährlich 1,3 Mio. Euro unterstützt. 2011 soll die
Unterstützung mit der AU und den Regionalorganisationen grundsätzlich
fortgesetzt werden, wobei der Umfang der Förderung vom Ergebnis der
anstehenden Haushaltsberatungen abhängen wird.
Im asiatischen Raum hat die Bundesregierung im Jahr 2009 3 Mio. Euro für die
Zusammenarbeit mit ASEAN bereitgestellt. Auch für das Jahr 2010 ist eine
Zusage in gleicher Höhe an das ASEAN-Sekretariat geplant. Für die Förderung
des ASEAN-Sekretariats steht ferner ein Mittelvolumen von rund 4,75 Mio.
Euro für den Zeitraum von 2008 bis 2010 zur Verfügung. Die Fortsetzung
dieses Projekts ist vorgesehen.
Für SAARC wurden im Jahr 2010 500 000 Euro zugesagt. 2011 soll die
Unterstützung für Vorhaben mit ASEAN und SAARC grundsätzlich fortgesetzt
werden, wobei der Umfang der Förderung noch nicht festgelegt ist.
Der Schwerpunkt der finanziellen Unterstützung für die Gemeinschaften in der
Region Lateinamerika und Karibik liegt auf der OAS. Über das
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt die
Bundesregierung diese Organisation mit 2 Mio. Euro. Im Jahr 2010 hat die
Bundesregierung eine Informationsreise für militärische und diplomatische Vertreter
der UNASUR-Mitgliedstaaten zum Kennenlernen der in Europa existenten
Drucksache 17/2833 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeStrukturen und der Funktionsweise von Vertrauens- und Sicherheitsbildenden
Maßnahmen organisiert. Für diese Informationsreise hat das Auswärtige Amt
im Haushaltsjahr 2010 Mittel in Höhe von ca. 74 000 Euro aufgewendet. Die
Mittelplanung für 2011 ist in beiden Fällen nicht festgelegt.
6. Welche dieser Gemeinschaften leisten nach Auffassung der
Bundesregierung einen Beitrag zur Institutionalisierung und Stärkung von Demokratie,
Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten in den
jeweiligen Mitgliedstaaten?
Die AU verfügt über ein umfassendes Mandat und leistet über ihre
verschiedenen Komponenten einen wichtigen Beitrag zur Institutionalisierung und
Stärkung von Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten. So ist die Neue
Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (NEPAD) mit dem freiwilligen Verfahren der
gegenseitigen qualitativen Beurteilung von Regierungsführung afrikanischer
Staaten, dem sogenannten „African Peer Review Mechanism“ (APRM)
inzwischen ein Teil der AU. Die AU-Struktur umfasst weiterhin den Afrikanischen
Menschenrechtsgerichtshof. Im Übrigen wird auf die Antworten zu den
einzelnen Organisationen im regionalen Teil verwiesen.
Die ASEAN-Staaten bekennen sich in der ASEAN-Charta (in Kraft seit 15.
Dezember 2008) ausdrücklich zu Rechtsstaatlichkeit, guter Regierungsführung,
Demokratie, verfassungsmäßiger Regierung, Achtung der Grundrechte sowie
zum Schutz der Menschenrechte. Institutionell findet dieses Bekenntnis seinen
Niederschlag in der Schaffung der ASEAN-Menschenrechtskommission
(gegründet am 23. Oktober 2009) und der ASEAN-Kommission zur Förderung
und zum Schutz der Rechte von Frauen und Kindern, die am 7. April 2010 ins
Leben gerufen wurde. Angesichts der unterschiedlichen Ansätze der ASEAN-
Mitgliedstaaten in Menschenrechtsfragen ist die Einrichtung dieser
Kommissionen bereits eine Errungenschaft, die Umsetzung der Mandate jedoch eine
Herausforderung, die Zeit beanspruchen wird.
In der Region Lateinamerika und Karibik sind diesbezüglich insbesondere die
OAS sowie der Mercosur hervorzuheben. Fragen der Menschenrechte und
Demokratieförderung stehen im Zentrum der Arbeit der OAS. Auch der Mercosur
leistet einen Beitrag zur Stärkung von Menschenrechten. Das Parlament des
Mercosur („Parlasur“) versteht sich als demokratische Instanz, welche die
Verteidigung der Menschenrechte in seinem Gründungsstatut festgeschrieben und
für seine Arbeit entsprechende Ausschüsse und Initiativen entwickelt hat. Zu
den einzelnen Gemeinschaften in Lateinamerika wird im jeweiligen regionalen
Teil Stellung genommen.
7. Welche dieser Gemeinschaften leisten nach Auffassung der
Bundesregierung Beiträge zur regionalen wirtschaftlichen Kooperation und Integration
sowie zur Reduzierung verteilungspolitischer und sozialer Konflikte, und
in welcher Form geschieht dies gegebenenfalls?
Die meisten afrikanischen Regionalorganisationen wurden als regionale
Wirtschaftsgemeinschaft konzipiert und leisten daher in unterschiedlichem Maße
einen Beitrag zur wirtschaftlichen Kooperation und Integration. Im Übrigen
wird auf die Antworten zu den Organisationen im regionalen Teil verwiesen.
Die wirtschaftliche Verflechtung unter den Staaten Südostasiens und Ostasiens
ist hoch. Bei ASEAN, ASEAN+3 und EAS haben wirtschaftliche Themen hohe
Priorität. ASEAN hat mit all jenen Dialogpartnern, die auch dem EAS
angehören, Freihandelsabkommen geschlossen. Darüber hinaus gibt es
Überlegungen zur Schaffung einer asiatischen Freihandelszone. Die Überwindung des
Entwicklungsgefälles zwischen den Staaten innerhalb ASEANs ist ein wichti-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/2833ges Anliegen des Verbands. Über ASEAN werden vielfältige regionale
entwicklungspolitische Maßnahmen abgewickelt.
Regionale wirtschaftliche Kooperation und Integration werden hauptsächlich
und in gezielter Weise vom Mercosur angestrebt. So konnte Anfang August
2010 ein gemeinsamer Zollkodex („Código Aduanero“) verabschiedet werden,
welcher einen wichtigen Integrationsfortschritt hin zu einer echten Zollunion
bedeutet. Bei der Reduzierung verteilungspolitischer und sozialer Konflikte ist
insbesondere die Arbeit der OAS hervorzuheben. Sie ist auf diesem Feld zum
Beispiel durch Projekte zur Stärkung der Partizipation der Indigenen aktiv. Zu
den einzelnen Gemeinschaften in Lateinamerika wird im jeweiligen regionalen
Teil Stellung genommen.
8. Bei welchen regionalen Sicherheitsgemeinschaften existieren
parlamentarische Versammlungen als Bindeglieder zwischen den jeweiligen
Organisationen und den nationalen Parlamenten?
Ein konstitutives Element der Afrikanischen Union ist das Panafrikanische
Parlament mit Sitz in Südafrika, welches eine solche Bindegliedfunktion erfüllt.
Fast alle Regionalorganisationen verfügen über ein Parlament oder eine
ähnliche Einrichtung: ECOWAS – ECOWAS Parliament; SADC – SADC
Parliamentary Forum; EAC – Ostafrikanische gesetzgebende Versammlung (EALA),
Wirtschaftsgemeinschaft zentralafrikanischer Staaten (ECCAS) – Network of
Parliamentarians of Central Africa. Die IGAD verfügt lediglich über eine
Interparlamentarische Union, der Gemeinsame Markt für das Östliche und Südliche
Afrika (COMESA) hat noch keine vergleichbare Institution.
In der euromediterranen Zusammenarbeit dient die Euromediterrane
Parlamentarische Versammlung als Bindeglied zu den nationalen Parlamenten und dem
Europäischen Parlament.
Die Interparlamentarische Versammlung der ASEAN (AIPA) wurde 2007
gegründet; sie geht auf die seit 1977 bestehende Interparlamentarische
Organisation der ASEAN (AIPO) zurück. In SAARC existiert seit 1992 die
„Association of SAARC Speakers and Parliamentarians“.
Treffen der Parlamentspräsidenten im Rahmen der SCO sind vorgesehen; beim
letzten Treffen der Parlamentspräsidenten im Mai 2006 wurde eine „SCO
Parliamentary Initiative“ beschlossen.
In der Region Lateinamerika/Karibik verfügt unter den im regionalen Teil
aufgeführten Gemeinschaften der Mercosur über eine parlamentarische
Versammlung, das „Parlamento del Mercosur“. Weitere parlamentarische
Versammlungen in der Region sind das Andenparlament („Parlamento Andino“), das
Zentralamerikanische Parlament („Parlacen“) und das Lateinamerikanische
Parlament („Parlatino“).
Afrika
Vorbemerkung der Bundesregierung
Es gibt keine allgemein anerkannte Definition der geographischen
Bezeichnungen Nordafrika, Westafrika, südliches Afrika, Zentral- und Ostafrika. Ihr
Gebrauch ist dementsprechend nur annäherungsweise zu verstehen. Einige Staaten
können folglich mehreren Regionen zugerechnet werden, was bei den
Antworten zu berücksichtigen ist. Diese Unschärfe spiegelt sich auch in den
afrikanischen Regionalorganisationen und ihrer Mitgliedschaft wider. Die
bedeutenderen afrikanischen Regionalorganisation haben überlappende Mitgliedschaften,
einige Länder gehören bis zu drei verschiedenen dieser Organisationen an.
Drucksache 17/2833 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeNordafrika
9. Welche sicherheitspolitischen Herausforderungen bestehen in der Region
Nordafrika?
Terroristische Aktivitäten mit Anschlags- und Entführungsrisiken, Kriminalität,
Drogen- und Menschenschmuggel gehören zu den wichtigsten
sicherheitspolitischen Herausforderungen in der Region Nordafrika, wobei es länderspezifisch
und regional deutliche Unterschiede gibt. Auch der Nahostkonflikt wirkt in die
Region hinein. Der ungeklärte Status der Westsahara bleibt eine
sicherheitspolitische Herausforderung, die eine regionale Zusammenarbeit zum Beispiel
auch im Rahmen der Union des Arabischen Maghreb (UMA) weiterhin
einschränkt. Dies erschwert auch den Aufbau der Bereitschaftskräfte der NASBRIG
(„North African Standby Brigade“) im Rahmen der afrikanischen
Sicherheitsarchitektur.
10. Welche ökonomischen und sozialen Probleme mit transnationalem Bezug
bestehen in Nordafrika?
Besonders Unterschiede in Einkommenssituation und Lebensniveau in den
einzelnen Ländern Nordafrikas und zwischen den Ländern in der Region haben
zum Beispiel durch Migrationsbewegungen auch transnationalen Bezug.
Zunehmende Wasserknappheit sowie die Deckung des steigenden Energiebedarfs
könnten sich in den kommenden Jahren zu akuteren ökonomischen und
sozialen Problemen entwickeln.
11. Welche menschenrechtlichen Probleme bestehen in Nordafrika?
Der Menschenrechtsbericht der Bundesregierung gibt ausführlich Auskunft
über menschenrechtliche Problemfelder in den einzelnen Staaten Nordafrikas.
Auch hier gibt es länderspezifische Unterschiede. Teilhabe an demokratischen
Prozessen, Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit, Achtung und
Wahrung von Rechtsstaatlichkeit und Frauenrechten gehören zu den wichtigsten
menschenrechtlichen Problemen in der Region.
12. Welche umweltpolitischen Probleme mit transnationalem Bezug bestehen
in Nordafrika?
Die Versorgung der Region mit Wasser, der ökologische Zustand des
Mittelmeers sowie Risiken des Klimawandels mit damit einhergehenden Änderungen
der Lebensbedingungen sind die zentralen umweltpolitischen Probleme mit
transnationalem Bezug.
13. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die Arabische
Liga mit den Vereinten Nationen bzw. mit anderen regionalen
Organisationen?
Die Arabische Liga hat seit dem 1. November 1950 Beobachterstatus bei den
Vereinten Nationen (VN). Sie ist mit einer Beobachtermission in New York
vertreten. In Gesprächsformaten, etwa bei Kontakten zur EU, tritt die
Arabische Liga in der Regel nicht allein, sondern neben der Organisation der
Islamischen Konferenz (OIC) auf.
Eine erste gemeinsame Sitzung der VN mit der Arabischen Liga fand 1983 in
Tunis statt, es folgte eine weitere 1993 in Genf und anlässlich der 50-Jahr-Feier
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/2833beider Organisationen eine weitere 1995 in Wien. In einer Resolution, die alle
zwei Jahre verlängert wird, beauftragt die VN-Generalversammlung den
Generalsekretär, einen Bericht über die Zusammenarbeit zwischen Arabischer Liga
und VN abzugeben. Der letzte Bericht stammt aus dem Jahr 2008
(Dokumentennummer A/63/228).
14. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die Arabische
Liga mit der Europäischen Union?
Der EU-Sonderbeauftragte für den Nahen Osten, Marc Otte, sowie die Hohe
Vertreterin der EU für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik,
Catherine Ashton, stehen in regelmäßigem Kontakt mit dem Generalsekretär
der Arabischen Liga, Amr Moussa.
Unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft 2007 wurde erstmals eine
Ministerdelegation der Arabischen Liga zu einem Treffen mit den EU-Außenministern
eingeladen. Unter slowenischer EU-Ratspräsidentschaft fand im Februar 2008
ein erstes EU-Arabische Liga-Außenministertreffen in Malta statt. Am 14.
Oktober 2009 wurde ein Verbindungsbüro zwischen der Europäischen
Kommission und der Arabischen Liga in Valetta/Malta eröffnet, das von einem Vertreter
der Arabischen Liga geleitet wird.
15. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die Arabische
Liga mit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(OSZE)?
Es bestehen regelmäßige Kontakte zwischen der Arabischen Liga und der
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Im Juni 2003
erfolgte der erste offizielle Besuch des Sekretariats der Arabischen Liga beim
OSZE-Sekretariat. Seitdem hat die Arabische Liga am OSZE-Ministerrat sowie
OSZE-Seminaren und -Konferenzen teilgenommen, ebenso wie umgekehrt die
OSZE an Veranstaltungen der Arabischen Liga.
Neben Gesprächen der beiden Generalsekretäre besteht eine regelmäßige
Interaktion in thematischen Bereichen (z. B. kleine und leichte Waffen sowie
Bekämpfung des Terrorismus). In anderen Bereichen ist die Zusammenarbeit
noch nicht weit entwickelt (z. B. Gebiet der menschlichen Dimension der
Sicherheit).
16. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der Arabischen Liga in
Nordafrika in welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
c) Menschenrechtspolitik,
d) Umweltpolitik?
Der Nahostfriedensprozess ist in den letzten Jahren eindeutiger Schwerpunkt
der Arabischen Liga. Mit der arabischen Friedensinitiative haben die Staaten
der Arabischen Liga einen Baustein für eine mögliche Zwei-Staaten-Lösung
beigetragen. Daneben hat sich die Arabische Liga als Streitschlichter bei
regionalen Konflikten (Libanesische Republik, Republik Sudan) etabliert.
Mit dem Wirtschaftsgipfel der Arabischen Liga am 19./20. Januar 2009 im
Staat Kuwait hat die Arabische Liga erstmals Initiative auf dem Gebiet der
Wirtschafts- und Sozialpolitik ergriffen. Als praktisches Ergebnis wurde die
Drucksache 17/2833 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeEinrichtung eines Wiederaufbaufonds für Gaza beschlossen, mit Zusagen in
Höhe von 1 Mrd. US-Dollar durch das Königreich Saudi-Arabien und 500 Mio.
US-Dollar durch Kuwait. Der Gipfel beschloss neben der Schaffung eines
gemeinsamen arabischen Wirtschaftsraums sowie gemeinsamer
Wirtschaftsprojekte insbesondere im Infrastrukturbereich die Einrichtung eines gemeinsamen
Entwicklungsfonds sowie die Förderung des Privatsektors.
Vor dem o.g. Wirtschaftsgipfel fand ein mit ca. 1 200 Personen gut besuchtes
Forum für den Privatsektor und die Zivilgesellschaft statt. Damit hat die
Arabische Liga erstmals wirtschaftliche und soziale Themen im breiten Umfang
aufgegriffen und miteinander verbunden. Versäumnisse in diesem Bereich wurden
eingeräumt, konkrete Maßnahmen zu ihrer Überwindung beschlossen, wie z. B.
eine Bildungsreform, eine Intensivierung der Zusammenarbeit in der
Arabischen Welt und eine Hebung des Lebensstandards für die Bevölkerungen.
Umweltthemen wurden bisher nur am Rand thematisiert, sind aber Gegenstand
des Dialogs mit der EU. Die Umsetzung der Beschlüsse der Arabischen Liga
obliegt den Mitgliedstaaten. Menschenrechtsthemen sind für einige
Mitgliedstaaten auch weiterhin hochgradig sensibel. Sie spielen daher im Rahmen der
Arabischen Liga noch eine nachgeordnete Rolle.
17. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der Arabischen
Liga zur Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Die Arabische Liga verfügt über politisches Potenzial zur Regelung von
sicherheitspolitischen, ökonomischen und sozialen, menschenrechtspolitischen und
umweltpolitischen Problemen. Dies setzt jedoch die Solidarität der
Mitgliedstaaten untereinander und Kohärenz ihrer politischen und wirtschaftlichen
Systeme und Zielsetzungen voraus.
Bislang ist die Arabische Liga keine der EU vergleichbare Institution mit
entsprechendem administrativem Unterbau und Kompetenzen. Allerdings hat das
Exekutivkomitee der Arabischen Liga vor kurzem Vorschläge vorgelegt, die
Organisation in dieser Richtung zu entwickeln. Bereits jetzt ist die Arabische
Liga ein geeignetes Instrument zur Lösung regionaler Konflikte, auch und
gerade im Zusammenwirken mit anderen regionalen Institutionen – u. a. der EU
und der AU – oder Partnern von außen. Sie ist eine Plattform für die
wirtschaftliche Entwicklung und Verflechtung der arabischen Volkswirtschaften und zur
Verbesserung der sozialen Systeme. Bei menschenrechtspolitischen und
umweltpolitischen Problemen sind bislang keine Regelungsansätze erkennbar.
18. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die Arabische Liga bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Die Bundesregierung unterhält regelmäßigen Kontakt zum Generalsekretär der
Arabischen Liga. Der Bundesminister des Auswärtigen, Dr. Guido Westerwelle,
sprach zuletzt mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga anlässlich seines
Besuchs in Kairo am 22. und 23. Mai 2010 und unterstrich dort die Bedeutung
der Arabischen Liga für die Lösung des Nahostkonflikts und den
innerpalästinensischen Dialog.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/2833Seit 2003 unterstützt die Bundesregierung die Arabische Liga finanziell und
inhaltlich dabei, die Kleinwaffenkontrolle in der Region zu verbessern. Dieses
Engagement umfasst z. B. die Förderung von Projekten zur Verbesserung der
Verwaltung und Sicherung öffentlicher Lagerbestände und zur Vernichtung
überschüssiger Munition sowie jährliche Einladungsreisen nach Deutschland
zum Erfahrungsaustausch für die sogenannten Kleinwaffenkontrollpunkte der
Mitgliedstaaten der Arabischen Liga.
Westafrika
19. Welche sicherheitspolitischen Herausforderungen bestehen in der Region
Westafrika?
Die Bundesregierung betrachtet den Einfluss von „Al Qaida im islamischen
Maghreb“ auf die Sicherheitslage insbesondere in der Islamischen Republik
Mauretanien und den Republiken Mali und Niger mit großer Sorge. Die
terroristischen Aktivitäten dieser Gruppe bedrohen nicht nur unmittelbar Interessen
westlicher Staaten, sondern beeinträchtigen auch die Stabilität der betroffenen
Staaten in der Region. Eine stetige Ausweitung der Aktivitäten ist seit 2008 zu
beobachten. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, eine Verschlechterung der
Sicherheitslage in weiteren Staaten der Region ist somit möglich. Weitere
sicherheitspolitische Herausforderungen stellen der wachsende illegale Drogenhandel
vor allem von Kokain aus Lateinamerika über westafrikanische Küstenstädte
durch die Sahara nach Europa, die leichte Verfügbarkeit von Kleinwaffen, der
Menschenschmuggel, die Piraterie im Golf von Guinea sowie die Fragilität
einzelner Staaten dar. Politisch oder ethnisch motivierte Rebellenbewegungen wie
z. B. die Touareg-Bewegungen in Mali und Niger könnten in Zukunft wieder
ein größeres Problem darstellen. Zu beobachten bleibt, inwieweit
fundamentalistische islamische Bewegungen, die zunehmend in einzelnen Staaten der
Region Anhänger finden, wie z. B. in der Bundesrepublik Nigeria, über eine
mögliche Radikalisierung die sicherheitspolitische Lage verschärfen könnten.
Ungebremstes Bevölkerungswachstum dürfte in Verbindung mit den
Auswirkungen des Klimawandels insbesondere auf die Sahelzone den Wettbewerb
um die vorhandenen knappen Ressourcen intensivieren, was sich mittel- bis
langfristig ebenfalls negativ auf die sicherheitspolitische Lage auswirken
dürfte.
20. Welche ökonomischen und sozialen Probleme mit transnationalem Bezug
bestehen in Westafrika?
Der Begriff der transnationalen Probleme bedarf im afrikanischen Kontext
einer Qualifizierung. Die koloniale Grenzziehung hat in Afrika historisch
gewachsene Siedlungs- und Wirtschaftsräume zerschnitten. Wirtschaftliche und
soziale Fragen mit Bezug auf einzelne Volksgruppen und Stammesverbände
insbesondere in den Grenzregionen der Staaten der Region erhalten damit
immer wieder auch einen transnationalen, d. h. grenzüberschreitenden Charakter.
Auf der Suche nach besseren wirtschaftlichen Perspektiven dient Westafrika
Migranten als Transitregion auf dem Weg nach Europa. Des Weiteren ist eine
erhebliche Migration innerhalb der Region zu beobachten, motiviert durch die
Suche nach besseren wirtschaftlichen Perspektiven. Dies hat in einzelnen
Staaten zu erheblichen Friktionen mit der einheimischen Bevölkerung geführt. In
der Republik Côte d’Ivoire z. B. wurde dieses Problem politisch
instrumentalisiert und hat zum Ausbruch des Bürgerkrieges 2002 beigetragen. Ebenfalls
über Westafrika werden Drogen von Südamerika nach Europa geschmuggelt.
Die weiterhin bestehenden Schranken im Güter-, Kapital- und Personenverkehr
Drucksache 17/2833 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodesowie die unzureichende Infrastruktur zwischen den Staaten der Region
behindern weiterhin Wirtschaft und Handel. Allerdings sind AU und ECOWAS mit
wachsendem Erfolg bemüht, dies zu verbessern.
21. Welche menschenrechtlichen Probleme bestehen in Westafrika?
Menschenrechtliche Probleme reichen von staatlicher Willkür über
unzumutbare Zustände in Gefängnissen bis hin zur Genitalverstümmelung von Frauen.
Einschätzungen der Bundesregierung zu den schwierigen Verhältnissen in Côte
d’Ivoire, den Republiken Guinea, Liberia und Sierra Leone sowie Nigeria sind
dem aktuellen Menschenrechtsbericht der Bundesregierung zu entnehmen.
22. Welche umweltpolitischen Probleme mit transnationalem Bezug bestehen
in Westafrika?
Die Wüstenbildung im Sahel, die durch den einsetzenden Klimawandel
verstärkt wird, stellt das wichtigste transnationale Umweltproblem in Westafrika
dar.
23. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die Economic
Community of West African States (ECOWAS) mit den Vereinten
Nationen bzw. mit anderen regionalen Organisationen?
Die Zusammenarbeit zwischen ECOWAS und dem VN-Büro für Westafrika
besteht aus zahlreichen gemeinsamen Initiativen und Maßnahmen in den
Bereichen präventive Diplomatie, Sicherheitssektorreform und
Konfliktmanagement. ECOWAS ist eine der acht von der AU anerkannten
Regionalorganisationen.
24. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die ECOWAS
mit der Europäischen Union?
Die Europäische Union unterstützt ECOWAS mit Mitteln aus dem
10. Europäischen Entwicklungsfonds (Schwerpunkte: Regionale wirtschaftliche
Integration, Frieden und Sicherheit, Gute Regierungsführung) mit insgesamt
597 Mio. Euro und verhandelt derzeit über ein WTO-konformes
Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA), um die Handelsbeziehungen zwischen den
AKP-Staaten des westlichen Afrikas und der EU mit den Regeln der
Welthandelsorganisation in Einklang zu bringen. Um Handelsunterbrechungen zu
vermeiden, wurden zum Jahresende 2007 Interims-EPAs mit den Republiken
Ghana und Côte d’Ivoire abgeschlossen. Die Verhandlungen zu einem
regionalen und umfassenden EPA, das neben Warenhandelsbestimmungen auch den
Dienstleistungshandel und handelsbezogene Themen umfassen soll, werden
mit der gesamten Region fortgesetzt.
Außerdem halten die EU und ECOWAS halbjährlich Treffen auf Ministerebene
ab, um politische Fragen zu erörtern. Hinzu kommt ein kontinuierlicher Dialog
vor Ort insbesondere in Abuja, dem Sitz der ECOWAS-Kommission. EU und
ECOWAS arbeiten in den Krisenländern Westafrikas in den einschlägigen
internationalen Kontaktgruppen erfolgreich zusammen, so z. B. in der
internationalen Kontaktgruppe zu Guinea. Im Vorgehen gegenüber dem Niger nach dem
Putsch vom 18. Februar 2010 fand eine kontinuierliche Abstimmung statt.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/283325. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die ECOWAS
mit der OSZE?
Es besteht nach Kenntnis der Bundesregierung keine Kooperation zwischen
ECOWAS und der OSZE.
26. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der ECOWAS in
Westafrika in welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
ECOWAS betreibt ein aktives Krisenmanagement in der Region, auch zur
Wahrung gemeinsamer Standards in Demokratie und guter Regierungsführung.
Insbesondere in den letzten Jahren haben die Staats- und Regierungschefs der
ECOWAS-Mitgliedstaaten politische Fehlentwicklungen in der Region scharf
verurteilt und sanktioniert (z. B. durch Suspendierung der ECOWAS-
Mitgliedschaft) sowie Bemühungen eingeleitet, diese zu korrigieren. Von ECOWAS
mandatierte Mediationen haben einen entscheidenden Beitrag zur Lösung oder
Entschärfung von akuten Konflikten geleistet, so z. B. in der jüngeren
Vergangenheit in Guinea und Niger. ECOWAS setzt den bereits fortgeschrittenen
Aufbau einer ECOWAS-Bereitschaftstruppe (ECOBRIG) als Teil der „African
Standby Force“ der AU im Rahmen der Afrikanischen Friedens- und
Sicherheitsarchitektur schrittweise fort. Das in Kooperation mit ECOWAS
eingerichtete „Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre“ in Ghana und
die „Ecole de Maintain de la Paix“ in Mali bilden Soldaten und Polizisten
insbesondere für afrikanische Friedensmissionen aus.
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
ECOWAS arbeitet an der Verwirklichung der „Vision 2020“, wonach bis 2020
die vollständige Wirtschafts- und Währungsunion mit völliger
Niederlassungsfreiheit der ECOWAS-Bürger hergestellt sein soll. Dieses Vorhaben ist sehr
ehrgeizig, insbesondere da die Ausgangsbedingungen sehr schwierig und
unterschiedlich sind. Dennoch dürften einzelne Elemente wie z. B. der freie
Personenverkehr fristgerecht verwirklicht werden, andere wohl erst nach 2020.
Wichtig ist, dass die Staaten der Region sich gemeinsam auf eine Zielsetzung
im Wirtschafts- und Finanzbereich festgelegt haben und entschlossen sind,
diese im eigenen, aber auch regionalen Interesse umzusetzen. Diese Vision fügt
sich in die entsprechende panafrikanische Strategie der AU ein.
c) Menschenrechtspolitik,
Seit 2005 können auch Einzelpersonen und Gerichte der Mitgliedsländer – und
nicht nur ECOWAS-Institutionen und Mitgliedstaaten – den Gerichtshof der
Gemeinschaft anrufen. Das Gericht urteilt auch in Menschenrechtsfragen.
Mangels Kapazitäten konnte der Gerichtshof bisher nur in einer begrenzten
Zahl von Fällen aktiv werden. Hinzu kommt, dass vielen Menschen und
Institutionen in der Region keine oder unzureichende Kenntnisse über den
Gerichtshof haben. Trotzdem ist dies für die zukünftige Entwicklung eine wichtige
Institution, die Unterstützung durch die Gebergemeinschaft verdient.
d) Umweltpolitik?
In der Umweltpolitik konnten noch keine praktischen Ergebnisse erzielt
werden.
Drucksache 17/2833 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode27. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der ECOWAS
zur Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Das höchste Organ von ECOWAS, die Konferenz der Staats- und
Regierungschefs, hat sich festgelegt auf eine einvernehmliche Lösung der o. g.
Problembereiche, aufbauend auf Grundsätzen von Demokratisierung, guter
Regierungsführung, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit. Angesichts der teilweise
sehr schwierigen Ausgangslage in vielen Staaten der Region und der knappen
Ressourcen, die zur Umsetzung zur Verfügung stehen, kann Fortschritt nur
allmählich erfolgen. Der Trend der letzten Jahre ist hierbei positiv. Prioritär
erscheint die Lösung der sicherheitspolitischen Konflikte als Voraussetzung für
eine nachhaltige Lösung der anderen Problembereiche. Das Exekutivorgan von
ECOWAS, die Kommission, befindet sich personell und organisatorisch noch
im Aufbau. Die Bundesregierung geht davon aus, dass ECOWAS im Laufe
dieses Prozesses weiter an Handlungsfähigkeit gewinnen wird. Bereits in den
letzten Jahren hat dieser Prozess zunehmend Erfolge gezeigt, beispielsweise bei
der Lösung von Konflikten in der Region. Es liegt auch im Interesse der
internationalen Gebergemeinschaft, den Aufbau der afrikanischen Fähigkeiten zur
Lösung der o. g. Problembereiche zu unterstützen.
28. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die ECOWAS bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Die Bundesregierung unterstützt ECOWAS in den Bereichen
Managementberatung und Organisationsentwicklung, Frieden und Sicherheit (u. a. Beitrag für
das „Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre“ in Ghana),
Wirtschaftspolitik sowie reproduktive Gesundheit und HIV/AIDS-Prävention mit
Mitteln der Technischen und Finanziellen Zusammenarbeit in Höhe von
insgesamt 25 Mio. Euro.
29. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert das Organ on
Politics, Defense and Security (OPDS) mit den Vereinten Nationen bzw.
mit anderen regionalen Organisationen?
Beim Organ für Politik, Verteidigung und Sicherheit (OPDS) handelt es sich
um die sicherheits- und verteidigungspolitische Komponente der SADC. Für
die Beantwortung der Fragen 29 bis 34 wird deshalb auf die entsprechenden
Ausführungen bei SADC (ab Frage 59) verwiesen.
30. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert das OPDS mit
der Europäischen Union?
31. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert das OPDS mit
der OSZE?
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 15 – Drucksache 17/283332. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit des OPDS in Westafrika in
welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
c) Menschenrechtspolitik,
d) Umweltpolitik?
33. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial des OPDS zur
Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
34. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung das OPDS bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Ostafrika
35. Welche sicherheitspolitischen Herausforderungen bestehen in der Region
Ostafrika?
In Ostafrika bestehen verschiedene sicherheitspolitische Herausforderungen,
sowohl auf zwischenstaatlicher und transnationaler Ebene als auch innerhalb
einer Reihe von Staaten der Region.
Der Grenzkonflikt zwischen der Demokratischen Bundesrepublik Äthiopien
und dem Staat Eritrea überschattet weiterhin nicht nur die bilateralen
Beziehungen der beiden beteiligten Staaten, sondern auch allgemein die Politik am Horn
von Afrika. Er wirkt sich insbesondere auch auf die Lage in der Republik
Somalia aus, welche eine große sicherheitspolitische Herausforderungen für die
internationale Staatengemeinschaft bleibt. An der Grenze zwischen Somalia
und der Republik Kenia kommt es immer wieder zu kleineren
sicherheitsrelevanten Zwischenfällen, verursacht durch al-Shabab-Kämpfer. Im Osten der
Demokratischen Republik Kongo und im Süd-Sudan besteht weiterhin die Gefahr
von Operationen der kleinen, aber sehr brutal agierenden „Lord’s Resistance
Army“. Die „Allied Democratic Forces“ sind eine militante Gruppe, mit der
nicht nur im Osten der DR Kongo, sondern eventuell auch wieder in der
Republik Uganda gerechnet werden muss, da sie Bevölkerungsteile aus dem Norden
Ugandas repräsentiert, die mit der ugandischen Regierung unzufrieden sind.
Nationaler Terrorismus bleibt ein Problem, wobei Übergänge zum
internationalen Terrorismus befürchtet werden müssen. Dies gilt insbesondere für al-Shabab.
Die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus besteht insgesamt in
ganz Ostafrika, zumal Somalia zum Rückzugs- und Ausbildungsort für
islamistische Extremisten zu werden droht. Das Verhältnis zwischen Uganda und der
DR Kongo ist zudem nicht immer spannungsfrei, da Uganda die vergangenen
kriegerischen Wirren in der DR Kongo genutzt hat, um sich – wie auch das
andere Nachbarland Ruanda – an der Ausbeutung des Rohstoffreichtums seines
Nachbarlandes ohne dessen Zustimmung zu beteiligen. Die mittlerweile
erfolgte Aussöhnung hat aber das deswegen bestehende latente Misstrauen noch
nicht ganz beseitigen können.
Drucksache 17/2833 – 16 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeHinzu kommen innere Spannungen in einzelnen ostafrikanischen Staaten. Im
Sudan findet voraussichtlich Anfang 2011 das Referendum über die
Unabhängigkeit des südlichen Landesteils statt. Für den Konflikt im westlichen
Landesteil Darfur haben die Verhandlungen noch nicht zu tragfähigen Lösungen
geführt. Die Lage in Kenia bleibt latent angespannt. Die Reformen, die nach
den Unruhen 2008 umgesetzt werden sollten, kommen nur schleppend in Gang;
insbesondere die Ursachen der damaligen Gewalteskalationen – Ungleichheit
und Korruption – werden nicht mit der notwendigen Konsequenz angegangen.
In Uganda verursacht der über die Verfassung hinausreichende Anspruch der
Königreiche auf Regierungskompetenzen, vor allem Bugandas, innenpolitische
Spannungen. In Äthiopien bestehen politische und ethnische Spannungen, die
lokal wiederholt zu Zusammenstößen geführt haben. Zudem ist eine
zunehmende Verengung der politischen Freiräume zu beobachten. Die Republik
Madagaskar ist nach dem Umsturz der gewählten Regierung 2009 noch nicht zur
verfassungsmäßigen Ordnung zurückgekehrt. Beachtet werden müssen auch
die transnationalen sicherheitspolitischen Herausforderungen, die letztlich vor
allem wirtschaftlicher Natur sind. Hierzu zählen die Streitigkeiten um Wasser
(Nilwasser) und Weiderechte, Menschenhandel und Migration sowie
Ressourcenzugang. Auch die von Somalia ausgehende Piraterie stellt eine
sicherheitspolitische Herausforderung für die internationale Gemeinschaft dar.
36. Welche ökonomischen und sozialen Probleme mit transnationalem Bezug
bestehen in Ostafrika?
Die Verbreitung von HIV/AIDS erfolgt in Ostafrika besonders entlang der
großen Verkehrswege, insbesondere auch grenzüberschreitend. Die kriegerischen
Verwicklungen von 1980 bis 2005 in Sudan, Äthiopien/Eritrea und Nord-
Uganda haben erhebliche Flüchtlingsströme in der Region verursacht. Zuletzt
hat der Darfurkonflikt über 2 Mio. Flüchtlinge in Lager im eigenen Land, aber
auch in die Republik Tschad geführt. Der seit Anfang der 90er-Jahre
andauernde Konflikt in Somalia führte zu insgesamt 1,4 Mio. Binnenflüchtlingen und
knapp 600 000 Flüchtlingen in Nachbarländern (davon 300 000 in Kenia). Die
Migration von ostafrikanischen Arbeitskräften und Asylsuchenden stellt für die
Ursprungsländer ein zunehmendes Problem dar. In einer Reihe von Staaten
macht sich der „brain drain“, also die Abwanderung der eher mobilen und gut
ausgebildeten Bevölkerungsschichten immer stärker nachteilig bemerkbar.
Dabei handelt es sich sowohl um eine Folge der Migration innerhalb der Region
aus „ärmeren“ in „reichere“ Staaten als auch der Migration aus der Region vor
allem nach Europa und das westliche Ausland. Im Gefolge krisenhafter
Ereignisse oder klimatischer Wechselfälle, insbesondere bei den wiederkehrenden
Dürrekrisen, kommt es immer wieder zu grenzüberschreitenden Ausweich- und
Fluchtbewegungen. Dies gilt insbesondere für die Dürrekrisen in Ostäthiopien
und im Ogaden, ebenso für saisonale Migrationsbewegungen von
Viehnomaden im Sudan/Darfur und in Süd-Äthiopien/Nord-Kenia. Im Übrigen wird auf
die Antwort zu Frage 35 verwiesen.
37. Welche menschenrechtlichen Probleme bestehen in Ostafrika?
Die Menschenrechtslage in den einzelnen ostafrikanischen Staaten
unterscheidet sich sehr stark. In Eritrea und im Sudan existieren erhebliche
Menschenrechtsdefizite. In großen Teilen Somalias, aber auch im Südsudan und in
Darfur, ist ein effektiver Menschenrechtsschutz aufgrund schwacher staatlicher
und rechtsstaatlicher Strukturen nicht gegeben. In Kenia werden im
Sicherheitssektor die bürgerlichen Rechte nur ungenügend beachtet, das Bewusstsein
für Menschenrechte innerhalb von Polizei/Militär bleibt unterentwickelt.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 17 – Drucksache 17/2833Zudem besteht das Problem der Straflosigkeit sowohl in Bezug auf Korruption
als auch die Strafverfolgung von Verantwortlichen für die Gewalteskalation
2007/2008. In Uganda drohen Rückschritte bei den Menschenrechten,
insbesondere im Bereich der Medienfreiheit. Im Übrigen wird auf den aktuellen
Menschenrechtsbericht der Bundesregierung verwiesen.
38. Welche umweltpolitischen Probleme mit transnationalem Bezug bestehen
in Ostafrika?
Die umweltpolitischen Probleme mit transnationalem Bezug sind vielfältig. Die
Veränderung der Niederschlagsmuster, Entwaldung und/oder die
unangemessene Nutzung von Flächen, auch infolge des schnellen
Bevölkerungswachstums, führen zu Bodenerosion, Verkarstung und Desertifikation und damit zur
Verkleinerung der Lebensräume sowie zur Reduktion der urbaren Flächen. Dies
betrifft alle Staaten Ostafrikas. Das Absinken des Wasserspiegels des
Viktoriasees und die Gewässerverschmutzungen verstärken dies noch. Zudem gelten
die Küstenregionen (Verlust der Mangroven) infolge der Entwaldung,
Übernutzung und der Umweltverschmutzung durch Öl und Industrie als gefährdet. Die
Luftverschmutzung in den großen Städten ist zudem ein viele Länder der
Region belastendes Problem. Eine besondere Problematik stellt die Nutzung des
Nilwassers dar. Hier stehen die Interessen der Staaten am Oberlauf denen der
Staaten am Unterlauf gegenüber.
39. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die
Intergovernmental Authority on Development (IGAD) mit den Vereinten
Nationen bzw. mit anderen regionalen Organisationen?
Die Aktivitäten der IGAD im Bereich von Konfliktlösung verzahnen sich mit
entsprechenden Anstrengungen der AU. IGAD ist eine der acht von der AU
anerkannten Regionalorganisationen und arbeitet aktiv am Aufbau einer
afrikanischen Friedens- und Sicherheitsarchitektur mit. In diesem Zusammenhang
arbeiten die IGAD-Staaten auch mit den VN zusammen.
40. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die IGAD mit
der Europäischen Union?
Die Teilnahme des damaligen EU-Kommissars für Entwicklung und
humanitäre Hilfe, Louis Michel, am IGAD-Gipfel vom 14. Juni 2008 mit Vorstellung
der EU-Strategie für Frieden, Sicherheit und Entwicklung am Horn von Afrika
hat eine Neuaufnahme des Dialogs der EU-Kommission mit IGAD über
praktische Möglichkeiten der Zusammenarbeit in den Bereichen
Ernährungssicherheit und Pastoralismus, Wasser und Handel befördert. Dieser Dialog leitete
einen Vertrauensbildungsprozess ein, der es zunehmend erlaubt, auch Fragen von
Frieden und Sicherheit anzugehen. Im IGAD-Partnerschaftsforum wird die
Zusammenarbeit zwischen IGAD und wesentlichen Gebern und Unterstützern der
IGAD-Bemühungen strukturiert.
41. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die IGAD mit
der OSZE?
Eine solche Zusammenarbeit ist der Bundesregierung nicht bekannt.
Drucksache 17/2833 – 18 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode42. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der IGAD in Ostafrika in
welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
c) Menschenrechtspolitik,
d) Umweltpolitik?
Die IGAD hat fünf Hauptinitiativen ergriffen:
– Konfliktfrühwarn- und Reaktionsmechanismus (CEWARN),
– Kapazitätsaufbauprogramm gegen Terrorismus (ICPAT),
– Klimaprognose- und Anwendungszentrum (ICPAC),
– Initiative zur Nutztierpolitik (LPI),
– Nutztiermarkt-Informationssystem (LMIS).
Seit Anfang der 90er-Jahre dient IGAD zunehmend als politisches Forum zur
regionalen Konfliktlösung. Bereits 1988 trug die bis 1996 bestehende
Vorläuferorganisation der IGAD, die Zwischenstaatliche Behörde für Dürrebekämpfung
und Entwicklung (IGADD), dazu bei, dass Somalia und Äthiopien die
Feindseligkeiten im Ogadenkonflikt mit einem Friedensabkommen beendeten. Auch
in der Folge blieb IGAD bemüht, zur Stabilisierung der Verhältnisse in Somalia
beizutragen. Das Umfassende Friedensabkommen (CPA) für den Südsudan von
2005 wird als großer Erfolg der IGAD betrachtet. Den eritreisch-äthiopischen
Krieg von 1998 bis 2000 konnte die IGAD trotz Vermittlungsbemühungen nicht
verhindern. Auch die weiterbestehenden Spannungen zwischen den
Konfliktparteien konnten nicht abgebaut werden. Vielmehr hat Eritrea mit Blick auf
seine Differenzen zu Äthiopien bzw. wegen unterschiedlicher Ansätze in der
Somaliapolitik seit 2007 seine Mitgliedschaft in der IGAD suspendiert.
43. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der IGAD zur
Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Die IGAD verfolgt ambitionierte Ziele. Sie konnte aber keine Einigkeit zur
Aufstellung von Bereitschaftskräften im Rahmen der Afrikanischen Friedens-
und Sicherheitsarchitektur erzielen. Diese entstehen nunmehr im Rahmen eines
separaten Prozesses, der Ostafrikanischen Regionalbrigade (EASBRICOM).
Die Bundesregierung unterstützt IGAD personell, finanziell und politisch.
Ebenso geschieht dies durch unsere Partner innerhalb der EU. Grundsätzlich ist
festzustellen, dass IGAD wertvolle regionale Beiträge zur Entwicklung der
Region geleistet hat und weiter leisten kann. Unter Maßgabe ihrer Handlungs- und
Einflussmöglichkeiten hat IGAD sich in den letzten Jahren aus Sicht der
Bundesregierung positiv entwickelt und damit zu positiven Entwicklungen in der
Region beigetragen. Die Bundesregierung begrüßt derartige Ansätze und
Anstrengungen der betroffenen Staaten umso mehr, als sie einen Beitrag zu echter,
nachhaltiger Entwicklung darstellen können.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 19 – Drucksache 17/283344. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die IGAD bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
IGAD wird seit zwanzig Jahren im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit
unterstützt. Das gesamte Fördervolumen für den Zeitraum 1990 bis 2010
beträgt 20,35 Mio. Euro. In der aktuellen Phase der Unterstützung (2008 bis 2011:
Budget 4,9 Mio. Euro) konzentriert sich die Entwicklungszusammenarbeit auf
die institutionelle Stärkung und organisatorische Entwicklung des IGAD-
Sekretariats sowie den Schwerpunkt Frieden und Sicherheit. Dabei wird IGAD
bei der Umsetzung regionaler Initiativen zur Krisenprävention und
Konfliktbearbeitung unterstützt. Eine der wichtigsten Säulen ist dabei das regionale
Konfliktfrühwarnsystem (CEWARN). Es stellt eine Plattform dar, im Rahmen
derer sich Regierungen zu grenzüberschreitenden Konflikten austauschen und
gemeinsam nach Lösungen suchen. Weitere Beiträge betreffen die Erarbeitung
der IGAD-Strategie zu Frieden und Sicherheit sowie die Stärkung und
Unterstützung der Mediationskapazitäten der IGAD durch Training sowie fachliche
und finanzielle Unterstützung.
Zentralafrika
45. Welche sicherheitspolitischen Herausforderungen bestehen in der Region
Zentralafrika?
Verstärkte Aktivitäten islamistischer Gruppen geben in Zentralafrika Anlass
zur Sorge. Regional agierende Rebellengruppen gefährden die Stabilität der
Länder. Darüber hinaus wird das Anwachsen der Piraterie im Golf von Guinea
mit Sorge betrachtet. Dieses gilt auch für die andauernde Instabilität der
regional bedeutsamen DR Kongo.
46. Welche ökonomischen und sozialen Probleme mit transnationalem Bezug
bestehen in Zentralafrika?
Die Menschen versuchen durch Migration in die Wirtschaftszentren ihre
ökonomische und soziale Lage zu verbessern. In einigen Regionen wird die
ökonomische und soziale Stabilität durch Flüchtlingsströme gefährdet.
47. Welche menschenrechtlichen Probleme bestehen in Zentralafrika?
Es gibt in Zentralafrika zahlreiche menschenrechtliche Defizite, allerdings lässt
sich kein einheitliches Bild für die Region zeichnen. Besondere
Aufmerksamkeit erregen insbesondere die sexuelle Gewalt gegen Frauen im
Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen im Osten der DR Kongo und der Einsatz
von Kindersoldaten durch Rebellenbewegungen. Das Defizit effektiver
Staatlichkeit in einigen Teilen Zentralafrikas begünstigt diese Erscheinungen. Im
Übrigen wird auf den Menschenrechtsbericht der Bundesregierung verwiesen.
48. Welche umweltpolitischen Probleme mit transnationalem Bezug bestehen
in Zentralafrika?
In Zentralafrika sind insbesondere der Sahelbereich durch weitere
Desertifikation und die Waldgebiete des Kongobeckens durch fortschreitende Abholzung
gefährdet.
Drucksache 17/2833 – 20 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode49. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die Economic
Community of Central African States (ECCAS) mit den Vereinten
Nationen bzw. mit anderen regionalen Organisationen?
Der Bundesregierung sind hierzu keine Einzelheiten bekannt. Die bereits 1983
gegründete ECCAS ist eine der acht von der AU anerkannten
Regionalorganisationen und arbeitet am Aufbau einer afrikanischen Friedens- und
Sicherheitsarchitektur mit. Mehrere der ECCAS-Mitgliedstaaten sind zugleich Mitglieder
anderer Regionalorganisationen.
50. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die ECCAS mit
der Europäischen Union?
Im Rahmen des 9. Europäischen Entwicklungsfonds (EEF) hat die EU im Jahr
2008 hat die EU der ECCAS Unterstützung in den Bereichen
Kapazitätenbildung, Sicherheitsarchitektur und Umweltschutz zugesichert. Die EU unterstützt
finanziell u. a. den Friedens- und Sicherheitsrat für Zentralafrika (COPAX), der
die Multinationalen Streitkräfte Zentralafrikas (FOMAC) aufgestellt hat, eine
der fünf regionalen Brigaden der AU zur Lösung regionaler Konflikte. Im
Bereich Frieden und Sicherheit ist die EU der größte Geber, sie fördert darüber
hinaus die Zusammenarbeit von ECCAS mit der Zivilgesellschaft.
Im Rahmen des 10. EEF (2008 bis 2013) unterstützt die EU-Kommission die
Regionalorganisationen ECCAS und die Zentralafrikanische Wirtschafts- und
Währungsunion (CEMAC) mit insgesamt 165 Mio. Euro. Als Schwerpunkte
wurden regionale wirtschaftliche Integration und EPA-Begleitmaßnahmen, der
Schutz natürlicher Ressourcen sowie politische Integration vereinbart. Die
Verhandlungen zu einem regionalen Wirtschaftspartnerschaftsabkommen
zwischen Zentralafrika und EU dauern derzeit noch an. Hauptverhandlungsführer
auf zentralafrikanischer Seite ist die CEMAC. Um Handelsunterbrechungen zu
vermeiden, wurde Ende 2007 ein Interims-Rahmen-EPA vereinbart, dem
allerdings nur Kamerun beigetreten ist, das aber die Grundlage für die weiteren
Verhandlungen mit der gesamten Region bildet.
51. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die ECCAS mit
der OSZE?
Über eine Zusammenarbeit zwischen ECCAS und der OSZE liegen der
Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
52. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der ECCAS in
Zentralafrika in welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
c) Menschenrechtspolitik,
d) Umweltpolitik?
Eine Bewertung der Arbeit von ECCAS ist aufgrund mangelnder
Informationen und des Umstands, dass keine direkte Zusammenarbeit existiert, nicht
möglich. Auf die Antwort zu Frage 54 wird verwiesen. Die EU unterstützt
ECCAS bei den von der Organisation als Schwerpunkte bezeichneten
Programmen zur wirtschaftlichen und politischen Integration sowie beim
Ressourcenmanagement.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 21 – Drucksache 17/283353. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der ECCAS zur
Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
ECCAS befindet sich personell und organisatorisch noch im Aufbau. Die
Bundesregierung geht davon aus, dass ECCAS im Laufe dieses Prozesses weiter an
Handlungsfähigkeit gewinnen wird. Zudem gibt es erste Schritte zum Aufbau
zentralafrikanischer Bereitschaftskräfte (FOMAC) im Rahmen der
Afrikanischen Friedens- und Sicherheitsarchitektur.
54. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die ECCAS bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Eine direkte Unterstützung von ECCAS durch die Bundesregierung gibt es
nicht. Allerdings ist Deutschland indirekt über seine Beiträge an die EU an der
begonnenen Zusammenarbeit der EU mit ECCAS beteiligt.
Südafrika
55. Welche sicherheitspolitischen Herausforderungen bestehen in der Region
Südafrika?
In Simbabwe vollzieht sich der Prozess der Machtteilung zwischen der
herrschenden Partei von Präsident Robert Mugabe und der Bewegung von
Ministerpräsident Morgan Tsvangirai nach wie vor äußerst zäh, stellt aber derzeit
keine sicherheitspolitische Herausforderung im engeren Sinne dar; auf die
Antwort zu Frage 57 wird verwiesen. Im südlichen Afrika wirken allerdings die
Auseinandersetzungen der Vergangenheit noch nach: Viele Jahrzehnte war die
Region vom Konflikt zwischen dem Apartheidstaat Republik Südafrika und
den „Frontlinienstaaten“ geprägt, der mit dem Versuch Südafrikas einherging,
letztere zu destabilisieren. In den Republiken Angola und Mosambik gab es
nach der Unabhängigkeit 1975 langwierige Bürgerkriege zwischen den
verschiedenen Befreiungsbewegungen, die z. T. als Stellvertreterkriege im Ost-
West-Konflikt geführt wurden. Der Bürgerkrieg in Angola endete erst im Jahr
2002.
56. Welche ökonomischen und sozialen Probleme mit transnationalem Bezug
bestehen in Südafrika?
Das große wirtschaftliche Gefälle zwischen Südafrika einerseits und den
Staaten des südlichen Afrika andererseits hat seit vielen Jahrzehnten Migration und
Arbeitsmigration nach Südafrika zur Folge. Die massive Immigration nach
Südafrika hat dort in der Vergangenheit mehrmals zu xenophobischen
Angriffen geführt. Allein aus der Republik Simbabwe sind schätzungsweise drei
Millionen Menschen nach Südafrika geflohen. Die HIV/AIDS-Pandemie betrifft
das südliche Afrika in besonders hohem Maße, Länder wie Südafrika, die
Republik Namibia, die Königreiche Lesotho oder Swasiland weisen mit die
weltweit höchsten Infektionsraten auf. Die Lebenserwartung in den betroffenen
Drucksache 17/2833 – 22 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeLändern hat sich substanziell verringert, es gibt viele AIDS-Waisen, und das
soziale Gefüge gerät unter zunehmende Spannung. Die illegale Ausbeutung
von Rohstoffen und der illegale Export, der u. a. auch zur Finanzierung von
Konflikten genutzt wird, stellt im Kongobecken, aber auch in Simbabwe
(Diamanten) ein Problem dar.
57. Welche menschenrechtlichen Probleme bestehen in Südafrika?
Problematisch ist die Menschenrechtslage nach wie vor in Simbabwe, wo die
Partei des Präsidenten Mugabe im Kampf um ihren Machterhalt die politischen
Gegner massiv einschüchtert und die Medienfreiheit beschränkt. Die Mehrheit
der mit HIV infizierten Menschen im südlichen Afrika hat nur eingeschränkten
Zugang zu Gesundheitsversorgung. Sexuelle Gewalt und Gewalt gegen Frauen
sind in vielen Ländern der Region weiterhin ein großes Problem. Aus einigen
Ländern liegen Berichte über Fälle von Folter und anderen Misshandlungen
durch Polizisten vor, auch wenn diese Menschenrechtsverletzungen nicht
systematischer Natur sind. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist in einigen
Ländern eingeschränkt, Journalisten werden eingeschüchtert. Im Übrigen wird
auf den aktuellen Menschenrechtsbericht der Bundesregierung verwiesen.
58. Welche umweltpolitischen Probleme mit transnationalem Bezug bestehen
in Südafrika?
Desertifikation ist auch im südlichen Afrika ein Problem. Des Weiteren macht
sich auch dort der Klimawandel mit einer Verschiebung der
Niederschlagsmuster und Temperaturveränderungen bemerkbar. Durch die Folgen des globalen
Klimawandels wird Wasserknappheit im südlichen Afrika eine zunehmend
große Herausforderung darstellen, die u. a. auch eine gemeinsame und
friedliche Nutzung der knappen Wasserressourcen von grenzüberschreitenden
Flüssen erforderlich macht. Gleiches gilt für den Schutz und die nachhaltige
Nutzung natürlicher Ressourcen, u. a. im Rahmen von transnationalen
Naturschutzgebieten. Zunehmende Bedeutung kommt auch der Verbesserung der
Energiesicherheit über nachhaltige Energien zu.
59. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die Southern
African Development Community (SADC) mit den Vereinten Nationen
bzw. mit anderen regionalen Organisationen?
Es bestehen Kontakte zum Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen
(UNDP) in den Sektoren Wasser, Ernährungssicherung, Landwirtschaft,
Natürliche Ressourcen (Biodiversität), soziale und menschliche Entwicklung
(Pharmazie und Geschlechtergerechtigkeit) und mit der Regionalen
Wirtschaftskommission für Afrika der Vereinten Nationen (ECA). Eine weitergehende
Zusammenarbeit der SADC mit den VN ist nicht bekannt. SADC ist eine der acht von
der AU anerkannten Regionalorganisationen und arbeitet aktiv am Aufbau
einer afrikanischen Friedens- und Sicherheitsarchitektur mit. SADC kooperiert
zum einen mit der AU, als deren regionalen Pfeiler sie sich begreift. Sie
kooperiert aber auch mit anderen Regionalorganisationen wie COMESA und EAC,
vor allem im Hinblick auf eine Harmonisierung von Zoll- und
Währungspolitik. Auf die Antworten zu den Fragen 65 und 71 wird verwiesen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 23 – Drucksache 17/283360. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die SADC mit
der Europäischen Union?
Die Europäische Union ist der größte Handelspartner der SADC-Region. Die
EU konzentriert ihre Zusammenarbeit im Rahmen des 10. EEF auf die Bereiche
regionale wirtschaftliche und politische Integration und unterstützt die SADC-
Region mit insgesamt 116 Mio. Euro. Dies schließt den Ausbau der
Infrastruktur (Transport, Telekommunikation) ein.
Daneben leistet die Europäische Union technische Unterstützung im SADC-
Sekretariat in den Bereichen:
● Ernährungssicherung, Landwirtschaft und Natürliche Ressourcen
(Monitoring einer nachhaltigen Agrarentwicklung, Einrichtung eines Trainings- und
Forschungszentrums),
● Stärkung der Strukturen des SADC-Sekretariats (Aufbau von Kapazitäten zur
Umsetzung der regionalen Integration),
● Transport,
● Energie (nachhaltige Entwicklung, Monitoring des Einsatzes von
Ressourcen).
Die Verhandlungen zu einem regionalen und umfassenden EPA zwischen dem
südlichen Afrika und der EU dauern derzeit noch an. Um
Handelsunterbrechungen zu vermeiden, wurde im Dezember 2007 ein Interims-EPA zwischen
den SADC-Mitgliedstaaten Republik Botsuana, Lesotho, Swasiland, Namibia
und Mosambik abgeschlossen. Mit Ausnahme von Namibia haben die
genannten Länder das Abkommen im Juni 2009 unterzeichnet.
61. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die SADC mit
der OSZE?
Über eine Zusammenarbeit mit der OSZE liegen der Bundesregierung keine
Informationen vor.
62. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der SADC in Südafrika in
welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
Eines der wichtigen Ziele ist die Wahrung der Stabilität in der SADC-Region
und eine gemeinsame Sicherheitspolitik. Aktuelle Themen, mit denen sich
SADC in der Region befasst, sind die Lage in Madagaskar und in Simbabwe.
Im Fall von Madagaskar machte SADC von der Möglichkeit der
Suspendierung der SADC-Mitgliedschaft des Landes Gebrauch, nachdem die derzeitige
Regierung auf verfassungswidrigem Wege an die Macht gekommenen war.
SADC fördert zugleich aktiv den Prozess zur Rückkehr des Landes zu
verfassungsmäßigen Verhältnissen. Im Fall von Simbabwe hat SADC den
südafrikanischen Präsidenten mit der Aufgabe betraut, auf die Umsetzung der zwischen
Regierung und Opposition vereinbarten Machtteilung hinzuwirken. Im Rahmen
der SADC-Strukturen existiert neben dem SADC-Sekretariat das Organ für
Politik, Verteidigung und Sicherheit (OPDS), dessen Kernaufgabe im Bereich der
Frieden- und Sicherheitspolitik und der Regierungsführung liegt. Die SADC
und ihre Mitgliedstaaten sind dabei, im Rahmen der afrikanischen Friedens-
und Sicherheitsarchitektur der AU eine regionale Bereitschaftsbrigade als Teil
der ASF aufzustellen (SADCBRIG) und zu diesem Zweck auch regionale
Ausbildungszentren für Personal bei friedenserhaltenden Maßnahmen aufzubauen.
Drucksache 17/2833 – 24 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeKoordiniert durch die SADC kooperieren die nationalen Polizeiapparate
zunehmend bei der Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität. Im Rahmen
der Einrichtung von grenzübergreifenden Naturreservaten, den sogenannten
„Peace-Parks“, wurden Grenzzäune und Minenfelder aus Bürgerkriegszeiten
(Angola, Mosambik) entfernt.
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
Die SADC-Staaten haben 2004 eine auf 15 Jahre angelegte regionale
Entwicklungsstrategie, den Regionalen Strategischen Entwicklungsplan (RISDP) sowie
eine auf fünf Jahre angelegten Strategischen Plan für das OPDS beschlossen
und damit eine umfassende armutsorientierte Strategie zur Vertiefung und
Ausgestaltung der regionalen Integration entwickelt. Mit beiden Plänen verpflichtet
sich die SADC zur Erfüllung der Millenniums-Entwicklungsziele, definiert
sich als zentraler Baustein innerhalb der übergreifenden afrikanischen
Integrationsagenda und als Umsetzungsorgan für die NEPAD.
Der RISDP hat die Bekämpfung der Armut in den Mitgliedstaaten und die
Integration der Märkte zum Ziel. Der Plan wurde 2007 bestätigt, seine Inhalte neu
gewichtet. Grundprinzip für die Umsetzung von Programmen ist, dass sie einen
Beitrag zur regionalen Integration leisten oder/und die zur Erreichung der
SADC-Ziele notwendigen Kapazitäten stärken.
Nach Inkrafttreten der Freihandelszone 2008 sieht der RISDP als nächstes die
Verwirklichung einer Zollunion bis Ende 2010, eines Gemeinsamen Markts bis
2015 und die Schaffung einer gemeinsamen Währung bis 2018 vor. Als
problematisch stellt sich die gleichzeitige Mitgliedschaft von acht SADC-Mitgliedern
in der COMESA, die im Juni 2009 bereits eine Zollunion lanciert hat, heraus.
Auf dem SADC-Gipfel 2009 wurde der Wille bekräftigt, mit COMESA und
EAC zu verhandeln, um einheitliche Bestimmungen mit dem Ziel einer
gemeinsamen Freihandelszone zu erreichen.
Ein wichtiger Schritt zur regionalen Integration stellt die Implementierung des
Protokolls über die Reisefreiheit von Bürgern der SADC-Staaten dar
(„Protokoll über die Freizügigkeit von Personen“). Daneben ist die Einführung von
einheitlichen Visa – der Philosophie des europäischen Schengen-Visums
vergleichbar – geplant. Parallel begannen Prozesse zur Vereinheitlichung von
nationalen Qualitätsstandards und der Harmonisierung von Handels- und
Wirtschaftsprozessen in das jeweilige nationale Recht der einzelnen
Mitgliedstaaten. Über den Energieverbund des südlichen Afrikas (SAPP) fördert die SADC
den Ausbau eines länderübergreifenden Stromverbundes und wirbt bei
internationalen Investoren für die gesamte SADC-Region.
Spezielle Programme mit regionaler Dimension umfassen u. a. HIV/AIDS,
Geschlechtergleichstellung und Ernährungssicherung. Auf Grundlage der
Erklärung über Geschlechtergleichstellung und Entwicklung („Declaration on Gender
and Development“) und des RISDP hat die SADC ein Programm zur
Geschlechtergerechtigkeit (2007 – 2011) erarbeitet und operationalisiert, welches
u. a. auf Politikharmonisierung, Stärkung der gleichstellungsrelevanten
Kapazitäten und eine stärkere Rolle der Frauen abzielt.
c) Menschenrechtspolitik,
Die SADC versteht sich nicht nur als regionale Wirtschaftsgemeinschaft,
sondern auch als Wertegemeinschaft. Demokratie und gute Regierungsführung,
Rechtsstaatlichkeit, Gewährleistung der Menschenrechte, Teilhabe der
Bevölkerung an der Entwicklung und Armutsbekämpfung sind zentrale Ziele des
RISDP. Die SADC entsendet regelmäßig Wahlbeobachter in ihre
Mitgliedstaaten. Wahlbeobachtungen wurden dadurch zum demokratischen Standard für die
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 25 – Drucksache 17/2833Region (Mosambik, Simbabwe, Madagaskar). Mit dem SADC-Gerichtshof in
Windhuk verfügt die Region über eine justizielle Institution, die auch
Menschenrechtsfragen bearbeitet. Wenngleich die Entscheidungen des Gerichtshofs
nicht überall beachtet werden (so in Simbabwe im Falle von illegalen
Farmbesetzungen), ist das Bewusstsein für den Anspruch auf Beachtung der
Menschenrechte in der Region gewachsen.
d) Umweltpolitik?
Das gemeinsame Management natürlicher Ressourcen, v. a. gemeinsames
Wassermanagement und die Nutzung alternativer Energien, sind ebenfalls
Bestandteile des SADC-Programms. Auf Initiative der Staats- und Regierungschefs der
SADC-Mitgliedstaaten werden grenzüberschreitende Naturschutzgebiete
(„Peace Parks“) gefördert. Diese Parks dienen dem gegenseitigen
wirtschaftlichen Nutzen und schaffen zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für die
Anrainerbevölkerung (Armutsbekämpfung), wie auch anderseits dem Erhalt der
vorhandenen Biodiversität durch nachhaltige Ressourcennutzung. Das SADC-
Sekretariat unterstützt überdies die Mitgliedstaaten beim Aufbau von
Katastrophenfrühwarnsystemen, z. B. bei Überflutungen oder Dürren.
63. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der SADC zur
Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Der SADC-Gründungsvertrag von 1992 formuliert das Ziel einer nachhaltigen,
sozial gerechten wirtschaftlichen Entwicklung, um die Armut in der Region zu
bekämpfen. Weitere Ziele sind die Herausbildung gemeinsamer politischer
Werte, eine rechtsstaatliche und demokratische Entwicklung sowie Frieden und
Sicherheit in der Region. Eine Föderation, Union oder weitgehende Form der
politischen Integration wird jedoch nicht angestrebt. Entscheidungen und
Beschlüsse müssen im Konsens aller Mitglieder beschlossen werden. Dies macht
die Prozesse langwierig und komplex. Der SADC-Vertrag gibt dem SADC-
Sekretariat keine Kompetenz, Rechtsakte zu initiieren, und bringt bis auf wenige
Ausnahmen die Zurückhaltung der Mitgliedstaaten zum Ausdruck,
Hoheitsrechte auf das Staatenbündnis zu übertragen. Dementsprechend sind manche
Ziele der SADC, wie die baldige Verwirklichung einer Zollunion, als
ambitioniert zu bewerten. Bei Initiativen zur Durchsetzung von Frieden, Sicherheit,
Demokratisierung und Guter Regierungsführung in der Region sind die
Einflussmöglichkeiten der SADC bislang gering. Gleichwohl wird langfristig die
wirtschaftliche und politische Integration von den Mitgliedstaaten der SADC
angestrebt, um Globalisierungsprozesse mitgestalten zu können und
intraregionale Disparitäten abzubauen. Die Bedeutung und Akzeptanz der SADC wächst
zunehmend, da regionale Maßnahmen, etwa im grenzüberschreitenden
Wasseroder Schutzgebietsmanagement und der regionalen Energieversorgung, sich
direkt positiv auf die Lebenssituation der Bevölkerung auswirken. Auch wächst
die Bedeutung der SADC als Implementierungsorgan panafrikanischer
Prozesse, insbesondere in den Bereichen Infrastrukturentwicklung, Wasser, gute
Regierungsführung sowie Frieden und Sicherheit. Durch den Aufbau einer
Bereitschaftstruppe unter SADC-Kommando wird die Bedeutung der SADC
weiter zunehmen. Die Bundesregierung sieht in SADC einen zunehmend
bedeutsame regionalen Partner, dessen Potenzial auch weiterhin gefördert werden
wird.
Drucksache 17/2833 – 26 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode64. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die SADC bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Übergreifendes Ziel der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit der
Bundesregierung mit SADC ist es, über die Unterstützung der regionalen
Integrationsagenda einen Beitrag zu Frieden und Sicherheit und zur Erreichung der
Milleniums-Entwicklungsziele in der Region zu leisten. SADC wird darin gestärkt,
die seitens AU und NEPAD von ihr erwartete Rolle als Träger panafrikanischer
Prozesse sowie die seitens der Mitgliedstaaten erwartete Führungsrolle als
Initiator und Koordinator der regionalen Integration effektiv und effizient
auszuüben. Um das Profil der Zusammenarbeit zu schärfen und ihre Wirksamkeit zu
erhöhen, erfolgt eine thematische Fokussierung auf Schwerpunkte, die mit
ausgewählten Prioritäten der Entwicklungsstrategie der SADC übereinstimmen.
Das deutsche Engagement lässt sich bei der Zusammenarbeit mit SADC
generell vom institutionellen Reformprozess des SADC-Sekretariats in Gaborone,
der geplanten Umsetzung des RISDP und des SIPO leiten.
Schwerpunkte der deutschen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit
SADC sind neben der Stärkung der SADC-Institutionen die folgenden
themenübergreifenden Ziele:
– Stärkung der regionalen wirtschaftlichen Integration,
– Management grenzübergreifender Wasserreserven,
– Schutz und Nutzung natürlicher Ressourcen.
Darüber hinaus fördert die Bundesregierung SADC im Bereich Frieden und
Sicherheit. Die deutschen Beiträge beinhalten den Ausbau der
Mediationskapazitäten der SADC, die Stärkung der im Aufbau befindlichen zivilen und
polizeilichen Komponenten der SADC-Eingreiftruppe und des regionalen
Ausbildungszentrums für Personal für friedenserhaltende Maßnahmen („SADC Regional
Peacekeeping Training Centre“), die Kooperation mit nationalen
Polizeiapparaten zur Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität und die
Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Kräften, sowie die Unterstützung für SADC-
Wahlbeobachtungsmissionen und -ausbildungsmaßnahmen. Einschließlich der
Neuzusagen im Jahr 2010 in Höhe von 9,5 Mio. Euro für Technische
Zusammenarbeit beläuft sich die gesamte entwicklungspolitische Förderung der
SADC bislang auf 204,2 Mio. Euro.
Des Weiteren unterstützt die Bundesregierung durch bilaterale Programme in
den Mitgliedstaaten den Aufbau des SAPP.
Im östlichen und südlichen Afrika
65. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die East
African Community (EAC) mit den Vereinten Nationen bzw. mit anderen
regionalen Organisationen?
Die EAC strebt im Bewusstsein, dass die regionale Integration und
Entwicklung in Ostafrika erheblicher Kraft und Mittel bedarf, strategische
Partnerschaften an – innerhalb und außerhalb der Region. Die EAC arbeitet daher mit
bilateralen und multilateralen Partnern der Entwicklungszusammenarbeit
zusammen. Angestrebt ist in diesem Rahmen auch die Zusammenarbeit mit den VN
in den Bereichen Ernährung, Landwirtschaft und Arbeit. Darüber hinaus gibt es
bereits erste Schritte zum Zusammenschluss von EAC, COMESA und SADC,
auch weil die überlappenden Mitgliedschaften Probleme mit sich bringen. Im
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 27 – Drucksache 17/2833Oktober 2008 fand in Kampala das erste Gipfeltreffen der Staaten der drei
Regionalorganisationen mit Vertretern aller 26 Mitgliedstaaten statt. Ziel ist das
Zusammenwachsen der drei Organisationen. Es soll nun ein Aktionsplan für
die Einrichtung einer Freihandelszone vorgelegt werden, insbesondere zur
Verbesserung der Infrastruktur und besseren Abstimmung der jeweiligen
nationalen Infrastruktur- und Kommunikationspolitik. Die Lusaka-Konferenz zum
Nord-Süd-Korridor im April 2009 unterstrich die gemeinsamen Interessen der
drei Wirtschaftsräume. Die EAC ist zudem eine der acht von der AU
anerkannten Regionalorganisationen und arbeitet aktiv am Aufbau einer afrikanischen
Friedens- und Sicherheitsarchitektur mit.
66. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die EAC mit
der Europäischen Union?
Die EAC verhandelt seit 2002 mit der EU ein
Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA), um die bisherigen Handelspräferenzen mit den Regularien der
Welthandelsorganisation in Einklang zu bringen. Die EPAs sehen eine
gegenseitige Marktöffnung vor, werden aber asymmetrisch zugunsten der AKP-
Staaten ausgestaltet. Im Dezember 2007 wurde ein Interims-
Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit der EAC-Region abgeschlossen, um
Handelsunterbrechungen zwischen den Staaten der EAC und der EU zu vermeiden. Die
Verhandlungen zu einem umfassenden EPA, das neben
Warenhandelsbestimmungen auch den Dienstleistungshandel und handelsbezogene Themen
umfasst, dauern derzeit noch an. Die Programme für die EAC, die aus dem
10. EEF finanziert werden, beinhalten umfassende Projekte der regionalen
wirtschaftlichen Integration wie die Unterstützung beim Aufbau institutioneller
Kapazitäten, für die Ausarbeitung handelspolitischer Vorschriften und die
Aushandlung und Umsetzung des EPAs. Auf die Antwort zu Frage 72 wird
verwiesen.
67. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die EAC mit
der OSZE?
Über eine Zusammenarbeit ist der Bundesregierung nichts bekannt.
68. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der EAC im östlichen und
südlichen Afrika in welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
c) Menschenrechtspolitik,
d) Umweltpolitik?
Die EAC ist den Grundsätzen Frieden, Stabilität und selbsttragendes Wachstum
verpflichtet. Ihr übergeordnetes Ziel liegt in der Verbesserung der
Lebensverhältnisse. Hierzu soll die regionale Integration der Mitgliedstaaten
vorangetrieben werden, um so die politische Kooperation zu vertiefen, das ökonomische
Wachstum zu steigern, nachhaltige Entwicklung zu fördern und zur
Armutsreduzierung beizutragen. Die größten Fortschritte sind bislang in der Wirtschafts-
und Sozialpolitik erreicht worden. Nach der Einrichtung einer Zollunion ist
zum 1. Juli 2010 der gemeinsame Markt etabliert worden. In den EAC-
Mitgliedstaaten sollen nun schrittweise die Angleichung von Normen und Zöllen
Drucksache 17/2833 – 28 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeerfolgen. Damit soll der Weg für einen einfacheren Waren-, Dienstleistungs-
und Kapitalverkehr sowie für mehr Bewegungsfreiheit von Arbeitskräften und
Einwohnern geebnet werden. Wenngleich die Frist wahrscheinlich nicht zu
halten sein wird, soll 2012 eine gemeinsame Währung und schließlich ein
föderaler Staatenbund folgen. Im Herbst 2009 empfahl die Friedens- und
Sicherheitskonferenz der EAC die Aufstellung einer Bereitschaftstruppe („Standby
Force“) in expliziter Abgrenzung zu den Strukturen der afrikanischen
Sicherheitsarchitektur.
69. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der EAC zur
Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Die Bundesregierung schätzt das politische Potenzial der EAC zur Regelung
von ökonomischen und sozialen Problemen derzeit als hoch, in den anderen
Bereichen geringer ein.
70. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die EAC bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Deutschland unterstützt das EAC-Sekretariat in Arusha seit 1998 im Rahmen
der Entwicklungszusammenarbeit. Die EAC ist ein selbstständiger Partner für
die Bundesregierung, mit dem Konsultationen und Regierungsverhandlungen
durchgeführt werden. Die Gesamtzusagen seit 1998 im Rahmen der
Finanziellen (FZ) und Technischen Zusammenarbeit (TZ) betrugen 47,5 Mio. Euro, die
letzte Dreijahreszusage umfasst 14 Mio. Euro (TZ). Ziel des deutschen
entwicklungspolitischen Beitrags ist die Unterstützung des EAC-
Integrationsprozesses und der dazu notwendigen Kapazitäten im EAC-Sekretariat (im Bereich
Wirtschafts- und Managementkompetenz) sowie die Unterstützung des
Aufbaus der neuen Abteilung für Frieden und Sicherheit. Ein bisheriger
Schwerpunkt im Thema Frieden und Sicherheit war die Kontrolle von Kleinwaffen. So
wurden seit 2007 120 000 Kleinwaffen in der EAC-Region vernichtet. Darüber
hinaus fördert die Bundesregierung im Rahmen ihrer FZ den Neubau des EAC-
Gebäudes in Arusha mit 14 Mio. Euro. Grundsteinlegung war am 20.
November 2009, mit der Fertigstellung wird 2012 gerechnet.
71. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert der Common
Market for Eastern and Southern Africa (COMESA) mit den Vereinten
Nationen bzw. mit anderen regionalen Organisationen?
Über eine Kooperation COMESAs mit den VN ist der Bundesregierung nichts
bekannt. Mit den Regionalorganisationen EAC und SADC besteht eine so
genannte Dreier-Partnerschaft („Tripartite Partnership“). Beim Gipfeltreffen der
Staats- und Regierungschefs im Oktober 2008 in Kampala wurden die
Schaffung einer gemeinsamen Freihandelszone und einer tieferen
Wirtschaftsintegration beschlossen. In diesem Zusammenhang sollen auch gemeinsame
Infrastrukturprogramme vorangebracht werden, u. a. durch die Nord-Süd-Korridor-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 29 – Drucksache 17/2833Initiative (NSK), die während einer hochrangigen Konferenz im April 2009 in
Lusaka ins Leben gerufen wurde. Die NSK-Initiative zielt sowohl auf die
Verbesserung der physischen Transportinfrastruktur (z. B. Straßen, Eisenbahn,
Grenzposten, Häfen) als auch auf die Stärkung des regulatorischen Rahmens
für Handel und Transport (z. B. Harmonisierung von Transportregularien,
Vereinfachung der Grenzabwicklung).
72. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert der COMESA
mit der Europäischen Union?
Die EU ist wichtigster politischer und finanzieller Partner von COMESA
(Hauptgeber). Durch den 10. EEF werden im Zeitraum 2008 bis 2013
insgesamt 645 Mio. Euro für die Regionalorganisationen COMESA, IGAD und
EAC zugesagt. Diese Mittel werden durch das „Interregional Coordination
Committee“ (IRCC) unter Beteiligung der drei genannten Organisationen und
der EU-Kommission in den Schwerpunkten regionale wirtschaftliche
Integration und regionale politische Integration beplant. Im Rahmen des EEF
unterstützt die EU-Kommission sowohl den COMESA-Fonds als auch die Nord-
Süd-Korridor Initiative (vergleiche Antwort auf Frage 71). Sie war bei der
April 2009 durch die damalige EU-Handelskommissarin Catherine Ashton
hochrangig vertreten und hat zusätzliche Geberzusagen für die NSK-Initiative
gemacht.
73. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert der COMESA
mit der OSZE?
Der Bundesregierung ist keine Kooperation zwischen COMESA und OSZE
bekannt.
74. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit vom COMESA im
östlichen und südlichen Afrika in welchen der folgenden Bereiche bisher
gebracht:
Vorbemerkung der Bundesregierung
Die Bundesregierung nimmt angesichts der Wortgleichheit dieser Frage mit
Frage 68 und der Systematik an, dass der Fragesteller Ausführungen zu
COMESA wünscht. Die Bundesregierung bezieht ihre Antwort folglich
hierauf.
a) Sicherheitspolitik,
COMESA erfährt vor allem durch die NSK-Initiative größere politische
Bedeutung. Die Initiative wirkt durch ihren Integrationsansatz indirekt auch
stabilisierend. Die AU hat die Inititative anlässlich der NSK-Konferenz als
exemplarisch für Sicherheits- und Infrastrukturprogramme gewürdigt.
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
Größter Erfolg bleibt die Gründung einer Zollunion im Juni 2009. Weitere
Fortschritte wurden auf dem Weg zur Erreichung einer Freihandelszone erzielt,
auch kam es zu starkem Anstieg des Handels innerhalb COMESA seit dem Jahr
2000.
Drucksache 17/2833 – 30 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodec) Menschenrechtspolitik,
COMESA betreibt keine aktive Menschenrechtspolitik, engagiert sich aber
z. B. bei Wahlen in den Mitgliedstaaten durch Entsendung eigener
Wahlbeobachtermissionen.
d) Umweltpolitik?
COMESA bezieht Stellung zu Fragen des Klimawandels. Die Organisation
unterstützt die sogenannte REDD-Initiative zur Reduktion von Emissionen aus
Entwaldung und Schädigung von Wäldern. Es existiert ein eigenes Programm
zur umweltverträglichen Landwirtschaft („Conservation Farming“), die
Einrichtung eines COMESA „Carbon Fund“ ist geplant.
75. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial vom COMESA
zur Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
COMESA verfügt über keine eigene sicherheitspolitische Komponente. Die
Arbeit der Organisation wirkt allenfalls indirekt stabilisierend.
b) ökonomischen und sozialen,
Dies ist der Schwerpunkt der Organisation; der Beitrag zur wirtschaftlichen
Integration und Wirtschaftswachstum ist potenziell hoch zu veranschlagen.
c) menschenrechtspolitischen,
Auf die Antwort zu Frage 74c wird verwiesen.
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Umweltpolitik scheint derzeit noch keine prioritäre Rolle zu spielen.
76. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung den COMESA bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Die Bundesregierung unterstützt COMESA nur in geringem Umfang im
Rahmen von regionalen multilateralen Infrastruktur- und Handelsinitiativen, z. B.
Kapazitätsaufbau der regionalen Wirtschaftsgemeinschaften. Eine mögliche
Unterstützung der NSK-Initiative wird in Erwägung gezogen. Im Rahmen des
aus Mitteln der Bundesregierung geförderten AU-Grenzprogramms sind
erstmals seit 2009 auch Aktivitäten mit COMESA geplant. Der Botschafter der
Bundesrepublik Deutschland in Sambia ist auch bei COMESA akkreditiert und
nimmt in dieser Eigenschaft regelmäßig an politisch wichtigen Treffen (z. B.
Ministertreffen) in Lusaka teil. Die Deutsche Botschaft unterhält zum
COMESA-Generalsekretariat in Lusaka engen Kontakt und verfolgt die
Entwicklung und Fortschritte des regionalen Integrationsprozesses.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 31 – Drucksache 17/2833Afrikanische Union (AU)
77. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die AU mit den
Vereinten Nationen bzw. mit anderen regionalen Organisationen?
AU und VN unterhalten institutionalisierte Verbindungen: Bei den VN in New
York gibt es eine Ständige Beobachtermission der AU, die VN hat ein
Verbindungsbüro bei der AU in Addis Abeba, deren Aufgabe es ist, ein konstruktives
und produktives Verhältnis zwischen AU und VN-Institutionen zu garantieren.
Insbesondere VN-Sicherheitsrat und AU-Friedens- und Sicherheitsrat bemühen
sich, ihre Zusammenarbeit zu intensivieren. Sie stimmen sich z. B. zu
Konfliktprävention/-lösung, friedenserhaltenden Maßnahmen und
Friedenskonsolidierung, Erhaltung verfassungsmäßiger Ordnung, Rechtsstaatlichkeit sowie
Wahrung von Demokratie und Menschenrechten in Afrika ab und führen seit
2007 Konsultativtreffen durch, zuletzt im Juli 2010. Diese Treffen sollen in
Zukunft jährlich stattfinden.
Die Abteilung für Frieden und Sicherheit der AU-Kommission und die
Abteilung für friedenserhaltende Maßnahmen der VN haben einen gemeinsamen
Arbeitsplan zur Reform des Sicherheitssektors der AU ausgearbeitet, in den auch
die EU mit eingebunden werden soll. Am 31. Dezember 2007 wurde die AU-
Mission AMIS in Darfur/Sudan in eine gemeinsame VN-AU-Friedensmission
unter VN-Führung, UNAMID, gemäß Kapitel VII VN-Charta, überführt.
Das Mandat der AU umfasst auch die Koordinierung der Aktivitäten der
afrikanischen regionalen Wirtschaftsorganisationen (RECs), von denen sie lediglich
acht anerkennt:
– Gemeinschaft der Staaten des Sahel/Sahara (CEN-SAD, gegründet 4. Februar
1998, Sitz Tripolis),
– COMESA (gegründet 15. Dezember 1994, Sitz Lusaka),
– EAC (gegründet 22. Januar 1999, Sitz Arusha),
– ECCAS (gegründet 18. Oktober 1983, Sitz Libreville),
– ECOWAS (gegründet 28. Mai 1975, Sitz Abuja),
– IGAD (gegründet 21. März 1996, Sitz Dschibouti),
– SADC (gegründet 15. August 1992, Sitz Gaborone),
– UMA (gegründet 17. Februar 1989, Sitz Rabat).
Die Regionalorganisationen sollen eine zunehmend wichtige Rolle bei der
Mandatserfüllung der AU spielen. Dementsprechend unterzeichneten AU und
RECs am 27. und 28. Januar 2008 Vereinbarungen zur Intensivierung und
konkreten Ausgestaltung der Zusammenarbeit bzw. zur Kooperation im Bereich
Frieden und Sicherheit einschließlich der Afrikanischen Bereitschaftstruppe
(„African Standby Force“). Bremsend wirken hierbei Partikularinteressen, die
unterschiedlich ausgeprägte Effektivität der Regionalorganisation sowie sich
überschneidende Mitgliedschaften.
78. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die AU mit der
Europäischen Union?
Die afrikanischen Staaten (alle AU-Mitgliedstaaten sowie das Königreich
Marokko, welches nicht Mitglied der AU ist) und die EU sind eine strategische
Partnerschaft in Gestalt der Gemeinsamen Afrika-EU-Strategie (JAES)
eingegangen, welche auf dem 2. EU-Afrika-Gipfel im Dezember 2007 in Lissabon
verabschiedet wurde. Das Verhältnis der beiden Nachbarkontinente wird durch
diese Strategie auf eine neue Grundlage gestellt. Die durch die Strategie eta-
Drucksache 17/2833 – 32 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeblierte neue Partnerschaft geht über Entwicklungsaspekte, über die
Beschränkung auf den afrikanischen Kontinent und über Institutionen hinaus („beyond
development, beyond Africa, beyond institutions“). Sie soll auch die
unterschiedliche Behandlung Nordafrikas und Subsahara-Afrikas überwinden
(„Treating Africa as One“). Zur Umsetzung der Strategie auf konkreten Feldern
wurde zeitgleich der ebenfalls gemeinsam erarbeitete Aktionsplan
verabschiedet, der acht thematische Partnerschaften umfasst: Frieden und Sicherheit;
demokratische Staatsführung und Menschenrechte; Handel, regionale
Integration und Infrastruktur; Millenniums-Entwicklungsziele; Energie; Klimawandel;
Migration und Beschäftigung; Wissenschaft, Weltraum und
Informationsgesellschaft.
Die beiden Kommissionen arbeiten in den letzen Jahren eng zusammen; es
finden zweimal jährlich Treffen auf Arbeitsebene und einmal jährlich auf
Kommissarsebene statt. Die EU ist der größte institutionelle Förderer der AU bei
deren Kapazitätsaufbau.
Die EU unterhält auch institutionalisierte Verbindungen zur AU: Anfang 2008
wurde eine EU-Vertretung bei der AU in Addis Abeba eingerichtet. Im Fokus
ihrer Aufgaben steht neben den politischen Kontakten zur AU samt
außenpolitischer Abstimmung die Umsetzung des gemeinsamen Aktionsplans von Lissabon.
Die EU stellt erhebliche Finanzressourcen für die Zusammenarbeit mit der AU
aus EDF und der Afrikanischen Friedensfazilität der EU-Kommission bereit.
79. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die AU mit der
OSZE?
Zwischen AU und OSZE findet eine einzelfallbezogene Zusammenarbeit statt,
z. B. in Form von gegenseitigen Experteneinladungen zu Workshops über
Themen von gemeinsamem Interesse (z. B. Durchführung von Wahlen nach
demokratischen Standards). Die AU hat in den letzten Jahren an OSZE-Workshops
und 2009 an der Ministerratssitzung in Athen teilgenommen. Der OSZE-
Generalsekretär wird regelmäßig als Beobachter zu den Sitzungen des Exekutivrats
und zur Versammlung der AU eingeladen.
80. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der AU in Afrika insgesamt
in welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
Die AU agiert gemäß ihrem in der Gründungscharta formulierten Mandat, das
alle Bereiche des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenlebens
in Afrika umfasst, insbesondere die Förderung der wirtschaftlichen und
politischen Integration (panafrikanische Einheit), die Sicherung von Frieden und
Sicherheit, nachhaltige Entwicklung und die Beförderung von Demokratie,
Menschenrechten sowie Guter Regierungsführung. Die AU ist auch mandatiert, auf
globaler Ebene für Afrika zu sprechen, afrikanische Positionen zu formulieren
und in internationalen Gremien zu vertreten.
a) Sicherheitspolitik,
Die Afrikanische Friedens- und Sicherheitsarchitektur (APSA) ist wesentliches
und bisher am besten ausgebildetes Element der AU. Im Gegensatz zu ihrer
Vorgängerorganisation OAU verfügt die AU über stärkere Strukturen und
Kompetenzen in diesem Bereich, so z. B. über ein Interventionsrecht bei Verbrechen
gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Genozid. Der 2004
gegründete Friedens- und Sicherheitsrat (PSC) tagt kontinuierlich in Addis Abeba. Er
ist ein operatives Entscheidungsgremium mit weitreichenden Kompetenzen und
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 33 – Drucksache 17/2833kann z. B. Vermittlungsaktivitäten, Sanktionen gegenüber AU-Mitgliedstaaten,
friedenserhaltende oder auch Frieden erzwingende Maßnahmen beschließen.
Die Abteilung für Frieden und Sicherheit der AU-Kommission ist in der Regel
das ausführende Organ hierfür. Die ASF mit je einer Brigade in fünf
afrikanischen Regionen soll als Eingreiftruppe für akute Konfliktsituationen künftig
die militärischen, polizeilichen und zivilen Ressourcen für Friedenseinsätze
schnell und flexibel zur Verfügung stellen. Zur APSA zählt auch das
kontinentale (Krisen-)Frühwarnsystem (CEWS), dessen Implementierung gute
Fortschritte macht. 2007 wurde zudem der Rat der Weisen der AU eingesetzt,
welcher im Rahmen afrikanischer Mediationstradition einen Beitrag zur Schaffung
von Frieden, Stabilität und Sicherheit in Afrika leisten soll. Die AU unterhält die
Friedensmission der Afrikanischen Union in Somalia (AMISOM) und
zusammen mit den VN in Darfur (UNAMID). Davor gab es Einsätze u. a. in Burundi,
in Liberia, auf der Union der Komoren und in Sierra Leone. Problematisch
bleiben weiterhin die unzureichenden Mittel, um Friedensmissionen dauerhaft zu
finanzieren sowie unzureichende Kapazitäten in militärischen, polizeilichen
und logistischen Bereichen.
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
Die sozio-ökonomische Integration ist ein zentrales Anliegen der AU, um
insbesondere den intra-afrikanischen Handel zu stärken. Mit der NEPAD verfügt
die AU über ein integriertes sozio-ökonomisches Entwicklungsprogramm. In
diesem Kontext unterstützt die AU das umfassende landwirtschaftliche
Entwicklungsprogramm für Afrika (CAADP). Ein neues Programm zur
Entwicklung panafrikanischer und regionaler Infrastruktur (PIDA) wird derzeit
erarbeitet. Im Bereich der regionalen Integration soll die Integration durch das
„Mindestintegrationsprogramm“ (MIP) der AU vorangetrieben werden. Die AU ist
ferner bemüht, neben klassischen Entwicklungsthemen auch neue,
zukunftsweisende Bereiche auf ihre Agenda zu setzen, etwa mit dem Aufbau einer
panafrikanischen Netzwerkuniversität und indem sie die Rolle der Informations-
und Kommunikationstechnologie zum Leitmotiv des AU-Gipfels im Januar
2010 erklärte.
c) Menschenrechtspolitik,
Bereits die AU-Gründungsakte aus dem Jahr 2000 formuliert anspruchsvolle
Ziele bezüglich der Verbesserung der Regierungsführung in Afrika. Zur
Bestätigung des Bestrebens, Regierungshandeln in Afrika zu verbessern und vor
allem die Rechtmäßigkeit von Regierungen und Regierungswechseln genauer zu
definieren, wurde von der AU-Kommission eine Afrikanische Charta zu
Demokratie, Wahlen und Regierungsführung ausgearbeitet und auf dem AU-Gipfel
im Januar 2007 verabschiedet. Die AU bekennt sich zu dem Grundsatz,
verfassungswidrig an die Macht gekommene Regime zu ächten und mit Sanktionen
zu belegen. So sind zur Zeit die AU-Mitgliedschaftsrechte von Niger, Guinea
und Madagaskar suspendiert. Im September 2007 nahm der Afrikanische
Gerichtshof für Menschen- und Völkerrechte seinen Sitz in Arusha/Vereinigte
Republik Tansania. Seine Aufgabe besteht darin, die Einhaltung der
Menschenrechte auf dem afrikanischen Kontinent zu überwachen und damit die
Afrikanische Kommission für Menschen- und Völkerrechte zu ergänzen.
d) Umweltpolitik?
Mit Unterstützung der AU konnten afrikanische Interessen erstmals gemeinsam
auch auf dem Umweltgipfel in Kopenhagen im Dezember 2009 erfolgreich
durch den äthiopischen Premierminister Meles Zenawi als Sprecher des
„Ausschusses der Zehn“ vertreten werden. Die AU hat 2008 auf dem AU-Gipfel in
Drucksache 17/2833 – 34 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeSharm el-Sheikh eine eigene Wasser-Agenda verabschiedet. Umweltthemen
bilden zudem den Schwerpunkt von zwei der fünf Fachbereiche der geplanten
Panafrikanischen Universität der AU: Wasser, (erneuerbare) Energie und
Klimawandel und Weltraumwissenschaften – im Sinne einer Nutzung von
Weltraumtechnik zur Vorhersage von Naturkatastrophen und Beurteilung der Folgen
des Klimawandels.
81. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der AU zur
Regelung von
Das politische Potenzial der AU zur Erarbeitung von Lösungen für die
drängendsten Probleme Afrikas hängt wesentlich von den institutionellen
Kapazitäten der AU-Kommission und dem politischen Willen der AU-Mitgliedstaaten
ab, gemeinsam getroffene Entscheidungen auch zu implementieren. Nach
Einschätzung der Bundesregierung streben die AU-Mitgliedstaaten danach, Afrika
mit einer Stimme sprechen zu lassen. Ob dies in der Praxis auch tatsächlich und
in allen Bereichen gelingt, wird auch entscheidend von der Bereitschaft
abhängen, nationale Kompetenzen schrittweise an die AU abzugeben und diese auch
finanziell angemessen auszustatten. Die Entwicklung der AU wird einerseits
durch die Vision eines vereinten Afrikas und gemeinsamer Interessen
vorangetrieben, andererseits durch knappe Ressourcen, unzureichende Kapazitäten und
schwache Strukturen behindert. Angesichts stark divergierender Interessen
sowie des unterschiedlichen Entwicklungsstands der 53 Mitgliedstaaten ist kein
sprunghafter Fortschritt zu erwarten. Trotzdem spielt die AU inzwischen eine
wesentliche und unverzichtbare Rolle sowohl in Afrika als auch global.
Zunehmend gelingt es ihr, bei der Beilegung von Krisen und Konflikten eine führende
und konstruktive Rolle zu spielen. Auch konzentriert sie sich zunehmend auf
die Bewältigung der drängenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme des
Kontinents. Die AU hat sich mittlerweile als wichtigster institutioneller Motor
der politischen und wirtschaftlichen Integration Afrikas etabliert. Die
Bundesregierung schätzt das politische Potenzial der AU daher insgesamt als hoch ein.
a) sicherheitspolitischen,
2010 ist für die AU das Jahr für „Frieden und Sicherheit“. Dies dokumentiert
sich auch in der Entschlossenheit der AU, in eigener Verantwortung eine
Lösung zu der Vielzahl von Krisen und Konflikten (Somalia, Darfur/Sudan,
Tschad-Sudan, Horn von Afrika, Region der Großen Seen, Guinea-Bissau,
Guinea, Madagaskar, Côte d’Ivoire, Liberia, Zentral-afrikanische Republik,
Komoren und West-Sahara) auf dem Kontinent zu finden. Dabei waren sichtbare
Fortschritte beim Aufbau der entsprechenden politischen Strukturen
(internationale Kontaktgruppen, AU-Missionen) zu verzeichnen. Demgegenüber gibt
es nach wie vor Probleme bei der Finanzierung und Bereitstellung
ausgebildeter Truppen für Friedensmissionen. Die ursprünglich für 2010 geplante volle
Einsatzbereitschaft aller fünf Bereitschaftsbrigaden ist derzeit nicht absehbar.
Die vorhersehbare, nachhaltige und flexible Sicherung der Finanzierung von
friedenserhaltenden Maßnahmen sowie der Kapazitätsaufbau bleiben
Herausforderungen für die Implementierung der APSA im Rahmen der AU.
b) ökonomischen und sozialen,
AU-Programme wie CAADP, MIP und in Zukunft auch PIDA erscheinen
geeignet, Fortschritte bei der Bewältigung der ökonomischen und sozialen
Probleme auf dem afrikanischen Kontinent zu erbringen. Auf die Antwort zu
Frage 80 wird verwiesen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 35 – Drucksache 17/2833c) menschenrechtspolitischen,
Das Bekenntnis der AU zur Achtung der Menschenrechte, die Ächtung von
verfassungswidrigen Regierungswechseln, der fortschreitende Aufbau einer
afrikanischen Governance-Architektur (u. a. zu Wahlen, guter
Regierungsführung, Menschenrechten) sowie die Schaffung eines institutionellen Systems des
Menschenrechtsschutzes im Rahmen der AU sind ein wichtiger Schritt,
Probleme im Menschenrechtsbereich konsequent anzugehen, auch wenn hier noch
Nachholbedarf besteht.
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Es gelingt der AU mit zunehmendem Erfolg, die Außenvertretung afrikanischer
Interessen (z. B. Umweltgipfel November 2009 in Kopenhagen) mit einer
Stimme voran zu bringen.
82. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die AU bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Die Beziehungen Deutschlands zur AU können als sehr gut bewertet werden.
Inzwischen finden Regierungsverhandlungen und politische Konsultationen
mit der AU statt. Die Bundesregierung unterstützt die AU durch ein breit
angelegtes Programm. Die deutschen Beiträge in den Bereichen Frieden und
Sicherheit, Demokratie und gute Regierungs-führung, Infrastruktur und Wasser sowie
zum Kapazitätsaufbau finden seitens der AU und ihrer Mitgliedstaaten eine
hohe Wertschätzung.
Die APSA steht im Zentrum der deutschen Kooperation mit der AU zur
Stärkung von Frieden und Sicherheit in Afrika. Wichtige Aktivitäten betreffen
aktuell den Bau eines Gebäudes für die Abteilung für Frieden und Sicherheit der
AU-Kommission, die Unter-stützung des Aufbaus der Polizeikomponente der
ASF und die Unterstützung des Grenz-programms der AU. Letzteres dient der
Vereinbarung und Markierung der weitestgehend nicht gekennzeichneten
afrikanischen Grenzen. Es soll klassischen Konflikten die Basis entziehen und so
die Voraussetzung für anschließende grenzüberschreitende Zusammenarbeit
schaffen.
Der Bau eines Gebäudes für das „Peace and Security Department“ der AU-
Kommission wird die Effizienz der Arbeit der Abteilung für Frieden und
Sicherheit der AU-Kommission durch moderne Arbeitsbedingungen und
Unterbringung aller Mitarbeiter des rasant gewachsenen Kommissionsbereichs unter
einem Dach spürbar steigern. Der Bau beginnt im Sommer 2010 und soll 2012
fertiggestellt werden.
Die Kernbereiche der deutschen entwicklungspolitischen Unterstützung im
Kontext der APSA sind: (1) der Aufbau der Afrikanischen Eingreiftruppe
(polizeiliche und zivile Komponenten), (2) der Aufbau und die Operationalisierung
von Konfliktfrühwarnsystemen (AU, IGAD und ECOWAS) sowie (3) der
Aufbau von Mediationsstrukturen (AU, IGAD, ECOWAS und SADC). Die
Beratungsaktivitäten tragen ferner zur Stärkung der Fach- und
Managementkapazität bei AU und Regionalorganisationen bei. Deutschland unterstützt zudem die
Durchführung des „Afrikanischen Jahrs für Frieden und Sicherheit 2010“.
Das gesamte deutsche Unterstützungsportfolio für die AU umfasst derzeit
Vorhaben im Wert von rund 60 Mio. Euro, davon 30 Mio. Euro allein für den
aktuellen Zeitraum 2009 bis 2011.
Drucksache 17/2833 – 36 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeAfrikanische Friedens- und Sicherheitsarchitektur (APSA)
83. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die APSA mit
den Vereinten Nationen bzw. mit anderen regionalen Organisationen?
Bei der APSA handelt es sich nicht um eine eigene Regionalorganisation,
sondern um das von der AU betriebene Projekt eines aus verschiedenen
Komponenten bestehenden panafrikanischen Sicherheitsnetzwerks. Es wird für die
Fragen 83 bis 88 deshalb auf die Antworten zu den Fragen 77 bis 82 verwiesen.
84. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die APSA mit
der Europäischen Union?
85. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die APSA mit
der OSZE?
86. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der APSA in Afrika
insgesamt in welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
c) Menschenrechtspolitik,
d) Umweltpolitik?
87. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der APSA zur
Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
88. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die APSA bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Asien
Südostasien
89. Welche sicherheitspolitischen Herausforderungen bestehen in der Region
Südostasien?
Die sicherheitspolitische Lage in Südostasien wird sowohl von
zwischenstaatlichen als auch von innerstaatlichen bzw. transnationalen Konfliktpotenzialen
geprägt. Ein Grund hierfür ist die in unterschiedlichem Ausmaß anzutreffende
Stärke staatlicher Ordnungen.
Traditionelle sicherheitspolitische Herausforderungen sind strittige
Grenzfragen der ASEAN-Mitgliedstaaten untereinander wie auch gegenüber der
Volksrepublik China. Hinzu kommen nicht-traditionelle sicherheitspolitische
Herausforderungen durch Piraterie in den geostrategisch wichtigen Meerengen und
durch islamistischen Terrorismus bzw. Gewalt in der Republik Indonesien, auf
Mindanao/Republik der Philippinen sowie im Süden des Königreichs Thailand.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 37 – Drucksache 17/283390. Welche ökonomischen und sozialen Probleme mit transnationalem Bezug
bestehen in Südostasien?
Es bestehen durch Arbeitsmigration bedingte soziale und wirtschaftliche
Probleme in einer Reihe von Ländern: Gastarbeiter aus Indonesien in Malaysia wie
– häufig illegale, aber geduldete – Migranten und Migrantinnen aus der Union
Myanmar in Thailand empfinden sich häufig als weitgehend recht- und
schutzlos. Dies führt immer wieder auch zu Spannungen zwischen den betroffenen
Ländern. Zudem gibt es immer wieder, teils aus politischer Verfolgung, teils
wirtschaftlich motivierte grenzüberschreitende Flüchtlingsbewegungen in der
Region, so vor allem aus Myanmar und Laos nach Thailand und aus Myanmar
nach China. Dies führt in den Aufnahmeländern zu ökonomischen und sozialen
Friktionen mit der einheimischen Bevölkerung.
91. Welche menschenrechtlichen Probleme bestehen in Südostasien?
In Myanmar gibt es in allen Bereichen gravierende Verletzungen der
Menschenrechte. Daneben gibt es in den ASEAN-Mitgliedstaaten in
unterschiedlicher Ausprägung Menschenrechtsprobleme in den Bereichen von ethnischen
Minderheiten, bei Flüchtlingen, und in Zusammenhang mit Menschenhandel,
Religions-, Meinungs- und Informationsfreiheit. Im Übrigen wird auf den
aktuellen Menschenrechtsbericht der Bundesregierung verwiesen.
92. Welche umweltpolitischen Probleme mit transnationalem Bezug bestehen
in Südostasien?
Es gibt wetterabhängig in der Region saisonal regelmäßig auftretende massive
Verschlechterungen der Luftqualität („Haze“) durch weitflächige
Brandrodungen, insbesondere in Indonesien. Großflächiger Palmölanbau führt in Malaysia
und Indonesien zum Verlust von Regenwald mit den bekannten ökologischen
Folgen. Zudem führt die Brandrodung von Torfwäldern in Indonesien zu
vermehrter Freisetzung von CO2 in die Atmosphäre. Hinzu kommen schwache
Umwelt- und Klimapolitik wie Bodenerosion, Biodiversitätsverlust und Grund-
und Trinkwasserverschmutzung mit zum Teil grenzüberschreitenden negativen
Folgen für die Umwelt.
93. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die Association
of Southeast Asian Nations (ASEAN) mit den Vereinten Nationen bzw.
mit anderen regionalen Organisationen?
Seit 1977 ist UNDP ein Dialogpartner ASEANs. UNDP hat den
Integrationsprozess ASEANs durch Technische Zusammenarbeit unterstützt. Darüber
hinaus kooperiert ASEAN in verschiedenen Bereichen mit den VN, wie z. B.
durch VN-ASEAN-Konferenzen zu Präventiver Diplomatie sowie
Gipfelbegegnungen. 2006 wurde ASEAN Beobachter in der Generalversammlung der
Vereinten Nationen; 2007 bekräftigten ASEAN und die VN ihre
Zusammenarbeit in einer gemeinsamen Absichtserklärung (MoU).
Zu den regionalen Organisationen, zu denen ASEAN Kontakte
unterschiedlicher Intensität geknüpft hat, gehören u. a. die SCO (MoU 2005), der Golf-
Kooperationsrat, Mercosur und SADC.
Drucksache 17/2833 – 38 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode94. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die ASEAN
mit der Europäischen Union?
Die Beziehungen zur EU reichen bis in die 1970er-Jahre zurück. 1980 schlossen
die Mitgliedstaaten ASEANs mit der Europäischen Gemeinschaft ein
Kooperationsabkommen. Die EU hat seither, neben der bilateralen Zusammenarbeit
mit einzelnen ASEAN-Mitgliedstaaten, über 250 Mio. Euro zur Förderung der
Integration innerhalb der ASEAN in verschiedenen Bereichen bereitgestellt.
Von 2005 bis 2006 fand die sehr erfolgreiche erste zivile Mission der
Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) in Asien gemeinsam mit
einigen ASEAN-Mitgliedern statt, die „Aceh Monitoring Mission (AMM)“,
eine Beobachtermission zur Einhaltung des Waffenstillstands in Aceh,
Indonesien. Die „Nürnberger Erklärung“ vom 15. März 2007 hat einen wichtigen
Impuls für die Intensivierung und Verbreiterung der Zusammenarbeit der beiden
Organisationen gegeben, da erstmals auch die politische und
sicherheitspolitische Zusammenarbeit in einer Rahmenerklärung vereinbart wurden. Zur
Umsetzung der verabredeten Ziele wurde ein Aktionsplan für den Zeitraum
2007 bis 2012 verabschiedet. Zwischen ASEAN und der EU, die einer der
Dialogpartner ASEANs ist, finden regelmäßige Treffen u. a. auf
Außenministerebene statt.
95. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die ASEAN
mit der OSZE?
Unter den asiatischen Kooperationspartnern der OSZE ist Thailand seit 2000
der einzige ASEAN-Mitgliedstaat. Thailand und die OSZE haben gemeinsam
Konferenzen veranstaltet, die bei anderen ASEAN-Staaten auf Interesse stießen
(2002 zur Menschlichen Dimension von Sicherheit; 2005 zur Kooperation
gegen Menschenhandel; 2006 zu Neuen Sicherheitsherausforderungen). ASEAN
wird regelmäßig zu den OSZE-Ministerräten eingeladen und nahm zuletzt 2002
in Porto daran teil. Der thailändische ASEAN-Vorsitz (Juli 2008 bis Dezember
2009) hat sich aktiv für die Zusammenarbeit von OSZE und dem ARF
eingesetzt. Auf die Antwort zu Frage 107 wird verwiesen.
96. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der ASEAN in Südostasien
in welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
Die ASEAN-Mitgliedstaaten haben in den letzten Jahren ihre Bemühungen um
regionale Integration intensiviert. Die ASEAN-Charta, die ASEAN
Rechtspersönlichkeit verleiht und die Grundregeln für die weitere Zusammenarbeit
ASEANs enthält, wurde am 20. November 2007 unterzeichnet und trat zum
15. Dezember 2008 in Kraft. Am 1. März 2009 verabschiedeten die ASEAN
Staats- und Regierungschefs einen Fahrplan, die sogenannte „Roadmap for an
ASEAN Community“ bis 2015. Der Fahrplan enthält die Baupläne, sogenannte
„blueprints“, für die drei Pfeiler der Zusammenarbeit ASEANs, nämlich für
eine Politische Sicherheitsgemeinschaft (APSC), eine Wirtschaftsgemeinschaft
(AEC) und eine Gesellschaftlich kulturelle Gemeinschaft (ASCC).
a) Sicherheitspolitik,
Bereits 1971 unterzeichneten die ASEAN-Staaten in Kuala Lumpur eine
Erklärung über die Einrichtung einer Zone des Friedens, der Freiheit und
Neutralität (ZOPFAN). 1976 folgte der Vertrag über Freundschaft und
Zusammenarbeit in Südostasien (TAC), in dem sich die Vertragsstaaten u. a. zur friedlichen
Konfliktregelung verpflichten. Dem TAC gehören heute 28 Staaten an. 1995
unterzeichneten die ASEAN-Staaten den Vertrag über eine Atomwaffenfreie
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 39 – Drucksache 17/2833Zone in Südostasien (SEANWFZ). Zusammen mit seinen Dialogpartnern und
weiteren Staaten der Region, gründete ASEAN 1994 das ARF. Die
Verteidigungsminister ASEANs treffen sich regelmäßig seit 2006. Im Herbst 2010 soll
ein neues sicherheitspolitisches Forum ins Leben gerufen werden, in dem sich
die ASEAN- Verteidigungsminister mit ihren Kollegen aus acht
Dialogpartnerländern treffen.
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
Die wirtschaftliche Zusammenarbeit stand von Anfang an im Zentrum der
Kooperation der ASEAN-Staaten. Die Integration in diesem Bereich ist heute am
weitesten fortgeschritten, die ASEAN-Freihandelszone (AFTA), die 1992
beschlossen wurde, ist heute weitgehend etabliert. Bis 2015 strebt ASEAN eine
Wirtschaftsgemeinschaft an, mit der ein einheitlicher Markt für Güter,
Dienstleistungen, Investitionen, qualifizierte Arbeitskräfte und freieren Kapitalfluss
geschaffen werden soll.
c) Menschenrechtspolitik,
Aufbauend auf der ASEAN-Charta haben die ASEAN-Staaten am 23. Oktober
2009 bei ihrem 15. Gipfel in Cha-am/Hua Hin (Thailand) eine regionale
ASEAN-Menschenrechtskommission (AICHR) gegründet. Sie dient der
regionalen Kooperation und soll die Menschen- und Grundrechte in den
Mitgliedstaaten ASEANs fördern und schützen. Zu ihren Aufgaben gehört u. a. die
Erarbeitung einer Menschenrechtserklärung für ASEAN und die Werbung für
den Beitritt der ASEAN-Mitgliedstaaten zu internationalen
Menschenrechtsinstrumenten und deren Umsetzung. Am 7. April 2010 wurde die ASEAN-
Kommission zur Förderung und zum Schutz der Rechte von Frauen und
Kindern (ACWC) gegründet.
d) Umweltpolitik?
Umweltpolitik ist bei ASEAN im dritten Pfeiler, der „Gesellschaftlich
kulturellen Gemeinschaft“ verortet. Da ASEAN aufgrund seiner langen Küstenlinien
von den Auswirkungen des Klimawandels stark betroffen ist und es sich
außerdem der Gefährdung seiner reichhaltigen natürlichen Ressourcen bewusst ist,
spielt die Umwelt- und Klimapolitik eine wichtige Rolle. Formelle Treffen der
Umweltminister finden seit 1981 etwa alle 3 Jahre statt, darüber hinaus gibt es
seit 1994 jährlich informelle Treffen. Fachgremien sorgen für die Umsetzung
der politischen Richtlinien. u. a. durch die ASEAN-Gipfelerklärung zu Umwelt
und Nachhaltigkeit (2007) sowie durch eine gemeinsame Erklärung zum
Klimawandel vor der 15. Vertragsstaatenkonferenz des
Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) in
Kopenhagen im Dezember 2009 hat ASEAN seine Positionen international
verdeutlicht. ASEAN ist ein wichtiger Partner für bilaterale und EU-Umweltprojekte.
97. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der ASEAN zur
Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
Der umfassende ASEAN-Integrationsprozess hat ein hohes
sicherheitspolitisches Potenzial, insbesondere durch die Entwicklung der APSC. Gleichwohl
sollte nicht unterschätzt werden, dass die ASEAN-Staaten weiterhin sehr
heterogen und verschiedene territoriale Konflikte noch nicht endgültig gelöst sind.
Drucksache 17/2833 – 40 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeb) ökonomischen und sozialen,
Auf die Antwort zu Frage 96b wird verwiesen.
c) menschenrechtspolitischen,
Die Gründung der AICHR hat gezeigt, dass ASEAN auch ein hohes
menschenrechts-politisches Potenzial besitzt. Es wird dabei jedoch vor allem darauf
ankommen, dass AICHR die Förderung der Menschenrechte nicht nur
deklaratorisch unterstützt, sondern sich zu einem Organ entwickelt, das einen konkreten
Beitrag zur Gewährung und zum Schutz der Menschenrechte in der Region
leisten kann.
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Das Potenzial ASEANs für die Lösung umweltpolitischer Probleme wird
positiv eingeschätzt. Auf die Antwort zu Frage 96d wird verwiesen.
98. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die ASEAN bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Die Bundesregierung unterstützt ASEAN in seinen Integrationsbemühungen
und bei der Regelung von politischen Herausforderungen durch verschiedene
Aktivitäten. Das Auswärtige Amt fördert z. B. seit 2008 ein Projekt zur
institutionellen Stärkung des ASEAN-Sekretariats (Stärkung der Verwaltung,
Entwicklung des gemeinsamen Wettbewerbsrechts, Verbesserung der Sichtbarkeit
ASEANs in den ASEAN-Staaten). Das Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt ASEAN vor allen
Dingen in den Bereichen Umwelt und regionale Integration. Seit 2005 hat das
BMZ ASEAN bei der Definition gemeinschaftlicher Politik und der
Implementierung von Projekten z. B. in den Themenfeldern Luftreinhaltung,
Klimaschutz, Wasserkraft, Waldschutz und Harmonisierung des Wettbewerbsrechts
mit einem Mittelvolumen von 19,8 Mio. Euro unterstützt. Die damit
unterstützte Verbesserung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit sowie die
Kooperation zur Lösung grenzüberschreitender Umweltherausforderungen fördern
Frieden und Sicherheit in der ASEAN-Region.
99. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die ASEAN
Political-Security Community (APSC) mit den Vereinten Nationen bzw.
mit anderen regionalen Organisationen?
100. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die APSC mit
der Europäischen Union?
101. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die APSC mit
der OSZE?
102. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der APSC in Südostasien
in welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 41 – Drucksache 17/2833c) Menschenrechtspolitik,
d) Umweltpolitik?
103. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der APSC zur
Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
104. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die APSC bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
105. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert das ASEAN
Regional Forum (ARF) mit den Vereinten Nationen bzw. mit anderen
regionalen Organisationen?
Das ARF ist ein teilweise institutionalisiertes sicherheitspolitisches
Dialogforum mit heute 27 Mitgliedern, das auf Initiative ASEANs erstmals 1994 in
Bangkok zusammentrat.
Zwischen ARF und den VN bzw. anderen regionalen Organisationen gibt es
keine institutionalisierte Zusammenarbeit.
106. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert das ARF mit
der Europäischen Union?
Die EU ist Mitglied des ARF und nimmt als solches aktiv an den Treffen auf
allen Ebenen teil.
107. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert das ARF mit
der OSZE?
Unter den 27 ARF-Mitgliedern befinden sich drei OSZE-Teilnehmerstaaten
(Kanada, Russland und Vereinigte Staaten von Amerika), vier asiatische
OSZE-Kooperationspartner (Japan, Republik Korea, Mongolei, Thailand)
sowie der OSZE-Kooperationspartner Australien. Außerdem nimmt die EU,
deren Mitgliedstaaten alle der OSZE angehören, am ARF teil. Zwischen ARF
und OSZE bestehen seit 1999 informelle Kontakte, hauptsächlich in Form der
wechselseitigen Teilnahme an Veranstaltungen. Darüber hinaus haben Thailand
und Japan als OSZE-Kooperationspartner gemeinsame Seminare organisiert.
Von besonderem Interesse für das ARF sind Erfahrungen im OSZE-Raum mit
vertrauensbildenden Maßnahmen.
108. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit des ARF in Südostasien
in welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
Angesichts des ausgedehnten Teilnehmerkreises geht die Reichweite des ARF
weit über Südostasien hinaus. Praktische Ergebnisse der Arbeit dieses
Dialogforums für Asien sind überwiegend im Bereich der vertrauensbildenden
Maßnahmen festzustellen.
Drucksache 17/2833 – 42 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeb) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
c) Menschenrechtspolitik,
d) Umweltpolitik?
Die Arbeit des ARF in Südostasien kann nach Kenntnis der Bundesregierung
keine nennenswerten Ergebnisse vorzeigen.
109. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial des ARF zur
Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
Für die Bundesregierung ist das Potenzial des ARF im Sicherheitsbereich von
Bedeutung. Sie ermutigt daher die EU zu hochrangiger Teilnahme am ARF und
leistet selbst Beiträge. Auf die Antwort zu Frage 110 wird verwiesen.
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Nach Erkenntnissen der Bundesregierung besteht derzeit nicht der politische
Wille, in diesen Bereichen Wirkung zu entfalten.
110. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung das ARF bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Deutschland nimmt im Rahmen des ARF für die EU die informelle Funktion
eines Koordinators für die Themen Vertrauens- und Sicherheitsbildende
Maßnahmen und Kleinwaffen und leichte Waffen wahr. In dieser Funktion fördert
und veranstaltet die Bundesregierung regelmäßig themenbezogene
Veranstaltungen, so zum Beispiel 2008 zu vertrauensbildenden Maßnahmen und
präventiver Diplomatie sowie zur Universalisierung des Ottawa-Übereinkommens
über die globale Ächtung von Antipersonenminen und 2009 zu Fragen der
Lagerverwaltung von Kleinwaffen und Munition.
Südasien
111. Welche sicherheitspolitischen Herausforderungen bestehen in der
Region Südasien?
Die zentralen sicherheitspolitischen Herausforderungen in der Region Südasien
sind der Konflikt in der Islamischen Republik Afghanistan sowie das
angespannte Verhältnis zwischen den Atommächten Republik Indien und
Islamische Republik Pakistan. Darüber hinaus haben politische Instabilitäten,
Kontroversen hinsichtlich Grenzverläufen, ethnische Spannungen, nationaler
und internationaler Terrorismus im Zusammenhang mit totalitären Ideologien
(hier insbesondere extremistische muslimische Gruppierungen, aber auch
Hindu-Nationalisten) und erhebliche Defizite bei Entwicklung und Bildung
unmittelbaren Einfluss auf die sicherheitspolitische Lage. Weitere wichtige
Faktoren sind der einsetzende Klimawandel und der Zugang zu natürlichen,
lebenswichtigen Ressourcen, wie z. B. Wasser. In diesem sicherheitspolitischen Span-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 43 – Drucksache 17/2833nungsfeld Südasiens kommt Indien als einzigem demokratischen
Schwellenland in der Region eine besondere Bedeutung und Verantwortung zu.
112. Welche ökonomischen und sozialen Probleme mit transnationalem
Bezug bestehen in Südasien?
In den Ländern Südasiens ist auf breiter Basis eine gesellschaftliche
Benachteiligung der „Dalits“ (Unberührbare) festzustellen. Armut und ungerechte
Ressourcenverteilung sind dabei die Ursache für die zunehmende Verschlechterung
der Lebensbedingungen für diese Bevölkerungsgruppe. Flüchtlingsströme in
Grenzregionen bergen zusätzliches Konfliktpotenzial und verstärken dort die
wirtschaftlichen und sozialen Spannungen. Auch werden die
Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) nicht durchgängig beachtet,
Kinderarbeit bleibt vielerorts ein Problem. Zunehmender Druck der
Verbraucher in den Zielländern der Exporte aus Südasien führt zu verstärkter
Sensibilisierung bezüglich der Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards und der
Herausbildung von Konzepten der Unternehmerischen Sozialverantwortung
(CSR).
113. Welche menschenrechtlichen Probleme bestehen in Südasien?
In den Ländern Südasiens werden häufig Menschenrechtsverletzungen
registriert, die ihre Ursachen in religiösen, ethnischen oder politisch-radikalen
Auseinandersetzungen haben können. Menschenrechte sind insbesondere dort in
Gefahr, wo Armut und Unterentwicklung sie als untergeordnetes Ziel
gegenüber der Sicherung eines minimalen Lebensstandards für Einzelne oder
Gruppen erscheinen lassen. Im Übrigen wird auf den aktuellen
Menschenrechtsbericht der Bundesregierung verwiesen.
114. Welche umweltpolitischen Probleme mit transnationalem Bezug
bestehen in Südasien?
Der einsetzende Klimawandel wird auch in Südasien zunehmend spürbar.
Natürliche Ressourcen werden übernutzt. Die Umsetzung von Umweltpolitik
hat in Südasien – im Gegensatz z. B. zur Armutsbekämpfung – keine Priorität
und bleibt weit hinter allgemeinen Standards zurück. Gleichwohl sind die
Staaten Südasiens sensibilisiert und beteiligen sich an den entsprechenden
Initiativen und Aktionen im Rahmen der VN. Insbesondere im Bereich der
Internationalen Klimaverhandlungen sind einige der Länder sehr aktiv. Auch gibt es
z. B. mit dem Internationalen Zentrum für integrierte Gebirgsentwicklung
(ICIMOD) von den Ländern in der Region getragene transnationale Ansätze
zur Bearbeitung grenzüberschreitender Herausforderungen im Himalaya-
Gebiet. Ein negativer transnationaler Bezug ist im umweltpolitischen Bereich
derzeit nicht festzustellen; aufgrund des Klimawandels könnte es mittelfristig
im Bereich der Küstenregionen und insbesondere in der Volksrepublik
Bangladesch zu Migrationsbewegungen mit Auswirkungen auf die Region kommen.
Drucksache 17/2833 – 44 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode115. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die South
Asian Association for Regional Cooperation (SAARC) mit den
Vereinten Nationen bzw. mit anderen regionalen Organisationen?
SAARC hat seit 2004 Beobachterstatus bei den VN, unterhält aber keine
Beobachtermission in New York. Der Zusammenschluss unterhält Kontakte u. a. zu
verschiedenen Unterorganisationen und Programmen der VN. Die
Bundesregierung verfügt nicht über Kenntnisse zur Zusammenarbeit von SAARC mit
regionalen Organisationen. Die einzelnen SAARC-Mitglieder arbeiten jedoch
in anderen Regionalorganisationen (z. B. Technische und wirtschaftliche
Kooperation der Länder am Golf von Bengalen, BIMSTEC) mit.
116. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die SAARC
mit der Europäischen Union?
Die EU ist seit 2007 Beobachter bei SAARC. Sie hat an den SAARC-
Gipfeltreffen in Neu Delhi (2007), Colombo (2008) und Thimphu (2010)
teilgenommen. 1996 unterzeichneten die EU und SAARC eine Absichtserklärung zur
Förderung des Informationsaustausches, der Schulung von Personal und
technischer Hilfe. Zur Zeit ist ein EU-Förderprogramm für die Zivilluftfahrt in Höhe
von 5,2 Mio. Euro in Vorbereitung.
117. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die SAARC
mit der OSZE?
Der SAARC-Mitgliedstaat Afghanistan ist seit 2003 einer der fünf asiatischen
Kooperationspartner der OSZE. Darüber hinaus sind der Bundesregierung
keine Kontakte zwischen SAARC und OSZE bekannt.
118. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der SAARC in Südasien
in welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
SAARC hat mehrere Konventionen zur Zusammenarbeit im Bereich nicht-
traditioneller Sicherheitsrisiken, wie z. B. der Bekämpfung von Terrorismus
(1987), Drogenhandel (1990) sowie Frauen- und Kinderhandel (2002)
aufgelegt. Von Bedeutung ist ferner die Zusammenarbeit zur Ernährungssicherung
(Vereinbarung zur Einrichtung einer „SAARC Food Bank“ 2007) sowie die
SAARC-Zusammenarbeit bei der Katastrophenvorbeugung und -bewältigung.
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
Das SAARC-Präferenzabkommen (SAPTA) von 1993 war der erste Schritt zur
Integration des südasiatischen Wirtschaftsraums. Ihm folgte 2004 das SAARC-
Freihandelsabkommen über die Südasiatische Freihandelszone (SAFTA), das
am 1. Januar 2006 in Kraft trat und bis 2016 umgesetzt werden soll. 2010
wurde anlässlich des 16. SAARC-Gipfels in Thimphu/Bhutan ein Abkommen
zur Liberalisierung des Dienstleistungsverkehrs unterzeichnet.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 45 – Drucksache 17/2833c) Menschenrechtspolitik,
Menschenrechtspolitik spielt in SAARC bisher keine herausragende Rolle. Zu
den praktischen Ergebnissen gehören u. a. die SAARC-Konvention zur
Verhütung und Bekämpfung von Frauen- und Kinderhandel zum Zwecke der
Prostitution und die SAARC-Konvention zur Förderung des Kindeswohls, jeweils
vom 5. Januar 2002.
d) Umweltpolitik?
Der 16. SAARC-Gipfel in Thimphu im April 2010 verabschiedete eine
Erklärung zum Klimawandel („Thimphu Statement on Climate Change“), die
verschiedene gemeinsame Initiativen, u. a. zu den Auswirkungen des
Klimawandels in Bergregionen, zum Monsun und zu Naturkatastrophen, die auf den
Klimawandel zurückzuführen sind, vorsieht. Darüber hinaus wurde ein
Übereinkommen zur Umweltzusammenarbeit unterzeichnet.
119. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der SAARC
zur Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
SAARC ist grundsätzlich geeignet, um durch regionale Integration Frieden und
Stabilität in der Region Südasien zu fördern, bleibt aber bisher hinter seinem
Potenzial zurück. Die SAARC-Charta von 1985 verbietet explizit die
Diskussion von bilateralen und strittigen Themen.
b) ökonomischen und sozialen,
Die Bemühungen zur Schaffung einer südasiatischen Freihandelszone bis 2016
verdeutlichen das substantielle Potenzial von SAARC im wirtschaftlichen und
sozialen Bereich.
c) menschenrechtspolitischen,
Menschenrechtspolitik gehört bisher nicht zu den Prioritäten SAARCs.
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Die Bedeutung der Klimaschutzpolitik bei den SAARC-Gipfeltreffen hat
zugenommen. Die Notwendigkeit von Klimaschutzpolitik ist unter den SAARC-
Mitgliedsländern kaum strittig. Eine zunehmende Nutzung des
umweltpolitischen Potenzials von SAARC ist wahrscheinlich.
120. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die SAARC bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Die Bundesregierung unterstützt SAARC im Rahmen der bilateralen
Entwicklungszusammenarbeit durch kleinere Projekte, z. B. Beratung auf dem Gebiet
der Informations-dienstleistungen zur Nutzung regionaler Handelschancen,
Beratung des SAARC-Energiezentrums auf dem Gebiet Erneuerbare Energien
und Energieeffizienz, durch Förderung der regionalen Zusammenarbeit auf
Drucksache 17/2833 – 46 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodedem Gebiet der Qualitätsinfrastruktur sowie durch Beratung und
Dialogmaßnahmen zur Stärkung der Institution („Capacity Development“). Die
politischen Ergebnisse dieser Zusammenarbeit sind allerdings, vor allem bedingt
durch verschiedene Konflikte in der SAARC-Region und durch begrenzte
Arbeitsfähigkeit der SAARC-Kooperationsstrukturen, bislang eher begrenzt.
Zentralasien
121. Welche sicherheitspolitischen Herausforderungen bestehen in der
Region Zentralasien?
Die zum Teil zu Zeiten der frühen Sowjetunion willkürlich bestimmten
Grenzverläufe der multi-ethnischen Staaten Zentralasiens stellen ein Stabilitätsrisiko
dar, das durch aktuelle Konflikte, z. B. um Wasserressourcen, verschärft wird.
Durch Zentralasien verlaufen Drogenrouten aus Afghanistan nach Europa.
Hinzu kommen Risiken durch transnationale organisierte Kriminalität und
Terrorismus. Aus der Nachbarschaft zu Afghanistan erwächst Zentralasien eine
wichtige Rolle für die Stabilisierungsbemühungen der internationalen
Gemeinschaft.
122. Welche ökonomischen und sozialen Probleme mit transnationalem
Bezug bestehen in Zentralasien?
Die Armutsinzidenz in der gesamten Region ist relativ hoch. Dabei
konzentriert sich die Armut in den ländlichen Gebieten der zentralasiatischen Staaten.
Trotz hoher Sterblichkeit und niedriger Lebenserwartung wächst die
Bevölkerung – mit einem hohen Anteil unter 20-Jähriger – stark. Der Anstieg der
Wirtschaftsleistung wird durch ein z. T. noch stärkeres Bevölkerungswachstum
egalisiert. Leistungssysteme für sozial Benachteiligte sind unterentwickelt.
Hohe Arbeitslosigkeit unter Geringqualifizierten steht die Tendenz zu hoher
Arbeitsmigration nach Norden und in die Golfstaaten gegenüber.
Spannungen zwischen Oberliegerländern, die in zunehmendem Maße auf
Wasserkraft für ihren Energiebedarf im Winter setzen, und Unterliegerländern, die
einen entsprechenden Mangel an Wasser im Sommer für Bewässerungszwecke
befürchten, stellen eine wesentliche Herausforderung für eine regionale
wirtschaftliche Zusammenarbeit in den Bereichen von Wasser und Energie dar.
123. Welche menschenrechtlichen Probleme bestehen in Zentralasien?
Die Menschenrechtslage in Zentralasien ist geprägt durch unterschiedlich
autoritäre Präsidialsysteme, deren Hauptaugenmerk auf Stabilität und innerer
Sicherheit liegt. In diesem Rahmen konnten sich Zivilgesellschaften in den
zentralasiatischen Staaten nur schwer entwickeln. Insgesamt wird gegen
Menschenrechtsaktivisten und Oppositionelle mit harter Hand durchgegriffen, oft
mit der Begründung des Kampfes gegen Kriminalität und Terrorismus. Im
Übrigen wird auf den aktuellen Menschenrechtsbericht der Bundesregierung
verwiesen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 47 – Drucksache 17/2833124. Welche umweltpolitischen Probleme mit transnationalem Bezug
bestehen in Zentralasien?
Das größte transnationale Umweltproblem in Zentralasien liegt in der
Wasserbewirtschaftung, deren Versagen u. a. zur weitgehenden Austrocknung des
Aralsees und zur Versalzung seiner Umgebung geführt hat. Eine effektive
regionale Kooperation bei der Wassernutzung kam bisher nicht zustande. Die
ineffiziente Wassernutzung in Verbindung mit stark steigendem Wasserbedarf
stellt zunehmend eine sicherheitspolitische Belastung für die Region dar. Auch
von Uranabraumhalden in Kirgisistan gehen regional relevante
Umweltprobleme aus.
125. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die Shanghai
Cooperation Organization (SCO) mit den Vereinten Nationen bzw. mit
anderen regionalen Organisationen?
Die SCO verfügt seit 2004 über den Status eines Beobachters bei der
Generalversammlung der VN. Die SCO unterhält formelle Kontakte zu folgenden
Organisationen: ASEAN (MoU von 2005), Gemeinschaft Unabhängiger Staaten,
GUS (MoU von 2005), EURASEC (MoU von 2006), Organisation des Vertrags
über kollektive Sicherheit, CSTO (MoU von 2007), Wirtschafts- und
Sozialkommission für Asien und den Pazifik der Vereinten Nationen, UNESCAP
(MoU von 2008).
126. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die SCO mit
der Europäischen Union?
In der im Juni 2007 vom Europäischen Rat verabschiedeten „Strategie für eine
neue Partnerschaft“ mit Zentralasien erklärt die EU ihre Bereitschaft, einen
offenen und konstruktiven Dialog mit regionalen Organisationen in Zentralasien
aufzunehmen und regelmäßige Ad-hoc-Kontakte zu pflegen, unter anderem mit
EURASEC, SCO, CICA, CSTO, CAREC und CARICC. Das Mandat des EU-
Sonderbeauftragten für Zentralasien umfasst Kontakte zur SCO. Folgende
Themen stehen im Mittelpunkt des Ad-hoc-Dialogs: Drogen, organisierte
Kriminalität, illegale Migration, Energiesicherheit, Nichtverbreitung,
Antiterror, Afghanistan und Pakistan.
127. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die SCO mit
der OSZE?
Die OSZE unterhält mit der SCO seit ihrer Gründung im Januar 2004 Kontakte
und begrüßt die Teilnahme von SCO-Vertretern an relevanten OSZE-
Veranstaltungen. Fünf von sechs SCO-Mitgliedstaaten sind zugleich OSZE-Staaten
(Russland, Republik Kasachstan, Kirgisistan, Republiken Usbekistan und
Tadschikistan). Wichtigstes Thema im Dialog zwischen OSZE und SCO ist die
Terrorismusbekämpfung.
Drucksache 17/2833 – 48 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode128. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der SCO in Südasien in
welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
c) Menschenrechtspolitik,
d) Umweltpolitik?
Angesichts der Heterogenität und der unterschiedlichen Interessenlagen ihrer
Mitglieder ist die SCO zurzeit primär ein Forum der Vertrauensbildung. Die
SCO hatte ursprünglich zum Ziel, das Verhältnis zwischen Russland und China
durch vertrauensbildende Maßnahmen an der gemeinsamen Grenze zu
entspannen. Trotz des Versuches, ihre Aktivitäten zu verbreitern, hat die SCO bisher
noch kein mit ASEAN oder anderen Regionalorganisationen in Asien
vergleichbares Potenzial für eine regionale Zusammenarbeit in Zentralasien
entfalten können. Der Schwerpunkt der praktischen Arbeit der SCO liegt auf der
Sicherheitspolitik. Die SCO-Staaten haben mehrfach gemeinsame
Militärübungen durchgeführt. In anderen Bereichen sind bisher keine nennenswerten
praktischen Ergebnisse bekannt.
129. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der SCO zur
Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Auf die Antwort zu Frage 128 wird verwiesen.
130. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die SCO bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Die Bundesregierung pflegt keine eigenen Kontakte zur SCO. Sie unterstützt
den Ad-hoc-Dialog der EU mit der SCO. Die Bundesregierung war bei der
Konferenz der SCO zu Afghanistan am 27. März 2009 in Moskau durch den
damaligen Sonderbeauftragten für Afghanistan und Pakistan, Botschafter
Bernd Mützelburg, vertreten.
Ostasien und Pazifik
131. Welche sicherheitspolitischen Herausforderungen bestehen in der
Region Ostasien?
In Ostasien bestehen folgende sicherheitspolitische Herausforderungen: Auf
der koreanischen Halbinsel verfolgt die Demokratische Volksrepublik Korea
eine Politik der nuklearen Bewaffnung und hat dazu verschiedentlich Atom-
und Raketentests durchgeführt. In zunehmendem Maße besteht
Proliferationsgefahr von Nuklearmaterial bzw. Nukleartechnologie. Darüber hinaus steht
zwischen den den beiden koreanischen Staaten ein Friedensvertrag aus; die
Nuklearpolitik Nordkoreas und die umstrittene Grenzfrage bergen latent
Eskalationsgefahr.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 49 – Drucksache 17/2833Offene Territorialfragen und mangelnde Vergangenheitsbewältigung sind
Hindernisse regionaler Integration. Spannungen in der Taiwanstraße können je
nach innenpolitischer Entwicklung in Taiwan zunehmen – China schließt hier
ein militärisches Vorgehen nicht aus. Insgesamt besteht bei vielen, gerade der
kleineren Nachbarstaaten eine Unsicherheit angesichts der zunehmenden
chinesischen Aufrüstung.
132. Welche ökonomischen und sozialen Probleme mit transnationalem
Bezug bestehen in Ostasien?
Ökonomische und soziale Probleme haben in Ostasien in der Regel keinen
regionalen, sondern nationalen Charakter. Eine Ausnahme bilden die
Wasserressourcen. Die von China geplante intensivere Nutzung des Tibet-Tableaus
könnte erhebliche Auswirkungen auf die Versorgung der Nachbarstaaten
haben.
133. Welche menschenrechtlichen Probleme bestehen in Ostasien?
Die Menschenrechtslage in Ostasien bietet insgesamt ein heterogenes Bild.
Gravierende Menschenrechtsprobleme gibt es vor allem in Nordkorea.
Hinsichtlich der Menschenrechtslage in China sind im Bereich der wirtschaftlichen
und sozialen Rechte Verbesserungen vor allem in den wirtschaftsstarken
Regionen erkennbar, während im Bereich der bürgerlichen und politischen Rechte
teilweise Rückschritte zu verzeichnen sind (hartes Vorgehen gegen Dissidenten,
Einschränkung der Meinungs- und Medienfreiheit etc.). Sorge bereitet auch die
Anwendung der Todesstrafe in Japan und Taiwan (kürzlich Aussetzung des
Todesstrafen-Moratoriums). Im Übrigen wird auf den aktuellen
Menschenrechtsbericht der Bundesregierung verwiesen.
134. Welche umweltpolitischen Probleme mit transnationalem Bezug
bestehen in Ostasien?
Umwelt-, insbesondere Wasser- und Energiefragen bergen auch aus
umweltpolitischer Sicht Konfliktstoff. Ostasien ist betroffen von den Folgen des
Klimawandels (Zunahme von Dürren und Überschwemmungen). Außerdem gibt
es eine unausgeglichene Wassernutzung zwischen Oberlieger und Unterlieger
des Mekongs (in China: Lancang).
In Ostasien droht ein rasanter Verlust der Biodiversität mit globalen Folgen
(Verlust an Lebensräumen, Arten und genetischen Ressourcen) sowie eine
massive Entwaldung mit den Folgeproblemen Bodenerosion, Desertifikation,
Verlust an landwirtschaftlichen Flächen und zunehmenden Sandstürmen.
Außerdem gibt es Belastungen durch anthropogene Einträge, z. B. Chemikalien und
Nährstoffe (grenzüberschreitende Flussverschmutzungen, saurer Regen).
135. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert der East Asia
Summit (EAS) mit den Vereinten Nationen bzw. mit anderen regionalen
Organisationen?
Der EAS ist ein Forum für Dialog und Kooperation auf Ebene der Staats- und
Regierungschefs, das 2005 auf Initiative ASEANs ins Leben gerufen wurde.
Über eine Zusammenarbeit mit den VN und anderen regionalen Organisationen
liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
Drucksache 17/2833 – 50 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode136. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert der EAS mit
der Europäischen Union?
Die EU hat an den Diskussionen im EAS bisher keinen Anteil.
137. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert der EAS mit
der OSZE?
Die Bundesregierung hat keine Kenntnis von Kontakten des EAS zur OSZE.
Jedoch sind alle Teilnehmer am EAS auch Mitglieder des ARF. Zur
Kooperation des ARF mit der OSZE wird auf die Antwort zu Frage 107 verwiesen.
138. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit des EAS in Ostasien in
welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
c) Menschenrechtspolitik,
d) Umweltpolitik?
Der EAS verfolgt das Ziel einer engeren Zusammenarbeit der Teilnehmer u. a.
in den Bereichen Wirtschaft und Finanzen, Energie, Umwelt (Klimawandel),
übertragbare Krank-heiten und teilweise in sicherheitspolitischen Fragen, wie
z. B. Katastrophenbewältigung. Zu den wichtigsten Ergebnissen des noch
jungen Gipfelprozesses gehören die fortgesetzte Konsensbildung in diesem Kreis
und der Dialog über gemeinsame regionale Fragen sowie die Einrichtung eines
bisher im ASEAN-Sekretariat untergebrachten Wirtschaftsforschungsinstituts
für ASEAN und Ostasien (ERIA).
139. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial des EAS zur
Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Das Potenzial des EAS muss vor dem Hintergrund der dynamischen
Entwicklungen in Asien beurteilt werden. Da ASEAN und sehr wichtige Staaten der
Asien-Pazifik-Region – und zukünftig die USA und Russland – daran
teilhaben, ist der EAS von regionalpolitischer Bedeutung. Bis auf weiteres dürfte
das Potenzial des EAS überwiegend im wirtschaftlichen und möglicherweise
im Umweltbereich liegen.
140. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung den EAS bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Der EAS bietet keine Ansatzpunkte für Unterstützung durch die
Bundesregierung bei der Regelung von regionalen politischen Herausforderungen oder eine
unmittelbare Kooperation mit ihr. Die künftigen Beziehungen der EU zum EAS
sind u. a. Gegenstand des Dialogs mit ASEAN und den ASEAN-Staaten.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 51 – Drucksache 17/2833141. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die East
Asian Community (EAC) mit den Vereinten Nationen bzw. mit anderen
regionalen Organisationen?
Die Idee zur Gründung einer Ostasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft (EAC)
geht im wesentlichen auf den ehemaligen japanischen Premierminister Yukio
Hatoyama zurück, der diesen Vorschlag 2008 zur Diskussion gestellt hat.
Weder kurz- noch mittelfristig zeichnet sich eine Realisierung ab. Die
Beantwortung der Fragen 142 bis 146 erübrigt sich daher.
142. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die EAC mit
der Europäischen Union?
143. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die EAC mit
der OSZE?
144. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der EAC in Ostasien in
welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
c) Menschenrechtspolitik,
d) Umweltpolitik?
145. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der EAC zur
Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
146. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die EAC bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Bei den Fragen 142 bis 146 wird auf die Antwort zu Frage 141 verwiesen.
147. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die Asia
Pacific Community (APC) mit den Vereinten Nationen bzw. mit anderen
regionalen Organisationen?
Der damalige australische Premierminister Kevin Rudd hatte 2008 den
Vorschlag zur Gründung einer Asiatisch-Pazifischen Gemeinschaft (APC) zur
Diskussion gestellt. Weder kurz- noch mittelfristig zeichnet sich eine Realisierung
dieses Vorschlags ab. Die Beantwortung der Fragen 148 bis 152 erübrigt sich
daher.
148. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die APC mit
der Europäischen Union?
149. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die APC mit
der OSZE?
Drucksache 17/2833 – 52 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode150. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der APC in Ostasien/
Pazifik in welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
c) Menschenrechtspolitik,
d) Umweltpolitik?
151. Wie sceätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der APC zur
Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
152. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die APC bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Bei den Fragen 148 bis 152 wird auf die Antwort zu Frage 147 verwiesen.
Lateinamerika/Karibik
153. Welche sicherheitspolitischen Herausforderungen bestehen in der
Region Lateinamerika/Karibik?
Global betrachtet ist Lateinamerika eine vergleichsweise friedliche und stabile
Region. Sie ist weltweit die einzige atomwaffenfreie Region (Verbot von
Nuklearwaffen, Vertrag von Tlatelolco). Die sicherheitspolitischen
Herausforderungen sind vornehmlich innerstaatlich und basieren in unterschiedlicher
Ausprägung auf destabilisierenden Faktoren wie Organisierte Kriminalität und
Drogen, Terrorismus und Proliferation. Spannungen zwischen Staaten bestehen
zwar, konnten in den letzten Jahren aber regelmäßig friedlich beigelegt werden.
154. Welche ökonomischen und sozialen Probleme mit transnationalem
Bezug bestehen in Lateinamerika/Karibik?
Obwohl der Anteil der Region Lateinamerika/Karibik an der Weltwirtschaft
stetig zunimmt und auch die Wirtschafts- und Finanzkrise besser bewältigt
werden konnte, als dies etwa in einigen Industrieländern der Fall war, sind starke
soziale und ökonomische Ungleichheiten im transnationalen Vergleich zu
konstatieren. Die bestehende Armut großer Teile der Bevölkerung ist eine der
wesentlichen Ursachen für zunehmende Gewalt. Weitere soziale Spannungen
entstehen beim Umgang mit Minderheiten, vergleiche hierzu die Antwort auf
Frage 155.
155. Welche menschenrechtlichen Probleme bestehen in Lateinamerika/
Karibik?
Die wesentlichen Herausforderungen, vor denen Lateinamerika und die Karibik
in diesem Bereich stehen, sind der Schutz von Presse- und Meinungsfreiheit,
die Transparenz und Effizienz der Justizbehörden, die Eindämmung von Ge-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 53 – Drucksache 17/2833walt, Menschenhandel sowie die Bekämpfung von Kinderarbeit und -
prostitution. Die Stärkung der Rechte benachteiligter Bevölkerungsgruppen und die
Nichtdiskriminierung von Minderheiten, insbesondere der Indigenen, stellen
angesichts sozialer Spannungen ebenfalls eine große Aufgabe dar. In
zahlreichen Ländern der Region müssen auch noch Jahre nach dem Ende von
Militärdiktatur und Bürgerkrieg die Prozesse der inneren Versöhnung und die
Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen abgeschlossen werden. Im Übrigen
wird auf den aktuellen Menschenrechtsbericht der Bundesregierung verwiesen.
156. Welche umweltpolitischen Probleme mit transnationalem Bezug
bestehen in Lateinamerika/Karibik?
Auch Lateinamerika ist vom Klimawandel betroffen. Im Andenraum
schmelzen die Gletscher, in Zentralamerika und in der Karibik sind Zahl und Ausmaß
von Unwettern und anderen Naturkatastrophen (wie zuletzt Stürmen,
Bodenerosion) deutlich gestiegen. Die kleinen Inselstaaten der Karibik sind hier
besonders verletzlich. Landnutzungsänderungen führen zu einem höherem Ausstoß
von Treibhausgasen. Die Tropenwälder und Ökosysteme Lateinamerikas mit
ihrem hohen Reichtum an Biodiversität sind unter anderem durch übermäßige
Rodungen in Gefahr.
157. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die
Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) mit den Vereinten Nationen bzw.
mit anderen regionalen Organisationen?
Die OAS kooperiert sowohl mit den VN und deren Unterorganisationen als
auch mit einer Reihe regionaler Organisationen wie zum Beispiel dem
Europarat, der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) und der AU in
unterschiedlicher Intensität. Im Rahmen der jährlich stattfindenden
Generalversammlung der OAS wird regelmäßig eine Veranstaltung mit den
kooperierenden internationalen Organisationen durchgeführt. Die OAS ist bei den VN als
intergouvernementale Organisation registriert und nimmt regelmäßig an
entsprechenden Veranstaltungen im VN-Rahmen teil. Jüngstes Beispiel für die
Kooperation mit den VN ist ein Kooperationsabkommen zwischen der OAS
und dem Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen (UNIFEM),
das im Juni 2010 unterzeichnet wurde.
158. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die OAS mit
der Europäischen Union?
Die EU hat seit 1989 Beobachterstatus bei der OAS und unterstützt finanziell
einige Projekte. Mit einer finanziellen Unterstützung in Höhe von 888 708 US-
Dollar war sie 2009 viertgrößter Geber unter den Ständigen Beobachtern. Der
Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt bei Fragen der Menschenrechte,
Drogenbekämpfung und Demokratieförderung. Im Dezember 2009 wurde die
Zusammenarbeit mit der Unterzeichnung eines MoU auf eine neue Grundlage
gestellt: Mit dem MoU wurden gegenseitige Treffen sowie der
Informationsaustausch institutionalisiert. Zudem wurde so der Wille zur verstärkten
Kooperation bekräftigt.
Drucksache 17/2833 – 54 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode159. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die OAS mit
der OSZE?
Die Zusammenarbeit zwischen OAS und OSZE beschränkt sich auf
gegenseitigen Austausch. OAS-Vertreter nehmen regelmäßig als Beobachter
beispielsweise an den Tagungen der Parlamentarischen Versammlung der OSZE teil.
Andererseits lädt die OAS die OSZE häufig ein, an ordentlichen Sitzungen
ihrer Generalversammlung teilzunehmen.
Eine aktive Zusammenarbeit findet zwischen der OSZE-Gruppe
Terrorismusbekämpfung, dem „Action Against Terrorism Unit“ (ATU) und dem
Interamerikanischen Komitee zur Bekämpfung des Terrorismus, dem „Inter-American
Committee against Terrorism“ (CICTE), durch Informationsaustausch und
koordinierte Treffen statt. CICTE unterstützte das ATU auch bei der Entwicklung
des Antiterrornetzwerks der OSZE (CTN). Darüber hinaus finden regelmäßig
jährliche Diskussionen zu Fragen der Medienfreiheit zwischen dem OSZE-
Beauftragten für Medienfreiheit und dem OAS-Sonderberichterstatter zur
Meinungsfreiheit statt.
160. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der OAS in
Lateinamerika/Karibik in welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
Die OAS hat in den Erklärungen von Santiago und San Salvador sowie im
Miami Konsens Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen vereinbart.
Regelmäßig werden „white papers“ und nationale Verteidigungsberichte
veröffentlicht. Ein weiterer, von ihr geschaffener Mechanismus ist die
Interamerikanische Konvention für Transparenz bei der Beschaffung konventioneller
Waffen.
Die OAS-Mission zur Unterstützung des Friedensprozesses in Kolumbien
überprüft die Einhaltung des Waffenstillstands, die Unterbindung von
Kampfhandlungen sowie die Demobilisierung, Entwaffnung und Reintegration von
illegalen, bewaffneten, organisierten Gruppen. Es konnten bereits 31 000
Mitglieder der paramilitärischen Gruppe „AUC“ demobilisiert werden. 2009
klagten mehr als 219 000 Opfer unter Berufung auf das Justiz- und Friedensrecht –
ein Anstieg von 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Durch das Minenräumungsprogramm der OAS konnte ein mehr als 3 000 000 m2
großes Gebiet entmint werden, etwa 70 000 Minen wurden dabei zerstört. Die
Republiken Costa Rica, Guatemala, Honduras und Suriname können heutzutage
als weitgehend landminenfreie Länder bezeichnet werden.
Die Interamerikanische Kommission zur Kontrolle von Drogenmissbrauch hilft
bei der Implementierung von Programmen in der gesamten Region
Lateinamerikas und der Karibik.
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
Gerade für die zukünftigen wirtschaftlichen Perspektiven Lateinamerikas und
der Karibik sind die verstärkten Bemühungen der OAS, eine
Wissensgesellschaft („Knowledge-Based Society“) zu fördern, von großer Bedeutung. Im
Rahmen des Programms „New Programming Approaches“ werden gezielt
diesbezügliche Projekte und Kurse angeboten. Des Weiteren leistet die OAS ihren
Mitgliedstaaten konkrete Hilfe bei wirtschaftlicher Integration und Handel. Im
Bereich der Sozialpolitik spielt die OAS eine wichtige Rolle, da sie die
Beteiligung der Zivilgesellschaft fördert und deren Problemen Beachtung schenkt.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 55 – Drucksache 17/2833Wahlbeobachtungsmissionen bilden einen Schwerpunkt der Tätigkeit der OAS.
2009 wurden OAS-Wahlbeobachtungsmissionen in Antigua und Barbuda, im
Plurinationalen Staat Bolivien, in den Republiken Kolumbien, Ecuador, El
Salvador und Panama, im Commonwealth Dominica, in den Vereinigten
Mexikanischen Staaten und St. Vincent und die Grenadinen durchgeführt.
c) Menschenrechtspolitik,
Der Interamerikanische Gerichtshof und die Interamerikanische Kommission
für Menschenrechte (IACHR) sind zwei wesentliche Organe der OAS, welche
die Förderung und den Schutz von Menschenrechten in der Region zum Ziel
haben. Durch die vielfältigen Aktivitäten der IACHR, welche unter anderem
gezielt Fälle vor Ort inspiziert, Länderberichte verfasst und Empfehlungen
äußert, konnten im Bereich der Menschenrechte Fortschritte gemacht werden. Die
im letzten Jahrzehnt forcierte Entwicklung des Systems individueller Petitionen
hatte einen direkten Effekt auf die Entlassung von willkürlich festgenommenen
Häftlingen, die Reparationsleistungen für Opfer von Massakern und den
Fortschritt im Bereich der Meinungsfreiheit.
d) Umweltpolitik?
Die Abteilung für Nachhaltige Entwicklung („Department of Sustainable
Development“, DSD) hilft OAS-Mitgliedstaaten dabei, die Ziele nachhaltige
Entwicklung und Umweltschutz in konkrete Schritte umzusetzen. Hierfür
unterstützt sie die Durchführung von transnationalen Projekten, u. a. auf den Gebieten
integriertes Wassermanagement, Erneuerbare Energien, Landnutzungsplanung,
Biodiversität und Gesetzgebung und Politik.
161. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der OAS zur
Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Nach Einschätzung der Bundesregierung wird die OAS auch zukünftig bei der
Bewältigung von sicherheitspolitischen, ökonomischen und sozialen,
menschenrechtspolitischen und umweltpolitischen Problemen von wichtiger Bedeutung
sein. Die OAS befasst sich in ihrer Arbeit mit all den genannten Dimensionen
auf dem gesamten amerikanischen Kontinent. Das macht sie als regionale
Organisation in der westlichen Hemisphäre einzigartig und macht in der
Wahrnehmung ihrer Mitgliedstaaten die Attraktivität und damit das Potenzial aus. In den
Bereichen Krisenprävention, Konfliktregelung und Friedenskonsolidierung
(„Peace Building“) nach Konflikten ist sie im Laufe der Zeit zu einem
erfolgreichen, von den Nationen akzeptierten Forum geworden. Ihre – derzeit
bestehenden – Grenzen wurden jedoch im Falle des Staatsstreiches in Honduras 2009
ebenfalls aufgezeigt. Eine Modernisierung der Strukturen sowie eine
ausreichende Ausstattung mit Mitteln sind Voraussetzungen dafür, die Bedeutung der
OAS für die Region in der Zukunft wieder zu stärken.
Ihre erfolgreich durchgeführten Wahlbeobachtungsmissionen spielen eine
zentrale Rolle beim Schutz von Demokratie und innerem Frieden.
Durch ihre Projekte stärkt die OAS das interamerikanische
Menschenrechtssystem, die Partizipation der Indigenen und die Wahrheits- und
Versöhnungsprozesse in Lateinamerika und der Karibik.
Drucksache 17/2833 – 56 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeDie Wichtigkeit der Aktivität der OAS im Bereich der
Naturkatastrophenbekämpfung ist durch jüngste Ereignisse erneut deutlich geworden. Gerade das
Beispiel der Republik Haiti unterstreicht die enge Kooperation von VN, EU,
OAS und nationalen Akteuren – sowohl im Bereich der Soforthilfe als auch
beispielsweise bei der Frage der dort anstehenden Wahlen, deren Planung und
Ablauf maßgeblich durch die Konsequenzen des Erdbebens beeinflusst sein
werden.
162. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die OAS bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Die Bundesregierung unterstützt die OAS bei der Regelung von regionalen
politischen Herausforderungen einerseits bereits durch die Wahrnehmung ihres
Status als Ständiger Beobachter und andererseits konkret durch den Beitrag
finanzieller Mittel. Sie ist der fünftgrößte Geber unter den permanenten
Beobachtern. 2009 beteiligte sie sich mit einem Beitrag in Höhe von 486 598 US-
Dollar und Sachleistungen in Höhe von 330 000 US-Dollar. Unter den von der
Bundesregierung unterstützten Projekten seien an dieser Stelle zwei
hervorgehoben:
Seit 2008 beteiligt sich Deutschland finanziell an einer OAS-Mission für den
Friedensprozess in Kolumbien, vergleiche Antwort zu Frage 160. Bis Ende
2009 leistete die Bundesregierung einen Beitrag von 500 000 Euro zu einem
Pilotprojekt, welches die Unterstützung von Opfergruppen in der Norte de
Santander Provinz zum Ziel hatte. Auf Grund des Erfolgs dieses Projektes
wurde es nun auch auf andere Regionen ausgeweitet. Hierfür hat die
Bundesregierung weitere 500 000 Euro zur Verfügung gestellt.
Des Weiteren beteiligt sie sich an der Finanzierung eines Projektes zur
Stärkung der Partizipation von Indigenen im interamerikanischen System mit
einem Beitrag in Höhe von 1 Mio. Euro.
Mit ihren Aktivitäten ist die Bundesrepublik Deutschland zu einem in der OAS
geachteten und zentralen Partner geworden. Die abgeschlossenen Projekte
werden als erfolgreich bewertet.
163. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die Rio-
Gruppe mit den Vereinten Nationen bzw. mit anderen regionalen
Organisationen?
Innerhalb der Rio-Gruppe koordinieren die Mitgliedstaaten ihre Politik, um
eine stärkere Position innerhalb der Vereinten Nationen einnehmen zu können.
Nach Kenntnis der Bundesregierung werden mit dem Kooperationsrat der
Arabischen Staaten des Golfes und der EU Dialoge geführt.
164. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die Rio-
Gruppe mit der Europäischen Union?
Die Rio-Gruppe führt den politischen Dialog mit anderen Ländern und
regionalen Zusammenschlüssen vornehmlich am Rande der jährlichen VN-
Generalversammlung. Der Dialog mit der EU wurde mit der Erklärung von Rom vom
20. Dezember 1990 institutionalisiert. Neben den jährlichen Treffen am Rande
der Generalversammlung, in denen die EU bislang durch die Troika vertreten
war, finden im Abstand von jeweils zwei Jahren Außenministertreffen statt, zu-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 57 – Drucksache 17/2833letzt am 13. Mai 2009 in Prag. In der Abschlusserklärung vereinbarten beide
Seiten einen vertieften Dialog zu Fragen der Energiepolitik, insbesondere mit
dem Ziel, den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben und dem
Klimawandel entgegenzuwirken. Sie unterstrichen ihre Entschlossenheit, im
multilateralen Rahmen gemeinsame Antworten auf die Wirtschafts- und Finanzkrise
zu finden. Der Dialog zwischen EU und Rio-Gruppe wird seine Fortsetzung
beim 15. Außenministertreffen 2011 in der Republik Chile finden.
165. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die Rio-
Gruppe mit der OSZE?
Die Bundesregierung hat keine Kenntnis von Kontakten der Rio-Gruppe zur
OSZE.
166. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der Rio-Gruppe in
Lateinamerika/Karibik in welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
Die aus der Contadora-Gruppe hervorgegangene Rio-Gruppe wird heute von
der Mehrzahl der an ihr teilnehmenden Staaten und insbesondere von Chile, das
derzeit den Vorsitz innehat, in erster Linie als ein Forum zum politischen
Dialog und zur Abstimmung von Positionen zu politischen, wirtschaftlichen und
sozialen Fragen gesehen. Einen konkreten Erfolg im Bereich der regionalen
Sicherheitspolitik beanspruchte die Rio-Gruppe zum Beispiel beim Gipfel der
Staats- und Regierungschefs in Santo Domingo am 7. März 2008 für sich, als
die Schlichtung des Konflikts zwischen Kolumbien und Ecuador gelang.
Themen, mit denen sich die Rio-Gruppe befasst, sind in der Regel konkreter
außenpolitischer Natur. In Ansätzen ähnlich wie in der Gemeinsamen Außen-
und Sicherheitspolitik (GASP) stimmt die Rio-Gruppe im Konsensprinzip auch
Erklärungen ab, oft als Solidaritätsbekundung nach Naturkatastrophen (z. B.
Erdbeben in Chile und China dieses Jahr) oder Attentaten (z. B. in Russland
und Kolumbien dieses Jahr), die in Einzelfällen (z. B. israelische Militäraktion
gegen Gaza-Hilfsflotte) aber auch Verurteilungen außenpolitischer Handlungen
von Drittstaaten zum Ausdruck gebracht haben.
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
c) Menschenrechtspolitik,
d) Umweltpolitik?
Darüber hinaus befasst sich die Rio-Gruppe auch mit anderen Themen aus den
Bereichen Wirtschaft und Politik, einschließlich sozialer und umweltpolitischer
Fragen. Dazu können Arbeitsgruppen eingerichtet werden, in der
Vergangenheit u. a. zu Themen wie Nachhaltige Entwicklung, Energie und Prävention/
Bewältigung von Naturkatastrophen.
Drucksache 17/2833 – 58 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode167. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der Rio-
Gruppe zur Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Die Rio-Gruppe hat sich bei ihrer Gründung in der Erklärung von Rio de
Janeiro (1986) unter anderem zum Ziel gesetzt, die Politik der
lateinamerikanischen Staaten in multilateralen Foren und insbesondere den VN zu
koordinieren und zu harmonisieren. Chile will während seines Vorsitzes auf die volle
Mitgliedschaft der Karibischen Gemeinschaft (CARICOM-Staaten) in der Rio-
Gruppe hinwirken und die regionale Integration vertiefen.
Inwieweit die Rio-Gruppe in der Zukunft weiter an Bedeutung gewinnt, dürfte
nicht zuletzt davon abhängen, welchen Einfluss das beim 2. Lateinamerika-
Karibik-Gipfel in Cancún/Mexiko (22./23. Februar 2010), gegründete neue
regionale Forum der Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten
(CELAC) gewinnt. Chile wie auch weitere Staaten der Region streben
jedenfalls keine Fusion, wohl aber eine „Konvergenz“ der CELAC und der Rio-
Gruppe an.
168. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die Rio-Gruppe bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Die Bundesregierung hat sich beim 11. Außenministertreffen der EU-Rio-
Gruppe am 13. Mai 2009 aktiv am Dialog zum Thema „Wiedererlangung der
finanziellen Stabilität und des Wachstums der Weltwirtschaft“ beteiligt.
169. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die Alianza
Bolivariana para los Pueblos de Nuestra América (ALBA) mit den
Vereinten Nationen bzw. mit anderen regionalen Organisationen?
Nach Kenntnis der Bundesregierung kooperieren weder die VN noch andere
regionale Organisationen mit der Bolivarianischen Allianz für die Völker unseres
Amerika (ALBA).
170. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die ALBA
mit der Europäischen Union?
Nach Kenntnis der Bundesregierung gibt es keine Kooperation zwischen
ALBA und EU.
171. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die ALBA
mit der OSZE?
Die Bundesregierung hat keine Kenntnis von Kontakten der ALBA zur OSZE.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 59 – Drucksache 17/2833172. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der ALBA in
Lateinamerika/Karibik in welchen der folgenden Bereiche bisher gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
c) Menschenrechtspolitik,
d) Umweltpolitik?
Die Verträge der ALBA sehen verstärkte Handelszusammenarbeit zwischen
den Mitgliedstaaten sowie soziale Projekte vor. Auf dem 7. ALBA-Gipfel im
Oktober 2009 wurde die offizielle Einführung der gemeinsamen virtuellen
Währung namens „SUCRE“ ab 2010 beschlossen. Ein Ständiges Komitee für
Souveränität und Verteidigung der Bolivarianischen Allianz wurde ebenfalls
auf diesem Gipfel eingerichtet.
173. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der ALBA zur
Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Die ALBA ist ein politisches Projekt. Die langfristige Tragfähigkeit von ALBA
ist schwer zu beurteilen. Zum einen polarisiert das Projekt die Region mehr, als
dass es eint. Zum anderen bestehen deutliche Asymmetrien und teilweise kaum
Wirtschaftsbeziehungen zwischen den ALBA-Mitgliedstaaten. ALBA ist
abhängig von Willen und Kapazität des reichsten Mitgliedstaates, die bisherigen
Investitionen (Schätzung des CIECA-Wirtschaftsinstituts: 147 Mrd. US-Dollar
zwischen 2005 und 2007) in das Projekt aufrecht zu erhalten.
174. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung die ALBA bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Es besteht keine Zusammenarbeit zwischen der Bundesregierung und ALBA.
175. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert der Mercado
Común del Sur (MERCOSUR) mit den Vereinten Nationen bzw. mit
anderen regionalen Organisationen?
Der Mercosur als regionale Wirtschaftsorganisation mit dem Ziel der Schaffung
eines gemeinsamen Marktes unterhält keine offiziellen Beziehungen zu den VN
und tritt dort auch nicht als Regionalorganisation auf. Die interne
Zusammenarbeit ist weitgehend intergouvernemental. Daher fallen die Beziehungen zu den
VN in die ausschließliche Kompetenz der jeweiligen Mitgliedsländer.
Gleichwohl versuchen die Mitgliedstaaten, bei geeigneten Gelegenheiten wie den
regelmäßigen Treffen der Staats- und Regierungschefs ihre Haltung zu Fragen
der internationalen Agenda zu koordinieren. Nach dem gleichen Schema
gestalten sich die Beziehungen zu anderen regionalen Organisationen. Eine
Ausnahme bildet das Verhältnis zur Lateinamerikanischen Integrationsvereinigung
(ALADI), mit der aufgrund einer Mercosur-Entscheidung eine Assoziation
angestrebt wird.
Drucksache 17/2833 – 60 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode176. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert der
MERCOSUR mit der Europäischen Union?
Seit Mitte der 90er-Jahre verhandeln der Mercosur und die EU auf der
Grundlage des bestehenden Kooperationsabkommens von 1995 über ein umfassendes
Assoziationsabkommen. Obwohl weitgehende Einigkeit in den Bereichen des
politischen Dialogs und der wirtschaftlichen Kooperation erzielt werden
konnte, wurden die Verhandlungen wegen schwieriger Wirtschaftsfragen im
Handelsteil vor dem Hintergrund der Doha-Runde 2004 unterbrochen. Auf dem
Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs des Mercosur und der EU in
Madrid am 17. Mai 2010 kamen beide Seiten überein, die Verhandlungen über
den zügigen Abschluss eines umfassenden modernen Assoziationsabkommens
wieder aufzunehmen. Eine erste Runde fand zum Zweck der
Bestandsaufnahme und Strukturierung des Verhandlungsprozesses auf Expertenebene in
Buenos Aires vom 29. Juni bis 2. Juli 2010 statt.
177. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert der
MERCOSUR mit der OSZE?
Es gibt nach Kenntnis der Bundesregierung keine offiziellen Beziehungen des
Mercosur zur OSZE. Auch hier gilt das in der Antwort auf Frage 176 Gesagte
sinngemäß.
178. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit des MERCOSUR in
Lateinamerika/Karibik in welchen der folgenden Bereiche bisher
gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
Der Mercosur ist primär eine auf intergouvernementale Zusammenarbeit
gegründete Regionalorganisation mit dem Ziel der Schaffung eines gemeinsamen
Marktes, hat aber auch eine politische Dimension. Die vier Mercosur-
Mitglieder haben zusammen mit Bolivien und Chile den Mechanismus zur Politischen
Beratung und Abstimmung („Mecanismo de Consulta y Concertación
Política“) gegründet, um auch politische Fragen von regionaler Bedeutung
abzustimmen. Dieselben Staaten haben die Politische Deklaration des Mercosur,
Boliviens und Chiles als Friedenszone („Declaración Política del Mercosur,
Bolivia y Chile como zona de Paz“) 1998 verabschiedet, die unterstreicht, dass
Frieden Grundvoraussetzung der regionalen Integration ist. Relevant ist ferner
die gemeinsame Erklärung dieser Staaten zu Drogenhandel, Geldwäsche und
Terrorismusbekämpfung. Sicherheitsfragen können Gegenstand der Mercosur-
Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs sein. Allgemein folgt daraus,
dass der Mercosur zur politischen Stabilität innerhalb des Mercosur wie in
Südamerika beiträgt. Bilaterale Abkommen mit regionaler Relevanz wie das
brasilianisch-argentinische Atomabkommen und das Verbot von chemischen und
biologischen Waffen sind in diesem Kontext ein essentieller Beitrag zur
Stabilität der Region insgesamt.
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
Das selbst gesetzte Ziel, eine Zollunion auf der Grundlage einheitlicher
Zollsätze zu schaffen, wurde bislang nicht erreicht. Die informationstechnischen
Voraussetzungen für eine harmonisierte Zollverwaltung liegen aber vor.
Außerdem laufen momentan innerhalb des Mercosur konkrete Gespräche über
Ausgleichsmechanismen als Voraussetzung für die Abschaffung des doppelten
Außenzollsatzes. Ein weiterer Schritt in Richtung Konvergenz und Koordina-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 61 – Drucksache 17/2833tion der Wirtschaftspolitiken ist auch die Entscheidung, die jeweiligen
nationalen Währungen als Verrechnungsgrundlage für den intraregionalen Handel
zugrunde zu legen. Für die wirtschaftliche Integration ist auch die Entscheidung
der Gruppe des Gemeinsamen Marktes von Dezember 2008 relevant, regionale
Fertigungsketten mit besonderer Unterstützung für kleine und mittlere
Unternehmen aufzubauen. Durch den 2005 geschaffenen Strukturausgleichsfonds
FOCEM sollen bestehende Asymmetrien abgebaut werden. Allgemein hat sich
der Handel seit den 1980er-Jahren vervielfältigt, wodurch die politischen und
wirtschaftlichen Interdependenzen deutlich ausgebaut werden konnten.
In seiner außenwirtschaftspolitischen Dimension hat der Mercosur immer noch
Schwierigkeiten, seine Makropolitiken zu koordinieren. Gleichwohl hat kein
Mitglied den Mercosur-Rahmen durch bilaterale Handelsabkommen
durchbrochen. Bisher hat der Mercosur nur ein Freihandelsabkommen abgeschlossen
(mit dem Staat Israel 2009). China, Russland, einige arabische Staaten und die
zentralamerikanische Regionalorganisation bzw. das Integrationssystem SICA
sollen Interesse an Freihandelsabkommen mit dem Mercosur bekundet haben.
Die Bildung einer (gesamt-)amerikanischen Freihandelszone (ALCA) wurde
vom Mercosur 2004 abgelehnt.
Seit dem Gründungsvertrag von Asunción 1991 war sich der Mercosur der
sozialen Dimension seiner regionalen Integration bewusst. Die 1998 erfolgte
Verabschiedung der Sozialcharta des Mercosur und der Strukturausgleichsfond
FOCEM sind hierfür ebenso Ausdruck, wie das Sozialinstitut des Mercosur,
das zur Harmonisierung der nationalen Sozialpolitiken und zur Entwicklung
regionaler Initiativen mit Sitz in Asunción eingerichtet wurde.
c) Menschenrechtspolitik,
Schon in der Gründungserklärung des Mercosur wird die Einhaltung und die
Verteidigung der Menschenrechte als grundlegendes Element des
Staatenbündnisses festgeschrieben. Seit 2005 fungieren die Treffen der Hohen Beamten für
Menschenrechte und der Außenministerien des Mercosur und assoziierter
Staaten („Altas Autoridades de Derechos Humanos y Cancillerías del Mercosur y
Estados Asociados“) als zwischenstaatliches Forum, an dem sich die
Zivilgesellschaft beteiligt, um die Menschenrechtslage zu analysieren und
entsprechende Politikansätze zu definieren. Mit der Gründung des Instituts für
Öffentliche Menschenrechtspolitik („Instituto de Políticas Públicas de Derechos
Humanos“) 2009 unterstreicht der Mercosur die Bedeutung dieses Politikfeldes.
Zentrale Aufgabe des Instituts ist die Verankerung des
Menschenrechtsgedankens als identitätsstiftendes Element des Mercosur sowie die Gewährleistung
eines kritischen Monitoring der Menschenrechtspolitiken in den
Mitgliedsländern. Der Sitz des Instituts ist in Buenos Aires. Das Parlament des Mercosur
(„Parlasur“) versteht sich seit seiner Gründung 2006 als demokratische Instanz,
die die Verteidigung der Menschenrechte in seinem Gründungsstatut
festgeschrieben und für seine Arbeit entsprechende Ausschüsse und Initiativen
entwickelt hat. Im Übrigen wird auf den aktuellen Menschenrechtsbericht der
Bundesregierung verwiesen.
d) Umweltpolitik?
Als eine Region mit hoher Konzentration an Naturreichtümern hat der
Mercosur geostrategische Relevanz (global bedeutende Ackerbau- und Viehreserven
sowie Öl-, Süßwasser-, Mineralien- und Erdgasvorkommen). Darüber hinaus
verfügen die Ökosysteme im Mercosur über knapp 60 Prozent der Biodiversität
Lateinamerikas. Das Konzept der Nachhaltigen Enwicklung wurde schon in
dem Gründungsdokument des Staatenbundes (Vertrag von Asunción) 1991
festgehalten. Auf institutioneller Ebene wurde anschließend an die Río Konfe-
Drucksache 17/2833 – 62 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperioderenz 1992 eine Umweltkommission und sukzessive mehrere Fach- sowie
Adhoc-Arbeitsgruppen auf zwischenstaatlicher Ebene eingerichtet. In den letzten
Jahren konnten so umweltpolitisch relevante Themen bearbeitet und auch
international bedeutende Erklärungen verfasst werden. Dennoch ist es bis heute
nicht gelungen, eine integrierte regionale Umweltpolitik zu entwickeln, die die
öffentlichen Politiken der Mitgliedstaaten harmonisiert und gemeinsame
Richtlinien und Initiativen auf regionaler Ebene fördert.
179. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial des
MERCOSUR zur Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Die Bewältigung von sicherheitspolitischen, ökonomischen und sozialen,
menschenrechtspolitischen und umweltpolitischen Problemen bedarf einer
verstärkten Integration der Region. Da der Mercosur ein wesentlicher Motor des
Integrationsprozesses ist, wird er auch künftig eine wichtige strategische Rolle in
diesen Problemfeldern spielen. Näheres zu den einzelnen Punkten ergibt sich
aus der Antwort zu Frage 178.
180. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung den MERCOSUR bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Die Bundesregierung hat sich innerhalb der EU wie bilateral stets für die
Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein Assoziationsabkommen eingesetzt.
An der Regionalstrategie der EU für eine Zusammenarbeit mit dem Mercosur
vom 2. August 2007 für den Zeitraum 2007 bis 2013 und den darauf
basierenden EU-Projekten hat sie aktiv mitgearbeitet.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt darüber hinaus den
regionalen Integrationsprozess im Mercosur seit 2005 durch die Entsendung von
Integrierten Fachkräften des Centrums für internationale Migration und
Entwicklung (CIM) im Umfeld der Mercosur-Institutionen. Ein von der
Internationalen Weiterbildung und Entwicklungs gGmbH (InWEnt) getragenes Vorhaben
in den Bereichen Stärkung der Zivilgesellschaft, Soziale Verantwortung der
Unternehmen (CSR) und Förderung erneuerbarer Energien arbeitet ebenfalls an
der Schnittstelle zwischen dem Mercosur, den Regierungen und
zivilgesellschaftlichen Akteuren. Der deutsche Beitrag für die erfolgreiche Durchführung
und Etablierung der sogenannten Sozialgipfel des Mercosur war in den
vergangenen Jahren von großer Bedeutung. Ein neues Vorhaben der TZ, das auf die
Förderung des regionalen Integrationsprozesses (Schwerpunkte: Förderung der
Zivilgesellschaft im Integrationsprozess und Maßnahmen zum Klimaschutz,
Erneuerbare Energien und Energieeffizienz) ausgerichtet sein wird, wird
gegenwärtig mit dem Mercosur abgestimmt.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 63 – Drucksache 17/2833181. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperiert die Unión de
Naciones Suramericanas (UNASUR) incl. Consejo de Defensa
Sudamericano (CDS) mit den Vereinten Nationen bzw. mit anderen regionalen
Organisationen?
Eine Kooperation zwischen UNASUR und den VN findet vorwiegend über den
Südamerikanischen Verteidigungsrat (CSD) statt. Dieser beteiligt sich an VN-
Friedensmissionen. In seinem Statut vom 11. Dezember 2008 erklärt der CSD
in Artikel 2, dass er sich den in der VN-Charta erklärten Prinzipien und
Vorsätzen sowie der Charta der OAS verschreibt.
182. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperieren UNASUR/
CDS mit der Europäischen Union?
Nach Kenntnis der Bundesregierung findet keine Kooperation zwischen
UNASUR/CSD und EU statt.
183. In welcher Form und mit welchen Ergebnissen kooperieren UNASUR/
CDS mit der OSZE?
Eine Kooperationspartnerschaft von Mitgliedstaaten der UNASUR mit der
OSZE besteht bislang nicht. Auf Initiative der Bundesregierung besuchte eine
UNASUR-Delegation im Februar 2010 das OSZE-Forum für
Sicherheitskooperation in Wien. Dort informierten sich die Vertreter der UNASUR-
Mitgliedstaaten über das Forum für Sicherheitskooperation (FSK) und das
Konfliktverhütungszentrum der OSZE und führten Gespräche zu den Themen des
Verhaltenskodex für politisch-militärische Sicherheit, der Klein- und
Leichtwaffenproblematik und der Dayton-Vereinbarung über Rüstungskontrolle in
Südosteuropa.
Im Anschluss an ihren Besuch signalisierte die UNASUR-Delegation Interesse,
den Aufbau von engeren Beziehungen zur OSZE anzustreben.
184. Welche praktischen Ergebnisse hat die Arbeit der UNASUR/CDS in
Lateinamerika/Karibik in welchen der folgenden Bereiche bisher
gebracht:
a) Sicherheitspolitik,
Sicherheitspolitik ist ein Kernbereich der UNASUR. Bereits kurz nach ihrer
Gründung konnte die UNASUR ihre Fähigkeit zum Krisenmanagement unter
Beweis stellen. Angesichts der Eskalationen in Bolivien berief UNASUR-
Präsidentin Michelle Bachelet den II. Gipfel am 15. September 2008 in Santiago
de Chile ein, der zum Erhalt von nationaler Einheit und zum Gewaltverzicht
aufrief und eine Aufklärungskommission einsetzte. Auch bezüglich der
gewaltsamen Amtsenthebung des hondurianischen Staatspräsidenten Manuel Zelaya
am 28. Juni 2009 führte die UNASUR-Präsidentin Bachelet eine rasche
gemeinsame Stellungnahme der UNASUR herbei.
UNASUR beschloss im August 2009 die Entwicklung eines regionalen
Regimes Vertrauens- und Sicherheitsbildender Maßnahmen und einigte sich im
November 2009 bereits auf einen entsprechenden Katalog, der unter anderem
Transparenz-, Sicherheits- und Verifikationsmaßnahmen enthält und kürzlich
von den Verteidigungsministern der UNASUR-Mitgliedstaaten verabschiedet
wurde. Damit hat UNASUR nach Auffassung der Bundesregierung einen
bemerkenswerten ersten Schritt zum Aufbau einer regionalen
Sicherheitsarchitektur getan.
Drucksache 17/2833 – 64 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeEin 2009 zusätzlich eingerichteter Verteidigungsrat soll als Forum den Dialog
zwischen den Verteidigungsministern Südamerikas erleichtern und ist trotz
überwiegend nationalstaatlicher Ausrichtung der Staaten Lateinamerikas und
der Karibik als erster Schritt auf diesem Sektor zu bewerten.
Darüber hinaus wurde UNASUR in Folge des Erdbebens in Haiti aktiv. Auf
dem Gipfel in Quito am 9. Februar 2010 verpflichteten sich die UNASUR-
Mitgliedstaaten zur Mobilisierung von insgesamt 300 Mio. US-Dollar.
b) Wirtschafts- und Sozialpolitik,
c) Menschenrechtspolitik,
d) Umweltpolitik?
Die verstärkte Integration der Region Südamerikas wirkt sich auch positiv auf
die Bereiche Wirtschafts- und Sozialpolitik, Menschenrechtspolitik und
Umweltpolitik aus. Durch vermehrten Dialog und Kooperation können
diesbezügliche Zielvorstellungen effizienter umgesetzt werden.
185. Wie schätzt die Bundesregierung das politische Potenzial der UNASUR/
CDS-Regelung von
a) sicherheitspolitischen,
b) ökonomischen und sozialen,
c) menschenrechtspolitischen,
d) umweltpolitischen Problemen ein?
Nach Auffassung der Bundesregierung hat die UNASUR in den
sicherheitspolitischen, ökonomischen und sozialen, menschenrechtspolitischen und
umweltpolitischen Bereichen ein wichtiges Potenzial. Dies beruht hauptsächlich
auf ihrer für die Integration Südamerikas wichtigen Funktion. Ihr Ziel, in ihrem
Grad an Institutionalisierung der EU gleich zu kommen, wirkt sich förderlich
auf das Verhalten der einzelnen Mitgliedstaaten aus.
186. In welcher Form und in welchem Umfang unterstützt die
Bundesregierung UNASUR/CDS bei der Regelung von regionalen politischen
Herausforderungen?
Wie sehen die politischen Ergebnisse dieser Kooperationen aus?
Die Bundesregierung unterstützt die UNASUR dabei, regionale Integration
über Transparenz im Rahmen vertrauensbildender Maßnahmen zu fördern.
Um die Bemühungen zur Errichtung einer regionalen Sicherheitsarchitektur in
Südamerika zu unterstützen, organisierte die Bundesregierung Anfang 2010
eine Informationsreise für militärische und diplomatische Vertreter der
UNASUR-Mitgliedstaaten zum Kennenlernen der in Europa existenten
Strukturen und ihrer Funktionsweise. Nachdem hierdurch erste wichtige Impulse
gegeben werden konnten, ist UNASUR an einer Fortsetzung der Kooperation
mit Deutschland in diesem Bereich interessiert. Bezüglich der Ausgestaltung
der weiteren Zusammenarbeit wird sich die Bundesregierung dabei an den
konkreten Bedürfnissen vor Ort orientieren.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 65 – Drucksache 17/2833GLOSSAR
ACWC ASEAN Kommission zur Förderung und zum Schutz der
Rechte von Frauen und Kindern (ASEAN Commission on the
Promotion and Protection of the Rights of Women and
Children)
AEC ASEAN Wirtschaftsgemeinschaft (ASEAN Economic
Community)
AFTA ASEAN-Freihandelszone (ASEAN Free Trade Area)
AICHR Regionale ASEAN-Menschenrechtskommission (ASEAN
Intergovernmental Commission on Human Rights)
AIPA ASEAN Interparlamentarische Versammlung (ASEAN Inter-
Parliamentary Assembly)
AIPO ASEAN Interparlamentarische Organisation (ASEAN Inter-
Parliamentary Organisation)
AKP Gruppe der afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten
(African, Caribbean and Pacific Group of States)
ALADI Lateinamerikanische Integrationsvereinigung
ALBA Bolivarianische Allianz für die Völker unseres Amerika
ALCA (Gesamt-)Amerikanische Freihandelszone
AMISOM Mission der Afrikanischen Union in Somalia (African Union
Mission to Somalia)
APC Asiatisch-Pazifische Gemeinschaft (Asia-Pacific community)
APEC Asiatisch-Pazifische Wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-
Pacific Economic Cooperation)
APRM freiwilliges Verfahren der gegenseitigen qualitativen
Beurteilung von Regierungsführung afrikanischer Staaten im Rahmen
der AU (African Peer Review Mechanism)
APSA Afrikanische Friedens- und Sicherheitsarchitektur (African
Peace and Security Architecture)
APSC ASEAN Politische und Sicherheitsgemeinschaft (ASEAN
Political and Security Community)
ARF ASEAN Regionalforum (ASEAN Regional Forum)
ASCC ASEAN Gesellschaftlich-kulturelle Gemeinschaft (ASEAN
Socio-Cultural Community)
ASEAN Verband Südostasiatischer Staaten (Association of Southeast
Asian Nations)
ASF Afrikanische Bereitschaftstruppe (African Standby Force)
ATU Gruppe Terrorismusbekämpfung (Action Against Terrorism
Unit)
AU Afrikanische Union (African Union)
BIMSTEC Technische und wirtschaftliche Kooperation der Länder am
Golf von Bengalen (Bay of Bengal Initiative for Multi-Sectoral
Technical and Economic Cooperation)
CAADP Umfassende landwirtschaftliche Entwicklungsprogramm für
Afrika (Comprehensive Africa Agriculture Development
Program)
CACO Zentralasiatische Organisation für Zusammenarbeit (Central
Asian Cooperation Organization)
Drucksache 17/2833 – 66 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeCAN Andengemeinschaft
CAREC Zentralasiatische Regionale Wirtschaftskooperation (Central
Asia Regional Economic Cooperation)
CARICC Zentralasiatisches Regionales Informations- und
Koordinierungszentrum (Central Asia Regional Information
Coordination Centre)
CARICOM Karibische Gemeinschaft (Caribbean Community and
Common Market)
CAU Zentralasiatische Union (Central Asian Union)
CELAC Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten
(Community of Latin American and Caribbean States)
CEMAC Zentralafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion
CEN-SAD Gemeinschaft der Staaten des Sahel/Sahara (Community of
Sahel-Saharan States)
CEWARN Konfliktfrühwarn- und Reaktionsmechanismus (Conflict Early
Warning and Response Mechanism)
CEWS Kontinentales (Krisen-)Frühwarnsystem (Continental Early
Warning System)
CICA Konferenz über Zusammenwirken und vertrauensbildende
Maßnahmen in Asien (Conference on Interaction and
Confidence-Building Measures in Asia)
CICTE Interamerikanischen Komitee zur Bekämpfung des
Terrorismus (Inter-American Committee against Terrorism)
CIM Centrum für internationale Migration und Entwicklung
COMESA Gemeinsamer Markt für das Östliche und Südliche Afrika
(Common Market for Eastern and Southern Africa)
COPAX Friedens- und Sicherheitsrat für Zentralafrika (Conseil de Paix
et de Securité de l’Afrique Centrale)
CPA Umfassendes Friedensabkommen (Comprehensive Peace
Agreement)
CSD Südamerikanischer Verteidigungsrat
CSR Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung bzw.
Unternehmerische Sozialverantwortung (Corporate Social
Responsibility)
CSTO Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit
(Collective Security Treaty Organisation)
CTN Antiterrornetzwerk (Counter-Terrorism Network)
EAC Ostafrikanische Gemeinschaft (East African Community)//
Ostasiengemeinschaft (East Asia Community)
EALA Ostafrikanische gesetzgebende Versammlung (East African
Legislative Assembly)
EAS Ostasiatischer Gipfel (East Asia Summit)
EASBRICOM Ostafrikanische Regionalbrigade (East African Standby-
Brigade Coordinating Mechanism)
ECA Wirtschaftskommission für Afrika der Vereinten Nationen
(Economic Commission for Africa)
ECCAS Wirtschaftsgemeinschaft zentralafrikanischer Staaten
(Economic Community of Central African States)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 67 – Drucksache 17/2833ECOBRIG ECOWAS Bereitschaftskräfte (ECOWAS Standby Brigade)
ECOWAS Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Economic
Community of West African States)
EDF Europäischer Entwicklungsfonds (European Development
Fund)
EEF Europäischer Entwicklungsfonds
EPA Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (Economic Partnership
Agreements)
ERIA Wirtschaftsforschungsinstituts für ASEAN und Ostasien
(Economic Research Institute for ASEAN and East Asia)
EurAsEC Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft (Eurasian Economic
Community)
FOMAC Multinationale Streitkräfte Zentralafrikas (Force
Multinationale de l’Afrique Centrale)
FSK Forum für Sicherheitskooperation der OSZE
GASP Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (Common Foreign
and Security Policy)
GUS Gemeinschaft Unabhängiger Staaten
IACHR Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (Inter-
American Commission on Human Rights)
IAO (ILO) Internationale Arbeitsorganisation (International Labour
Organization)
ICGLR Internationale Konferenz „Große Seen“ (International
Conference on the Great Lakes Region)
ICIMOD Internationales Zentrum für integrierte Gebirgsentwicklung.
International Centre for Integrated Mountain Development)
ICPAC Klimaprognose- und Anwendungszentrum (Climate Prediction
and Application Centre)
ICPAT Kapazitätsaufbauprogramm gegen Terrorismus (Capacity
Building Program Against Terrorism)
IGAD Zwischenstaatliche Behörde für Entwicklung
(Intergovernmental Authority on Development)
IGADD Zwischenstaatliche Behörde für Dürrebekämpfung und
Entwicklung (Intergovernmental Authority on Drought and
Development)
InWEnt Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH
JAES Gemeinsame Afrika-EU-Strategie (Joint Africa EU Strategy)
LMIS Nutztiermarkt-Informationssystem (Livestock Market
Information System)
LPI Initiative zur Nutztierpolitik (Livestock Policy Initiative)
MIP Mindestintegrationsprogramm (Minimum Integration
Program)
MoU Absichtserklärung unter künftigen Vertragspartnern
(Memorandum of Understanding)
NASBRIG Nordafrikanische Bereitschaftskräfte (North African Standby
Brigade)
Drucksache 17/2833 – 68 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeNEPAD Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (New Partnership
for Africa’s Development)
NSK Nord-Süd-Korridor
OAS Organisation Amerikanischer Staaten (Organization of
American States)
OAU Organisation für Afrikanische Einheit (Organisation of African
Unity)
OECS Organisation Ostkaribischer Staaten (Organisation of Eastern
Caribbean States)
OIC Organisation der Islamischen Konferenz (Organisation of the
Islamic Conference)
OPDS Organ für Politik, Verteidigung und Sicherheit (Organ for
Politics, Defence and Security)
OSZE Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
OVKS Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit
PIDA Programm für die Entwicklung der Infrastruktur (Program for
Infrastructure Development)
PSC Friedens- und Sicherheitsrat (Peace and Security Council)
REC Regionale Wirtschaftsorganisationen (Regional Economic
Communities)
REDD Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung
von Wäldern. (Reduced Emissions from Deforestation and
Degradation)
RISDP Regionaler strategischer Entwicklungsplan (Regional
Indicative Strategic Development Plan)
SAARC Südasiatischer Verband für regionale Zusammenarbeit (South
Asian Association for Regional Cooperation)
SACU Südafrikanische Zollunion (Southern African Customs Union)
SADC Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (Southern
African Development Community)
SAFTA Südasiatische Freihandelszone (South Asian Free Trade Area)
SAPP Energieverbund des südlichen Afrikas (Southern African
Power Pool)
SAPTA SAARC-Präferenzabkommen (Agreement on SAARC
Preferential Trading Arangement)
SCO Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (Shanghai
Cooperation Organization)
SEANWFZ Südostasiatische Atomwaffenfreie Zone (South East Asia
Nuclear Weapon Free Zone)
SICA Zentralamerikanischen Integrationssystem
TAC Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit in Südostasien
(Treaty of Amity and Cooperation in Southeast Asia)
UMA Union des Arabischen Maghreb (Union du Maghreb Arabe)
UNAMID Mission der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union
in Darfur (United Nations – African Union Mission in Darfur)
UNASUR Union Südamerikanischer Nationen (Union of South American
Nations)
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 69 – Drucksache 17/2833UNDP Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (United
Nations Development Programme)
UNESCAP Wirtschafts- und Sozialkommission für Asien und den Pazifik
der Vereinten Nationen (United Nations Economic and Social
Commission for Asia and the Pacific)
UNFCCC Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über
Klimaänderungen (United Nations Framework Convention on
Climate Change)
UNIFEM Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen (United
Nations Development Fund for Women)
VN Vereinte Nationen (United Nations)
WTO Welthandelsorganisation (World Trade Organization)
ZOPFAN Zone des Friedens, der Freiheit und Neutralität (Zone of Peace,
Freedom and Neutrality)
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ISSN 0722-8333]