[Deutscher Bundestag Drucksache 17/2648
17. Wahlperiode 26. 07. 2010 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Andrea Wicklein, Willi Brase, Doris
Barnett, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD
– Drucksache 17/2519 –
Verbesserung der Chancen und Perspektiven für junge Menschen
in Ostdeutschland – Sicherstellung des wirtschaftlichen Aufholprozesses
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Wie aktuelle Fachkräftestudien belegen, besteht durch den demografischen
Wandel in Ostdeutschland gerade in Zukunftsbranchen ein zunehmender
Bedarf an qualifizierten jungen Arbeitskräften. Dieser Bedarf kann teilweise
nicht mehr durch vorhandene Arbeits- und Fachkräfte gedeckt werden.
Gleichzeitig ist festzustellen, dass die Arbeitslosigkeit in den ostdeutschen
Ländern noch immer fast doppelt so hoch ist wie in den westdeutschen
Bundesländern. Konstatiert wird darüber hinaus eine Disparität von benötigten
Fachkräften und vorhandenen Kompetenzen und Qualifikationen am
Arbeitsmarkt. Hält diese Entwicklung an, hat das negative Auswirkungen auf die
Perspektiven der dort lebenden Menschen, den wirtschaftlichen Aufholprozess
der ostdeutschen Länder und die Schaffung von gleichwertigen
Lebensverhältnissen. Werden keine wirksamen Maßnahmen ergriffen, wird es besonders
in den zukunftsträchtigen Wachstumsbranchen zu einem gravierenden Mangel
an Fachkräften und gleichzeitig zu noch höherer Arbeitslosigkeit,
insbesondere bei den gering qualifizierten Arbeitnehmern, kommen. Um Fachkräfte
für den wirtschaftlichen Aufholprozess in Ostdeutschland zu halten oder zu
gewinnen, müssen Maßnahmen gegen eine weitere hohe Abwanderung
getroffen werden. Denn Abwanderung ist oftmals Folge eines langwierigen
Abwägungs- und Entscheidungsprozesses aufgrund mangelnder sozialer,
kultureller und wirtschaftlicher Perspektiven. Der Jahresbericht zum Stand der
Deutschen Einheit 2009 stellt zum Beispiel fest, dass die Wohnbevölkerung
in Ostdeutschland zwischen 1991 und 2007 um 1,5 Millionen Einwohner
(–8,3 Prozent) auf 16,6 Millionen zurückgegangen ist. Im Jahr 2008 verloren
die ostdeutschen Länder nochmals per Saldo 51 000 Einwohner allein durch
Abwanderung. Es sind gerade die gut ausgebildeten 18- bis 25-Jährigen,
insbesondere junge Frauen, die den Osten verlassen haben. Für die
wirtschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland und die Sicherung des steigenden
Fachkräftebedarfs ist es deshalb wichtig, eine Gesamtstrategie zu entwickeln, um
gerade jungen Menschen Perspektiven in den ostdeutschen Regionen zu
eröffnen und sie dort zu halten. Dabei ist es notwendig, die Erfahrungen
beispielsweise der von der Bundesregierung geförderten Koordinierungsstelle
„Perspektiven für junge Menschen“ zu nutzen und neue Initiativen umzusetzen. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 22. Juli
2010 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/2648 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode1. Wie viele Jugendliche und junge Erwachsene leben aktuell in den
ostdeutschen Ländern (bitte aufschlüsseln nach Ländern)?
Die Zahl der jungen Menschen (15 bis unter 25 Jahre), die in den ostdeutschen
Bundesländern leben, ist in der folgenden Tabelle dargestellt:
Tabelle 1: Junge Menschen (15 bis unter 25 Jahre) in den ostdeutschen
Ländern am 31. 12. 2008
Quelle: Statistisches Bundesamt
2. Wie hat sich der Anteil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen an der
Gesamtbevölkerung seit 1990 in den ostdeutschen Ländern entwickelt
(bitte aufschlüsseln nach Jahren und Ländern)?
Die folgende Tabelle zeigt, wie sich der Anteil der jungen Menschen (15 bis
unter 25 Jahre) an der Gesamtbevölkerung in den ostdeutschen Bundesländern
seit 1990 entwickelt hat (zur Begriffsabgrenzung siehe Frage 1):
Tabelle 2: Entwicklung des Anteils der jungen Menschen (15 bis unter 25 Jahre) an der
Gesamtbevölkerung seit 1990 in den ostdeutschen Ländern
Land Junge Menschen
(15 bis unter 25 Jahre)
Berlin 380 587
Brandenburg 274 218
Mecklenburg-Vorpommern 192 887
Sachsen 450 536
Sachsen-Anhalt 261 273
Thüringen 248 882
Ostdeutsche Länder ohne Berlin 1 427 796
Ostdeutsche Länder mit Berlin 1 808 383
Jahr Berlin
Brandenburg
Mecklenburg-
Vorpommern
Sachsen Sachsen-
Anhalt
Thüringen
Ostdeutsche
Länder ohne
Berlin
Ostdeutsche
Länder mit
Berlin
1990 12,59 % 12,45 % 13,00 % 11,99 % 12,55 % 12,64 % 12,43 % 12,46 %
1991 11,88 % 11,86 % 12,37 % 11,44 % 11,89 % 12,05 % 11,83 % 11,84 %
1992 11,43 % 11,82 % 12,36 % 11,39 % 11,74 % 11,99 % 11,77 % 11,70 %
1993 11,08 % 11,92 % 12,47 % 11,49 % 11,72 % 12,01 % 11,83 % 11,68 %
1994 10,82 % 12,01 % 12,69 % 11,63 % 11,70 % 12,08 % 11,93 % 11,71 %
1995 10,76 % 12,19 % 12,96 % 11,81 % 11,76 % 12,20 % 12,09 % 11,83 %
1996 10,76 % 12,36 % 13,14 % 11,91 % 11,81 % 12,31 % 12,20 % 11,92 %
1997 10,92 % 12,66 % 13,50 % 12,20 % 12,02 % 12,58 % 12,48 % 12,18 %
1998 11,18 % 13,00 % 13,86 % 12,50 % 12,36 % 12,90 % 12,81 % 12,49 %
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/2648Quelle: Statistisches Bundesamt
3. Wie hat sich die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen und jungen
Erwachsenen seit 1990 in den ostdeutschen Bundesländern entwickelt (bitte
aufschlüsseln nach Jahren und Ländern)?
Die Zahl arbeitsloser junger Menschen unter 25 Jahren betrug in
Ostdeutschland im Jahresdurchschnitt 1993 rund 147 700 und im Jahr 2009 rund 121 100.
Dies entspricht jeweils einer Arbeitslosenquote von 13,5 Prozent bzw. 12,9
Prozent. Für den Vergleich wird auf das Jahr 1993 abgestellt, weil für die Vorjahre
entsprechende Angaben fehlen*. Die Angaben nach Bundesländern ergeben
sich aus Anlage 1.
4. Mit welchen Maßnahmen wird die Bundesregierung den
Herausforderungen für die wirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands, beispielsweise der
steigenden Abwanderung, der höheren Jugendarbeitslosigkeit und höheren
Armut, begegnen?
Um den beispielhaft genannten Herausforderungen wirksam zu begegnen,
unterstützt die Bundesregierung die wirtschaftliche Entwicklung der
ostdeutschen Bundesländer mit Hilfe umfassender Förderprogramme. Im Mittelpunkt
stehen hier insbesondere die Förderung von einzelbetrieblichen Investitionen,
von Innovationen sowie des Ausbaus der Infrastruktur. Die Förderung hat in
den vergangenen Jahren zu steigender Beschäftigung und u. a. zur Entwicklung
einer wettbewerbsfähigen industriellen Basis beigetragen. Die Zahl der
Arbeitslosen ist seit 2005 in Ostdeutschland rückläufig. Auch ist die ostdeutsche
Wirtschaft bislang besser durch die Wirtschafts- und Finanzkrise gekommen, wie
die Entwicklung am Arbeitsmarkt zeigt: Im Vergleich zum Vorjahr gibt es jetzt
1999 11,38 % 13,32 % 14,19 % 12,78 % 12,68 % 13,21 % 13,12 % 12,78 %
2000 11,58 % 13,57 % 14,44 % 13,00 % 12,92 % 13,49 % 13,36 % 13,01 %
2001 11,77 % 13,70 % 14,61 % 13,12 % 13,13 % 13,67 % 13,52 % 13,17 %
2002 11,95 % 13,74 % 14,64 % 13,15 % 13,24 % 13,74 % 13,58 % 13,25 %
2003 12,04 % 13,72 % 14,60 % 13,12 % 13,31 % 13,76 % 13,57 % 13,26 %
2004 11,98 % 13,57 % 14,47 % 13,00 % 13,28 % 13,58 % 13,45 % 13,16 %
2005 11,86 % 13,25 % 14,19 % 12,80 % 13,14 % 13,28 % 13,21 % 12,94 %
2006 11,59 % 12,57 % 13,46 % 12,23 % 12,55 % 12,57 % 12,57 % 12,37 %
2007 11,33 % 11,72 % 12,56 % 11,49 % 11,79 % 11,75 % 11,77 % 11,68 %
2008 11,09 % 10,87 % 11,59 % 10,75 % 10,97 % 10,97 % 10,96 % 10,99 %
Jahr Berlin
Brandenburg
Mecklenburg-
Vorpommern
Sachsen Sachsen-
Anhalt
Thüringen
Ostdeutsche
Länder ohne
Berlin
Ostdeutsche
Länder mit
Berlin
* Absolute Zahlen zu arbeitslosen 15- bis unter 25-Jährigen in den ostdeutschen Bundesländern liegen
als Jahreswerte ab 1991 vor. Jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquoten können für diese Bundesländer
ab 1993 ausgewiesen werden; die Beschäftigungsstatistik für Ostdeutschland als wichtiger Bestandteil
der Bezugsgrößenberechnung befand sich in der ersten Zeit nach der Wiedervereinigung noch im
Aufbau. Als Nennergröße für die Ermittlung der Arbeitslosenquoten Jüngerer wurden bis 2007
ausschließlich die abhängigen zivilen Erwerbspersonen verwendet. Ab 2008 erfolgt zusätzlich eine Berechnung
der Quoten auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen.
Drucksache 17/2648 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode10,4 Prozent weniger Arbeitslose, in Westdeutschland ist der Rückgang mit
6,2 Prozent geringer. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen
Beschäftigten stieg bis 2008 in den ostdeutschen Bundesländern an und hat auch
im Krisenjahr 2009 keinen Einbruch erlebt. Im Übrigen vergleiche auch
Antwort zu Frage 12.
5. Wie reagiert die Bundesregierung im Einzelnen darauf, dass die Situation
in Ostdeutschland nicht allein durch den demografischen Wandel (höhere
Lebenserwartung und Geburtenrückgang), sondern vor allem durch eine
kontinuierliche Abwanderung gerade bei jüngeren Menschen
gekennzeichnet ist, und welche Gegenmaßnahmen werden ergriffen?
6. Was unternimmt bzw. plant die Bundesregierung, um insbesondere jungen
Menschen eine Bleibeperspektive in Ostdeutschland oder
Rückkehroptionen zu eröffnen?
Die Fragen 5 und 6 werden wegen des inhaltlichen Zusammenhangs
gemeinsam beantwortet:
Abwanderung aus den neuen Bundesländern ist auf vielfältige Ursachen
zurückzuführen. Es spielen insbesondere das Lebensalter, der Bildungsstand,
die soziale Infrastruktur, ein familienfreundliches Umfeld, die Ausbildung und
vor allem die Beschäftigungsmöglichkeiten am Lebensort eine Rolle. Die
Wanderung junger Menschen an den Ort einer Ausbildungseinrichtung – in der
Regel größere Zentren – erfolgt gleichermaßen in Ost- und Westdeutschland.
Der Wanderungssaldo ist aber insbesondere bei jungen Erwachsenen für die
neuen Bundesländer negativ. Die Bundesregierung ergreift, wie in der Antwort
zu Frage 4 dargestellt, zahlreiche Maßnahmen im Bereich der regionalen
Wirtschaftsförderung, um in den neuen Bundesländern die Schaffung qualitativ
hochwertiger Arbeitsplätze zu unterstützen. Der Beauftragte der
Bundesregierung für die Neuen Bundesländer erarbeitet gemeinsam mit den neuen
Bundesländern ein Handlungskonzept, das sich auch mit diesen Fragen
auseinandersetzt.
7. Inwieweit waren entsprechende Überlegungen und Maßnahmen Thema
des sogenannten Zukunftsgipfels der Bundesregierung am 18. Juni 2010 in
Meseberg, und falls ja, was ist das Ergebnis entsprechender Gespräche?
Diese spezifischen Aspekte waren nicht Gegenstand des Zukunftsgespräches
am 18. Juni 2010.
8. Hält die Bundesregierung den Mobilitätszuschuss für unter 25-Jährige im
Sozialgesetzbuch angesichts des sich anbahnenden Fachkräftemangels in
den ostdeutschen Bundesländern noch für zeitgemäß?
Die Mobilität junger Menschen wird im Arbeitsförderungsrecht mit dem
Vermittlungsbudget und der Berufsausbildungsbeihilfe während einer beruflichen
Ausbildung oder einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme gefördert.
Diese Leistungen zielen darauf ab, das vorhandene Ausbildungs- und
Arbeitsstellenangebot weitestmöglich auszuschöpfen und Fachkräftemangel möglichst
zu vermeiden. Im Übrigen vergleiche Antwort zu Frage 4.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/26489. Welche geschlechterspezifischen Maßnahmen hat die Bundesregierung
ergriffen, um vor allem die mehrheitlich abwandernden jungen Frauen
anzusprechen und ihnen eine Perspektive zu eröffnen, die Anlass zum
Bleiben oder Wiederkommen gibt?
10. Wie erfolgreich waren aus Sicht der Bundesregierung diese Maßnahmen?
Die Fragen 9 und 10 werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung setzt mit dem seit 2008 jährlich stattfindenden Kongress
„Frauen machen neue Länder“ ein positives Zeichen für die Zukunft von
jungen, ambitionierten und talentierten Frauen in den neuen Bundesländern. In
der Begleitstudie zum Kongress werden die Rolle von ostdeutschen Frauen in
verschiedenen Themenbereichen untersucht und Entwicklungsperspektiven
sowie Good-practice-Beispiele aufgezeigt.
Das auf der Internetseite
www.frauenmachenneuelaender.de aufgebaute
interaktive Mentorinnennetzwerk leistet einen wichtigen Beitrag zum Austausch
von Erfahrungen und dient der Vernetzung von erfolgreichen Frauen mit
Nachwuchsfrauen. Unter dem Motto „Erfolg trifft Zukunft“ soll das Format in den
nächsten Jahren fortgesetzt werden.
11. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass ostdeutsche Jugendliche
– insbesondere in den ländlichen Regionen – gleichwertige
Lebensverhältnisse und gleichwertiges Lohnniveau vorfinden und eine
funktionierende Daseinsvorsorge in Anspruch nehmen können?
Die Vereinbarung von Entgelten ist grundsätzlich Aufgabe der
Tarifvertragsbzw. Arbeitsvertragsparteien. Die Wertigkeit der Lebensverhältnisse wird
zudem nicht allein durch das Lohnniveau bestimmt. Zu berücksichtigen ist
insbesondere auch das lokale Preisniveau und die lokale Infrastruktur, wie
beispielsweise Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Der Beauftragte der Bundesregierung
für die Neuen Bundesländer erarbeitet mit den ostdeutschen Bundesländern ein
Handlungskonzept, das neue Lösungsansätze zur Sicherung der privaten und
öffentlichen Infrastruktur aufzeigen soll.
12. Welche Maßnahmen ergreift und plant die Bundesregierung – ggf.
gemeinsam mit den Ländern –, um eine verlässliche Infrastruktur der
Kinder- und Jugendhilfe und der Jugendarbeit vor Ort zu sichern?
Nach der Kompetenzordnung des Grundgesetzes (GG) obliegt dem Bund die
Verpflichtung, mit Hilfe gesetzlicher Regelungen im Bereich der Kinder- und
Jugendhilfe positive Rahmenbedingungen für die Entwicklung und Erziehung
von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu schaffen. So hat der
Bund im Rahmen des Achten Buches Sozialgesetzbuch – Kinder- und
Jugendhilfe (SGB VIII) – in den letzten Jahren die Rechtsgrundlagen für den
bundesweiten Ausbau der Tagesbetreuung für Kinder im Alter unter drei Jahren
geschaffen sowie den Schutzauftrag des Jugendamts bei Kindeswohlgefährdung
gesetzlich geregelt. Der Kinderschutz wird in dieser Legislaturperiode durch
ein Kinderschutzgesetz weiter gestärkt werden.
Die Umsetzung des SGB VIII obliegt den Ländern (Artikel 83 GG) und
Kommunen im Rahmen der verfassungsrechtlich garantierten kommunalen
Selbstverwaltung (Artikel 28 GG). Es ist demnach Aufgabe der Länder und
Kommunen, eine den gesetzlichen Vorgaben des SGB VIII entsprechende
Angebotsstruktur der Kinder- und Jugendhilfe sicherzustellen, die den regional
unterschiedlichen Rahmenbedingungen und auch den fortwährenden
gesellschaftlichen Veränderungsprozessen Rechnung trägt. Rechtliche Grundlage für
Drucksache 17/2648 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodedie kommunalen Gebietskörperschaften als örtliche Träger der Jugendhilfe ist
die ihnen gesetzlich zugewiesene Gesamtverantwortung für die Erfüllung der
Aufgaben des SGB VIII (§ 79 SGB VIII). Sie sollen gewährleisten, dass die
dafür erforderlichen und geeigneten Einrichtungen, Dienste und Veranstaltungen
den verschiedenen Grundrichtungen der Erziehung entsprechend rechtzeitig
und ausreichend zur Verfügung stehen (§ 79 Absatz 2 SGB VIII).
Der Bund unterstützt Länder und Kommunen bei der Umsetzung der
bundesrechtlichen Regelungen vor allem im Rahmen seiner Anregungs- und
Förderfunktion (§ 83 SGB VIII). So verstärkt und bündelt das Bundesministerium für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in der Initiative JUGEND
STÄRKEN ihre Anstrengungen zur gezielten Förderung von benachteiligten
jungen Menschen und jungen Menschen mit Migrationshintergrund. Dabei steht
die Harmonisierung der Übergänge zwischen Schule und Arbeitsmarkt auf der
Grundlage der Festlegungen im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und
FDP im Vordergrund. JUGEND STÄRKEN bietet mit den Programmen
Schulverweigerung – Die 2. Chance, Kompetenzagenturen, STÄRKEN vor Ort
– Lokales Kapital für soziale Zwecke (LOS) und den Jugendmigrationsdiensten
an mehr als 1 000 Standorten ein Netz an zielgruppenspezifischen
Unterstützungsangeboten. Darüber hinaus startet das BMFSFJ ab Herbst 2010 die
Umsetzung des Modellprogramms JUGEND STÄRKEN: Aktiv in der Region zur
Erprobung neuer Konzepte zur Integration benachteiligter Jugendlicher und
neuer Wege für eine aktive Jugendsozialarbeit an rund 35 Standorten.
Um eine verlässliche Infrastruktur für die Kinder- und Jugendhilfe zu schaffen
und zu erhalten werden im Rahmen des Kinder- und Jugendplans des Bundes
die Aufgaben bundeszentraler Träger der freien Jugendhilfe finanziert.
Beim Ausbau der Tagesbetreuung für unter dreijährige Kinder beteiligt sich der
Bund mit einem Drittel, insgesamt 4 Mrd. Euro, an den bis 2013 entstehenden
Ausbaukosten. Hiervon sind 2,15 Mrd. Euro für Investitionen in
Betreuungsplätze – darunter 387,6 Mio. Euro für die neuen Bundesländer – und 1,85 Mrd.
Euro für die Unterstützung der Länder und Kommunen bei den Betriebskosten
vorgesehen. Die Investitionsmittel können, um der angesichts eines bereits
bestehenden hohen Versorgungsniveaus besonderen Ausgangssituation in den
neuen Bundesländern gerecht zu werden, nicht nur zur Schaffung neuer Plätze,
sondern auch für die Sicherung des Platzangebots durch bauliche Investitionen
verwendet werden. Auch nach 2013 beteiligt sich der Bund mit jährlich 770
Mio. Euro an den Betriebskosten. Dies entspricht in besonderer Weise dem
Bedarf der ostdeutschen Länder, die sich hierdurch konsequent der Verbesserung
der Qualität von Bildung, Betreuung und Erziehung insbesondere der Kinder
unter drei Jahren zuwenden können.
13. Welche Maßnahmen will die Bundesregierung ergreifen, um die Zusage,
jedem Jugendlichen, der ausbildungsfähig und -willig ist, ein
Ausbildungsangebot zu unterbreiten, das zu einem anerkannten
Berufsabschluss führt, auch für ostdeutsche Jugendliche in strukturschwachen
Regionen einzuhalten?
Die Bundesregierung hat sich mit dem Nationalen Pakt für Ausbildung und
Fachkräftenachwuchs gemeinsam mit der Wirtschaft das Ziel gesetzt, allen
Jugendlichen, die ausbildungsfähig und -willig sind, ein Angebot für
Ausbildung oder Qualifizierung zu unterbreiten. Es ist seit Paktgründung im Jahr
2004 gelungen, fast allen Jugendlichen, die die Voraussetzungen erfüllten, ein
solches Angebot zu unterbreiten. Dies gilt auch für die ostdeutschen
Jugendlichen und sogar im Krisenjahr 2009. Die seit 2006 zu beobachtende
Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt führt im Übrigen insgesamt dazu, dass
sich das rechnerische Angebot derzeit zugunsten der ausbildungswilligen
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/2648Jugendlichen entwickelt. Mobile Jugendliche haben nach wie vor gute
Chancen, auch ihren Wunschberuf erlernen zu können. Es ist erklärtes Ziel aller
Beteiligten, insbesondere der Akteure vor Ort (Agenturen für Arbeit,
Grundsicherungsstellen wie auch der Kammern), regionale und branchenspezifische
Disparitäten abzumildern.
14. Welche Mittel will die Bundesregierung für einen qualitativen Aufbau
qualifizierender und berufsbildender Maßnahmen für junge Menschen in
Ostdeutschland in der aktiven Arbeitsmarktpolitik vor dem Hintergrund
der geplanten Sparmaßnahmen und u. a. der damit verbundenen
Streichung von Pflichtleistungen in der Arbeitsförderung im Bereich der
Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung stellen?
Über den Haushalt der Bundesagentur für Arbeit (BA) wird jährlich
entschieden. Für die Integration junger Menschen an der 1. Schwelle, also beim
Übergang von Schule in Berufsausbildung, haben die Bundesagentur für Arbeit und
die Grundsicherungsstellen im Jahr 2009 in Deutschland rund 2,9 Mrd. Euro
ausgegeben1. Diese Leistungen werden auch künftig bedarfsgerecht eingesetzt.
Die Bundesregierung bewertet die einzelnen Pflichtleistungen gemeinsam mit
allen anderen arbeitsmarktpolitischen Instrumenten entsprechend dem Auftrag
des Koalitionsvertrages zur Überprüfung der Arbeitsmarktinstrumente. Dabei
wird sie die bis Ende 2010 ausgewerteten Evaluationsergebnisse
berücksichtigen.
15. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zur Situation der
Altbewerber in den neuen Bundesländern, und wie bewertet die
Bundesregierung in diesem Zusammenhang das Instrument des
Ausbildungsbonus für Altbewerber?
„Altbewerber“ sind nach der Definition der Bundesagentur für Arbeit bei der
Arbeitsverwaltung gemeldete Bewerber für Berufsausbildungsstellen, welche
die Schule bereits im Vorjahr oder in noch früheren Jahren verlassen haben. Die
Zahl der Altbewerber hat in Ostdeutschland bereits stark abgenommen. Wurden
dort vor vier Jahren noch 110 100 Altbewerber registriert (54 Prozent aller
Bewerber), waren es im Berichtsjahr 2008/09 nur noch rund 53 100 Altbewerber
(51,7 Prozent aller Bewerber) 2. Dieser Trend wird sich voraussichtlich
fortsetzen. Angesichts der demografischen und konjunkturellen Entwicklung ist
damit zu rechnen, dass sich die Einmündungschancen der Altbewerber in
berufliche Ausbildung in den neuen Bundesländern verbessern.
Dem Deutschen Bundestag ist bis zum 31. Juli 2010 ein Zwischenbericht über
die Evaluation des Ausbildungsbonus vorzulegen.
16. Plant die Bundesregierung die Erhöhung des Anteils dualer
Berufsausbildungen an allen in Ostdeutschland durchgeführten Berufsausbildungen
zu unterstützen?
Wenn ja, mit welchen Maßnahmen?
Mit dem Ausbildungsstrukturprogramm JOBSTARTER fördert das
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) noch bis Ende 2013 eine
umfassende Initiative zur Verbesserung der Ausbildungsplatzsituation von
Jugendlichen bundesweit. Insgesamt wurden 287 Projekte in die Förderung aufgenom-
1 Angaben nach Regionen und Bundesländern liegen nicht vor.
2 Jeweils ohne Bewerber bei zugelassenen kommunalen Trägern.
Drucksache 17/2648 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodemen; 130 davon in Ostdeutschland. Ziel des Programms ist, Unternehmen für
die Ausbildung zu gewinnen und regionale Ausbildungsstrukturen zu
verbessern.
JOBSTARTER-Projekte unterstützen insbesondere kleine und mittelständische
Unternehmen (KMU) sowie Existenzgründer bei allen mit der
Berufsausbildung verbundenen Fragen und Aufgaben, um ihre Ausbildungsbereitschaft
und -fähigkeit zu sichern und zu erhöhen. So konnten bisher rund 43 500
Ausbildungsplätze durch JOBSTARTER geschaffen werden. 48 Prozent aller
akquirierten Ausbildungsplätze wurden in den neuen Bundesländern und Berlin
eingerichtet; das sind knapp 21 000. Von den insgesamt rund 350 dualen
Ausbildungsberufen konnten dort von den JOBSTARTER-Projekten Jugendliche in
269 unterschiedliche duale Ausbildungsberufe vermittelt werden.
17. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den zunehmenden
Anteil privater Anbieter im Bereich des schulischen Anteils der dualen
Ausbildung in den ostdeutschen Bundesländern?
Wie bewertet die Bundesregierung die Entwicklung, u. a. in Hinblick auf
das flächendeckende staatliche Angebot dualer Ausbildungsgänge in den
ostdeutschen Ländern?
Nach den Angaben des Statistischen Bundesamts hat sich die Anzahl der
privaten Teilzeit-Berufsschulen in den ostdeutschen Bundesländern einschließlich
Berlin im Zeitraum von 1992 bis 2008 von 8 auf 61 erhöht. Ab 1996 wurde das
Berufsgrundbildungsjahr in kooperativer Form in die Statistik aufgenommen.
Vom Jahr 2000 auf 2008 ist in den neuen Bundesländern ein Zuwachs von
19,7 Prozent zu verzeichnen. Im westlichen Teil findet sich für denselben
Zeitraum ein Rückgang von 148 privaten Teilzeit-Berufsschulen auf 135 Teilzeit-
Berufsschulen; wobei der Wert in den letzten drei Jahren nahezu konstant blieb.
Der Anteil der privaten Einrichtungen gemessen an dem der öffentlichen
beträgt im östlichen Bundesgebiet im Schuljahr 2008/2009 16,5 Prozent; in den
alten Bundesländern beträgt er 10,5 Prozent.
Im Schuljahr 2008/2009 liegt für die neuen Bundesländer der Anteil der
Schülerinnen und Schüler, die eine private Teilzeit-Berufsschule im Verhältnis zu
denjenigen, die eine öffentliche besuchen, bei 2,8 Prozent. Der Wert
unterscheidet sich nur geringfügig von dem in den alten; hier liegt er bei 2,5 Prozent.
Im Durchschnitt sowohl der neuen als auch der alten Bundesländer befinden
sich 11 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse einer privaten Einrichtung.
Die durchschnittliche Klassenstärke öffentlicher Berufsschulen liegt bei 19
(alte Bundesländer) bzw. 20 (neue Bundesländer). Der Anteil der Absolventen
und Abgänger privater Teilzeit-Berufsschule im östlichen Bundesgebiet liegt
gemessen an denjenigen öffentlicher Einrichtungen bei 3,2 Prozent. Er
unterscheidet sich nur geringfügig von dem privater Einrichtungen in den alten
Bundesländern (2,9 Prozent).
Obwohl es im Verhältnis zu den öffentlichen Teilzeit-Berufsschulen in den
neuen Bundesländern mehr private gibt als in den alten Bundesländern, finden
sich in beiden Gebieten ein vergleichbarer Anteil von Schülerinnen und
Schüler, die eine private Einrichtung besuchen. Im Unterschied zu den privaten
Teilzeit-Berufsschulen ist die Klassengröße öffentlicher Einrichtungen überall im
Bundesgebiet fast doppelt so hoch.
Die Organisation des Berufsschulunterrichts fällt in die Länderhoheit.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/264818. Wie will die Bundesregierung im Rahmen der geplanten
„Zukunftsinitiative Fachkräftesicherung“ gemeinsam mit den ostdeutschen Ländern,
Kammern und Sozialpartnern regionsspezifische Handlungsansätze zur
Verbesserung des Fachkräfteangebots entwickeln und dafür Sorge tragen,
dass neben der Qualifizierung von Fachkräften auch
Nachqualifizierungsangebote – insbesondere für gering qualifizierte und arbeitslose junge
Erwachsene – erarbeitet werden?
Die Planungen zur „Zukunftsinitiative Fachkräftesicherung“ befinden sich
derzeit in der Abstimmung. Konkrete Maßnahmen können erst nach Beendigung
des Abstimmungsprozesses bekannt gegeben werden.
Die Fachkräfteentwicklung kann durch Fördern des Nachholens eines
Berufsabschlusses bei jungen und erwachsenen Menschen durch die Bundesagentur
für Arbeit bzw. die Träger der Grundsicherung für Arbeitsuchende auf
Grundlage des SGB III bzw. SGB II unterstützt werden. Die Bundesagentur für Arbeit
hat durch zwei Programme ihre Förderaktivitäten in diesem Bereich erheblich
verstärkt. Das sog. WeGebAU-Programm ermöglicht insbesondere
beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das Nachholen eines
Berufsabschlusses. Das in diesem Jahr neu aufgelegte BA-Programm zur Flankierung des
Strukturwandels richtet sich insbesondere an arbeitslose Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer, die noch nicht über einen Berufsabschluss verfügen. Beide
Programme werden auch in den neuen Bundesländern erfolgreich eingesetzt.
19. Welche Maßnahmen wird die Bundesregierung ergreifen, um das
Anwerbeverhalten – hier laut Bundesinstitut für Berufsbildung besonders
das Informationsmismatch – ostdeutscher Betriebe zu verbessern, damit
vorhandene Ausbildungskapazitäten besser ausgeschöpft werden
können?
Siehe auch Antwort zu Frage 16.
Die JOBSTARTER- Projekte unterstützen die Unternehmen im Rahmen des
Externen Ausbildungsplatzmanagement – EXAM. Vom Bedarf der
Unternehmen ausgehend, wird die Ausbildungssituation durch individuelle, gezielte
Angebote verbessert. Oft wird das Interesse an eigener betrieblicher
Ausbildung bei den Unternehmen erst durch die JOBSTARTER-Projekte geweckt.
Die wichtigsten Aufgaben von EXAM im Überblick:
● Einrichtung von Ausbildungsplätzen: Betriebe motivieren und
Voraussetzungen schaffen,
● Ausbildungsmarketing: Bewerber für Ausbildungsstellen gewinnen,
● Standortmarketing: Fachkräftenachwuchs in den neuen Bundesländern
sichern,
● Bewerberauswahl: Ausbildungsplätze passgenau besetzen,
● Konfliktmanagement: Ausbildungsabbrüche vermeiden,
● Nachhaltigkeit: Ausbildungsbeteiligung der Betriebe sichern.
Die von JOBSTARTER-Projekten angebotenen Dienstleistungen wirken dem
im BIBB-Report vom 14. September 2009 konstatierten Informationsmismatch
effektiv entgegen.
Drucksache 17/2648 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode20. Plant die Bundesregierung das Ausbildungsprogramm Ost für
Ausbildungsbewerberinnen und -bewerber, die besonders in strukturschwachen
Wirtschaftsgebieten nicht in eine Ausbildung vermittelt werden konnten,
zu verlängern?
Wenn ja, für welchen Zeitraum, und wenn nein, warum nicht?
Die Bundesregierung plant keine Verlängerung des Ausbildungsplatzprogramms
Ost. Für eine Neuauflage bzw. Fortsetzung des Programms nach dessen
Auslaufen im Jahr 2013 besteht angesichts der demografischen Entwicklung und den
dadurch bedingten rückläufigen Schulabgängerzahlen kein Bedarf. Dies hat eine
Abfrage bei den neuen Bundesländern bestätigt.
21. Wie erklärt sich die Bundesregierung den Umstand, dass in den
ostdeutschen Bundesländern Jugendliche nach erfolgloser
Ausbildungsplatzsuche weitaus häufiger in eine vollqualifizierende oder schulische
Berufsausbildung vermittelt werden als in den westdeutschen
Bundesländern, obwohl es u. a. besonders im ostdeutschen Handwerk
Besetzungsprobleme von Ausbildungsplätzen gibt?
Eine Ursache kann in der Wirtschaftsstruktur in Ostdeutschland gesehen
werden. Möglicherweise gibt es darüber hinaus noch andere strukturelle Gründe.
Denn durchschnittlich ist die betriebliche Ausbildung in den neuen
Bundesländern Deutschlands weniger stark verankert als in den alten Bundesländern. Es
kommt hinzu, dass der Anteil ausbildungsberechtigter Betriebe im Osten
niedriger ist als im Westen. Um dennoch den ostdeutschen Jugendlichen
ausreichend Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, wurden in einem
erheblichen Maße öffentliche Mittel dafür investiert. Die dennoch bestehenden
Besetzungsprobleme insbesondere im ostdeutschen Handwerk sind durch den
massiven Rückgang von Schulabgängerzahlen erklärbar. Zudem empfinden
offenbar viele Jugendliche Ausbildungsstellen im Handwerk als weniger
attraktiv.
Angesichts der zu beobachtenden Entwicklung vom Lehrstellen- zum
Bewerbermangel sollten die betroffenen Bundesländer die schulische
Berufsqualifizierung im kaufmännischen und gewerblich technischen Bereich rasch
zugunsten voll qualifizierender dualer Ausbildung in Betrieben zurückfahren.
22. Wie wird die Bundesregierung auf die ostdeutschen Länder einwirken,
damit an den Schulen die Berufsorientierung verbessert wird?
Das BMBF hat bereits im April 2008 ein Berufsorientierungsprogramm
aufgelegt, das allen Schülerinnen und Schülern ab Klasse 8 eine zweiwöchige
Berufsorientierung in überbetrieblichen und vergleichbaren
Berufsbildungsstätten anbietet. Davon haben in den ostdeutschen Bundesländern
einschließlich Berlin bislang ca. 28 000 Schülerinnen und Schüler Gebrauch gemacht.
Um die Berufsorientierung an der Werkbank noch individueller und
zielgerichteter gestalten zu können, wird seit Juni 2010 eine Potenzialanalyse
vorangestellt. Mit dem Haushalt 2010 stehen dem BMBF Mittel für eine annähernd
flächendeckende Berufsorientierung in überbetrieblichen und vergleichbaren
Berufsbildungsstätten für Schülerinnen und Schüler, die an einer dualen
Ausbildung Interesse haben, zur Verfügung.
Darüber hinaus werden im Rahmen des Sonderprogramms
Berufseinstiegsbegleitung des BMBF/Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, das
Bestandteil der BMBF-Initiative „Anschluss und Abschluss – Bildungsketten bis
zum Ausbildungsabschluss“ ist, an bis zu 228 Schulen in den neuen
Bundesländern und Berlin Berufseinstiegsbegleiter ergänzend zu der über § 421s SGB III
eingeführten Berufseinstiegsbegleitung tätig. Das BMBF unterstützt Jugend-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/2648liche auf der Basis von Potenzialanalysen individuell, auch in der
Berufsorientierung.
Die BA hat ihr Engagement im Rahmen der Förderung von
Berufsorientierungsmaßnahmen nach dem Arbeitsförderungsrecht gemeinsam mit den
Bundesländern, die in der Regel die Kofinanzierung leisten, stark ausgeweitet.
Damit können Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender Schulen ab der
Vorabgangsklasse durch eine intensive Berufswahlvorbereitung frühzeitig auf
das Berufsleben vorbereitet werden.
Im Beschäftigungschancengesetz ist die befristete Verlängerung der erweiterten
vertieften Berufsorientierung bis Ende 2013 vorgesehen, die gleichermaßen in
Ost- und Westdeutschland Schülerinnen und Schüler allgemeinbildendender
Schulen auf das Berufsleben vorbereitet.
23. Wie viele Jugendliche werden in den ostdeutschen Bundesländern im
Verbund ausgebildet?
Daten liegen hierzu nicht vor.
24. Wie bewertet die Bundesregierung das Anwachsen der Anzahl
kostenpflichtiger überbetrieblicher Ausbildungen, insbesondere in
Ostdeutschland, und welche Konsequenzen zieht sie daraus?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse über ein Anwachsen der
Anzahl kostenpflichtiger überbetrieblicher Ausbildungen insbesondere in den
neuen Bundesländern vor. Im Gegenteil führt die demografische Entwicklung
und die damit verbundene sinkende Nachfrage nach Ausbildungsplätzen gerade
in den neuen Bundesländern zu einer sich immer mehr verstärkenden
rückläufigen Auslastung der überbetrieblichen Berufsbildungsstätten mit Lehrgängen
zur überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung.
25. Wie bewertet die Bundesregierung die Bilanz der Arbeit der
Koordinierungsstelle „Perspektiven für junge Menschen“ seit 2005, und ist eine
weitere Förderung nach 2010 geplant?
Wenn ja, mit welchem Volumen?
Aufbauend auf den Erfahrungen der Bundesinitiative „Wir … hier und jetzt!“
hat die Bundesregierung seit 2005 das Projekt “Koordinierungsstelle ,
Perspektiven für junge Menschen – gemeinsam gegen Abwanderung‘“ der Stiftung
Demokratische Jugend gefördert. Ziel des Projektes ist es, in Kooperation
zwischen öffentlichen Trägern, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Konzepte und
Ideen zu entwickeln, um junge Menschen darin zu bestärken, in die eigene
Lebensplanung auch die Chancen und Vorteile, die die eigene Region bietet,
mit einzubeziehen. Beispielhaft sollen dabei Projekte zur Entwicklung sozialer
Netzwerke z. B. durch die Förderung von Jugendinitiativen,
zivilgesellschaftlichem Engagement und Heimatverbundenheit sowie von Perspektiven im
Übergang zwischen Schule und Beruf als Instrumente unterstützt bzw. angeregt
werden.
Die Projektlaufzeit ist bis zum 31. Dezember 2010 festgelegt. Daher steht eine
abschließende Bewertung noch aus.
Aktuell liegt der Bundesregierung ein Vorschlag des bisherigen Trägers der
Maßnahme vor, aufbauend auf den eigenen Erfahrungen eine Neuausrichtung
des Projektes vorzunehmen. Eine Prüfung des Vorschlages wird im Kontext mit
der Bewertung des bisherigen Projektes erfolgen.
Drucksache 17/2648 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode26. Wie trägt die Bundesregierung im Rahmen der angekündigten
Demografiestrategie dafür Sorge, dass die Erfahrungswerte, die in der
Koordinierungsstelle „Perspektiven für junge Menschen“ mit dem
demografischen Wandel in den ostdeutschen Ländern gesammelt wurden, gesichert
und dass daraus übertragbare Handlungsstrategien für andere betroffene
Regionen entwickelt werden?
Die Bundesregierung hat mit Beschluss vom 17./18. November 2009 den
Bundesminister des Innern beauftragt, einen interministeriellen Ausschuss
„Demografie“ zur Koordinierung von Programmen und Initiativen der Ressorts
zur Gestaltung des demografischen Wandels auf Staatssekretärsebene
einzuberufen. Der Ausschuss wird bis 2011 einen Bericht zur demografischen
Lage und zur künftigen Entwicklung des Landes sowie hierauf aufbauend bis
2012 eine ressortübergreifende Demografiestrategie der Bundesregierung
erarbeiten. Im interministeriellen Ausschuss, der sich am 23. März 2010
konstituiert hat, sind alle Bundesressorts vertreten. Erfahrungswerte, die von der vom
BMFSFJ unterstützten Koordinierungsstelle „Perspektive für junge Menschen“
mit dem demografischen Wandel in den ostdeutschen Bundesländern
gesammelt wurden, fließen über das im Ausschuss vertretene BMFSFJ in den
Demografiebericht und die darauf aufbauende Demografiestrategie ein.
27. Wie soll die angekündigte Expertenkommission zur Erarbeitung der
ressortübergreifenden Demografiestrategie zusammengesetzt sein, und
finden die Erfahrungen der Koordinierungsstelle Eingang in die
Expertenkommission?
Die ressortübergreifende Demografiestrategie wird nicht von einer
Expertenkommission, sondern vom interministeriellen Ausschuss „Demografie“ unter
Beteiligung aller Bundesressorts erarbeitet (s. Antwort zu Frage 26).
D
eu
tsch
er B
u
n
d
estag
–
1
7
. W
ah
lp
erio
d
e
–
1
3
–
D
ru
cksach
e 17/2648
us den IT-V erfahren der BA, ab 2005
zusätzlen Daten geliefert wurden – auf ergänzenden
influssen kann. Analysen längerer Zeitreihen
-
n
Brandenbur g
Berlin
Sachsen-
Anhalt
Thüringen Sachsen
13 14 15 16 17
23 825 . 31 757 26 494 36 981
21 104 29 312 30 679 25 083 36 598
21 120 26 169 26 919 22 589 33 333
19 510 23 752 26 352 21 113 32 486
17 064 23 152 22 919 18 333 28 939
18 715 25 314 24 775 20 523 31 617
21 683 28 025 27 218 22 282 36 848
23 437 29 928 26 243 21 238 39 080
22 960 27 787 26 290 18 901 38 302
25 844 30 424 29 314 22 039 43 261
27 685 32 195 28 701 23 010 44 875
29 964 35 307 30 260 25 216 48 054
30 588 35 055 29 943 25 118 44 750
29 997 31 731 28 970 24 475 44 000
33 029 38 560 32 904 27 753 52 533
29 009 33 214 27 244 21 712 45 820
23 833 27 009 21 845 16 850 37 272
19 490 24 393 18 920 14 051 32 050
18 615 25 004 18 316 14 266 31 506Anlage 1: Entwicklung der Arbeitslosigkeit unter 25-Jähriger nach Ländern
Die Statistik der BA bildet Arbeitslosigkeit vollständig ab. Die Arbeitslosenstatistik basiert auf Informationen a
lich aus als plausibel bewerteten Datenlieferungen zugelassener kommunaler Träger und – sofern keine plausib
Schätzungen der Statistik der BA.
Es ist zu beachten, dass u. a. die demografische Entwicklung die absolute Höhe der Arbeitslosigkeit mit bee
sollten deshalb – genauso wie interregionale V ergleiche – vorrangig auf die Entwicklung der Quote abstellen.
Berichtsjahr
Deutschland
Schleswig-
Holstein
Hambur g
Nieder -
sachsen
Bremen
Nordrhein-
Westfalen
Hessen
Rheinland-
Pfalz
Saarland
Baden-
Württember g
Bayern
Mecklen
bur g-
Vorpommer
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Arbeitslose Jünger e im Bestand – Jahr esdur chschnitt
1991 395 739 13 929 8 554 37 681 5 006 76 498 18 497 14 642 5 404 22 200 28 550 .
1992 410 754 13 217 7 586 38 080 4 580 79 260 20 786 15 180 5 465 29 095 33 51 1 21 218
1993 453 759 14 198 7 859 44 392 4 813 96 116 26 072 18 797 6 427 42 976 44 417 17 562
1994 466 122 14 927 8 415 46 824 5 031 102 493 28 609 19 769 6 596 47 145 46 617 16 483
1995 431 104 14 242 9 050 46 091 4 753 95 292 26 993 18 739 5 892 41 830 43 645 14 170
1996 475 588 15 785 9 741 50 783 5 250 103 362 29 758 21 065 6 384 45 883 50 954 15 679
1997 501 406 17 099 10 481 51 727 5 066 104 513 31 388 21 456 6 694 45 849 52 647 18 430
1998 471 996 16 346 10 005 47 049 4 710 95 671 28 604 19 731 5 851 38 021 45 819 20 262
1999 429 584 14 353 8 772 41 657 4 328 87 102 24 812 17 757 5 412 32 740 39 994 18 416
2000 428 510 13 864 7 853 41 086 4 231 81 926 22 441 16 894 5 407 27 630 35 684 20 61 1
2001 444 074 14 763 7 412 43 642 4 221 83 956 22 034 17 306 5 305 28 821 40 081 20 067
2002 497 602 15 948 8 489 43 669 4 331 95 123 25 496 19 749 5 595 37 670 51 597 21 134
2003 516 135 17 613 8 479 43 084 4 208 95 335 29 003 20 568 6 023 42 849 61 247 22 275
2004 504 381 16 635 7 432 42 056 4 004 92 448 30 014 20 940 5 846 42 531 60 863 22 438
2005 620 132 21 447 10 239 62 045 5 826 117 922 39 780 26 760 6 768 49 478 71 441 23 646
2006 523 906 17 004 8 919 50 871 4 825 108 258 34 039 21 877 5 488 38 681 56 91 1 20 035
2007 404 919 14 091 6 989 39 263 3 831 83 466 25 530 16 242 3 974 26 899 41 004 16 820
2008 339 852 12 408 6 267 31 694 3 287 73 369 21 356 13 945 3 462 22 113 28 949 14 097
2009 376 998 13 068 7 532 33 454 3 671 85 196 23 371 16 791 4 275 31 485 37 092 13 358
D
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e 17/2648
–
1
4
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1
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zent –
. . . . .
. . . . .
12,6 13,8 14,3 13,0 11,2
12,8 13,9 15,3 13,1 11,8
11,9 15,3 14,2 12,0 11,1
13,6 17,4 15,8 13,7 12,3
12,6 20,1 17,9 15,3 14,6
17,2 21,8 17,8 15,0 15,9
16,2 19,3 17,5 13,0 15,1
16,7 19,4 18,6 14,3 15,8
16,4 18,7 17,1 13,9 15,2
16,9 19,2 17,4 14,3 15,4
17,3 18,9 17,0 14,0 14,1
17,4 17,7 17,1 14,3 14,6
19,6 22,2 20,5 17,2 18,6
18,1 19,7 17,7 14,2 16,9
15,4 16,5 14,7 11,5 14,1
13,0 15,4 13,2 9,9 12,5
12,8 15,8 13,1 10,5 12,8
t –
. . . . .
. . . . .
12,7 14,8 13,0 9,7 12,2
12,5 15,3 13,0 10,2 12,5Arbeitslosenquote bezogen auf abhängige zivile Erwerbspersonen – in Pr o
1991 . . . . . . . . . . . .
1992 . 7,1 7,7 7,0 10,3 6,7 5,3 5,5 7,8 4,0 3,7 .
1993 8,5 8,1 8,6 8,6 11,7 8,7 7,0 7,4 10,1 6,1 5,2 14,0
1994 9,5 9,3 10,3 9,7 13,6 10,2 8,4 8,4 11,3 7,2 5,8 14,4
1995 9,5 9,7 12,2 10,6 14,4 10,3 8,6 8,6 11,1 7,0 5,8 13,2
1996 11,0 11,3 13,7 12,2 16,7 11,9 10,0 10,1 12,7 8,1 7,0 14,7
1997 12,2 12,9 15,6 13,2 17,4 12,8 11,2 10,9 14,1 8,6 7,6 16,8
1998 11,8 12,8 15,2 12,7 17,0 12,2 10,5 10,3 12,7 7,4 6,8 18,2
1999 10,5 11,2 13,0 11,2 15,7 10,9 9,0 9,1 11,5 6,3 5,8 16,0
2000 9,5 9,9 9,9 10,1 13,6 9,0 7,2 7,8 10,5 4,7 4,8 16,9
2001 9,1 9,8 8,5 9,9 12,5 8,5 6,5 7,3 9,5 4,4 5,1 15,5
2002 9,7 10,1 9,3 9,4 12,1 9,3 7,1 7,9 9,5 5,4 6,3 15,8
2003 9,9 10,9 9,1 9,1 11,4 9,2 8,0 8,1 10,0 6,0 7,3 16,9
2004 9,9 10,5 8,2 9,1 11,0 9,1 8,5 8,3 9,9 6,0 7,3 17,7
2005 12,5 13,7 11,5 14,0 16,6 11,9 11,7 10,8 11,7 7,1 8,7 19,2
2006 10,8 11,1 10,2 11,6 14,1 11,1 10,1 8,9 9,7 5,6 7,1 16,9
2007 8,5 9,4 8,0 9,1 11,2 8,6 7,8 6,7 7,2 4,0 5,2 14,6
2008 7,2 8,3 7,2 7,4 9,7 7,5 6,6 5,7 6,3 3,3 3,7 12,5
2009 8,0 8,6 8,5 7,8 10,8 8,7 7,2 6,8 7,7 4,7 4,7 12,2
Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen – in Pr ozen
1991 . . . . . . . . . . . .
.... . . . . . . . . . . . .
2008 7,1 8,1 6,9 7,3 9,6 7,4 6,4 5,6 6,2 3,3 3,6 12,3
2009 7,8 8,4 8,1 7,6 10,7 8,5 7,0 6,6 7,6 4,6 4,6 12,0
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]