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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Einstellung der Bundeswehr-Forschung mit Corona-Spürhunden

(insgesamt 16 Einzelfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium der Verteidigung

Datum

23.09.2021

Antwortdauer

29 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 20/1514325.08.2021

Einstellung der Bundeswehrforschung mit Corona-Spürhunden

der Abgeordneten Jens Beeck, Michael Theurer, Carl-Julius Cronenberg, Pascal Kober, Matthias Nölke, Johannes Vogel (Olpe), Renata Alt, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Sandra Bubendorfer-Licht, Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Reginald Hanke, Peter Heidt, Markus Herbrand, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Michael Georg Link, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Benjamin Strasser, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Bereits in einem frühen Stadium der SARS-CoV-2-Pandemie im ersten Halbjahr 2020 starteten weltweit Forschungsprojekte zu Fähigkeiten von Hunden, das neuartige Coronavirus am Geruch in Schweiß- oder Speichelproben zu identifizieren (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 19/20524).

In Deutschland ergab ein Forschungsprojekt der Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr im rheinland-pfälzischen Ulmen schon im Juni 2020 eine Erfolgsquote von 80 Prozent bei der Identifizierung von Infektionen anhand von Speichelproben, was in Zusammenarbeit mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) weiter evaluiert wurde (vgl. https://www.bundeswehr.de/de/organisation/streitkraeftebasis/aktuelles/die-corona-spuerhunde-der-bundeswehr--269586 vom 24. Juni 2020).

Ein weiteres Zwischenergebnis dieses zivilmilitärischen Forschungsprojektes ergab im Juli 2020 eine Erfolgsquote von 94 Prozent (vgl. https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/corona-spuerhunde-1771714), was von der Bundesministerin der Verteidigung Annegret Kramp-Karrenbauer als „ermutigend“ bezeichnet wurde (vgl. https://www.sueddeutsche.de/leben/tiere-ulmen-kramp-karrenbauer-lobt-corona-projekt-der-diensthundeschule-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200723-99-902600).

Ende Juli 2020 wurde unter der Leitung der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Ti-Ho) in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf eine Studie über die Fähigkeit von Hunden, charakteristische Duftstoffe im Speichelsekret von coronainfizierten Menschen zu erschnüffeln, im Fachmagazin BMC Infectious Diseases veröffentlicht (vgl. https://www.br.de/nachrichten/wissen/tierische-diagnose-wie-hunde-nicht-nur-corona-pandemie-viren-erkennen,SBUnEsf vom 24. September 2020).

Diese Studie zeigte, dass Hunde in der Lage sind, zwischen Speichelproben zu unterscheiden, die von Personen mit einer SARS-CoV-2-Infektion und von nicht infizierten Personen stammen (vgl. https://www.tiho-hannover.de/forschung/forschungsprojekte/aktuelles-aus-der-forschung/corona/uebersicht-corona-projekte-an-der-tiho).

Im Sommer 2020 fand punktuell der Einsatz von trainierten Hunden international anhand von Schweißproben der Passagiere bereits statt, z. B. auf den Flughäfen von Helsinki und Dubai (vgl. https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/TiHo-sucht-Infizierte-fuer-Tests-mit-Corona-Hunden,coronahunde100.html vom 24. September 2020 sowie Reuters, Dogs used to detect coronavirus in pilot project at Helsinki airport, 20. September 2020).

Im Unterschied zu anderen internationalen Forschungen, in denen es um die Detektion von Coronaviren durch Spürhunde anhand von Schweiß ging (vgl. BMC Infectious Diseases, Full Text (biomedcentral.com), Scent dog identification of SARS-CoV-2 infections in different body fluids) konzentrierte sich die deutsche Forschung auf den Speichel von infizierten Personen, in dem zunächst die Viren chemisch inaktiviert, also unschädlich gemacht werden (vgl. https://www.bundeswehr.de/de/organisation/streitkraeftebasis/aktuelles/die-corona-spuerhunde-der-bundeswehr--269586 vom 29. Juli 2020).

Auch in Frankreich ergab eine Studie der Universität von Lyon eine Erfolgsquote von 95 Prozent bei Unterarmschweißproben (vgl. https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0243122, veröffentlicht am 10. Dezember 2020).

Die britische Organisation Medical Detection Dogs trainierte Hunde darauf, auch an der Atemluft von Menschen eine Corona-Infektion zu erschnüffeln (vgl. https://www.swr.de/wissen/hunde-sollen-corona-erschnueffeln-102.html vom 10. Februar 2021).

Erste private Anbieter mit ausgebildeten Hunden arbeiten bereits mit verschiedenen Universitätskliniken in Deutschland zusammen, um in Schweißproben innerhalb von wenigen Sekunden eine Infektion zu erkennen (vgl. Rhein-Zeitung vom 18. März 2021, S. 15).

Die Wissenschaftler der Tiermedizinischen Hochschule Hannover und der Diensthundeschule der Bundeswehr sahen ein Testkonzept für vier Großveranstaltungen vor. Die Planung von vier Testkonzerten konnten nicht weitergehen, „weil Geld, aber auch andere politische Unterstützung fehle“, so berichtete der „SWR“ am 25. März 2021 (vgl. https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/koblenz/corona-spuerhunde-ulmen-projekt-eingestellt-100.html), sodass das gemeinsame Forschungsprojekt überraschend eingestellt wurde.

Das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur hat angekündigt, das Projekt „Back to Culture“ der TiHo in Zusammenarbeit mit Konzertveranstaltern finanziell mit 1,5 Mio. Euro zu unterstützen (vgl. https://www.hannover.de/Service/Presse-Medien/Hannover.de/Aktuelles/Wirtschaft-Wissenschaft-2021/Corona-Sp%C3%BCrhunde-bei-Gro%C3%9Fveranstaltungen).

Nach Ansicht der Fragesteller ist es notwendig, alle zur Verfügung stehenden Testmöglichkeiten zur rechtzeitigen Entdeckung von SARS-CoV-2-Infektionen zu nutzen. Gerade in Situationen mit großem Publikumsverkehr wie an Flughäfen, bei Konzerten oder Festivals können Corona-Spürhunde einen wichtigen Beitrag leisten.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen16

1

Aus welchen Gründen und zu welchem Zeitpunkt wurde das Projekt zwischen der Bundeswehr bzw. der Diensthundeschule in Ulmen und der Tierärztlichen Hochschule Hannover eingestellt?

2

Welche Mitglieder der Bundesregierung und welche Parlamentarischen Staatssekretäre haben sich persönlich vor Ort in der Diensthundeschule in Ulmen über das Projekt informiert?

3

Welche Mitglieder der Bundesregierung und welche Parlamentarischen Staatssekretäre haben sich persönlich vor Ort in der Tierärztlichen Hochschule Hannover über das Projekt informiert?

4

Waren das Bundesministerium der Verteidigung, das Bundesministerium für Gesundheit und das Bundesministerium für Bildung und Forschung an dem bis Frühjahr 2021 laufenden Projekt zwischen der Bundeswehr und der TiHo beteiligt, und wenn ja, in welchem Umfang?

5

Welche konkreten Finanzierungsanfragen für eine Fortsetzung des Projektes in Ulmen lagen der Bundesregierung vor, und wie wurden sie beantwortet?

6

Wie viele Hunde wurden in der Diensthundeschule der Bundeswehr in Ulmen als SARS-CoV-2-Spürhunde erfolgreich ausgebildet?

7

Wie werden diese Hunde heute eingesetzt?

8

Wurden in der Diensthundeschule der Bundeswehr in Ulmen ausgebildete SARS-CoV-2-Spürhunde an Privatpersonen bzw. Firmen abgegeben?

9

Sind der Bundesregierung private Initiativen oder Dienstleister bekannt, die derzeit ein Ausbildungsproramm für Corona-Spürhunde anbieten?

10

Welche Zertifizierungen für die Ausbildung von Corona-Spürhunden sind nach derzeitigem Stand nach Ansicht der Bundesregierung notwendig?

11

Sind der Bundesregierung private Initiativen oder Dienstleister bekannt, die derzeit mit Corona-Spürhunden ein zusätzliches Angebot zur Entdeckung von Verdachtsfällen schaffen?

12

Gehört es nach Ansicht der Bundesregierung obligatorisch zum Konzept, dass von Corona-Spürhunden entdeckte Verdachtsfälle mit einem PCR-Test abgesichert werden?

13

In welchem Umfang findet aktuell eine Kooperation zum Thema Corona-Spürhunde zwischen der Bundeswehr und Forschungseinrichtungen, z. B. an deutschen Hochschulen, statt?

14

Sieht die Bundesregierung derzeit konkrete Einsatzmöglichkeiten von Corona-Spürhunden?

15

Sind der Bundesregierung die in Helsinki und Dubai laufenden Flughafeneinsätze von Spürhunden bekannt, und welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus?

16

Wie sieht die politische und finanzielle Unterstützung der Bundesregierung im Bereich SARS-CoV-2-Spürhunde aus?

Berlin, den 18. August 2021

Christian Lindner und Fraktion

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