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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Die Gain-of-function-Forschung und die Herkunft des SARS-CoV2-Virus

(insgesamt 8 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

16.12.2021

Antwortdauer

22 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 20/12924.11.2021

Die Gain-of-function-Forschung und die Herkunft des SARS-CoV-2-Virus

der Abgeordneten Jürgen Braun, Petr Bystron, Stephan Protschka, Jan Wenzel Schmidt, Edgar Naujok, Jörn König und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Schon bald nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie kamen aus verschiedenen Kreisen Vermutungen über einen diesen Ausbruch verursachenden Laborunfall in Wuhan, zuletzt gelangte eine Anfang des Jahres veröffentlichte Studie des Hamburger Physikers Prof. Dr. Roland Wiesendanger zu diesem Schluss (https://www.uni-hamburg.de/newsroom/presse/2021/pm8.html). Die Indizien für diese Laborunfall-These mehren sich weiterhin. So berichtete etwa die angloamerikanische Presse unlängst, mindestens ein US-Geheimdienst gehe davon aus, dass ein solcher Laborunfall die Ursache für den SARS-CoV-2-Ausbruch war (https://www.washingtonpost.com/national-security/us-intelligence-covid-origins/2021/10/29/4aa23632-38de-11ec-91dc-551d44733e2d_story.html). Bei dieser Annahme steht die Gain-of-Function-Forschung im Mittelpunkt, bei der ein Tiervirus künstlich erzeugt bzw. sein genetischer Bauplan dahingehend manipuliert wird, dass jenes seine Eigenschaften ändert. Der „Gewinn“ besteht in der Fähigkeit des Virus, sich effizient zwischen Menschen zu übertragen (https://www.faz.net/aktuell/wissen/dangerous-gain-of-function-research-has-gotten-out-of-hand-and-needs-to-be-reined-in-17598257.html). Es existierten in den Gefrierschränken mehrerer Laboratorien weltweit Dutzende neuartiger Viren, deren genetische Baupläne der Öffentlichkeit zugänglich seien, wie der am Pariser Institut Pasteur tätige, auf Retroviren spezialisierte Molekularbiologe Dr. Simon Wain-Hobson unlängst in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ darlegte (ebd.). Diese künstlich erzeugten Viren werden von Dr. Simon Wain-Hobson als hochgefährlich betrachtet, einige hätten sogar das Potenzial, eine Pandemie auszulösen (ebd.).

Dr. Peter Daszak, amerikanischer Zoologe und Chef des Forschungsverbundes Ecohealth Alliance, ist, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, ein Befürworter der „Gain of function“-Experimente an Viren in Wuhan (https://www.rnd.de/wissen/ein-alptraum-namens-wuhan-erst-panne-dann-pandemie-OLGSYZBC5ZCRBLGKX5FCB4T4EU.html). Dr. Peter Daszak arbeitete, wie auch die deutsche Presse bereits vor beinahe einem Jahr vermerkte, über viele Jahre hinweg eng mit der Forscherin Dr. Shi Zhengli aus Wuhan zusammen, einer international rezipierten, auf Fledermäuse spezialisierten Virologin (https://www.n-tv.de/panorama/Peter-Daszak-der-befangene-WHO-Ermittler-article22383822.html).

Beide, sowohl Dr. Peter Daszak als auch Dr. Shi Zhengli, widersprachen nach Ausbruch der SARS-CoV-2-Pandemie vehement der These von einem Laborunfall in Wuhan und verwiesen dabei auf dortige hohe Sicherheitsstandards. Bereits Anfang 2020 nahm Dr. Peter Daszak die chinesischen Kollegen in Schutz (https://www.nzz.ch/wissenschaft/neutraler-insider-oder-voreingenommener-mitwisser-ld.1647914). In einem von zahlreichen Virologen weltweit mitunterzeichneten Brief an das britische Fachmagazin „The Lancet“ schrieb Dr. Peter Daszak: „Verschwörungstheorien schaffen nichts als Angst, Gerüchte und Vorurteile.“ Zu den Mitunterzeichnern gehörte seinerzeit auch der deutsche Virologe Prof. Dr. Christian Drosten (https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)30418-9/fulltext). Später wurde Dr. Peter Daszak in eine Kommission zur Untersuchung des Ursprungs der Corona-Pandemie aufgenommen, die die Fachzeitschrift „The Lancet“ eingerichtet hatte (https://www.nzz.ch/wissenschaft/neutraler-insider-oder-voreingenommener-mitwisser-ld.1647914). Doch hatte er zuvor offenbar nie detailliert eingestanden, wie eng seine Verbindungen zum Wuhan Institute of Virology tatsächlich waren und wie intensiv er in die dortige Forschung zu Coronaviren involviert war (ebd.). Im Juni 2021 trat Dr. Peter Daszak aus der „Lancet“-Kommission zurück, vor wenigen Tagen wurde sie schließlich aufgelöst (ebd.). Dr. Peter Daszaks Kritiker stoßen sich inzwischen nicht nur daran, dass er sich weigert, Presseanfragen zu beantworten, sondern auch daran, dass er offenbar als einziger Amerikaner von der chinesischen Regierung als Mitglied der WHO-Mission zur Ursachenforschung in Wuhan akzeptiert worden war (https://www.washingtonpost.com/opinions/2021/10/25/one-person-who-might-know-what-really-happened-wuhan/). Damit untersuchte Dr. Peter Daszak ebenjenes Institut, das nach wie vor im Zentrum der Debatte um einen Unfall steht – und zu dessen Gunsten er sich zuvor jahrelang erfolgreich eingesetzt hatte.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen8

1

Besitzt die Bundesregierung Informationen, ob Mitarbeiter der Charité bzw. Prof. Dr. Christian Drosten an Forschung auf dem Felde der Gain of function beteiligt sind, und wenn ja, hat sie Erkenntnisse über eine mögliche Zusammenarbeit von Prof. Dr. Christian Drosten und/oder anderen Mitarbeitern der Charité mit Dr. Peter Daszak, und wenn ja, welche?

2

Sind jemals seitens deutscher Forschungsinstitute Bundesmittel für Gain-of-Function-Forschung beantragt worden, und wenn ja, für welche Forschungsprojekte an welchen Forschungsinstituten in Deutschland sowie ggf. im Ausland (bitte aufschlüsseln)?

3

Sind der Bundesregierung anderweitig finanzierte Forschungsprojekte in der Gain-of-Function-Forschung auf deutschem Boden, auch mit internationalen Bezügen, bekannt, und wenn ja, welche?

4

Hat sich die Bundesregierung zu dem Umstand, dass Prof. Dr. Christian Drosten sich schon im Februar 2020 entschieden gegen die Laborunfall-These aussprach (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller), in irgendeiner Form verhalten, und wenn ja, wie?

5

Lagen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, dass Dr. Peter Daszak als Mitglied der WHO-Mission zur Ursachenforschung in Wuhan eingesetzt wurde (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller), und wenn ja, ab wann?

6

Liegen der Bundesregierung Unterlagen US-amerikanischer Geheimdienste zur Theorie eines Laborunfalls (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) vor, und falls ja, von welchen Diensten?

7

Wenn ja, strebt die Bundesregierung an, sich diese Erkenntnisse amerikanischer Geheimdienste über eine Laborunfall-These künftig zunutze zu machen, und wenn ja, inwiefern (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?

8

Hat die Bundesregierung eigene Recherchen in Auftrag gegeben und angestrebt, um die Ursache des Ausbruchs der Corona-Pandemie zu klären, und wenn ja, welche?

Berlin, den 16. November 2021

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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