[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser,
Frank Rinck, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 20/472 –
Höfesterben in Deutschland
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Derzeit gibt es noch etwa 263 500 landwirtschaftliche Betriebe in
Deutschland, die etwa 16,6 Millionen Hektar (ha) landwirtschaftliche Fläche
bewirtschaften. Wie die Ergebnisse der Landwirtschaftszählung von 2020 zeigen,
waren in den vergangenen zehn Jahren etwa 35 600 landwirtschaftliche
Betriebe gezwungen, ihre Hoftore für immer zu schließen (
https://www.destati
s.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fisc
herei/Landwirtschaftszaehlung2020/_inhalt.html). Dabei nimmt insbesondere
die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ab, die höchstens 100 Hektar
bewirtschaften, während die Zahl derer zunimmt, die mehr als 100 Hektar
bewirtschaften. Inzwischen bewirtschaften etwa 14 Prozent aller
landwirtschaftlichen Betriebe 62 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche
in Deutschland (
https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/la
ndwirtschaftszaehlung-hoefesterben-geht-577405).
Dieser sich seit Jahrzehnten vollziehende Strukturwandel wird oft auch als
„Höfesterben“ bezeichnet, weil es insbesondere die kleineren und mittleren
landwirtschaftlichen Familienbetriebe sind, die gezwungen werden, aus der
Landwirtschaft auszusteigen, während die großen Betriebe immer größer
werden (
https://www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/landwirtschaft/325872/strukt
urwandel). Die Gründe für das Höfesterben dürften nach Ansicht der
Fragesteller hauptsächlich die schwierige wirtschaftliche Lage – niedrige Preise und
ständig steigende Kosten – sowie die in immer kürzeren Abständen
zunehmenden politischen Auflagen und Forderungen sein. Zusätzlich wird das
Höfesterben in der Landwirtschaft noch durch andere Faktoren verstärkt, wie
beispielsweise die EU-Agrarsubventionen und Marktregelungen (
https://agran
do.com/de-de/magazin/hoefesterben).
Eine aktuelle Studie der DZ-Bank kommt zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr
2040 nur noch etwa 100 000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland
übrigbleiben werden und gleichzeitig die durchschnittliche Betriebsgröße
spürbar zulegen wird. Langfristig drohe die Abkehr vom Jahrhunderte alten
Modell des bäuerlichen Familienbetriebs, den selbstständige Bauern
kennzeichnen (
https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/studie-h
oefesterben-noch-lange-ende-565027).
Deutscher Bundestag Drucksache 20/792
20. Wahlperiode 22.02.2022
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
vom 21. Februar 2022 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Methodische Hinweise:
Daten zu den verschiedenen in den Fragen angesprochenen Sachverhalten
werden ausschließlich über die landwirtschaftlichen Strukturerhebungen
gewonnen. Um eine über die gesamte Kleine Anfrage hinweg konsistente und
vergleichbare Datenbasis bereitzustellen, wird im Folgenden zur Beantwortung der
Fragen 1 bis 11 auf Daten der landwirtschaftlichen Strukturerhebungen
zurückgegriffen. Dabei werden jeweils die Erhebungen herangezogen, in denen eine
totale Erfassung der Zahl der Betriebe erfolgte (Erhebungen der Jahre 1999,
2003, 2007, 2010, 2016 und 2020). Aufgrund der Anhebung der unteren
Erfassungsgrenzen ab 2010 hat sich die Zahl der erfassten landwirtschaftlichen
Betriebe deutlich verringert. Die Ergebnisse für die Jahre 2010, 2016 und 2020
sind daher mit denen für frühere Jahre nur eingeschränkt vergleichbar. Die
Angaben zur Tierhaltung im ökologischen Landbau beziehen sich ab 2010 auf die
in die ökologische Wirtschaftsweise einbezogene Zahl der Tiere und die
entsprechenden Betriebszahlen.
Angaben zur Zahl der Betriebe mit Hühnern liegen häufig nicht oder nicht über
alle Jahre hinweg vor. Daher wird in den nachfolgenden Antworten stattdessen
auf Daten zur Legehennenhaltung und Masthühnerhaltung zurückgegriffen.
1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt
(bitte für jedes Jahr angeben, nach Bio und konventionell unterscheiden
und vergleichbare Daten verwenden)?
a) Wie viele davon wurden im Haupterwerb und wie viele davon
wurden im Nebenerwerb geführt?
b) Wie viele Höfe davon haben ihren Betrieb von Haupt- auf
Nebenerwerb umgestellt, wie viele von Neben- auf Haupterwerb?
c) Wie viele davon waren familiengeführt?
Die Fragen 1 bis 1c werden gemeinsam beantwortet.
Übersicht 1 zeigt die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe nach
Rechtsform und Erwerbscharakter in Deutschland.
Übersicht 1: Landwirtschaftliche Betriebe nach Rechtsform und
Erwerbscharakter
1999 2003 2007 2010 2016 2020
Alle Betriebe
Einzelunternehmen 450.393 396.678 350.134 273.030 244.212 228.259
davon Haupterwerbsbetriebe 196.092 175.794 157.502 135.412 117.3101) 99.184
Nebenerwerbsbetriebe 254.301 220.884 192.632 137.618 127.3201) 129.075
Betriebe insgesamt2) 471.960 420.697 374.514 299.134 275.392 262.776
darunter ökologischer Landbau
Einzelunternehmen 8.700 12.471 12.761 14.393 17.002 21.704
davon Haupterwerbsbetriebe 4.426 5.681 5.861 6.649 7.6961) 8.946
Nebenerwerbsbetriebe 4.274 6.790 6.900 7.744 9.7831) 12.758
Betriebe insgesamt2) 9.572 13.863 14.474 16.532 19.901 26.133
1) Die Zahl der Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe wurde 2016 im Rahmen einer Stichprobe
ermittelt. Daher weicht die Summe der beiden Zahlen von der total erhobenen Anzahl der
Einzelunternehmen ab und ist nur bedingt vergleichbar.
2) Betriebe aller Rechtsformen.
Quelle: Statistisches Bundesamt
In den Strukturerhebungen wird die Anzahl der Betriebe jeweils zu einem
bestimmten Zeitpunkt ermittelt. Die Differenz zwischen den zu zwei Zeitpunkten
erhobenen Daten zur Zahl der Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe zeigt den
Saldo aus Zugängen bzw. Abgängen dieser beiden Erwerbsformen an. Diese
erlauben keine Aussagen über die zwischen den Zeitpunkten erfolgten
Umstellungen der Betriebe von Haupt- auf Nebenerwerb bzw. von Neben- auf
Haupterwerb.
Im Rahmen der Strukturerhebungen erfolgt keine Erfassung des Merkmals
„familiengeführt“. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass es sich bei
den Einzelunternehmen um familiengeführte Betriebe handelt.
2. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
landwirtschaftlichen Betriebe mit Schweine-, Rinder-, Milchvieh-, Hühner- und
Putenhaltung in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte
für jedes Jahr angeben, nach Bio und konventionell unterscheiden, nach
Nutztierart aufschlüsseln und vergleichbare Daten verwenden)?
a) Wie viele davon wurden im Haupterwerb und wie viele davon
wurden im Nebenerwerb geführt?
b) Wie viele Höfe davon haben ihren Betrieb von Haupt- auf
Nebenerwerb umgestellt, wie viele von Neben- auf Haupterwerb?
c) Wie viele davon waren familiengeführt?
Die Fragen 2 bis 2c werden gemeinsam beantwortet.
Übersicht 2 zeigt die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe mit Tierhaltung
nach Tierarten in Deutschland. Angaben zur Zahl der Einzelunternehmen sowie
der Betriebe im Haupt- und Nebenerwerb liegen nur für Geflügel insgesamt
vor, nicht jedoch für Betriebe mit Legehennen-, Masthühner- oder Putenhaltung
(Übersicht 3). Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen.
Übersicht 2: Landwirtschaftliche Betriebe mit Tierhaltung nach Tierarten
1999 2003 2007 2010 2016 2020
Alle Betriebe
Betriebe mit
Schweinen 141.447 103.404 80.453 60.097 40.267 31.852
Rindern 237.963 198.066 170.513 144.850 120.966 108.032
Milchkühen 152.653 121.524 101.202 89.763 69.054 54.304
Legehennen 113.014 86.836 72.883 56.286 44.7861) 47.1041)
Masthühnern 11.896 10.857 8.680 4.532 3.3301) 3.8281)
Puten 2.777 2.882 2.289 1.925 1.8481) 1.9071)
darunter ökologischer Landbau
Betriebe mit
Schweinen 2.386 2.431 2.178 1.859 1.517 1.566
Rindern 5.887 8.652 8.586 9.189 10.464 13.003
Milchkühen 2.888 3.506 3.056 3.938 4.086 4.784
Legehennen 2.924 3.614 3.234 3.854 3.7431) 5.2131)
Masthühnern 377 585 602 460 3451) 4411)
Puten 100 178 158 169 1261) 1331)
1) 2016 und 2020 handelt es sich bei „Alle Betriebe“ um Betriebe mit Haltungsplätzen für Geflügel.
Bei „darunter ökologischer Landbau“ handelt es sich um Betriebe mit ökologisch
gehaltenem Geflügel.
Quelle: Statistisches Bundesamt
Übersicht 3: Landwirtschaftliche Betriebe mit Tierhaltung und
Erwerbscharakter
1999 2003 2007 2010 2016 2020
Alle Betriebe
Betriebe mit
Schweinen 141.447 103.404 80.453 60.097 40.267 31.852
darunter Einzelunternehmen 136.017 97.996 75.285 54.740 33.616 25.231
davon Haupterwerb 65.285 50.281 40.724 31.012 19.5601) 14.503
Nebenerwerb 70.732 47.715 34.561 23.728 13.9901) 10.728
Rindern 237.963 198.066 170.513 144.850 120.966 108.032
darunter Einzelunternehmen 227.051 186.832 159.509 132.744 107.680 94.037
davon Haupterwerb 129.578 108.810 94.765 78.531 63.0401) 50.805
Nebenerwerb 97.473 78.022 64.744 54.213 45.0001) 43.232
Milchkühen 152.653 121.524 101.202 89.763 69.054 54.304
darunter Einzelunternehmen 144.522 113.268 93.367 80.894 59.750 45.353
davon Haupterwerb 104.755 85.807 73.530 60.900 45.5201) 34.973
Nebenerwerb 39.767 27.461 19.837 19.994 14.1701) 10.380
Geflügel 120.328 93.556 78.538 60.450 49.0932) 49.3882)
darunter Einzelunternehmen 117.062 90.053 75.162 56.884 44.778 45.766
davon Haupterwerb 43.981 33.217 29.176 23.949 18.2001) 17.707
Nebenerwerb 73.081 56.836 45.986 32.935 26.1001) 28.059
darunter ökologischer Landbau
Betriebe mit
Schweinen 2.386 2.431 2.178 1.859 1.517 1.566
darunter Einzelunternehmen 2.141 2.092 1.810 1.501 1.152 1.181
davon Haupterwerb 1.137 1.198 1.081 846 6401) 652
Nebenerwerb 1.004 894 729 655 4901) 529
Rindern 5.887 8.652 8.586 9.189 10.464 13.003
darunter Einzelunternehmen 5.328 7.813 7.593 8.075 9.059 10.976
davon Haupterwerb 3.047 4.040 3.905 4.053 4.7101) 5.244
Nebenerwerb 2.281 3.773 3.688 4.022 4.6701) 5.732
Milchkühen 2.888 3.506 3.056 3.938 4.086 4.784
darunter Einzelunternehmen 2.604 3.117 2.672 3.445 3.502 3.992
davon Haupterwerb 2.012 2.417 2.184 2.660 2.9001) 3.119
Nebenerwerb 592 700 488 785 8101) 873
Geflügel 3.109 3.918 3.547 3.721 4.0282) 5.5112)
darunter Einzelunternehmen 2.861 3.543 3.154 3.247 3.369 4.555
davon Haupterwerb 1.465 1.665 1.546 1.567 1.6401) 2.123
Nebenerwerb 1.396 1.878 1.608 1.680 1.6701) 2.432
1) Die Zahl der Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe wurde 2016 nur im Rahmen einer Stichprobe
ermittelt. Daher weicht die Summe der beiden Zahlen von der total erhobenen Anzahl der
Einzelunternehmen ab.
2) 2016 und 2020 handelt es sich bei „Alle Betriebe“ um Betriebe mit Haltungsplätzen für Geflügel.
Bei „darunter ökologischer Landbau“ handelt es sich um Betriebe mit ökologisch
gehaltenem Geflügel.
Quelle: Statistisches Bundesamt
3. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Wachstumsschwelle
der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten 20 Jahren in Deutschland
entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach Bio und konventionell
unterscheiden und vergleichbare Daten verwenden)?
Die Wachstumsschwelle bezeichnet hier diejenige Flächenausstattung,
unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab und oberhalb derer sie zunimmt. Die in den
Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes ausgewiesenen
Größenklassen der landwirtschaftlich genutzten Flächen der Betriebe lassen jeweils
nur eine sehr grobe Abschätzung der Wachstumsschwelle zu. Es sind lediglich
Aussagen darüber möglich, ab welcher der ausgewiesenen Größenklassen die
Zahl der Betriebe zunimmt bzw. bis zu welcher diese abnimmt.
Zwischen den Jahren 1999 und 2007 nahm in Deutschland die Zahl der
Betriebe ab der Größenklasse 75 bis 100 Hektar (ha) landwirtschaftlich genutzter
Fläche (LF) zu. In den darunterliegenden Größenklassen (unter 2, 2 bis 5, 5 bis
10, 10 bis 20, 20 bis 30, 30 bis 50, 50 bis 75 ha) nahm die Zahl der Betriebe ab.
Mit der Anhebung der Erfassungsgrenzen im Jahr 2010 änderten sich auch die
ausgewiesenen Größenklassen. Zwischen den Jahren 2007 und 2010 nahm die
Zahl der Betriebe ab der Größenklasse 100 bis 200 ha LF zu. In den
darunterliegenden Größenklassen (unter 5, 5 bis 10, 10 bis 20, 20 bis 50, 50 bis 100 ha)
ging sie zurück. Diese Entwicklung war auch zwischen den Jahren 2010 und
2020 festzustellen.
Für Betriebe mit ökologischer Betriebsweise stieg die Anzahl der Betriebe
insgesamt seit 1999 kontinuierlich an. Dies gilt für alle Größenklassen mit
Ausnahme der Gruppe der Betriebe mit weniger als 10 Hektar, wobei hier die
Anhebung der Erfassungsgrenze im Jahr 2010 zu bedenken ist.
Übersicht 4: Landwirtschaftliche Betriebe nach Größenklassen der LF
LF von … bis unter … ha 1999 2003 2007 2010 2016 2020
Alle Betriebe
unter 10 191.576 165.411 138.566 74.665 67.817 66.253
10–50 201.715 171.894 150.670 139.228 123.342 113.633
50–100 54.311 54.929 53.399 51.623 47.666 44.737
100 und mehr 24.358 28.463 31.879 33.618 36.567 38.153
davon
100–200 1) 1) 21.808 22.828 24.302 24.897
200 und mehr 1) 1) 10.071 10.790 12.265 13.256
Betriebe insgesamt 471.960 420.697 374.514 299.134 275.392 262.776
darunter ökologischer Landbau
unter 10 2.428 3.266 2.966 2.834 3.369 4.673
10–50 4.965 7.235 7.421 8.823 10.431 13.065
50–100 1.317 2.042 2.321 2.753 3.498 4.628
100 und mehr 862 1.320 1.766 2.122 2.603 3.767
davon
100–200 516 781 1.070 1.382 1.719 2.412
200 und mehr 346 539 696 740 884 1.355
Betriebe insgesamt 9.572 13.863 14.474 16.532 19.901 26.133
1) Nicht ausgewiesen.
Quelle: Statistisches Bundesamt
4. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Wachstumsschwelle
der landwirtschaftlichen Betriebe mit Schweine-, Rinder-, Milchvieh-,
Hühner- und Putenhaltung in den letzten 20 Jahren in Deutschland
entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach Bio und konventionell
unterscheiden, nach Nutztierart aufschlüsseln und vergleichbare Daten
verwenden)?
Wie bereits in der Antwort zu Frage 3 ausgeführt, erlauben die in den
Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes ausgewiesenen Größenklassen
der Betriebe nach der Zahl der gehaltenen Tiere nur eine sehr grobe
Abschätzung der darauf bezogenen Wachstumsschwellen. Hinzu kommt, dass nicht für
alle gewünschten Tierarten durchgängige Zahlenreihen vorliegen bzw. sich die
jeweils ausgewiesenen Größenklassen im Zeitablauf ändern, was die
Vergleichbarkeit einschränkt.
Die Anzahl Schweinehaltender Betriebe in Deutschland stieg zwischen 1999
und 2003, 2003 und 2007 sowie 2007 und 2010 ab der Größenklasse 1.000
bis 1.999 Tiere an, zwischen 2010 und 2016 ab der Größenklasse 2.000 bis
4.999 Tiere. Die Anzahl an Betrieben mit 5.000 und mehr Schweinen stieg
durchgängig an. Im Bereich der ökologischen Haltungsweise ist die Anzahl der
Schweinehaltenden Betriebe seit 2003 gesunken, vor allem in den
Größenklassen mit weniger als 100 Tieren. In den darüber liegenden Größenklassen nahm
die Anzahl der Betriebe tendenziell zu. Für 2020 konnte wieder eine
Stabilisierung der Betriebszahlen insgesamt beobachtet werden.
Bei Rindern nahm die Zahl der Betriebe in Deutschland zwischen 1999 und
2003 ab der Größenklasse 200 bis 499 Rinder zu. Dies änderte sich auch in den
folgenden Zeiträumen bis 2020 nicht. In allen darunterliegenden Größenklassen
sank die Zahl der Betriebe. Im Bereich der ökologischen Haltungsweise ist
insgesamt bis auf das Jahr 2007 ein stetiger Anstieg der Anzahl an Betrieben in
nahezu allen Größenklassen zu erkennen. Lediglich in der Größenklasse mit
weniger als 10 Rindern und in der Größenklasse mit 500 und mehr Rindern war
keine klare Tendenz zu beobachten.
Bei Milchkühen nahm in Deutschland die Zahl der Betriebe zwischen 1999 und
2003 ab der Größenklasse 50 bis 99 Milchkühe zu, zwischen 2003 und 2007 ab
der Größenklasse 100 bis 199 Milchkühe, zwischen 2007 und 2010 ab der
Größenklasse 50 bis 99 Milchkühe und zwischen 2010 und 2020 wieder ab der
Größenklasse 100 bis 199 Milchkühe. Im Bereich der ökologischen
Haltungsweise ist bis auf das Jahr 2007 ein Anstieg der Zahl an Betrieben insgesamt zu
erkennen. Besonders stark stieg die Anzahl der Betriebe in der Größenklasse
mit 50 bis 199 Tieren. 2016 sank die Zahl der Betriebe mit 1 bis 49
Milchkühen, in der Erhebung für 2020 war hier jedoch wieder ein Anstieg zu
verzeichnen.
Bei Legehennen zeigt sich ein im Zeitablauf sehr uneinheitliches Bild. In
Deutschland ging in der Größenklasse von 100 bis 999 Tieren die Zahl der
Betriebe bis 2016 zurück. Die gleiche Entwicklung der Betriebszahlen zeigte
sich auch in der Größenklasse 1.000 bis 9.999 Tiere. Die Zahlen der Betriebe
mit 10.000 bis 49.999 Tieren stiegen über alle betrachteten Zeiträume hinweg
an. Dagegen ging die Zahl der Betriebe mit mehr als 50.000 Tieren zwischen
1999 und 2003, 2003 und 2007 sowie 2007 und 2010 zurück und stieg erst im
Zeitraum von 2010 bis 2016 an und sank 2020 leicht. Im Bereich der
ökologischen Haltungsweise ist ein ähnlich uneinheitliches Bild zu erkennen. Betriebe
mit 1 bis 99 Tieren machen das Gros der Betriebe aus, hier lässt sich ein
stetiger Wechsel von steigend zu fallend beobachten, was sich auf die
Gesamtzahlen auswirkt. Die Anzahl an Betrieben mit 100 bis 999 Tieren nahm ab 2010
durchgängig zu. Die Anzahl an Betrieben mit 1.000 bis 49.999 Tieren nahm
über alle betrachteten Zeiträume hinweg zu.
Bei Masthühnern und Puten werden rund 99 Prozent der Tiere in Beständen der
beiden höchsten ausgewiesenen Größenklassen gehalten (Masthühner: 10.000
bis 49.999 Tiere sowie 50.000 Tiere und mehr; Puten: 1.000 bis 9.999 Tiere
sowie 10.000 Tiere und mehr). Vor diesem Hintergrund wird wegen der geringen
damit einhergehenden Aussagekraft auf die bei den übrigen Tierarten
vorgenommene Auswertung der Entwicklung der Bestandsgrößenklassen verzichtet.
5. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten 20 Jahren in Deutschland nach der
Fläche entwickelt (bitte für jedes Jahr und in den Schritten <10 ha, 10 bis
50 ha, 50 bis 100 ha, 50 bis 200 ha und >200 ha angeben sowie nach Bio
und konventionell unterscheiden)?
Übersicht 4 (auf die Antwort zu Frage 3 wird verwiesen) zeigt die Entwicklung
der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in den erbetenen Größenklassen in
Deutschland.
6. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
landwirtschaftlichen Betriebe mit Schweine-, Rinder-, Milchvieh-, Hühner- und
Putenhaltung in den letzten 20 Jahren in Deutschland nach der Fläche
entwickelt (bitte für jedes Jahr und in den Schritten <10 ha, 10 bis 50 ha,
50 bis 100 ha, 50 bis 200 ha und >200 ha angeben sowie nach Nutztierart
aufschlüsseln und nach Bio und konventionell unterscheiden)?
Die Übersichten 5 bis 9 zeigen die Entwicklung der Zahl der
landwirtschaftlichen Betriebe mit Tierhaltung nach Tierarten und in den gewünschten
Betriebsgrößenklassen. Durchgängige Daten für Mastgeflügelbetriebe sowie
Putenbetriebe nach Betriebsgrößenklassen der LF liegen nicht vor. Stattdessen
werden die Zahlen Geflügelhaltender Betriebe wiedergegeben.
Übersicht 5: Landwirtschaftliche Betriebe mit Schweinen nach Größenklassen
der LF
Betriebsgruppe/LF
von … bis unter … ha 1999 2003 2007 2010 2016 2020
Alle Betriebe
unter 10 40.427 25.838 17.125 7.872 6.205 5.242
10–50 73.863 51.107 38.128 29.605 16.769 11.637
50–100 20.442 18.775 16.942 14.760 10.360 8.302
100–200 5.062 5.907 6.271 5.919 5.108 4.819
200 und mehr 1.654 1.777 1.987 1.941 1.825 1.852
Insgesamt 141.447 103.404 80.453 60.097 40.267 31.852
darunter ökologischer Landbau
unter 10 407 314 224 155 100 115
10–50 1.353 1.305 1.095 942 729 678
50–100 384 482 497 413 397 400
100–200 169 217 224 232 186 249
200 und mehr 73 113 138 117 105 124
Insgesamt 2.386 2.431 2.178 1.859 1.517 1.566
Quelle: Statistisches Bundesamt
Übersicht 6: Landwirtschaftliche Betriebe mit Rindern nach Größenklassen
der LF
Betriebsgruppe/LF
von … bis unter … ha 1999 2003 2007 2010 2016 2020
Alle Betriebe
unter 10 50.153 37.986 29.447 16.726 13.819 12.618
10–50 134.804 105.726 87.245 75.874 58.420 49.286
50–100 38.429 37.602 35.515 33.293 28.726 25.846
100–200 9.992 11.854 13.075 13.565 14.088 14.106
200 und mehr 4.586 4.898 5.231 5.392 5.913 6.176
Insgesamt 237.964 198.066 170.513 144.850 120.966 108.032
darunter ökologischer Landbau
unter 10 717 1.007 773 612 679 829
10 – 50 3.511 5.083 4.813 5.212 5.667 6.704
50 – 100 1.012 1.596 1.759 1.932 2.378 3.075
100 – 200 377 566 743 923 1.147 1.552
200 und mehr 270 400 498 510 593 843
Insgesamt 5.887 8.652 8.586 9.189 10.464 13.003
Quelle: Statistisches Bundesamt
Übersicht 7: Landwirtschaftliche Betriebe mit Milchkühen nach Größenklassen
der LF
Betriebsgruppe/LF
von … bis unter … ha 1999 2003 2007 2010 2016 2020
Alle Betriebe
unter 10 18.177 11.154 7.607 4.712 3.159 1.972
10–50 93.994 69.550 54.173 46.570 31.635 22.212
50–100 30.282 29.141 26.779 25.236 20.518 17.068
100–200 7.113 8.542 9.431 9.910 10.124 9.585
200 und mehr 3.087 3.137 3.212 3.335 3.618 3.467
Insgesamt 152.653 121.524 101.202 89.763 69.054 54.304
darunter ökologischer Landbau
unter 10 198 188 108 125 91 98
10–50 1.817 2.081 1.721 2.198 2.110 2.241
50–100 621 891 826 1.083 1.225 1.541
100–200 171 241 289 408 506 688
200 und mehr 81 105 112 124 154 216
Insgesamt 2.888 3.506 3.056 3.938 4.086 4.784
Quelle: Statistisches Bundesamt
Übersicht 8: Landwirtschaftliche Betriebe mit Legehennen nach Größenklassen
der LF
Betriebsgruppe/LF
von …bis unter … ha 1999 2003 2007 2010 2016
1) 20201)
Alle Betriebe
unter 10 47.540 37.155 28.783 14.476 11.406 11.921
10–50 53.813 38.479 33.183 31.043 23.674 23.625
50–100 8.993 8.217 7.776 7.679 6.539 7.403
100–200 2.222 2.475 2.594 2.518 2.513 3.247
200 und mehr 449 510 547 570 654 908
Insgesamt 113.017 86.836 72.883 56.286 44.786 47.104
darunter ökologischer Landbau
unter 10 681 816 661 629 544 699
10–50 1.713 2.059 1.800 2.259 2.103 2.816
50–100 359 513 514 640 729 1.105
100–200 132 168 194 246 273 454
200 und mehr 39 58 65 80 94 139
Insgesamt 2.924 3.614 3.234 3.854 3.743 5.213
1) 2016 und 2020 handelt es sich bei „Alle Betriebe“ um Betriebe mit Haltungsplätzen für
Legehennen. Bei „darunter ökologischer Landbau“ handelt es sich um Betriebe mit ökologisch
gehaltenen Legehennen.
Quelle: Statistisches Bundesamt
Übersicht 9: Landwirtschaftliche Betriebe mit Geflügel nach Größenklassen der
LF
Betriebsgruppe/LF von … bis unter
… ha 1999 2003 2007 2010 2016
1) 20201)
Alle Betriebe
unter 10 50.524 39.777 30.715 15.429 12.398 12.824
10–50 56.476 40.797 35.161 32.602 25.130 24.964
50–100 10.153 9.360 8.852 8.648 7.507 8.197
100–200 2.569 2.923 3.069 2.992 3.126 3.878
200 und mehr 606 699 741 779 932 1.221
Insgesamt 120.328 93.556 78.538 60.450 49.093 51.084
darunter ökologischer Landbau
unter 10 712 873 709 575 602 748
10–50 1.808 2.208 1.952 2.167 2.233 2.961
50–100 391 570 579 631 780 1.156
100–200 148 191 224 264 303 486
200 und mehr 50 76 83 84 110 160
Insgesamt 3.109 3.918 3.547 3.721 4.028 5.511
1) 2016 und 2020 handelt es sich bei „Alle Betriebe“ um Betriebe mit Haltungsplätzen für Geflügel.
Bei „darunter ökologischer Landbau“ handelt es sich um Betriebe mit ökologisch gehaltenem
Geflügel.
Quelle: Statistisches Bundesamt
7. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittliche
Fläche landwirtschaftlicher Betriebe in den letzten 20 Jahren in
Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr und in ha angeben, nach Bio und
konventionell unterscheiden sowie nach Nutztierart aufschlüsseln und
vergleichbare Daten verwenden)?
8. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittliche
Fläche landwirtschaftlicher Betriebe mit Schweine-, Rinder-, Milchvieh-,
Hühner- und Putenhaltung in den letzten 20 Jahren in Deutschland
entwickelt (bitte für jedes Jahr und in ha angeben, nach Bio und
konventionell unterscheiden sowie nach Nutztierart aufschlüsseln und
vergleichbare Daten verwenden)?
Die Fragen 7 und 8 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Übersicht 10 zeigt die je Betrieb durchschnittlich bewirtschaftete Fläche nach
Art der Tierhaltung in Deutschland.
Übersicht 10: Durchschnittliche Fläche landwirtschaftlicher Betriebe
(ha LF/Betrieb) insgesamt und nach der Art der Art der Tierhaltung
Betriebsgruppe 1999 2003 2007 2010 2016 2020
Alle Betriebe
Betriebe insgesamt 36,3 40,4 45,3 55,8 60,5 63,2
Betriebe mit Schweinen 39,3 47,3 54,8 64,5 71,9 78,8
Betriebe mit Rindern 48,1 54,5 60,3 67,9 75,5 79,8
Betriebe mit Milchkühen 56,0 64,4 71,4 77,3 89,2 97,9
Betriebe mit Legehennen 22,6 24,9 27,5 33,9 37,21) 40,71)
Betriebe mit Masthühnern 28,5 31,5 37,4 53,2 73,11) 71,81)
Betriebe mit Truthühnern 37,3 46,7 57,0 68,2 64,81) 63,81)
darunter ökologischer Landbau
Betriebe insgesamt 51,1 52,7 59,5 59,3 58,4 62,7
Betriebe mit Schweinen 52,0 66,7 78,2 79,3 83,3 86,9
Betriebe mit Rindern 64,0 63,3 72,5 72,5 72,7 76,6
Betriebe mit Milchkühen 60,4 65,8 68,9 66,0 70,4 75,5
Betriebe mit Legehennen 35,9 37,8 41,7 44,1 48,31) 50,41)
Betriebe mit Masthühnern 44,7 44,3 53,5 57,0 67,01) 61,21)
Betriebe mit Truthühnern 54,5 71,0 84,5 71,9 60,51) 60,01)
1) 2016 und 2020 handelt es sich bei „Alle Betriebe“ um Betriebe mit Haltungsplätzen für Geflügel.
Bei „darunter ökologischer Landbau“ handelt es sich um Betriebe mit ökologisch gehaltenem
Geflügel.
Quelle: Statistisches Bundesamt
9. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche
Tierbestand an Rindern, Milchvieh, Schweinen, Hühnern und Puten in
den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr
angeben, nach Nutztierart aufschlüsseln, nach Bio und konventionell
unterscheiden und vergleichbare Daten verwenden)?
Übersicht 11 zeigt die Anzahl der in den landwirtschaftlichen Betrieben
insgesamt gehaltenen Tiere nach Tierarten in Deutschland.
Übersicht 11: Anzahl der in landwirtschaftlichen Betrieben gehaltenen Tiere
(in Tausend)
Tierart 1999 2003 2007 2010 2016 2020
Alle Betriebe
Schweine 26.101 26.334 27.125 27.571 27.978 26.300
Rinder 14.896 13.644 12.687 12.535 12.354 11.275
Milchkühe 4.765 4.372 4.071 4.165 4.276 3.932
Legehennen 40.630 38.965 38.464 35.279 51.936 54.478
Masthühner 49.334 54.611 59.222 67.531 93.791 92.461
Puten 8.315 10.604 10.892 11.344 12.360 11.579
darunter ökologischer Landbau
Schweine 117 145 187 156 196 212
Rinder 371 528 546 594 700 861
Milchkühe 85 110 103 141 176 227
Legehennen 655 980 1.568 2.824 4.454 5.762
Masthühner 189 191 188 359 1.185 1.307
Puten 68 102 169 187 202 231
Quelle: Statistisches Bundesamt
10. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche
Tierbestand pro Hof an Rindern, Milchvieh, Schweinen, Hühnern und
Puten in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt (bitte für jedes
Jahr angeben, nach Nutztierart aufschlüsseln, nach Bio und
konventionell unterscheiden und vergleichbare Daten verwenden)?
Übersicht 12 zeigt die im Durchschnitt je landwirtschaftlichem Betrieb
gehaltenen Tiere nach Tierarten in Deutschland.
Übersicht 12: Anzahl der je landwirtschaftlichem Betrieb gehaltenen Tiere
Tierart 1999 2003 2007 2010 2016 2020
Alle Betriebe
Schweine 185 255 337 459 695 826
Rinder 63 69 74 87 102 104
Milchkühe 31 36 40 46 62 72
Legehennen 360 449 528 627 1.160 1.157
Masthühner 4.147 5.030 6.823 14.901 28.166 24.154
Puten 2.993 3.679 4.758 5.893 6.688 6.072
darunter ökologischer Landbau
Schweine 49 60 86 84 129 136
Rinder 63 61 64 65 67 66
Milchkühe 30 31 34 36 43 47
Legehennen 224 271 485 733 1.190 1.105
Masthühner 502 326 312 781 3.434 2.965
Puten 683 571 1.069 1.108 1.603 1.734
Quelle: Statistisches Bundesamt
11. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil an
ökologisch bewirtschaftetem Ackerland in den letzten 20 Jahren in
Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben und vergleichbare Daten
verwenden)?
Übersicht 13 zeigt den ökologisch bewirtschafteten Anteil an Ackerland in
Deutschland.
Übersicht 13: Ökologisch bewirtschaftetes Ackerland (in Tausend ha)
1999 2003 2007 2010 2016 2020
Insgesamt 11.821 11.827 11.877 11.847 11.763 11.664
darunter ökologisch bewirtschaftet1) 253 349 412 428 478 734
desgleichen in Prozent 2,1 2,9 3,5 3,6 4,1 6,3
1) Bis 2007: Ackerland in Betrieben mit ökologischem Landbau.
Quelle: Statistisches Bundesamt
12. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele Landwirte in den
kommenden fünf Jahren (schätzungsweise) in den Ruhestand gehen
werden, und wenn ja, welchen Einfluss wird das nach Einschätzung der
Bundesregierung auf das „Höfesterben“ (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller) haben?
Aus der Landwirtschaftszählung 2020 geht hervor, dass von den 229.200
befragten Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern in landwirtschaftlichen
Betrieben mit der Rechtsform Einzelunternehmen, die Familienarbeitskräfte sind,
26.300 65 Jahre oder älter sind (
www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Untern
ehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Landwirtschaftliche-Betriebe/
Publikationen/Downloads-Landwirtschaftliche-Betriebe/arbeitskraefte-2030218
209004.html?nn=371820). Dies entspricht einem Anteil von rund 12 Prozent.
Es kann davon ausgegangen werden, dass diese Personen in den kommenden
Jahren in den Ruhestand gehen werden.
Aus den Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020 geht ebenfalls hervor,
dass von 109.695 befragten Betrieben, deren Betriebsleiter oder -leiterinen
55 Jahre oder älter waren, 40.224 eine gesicherte Hofnachfolge hatten (
www.de
statis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-F
ischerei/Landwirtschaftliche-Betriebe/Publikationen/Downloads-Landwirtschaf
tliche-Betriebe/hofnachfolge-lw-betriebe-5411403209004.html?nn=371820).
Dies entspricht einem Anteil von rund 37 Prozent. Der Anteil lag bei
Haupterwerbsbetrieben mit rund 40 Prozent etwas höher als bei
Nebenerwerbsbetrieben.
13. Beabsichtigt die Bundesregierung bei dem von ihr geplanten
„artgerechten Umbau der Nutztierhaltung“ auch etwas gegen die „ökonomischen
Kräfte, die den Betriebsgrößenstrukturwandel seit Jahrzehnten treiben“
zu unternehmen oder darauf einzuwirken, und wenn ja, mit welchen
konkreten Maßnahmen (Antwort der Bundesregierung zu Frage 2 der
Kleinen Anfrage der Fraktion der AfD „Auswirkungen von
Klimaschutzmaßnahmen auf die deutsche Landwirtschaft“ auf Bundestagsdrucksache
19/31317)?
a) Wenn ja, was konkret?
b) Wenn nein, warum nicht?
Die Fragen 13 bis 13b werden gemeinsam beantwortet.
Im Koalitionsvertrag unterstreichen die Regierungsparteien SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP, dass ein Umbau der Nutztierhaltung in
Deutschland erforderlich ist. Die Ziele dieses Umbaus werden dabei ebenso
deutlich wie die Zusage, die Landwirtinnen und Landwirte dabei zu
unterstützen.
Im Rahmen dieses Prozesses können die Perspektiven der Tierehaltenden
Betriebe verbessert, das gesellschaftlich-ökonomische Umfeld positiver gestaltet
und Planungs- und Investitionssicherheit für die Betriebe hergestellt werden.
Durch eine Kombination unterschiedlicher Maßnahmen, wie die Förderung des
Ökolandbaus und die Orientierung der Tierbestände an der Fläche, kann dabei
insbesondere das Umfeld kleiner und mittlerer Betriebe wieder günstiger
gestaltet werden.
14. Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, wie sich die Corona-
Pandemie beziehungsweise die politischen Corona-Maßnahmen bislang auf
das „Höfesterben“ (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) und die
Betriebsergebnisse ausgewirkt haben, und wenn ja, welche?
Die Corona-Pandemie hat vor allem zu Beginn zu kurzfristigen Störungen in
der Lieferkette einiger landwirtschaftlicher Produkte geführt. Betroffen waren
vor allem Lieferketten, bei denen der grenzüberschreitende Transport von
Produkten eine bedeutende Rolle spielt. Auch durch vorübergehende,
coronabedingte Schließungen von Schlachtbetrieben kam es zu Störungen in den
Lieferketten. Darüber hinaus haben Lockdowns, Gastronomieschließungen und
der Ausfall von Großveranstaltungen zu veränderten Konsummustern geführt.
Auf der anderen Seite hat die Corona-Krise zu einem Anstieg des Konsums
von Bio-Lebensmitteln sowie beim Tourismus („Urlaub auf dem Bauernhof“)
geführt.
Die Betriebsergebnisse in der Landwirtschaft hängen von einer Vielzahl von
Faktoren wie Witterung, Betriebsmittel- und Produktpreise ab. In den
vergangenen Jahren hat außerdem der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest die
wirtschaftliche Situation der Landwirtschaft stark geprägt.
15. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
Insolvenzen bei landwirtschaftlichen Betrieben in den letzten 20 Jahren in
Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach Betriebsform
aufschlüsseln und vergleichbare Daten verwenden)?
Die vom Statistischen Bundesamt monatlich veröffentlichte Insolvenzstatistik
gibt Auskunft über die Zahl der Insolvenzverfahren nach ausgewählten
Wirtschaftsbereichen. Nach der derzeit gültigen Klassifikation liegen jährliche
Angaben von 2008 bis 2020 vor. Betriebe des ökologischen Landbaus werden
nicht getrennt erfasst.
Die Zahlen können unter dem Tabellencode 52411-0006 in der GENESIS-
Datenbank abgerufen werden. Es wird auf die ausgesetzte
Insolvenzantragspflicht von März 2020 bis Mai 2021 verwiesen.
Übersicht 14: Anzahl der beantragten Insolvenzverfahren im Bereich
„Landwirtschaft, Jagd und verbundene Tätigkeiten“
2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020
127 125 143 124 108 103 114 97 128 86 97 107 93
Quelle: Statistisches Bundesamt
16. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die
Gesamtverschuldung der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten 20 Jahren in
Deutschland entwickelt (bitte für jedes Jahr angeben, nach Betriebsform
aufschlüsseln und vergleichbare Daten verwenden)?
Die Entwicklung der Verschuldung der landwirtschaftlichen Betriebe in den
letzten 20 Jahren ist der Übersicht 15 in der Anlage zu entnehmen. Dargestellt
sind Angaben zu den Nettoverbindlichkeiten (Summe der Verbindlichkeiten
abzüglich des Finanzumlaufvermögens) je Betrieb nach Betriebsformen, die aus
Buchführungsergebnissen des Testbetriebsnetzes des Bundesministeriums für
Ernährung und Landwirtschaft gewonnen wurden.
17. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die
landwirtschaftlichen Einkommen in den letzten 20 Jahren in Deutschland entwickelt
(bitte für jedes Jahr angeben, nach Betriebsform aufschlüsseln und
vergleichbare Daten verwenden)?
Die Entwicklung der Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit in den
letzten 20 Jahren ist der Übersicht 16 in der Anlage zu entnehmen. Dabei wird die
Kennzahl „Gewinn plus Personalaufwand je (Voll-)Arbeitskraft“ verwendet,
um den Erfolg von Betrieben mit ungleichen Anteilen nicht entlohnter
Arbeitskräfte vergleichbar zu machen. Diese Kennzahl wird als „Einkommen“
bezeichnet und so auch im Agrarpolitischen Bericht der Bundesregierung
verwendet.
18. Was sind nach Einschätzung der Bundesregierung die Haupttreiber des
„Höfesterbens“ (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Strukturwandel findet in allen Wirtschaftsbereichen statt, als Folge der
Anpassung von Betrieben, von Sektoren sowie die der Wirtschaft als Ganzes an sich
ändernden Rahmenbedingungen. Vor allem der technische Fortschritt,
gesellschaftliche Entwicklungen, wie sich ändernde Verbrauchsmuster, sowie
ökonomische Zwänge und Anreize sind Triebkräfte, die zu einer Veränderung der
Wirtschaftsstrukturen führen. Davon ist auch der Agrarsektor nicht
ausgenommen.
19. Was genau meint der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft
Cem Özdemir, wenn er sagt, dass wir ein Artensterben und ein
„Höfesterben“ hätten und wir beides gleichermaßen angehen müssten (https://
www.agrarheute.com/politik/oezdemir-will-agrarminister-werk-kuenast
s-fortsetzen-588182), beziehungsweise mit welchen konkreten
Maßnahmen soll dies geschehen?
Die Bundesregierung strebt sowohl den Erhalt der Artenvielfalt als auch eine
ökonomisch tragfähige Ausrichtung des Agrarsystems an und verknüpft diese
Ausrichtung mit einer umweltfreundlichen, gerechten und nachhaltigen
Ernährungspolitik. Die Bundesregierung richtet die Rahmenbedingungen
entsprechend danach aus.
20. Was genau meint der Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und
Klimaschutz, Dr. Robert Habeck, wenn er sagt, dass wir ein Artensterben
und „Höfesterben“ hätten und es deshalb ein neues Denken in der
Agrarpolitik bräuchte, welches nicht nur „wachse oder weiche“ kenne (https://
www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/landwirtschaft-koalitionsver
trag-verbraucher-101.html), beziehungsweise mit welchen konkreten
Maßnahmen soll dies geschehen?
Die Bundesregierung beabsichtigt, die Landwirtschaft im Einklang mit Natur,
Umwelt und Klima weiterzuentwickeln. Das Ziel ist dabei eine nachhaltige,
zukunftsfähige Landwirtschaft, in der die Bäuerinnen und Bauern ökonomisch
tragfähig wirtschaften können und die zugleich Natur und Umwelt, Tieren und
dem Klima gerecht wird.
Im Übrigen wird auf die Antworten zu den Fragen 13 und 19 verwiesen.
Drucksache 20/792 – 16 – Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
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www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]