[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser,
Frank Rinck, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 20/903 –
Begleitende Ernährungsbildung in Deutschland durch das Bundesministerium
für Ernährung und Landwirtschaft
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Bereits im Kindes- und Jugendalter können Übergewicht und Fettleibigkeit
das Risiko erhöhen, im späteren Erwachsenenleben negative gesundheitliche
Beeinträchtigungen wie eine Herz-Kreislauf-Erkrankung und oder eine
Stoffwechselerkrankung zu entwickeln (
https://publications.aap.org/pediatrics/artic
le/146/2/e20193666/36843/Body-Mass-Index-From-Early-to-Late-
Childhoodand).
Laut einer Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in
Deutschland (KiGGS Welle 2) des Robert Koch-Instituts (RKI) aus den Jahren 2014
bis 2017 waren zur damaligen Zeit 15,4 Prozent der Mädchen und Jungen im
Alter zwischen 3 und 17 Jahren übergewichtig, wobei 6 Prozent dieser Kinder
und Jugendlichen bereits eine Adipositas, also eine Fettleibigkeit entwickelt
hatten (
https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsbe
richterstattung/GBEDownloadsJ/Journal-of-Health-Monitoring_01_2018_KiG
GS-Welle2_erste_Ergebnisse.pdf?__blob=publicationFile). Während sich
unter den Teilnehmern zwischen Jungen und Mädchen keine signifikanten
Unterschiede hinsichtlich des Körpergewichts ergaben, zeigte sich jedoch,
dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien rund viermal häufiger stark
übergewichtig waren als Gleichaltrige mit hohem sozialökonomischem Status
(ebd. RKI, KiGGS Welle 2).
Vergleiche mit der ersten Datenerhebung zur Kinder- und Jugendgesundheit in
Deutschland (KiGGS Basiserhebung, 2003 bis 2006) zeigten, dass zehn Jahre
danach genauso viele Kinder und Jugendliche übergewichtig und fettleibig
waren und die Werte sich somit auf einem hohen Niveau stabilisiert hatten
(
https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Studien/Kiggs/Basise
rhebung/Ergebnisbroschuere.pdf?__blob=publicationFile). Da der Sozialstatus
einer Person unter anderem mit der schulischen und beruflichen Bildung
korreliert, bestand die Annahme, dass das deutsche Bildungssystem erhebliche
Defizite im Bereich der Ernährungsbildung aufzeigte. Demzufolge gab das
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Jahr 2016
eine Studie in Auftrag, die den damaligen Stand der ernährungsbezogenen
Bildungsarbeit in Einrichtungen der Kindes- und Jugendbetreuung analysieren
und bewerten sollte (
https://www.nqz.de/fileadmin/nqz/publikationsdateien/St
Deutscher Bundestag Drucksache 20/1263
20. Wahlperiode 31.03.2022
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
vom 31. März 2022 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
udieErnahrungsbildunglang.pdf). Die Ergebnisse der Studie
„Ernährungsbezogene Bildungsarbeit in Kitas und Schulen“ zeigten zwar, dass die Themen
Essen und Ernährung in den Bildungsplänen für Kita und Schulen verankert
waren, das Angebot an Fortbildungen für Erzieher und Lehrende aber häufig
nicht ausreichte, um den Mangel in der Ausbildung zu kompensieren (https://
www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2019/152-studie-ernaehrun
gsbildung.html;jsessionid=03CC9111DA14A433A01850C6DA273A08.liv
e921). Zudem wiesen Lehrbücher häufig fachliche Mängel auf (ebd.).
Infolgedessen schuf die ehemalige Bundesministerin für Ernährung und
Landwirtschaft Julia Klöckner ein eigenes Referat Ernährungsbildung in der ihr
nachgeordneten Behörde der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
(BLE) mit dem Ziel, die Bundesländer bei der Verankerung der
Ernährungsbildung in Ausbildung und Schullaufbahn begleitend zu unterstützen (https://
www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/235-konzept-ernaehr
ungsbildung.html).
1. Wie viele Bildungseinrichtungen haben nach Kenntnis der
Bundesregierung die Fortbildungsangebote des Referats Ernährungsbildung seit der
Gründung in Anspruch genommen (bitte nach Jahr, Bildungs- und
Betreuungseinrichtung, Anzahl der Teilnehmer und Art der Fortbildung
aufschlüsseln)?
Das Referat Ernährungsbildung im Bundeszentrum für Ernährung (BZfE)
wurde im Mai 2021 eingerichtet. Seitdem stehen Ressourcen für maximal 100
Fortbildungen im Jahr zur Verfügung.
Zu den in der Tabelle aufgeführten klassischen Lehrkräfte-Fortbildungen
kommen noch Multiplikatorenveranstaltungen, Vorträge und Workshops auf
Fachtagungen, etc., so dass die Anzahl an Veranstaltungen 2021 bei 95 lag. Die Zahl
insgesamt erreichter Lehrkräfte und Multiplikatoren lag 2021 bei 1773.
Themen 2021 2022 (bis Ende 02/2022)
FB TN FB TN
Grundschule Ernährungsführerschein 16 285 3 70
Schmecken lernen 8 145 1 18
weiterführende
Schule
SchmExperten 7 91 1 16
SchmExperten in der Lernküche 30 555 3 45
Lebensmittelqualität beurteilen 23 473 3 53
Obst- und Gemüsevielfalt entdecken 1 19
Sinnexperimente 1 16
Nachhaltiger einkaufen 1 26
insgesamt 84 1 349 14 263
FB: Anzahl der Fortbildungen; TN: Anzahl der Teilnehmenden
Die Anzahl der erreichten Bildungseinrichtungen wird nicht gezählt, da es
keine schulinternen bzw. einrichtungsinternen Fortbildungen gibt, sondern
einzelne Lehrpersonen adressiert werden.
2. Plant die Bundesregierung eine fortwährende Erweiterung der Angebote
des Referats Ernährungsbildung, und wenn ja, welche Schwerpunkte
sollen zusätzlich realisiert werden, und wann sollen diese integriert werden?
Durch das neue Referat Ernährungsbildung konnte das Fortbildungsangebot
2021 ausgeweitet und im Hinblick auf Themen, Zielgruppen und Formate
differenziert werden. 2022 wird die Themenvielfalt bei den
ernährungsbezogenen Fortbildungen bei gleichbleibender Gesamtzahl weiter erhöht. Neu
hinzukommen werden Fortbildungen für nachhaltigere Ernährung, Obst- und
Gemüsevielfalt sowie zur Sinnesbildung im Unterricht. Auf Basis der
Evaluationsergebnisse wird entschieden, welche der Fortbildungsangebote im
Portfolio bleiben.
3. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung gezielt nach
Bekanntwerden der Ergebnisse der Studie „Ernährungsbezogene Bildungsarbeit
in Kitas und Schulen“ (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) ins Leben
gerufen?
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unterstützt
die Länder mit unterschiedlichen Maßnahmen zur Stärkung der
Ernährungsbildung. Hierzu zählen Maßnahmen, die Erzieherinnen und Erzieher sowie
Lehrerinnen und Lehrer dabei unterstützen, die Themen „Essen und Trinken“ in
den Erziehungs- und Bildungsprozess zu integrieren (z. B. „GemüseKlasse“).
Das Modellprogramm „Gut essen macht stark: Mehr gesundheitliche
Chancengleichheit im Quartier“ wird gemeinsam vom Bundesministerium für Wohnen,
Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und dem BMEL finanziert und
durchgeführt. Außerdem bekommen Ernährungsthemen bereits in der
Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher ein stärkeres Gewicht.
Im November 2020 fand auf Einladung des BMEL ein Runder Tisch zur
Ernährungsbildung in Schulen mit Vertreterinnen und Vertretern der Bundes- und
Landespolitik, dem Gesundheits- und dem Schulbereich statt. In diesem
Rahmen wurde ein gemeinsam von BMEL und BZfE erarbeitetes Konzept zur
Stärkung der Ernährungsbildung in Schulen vorgestellt, welches seitdem
konsequent umgesetzt wird. Zudem arbeiten seit 2019 das Bundesministerium für
Familie, Senioren Frauen und Jugend (BMFSFJ), das BMEL und das Nationale
Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule (NQZ) im Zusammenhang
des Gute-KiTa-Gesetzes eng zusammen, um bundesweit das Thema Ernährung
in der Kindertagesbetreuung und dabei auch den Aspekt der Ernährungsbildung
weiter voranzubringen.
4. In welcher Höhe belaufen sich die finanziellen Mittel, die seit der
Gründung des Referats Ernährungsbildung innerhalb des Kompetenz- und
Kommunikationszentrums für Ernährungsfragen (BZfE) als Untereinheit
der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) bereitgestellt
wurden (bitte nach Jahr, Zweck und Höhe der Ausgaben aufschlüsseln)?
Für 2021 betragen die Mittel 291.460,89 Euro (IST-Ausgaben), davon
wurden rund 141.000 Euro für Informationsmaterialien (Print, digital) und rund
150.000 Euro für Online-Fortbildungsveranstaltungen sowie ergänzende
Vernetzungstreffen verwendet. Für 2022 sind laut Haushaltsvoranmeldung 2022
rund 300.000 Euro vorgesehen, jeweils die Hälfte für Informationsmaterialien
(Print, digital) und für Online-Fortbildungsveranstaltungen.
5. Wie viele Beschäftige stehen dem Referat Ernährungsbildung nach
Kenntnis der Bundesregierung zur Verfügung?
Dem Referat Ernährungsbildung stehen zehn Beschäftigte mit 7,25
Vollzeitäquivalenten zur Verfügung.
6. Welche weiteren Ziele verfolgt das Referat Ernährungsbildung in der
20. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages?
Das Referat Ernährungsbildung hat für die 20. Legislaturperiode die folgenden
Ziele angegeben:
• Ausbau und Pflege von Kooperationen und Netzwerken im Bildungsbereich
zur Unterstützung der Arbeit der Bundesländer,
• Ergänzung vorhandener Informationsmaterialien um digitale Formate,
• möglichst flächendeckende Bereitstellung aller Angebote auf Bundes- und
Länderebene z. B. über neue digitale Plattformen wie MUNDO und wirlern
enonline.de.
7. Beabsichtigt die Bundesregierung, eine Folgestudie zur
ernährungsbezogenen Bildungsarbeit in Kitas und Schulen in Auftrag zu geben, um die
Wirksamkeit der Angebote des Referats Ernährungsbildung zur Stärkung
der Ernährungsbildung im Setting Kita und Schule zu evaluieren?
a) Wenn ja, welche Institution soll mit der Durchführung der Studie
beauftragt werden, und wann soll damit begonnen werden?
b) Wenn nein, wie soll stattdessen die Effektivität der Qualifizierung
von Pädagogen im Bereich der Ernährungsbildung bestimmt werden?
Die Fragen 7 bis 7b werden gemeinsam beantwortet.
Die Fortbildungsangebote des Referats Ernährungsbildung werden
kontinuierlich evaluiert. Sie leisten einen Beitrag dazu, die Versorgung mit
Fortbildungsangeboten sowie die Kommunikation zu bestehenden Angeboten im Rahmen
der Lehreraus- und -fortbildung zu verbessern. Die Angebote können amtliche
Fortbildungen jedoch lediglich ergänzen, denn die Zuständigkeit für die
Lehrerausbildung liegt bei den Ländern.
8. Wie hat sich die Zahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen nach
Kenntnis der Bundesregierung in den letzten Jahren nach Erhebung der
Daten zur KiGGS Welle 2 entwickelt (bitte nach Merkmalen wie
Geschlecht, Alter, sozioökonomischer Familienstatus und
Migrationshintergrund aufschlüsseln)?
Es wurden nach KiGGS Welle 2 (Studie zur Gesundheit von Kindern und
Jugendlichen in Deutschland) keine Daten zur Zahl der übergewichtigen
Kinder und Jugendlichen erhoben.
9. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie viele der Kinder und
Jugendlichen in Frage 8 eine Begleiterkrankung in Form einer Herz-
Kreislauf- und oder Stoffwechselerkrankung infolge des Übergewichts
entwickelt haben, und wenn ja, wie hoch sind die absoluten Zahlen der
Komorbiditäten im Verhältnis zur Grunderkrankung, und welche Art der
Folgeerkrankung ist hier zu nennen?
Der Bundesregierung liegen hierüber keine Erkenntnisse vor.
10. Welche Aufklärungs- und Informationskampagnen hat die
Bundesregierung zum Thema „Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen“ in den
letzten Jahren nach Erhebung der Daten zu KiGGS Welle 2 ggf. initiiert
und oder mitfinanziert (bitte nach Zielgruppen, Höhe der Förderung und
Haushaltstitel aufschlüsseln)?
11. Welche Aufklärungs- und Informationskampagnen plant die
Bundesregierung zum Thema Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen in der
aktuellen 20. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages
durchzuführen?
Die Fragen 10 und 11 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) klärt über die
Ursachen, die mit Übergewicht verbundenen Gesundheitsgefahren, einen
präventiven Lebensstil (insbesondere Bewegung, Ernährung und Stressregulation) und
Maßnahmen zur Behandlung von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen
auf. Hauptzielgruppe der Aufklärungsmaßnahmen sind Eltern, Erziehende
sowie Fach- und Entscheidungskräfte, die entsprechende Maßnahmen für Kinder
und Jugendliche planen, umsetzen oder bewerten.
Die Website
www.uebergewicht-vorbeugen.de der BZgA richtet sich vorrangig
an Eltern und Erziehende. Für Fachkräfte bietet das Portal u. a. auch
Informationen zur Weiterentwicklung und Qualitätssicherung von
Präventionsmaßnahmen. Darüber hinaus hält die BZgA ein umfangreiches Angebot an Medien
(Broschüren, Fachpublikationen, Faltblätter, Plakate und Filme) bereit, die von
Eltern und Erziehenden sowie weiteren Fachkräften kostenlos bestellt werden
können. Zur Bekanntmachung der Produkte und Angebote gibt es regelmäßig
Versandaktionen für Fachkräfte.
Für diese Maßnahmen wurden und werden der BZgA vom Bundesministerium
für Gesundheit (BMG) aus Titel 1503/531 01 (Zweckbestimmung:
Gesundheitliche Aufklärung der Bevölkerung) jährlich Haushaltsmittel für den Bereich
„Ernährung, Bewegung und Stressregulation“ zugewiesen. Insgesamt wurden
hierfür in den Jahren 2017 bis 2021 Mittel in Höhe von rund 4 Mio. Euro
ausgegeben.
Diese Maßnahmen werden kontinuierlich fortgeführt, geprüft und bei Bedarf
modifiziert.
Im Rahmen des Nationalen Aktionsplans IN FORM – Deutschlands Initiative
für gesunde Ernährung und mehr Bewegung fördert die Bundesregierung seit
2008 Projekte für einen gesunden Lebensstil. Neben der Stärkung von
Ernährungs- und Bewegungskompetenz soll so auch der Ausbau gesunder
Ernährungs- und Bewegungsumgebungen erreicht werden.
12. Mit welchen Partnern in der Wirtschaft und Industrie kooperiert die
Bundesregierung zum Thema „Übergewicht bei Kindern und
Jugendlichen“ ggf. (bitte auch die Kooperationsvereinbarung, Beginn, Ende,
etc. mitbenennen)?
Das Bundeskabinett hat im Dezember 2018 die Nationale Reduktions- und
Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten (NRI)
beschlossen. Ziel der NRI ist es, eine gesunde Lebensweise zu fördern und dazu
beizutragen, den Anteil der Übergewichtigen und Adipösen in der
Bevölkerung, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, zu senken und die
Häufigkeit von ernährungsmitbedingten Krankheiten zu verringern. Der Strategie liegt
eine im September 2018 unterzeichnete Grundsatzvereinbarung zwischen
BMEL und den an drei Runden Tischen beteiligten Verbänden der
Lebensmittelwirtschaft zugrunde. Alle zehn teilnehmenden Wirtschaftsverbände geben
in dieser Vereinbarung eine klare Zusage, die NRI zu unterstützen.
Insgesamt elf Verbände der Lebensmittelwirtschaft haben bislang im Rahmen
der NRI Prozess- und Zielvereinbarungen mit ihren Mitgliedsunternehmen zur
Reduktion der Gehalte an Zucker, Fetten, Salz und Energie in ihren Produkten
bis 2025 getroffen. Einzelheiten sind einsehbar unter
www.bmel.de/DE/theme
n/ernaehrung/gesunde-ernaehrung/reduktionsstrategie/reduktionsstrategie-zuck
er-salz-fette.html.
13. Mit welchen Partnern aus der Bildung kooperiert die Bundesregierung
zum Thema „Übergewicht bei Jugendlichen und Kindern“ (bitte auch die
Kooperationsvereinbarung, Beginn, Ende, etc. mitbenennen)?
Im Bereich Ernährungsbildung steht die Bundesregierung im Austausch mit der
Konferenz der Kultusministerinnen und -minister der Länder, da die Länder für
Bildungsinhalte zuständig sind. Auf die Antworten zu den Fragen 7 und 11
wird verwiesen.
14. Wie viele Erwachsene gelten nach Kenntnis der Bundesregierung in
Deutschland aktuell als übergewichtig, und wie haben sich die Zahlen
der übergewichtigen Menschen in Deutschland innerhalb der Corona-
Pandemie seit dem Jahr 2020 im Vergleich zu den Vorjahren entwickelt
(bitte nach Zeit, Altersgruppen der Erwachsenen, Geschlecht,
sozioökonomischem Status und Migrationshintergrund aufschlüsseln)?
Aktuelle Daten zum Anteil der Männer und Frauen mit Übergewicht
(einschließlich Adipositas) weist die Studie GEDA 2019/2020-EHIS aus (GEDA:
Gesundheit in Deutschland Aktuell, EHIS: Europäische Gesundheitsumfrage
(European Health Interview Survey). Demnach sind 53 Prozent der
Erwachsenen von Übergewicht einschließlich Adipositas betroffen, darunter 47 Prozent
der Frauen und 60 Prozent der Männer. Mit zunehmendem Alter steigt sowohl
bei Frauen als auch bei Männern die Prävalenz von Übergewicht und
Adipositas an. In der niedrigen Bildungsgruppe sind 57 Prozent, in der mittleren
Bildungsgruppe 55 Prozent und in der hohen Bildungsgruppe 49 Prozent von
Übergewicht einschließlich Adipositas) betroffen. Auswertungen nach
Migrationshintergrund liegen aktuell noch nicht vor.
Erste Auswertungen der Studie GEDA 2019/2020-EHIS zeigen, dass
Körpergewicht und Body Mass Index (BMI) zwischen März und September 2020 im
Mittel auf Bevölkerungsebene leicht zugenommen haben. Vergleicht man den
Zeitraum seit Einführung der Eindämmungsmaßnahmen zwischen April und
August 2020 mit dem Vorjahreszeitraum April bis August 2019, so zeigt sich
eine Zunahme des Körpergewichts um durchschnittlich 1,1 Kilogramm.
15. Wie viele Erwachsene gelten nach Kenntnis der Bundesregierung in
Deutschland derzeit als adipös, und wie haben sich die Zahlen der
adipösen Menschen in Deutschland innerhalb der Corona-Pandemie seit
dem Jahr 2020 im Vergleich zu den Vorjahren entwickelt (bitte nach Zeit,
Altersgruppen der Erwachsenen, Geschlecht, sozioökonomischem Status
und Migrationshintergrund aufschlüsseln)?
Aktuelle Daten zum Anteil der Männer und Frauen mit Adipositas weist die
Studie GEDA 2019/2020-EHIS aus. Demnach sind 19 Prozent der
Erwachsenen von einer Adipositas betroffen (19 Prozent der Frauen, 19 Prozent der
Männer). Mit zunehmendem Alter steigt sowohl bei Frauen als auch bei
Männern die Adipositasprävalenz an. In der niedrigen Bildungsgruppe sind 26
Prozent, in der mittleren Bildungsgruppe 20 Prozent und in der hohen
Bildungsgruppe 13 Prozent von einer Adipositas betroffen. Auswertungen nach
Migrationshintergrund liegen aktuell noch nicht vor.
Zur Gewichtsentwicklung in der Corona-Pandemie wird auf die Antwort zu
Frage 14 verwiesen.
16. Wie viele Kinder und Jugendliche aber auch Erwachsene mit einer
diagnostizierten Adipositas befanden sich nach Kenntnis der
Bundesregierung seit dem Jahr 2019 in einer stationären Einrichtung (bitte nach
Alter, Geschlecht, Dauer des Aufenthalts aufschlüsseln)?
17. Wie viele Kinder und Jugendliche aber auch Erwachsene mit einer
diagnostizierten Adipositas befanden sich nach Kenntnis der
Bundesregierung seit dem Jahr 2019 in einer Rehabilitationsmaßnahme (bitte nach
Alter, Geschlecht, Dauer des Aufenthalts aufschlüsseln)?
Die Fragen 16 und 17 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse darüber vor, wie viele
Personen stationär bzw. in einer Rehabilitationseinrichtung aufgrund von Adipositas
in Behandlung waren.
18. Welche Maßnahmen gegen Übergewicht und Fettleibigkeit hat die
Bundesregierung in der zurückliegenden 19. Legislaturperiode des
Deutschen Bundestages ergriffen?
Zur Prävention und Bekämpfung von Übergewicht und damit
zusammenhängenden nichtübertragbaren Krankheiten wird vom Bundesministerium für
Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und dem Bundesministerium für
Gesundheit (BMG) seit 2008 der Nationale Aktionsplan „IN FORM – Deutschlands
Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ umgesetzt.
Am 9. Juni 2021 hat das Bundeskabinett die Weiterentwicklung des Nationalen
Aktionsplans IN FORM beschlossen. Diese sieht vor, auf der Grundlage der
bisherigen Zielsetzung von IN FORM bewährte Maßnahmen fortzuführen und
durch neue Aktivitäten, die die aktuellen gesellschaftlichen und
gesundheitspolitischen Bedingungen aufgreifen, zu ergänzen.
a) Welche dieser Maßnahmen war dabei gezielt an Kinder und
Jugendliche mit Übergewicht gerichtet?
Der Kita- und Schulverpflegung kommt eine zentrale Rolle zu, da die
Ernährung von besonders vielen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrem
sozialen und kulturellen Hintergrund mit dem Angebot einer
empfehlungsgerechten Mittagsmahlzeit verbessert werden kann.
Als Grundlage für die Optimierung der Verpflegungsqualität in Kitas und
Schulen dienen die im Rahmen von IN FORM vom BMEL geförderten
Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Verpflegung
in Tageseinrichtungen für Kinder sowie für die Schulverpflegung. Die DGE hat
alle Qualitätsstandards (Kita, Schule, Arbeit/Betrieb, Senioreneinrichtungen,
Krankenhaus/Reha) grundlegend überarbeitet und im November 2020
veröffentlicht.
Die vom BMEL im Rahmen von IN FORM geförderten Vernetzungsstellen
Kita- und Schulverpflegung unterstützen Kitas und Schulen bei der Gestaltung
eines gesunden Verpflegungsangebotes auf Grundlage der DGE-
Qualitätsstandards.
Im Projekt „Die Küchenpartie mit peb“ wurden gemeinsame Kochaktionen mit
Schülerinnen und Schülern und Seniorinnen und Senioren veranstaltet, um die
Teilnehmenden für die Themen Ernährung und Gesundheit zu sensibilisieren,
die Koch- und Ernährungskompetenz zu stärken sowie die soziale Teilhabe zu
fördern.
Im Rahmen von IN FORM werden unter anderem die Projekte „Gut Essen
macht stark – Mehr gesundheitliche Chancengleichheit für Kinder und
Jugendliche in Kitas und Schulen“ und die „Gemüseklasse“ gefördert. Diese
unterstützen Kitas und Schulen in ihren Bestrebungen, ein gesundheitsförderndes
Verpflegungsangebot anzubieten und Ernährungsbildung zu etablieren.
Außerdem werden im Projekt „Tafel is(s)t gesund und nachhaltig – Förderung
der Ernährungskompetenz in der Tafel-Landschaft“ Tafelkundinnen und -
kunden sowie deren Kinder für eine gesundheitsförderliche und nachhaltige
Ernährung sensibilisiert. Neben der zielgruppengerechten Information über
Ernährung, Bevorratung und Verarbeitung von saisonalen und heimischen Obst-
und Gemüsesorten werden alle Sinne mit Experimenten und
gesundheitsförderlichen Mittagstischangeboten angesprochen.
Die NRI stellt Kinder und Jugendliche in den Fokus. Das äußert sich
beispielsweise in den Prozess- und Zielvereinbarungen der Lebensmittelwirtschaft.
Darüber hinaus ist im Rahmen der NRI im Mai 2020 ein nationales Verbot des
Zusatzes von Zucker und anderen süßenden Zutaten zu Kräuter- und Früchtetee
für Säuglinge oder Kleinkinder in Kraft getreten. Das Verbot umfasst neben
Zucker auch andere süßende Zutaten, z. B. Honig, Fruchtsaftkonzentrat,
Malzextrakt oder andere aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnene Sirupe und
Dicksäfte.
Im Bereich des BMG wurden Maßnahmen im Rahmen des seit 2015
bestehenden Förderschwerpunktes „Prävention von Übergewicht bei Kindern und
Jugendlichen“ umgesetzt. 2019 wurde ein weiterer Förderschwerpunkt
„Bewegung und Bewegungsförderung“ eingerichtet, um das Potential von
körperlicher Aktivität als einem zentralen Faktor der Gesundheit und Prävention von
Übergewicht in der gesamten Bevölkerung bekannt zu machen und Menschen
zu mehr Bewegung zu motivieren. Die in diesem Zusammenhang geförderten
Forschungsprojekte legen auch für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche
Grundlagen für eine nachhaltige Bewegungsförderung, unter anderem in den
Lebenswelten Kita, Schule und Kommune.
Um Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen durch pandemiebedingte
Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen vorzubeugen, wurden unter
der Leitung des Robert Koch-Instituts Informationsblätter für
Kindertagesstätten, Schulen und Sportvereine erstellt. Die Informationsblätter enthalten
praxisnahe Handlungsempfehlungen für bewegungsfördernde Maßnahmen für Kinder
und Jugendliche. Sie wurden vom BMG im Juni 2021 veröffentlicht.
Mit dem am 20. Juli 2021 in Kraft getretenen
Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) wurde der Gemeinsame Bundesausschuss
(G-BA) beauftragt, bis zum 31. Juli 2023 für die Behandlung von Adipositas-
Richtlinien zu den Anforderungen an die Ausgestaltung von strukturierten
Behandlungsprogrammen (sog. Disease Management Programme, DMP) zu
erlassen (§ 137f Absatz 1 Satz 3 des Fünften Buches Sozialgesetzbuches). Ziel ist,
die Versorgung der Versicherten mit krankhaftem Übergewicht zu verbessern.
Das DMP wird Empfehlungen sowohl zur Behandlung von Erwachsenen als
auch von Kindern und Jugendlichen enthalten. Der G-BA hat bereits mit der
Umsetzung des gesetzlichen Auftrags zur Ausgestaltung eines DMP Adipositas
begonnen. Mit Beschluss vom 19. August 2021 hat er das Institut für Qualität
und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beauftragt, die
medizinischen Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung von Adipositas zu
recherchieren und zu bewerten (siehe unter:
www.g-ba.de/beschluesse/4989/ und unter:
www.g-ba.de/beschluesse/4990/).
b) In welcher Höhe belaufen sich die finanziellen Mittel, die dafür
aufgewendet wurden?
Die Gesamtausgaben für den Nationalen Aktionsplan IN FORM betrugen in
der 19. Legislaturperiode 41,6 Mio. Euro.
Für die unter Frage 18a genannten IN FORM-Projekte (gezielt an Kinder und
Jugendliche gerichtet) wurden in der 19. Legislaturperiode vom BMEL rund
sieben Mio. Euro, vom BMG für den Förderschwerpunkt „Prävention von
Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen 2,5 Mio. Euro und für den
Förderschwerpunkt „Bewegung und Bewegungsförderung“ 1 Mio. Euro ausgegeben.
c) Welche Erfolge konnte die Bundesregierung durch die angewendeten
Maßnahmen in der 19. Legislaturperiode verzeichnen?
Die Evaluation des Nationalen Aktionsplans IN FORM (veröffentlicht Oktober
2019) hat ergeben, dass bei den Bürgerinnen und Bürgern aller Altersgruppen
ein erhöhtes Bewusstsein für die Bedeutung von gesunder Ernährung und
ausreichender Bewegung sowie eine erhöhte Motivation zur Verhaltensänderung
nachgewiesen werden konnte. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wurden
für die Notwendigkeit und Möglichkeiten der Gesundheitsförderung und
Prävention sensibilisiert und befähigt, das Wissen zielgruppenspezifisch in ihren
Handlungsfeldern zu vermitteln. Es wurden Kooperationen initiiert und
Netzwerke zur gesundheitsförderlichen Gestaltung von Lebenswelten geschaffen,
was insgesamt zu neuen Angeboten und auch zu einer dauerhaften Etablierung
einzelner Maßnahmen, Zertifizierungen oder Übernahmen in Curricula
beigetragen hat.
Mit dem vom Max Rubner-Institut (MRI) durchgeführten Produktmonitoring
im Rahmen der NRI werden, aufbauend auf einer bereits erfolgten
Basiserhebung im Jahr 2016 (Erfrischungsgetränke 2018), Veränderungen von Zucker-,
Fett-, Salz- und Energiegehalten in Fertigprodukten im Zeitverlauf erfasst. Die
Erhebung 2019 hat gezeigt, dass bei Joghurtzubereitungen, gesüßten
Quarkzubereitungen, Erfrischungsgetränken und Frühstückscerealien Zucker- oder
Energiegehalte reduziert wurden. Die Ergebnisse der Erhebung 2020, die im
April 2021 veröffentlicht wurden, zeigten zwischen 2016 und 2020 eine
signifikante Reduktion der Salzgehalte von verpackten Brot und Kleingebäck und
eine signifikante Reduktion der Zuckergehalte von Müsli-, Frucht- und Nuss-
Riegeln. Unter den untersuchten verpackten Wurstwaren und weiteren
Fleischerzeugnissen traten bei vereinzelten Produktuntergruppen signifikante
Reduktionen der Gehalte an Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren oder Salz auf.
19. Welche Maßnahmen gegen Übergewicht und Adipositas beabsichtigt die
Bundesregierung in der 20. Legislaturperiode des Deutschen
Bundestages zu ergreifen?
a) Welche dieser Maßnahmen sind dabei explizit an Kinder und
Jugendliche mit Übergewicht gerichtet?
Die Fragen 19 und 19a werden gemeinsam beantwortet.
Im Projekt der DGE „Gesundheitsfördernde und nachhaltige Verpflegung von
Kindern und Jugendlichen“ mit dem Schwerpunkt „Angebot eines gesunden
Frühstücks in Kita und Grundschule“ wird die Information zu
gesundheitsfördernder und nachhaltiger Verpflegung in den Lebenswelten Kindertagespflege,
Kita und Schule im Auftrag des BMEL gefördert. Sämtliche Aktivitäten des
Projektes dienen der weiteren Verbreitung und Verstetigung der Umsetzung der
aktualisierten DGE Qualitätsstandards für Kita- und Schulverpflegung. Die
bestehenden Empfehlungen werden zudem um die Bereiche Kindertagespflege,
Ausgabe eines gesunden Frühstücks in Kita und Grundschule sowie
Vollverpflegung erweitert.
Zukünftig soll außerdem die prägende Rolle von Tageseltern und von U3-
Gruppen in Kitas in der IN FORM-Projektförderung stärker berücksichtigt
werden.
Die NRI soll weiterhin dazu beitragen, den Anteil der Übergewichtigen und
Adipösen in der Bevölkerung, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, zu
senken und die Häufigkeit von ernährungsmitbedingten Krankheiten zu
verringern. Der Koalitionsvertrag sieht vor, dass wissenschaftlich fundierte und auf
Zielgruppen abgestimmte Reduktionsziele geschaffen werden.
Im Rahmen des Förderschwerpunktes „Prävention von Übergewicht bei
Kindern und Jugendlichen“ sollen vom BMG auch in der 20. Legislaturperiode
Maßnahmen umgesetzt werden, die sich thematisch explizit mit der
Vermeidung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen befassen.
Einen Beitrag hierzu leistet z. B. die Studie „BeweKi: Untersuchung zur
Bewegungsförderung in Kitas, Schulen und Sportvereinen – unter Berücksichtigung
der Pandemiebedingungen“, die von Dezember 2021 bis November 2023 vom
Robert Koch-Institut durchgeführt wird. Die Studie erforscht, wie
Bewegungsförderung für Kinder und Jugendliche in den Lebenswelten Kita, Schule und
Sportverein, auch unter den Pandemiebedingungen, umgesetzt wird. Daraus
sollen Ansatzpunkte für präventive Maßnahmen generiert werden, mit denen
die Bewegung von Kindern und Jugendlichen gefördert werden kann. Damit
wird auch ein Beitrag zur Prävention von Übergewicht und Adipositas
geleistet.
Zu den Maßnahmen der BZgA zur Aufklärung und Information der
Bevölkerung und der Fachkräfte wird auf die Antwort zu den Fragen 10 und 11
verwiesen.
b) Wie hoch sind die finanziellen Mittel, die die Bundesregierung für die
beabsichtigten Maßnahmen insgesamt bereitstellen möchte?
c) Wie hoch sind die finanziellen Mittel, die die Bundesregierung für
Maßnahmen gegen Übergewicht und Fettleibigkeit aufwenden möchte
und gezielt an Kinder und Jugendliche gerichtet sind?
Die Fragen 19b und 19c werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Der Haushalt für 2022 befindet sich derzeit noch im Gesetzgebungsverfahren
bzw. für die Folgejahre im Abstimmungsprozess.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]