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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet
Zu Lösegeldzahlungen zur Wiederherstellung in verbrecherischer Absicht verschlüsselter Unternehmensdaten
(insgesamt 14 Einzelfragen)
Fraktion
AfD
Ressort
Bundesministerium des Innern und für Heimat
Datum
27.07.2022
Aktualisiert
03.08.2022
BT20/278315.07.2022
Zu Lösegeldzahlungen zur Wiederherstellung in verbrecherischer Absicht verschlüsselter Unternehmensdaten
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Joana Cotar, Barbara Lenk, Eugen Schmidt, Beatrix von
Storch und der Fraktion der AfD
Zu Lösegeldzahlungen zur Wiederherstellung in verbrecherischer Absicht
verschlüsselter Unternehmensdaten
Die Ausdifferenzierung der Internetkriminalität hat zum spezialisierten Angriff
auf Unternehmensrechner geführt, mit dem Ziel, die dort befindlichen Daten zu
verschlüsseln und sie damit für das Unternehmen unbrauchbar zu machen. Der
Branchenverband Bitkom schätzt, dass im Jahr 2021 der deutschen Wirtschaft
durch Diebstahl, Spionage und Sabotage ein Gesamtschaden in Höhe von
223 Mrd. Euro entstanden ist (https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformatio
n/Angriffsziel-deutsche-Wirtschaft-mehr-als-220-Milliarden-Euro-Schaden-pr
o-Jahr).
Haupttreiber dieser Entwicklung sind nach Darstellung des Bitkom
Erpressungsvorfälle. Dabei werden von einschlägigen Kriminellen gekaperte
Unternehmensdaten gegen Zahlung eines Lösegeldes (englisch „ransom“, daher der
Begriff der „Ransomware“) wieder freigeschaltet (vgl. Unterrichtung durch die
Bundesregierung: Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland,
Bundestagsdrucksache 20/24, S. 10). Die durch diese Erpressungs- und
Lösegeldzahlungsfälle hervorgerufenen Schäden haben sich laut Bitkom seit 2018/2019 mehr als
vervierfacht (https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Angriffsziel-de
utsche-Wirtschaft-mehr-als-220-Milliarden-Euro-Schaden-pro-Jahr).
Eine Allianz von gut 90 Cybersicherheitsspezialisten hat sich in einem Appell
an die Bundesregierung gegen die verbreitete Bereitschaft zur Lösegeldzahlung
im Falle eines Ransomware-Angriffs gewandt (https://ransomletter.github.io/).
Die Experten aus Universitäten, IT-Beratungen und Netzaktivismus sind der
Ansicht, dass die erfolgten Lösegeldzahlungen der Unternehmen das
individuelle Problem gegebenenfalls kurzfristig lösen, langfristig aber die Gefahr durch
weitere Verschlüsselung und Erpressung nur fördern (ebd.). Erst durch die
Lösegeldzahlungen werde das „Geschäftsmodell“ des organisierten Verbrechens
bestätigt, die erhaltenen Summen würden in Software und Personal für weitere,
komplexere Attacken investiert (ebd.). Die Unterzeichner des Appells an die
Bundesregierung beobachten mit Sorge, dass sich die Lösegeldzahlungen
deutscher Unternehmen zu einem „massiven geostrategischen Risiko“ entwickelt
hätten, das nicht länger ignoriert werden dürfe (ebenda). Die Bundesregierung
wird abschließend aufgefordert, Maßnahmen zu erlassen und Anreize zu
setzen, um Lösegeldzahlungen bei Ransomware-Attacken zu unterbinden
(ebenda).
Deutscher Bundestag Drucksache 20/2783
20. Wahlperiode 15.07.2022
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Liegen der Bundesregierung eigene Erkenntnisse über wirtschaftliche
Schäden vor, die durch Ransomware-Attacken auf Unternehmen in
Deutschland verursacht wurden (wenn ja, bitte nach Fallzahlen und
durchschnittlicher Schadenshöhe für die Jahre 2018 bis 2021 differenzieren)?
2. Liegen der Bundesregierung eigene Erkenntnisse über wirtschaftliche,
politische und soziale Schäden vor, die durch Ransomware-Attacken auf
Bundesministerien und nachgeordnete Behörden in Deutschland
verursacht wurden (wenn ja, bitte nach Fallzahlen und durchschnittlicher
Schadenshöhe für die Jahre 2018 bis 2021 differenzieren)?
3. Liegen der Bundesregierung eigene Erkenntnisse über wirtschaftliche,
politische und soziale Schäden vor, die durch Ransomware-Attacken auf
Einrichtungen der kritischen Infrastruktur in Deutschland verursacht wurden
(wenn ja, bitte nach Fallzahlen und durchschnittlicher Schadenshöhe für
die Jahre 2018 bis 2021 differenzieren)?
4. Beobachtet die Bundesregierung im Zusammenhang mit dem Krieg in der
Ukraine seit Ende Februar 2022 einen signifikanten Anstieg von
Ransomware-Attacken auf deutsche Unternehmen, Behörden sowie Einrichtungen
der kritischen Infrastruktur (bitte ausführen)?
5. Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, welche Organisationen
schwerpunktmäßig hinter in Deutschland erfolgten Ransomware-Angriffen
stecken (etwa organisierte Kriminalität, Nachrichtendienste, sog.
Hacktivisten; bitte ausführen)?
6. Hält die Bundesregierung weiter an den Empfehlungen des Bundesamts
für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und des
Bundeskriminalamts (BKA) fest, im Falle eines mutwillig verschlüsselten Datenträgers
oder gar Kommunikationsnetzwerks keinesfalls auf die Lösegeldforderung
der Erpresser einzugehen (vgl. o. g. Bundestagsdrucksache, S. 18)?
Wenn ja, kann es nach Auffassung der Bundesregierung Ausnahmefälle
geben, wo die Zahlung des geforderten Lösegeldes als gerechtfertigt
erscheint (bitte begründen)?
7. Kann die Bundesregierung Angaben machen dazu, was sie in Ministerien
und nachgeordneten Behörden für die Resilienz der dortigen digitalen
Kommunikationssysteme gegen Ransomware unternimmt (bitte nach
finanziellen, organisatorischen, technischen und personellen Aspekten
ausschlüsseln)?
8. Ist die Bundesregierung oder eine ihr nachgeordnete Behörde in der
Vergangenheit schon einmal Opfer einer Ransomware-Attacke geworden?
a) Wenn ja, um welche Behörde handelt es sich dabei?
b) Wenn ja, wann geschah der Vorfall?
c) Wenn ja, welches Datenvolumen wurde bei der Attacke gekapert?
d) Wenn ja, wie wurde auf die Attacke seitens der Bundesregierung
reagiert?
9. Plant die Bundesregierung, wie von den Unterzeichnern des genannten
Appells vorgeschlagen, die steuerliche Absetzbarkeit von Ransomware-
Zahlungen nach § 33 des Einkommensteuergesetzes (EstG) aufzuheben,
und wenn ja, warum; wenn nein, warum nicht?
10. Plant die Bundesregierung die Einführung einer Meldepflicht für
Unternehmen, die von einer Ransomware-Attacke betroffen wurden und die in
diesem Zusammenhang Lösegeld gezahlt haben?
11. Teilt die Bundesregierung die Sorge der Unterzeichner des genannten
Appells (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller), dass von den
Lösegeldzahlungen nach Ransomware-Attacken vor allem Staaten profitieren, die von der
Bundesregierung mit wirtschaftlichen Sanktionen belegt sind, und wenn
ja, um welche Staaten handelt es sich dabei, wenn nein, warum nicht?
12. Wird sich die Bundesregierung, im Sinne der Unterzeichner des genannten
Appells (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller), dafür einsetzen, dass die
Versicherungswirtschaft Lösegeldzahlungen nach Ransomware-Attacken
nicht länger versichern kann?
13. Plant die Bundesregierung, wie von den Unterzeichnern des genannten
Appells angeregt (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller), die Aufsetzung
eines Unterstützungsfonds für Unternehmen, die wegen einer Ransomware-
Attacke in finanzielle Not geraten sind, und wenn nein, warum nicht, wenn
ja, zu welchen Bedingungen?
14. Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, wie hoch die
Aufklärungsquote bei angezeigten Ransomware-Delikten in Deutschland ist (bitte ggf.
ausführen)?
Berlin, den 7. Juli 2022
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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