[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Nicole Gohlke, Dr. Petra Sitte, Gökay
Akbulut, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 20/3091 –
Budgetkürzungen bei der Alexander von Humboldt-Stiftung im Haushalt 2022
und 2023 sowie darauffolgende Streichungen einzelner Fördermaßnahmen
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) ist eine gemeinnützige Stiftung
zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der Forschung. Sie
fördert insbesondere Kooperationen zwischen ausländischen und deutschen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Über 30 000 Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler arbeiten in über 140 Ländern aufgrund einer Förderung
der AvH (vgl. AvH: Geographie des Wissens – Alexander von Humboldt-
Stiftung,
https://www.humboldt-foundation.de/entdecken/zahlen-und-statistik
en/geographie-des-wissens). Die AvH leistet nicht nur einen Beitrag zu
internationalen wissenschaftlichen Kooperationen, sondern nimmt auch einen
hohen Stellenwert in der Individualförderung von international anerkannten und
bedeutenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein. Insgesamt hat
die AvH 57 Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger gefördert, darunter
die jüngst ausgezeichnete Emmanuelle Charpentier, die gemeinsam mit
Jennifer A. Doudna die CRISPR/Cas9-Methode bzw. die „Genschere“
entwickelte (vgl. AvH: Humboldtianer*innen mit Nobelpreis – Alexander von
Humboldt-Stiftung,
https://www.humboldt-foundation.de/vernetzen/humboldt
ianerinnen-mit-nobelpreis).
Die AvH bezieht sinngemäß Mittel aus dem Einzelplan 05 (Auswärtiges
Amt – AA), dem Einzelplan 23 (Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung – BMZ) und dem Einzelplan 30
(Bundesministerium für Bildung und Forschung – BMBF). Im Bereich der
Internationalisierung wissenschaftlicher Zusammenarbeit hat die AvH einen ähnlichen
Stellenwert wie der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD).
Sinngemäß erfolgt die Finanzierung in den Einzelplänen 05 und 23 unter den
gleichen Kapiteln und Titeln: Titel 687 46 im Kapitel 05 04 und für den
Einzelplan 23 den Titel 685 01 im Kapitel 23 01.
Die AvH ist wie der DAAD von Budgetkürzungen betroffen, indes sich für die
Fragesteller eine ähnliche Intransparenz bezüglich der genauen Höhen und
Gründe für die Budgetkürzungen seitens der Bundesregierung zeigt (vgl.
Bundestagsdrucksache 20/2808). Die mediale Berichterstattung spricht von
Ausgabensenkungen der AvH um 30 Prozent bei Programmen der AvH, die vom
Auswärtigen Amt finanziert werden. Bei den Forschungsstipendien soll es
Deutscher Bundestag Drucksache 20/3187
20. Wahlperiode 25.08.2022
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 25. August 2022 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
ebenfalls einen deutlichen Rückgang geben: 2021 seien 380 Stipendien
vergeben worden, 2022 lediglich 264. Des Weiteren sollen neue Anträge für
einzelne Programme nicht mehr bewilligt werden bzw. sieht sich die AvH
gezwungen, ganze Programme einzustellen, darunter das Residency-Programm, das
Wissen für Gesellschaft und Politik zur Verfügung stellt. Auch die
Forschungshubs, eine deutsch-afrikanische Kooperation, die erst 2021 begründet
wurde, wird laut AvH eingestellt werden. Die Kürzungen haben auch zur
Folge, dass Forschungen bzw. Projekte personell und finanziell nicht mehr
realisiert werden können, weil die betroffenen Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler unabdingbar auf die Förderungen angewiesen sind, mit den bereits
bewilligten und dann zurückgenommenen Mitteln für ihre Forschungen
gerechnet haben oder aufgrund des Risikos, dass die Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler durch das Aussetzen von Förderungen auf unbestimmte Zeit
nicht mehr zur Verfügung stehen werden.
Insbesondere die Einschnitte bei der Philipp Schwartz-Initiative, die von
Krieg und Verfolgung bedrohten Forschenden eine Arbeit in Deutschland
ermöglicht, sehen die Fragesteller angesichts der aktuellen geopolitischen Lage
als kritisch an. Für die AvH zeichnet sich ein Verteilungsproblem ab, das
inhaltlich nicht zu begründen ist: „Während in diesem Jahr Sondermittel für den
Schutz Forschender aus der Ukraine vorhanden sind, müssen diese im
nächsten Jahr weiterlaufenden Stipendien dann zu Lasten von Bewerbungen aus
anderen Ländern finanziert werden. ‚Der Schutz für Forschende aus der Ukraine
geht auf Kosten von genauso schutzbedürftigen Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern aus anderen Ländern. Was ein starkes Signal der Solidarität
sein sollte, wird so in der Mehrheit der Länder zu einer Schwächung der
Wissenschaftsfreiheit führen‘“ (vgl. Alexander von Humboldt-Stiftung [13. Juli
2022]: Haushaltskürzungen: Humboldt-Stiftung muss Stipendien und
Programme streichen,
https://www.humboldt-foundation.de/entdecken/newsroo
m/pressemitteilungen/haushaltskuerzungen#:~:text=Bereits%20f%C3%BCr%
20das%20laufende%20Jahr,auf%20264%20im%20Jahr%202022, und
Forschung und Lehre [7. Juli 2022]: Budgetkürzungen: Dem internationalen
Austausch drohen weitere Einschnitte,
https://www.forschung-und-lehre.de/politi
k/dem-internationalen-austausch-drohen-weitere-kuerzungen-4857.)
SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP haben in ihrem
Koalitionsvertrag die Erhöhung des Budgets der AvH versichert (vgl. Koalitionsvertrag
2021, S. 24). Der aktuelle Bundeshaushalt sieht im Einzelplan 05 bereits
Kürzungen von 1,496 Mio. Euro vor bezogen auf den Ist-Wert 2021. 2023
sollen weitere 3,5 Mio. Euro bei der AvH eingespart werden. Die Mittel für die
AvH im Einzelplan 23 sind gleichbleibend bei 11,634 Mio. Euro. Es folgen
hier demnach keine weiteren Kürzungen, aber auch keine Erhöhungen wie im
Koalitionsvertrag angekündigt. Inwieweit und in welchen
Zuwendungszwecken ggf. weiteres Budget der AvH analog zum DAAD über den
Einzelplan 30 eingespart wird, ist für die Fragesteller unklar. Die Projektlisten zum
Regierungsentwurf des Bundeshaushalts 2022 sahen im Titel 681 01 im
Kapitel 30 02 „Studenten- und Wissenschaftleraustausch sowie internationale
Hochschul- und Wissenschaftskooperationen“ für die AvH eine stetige
Steigerung des Budgets vor: 2021 betrug das Budget 71 000 Euro, 2022 sollte es auf
91 000 Euro ansteigen und 2023 soll die AvH nach damaligem Stand ab 2023
93 000 Euro Zuwendungen erhalten. Für die Fragesteller ist offen, ob die
Förderhöhen in dieser Form nunmehr auch Teil der aktuellen Planungen zum
Bundeshaushalt 2023 sind, die Projektliste des Titels 681 01 im Kapitel 30 02
des Einzelplanes 30 also die AvH nach wie vor inkludiert und die Mittel wie
2022 veranschlagt vorsieht. Des Weiteren ist unklar, ob der AvH ggf. noch
weitere Mittel aus anderen Einzelplänen und Titeln des Bundeshaushalts 2022
zukommen, beispielsweise zusätzliche Mittel aus der Ukraine-Hilfe und ob
die zusätzliche Förderung im Bundeshaushalt 2023 fortgeführt werden soll.
1. In welcher Höhe wird die AvH zu welchen Zwecken derzeit aus dem
Titel 681 01 im Kapitel 30 02 des Einzelplanes 30 finanziert (bitte eine
aktualisierte Übersicht bzw. die Projektliste, nach den konkreten
Verwendungszwecken und den Finanzierungshöhen für die einzelnen Leistungen
der AvH aufschlüsseln; bitte auch die Projektliste für den
Bundeshaushalt 2023, sofern bereits erstellt, übermitteln)?
Im Bundeshaushalt stehen 2022 im Kapitel 3002 im Titel 681 01
Haushaltsmittel in Höhe von 91 Mio. Euro zur Verfügung, wovon mit Stand vom 15. August
2022 Zuwendungen in Höhe von 75,3 Mio. Euro zur Unterstützung von
Maßnahmen zur Gewinnung und Förderung von internationalen Spitzenforschenden
durch Forschungsstipendien und Forschungspreise (insbesondere Alexander
von Humboldt Professur, Alexander von Humboldt-Professur für Künstliche
Intelligenz, Sofja-Kovalevskaja-Preis) bewilligt sind.
Die im Haushaltsjahr 2022 bereits bewilligten Zuwendungen können der
nachfolgenden Tabelle entnommen werden:
Förderung von Kooperation und Austausch von
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit dem Ausland
(u. a. Sofja-Kovalevskaja-Preis)
37, 3 Mio. Euro
Alexander von Humboldt-Professur (Internationaler Preis
für Forschung in Deutschland / Research in Germany
Award)
29,2 Mio. Euro
Alexander von Humboldt-Professur für Künstliche
Intelligenz
8,7 Mio. Euro
Vorbehaltlich der Verabschiedung des Haushaltsgesetzes 2023 in der aktuell
vorliegenden Fassung stehen der Alexander von Humboldt-Stiftung 2023 für
die drei zuvor genannten Vorhaben 93 Mio. Euro zur Verfügung.
2. Aus welchen weiteren Kapiteln und Titeln des Einzelplanes 30 erhält die
AvH Zuwendungen in welcher Höhe und zu welchem Zweck (bitte nach
den konkreten Verwendungszwecken und den Finanzierungshöhen für
die einzelnen Leistungen der AvH aufschlüsseln)?
Die AvH erhält Zuwendungen auch aus Kapitel 3004, Titel 687 02 des
Einzelplanes 30, die konkreten Verwendungszwecke können der nachfolgenden
Tabelle entnommen werden.
Thema Bewilligungssumme
2022 (in Euro)
Begleitvorhaben zum Aufbau von
Forschungslehrstühlen in Afrika
70.800
Unterstützung der Initiative African Institutes for
Mathematical Sciences "AIMS" mittels eines
international ausgeschriebenen Forschungslehrstuhls für
Mathematik am AIMS-Zentrum in Südafrika
95.000
Begleitvorhaben zum Aufbau von Deutschen
Forschungslehrstühlen in Afrika II
187.000
Thema Bewilligungssumme
2022 (in Euro)
Unterstützung der Initiative African Institutes for
Mathematical Sciences "AIMS" mittels eines
international ausgeschriebenen Forschungslehrstuhls für
Mathematik am AIMS-Zentrum in Ghana
(Anschlussfinanzierung)
110.000
Einrichtung von fünf Deutschen
Forschungslehrstühlen im Bereich "Mathematik und ihre Anwendungen"
an Zentren des African Institute for Mathematical
Sciences (AIMS)
10.200
Vorbehaltlich der Verabschiedung des Haushaltsgesetzes 2023 in der aktuell
vorliegenden Fassung stehen der Alexander von Humboldt-Stiftung in 2023
voraussichtlich ca. 351.000 Euro aus Kapitel 3004, Titel 687 02 zur Verfügung.
3. Aus welchem Grund hat die Bundesregierung die Kürzungen des
Budgets der AvH vorgenommen, und mit welcher Absicht?
Die Begründung für die Haushaltseinsparungen in der institutionellen
Förderung der AvH ergibt sich aus dem Haushaltsgesetz 2022 und den Erläuterungen
der Bundesregierung dazu. Darüber hinaus wird auf die
Bundestagsdrucksachen 20/1000, 20/1002 und 20/1200 verwiesen.
4. Mit welchen Programmen will die Bundesregierung die Fortführung der
Förderung von wissenschaftlicher Zusammenarbeit und der
Ermöglichung einer wissenschaftlichen Tätigkeit für internationale
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland ab 2023 bis zum Ende der
20. Wahlperiode sicherstellen?
Die Bundesregierung wird die Förderung von wissenschaftlicher
Zusammenarbeit und von Forschungsaufenthalten für internationale Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler auch in den kommenden Jahren durch die bewährten
Programme der AvH und der anderen Wissenschaftsorganisationen fortsetzen,
soweit es die Haushaltslage erlaubt.
5. Welche Förderprogramme und Stipendien der AvH sind nach Kenntnis
der Bundesregierung von den Budgetkürzungen im Bundeshaushalt 2022
betroffen (bitte die betroffenen Programme und Stipendien nennen bzw.
vollständig auflisten, wie viele Personen von den Programmen und
Stipendien 2021 profitiert haben, aus welchen Ländern die Geförderten
stammten und wie hoch die individuellen Summen der Förderungen
durchschnittlich waren)?
Von den Einsparungen sind das Humboldt-Forschungsstipendienprogramm
(einschließlich der Alumni-Förderung), die Philipp Schwartz-Initiative, das
Bundeskanzler-Stipendienprogramm sowie die Institutspartnerschaften
betroffen.
Humboldt-Forschungsstipendienprogramm (Förderübersicht 2021)
Die Ausgaben in 2021 sind aufgrund der pandemiebedingten
Reisebeschränkungen in 2020 und 2021 nicht repräsentativ. Die Zahlen umfassen alle
Geförderten mit einer Zahlung in 2021, nicht nur Neuvergaben.
Land Geförderte 2021 Ausgaben 2021
(in Euro)
Ägypten 6 181.319
Argentinien 20 697.301
Äthiopien 2 65.240
Australien 27 621.285
Bangladesch 2 17.960
Belgien 12 358.037
Bosnien-Herzegowina 1 25.690
Brasilien 8 156.688
Bulgarien 4 105.912
Chile 5 125.170
China, VR 256 6.614.346
Dänemark 2 45.298
Estland 1 38.040
Finnland 4 107.405
Frankreich 44 1.190.901
Ghana 2 52.302
Griechenland 6 173.513
Indien 124 3.308.911
Indonesien 1 30.128
Iran 20 533.097
Irland 2 33.470
Israel 27 818.242
Italien 51 1.459.787
Japan 9 187.105
Jordanien 1 12.702
Kamerun 2 60.381
Kanada 30 798.245
Kolumbien 4 114.878
Korea, Republik 21 642.320
Kroatien 2 50.375
Libanon 2 33.803
Litauen 1 18.280
Luxemburg 1 38.040
Madagaskar 1 29.800
Marokko 1 43.108
Mauritius 1 6.697
Mexiko 4 158.939
Nepal 1 41.640
Neuseeland 1 38.226
Niederlande 20 417.462
Nigeria 6 183.744
Österreich 4 67.685
Pakistan 4 93.101
Palästinensische Autonomiegebiete 1 10.155
Peru 1 37.220
Polen 20 616.054
Portugal 2 50.986
Rumänien 9 273.882
Russische Föderation 27 889.883
Saudi-Arabien 1 22.896
Schweden 5 170.241
Schweiz 5 147.339
Land Geförderte 2021 Ausgaben 2021
(in Euro)
Serbien 4 122.884
Simbabwe 2 87.675
Singapur 8 209.914
Slowakei 2 72.873
Slowenien 2 38.851
Spanien 39 1.194.437
Sri Lanka 1 16.268
Südafrika 10 208.485
Taiwan 5 116.204
Tschechische Republik 10 279.322
Tunesien 1 38.040
Türkei 17 394.263
Ukraine 4 91.075
Ungarn 9 301.163
USA 61 1.295.842
Vereinigtes Königreich 66 1.593.326
Vietnam 2 53.610
Zypern 1 29.128
insgesamt 1.058 28.158.589
durchschnittliche Summe pro
Förderung
26.615
Anzahl Länder 70
Humboldt-Forschungsstipendienprogramm – Alumni (Förderübersicht 2021)
Die Ausgaben in 2021 sind aufgrund der pandemiebedingten
Reisebeschränkungen in 2020 und 2021 nicht repräsentativ. Die Zahlen umfassen alle
Geförderten mit einer Zahlung in 2021, nicht nur Neuvergaben.
Land Geförderte 2021 Ausgaben 2021
(in Euro)
Ägypten 7 90.478
Algerien 1 20.758
Argentinien 6 69.790
Äthiopien 1 11.400
Australien 2 13.330
Bangladesch 2 16.960
Belgien 1 2.144
Bosnien-Herzegowina 1 2.750
Brasilien 1 19.020
Bulgarien 2 6.800
Finnland 2 10.042
Frankreich 4 24.596
Ghana 1 3.250
Griechenland 4 31.530
Indien 8 76.235
Iran 3 20.350
Israel 4 39.630
Italien 14 87.240
Japan 2 26.160
Jordanien 2 26.882
Kamerun 1 6.500
Kanada 1 9.140
Land Geförderte 2021 Ausgaben 2021
(in Euro)
Kongo, Demokratische Republik 1 12.810
Korea, Republik 1 11.178
Kroatien 1 11.010
Litauen 1 3.250
Luxemburg 1 11.310
Mexiko 1 1.738
Moldau 1 5.389
Neuseeland 1 3.460
Niederlande 1 3.000
Nigeria 5 56.330
Nordmazedonien 2 12.140
Oman 1 7.940
Österreich 3 17.310
Peru 1 13.452
Polen 14 77.131
Rumänien 6 42.108
Russische Föderation 4 35.330
Schweden 1 7.940
Schweiz 1 9.510
Serbien 3 25.360
Slowakei 2 23.784
Spanien 7 43.508
Südafrika 6 57.397
Sudan 1 10.800
Tansania 1 3.250
Tschechische Republik 4 29.510
Tunesien 1 11.310
Türkei 3 31.195
Ukraine 2 12.510
Ungarn 6 28.791
Uruguay 2 6.890
Usbekistan 1 11.838
Venezuela 1 3.720
Vereinigtes Königreich 8 62.910
Vereinigte Staaten 9 85.015
Vietnam 1 3.250
Insgesamt 175 1.408.359
durchschnittliche Summe pro
Förderung
8.048
Anzahl Länder 58
Philipp Schwartz-Initiative (Förderübersicht 2021)
Im Jahr 2021 wurden Forschende u. a. aus folgenden Herkunftsländern
gefördert (Herkunftsländer mit nur einem Fellow sind im letzten Posten summiert,
einschl. im Jahre 2021 verausgabter Fördersummen). Die Zahlen umfassen alle
Geförderten, nicht nur Neuvergaben 2021.
Land Geförderte 2021 Ausgaben 2021
(in Euro)
Belarus 2 47.351
Iran 6 294.377
Jemen 5 212.075
Kamerun 4 168.770
Syrien 25 984.331
Türkei 124 5.468.182
Venezuela 4 222.155
Weitere 10 Herkunftsländer: jeweils 1 10 407.807
insgesamt 180 7.805.048
durchschnittliche Summe pro
Förderung
43.361
Anzahl Länder 17
Bundeskanzler-Stipendienprogramm (Förderübersicht 2021)
Die Übersicht umfasst neben den zwei Kohorten mit den Laufzeiten: 1.
Oktober 2020 bis 30. September 2021 sowie 1. Oktober 2021 bis 30. September
2022 auch noch Geförderte des Jahrgangs 2019, die auf Basis einer ab 2020
geltenden COVID-Sonderregelung noch eine bis Anfang 2021 reichende
Förderverlängerung erhielten.
Land Geförderte 2021 Ausgaben 2021
(in Euro)
Brasilien 30 598.013
China, VR 20 382.804
Indien 24 536.602
Russische Föderation 29 629.336
Vereinigte Staaten 22 426.343
Insgesamt 125 2.573.098
durchschnittliche Summe pro
Förderung
20.585
Anzahl Länder 5
Institutspartnerschaften (Förderübersicht 2021)
Die Zahlen umfassen alle Geförderten mit einer Zahlung in 2021, nicht nur
Neuvergaben.
Land Geförderte 2021 Ausgaben 2021
(in Euro)
Ägypten 2 39.994
Argentinien 1 13.000
Äthiopien 1 13.211
Bangladesch 1 19.660
Brasilien 1 7.500
Chile 1 5.000
Indonesien 1 15.375
Iran 4 39.348
Kamerun 1 22.892
Kenia 2 62.110
Kolumbien 1 26.600
Kuba 1 17.000
Libanon 1 20.083
Marokko 2 59.200
Land Geförderte 2021 Ausgaben 2021
(in Euro)
Nepal 1 23.850
Nigeria 5 100.903
Pakistan 1 13.482
Tansania 1 13.435
Thailand 1 11.200
Tunesien 1 22.872
Ukraine 1 8.650
Insgesamt 31 555.365
durchschnittliche Summe pro
Förderung
17.915
Anzahl Länder 21
6. Ist seitens der Bundesregierung eine alternative Förderung zum Erhalt
des wissenschaftlichen Potentials herausragender Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler und der internationalen Kooperationen mit
Entwicklungsländern vorgesehen, insbesondere hinsichtlich des Residency-
Programms und der Forschungshubs im Globalen Süden (wenn ja, bitte
angeben, in welcher Form bzw. ob Kooperationen mit anderen
Institutionen und Akteurinnen und Akteuren geplant sind, sowie die etwaigen
Zuwendungsempfänger, die Förderdauer und das dazugehörige Budget
auflisten)?
Die Programme Humboldt-Forschungshubs und Residency-Programm wurden
im Jahr 2021 erstmals als Pilotprogramme durchgeführt. Angesichts der
Haushaltsentwicklung können in diesen Programmen gegenwärtig keine
Neuausschreibungen geplant werden. Die zugesagte Förderung der laufenden
Humboldt-Forschungshubs wird umgesetzt.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Schwellen- und
Entwicklungsländern steht zusätzlich zu den globalen Förderprogrammen der AvH und der
anderen Wissenschaftsorganisationen auch das Georg-Forster-Programm der
AvH offen.
7. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung auf bereits erfolgte
Antragstellungen auf Stipendien und Fördermaßnahmen der AvH infolge der
Budgetkürzungen Ablehnungen ausgesprochen worden bzw. Bewilligungen
zurückgenommen worden (wenn ja, bitte nach den konkreten
Förderprogrammen bzw. Stipendien aufschlüsseln sowie die Anzahl betroffener
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nennen, in welcher
Karrierephase sie sich befinden und in welchem Forschungsfeld sie tätig sind)?
Welche Pläne zu alternativen Fördermöglichkeiten bestehen seitens der
Bundesregierung für den Verbleib von Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern, die aufgrund von Kürzungen oder Streichungen
personenbezogener Förderungen der AvH gezwungen sind, in unsichere
Herkunftsländer zurückzukehren oder in ihnen zu verbleiben, weil sie kein
Stipendium der AvH in Anspruch nehmen können?
Die AvH wird alle gegebenen Förderzusagen vollständig einhalten, hat jedoch
die Zahl der neuen Bewilligungen abgesenkt.
8. Wie bewertet die Bundesregierung die Kürzungen bei der Philipp
Schwartz-Initiative, die von Krieg und Verfolgung betroffenen
Forschenden zu Gute kommt, vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen
Lage?
Die Philipp Schwartz-Initiative ist ein Kernelement des Einsatzes der
Bundesregierung für Wissenschaftsfreiheit und den Schutz gefährdeter
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Auch dieses wichtige Programm kann jedoch von
der allgemeinen Haushaltsentwicklung nicht ausgenommen werden. Im
Haushaltsjahr 2022 stehen der AvH zusätzliche Mittel aus dem Ergänzungshaushalt
Kapitel 6002, Titel 687 51 für die Philipp Schwartz-Sonderinitiative der AvH
zur Unterstützung gefährdeter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus
der Ukraine zur Verfügung. Es konnten 66 Stipendien an ukrainische
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben werden.
9. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung zu den Kriterien, nach
denen die AvH darüber entschieden hat und entscheidet, welche
Fördermaßnahmen eingeschränkt oder gestrichen werden?
Das Auswärtige Amt steht mit der AvH zum Umgang mit der
Haushaltsentwicklung und zur strategischen Priorisierung in engem Austausch. Bei der
Entscheidung über die Verteilung von Einsparungen waren die Einhaltung aller
bereits gegebenen Zusagen sowie der Erhalt der nachhaltig wirksamen
Stipendienprogramme prioritär. Noch in der Pilotphase befindliche Programme wie die
Humboldt-Forschungshubs können vorerst nicht erneut ausgeschrieben werden.
10. Hat die Bundesregierung Kenntnisse zu den Kriterien, nach denen die
AvH entschieden hat, dass Forschungspreise für
Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler eingestellt werden, Forschungspreise
für andere Fachrichtungen aber in gewohnter Form und Höhe vergeben
werden, und wenn ja, hat die Bundesregierung Kenntnisse dazu, ob sich
der Fokus auf Kürzungen bei der Förderung von
Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftlern auch auf die Vergabe von Preisen der
AvH auswirken, die sich auf alle Fachrichtungen richten wie
beispielsweise den Humboldt-Forschungspreis?
Die Bundesregierung strebt an, dass das Forschungspreisprogramm der AvH
allen Fachrichtungen offensteht und prüft derzeit mit der AvH, wie dies weiterhin
ermöglicht werden kann.
11. Stehen die Budgetkürzungen bei der AvH im Zusammenhang mit einer
Umverteilung von Geldern auf andere Bereiche des Haushalts aufgrund
politischer Schwerpunktsetzungen (wenn ja, bitte die
Schwerpunktsetzungen und dazugehörigen Projekte sowie Titel und Kapitel sowohl im
Bundeshaushalt 2022 als auch im Regierungsentwurf zum
Bundeshaushalt 2023 in der vom Bundeskabinett am 1. Juli 2022 beschlossenen
Fassung, die von der Umverteilung profitieren, angeben)?
Auf die Antwort zu Frage 3 wird verwiesen.
12. Kommen der AvH Mittel aus dem Ergänzungshaushalt für die
Flüchtlingshilfe im Kontext des Ukraine-Krieges zu (wenn ja, bitte die Höhen
zugeordnet zu den jeweiligen konkreten Zuwendungszwecken sowie den
Titel im Bundeshaushalt 2022 und im Regierungsentwurf zum
Bundeshaushalt 2023 in der vom Bundeskabinett am 1. Juli 2022 beschlossenen
Fassung nennen, und wenn nein, wie wird die Aufnahme einer
wissenschaftlichen Tätigkeit in Deutschland für geflohene ukrainische und
internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler alternativ
finanziell sichergestellt)?
Die AvH erhält aus dem Ergänzungshaushalt Kapitel 6002, Titel 687 51 Mittel
in Höhe von 4,5 Mio. Euro; der Betrag kommt vollumfänglich der Philipp
Schwartz-Sonderinitiative der AvH zur Unterstützung gefährdeter
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Ukraine (durch Verleihung von
Forschungsstipendien) zugute. Diese Mittel stehen nur im Haushaltsjahr 2022 zur
Verfügung, die restliche Dauer der Stipendien muss nach aktuellem Stand aus
regulären Mitteln der Philipp Schwartz-Initiative getragen werden. Ergänzend
wird auf die Antwort zu Frage 8 verwiesen.
Aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung konnten
zudem Maßnahmen zur Förderung ukrainischer Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler (z. B. die Verlängerung von Stipendien, erneute
Forschungsaufenthalte im Humboldt-Forschungsstipendienprogramm, erneute
Forschungsaufenthalte im Rahmen der Forschungspreisprogramme, Sondermittel für
Forschungsstipendien- und Sonderforschungspreise) im Rahmen der
bestehenden Titelansätze in Höhe von 540.000 Euro finanziert werden.
Zudem stehen alle Programme der AvH ukrainischen und aus der Ukraine
geflüchteten internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern offen
(bei durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung geförderten Programmen Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern aus Schwellen- und Entwicklungsländern gemäß OECD-DAC-Länderliste,
einschließlich der Ukraine).
13. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob Fördermaßnahmen von
den Kürzungen betroffen sind, die sich der Bewältigung
gesamtgesellschaftlicher bzw. globaler Herausforderungen widmen, wie die
Forschung zum Klimawandel, und somit beispielsweise das internationale
Klimaschutzstipendium betroffen ist (wenn ja, bitte alle betroffenen
Fördermaßnahmen und die Bewertung der Auswirkungen eines Wegfalls des
inhaltlichen Wertes der Fördermaßnahmen hinsichtlich des
Erkenntnisfortschritts zur Bearbeitung der dazugehörigen gesamtgesellschaftlichen
bzw. globalen Herausforderungen auflisten)?
Die Förderprogramme der AvH sind mit Ausnahme des
Klimaschutzstipendienprogramms nicht fachspezifisch angelegt. Die aus der Internationalen
Klimaschutzinitiative aus dem Einzelplan 09 geförderte Projektzuwendung
„Stipendienprogramm für Nachwuchsführungskräfte aus Entwicklungs- und
Schwellenländern im Bereich Klima- und Ressourcenschutz (Phase III)“ ist nicht von
einer Budgetkürzung betroffen. Weiterführende Informationen können unter
https://www.international-climate-initiative.com/projekt/stipendienprogramm-f
uer-nachwuchsfuehrungskraefte-aus-entwicklungs-und-schwellenlaendern-im-b
ereich-klima-und-ressourcenschutz-phase-iii-16-i-265-global-a-nachwuchskrae
fte-phase-iii/ abgerufen werden.
14. Wie bewertet die Bundesregierung die langfristigen Auswirkungen der
von den Kürzungen betroffenen Förderprogramme auf die Pflege
internationaler Beziehungen, die wissenschaftlichen Kooperationen und die
Position der Bundesrepublik Deutschland im internationalen
Wissenschaftswettbewerb (bitte absteigend sortiert nach größtem Einfluss der
Förderprogramme auflisten)?
15. Wie viele herausragende internationale Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler werden nach Einschätzung der Bundesregierung aufgrund
der Kürzungen nicht mehr angeworben werden können, in welcher
Karrierephase befinden sich diese, und in welchem Forschungsfeld sind
diese tätig?
16. Wie werden sich die Kürzungen nach Einschätzung der Bundesregierung
auf den Wissenschaftsstandort Deutschland und das Ansehen deutscher
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Ausland auswirken?
Die Fragen 14 bis 16 werden wegen des inhaltlichen Zusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung misst allen von ihr zu diesem Zweck geförderten
Programmen bei der AvH ebenso wie bei anderen Wissenschaftsorganisationen
eine wichtige Rolle für die Pflege der internationalen Beziehungen, für
wissenschaftliche Kooperationen und für die Position der Bundesrepublik
Deutschland im internationalen Wissenschaftswettbewerb bei. Die Bundesregierung ist
überzeugt, dass den Mittler- und Förderorganisationen ausreichende Mittel
bereitstehen, um diese wichtige Rolle weiterhin angemessen wahrzunehmen und
zum Ansehen des Wissenschaftsstandorts Deutschland positiv beizutragen. Im
Humboldt-Forschungsstipendienprogramm werden im Jahr 2022
voraussichtlich 104 Stipendien weniger und im Jahr 2023 113 Stipendien weniger an
Postdoktoranden und erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben
als im Jahr 2021. Im Bundeskanzler-Stipendienprogramm werden im Vergleich
zu 2021 im Jahr 2022 voraussichtlich 8 und im Jahr 2023 10 Stipendien
weniger an junge Berufstätige vergeben. Im Rahmen der Philipp Schwartz-Initiative
wurden im Jahr 2022 einschließlich der Sonderinitiative Ukraine 86 Stipendien
vergeben statt der üblichen 50 Stipendien in den Vorjahren. Dadurch wird der
Spielraum für neue Stipendienvergaben 2023 entsprechend eingeschränkt sein.
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ISSN 0722-8333]