Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Michael Kaufmann, Nicole Höchst,
Dr. Götz Frömming, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 20/9608 –
Kooperation des Berlin Institute of Health mit dem Land Berlin, der Firma Bayer
und weiteren Investoren
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Das Berlin Institute of Health (BIH) ist ein Teil der Charité mit dem
Schwerpunkt Translation. Translation wird definiert als die Übertragung von
Forschungsergebnissen in die medizinische Praxis einerseits und die Entwicklung
neuer Forschungsideen aus klinischen Beobachtungen andererseits (
https://ww
w.bihealth.org/de/translation).
Das BIH wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und
Forschung (BMBF) und zu 10 Prozent vom Land Berlin gefördert (
https://www.b
ihealth.org/de/ueber-uns) und soll gemäß Bundeshaushaltsplan im Jahr 2024
vom Bund insgesamt 78 Mio. Euro institutionelle Förderung erhalten. Davon
sollen 4 Mio. Euro an Barmitteln, sowie 40 Mio. Euro als
Verpflichtungsermächtigungen für „vorbereitende Maßnahmen zur Gründung und zum
Aufbau eines »Translationszentrums für Zell- und Gentherapie«“ verwendet
werden (Bundeshaushaltsplan 2024, EP [Einzelplan] 30, 3004/685 72). Weitere
5 Mio. Euro für den Neubau werden vom Land Berlin bereitgestellt (
https://w
ww.tagesspiegel.de/berlin/gen-und-zelltherapie-in-berlin-bund-und-land-unter
stutzen-forschungszentrum-9302636.html). Eine Bund-Länder-Vereinbarung
zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Berlin sieht eine
Aufteilung der Zuwendungen an das BIH im Verhältnis 90 : 10 vor
(Bundeshaushaltsplan 2024, EP 30, S. 100).
Laut „Tagesspiegel“ vom 11. November 2022 baut die Charité das „Zentrum
für Translation im Bereich der Gen- und Zelltherapien“ gemeinsam mit der
Firma Bayer auf. Bayer hat dafür bereits ein Grundstück am Standort seiner
Pharma-Zentrale am Berliner Nordhafen in Aussicht gestellt (
https://www.tag
esspiegel.de/wissen/forschungsstandort-am-nordhafen-zentrum-von-charite-un
d-bayer-bekommt-44-millionen-euro-aus-bundesmitteln-8864053.html). Je
nachdem, wie bei diesem Projekt die Eigentumsverhältnisse zwischen Bayer
und der zu 100 Prozent dem Land Berlin gehörenden Charité als
Muttergesellschaft des BIH (
https://www.charite.de/berlin_institute_of_health/) geordnet
werden, könnte es sich hierbei nach Auffassung der Fragesteller um eine
Teilprivatisierung des BIH handeln.
Deutscher Bundestag Drucksache 20/9919
20. Wahlperiode 22.12.2023
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom
15. Dezember 2023 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Am 25. und 26. Januar 2021 fand bereits zum dritten Mal das Translate!
Symposium unter Federführung des BIH-Centers für Regenerative Therapien statt.
Daran nahmen mehr als 400 Vertreter von Universitäten (Harvard, Oxford
u. a.), Kliniken (Mayo Clinic, Heidelberger Universitätsklinikum u. a.),
privaten Stiftungen (Bill und Melinda Gates Stiftung, Chan-Zuckerberg Stiftung),
Zulassungsbehörden (Food and Drug Administration [FDA], Paul-Ehrlich-
Institut [PEI] u. a.) und „Firmen – vom großen Pharmariesen aus Basel bis zum
kleinen Start-up aus Tokyo“ teil. Neben dem Transfer von
Forschungsergebnissen in die Praxis und der Überführung von klinischen Befunden in die
Forschung, wurde auch darüber diskutiert, „wie es gelingen kann, neue Therapien
zu entwickeln: etwa mit gentechnisch veränderten Zellen oder digitalen
Anwendungen“ (
https://www.bihealth.org/de/aktuell/die-meilensteine-zum-erfol
g-wie-aus-forschung-gesundheit-wird).
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) wurde im Jahr 2013 in
Kooperation der Charité – Universitätsmedizin Berlin mit dem Max-Delbrück-
Centrum für Molekulare Medizin (MDC) gegründet. Es war zunächst eine
rechtlich selbstständige außeruniversitäre Wissenschaftseinrichtung im Bereich
der Biomedizin. Zum 1. Januar 2021 wurde das BIH als wirtschaftlich
autonomer Translationsforschungsbereich in die Charité – Universitätsmedizin Berlin
integriert. Das BIH wird von Bund und Land Berlin im Verhältnis 90 : 10
institutionell gefördert.
Das Land Berlin, die Charité und die Bayer AG haben im April 2022 auf der
Grundlage eines Memorandums of Understanding die Gründung eines
Zentrums für die Translation von Gen- und Zelltherapien in Berlin beschlossen.
Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat am 10. November
2022 die Gründung eines solchen Translationszentrums in Zusammenarbeit mit
der Charité, dem Land Berlin und privatwirtschaftlichen Akteuren begrüßt und
beschlossen, dieses Vorhaben im Hinblick auf vorbereitende Maßnahmen sowie
die Entwicklung und Umsetzung einer Nationalen Strategie für Gen- und
Zelltherapie mit Mitteln des Bundes zu unterstützen (Ausschussdrucksache
20(8)2707). Dafür wurden dem BIH als Translationsforschungsbereich der
Charité über den Einzelplan des Bundesministeriums für Bildung und
Forschung (BMBF) gemäß des Bundeshaushaltsplans 2023 zusätzliche Mittel in
Höhe von insgesamt 44 Mio. Euro, davon 40 Mio. Euro als
Verpflichtungsermächtigungen als Betriebsmittel für die Jahre 2023 bis 2026 zur Verfügung
gestellt. Für das Translationszentrum soll ein neues Gebäude mit einem
Inkubator‐Bereich und einer entsprechend der Good Manufacturing Practice (GMP)
zertifizierten Herstellungsstätte für Prozess‐ und Produktentwicklung von Gen‐
und Zelltherapien errichtet werden. Bislang konnte das Konsortium aus Charité
und Bayer AG allerdings noch keinen Entwickler bzw. Investor für das
Gebäude bzw. einen Betreiber für die GMP-Anlage finden. Nach Kenntnis der
Bundesregierung werden weder das BIH noch die Bayer AG oder die Charité die
Rolle des Betreibers übernehmen. Gespräche mit potenziellen Kandidaten
finden derzeit statt. Auch zu weiteren Fragen bezüglich der rechtlichen,
organisatorischen und finanziellen Ausgestaltung stehen die beteiligten Akteure
weiterhin in intensivem Austausch.
Dem Beschluss des Haushaltsausschusses entsprechend hat das BMBF dem
Ausschuss im September 2023 auf Ausschussdrucksache 20(8)4104 einen
Bericht u. a. über den Investitions‐ und Finanzierungsbedarf sowie den
Umsetzungsstand des Zentrums vorgelegt.
1. Welche Mittel sieht die Bundesregierung in ihrer mittelfristigen
Finanzplanung für das BIH vor, und wie viel davon zur Selbstbewirtschaftung,
und wie viel für Investitionen?
Laut Regierungsentwurf des Bundeshaushalts 2024 sind für das BIH im Jahr
2024 insgesamt Bundesmittel in Höhe von 78 Mio. Euro vorgesehen, davon
72 Mio. Euro für Betrieb und 6 Mio. Euro für Investitionen. 4 Mio. Euro aus
den Betriebsmitteln werden für vorbereitende Maßnahmen zur Gründung und
zum Aufbau eines Translationszentrums für Zell- und Gentherapie in Berlin
bereitgestellt. Mit Ausnahme dieser 4 Mio. Euro dürfen die Mittel gemäß
Haushaltsvermerk zur Selbstbewirtschaftung zugewiesen werden. Das
parlamentarische Verfahren für die Aufstellung des Bundeshaushalts 2024 ist jedoch noch
nicht abgeschlossen. Die Angaben stehen somit unter Vorbehalt.
2. Wie stellt der Bund sicher, dass die Bundesmittel für das BIH (Institut)
tatsächlich durch 10 Prozent Landesmittel ergänzt werden und diese
nicht nur ersetzen (siehe Bundestagsdrucksache 20/180, Unterrichtung
des Bundesrechnungshofes zum EP 60, 6. Dezember 2022), und welche
Kontrolle üben Bund und Land über die sachgerechte Verwendung der
Mittel in dieser Kooperation aus Institution der öffentlichen Hand und
privatwirtschaftlichen Unternehmen aus?
Das Land Berlin erstellt über seinen Finanzierungsanteil einen eigenen
Zuwendungsbescheid an das BIH, der nachrichtlich dem Bund zugeht und die
landesseitige Finanzierung belegt. Bund und Land prüfen die zweckentsprechende
Mittelverwendung durch das BIH im Rahmen der einschlägigen
zuwendungsrechtlichen Vorgaben, insbesondere des jährlichen Verwendungsnachweises.
3. In welchen politischen Gremien hat die Bundesregierung die
Kooperation zur weiteren Beratung vorgestellt?
Im September 2023 hat das BMBF dem Beschluss des Haushaltsausschusses
des Deutschen Bundestages entsprechend einen Bericht über den Investitions‐
und Finanzierungsbedarf und Umsetzungsstand u. a. hinsichtlich der
Unterstützung des geplanten Translationszentrums vorgelegt (Ausschussdrucksache
20(8)4104). Dieser Bericht wurde in der Sitzung des Haushaltsausschusses des
Deutschen Bundestages vom 16. November 2023 beraten.
4. In welcher Rechtsform wird das geplante Translationszentrum für Zell-
und Gentherapie nach Kenntnis der Bundesregierung betrieben werden,
und werden nach Kenntnis der Bundesregierung der Firma Bayer in der
geplanten Rechtsform Aufgaben zur Ausführung übertragen, die in die
Hoheitsrechte von Bund bzw. Land fallen?
Im Hinblick auf den Inkubator-Bereich als einem Teil des Zentrums ist nach
derzeitigem Kenntnisstand die Gründung eines Joint Ventures in Form einer
gGmbH von der Bayer AG und der Charité geplant. Der Bayer AG werden
keine Aufgaben übertragen, die in die Hoheitsrechte von Bund bzw. Land
fallen. Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
5. Wird nach Kenntnis der Bundesregierung die Firma Bayer, neben dem in
der Vorbemerkung der Fragesteller erwähnten Grundstück, weitere
Leistungen und bzw. oder Investitionen in die Kooperation mit dem BIH
einbringen, und wenn ja, welche (Art und Umfang der Leistung)?
Das BIH ist als Translationsforschungsbereich der Charité Universitätsmedizin
Berlin nicht als direkter Kooperationspartner des geplanten
Translationszentrums vorgesehen. Gemäß Memorandum of Understanding hat die Bayer AG
angeboten, als Standort für das Translationszentrum ein Grundstück am
Nordhafen in Berlin in Erbpacht einzubringen. Zu weiteren, womöglich geplanten
Leistungen oder Investitionen liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse
vor.
6. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung außer dem BIH und der
Firma Bayer weitere Investoren, die sich am geplanten Translationszentrum
für Zell- und Gentherapie beteiligen oder beteiligen wollen (z. B. aus
dem Kreis der in der Vorbemerkung der Fragesteller genannten
Institutionen bzw. Nichtregierungsorganisationen [NGOs]; wenn ja, bitte Art
und Umfang der Beteiligung benennen)?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
7. Wie werden nach Kenntnis der Bundesregierung beim
Translationszentrumsfür Zell- und Gentherapie die Eigentumsverhältnisse zwischen dem
BIH, der Firma Bayer und gegebenenfalls weiteren Investoren geordnet?
a) Erhält nach Kenntnis der Bundesregierung die Firma Bayer eine
laufende Pachtzahlung für das Gelände und bzw. oder wird sie
Miteigentümer der gesamten Immobilie?
b) Werden nach Kenntnis der Bundesregierung die Firma Bayer und
gegebenenfalls weitere Investoren Anteilseigner beim
Translationszentrum für Zell- und Gentherapie?
c) Werden nach Kenntnis der Bundesregierung die Firma Bayer und
gegebenenfalls weitere Investoren an etwaigen Überschüssen des
Translationszentrums für Zell- und Gentherapie beteiligt, und wenn
ja, in welchem Umfang?
d) Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung weitere vertragliche
Vereinbarungen zwischen der Firma Bayer und dem BIH, die die
Eigentumsverhältnisse betreffen?
e) Wie sind nach Kenntnis der Bundesregierung die Eigentumsrechte
und die wirtschaftliche Verwertung hinsichtlich der im
Translationszentrum für Zell- und Gentherapie erzielten Forschungsergebnisse
geregelt?
Die Fragen 7 bis 7e werden gemeinsam beantwortet.
Im Hinblick auf die geplante Unterstützung bei vorbereitenden Maßnahmen
durch den Bund wird auf den Bericht an den Haushaltsausschuss des Deutschen
Bundestages auf Ausschussdrucksache 20(8)4104 verwiesen. Darüber
hinausgehende Erkenntnisse liegen der Bundesregierung nicht vor.
8. Wird seitens der Bundesregierung sichergestellt, dass die Firma Bayer
nicht den alleinigen oder überwiegenden wirtschaftlichen Nutzen aus den
mit Steuergeld finanzierten Forschungsergebnissen zieht, wie es
beispielsweise bei BioNTech der Fall war, und wenn ja, wie?
Die Planungen zur Ausgestaltung des Translationszentrums sind noch nicht
abgeschlossen. Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung
verwiesen.
9. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung eine Vereinbarung über die
prozentuale Aufteilung des wissenschaftlichen Fachpersonals zwischen
der Firma Bayer, dem BIH und gegebenenfalls weiteren Organisationen?
Das Personal des BIH wird nicht Teil des Translationszentrums. Im Übrigen
liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
10. Wird bzw. kann die Firma Bayer nach Kenntnis der Bundesregierung
eigene Vertreter in den Vorstand und Aufsichtsrat des BIH und/oder des
Translationszentrums für Zell- und Gentherapie entsenden?
Da die Planungen für das Translationszentrum noch nicht abgeschlossen sind,
kann die Bundesregierung derzeit noch keine Aussagen zur Ausgestaltung
seiner Governance treffen.
Laut des Berliner Universitätsmedizingesetzes setzt sich der Verwaltungsrat des
BIH neben einer Vertretung des Bundes und einer des Landes aus bis zu vier
externen Expertinnen und Experten zusammen, von denen jeweils zwei vom
BMBF und zwei vom Land Berlin benannt werden. Seit dem Jahr 2021 ist
Dr. Christian Rommel, Leiter Forschung und Entwicklung, Division
Pharmaceuticals der Bayer AG in seiner Funktion als externer Experte auf Vorschlag
des Landes Berlin ordentliches Mitglied des BIH-Verwaltungsrates.
11. Kann nach Kenntnis der Bundesregierung die Firma Bayer Einfluss auf
die Forschung am Translationszentrum und deren Ergebnisse nehmen,
und wenn ja, in welcher Form, und in welchem Umfang?
12. Welche Entscheidungsprozesse in welchen Gremien wurden nach
Kenntnis der Bundesregierung zwischen der Firma Bayer und dem BIH
vereinbart, und welche Mechanismen zur Streitbeilegung sind vorgesehen für
den Fall, dass es zwischen der Firma Bayer und dem BIH zu Interessen-
und Zielkonflikten kommen sollte?
Die Fragen 11 bis 12 werden gemeinsam beantwortet.
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
13. Welche Mittel hat der Bund in den Jahren von 2020 bis 2023 für den
Forschungsschwerpunkt „Therapien mit gentechnisch veränderten
Zellen“ bereitgestellt (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller; bitte
Zuwendungsempfänger, Projekt und Höhe der Mittel nennen)?
Der Bund finanziert eine Reihe von Projekten auf dem Gebiet der Zell- und
Gentherapien, u. a. über seine vielfältigen BMBF-Fördermaßnahmen. Auch in
den über Bundes- und Landesmittel institutionell geförderten
Forschungsorganisationen der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF),
der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) und der
Max-Planck-Gesellschaft (MPG) finden Forschungsaktivitäten im Bereich der
Zell- und Gentherapie statt. An den sechs bestehenden, ebenfalls über Bundes-
und Landesmittel finanzierten Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung
wird ebenfalls an derartigen Ansätzen geforscht.
Eine tabellarische Übersicht von Vorhaben der Projektförderung ist der Anlage
zu entnehmen.*
14. Wann ist nach Kenntnis der Bundesregierung mit dem Baubeginn für das
Zentrum zu rechnen, wann mit der Fertigstellung, und wann soll das
Translationszentrum den Betrieb aufnehmen (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
Nach bisherigen Planungen ist der erste Spatenstich im Jahr 2024 geplant.
Fertigstellung und Inbetriebnahme werden nicht vor 2027/2028 erwartet.
15. Welche Inhalte verbindet die Bundesregierung mit dem Forschungsziel
„Entwicklung von Therapien mit gentechnisch veränderten Zellen“?
Neuartige Therapien mit genetisch modifizierten patienteneigenen Zellen sind
ein wesentliches Element für eine personalisierte Medizin, mit der Krankheiten
zielgerichtet behandelt werden können. So erlaubt eine Therapie mit genetisch
modifizierten patienteneigenen T-Zellen beispielsweise eine selektive
Zerstörung von Tumorzellen durch das körpereigene Immunsystem. Therapien mit
genetisch modifizierten Zellen bieten auch ein großes Potenzial für die
Therapie von meist genetisch bedingten Seltenen Erkrankungen. Die
Bundesregierung verfolgt mit der Unterstützung entsprechender Forschungsprojekte das
Ziel, geeignete Plattformen für diese Zukunftstechnologie und die darauf
aufbauende klinische Entwicklung in Deutschland auszubauen und zu stärken und
so bedeutende Fortschritte bei der Bekämpfung von Krankheiten zu erzielen.
Gleichzeitig ist es Ziel der Bundesregierung, den Biotechnologie-Standort
Deutschland wirkungsvoll zu stärken.
16. Findet nach Kenntnis der Bundesregierung am BIH oder an einer
anderen mit öffentlichen Mitteln des Bundes geförderten Einrichtung
Forschung zum Thema „Impfung als Therapie“ statt (Beispiel:
experimenteller therapeutischer Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs, wenn die
Infektion bereits stattgefunden hat,
https://www.dkfz.de/de/presse/presse
mitteilungen/2019/dkfz-pm-19-03-Impfung-als-Therapie.php; wenn ja,
bitte Zuwendungsempfänger, Projektnamen, kurze Projektbeschreibung
und Höhe der Zuwendungen in den letzten fünf Jahren nennen)?
Am BIH findet nach Kenntnis der Bundesregierung keine Forschung zum
Thema „Impfung als Therapie“ statt. An mehreren im Rahmen der institutionellen
Förderung des BMBF sowie der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung
geförderten Einrichtungen wird Forschung zum Thema „Impfung als Therapie“
betrieben.
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 20/9919 auf der Internetseite
des Deutschen Bundestages abrufbar.
17. Welche Art von Zellen finden nach Kenntnis der Bundesregierung bei
der Entwicklung von „Therapien mit gentechnisch veränderten Zellen“
Verwendung, kommen dabei auch humane Zellen zum Einsatz, und wenn
ja, welchen Ursprung haben die humanen Zellen in diesen Fällen?
Im Vordergrund steht die Entwicklung von Therapien mit genetisch
modifizierten humanen, möglichst patienteneigenen Zellen. Derzeit werden bei den
Therapien vor allem verschiedene Typen von Blutzellen wegen ihrer guten
Zugänglichkeit sowie aus adulten Körperzellen abgeleitete „induzierte pluripotente
Stammzellen (iPSC)“ eingesetzt, die sich in verschiedene gewebsspezifische
Zelltypen ausdifferenzieren lassen.
Bei einem Großteil der derzeitigen Entwicklungsprojekte werden autologe
humane Zellen verwendet. Grundsätzlich können fast alle Zelltypen für die
Arzneimittelentwicklung verwendet werden. Zugelassene Arzneimittel auf Basis
genetisch modifizierter Zellen beruhen bisher auf genetisch modifizierten
humanen T-Lymphozyten und humanen CD34+ Blut-Stammzellen.
18. Werden für die Forschung am BIH nach Kenntnis der Bundesregierung
auch Genomdaten von Menschen benötigt, und wenn ja, aus welchen
Quellen stammen diese Daten (bitte konkret die Datenbestände bzw.
Quellen bezeichnen)?
Genomdaten bilden eine notwendige Grundlage für die moderne
Präzisionsmedizin und werden daher in vielen Arbeitsgruppen des BIH genutzt. In der Regel
werden Genomdaten im Forschungskontext erhoben. Auch im diagnostischen
Kontext generierte Genomdaten werden im Rahmen der sogenannten
wissensgenerierenden Versorgung (z. B. Translate-NAMSE, DKTK-Master) erforscht.
Das BIH beteiligt sich zusammen mit dem MDC-Berlin zudem aktiv am
Aufbau einer sicheren nationalen Infrastruktur, die Genomdaten national für die
Forschung nutzbar macht (NFDI-GHGA).
19. Wird am BIH nach Kenntnis der Bundesregierung Gain-of-Function-
Forschung mit dem Ziel, Krankheitserreger virulenter zu machen, betrieben
oder liegen entsprechende Anträge dazu vor?
Nach Kenntnis der Bundesregierung wird am BIH keine Gain-of-Function-
Forschung mit dem Ziel, Krankheitserreger virulenter zu machen, betrieben. Es
liegen keine entsprechenden Anträge vor.
20. Wie viele Forschungslabore welcher Sicherheitsstufen sind für das
Translationszentrum geplant?
Da die Planungen für das Translationszentrum noch nicht abgeschlossen sind,
kann die Bundesregierung derzeit noch keine Aussagen zu konkreter Anzahl
und Sicherheitsstufen der geplanten Labore treffen.
21. Wird am BIH nach Kenntnis der Bundesregierung Forschung an sich
selbst übertragenden Impfstoffen betrieben?
a) Wenn ja, welche Forschungsprojekte und Forschungsziele sind dies?
b) Wenn nein, ist derartige Forschung für das Translationszentrum
geplant, und liegen gegebenenfalls entsprechende Anträge dazu vor?
Die Fragen 21 bis 21b werden gemeinsam beantwortet.
Nach Kenntnis der Bundesregierung wird am BIH keine Forschung an sich
selbst übertragenden Impfstoffen betrieben.
22. Besteht eine Zusammenarbeit zwischen dem BIH und der CEPI
(Coalition for Epidemic Preparedness Innovations;
https://cepi.net/) bzw. ist
eine solche Zusammenarbeit nach Kenntnis der Bundesregierung für das
Translationszentrum geplant, und wenn ja, in welcher Form?
Es besteht nach Kenntnis der Bundesregierung keine Zusammenarbeit
zwischen den Einrichtungen BIH und CEPI. Es ist nach aktuellem Stand keine
Zusammenarbeit von Translationszentrum und CEPI geplant.
23. Besteht eine Zusammenarbeit zwischen dem BIH und dem WHO-Hub
(WHO = Weltgesundheitsorganisation) in Berlin (
https://www.bundesreg
ierung.de/breg-de/themen/coronavirus/who-hub-berlin-2183016#:~:text=
Er%C3%B6ffnung%20im%20September%202021,Berlin%20im%20Sep
tember%202021%20er%C3%B6ffnet), und ist eine solche
Zusammenarbeit nach Kenntnis der Bundesregierung für das Translationszentrum
geplant, und wenn ja, in welcher Form?
Nach Kenntnis der Bundesregierung besteht derzeit keine Zusammenarbeit
zwischen dem BIH und dem WHO Hub Berlin. Der WHO Hub Berlin sieht für
die Zukunft keine Zusammenarbeit mit dem Translationszentrum vor, da die
translationale Medizin nicht in den Aufgabenbereich des Hubs fällt.
Kleine Anfrage der Fraktion der AfD auf BT-Drs. 20/9608
Anlage zu Frage 13
Vorhaben der Projektförderung „Therapien mit gentechnisch veränderten Zellen“
Zuwendungsempfänger Titel Zuwendung
in Mio. Euro
(gerundet)
Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin in der
Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
Deutsches Zentrum für
Neurodegenerative Erkrankungen
e.V. (DZNE) in der Helmholtz-
Gemeinschaft
Targetvalidierung: Eliminierung NMDA-
Rezeptor-Autoantikörper produzierender
Zellen mit Chimärer AutoAntibody-
Rezeptor-T-Zelltherapie (CAAR-T)
1,0
Charité - Universitätsmedizin
Berlin
CheckImmune GmbH
Deutsches Rheuma-
Forschungszentrum Berlin (DRFZ)
Wirkstofftransport: Ein CAR T-Zell-
Chemokin-Checkpoint-Beschleuniger für
die Behandlung von soliden
Tumorerkrankungen (CONAN)
2,5
Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin in der
Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
GBi2S: Innovative DNA-Technologien für
nicht-virale Immuntherapie (syncDNA)
0,1
Medizinische Hochschule
Hannover (MHH)
GBi3S: Tumorimmunaktivierung durch
das onkolytische Adenovirus Ad5/11-
hFMX (oncAd-FMX)
0,1
Universität Bonn -
Universitätsklinikum Bonn
GBi4S: Nutzung von Natürlichen Killer-
Zellen für die Krebs-Immuntherapie
(ImmunoBright)
0,1
Technische Universität München
GBi2S: Funktionsanalyse von
Zellaggregaten mit digitaler Präzision
(CellLEGO)
0,1
Technische Universität Dresden
GBi2S: Evaluierung von
Verwertungsoptionen einer Erfindung für
den breiten medizinischen Einsatz von
Makrophagen in der Zelltherapie
(Makrophagen)
0,1
Technische Universität Dresden
GBi2M: Vermehrungsfähige humane
Makrophagen für die Zelltherapie
(Makrophagen-2)
1,2
Klinikum rechts der Isar der
Technischen Universität München
GBi4S: Kommerzialisierung einer
neuartigen PET-Reportgentechnologie
zur Therapie-Bildgebung von Zell-, Viro-
und Gentherapien (RaidoGene)
0,1
ABALOS THERAPEUTICS GmbH
Uniklinik Essen
Uniklinik Düsseldorf
KMUi-Biomedizin-2: AdaptInnate
Optimierung (AdInOpt)
1,2
Deutsches
Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Universität Heidelberg
GBi1M: Innovative
Stammzelltechnologien zur
Transplantation von reprogrammierten
neuralen Zellen (NEURO-STEM)
1,1
Kleine Anfrage der Fraktion der AfD auf BT-Drs. 20/9608
Anlage zu Frage 13
Fraunhofer-Gesellschaft zur
Förderung der angewandten
Forschung eingetragener Verein
Wirkstofftransport: Maßgeschneiderte
Nanocarrier als mRNA-
Transfektionssysteme für Immunzellen
(CONCENTRIC)
1,3
Universität Heidelberg
Medizinische Hochschule
Hannover (MHH)
Paul-Ehrlich-Institut
Bundesinstitut für Impfstoffe und
biomedizinische Arzneimittel
Universitätsklinikum Schleswig-
Holstein
Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf (UKE)
Wirkstofftransport: Kombinatorisches
und multidisziplinäres Targetieren von
effektiven Gentherapievektoren
(COMMUTE)
1,9
Universität Tübingen GBi2S: Virusfreie Gentherapie für retinale
Erkrankungen (REVeyeVE)
0,1
Universität Tübingen
Max-Planck-Gesellschaft zur
Förderung der Wissenschaften e.V.
GBi2M: Virusfreie Gentherapie für
retinale Erkrankungen (REVeyeVE-2)
0,8
Aptamimetics GmbH
Fraunhofer-Institut für
Zelltherapie und Immunologie IZI
KMUi-Biomedizin-1: Bioaktive Aptamere
als innovative Therapeutika und
neuartige Rohstoffe für moderne
Arzneimittel (BApTRA)
0,5
Miltenyi Biotec B.V. & Co. KG
Bergisch Gladbach
CD20CAR transduzierte T-Zellen für die
individualisierte Melanom-Therapie
(CD20 CAR-TIME)
3,3
Technische Universität Dresden UniCAR-basierte Therapie CD123-
positiver Leukämien (TurbiCAR)
3,1
Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin Berlin
T-Zellrezeptor-Gentherapie am Beispiel
von MageA1 (MAGEA1-TCR)
3,8
Universität Freiburg Editierung von CCR5 in autologen
hämatopoetischen Stammzellen zur
Induzierung einer HIV-Resistenz in HIV-
infizierten Patient*innen mit Lymphom
(editCCR5)
4,5
Charité – Universitätsmedizin
Berlin
Eine Plattform zur spezifischen
Regeneration von antiviralen T-Zell-
Antworten in einem neuartigen
personalisierten Therapieansatz (TReAT)
2,3
Medizinische Hochschule
Hannover
Personalisierte Zelltherapie mit iPSC-
abgeleiteten Kardiomyozyten (TACTiC)
2,3
Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf
Anti-HIV Genkonstrukt zur CD34+
hämatopoetischen Stammzell
Gentherapie für die HIV-Heilung beim
HIV-assoziierten diffusen großen B-Zell
Lymphom
5,2
Universität Tübingen Sicherheit und Wirksamkeit einer
beidseitigen, einmaligen subretinalen
Injektion von rAAV.hCNGA3 in
1,8
Kleine Anfrage der Fraktion der AfD auf BT-Drs. 20/9608
Anlage zu Frage 13
Erwachsenen und Kindern, die an CNGA3
verursachter Achromatopsie leiden
Medizinische Hochschule
Hannover
Allogene BK-Virus-spezifische T-Zell-
Therapie bei Patienten mit progressiver
multifokaler Leukoenzephalopathie
2,2
Charité – Universitätsmedizin
Berlin
Präzisions-Immuntherapie für
MyD88L265P mutierte Lymphome mit
einem tumorspezifischen T-Zell-Rezeptor
4,5
Universität Münster Klinische Phase I-Studie der Sicherheit,
Dosisfindung und Machbarkeit einer
adoptiven T-Zell-Therapie mit GD2-IL18
CAR-T-Zellen bei Patientinnen und
Patienten mit rezidivierten oder
refraktären GD2-positiven soliden
Tumoren
5,3
Universitätsklinikum Würzburg Klinische Studie mit ROR2-spezifischen
CAR-T-Zellen in Patienten mit ROR2+-
Krebserkrankungen
6,6
LMU München Adapter-CAR-T-Zellen in der Behandlung
der rezidivierten/refraktären akuten
myeloischen Leukämie als Proof-of-
Concept zur Etablierung einer
Therapieplattform für unterschiedliche
Zielantigene
4,3
Charité - Universitätsmedizin
Berlin
CXCR5_CAR - Explorative Studie zur
Ermittlung der Sicherheit sowie zur
Dosisfindung von MDC_CAR_CXCR5_001,
einer gegen den CXCR5-Rezeptor
gerichteten Chimären Antigen Rezeptor
(CAR) T-Zelltherapie bei Patienten mit
rezidivierten und refraktären Non-
Hodgkin Lymphomen
4,7
Medizinische Hochschule
Hannover
Induzierte pluripotente Stammzellen für
die zelluläre Therapie von
Herzerkrankungen (iCARE)
3,0
Medizinische Hochschule
Hannover
Genetisch korrigierte iPS Zell-abgeleitete
Makrophagen (i-MAC) für innovative
gentherapeutische Strategien (iMACnet)
2,3
Helmholtz Zentrum München
Deutsches Forschungszentrum für
Gesundheit und Umwelt (GmbH)
Generierung von GMP-konformen
induzierten pluripotenten Stammzellen
aus Universalspendern (iPStemRNA)
2,9
Technische Universität Dresden Behandlung von Netzhautdegenerationen
(ReSight)
1,6
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333