Ausmaß und Struktur der Arbeitszeitflexibilisierung in Deutschland
der Abgeordneten Susanne Ferschl, Gökay Akbulut, Matthias W. Birkwald, Jörg Cezanne, Ates Gürpinar, Sören Pellmann, Heidi Reichinnek, Dr. Petra Sitte, Kathrin Vogler und der Gruppe Die Linke
Vorbemerkung
Die Flexibilisierung der Arbeitszeit ist in aller Munde. Insbesondere CDU, CSU und FDP haben das Thema in den letzten Monaten vermehrt auf die Tagesordnung gesetzt (vgl. www.spiegel.de/politik/fdp-will-acht-stunden-tag-abschaffen-a-7cffefe2-757b-41fc-912b-644341ff685e; Bundestagsdrucksache 20/10387). Auffallend ist, dass der Nutzen für Familien und Personen mit Sorgearbeit in den Vordergrund gestellt wird.
Einigkeit besteht in der Wissenschaft darüber, dass Arbeitszeitflexibilisierung sowohl arbeitgeber- als auch arbeitnehmergetrieben sein kann (Stadler 2024: 55, verfügbar über link.springer.com/article/10.1007/s41449-023-00408-z). Ersteres stellt den Bedarf der Arbeitgeber in den Mittelpunkt. Hier entscheiden die betrieblichen Erfordernisse über die Länge und Lage der Arbeitszeit. Letzteres bedeutet Arbeitszeitsouveränität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und fokussiert die Einflussmöglichkeiten dieser Gruppe auf die Arbeitszeit. Zentral ist also, ob die Ausgestaltung der Arbeitszeiten eher die Interessen der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer widerspiegelt (Amlinger-Chatterjee & Wöhrmann 2017: 40, verfügbar über link.springer.com/article/10.1007/s41449-017-0047-x).
Mit der Kleinen Anfrage möchten sich die Fragestellenden ein aktuelles Bild vom Stand der Arbeitszeitflexibilisierung bei abhängig Beschäftigten in Deutschland machen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen25
Wie lang ist nach Kenntnis der Bundesregierung die wöchentliche Arbeitszeit der abhängig Beschäftigten in Deutschland nach aktuellstem Datenstand insgesamt und differenziert nach Berufsbereichen und Anforderungsniveau (Klassifikation der Berufe (KldB) 2010), und wie hoch war die wöchentliche Arbeitszeit jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach Arbeitszeiterfassung Ja bzw. Nein (bei „Ja“ differenziert nach betrieblich erfasst und selbst dokumentiert), Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie viele abhängig Beschäftigte sind nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand insgesamt und differenziert nach Berufsbereichen und Anforderungsniveau (KldB 2010) mindestens zufrieden mit ihrer derzeitigen Arbeitszeit, und wie groß war die Zahl jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Beschäftigten als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie vielen der abhängig Beschäftigten gelingt es nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand insgesamt und differenziert nach Berufsbereichen und Anforderungsniveau (KldB 2010), bei der Arbeitszeitplanung auf familiäre und private Interessen Rücksicht zu nehmen, und wie viele waren es jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Beschäftigten als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie viele abhängig Beschäftigte sind nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand insgesamt und differenziert nach Berufsbereichen und Anforderungsniveau (KldB 2010) zufrieden mit ihrer Work-Life-Balance, sind also mindestens zufrieden damit, wie gut ihr Arbeits- und Privatleben zusammenpassen, und wie viele waren es jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Beschäftigten als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie viele abhängig Beschäftigte sind nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand insgesamt und differenziert nach Berufsbereichen und Anforderungsniveau (KldB 2010) mindestens einmal im Monat von verkürzten Ruhezeiten betroffen, und wie viele waren es jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Beschäftigten als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie viele abhängig Beschäftigte sind nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand insgesamt und differenziert nach Berufsbereichen und Anforderungsniveau (KldB 2010) mindestens einmal im Monat von langen und überlangen Arbeitszeiten betroffen, und wie viele waren es jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Beschäftigten als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie viele abhängig Beschäftigte lassen nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand insgesamt und differenziert nach Berufsbereichen und Anforderungsniveau (KldB 2010) häufig ihre Ruhepausen (Pausen über 15 Minuten) an einem Arbeitstag mit mehr als sechs Stunden ausfallen, und wie viele waren es jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Beschäftigten als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie viele abhängige Beschäftigte leisten nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand insgesamt und differenziert nach Berufsbereichen und Anforderungsniveau (KldB 2010) Wochenend- bzw. Sonntags- und Feiertagsarbeit, und wie viele waren es in den letzten zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Beschäftigten als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie viele abhängig Beschäftigte können nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand insgesamt und differenziert nach Berufsbereichen und Anforderungsniveau (KldB 2010) Einfluss auf ihre Arbeitszeiten in Form von Einflussmöglichkeiten auf Anfangs- und Endzeiten, Pausenzeiten, Stundenzahl oder Lage der Arbeitszeit nehmen, und wie viele waren es jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Beschäftigten als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
In wie vielen Betrieben mit Betriebsrat gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand eine Betriebsvereinbarung zum Thema Arbeitszeit, und in wie vielen gab es eine solche jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Betrieben als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie viele abhängig Beschäftigte müssen nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand insgesamt und differenziert nach Berufsbereichen und Anforderungsniveau (KldB 2010) länger als vertraglich vereinbart arbeiten, weil dies von ihren Aufgaben oder Vorgesetzten gefordert wird, und wie viele waren es jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Beschäftigten als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Von wie vielen abhängig Beschäftigten wird nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand insgesamt und differenziert nach Berufsbereichen und Anforderungsniveau (KldB 2010) erwartet, dass sie auch in ihrem Privatleben für dienstliche Angelegenheiten erreichbar sind, und wie viele waren es jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Beschäftigten als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie viele abhängig Beschäftigte werden nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand insgesamt und differenziert nach Berufsbereichen und Anforderungsniveau (KldB 2010) in ihrer Freizeit wegen ihrer Arbeit kontaktiert, und wie viele waren es jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Beschäftigten als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie viele abhängig Beschäftigte sind nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand insgesamt und differenziert nach Berufsbereichen und Anforderungsniveau (KldB 2010) mindestens selten von sich ändernden Arbeitszeiten aufgrund von betrieblichen Anforderungen betroffen, und wie viele waren es jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Beschäftigten als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie viele abhängig Beschäftigte leisten nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand insgesamt und differenziert nach Berufsbereichen und Anforderungsniveau (KldB 2010) mindestens einmal pro Monat Bereitschaftsdienst oder arbeiten in Rufbereitschaft, und wie viele waren es jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte sowohl die absoluten Zahlen, den Anteil an allen Beschäftigten als auch die jährlichen Veränderungsraten darstellen und nach Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie lang ist nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand die wöchentliche Arbeitszeit von abhängig Beschäftigten, die Einfluss auf ihre Arbeitszeiten, in Form von Einflussmöglichkeiten auf Anfangs- und Endzeiten, Pausenzeiten, Stundenzahl oder Lage der Arbeitszeit nehmen können, und wie lang war sie jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte nach Arbeitszeiterfassung Ja bzw. Nein (bei „Ja“ differenziert nach betrieblich erfasst und selbst dokumentiert), Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie lang ist nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand die wöchentliche Arbeitszeit von abhängig Beschäftigten, die länger als vertraglich vereinbart arbeiten müssen, weil dies von ihren Aufgaben oder Vorgesetzten gefordert wird und wie lang war sie jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte nach Arbeitszeiterfassung Ja bzw. Nein (bei „Ja“ differenziert nach betrieblich erfasst und selbst dokumentiert), Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie lang ist nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand die wöchentliche Arbeitszeit von abhängig Beschäftigten, von denen erwartet wird, dass sie auch in ihrem Privatleben für dienstliche Angelegenheiten erreichbar sind, und wie lang war sie jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte nach Arbeitszeiterfassung Ja bzw. Nein (bei „Ja“ differenziert nach betrieblich erfasst und selbst dokumentiert), Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie lang ist nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand die wöchentliche Arbeitszeit von abhängig Beschäftigten, die in ihrer Freizeit wegen ihrer Arbeit kontaktiert werden, und wie lang war sie jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte nach Arbeitszeiterfassung Ja bzw. Nein (bei „Ja“ differenziert nach betrieblich erfasst und selbst dokumentiert), Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie lang ist nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand die wöchentliche Arbeitszeit von abhängig Beschäftigten, die mindestens selten von sich ändernden Arbeitszeiten aufgrund von betrieblichen Anforderungen betroffen sind, und wie lang war sie jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte nach Arbeitszeiterfassung Ja bzw. Nein (bei „Ja“ differenziert nach betrieblich erfasst und selbst dokumentiert), Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie lang ist nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand die wöchentliche Arbeitszeit von abhängig Beschäftigten, die mindestens einmal pro Monat Bereitschaftsdienst leisten oder in Rufbereitschaft arbeiten, und wie lang war sie jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte nach Arbeitszeiterfassung Ja bzw. Nein (bei „Ja“ differenziert nach betrieblich erfasst und selbst dokumentiert), Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie lang ist nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Datenstand die wöchentliche Arbeitszeit von abhängig Beschäftigten, die ausschließlich starre Arbeitszeiten haben und keinen Formen der Arbeitszeitflexibilisierung (u. a. wie in den Fragen 13 bis 18 beschrieben) ausgesetzt sind, und wie lang war sie jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte nach Arbeitszeiterfassung Ja bzw. Nein (bei „Ja“ differenziert nach betrieblich erfasst und selbst dokumentiert), Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie viele abhängig Beschäftigte, die Einfluss auf ihre Arbeitszeiten in Form von Einflussmöglichkeiten auf Anfangs- und Endzeiten, Pausenzeiten, Stundenzahl oder Lage der Arbeitszeit nehmen können, sind nach Kenntnis der Bundesregierung – verglichen mit den abhängig Beschäftigten, die keinen Einfluss nehmen können – nach aktuellstem Stand von psychischen oder physischen Beschwerden betroffen, und wie viele waren es jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte nach Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie viele abhängig Beschäftigte, die mindestens einmal pro Monat Bereitschaftsdienst leisten oder in Rufbereitschaft arbeiten, sind nach Kenntnis der Bundesregierung – verglichen mit den abhängig Beschäftigten, die dies nicht machen – nach aktuellstem Stand von psychischen oder physischen Beschwerden betroffen, und wie viele waren es jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte nach Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?
Wie viele abhängig Beschäftigte haben nach Kenntnis der Bundesregierung nach aktuellstem Stand mindestens einmal pro Jahr gearbeitet, obwohl sie krank waren, und wie viele waren es jeweils in den letzten zehn Jahren (bitte nach Vereinbarung zu Homeoffice oder Telearbeit Ja bzw. Nein, Geschlecht, Voll- und Teilzeit, tarifgebundenen bzw. nichttarifgebundenen Unternehmen sowie Ost und West differenzieren)?