Deutscher Bundestag Drucksache 20/13607
20. Wahlperiode 04.11.2024
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU
– Drucksache 20/13474 –
Transparenz der tatsächlichen Realisierung, Planung, des Verfahrens und der
Finanzierung der Vorhaben „Dokumentationszentrum Zweiter Weltkrieg“ und
„Deutsch-Polnisches-Haus“
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Bundesregierung plant mit der Errichtung eines Dokumentationszentrums
„Zweiter Weltkrieg und deutsche Besatzungsherrschaft in Europa“ (ZWBE)
und dem „Deutsch-Polnischen-Haus“ (DPH) zwei große erinnerungspolitische
Vorhaben. Grundlage für beide Vorhaben sind Beschlüsse des Deutschen
Bundestages im Oktober 2020.
Im Koalitionsvertrag von 2021 haben sich SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
und FDP zum Ziel gesetzt, „die Bundestagsbeschlüsse für ein
Dokumentationszentrum „Zweiter Weltkrieg und deutsche Besatzungsherrschaft in
Europa“ und für einen Erinnerungs- und Begegnungsort im Gedenken an die Opfer
der Besatzung Polens und die wechselvolle deutsch-polnische Geschichte zu
unterstützen.
Zur Umsetzung des Bundestagsbeschlusses „Gedenken an die Opfer des
deutschen Vernichtungskriegs stärken und bisher weniger beachtete Opfergruppen
des Nationalsozialismus anerkennen“ vom Oktober 2020
(Bundestagsdrucksache 19/23126) wurde dem Deutschen Bundestag im Mai 2022 ein
Realisierungsvorschlag der Bundesregierung vorgelegt (Bundestagsdrucksache
20/1845). Diesen Vorschlag hat der Deutsche Bundestag im Oktober 2023
formal zur Kenntnis genommen und einen Entschließungsantrag mit den
Stimmen der Fraktionen SPD, CDU/CSU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP
angenommen (Bundestagsdrucksache 20/8876). Dieser fordert die
Bundesregierung auf, den Realisierungsvorschlag „umfassend und zügig umzusetzen“
und „als Träger die unselbstständige Bundesstiftung „Dokumentationszentrum
Zweiter Weltkrieg und deutsche Besatzungsherrschaft in Europa“ durch
Bundesgesetz unter dem Dach der Stiftung Deutsches Historisches Museum bis
zur Überführung in die Selbstständigkeit zu errichten“. Zur Umsetzung des
Vorhabens wurde zunächst eine Stabsstelle beim Deutschen Historischen
Museum (DHM) eingerichtet.
Zur Umsetzung des Bundestagsbeschlusses „Mit einem Ort des Erinnerns und
der Begegnung dem Charakter der deutsch-polnischen Geschichte gerecht
werden und zur Vertiefung der besonderen bilateralen Beziehungen beitragen“
vom Oktober 2020 (Bundestagsdrucksache 19/23708) wurde im August 2023
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und
Medien vom 4. November 2024 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
ein Eckpunktepapier „Deutsch Polnisches Haus – gedenken.begegngen.
verstehen“ vorgestellt. Dieses Eckpunktepapier greift das ursprüngliche Konzept
vom September 2021 auf, setzt darüber hinaus aber neue inhaltliche und
konzeptionelle Schwerpunkte. Dies betrifft insbesondere die Planung für ein
„Deutsch-Polnisches-Haus“ als eines der „wichtigsten erinnerungs- und
kulturpolitischen Projekte Deutschlands“. Am 26. Juni 2024 hat das
Bundeskabinett einen Realisierungsentwurf beschlossen (
www.kulturstaatsministerin.de/S
haredDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/06/2024-06-26-PM-Kabinettsbeschlu
ss-Realisierungsvorschlag-DPH.html). Bei den deutsch-polnischen
Regierungskonsultationen am 2. Juli 2024 übergab die Beauftragte der
Bundesregierung für Kultur und Medien, Claudia Roth, ihrer Amtskollegin Hanna
Wróblewska einen Realisierungsvorschlag für das Deutsch-Polnische Haus. Aus
Anlass des Gedenkens zum 85. Jahrestag des deutschen Überfalls aus Polen
am 1. September 2024 wurde seitens der Bundesregierung ein provisorischer
Gedenkort in Form einer Stele im Tiergarten errichtet.
Zum weiteren Planungs- und Umsetzungsprozess beider großen Vorhaben gibt
es noch zahlreiche offene Fragen, insbesondere was eine zeitliche und
finanzielle Priorisierung und die Standortfragen betrifft.
1. Welche zeitliche Priorisierung nimmt die Bundesregierung bei der
Umsetzung der Vorhaben Dokumentationszentrums „Zweiter Weltkrieg und
deutsche Besatzungsherrschaft in Europa“ (ZWBE) und Deutsch-
Polnisches-Haus (DPH) vor?
Es handelt sich um gleichwertige Beschlüsse des Deutschen Bundestages. Im
Übrigen wird auf die nachfolgenden Antworten verwiesen.
2. Welche finanziellen Mittel sind im Haushalt 2025 für die Realisierung
des ZWBE und des DPH eingestellt, und welche Zweckbindung haben
diese Mittel?
Im Regierungsentwurf zum Haushalt 2025 sind für das ZWBE im Einzelplan
0452 beim Titel 685 21 Erläuterungsziffer 1.2.3 insgesamt 500 000 Euro zur
Finanzierung der Arbeit der Stabstelle veranschlagt. Für das DHP sieht der
Regierungsentwurf beim Titel 685 61 Erläuterungsziffer 1.3.9 insgesamt
1 000 000 Euro zur Finanzierung der Arbeit einer Stabstelle vor.
3. Wie ist der aktuelle Sachstand bei der Realisierung des ZWBE?
Die Stabsstelle zum ZWBE bei der Stiftung DHM widmet sich derzeit intensiv
der Umsetzung des Bundestagsbeschlusses und seiner Forderungen und arbeitet
an Konzipierung und Realisierung von Gremien- und Arbeitsstrukturen und der
besseren Sichtbarkeit des ZWBE. Für diesen Prozess wird die für Mai 2025
geplante Wechselausstellung „Gewalt ausstellen. Erste Ausstellungen zur NS-
Besatzung in Europa, 1945 - 1948“ (Laufzeit: 23. Mai bis 23. November 2025)
eine entscheidende Rolle spielen. Die Ausstellung ermöglicht ausgehend vom
Ende des Zweiten Weltkrieges rückblickend auf die Zeit der deutschen
Besatzung in Europa zu blicken und behandelt frühe europaweite
Auseinandersetzungen mit den nationalsozialistischen Verbrechen. Die Stabsstelle erarbeitet
derzeit zusammen mit einem Team des DHM nicht nur die Ausstellung selbst,
sondern auch ein umfangreiches Begleitprogramm, das die Themen des ZWBE
in den Vordergrund rückt. Geplant sind unterschiedliche Formate, die eine
Verbindung zwischen Wissenschaft, Museen und Gedenkstätten sowie breiterer
Öffentlichkeit herstellen. Die Erkenntnisse aus der Ausstellungsarbeit dienen
der Erarbeitung der konzeptionellen Leitlinien der künftigen Dauerausstellung
am ZWBE. Ein weiterer wichtiger Schritt zur baulichen Errichtung wird die
Anerkennung des Raumbedarfs gemäß des dem Deutschen Bundestag
vorgelegten Realisierungsvorschlages durch das Bundesministerium der Finanzen
sein.
4. Wie viele Mitarbeiter sind bei der für die Umsetzung des ZWBE
eingerichteten Stabsstelle beim DHM aktuell beschäftigt, und wie viel Mittel
sind dafür im Haushalt 2025 eingeplant?
In der Stabsstelle ZWBE am DHM sind im Oktober 2024 eine
wissenschaftliche Referentin und zwei wissenschaftliche Kuratoren beschäftigt, im
November 2024 kommt ein weiterer wissenschaftlicher Kurator dazu. Darüber hinaus
hat im Jahr 2024 das Präsidium des DHM mit einer wissenschaftlichen
Mitarbeiterin die Arbeit der Stabsstelle unterstützt. Für das Haushaltsjahr 2025
sind derzeit Personalmittel von 352 407,92 Euro eingestellt.
5. Wie ist der weitere Zeitplan bei der Realisierung des ZWBE, und wird
die Bundesregierung noch im laufenden Jahr 2024 ein Bundesgesetz zur
Errichtung des ZWBE vorlegen?
Die Stabsstelle erarbeitet derzeit konkrete Zielvorstellungen. Das umfangreiche
öffentliche Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm für 2025 soll den
Anschub für die weitere Verankerung und Ausbau der Strukturen geben. Mit
Klärung der Standortfrage wird eine erhebliche Beschleunigung einsetzen. Im
Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 3 verwiesen. Die Bundesregierung wird im
laufenden Jahr 2024 kein Bundesgesetz zur Errichtung des ZWBE vorlegen.
6. Wie viele Mittel sind in der mittelfristigen Finanzplanung des Bundes für
die Umsetzung des ZWBE veranschlagt?
Bei der mittelfristigen Finanzplanung handelt es sich um ein Instrument des
internen Regierungshandeln, welches in Abhängigkeit konkreter Bedarfe
entsprechenden Änderungen im Rahmen der jährlichen
Haushaltsaufstellungsverfahren obliegt. Insofern kann hierzu verlässlich keine Auskunft gegeben werden.
7. Plant die Bundesregierung die Einsetzung eines parlamentarischen
Begleit- und Konsultationsgremiums zur weiteren Realisierung des ZWBE?
Die Einsetzung eines parlamentarischen Begleit- und Konsultationsgremiums
zur weiteren Realisierung des ZWBE ist nicht geplant. Der Aufbauprozess für
das ZWBE wird durch das Kuratorium der Stiftung DHM begleitet, in dem
auch Mitglieder des Deutschen Bundestages vertreten sind.
8. Welche konkreten Forderungen aus dem Entschließungsantrag des
Deutschen Bundestages (Bundestagsdrucksache 20/8876) wird die
Bundesregierung bei der weiteren Realisierung aufgreifen?
Der Entschließungsantrag des Deutschen Bundestages vom 18. Oktober 2023
bildet die Richtschnur für das Handeln der Bundesregierung im Hinblick auf
die Errichtung eines Dokumentationszentrums Zweiter Weltkrieg und deutsche
Besatzungsherrschaft in Europa und die Arbeit der Stabsstelle ZWBE am
DHM.
Die Vermittlung des Leids der Opfer der deutschen Besatzungsherrschaft steht
im Mittelpunkt der inhaltlichen Planungen für das ZWBE, weswegen auch eine
umfassende historische und materielle Dokumentation dieses Leids
gewährleistet werden soll. Darüber hinaus besteht ein kontinuierlicher Austausch mit
Opferverbänden und Erinnerungsinitiativen, um geeignete Formen des Gedenkens
für das anvisierte Dokumentationszentrum zu entwickeln.
Der Realisierungsvorschlag soll entsprechend der aktuellen internationalen
Forschung zur deutschen Besatzung in Europa zu einem Konzept für eine
Dauerausstellung weiterentwickelt werden und dabei die in dem Bundestagsbeschluss
genannten Aspekte aufgreifen. Mit größtmöglicher historischer Genauigkeit,
aber auch mit dem gebotenen Respekt vor der Vielfalt an europäischen
Perspektiven auf das Thema, wird sich eine solche Ausstellung auch mit Fragen
von regional- und länderspezifischen Unterschieden, dem Umgang mit
unterschiedlichen Opfergruppen und der Rolle der einheimischen Bevölkerung
auseinandersetzen müssen. In diesem Zusammenhang sollen auch Senior Fellows
eingeladen werden, um das ZWBE zu beraten und den wissenschaftlichen
Austausch und die Vernetzung zu stärken.
In der aktuellen Projektphase werden bereits Möglichkeiten ausgelotet, auch
unabhängig von der anvisierten Dauerausstellung neue Wege der Präsentation
und Vermittlung zu beschreiten.
Die Stabsstelle arbeitet weiter an der Vernetzung mit den Gedenk-,
Erinnerungs- und Dokumentationsstätten auf nationaler und internationaler Ebene und
wird dies im Veranstaltungsprogramm 2025 auch zum Ausdruck kommen
lassen. Die bereits stattfindende internationale wissenschaftliche Beratung und
parlamentarische Unterstützung sollen 2025 in etablierte Strukturen überführt
werden.
9. Wann fanden seit Beschlussfassung des Deutschen Bundestages im
Oktober 2023 Gespräche zwischen der Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien und dem DHM zum ZWBE statt, und mit
welchem Ergebnis?
Die Fachebene der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
(BKM) ist im regelmäßigen schriftlichen und mündlichen Austausch mit dem
Präsidium und der Stabsstelle ZWBE.
10. Welche konkreten Schritte wird die Bundesregierung bis zum Juni 2025
unternehmen, um den Beschluss des Deutschen Bundestages vom
Oktober 2023 umzusetzen?
Die BKM wird die begonnen Schritte zur Findung eines Standorts fortsetzen
und die kuratorischen und planerischen Schritte der Stabsstelle ZWBE
begleiten.
11. Welche konkreten Schritte wird die Bundesregierung bis zum Juni 2025
unternehmen, um das DPH umzusetzen?
Die BKM wird die begonnenen Schritte zur Findung eines Standorts fortsetzen
und die kuratorischen und planerischen Schritte der Stabsstelle DPH begleiten.
12. Welche Akteure sind auf polnischer Seite in die Planung des DPH
eingebunden?
Der Realisierungsvorschlag zum DPH (Bundestagsdrucksache 20/12100)
wurde in enger Zusammenarbeit mit der polnischen Seite erarbeitet. Dazu schloss
die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas einen
Kooperationsvertrag mit dem Tadeusz-Manteuffel-Institut für Geschichte der Polnischen
Akademie der Wissenschaften. Das Deutsche Polen-Institut arbeitete mit dem
Deutsch-Polnischen Jugendwerk zusammen.
Beide Institutionen berieten die Stabsstelle und das Deutsche Polen-Institut bei
der Auswahl und Zusammensetzung der Expertengremien. Die
Expertengremien bestehen aus circa 70 Vertreterinnen und Vertretern aus Polen und
Deutschland. Die namentliche Liste ist im Realisierungsvorschlag für ein Deutsch-
Polnisches-Haus im Anhang 2 veröffentlicht.
Darüber führte die Stabsstelle DPH Konsultationsgespräche mit zahlreichen
Vertreterinnen und Vertretern von Institutionen aus Politik, Wissenschaft und
aus der Museumslandschaft in Polen. Dazu gehörten u. a.:
– der damalige polnische Botschafter in Deutschland Dariusz Pawłoś sowie
seine Mitarbeitern
– Vertreterinnen und Vertreter der Polonia in Deutschland (Geschäftsstelle der
Polonia in Berlin und andere durch sie vertretene Organisationen)
– Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der
Wissenschaften
– Direktor Rafal Rogulski, European Network Remembrance and Solidarity,
Warschau
– Damaliger Direktor Robert Kostro, Museum der Geschichte Polens
– Direktorin Karolina Ziębińska-Lewandowska, Museum der Stadt Warschau
– Direktor Jan Ołdakowski und stllv. Direktor: Paweł Ukielski, Museum des
Warschauer Aufstands Warschau
– Direktor Basil Kerski, Europäisches Zentrum der Solidarność, Danzig
– Museum für die Geschichte der polnischen Juden – POLIN, Warschau
– Internationale Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz (Oświęcim)
– Vize-Direktor Sebastian Tyrakowski, Emigrationsmuseum, Gdingen
– Urząd do spraw Kombatantów i osób represjonowanych (Amt für
Kriegsveteranen und Opfer von Reperssionen), Warschau
– Sobibór Gedenkstätte
– Tomasz Pietrasiewicz, Brama Grodzka/Teatr NN, Lublin.
13. Wann konkret wurden bislang Gespräche mit Vertretern der polnischen
Regierung über das geplante DPH geführt (bitte einzeln auflisten)?
Es wurden von der Stabsstelle DPH und der Stiftung Denkmal für die
ermordeten Juden Europas folgende Gespräche mit folgenden Personen geführt.
März 2023 (vor der Errichtung der Stabsstelle) – Polenreise von Uwe
Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, und
Adam Kerpel-Fronius (Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)
– Janusz Styczek, stellvertretender Direktor für europäische Angelegenheiten
des polnischen Außenministeriums
– Jolanta Miśkowiec, Direktorin der Abteilung Kulturerbe und
Erinnerungsorte, und Magdalena Erdman, Abteilung Nationale Gedenkorte, Ministerium
für Kultur und Nationalen Erbe
– Rafał Wolski, Kulturabteilung des polnischen Außenministeriums
– Dr. hab. Karol Polejowski, stellvetretender Direktor des IPN (Institut der
Nationalen Erinnerung)
Mai 2024 Polenreise von Uwe Neumärker (Stiftung Denkmal für die
ermordeten Juden Europas), der Stabsstelle Deutsch-Polnisches Haus (Robert Parzer,
Dr. Agnieszka Wierzcholska) sowie dem Deutschen Polen-Institut (Prof.
Dr. Peter Oliver Loew und Emilie Mansfeld)
Polnisch-Deutsche Parlamentariergruppe im Sejm
– Marek Krząkała (KO), Vorsitzender
– Krzysztof Bosak (Konfederacja), stllv. Vorsitzender
– Kinga Gajewska (KO), stllv. Vorsitzende
– Marta Golbik (KO), stllv. Vorsitzende
– Kazimierz Gołojuch (PiS), stv. Vorsitzender
– Ewa Polska Schädler (2050-TD), stllv. Vorsitzende
– Szymon Szynkowski vel Sęk (PiS), stllv. Vorsitzender
– Dorota Arciszewska-Mielewczyk (PiS)
– Patryk Gabriel (KO)
– Jan Krzysztof Ardanowski (PiS)
MSZ (Außenministerium)
– Joanna Stachyra, stellv. Direktorin Abteilung für öffentliche und kulturelle
Diplomatie
– Piotr Erenfeicht, Direktor Abteilung der europäischen Zusammenarbeit,
– Michał Filipek, Abteilung für öffentliche und kulturelle Diplomatie
Ministerstwo Kultury (Kulturministerium)
– Urszula Ślązak, Direktorin Abteilung Zusammenarbeit mit dem Ausland
– Magdalena Erdman, Abteilung Kulturerbe im Ausland und Erinnerungsorte
– Piotr Mączka
– Prof. Jan Rydel, Mitarbeit im Rahmen der Europäischen Netzwerks
Erinnerung und Solidarität
– Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz, Direktor des Willy-Brandt-Zentrums für
Deutschland- und Europastudien an der Universität Breslau / Wrocław und
damals designierter Beauftragter der polnischen Regierung für die
polnischdeutsche Zusammenarbeit
Kancelaria Prezesa Rady Minsitrów (Kanzlei des Premierminister)
– Wojciech Duda, Berater von Donald Tusk, Abteilung Politik
– Grzegorz Fortuna, Berater von Donald Tusk.
Das DPH war neben anderen kulturpolitischen Themen auch Gegenstand von
folgenden Gesprächen der Beauftragten der BKM, Staatsministerin Claudia
Roth, insbesondere:
– 23. März 2023 mit dem polnischen Botschafter in Deutschland Dariusz
Pawłoś
– 7. Juni 2023 mit dem polnischen Kulturminister Prof. Piotr Gliński
– 7. Juli 2023 mit S.E. Senatsmarshall Tomasz Grodzki und Mitgliedern der
Polnisch-Deutschen Gruppe des Senats der Republik Polen
– 2. Juli 2024 mit der Ministerin für Kultur und Nationales Erbe, Hanna
Wróblewska im Rahmen der Deutsch-Polnische Regierungskonsultationen
– 30. Juli 2024 Bilaterales Gespräch mit der Ministerin für Kultur und
Nationales Erbe, Hanna Wróblewska
– 27. September 2024 Antrittsbesuch des polnischen Botschafters und
geschäftsführenden Gesandten S.E. Jan Tombiński.
Das DPH war zudem in allgemeiner Form Thema bei verschiedenen
Gesprächen von Bundesministerin Baerbock mit dem polnischen Außenminister
Sikorski am 30. Januar 2024, 1. Mai 2024, 2. Juli 2024
(Regierungskonsultationen), 17. September 2024, sowie von Staatsministerin Lührmann mit dem
polnischen Unterstaatssekretär Prawda am 15. April 2024. Darüber hinaus war und
ist das DPH in allgemeiner Form eines der Themen bei diversen Gesprächen
von Vertretern des Auswärtigen Amts mit Vertretern der polnischen Regierung
bzw. der polnischen Botschaft.
Auch der Koordinator für die deutsch-polnische zwischengesellschaftliche und
grenznahe Zusammenarbeit Dietmar Nietan führt regelmäßig mit polnischen
Akteuren Gespräche zum DPH.
Die Arbeitsebene der Beauftragten der BKM pflegt zum Thema DPH Kontakt
mit der Botschaft der Republik Polen in der Bundesrepublik Deutschland.
14. Wie konkret sind Überlegungen in der Bundesregierung, die Errichtung
des Denkmals an die polnischen Opfer angesichts einer insgesamt zu
erwartenden langen Umsetzungszeit zeitlich vor die Realisierung des
Gesamtprojektes DPH zu ziehen, und wie ist der Zeitplan dafür?
Der Deutsche Bundestag beratet zurzeit über das von der Bundesregierung
vorgelegte Konzept. Im Lichte der Beschlüsse des Deutschen Bundestages wird
dann die Bundesregierung über das weitere Vorgehen entscheiden.
15. Welche Vertreter der polnischen Seite waren zum Gedenken an den
85. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen am 1. September 2024
eingeladen und welche waren vertreten?
Die Stabsstelle DPH, die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
und das Deutsche Polen-Institut verantworteten eine Veranstaltung aus Anlass
des Jahrestages des deutschen Überfalls auf Polen auf dem Gelände der
ehemaligen Kroll-Oper am 1. September 2024. Dazu ergingen namentliche
Einladungen an den polnischen Botschafter (bzw. Chargé d’Affaires), Jan Tombiński, an
den Vorsitzenden der Polnisch-Deutschen Parlamentariergruppe, Marek
Krząkała, und an den Beauftragten der polnischen Regierung für die polnisch-
deutsche Zusammenarbeit, Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz. Alle drei waren
vertreten. Darüber hinaus wurden über einen breiten Verteiler zahlreiche
Vertreterinnen und Vertreter aus der polnischen Politik, Kultur und Wissenschaft
(deutsch-polnische Gesellschaften in Deutschland und Polen, polnische
Museen, Stiftungen und Medien) eingeladen.
16. Welche Konzeption liegt dem Veranstaltungsformat „Polnischer
September“ zugrunde, und soll dieses auch nach dem September 2024
fortgeführt werden, und wenn ja, wie?
17. Welche Konzeption liegt dem Veranstaltungsformat „Haus ohne Ort“ des
DPH zugrunde?
18. Wer verantwortet das Format „Haus ohne Ort“?
Die Fragen 16 bis 18 werden aufgrund des engen Sachzusammenhalts
gemeinsam beantwortet.
Das Veranstaltungsformat „Polnischer September“ ist Teil des von der
Stabsstelle DPH verantworteten Veranstaltungsprogramms im Rahmen des Konzepts
„Haus ohne Ort“. Laut dem Realisierungsvorschlag zur Errichtung eines DPH,
der von der Stabsstelle DPH erarbeitet wurde, soll dieses noch vor Errichtung
des Hauses helfen, Themen zu setzen und Diskussionen zu führen, die die
Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen kritisch beleuchten und sie
mitgestalten. Im Sinne des Konzeptes werden Bildungs- und Begegnungsformate
bereits vor der Fertigstellung eines Gebäudes durchgeführt.
19. Welche Konzeption liegt der Stele zugrunde, die am 1. September 2024
auf dem Gelände der ehemaligen Kroll-Oper angebracht wurde?
Die am 1. September 2024 der Öffentlichkeit übergebene Informationstafel zur
ehemaligen Kroll-Oper an der Heinrich-von-Gagern-Straße in Berlin bietet eine
historisch-kritische Kontextualisierung historischer Ereignisse an diesem Ort.
Die Texte und Bildauswahl wurden durch Mitarbeitende der Stabsstelle DPH
und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Abstimmung
mit Mitarbeitenden der Stiftung Deutsches Historisches Museums erarbeitet.
20. Welche Funktion haben nach Ansicht der Bundesregierung die
parlamentarischen Konsultationsgespräche zum Deutsch-Polnischen-Haus, und
wie werden die Vertreter des Deutschen Bundestages in den weiteren
Prozess eingebunden?
Die parlamentarischen Konsultationsgespräche zum DPH werden in
regelmäßigen Abständen von der Stabsstelle DPH, der Stiftung Denkmal für die
ermordeten Juden Europas und dem Deutschen Polen-Institut ausgerichtet. Dieses
Format dient der Information der Abgeordneten über den Fortschritt der
Arbeiten zum DPH und zur Einholung diesbezüglicher Rückmeldungen. Zur
Einbindung in den weiteren Prozess plant die Stabsstelle DPH ein Symposium mit
Bundestagsabgeordneten sowie polnischen Vertreterinnen und Vertretern unter
der Schirmherrschaft der beiden Koordinatoren für deutsch-polnische
Zusammenarbeit, Dietmar Nietan (AA) und Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz, am
2. Dezember 2024. Die Einbindung der Vertreterinnen und Vertreter des
Deutschen Bundestages in den weiteren Prozess erfolgt zudem über die Befassung
des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages mit dem
Realisierungsvorschlag. Ein diesbezüglicher Tagesordnungspunkt ist für die
Sitzung am 18. Dezember 2024 vorgesehen.
21. Wie ist der aktuelle Sachstand hinsichtlich der Standortfrage beim
a) Dokumentationszentrum „Zweiter Weltkrieg und deutsche
Besatzungsherrschaft in Europa“, und
b) Deutsch-Polnischen Haus?
Die Fragen 21a und 21b werden aufgrund des engen Sachzusammenhanges
gemeinsam beantwortet.
Die BKM befindet sich in einem ergebnisoffenen Austausch mit dem Land
Berlin und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zu einer
Standortfindung. Die Stabsstellen des ZWBE und des DPH bemühen sich derzeit um die
notwendige Anerkennung des in den Realisierungsvorschlägen skizzierten
Raumbedarfs durch das Bundesministerium der Finanzen. Für das DPH ist
hierzu noch die parlamentarische Zustimmung zum Realisierungsvorschlag
notwendig.
22. Wann fanden Gespräche mit dem Berliner Senat zum Standort ZWBE
statt?
23. Wann fanden Gespräche mit dem Berliner Senat zum DPH statt?
Die Fragen 22 und 23 werden aufgrund des engen Sachzusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Am 6. März 2024 führte die Fachebene der BKM ein Gespräch auf zur
Standortsuche für beide Projekte mit Vertreterinnen und Vertretern der Senatskanzlei
von Berlin, der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen
Zusammenhalt und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
sowie der Bezirksbürgermeisterin im Bezirksamt Mitte von Berlin, Stefanie
Remlinger. Am 27. Juni 2024 tauschte sich Staatsministerin Roth zum Thema
Standorte für beide Projekte mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin,
Kai Wegner, zum Thema Standorte für beide Projekte aus. Das mit den
Projekten ZWBE und DPH befasste Referat bei der Beauftragten der BKM pflegt
einen kontinuierlichen Austausch mit dem Land Berlin. Ziel aller Gespräche ist
eine ergebnisoffene Eruierung von möglichen Standorten.
24. Gibt es seitens der Bundesregierung Überlegungen, die Vorhaben zu
priorisieren, und wenn ja, in welcher Weise, und wenn nein, welche
alternativen Überlegungen gibt es dazu?
Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen.
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