Deutscher Bundestag Drucksache 21/727
21. Wahlperiode 30.06.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ina Latendorf, Sören Pellmann,
Dr. Dietmar Bartsch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/438 –
Repräsentationslücke Ostdeutscher
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Waren in der Regierungszeit Dr. Angela Merkels (2005 bis 2021) noch
15 Prozent der Abgeordneten der Regierungsparteien ostdeutsch, sank der
Anteil in der Regierung Olaf Scholz auf 13,2 Prozent und erreicht unter der
Kanzlerschaft von Friedrich Merz einen Tiefstand von 10,7 Prozent (
www.tag
esschau.de/inland/innenpolitik/merz-ostdeutschland-100.html). Dabei machen
Ostdeutsche knapp 20 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands aus.
Diese Repräsentationslücke setzt sich fort: In den Verwaltungen der obersten
Bundesbehörden, etwa den Bundesministerien, waren sie zum Stand August
2017 noch extrem unterrepräsentiert (vgl. Antwort auf die Schriftliche Frage 5
auf Bundestagsdrucksache 18/13467, Tabelle auf S. 8). Dabei sollen gemäß
Artikel 36 Absatz 1 Satz 1 des Grundgesetzes (GG) bei obersten
Bundesbehörden Beamte aus allen Ländern in angemessenem Verhältnis eingesetzt
werden. Außerdem sollen die bei übrigen Bundesbehörden beschäftigten Personen
in der Regel aus dem Lande genommen werden, in dem sie tätig sind. Auch
bei den Leitungen und stellvertretenden Leitungen der Auslandsvertretungen
Deutschlands und den Standorten des Goethe-Instituts e. V. war mit Stand
2020 eine Repräsentationslücke zu attestieren (vgl. z. B. die Antwort auf die
Schriftliche Frage 63 auf Bundestagsdrucksache 19/23454). Zwar steigt der
Anteil Ostdeutscher an Spitzenjobs mittlerweile auf 12,1 Prozent. Es bleibt
jedoch eine Repräsentationslücke, die in Bereichen von Wirtschaft, Kultur und
Sicherheit sogar wieder etwas größer wurde (
www.tagesspiegel.de/potsdam/br
andenburg/anteil-bei-121-prozent-ostdeutsche-in-topjobs--lucke-schliesst-sic
h-nur-langsam-13696309.html). Die Bundesregierung hat dabei nicht nur in
der Besetzung von Spitzenposten in der Verwaltung einen Einfluss, sondern
auch über Bundesunternehmen oder Unternehmensbeteiligungen – Deutsche
Bahn AG, Deutsche Telekom AG, Deutsche Post AG u. v. a. m.
Diese Repräsentationslücke ist u. a. ein Grund dafür, dass noch im Jahr 2023
50 Prozent der Befragten aus Ostdeutschland angaben, die ostdeutsche
Bevölkerung werde als Bürger zweiter Klasse behandelt (vgl. de.statista.com/statisti
k/daten/studie/1414871/umfrage/umfrage-zu-ostdeutschen-als-buerger-zweite
r-klasse/). Zugleich stellt eine aktuelle Studie fest, dass die fortbestehende
Unterrepräsentanz junger Ostdeutscher in Führungspositionen immer noch Folge
des Elitentransfers von West nach Ost der 1990er-Jahre ist (vgl.
www.uni-leip
zig.de/newsdetail/artikel/neue-studie-ostdeutsche-in-spitzenpositionen-weiterh
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen
vom 30. Juni 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
in-unterrepraesentiert-2024-02-13). Dies zeigt, wie bedeutend und nachhaltig
die Repräsentation Ostdeutscher in Führungspositionen in Politik, Verwaltung,
Wirtschaft, Wissenschaft und Justiz ist.
Der aktuelle Jugendteilhabeatlas zeigt deutlich ein Teilhabegefälle zwischen
den ost- und westdeutschen Bundesländern (vgl. file:///C:/Users/latendoinma0
3/Desktop/AG%20Ost%20und%20L%C3%A4ndliche%20R%C3%A4ume/Ju
gendteilhabeatlas_web-au0nok.pdf; S. 14).
Der Abschlussbericht der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und
Deutsche Einheit“ empfahl schon im Jahre 2020 (ebd. S. 17/18) eine
Ausweitung der Förderung Ostdeutscher in der Begabtenförderung, die zu einer
Verkleinerung der konstatierten Repräsentationslücke führen kann. Sie schlug
daher die Gründung eines Begabtenförderungswerkes Ostdeutschland vor.
1. Wie hoch ist nach der Konstituierung der Regierungskoalition von CDU,
CSU und SPD der Anteil der in Ostdeutschland geborenen
Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter in den Bundesministerien?
Der Anteil von in Ostdeutschland geborenen Abteilungsleiterinnen und
Abteilungsleitern in den Bundesministerien betrug zum Stichtag 12. Juni 2025
9,8 Prozent. Infolge der Regierungsumbildung waren zum Stichtag noch nicht
alle Abteilungsleitungen besetzt.
2. Wie hoch ist der Anteil Ostdeutscher in den Leitungsgremien von Justiz
(Bundesverfassungsgericht, Bundesgerichtshof, Verwaltungsgerichte,
Landgerichte etc.) und Wissenschaft (Hochschulen, Fachhochschulen,
Forschungsinstitute etc.)?
Als Leitungsgremien im Bereich der Justiz werden die Präsidentinnen und
Präsidenten der Bundesgerichte einschließlich des Bundesgerichtshofs verstanden.
Nach Kenntnis der Bundesregierung stammen alle Präsidentinnen und
Präsidenten der sechs Bundesgerichte sowie des Bundesverfassungsgerichts aus
Westdeutschland. Zum Anteil der Ostdeutschen in den Leitungsgremien der
Landgerichte liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
Als Leitungsgremien im Wissenschaftsbereich wird die jeweils oberste
Leitungsebene verstanden. Nach Kenntnis der Bundesregierung werden sämtliche
Universitäten und Hochschulen des Bundes sowie die
Ressortforschungseinrichtungen des Bundes derzeit von in Westdeutschland geborenen Personen
geleitet.
Der Bundesregierung liegen darüber hinaus keine Informationen zu den
außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Hochschulen vor. Hochschulen
fallen in den Zuständigkeitsbereich der Länder.
3. Wie hoch ist der Anteil Ostdeutscher in den Bundesbehörden, deren
Hauptstandorte in den ostdeutschen Bundesländern liegen?
Der Anteil von in Ostdeutschland geborenen Beschäftigten der
Bundesbehörden mit Hauptsitz in den ostdeutschen Bundesländern beträgt 45,6 Prozent.
4. Wie viele Bundesunternehmen, Bundesbehörden und
Bundeseinrichtungen sind in den ostdeutschen Bundesländern angesiedelt, und wie hoch
ist damit der Anteil an Bundesunternehmen, Bundesbehörden und
Bundeseinrichtungen in Ostdeutschland an der Gesamtheit der
Bundesunternehmen, Bundesbehörden und Bundeseinrichtungen auf dem
Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland?
Die erbetenen Angaben zu Bundesunternehmen sind im Beteiligungsbericht
des Bundes 2024 unter dem Link
www.bundesfinanzministerium.de/Content/D
E/Downloads/Broschueren_Bestellservice/beteiligungsbericht-des-bundes-202
4.html abrufbar. Angaben zum Sitz der Bundesbehörden und
Bundeseinrichtungen nach Bundesländern sind auf dem Portal SERVICE.BUND.DE unter dem
Link
www.service.bund.de/Content/DE/Behoerden/Suche/Formular.html?vie
w=processForm&nn=4641514 abrufbar.
Hinweis: Unter den auf dem Portal SERVICE.BUND.DE aufgeführten
Einrichtungen finden sich auch solche, die – insbesondere im Geschäftsbereich des
BMFTR – nicht unter den Behördenbegriff im engeren Sinne fallen. Für
bestimmte vom Bund (mit-)geförderte wissenschaftliche Einrichtungen kann
ergänzend der Bundesbericht Forschung und Innovation herangezogen werden:
www.bundesbericht-forschung-innovation.de/.
5. Wie viele Bundesunternehmen, Bundesbehörden und
Bundeseinrichtungen mit Sitz in Ostdeutschland werden von Ostdeutschen geleitet (Stand:
2025 und bitte nach Bundesländern sowohl hinsichtlich des Standortes
und der Herkunft der leitenden Beamtinnen und Beamten bzw. der
Leitungen aufschlüsseln)?
Analog zu Frage 3 wird unter dem Sitz einer Bundesbehörde deren Hauptsitz
verstanden. Die Angaben zu Bundesunternehmen beziehen sich ausschließlich
auf solche mit einer Mehrheitsbeteiligung des Bundes. Bei Unternehmen, an
denen der Bund lediglich mit einem Minderheitsanteil beteiligt ist, liegt die
Verantwortung für die Besetzung von Leitungsfunktionen außerhalb des
Zuständigkeitsbereichs der Bundesregierung. Insgesamt werden 8 Behörden mit
Hauptsitz in Ostdeutschland von 9 Ostdeutschen geleitet.
Die folgende Übersicht zeigt Bundesinstitutionen mit Sitz in Ostdeutschland,
die im Jahr 2025 von gebürtigen Ostdeutschen geleitet werden.
Einrichtungstyp Hauptsitz (ostdeutsches Bundesland) Leitung durch gebürtige Ostdeutsche
1 Oberste Bundesbehörde Berlin 1 Ministerin
1 Obere Bundesbehörde Berlin 1 Leitungsperson
2 Bundesunternehmen Berlin 2 Leitungspersonen
1 Bundesunternehmen Brandenburg 1 Leitungsperson
1 Bundesunternehmen Mecklenburg-Vorpommern 1 Leitungsperson
1 Bundesunternehmen Sachsen 2 Leitungspersonen
1 Bundesunternehmen Sachsen-Anhalt 1 Leitungsperson
6. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil von
Ostdeutschen in Vorständen, Geschäftsführungen, Aufsichts- und
Verwaltungsräten der deutschen Dax-notierten Konzerne und Unternehmen bundesweit
und separiert davon in Dependancen derselben Konzerne und
Unternehmen in den ostdeutschen Bundesländern?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.
7. Wie viele Beschäftigte hat die Deutsche Bahn AG inklusive aller
Tochtergesellschaften zurzeit pro Bundesland (bitte auch nach Beschäftigten
pro 1 000 Einwohnern des jeweiligen Bundeslandes aufschlüsseln)?
Es wird auf die tabellarische Auflistung in der Anlage* zu Frage 7 verwiesen.
8. Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie viele Beschäftigte die
Deutsche Telekom AG inklusive aller Tochtergesellschaften zurzeit
jeweils pro Bundesland hat (wenn ja, bitte nach Beschäftigten pro 1 000
Einwohnern des jeweiligen Bundeslandes aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Angaben vor. Eingeschränkte
Angaben zu Beschäftigten (in rechnerischen Vollbeschäftigtenäquivalenten FTE)
können dem von der Deutschen Telekom AG veröffentlichten HR Factbook
2024 entnommen werden (
https://bericht.telekom.com/hr-factbook/2024/_asset
s/downloads/entire-dtag-hrfb24.pdf).
9. Wie viele Beschäftigte haben alle anderen ganz oder teilweise im
Bundesbesitz (mittelbar oder unmittelbar) befindlichen Unternehmen
inklusive aller Tochtergesellschaften entsprechend der Auflistung im
Bundesbeteiligungsbericht zurzeit jeweils pro Bundesland (bitte auch nach
Beschäftigten pro 1000 Einwohnern des jeweiligen Bundeslandes
aufschlüsseln)?
Es wird auf die tabellarische Auflistung in der Anlage* zu Frage 9 verwiesen.
Hinweise: In den Spalten G bis V ist die von den Ressorts zurückgemeldete,
aktuelle Beschäftigtenzahl (Köpfe) je unmittelbarer Mehrheitsbeteiligung des
Bundes (Auflistung der Beteiligungen gemäß Stand Beteiligungsbericht 2024)
je Bundesland aufgeführt.
In der Zeile 58 und in der Spalte W sind die jeweiligen Summen berechnet.
In der Spalte B ist der Status der Ressort-Antworten dokumentiert.
In den Spalten C bis F stehen die jeweiligen Informationen zu Rechtsform,
Wirtschaftsbereich, zuständigem Ressort und Anteil des Bundes in Prozent.
Hinweis zur Gewichtung je 1 000 Bundesland-Einwohner: Die
Einwohnerzahlen der Bundesländer sind auf dem folgenden Link öffentlich zugänglich
abrufbar und die Quote damit rechnerisch ermittelbar:
www.statistikportal.de/de/bev
oelkerung/flaeche-und-bevoelkerung.
10. Wie viele Leiterinnen und Leiter sowie stellvertretende Leiterinnen und
Leiter der 227 deutschen Auslandsvertretungen und der 151 Standorte
des Goethe-Instituts e. V. sind in dem Gebiet der neuen Bundesländer
(einschließlich Ost-Berlin) geboren?
Das Auswärtige Amt unterhält derzeit 222 deutsche Auslandsvertretungen. Von
den Leiterinnen und Leitern sind 24 in Ostdeutschland geboren, von den
stellvertretenden Leiterinnen und Leitern 17.
Von den aktuell 150 Standorten des Goethe-Instituts sind 138 Präsenzen im
Ausland. Davon sind 12 Verbundinstitute (zwei Standorte werden von einer
Leitung betreut), bei 7 Standorten sind die Leitungen nicht besetzt, bei
11 Standorten obliegt die Leitung lokal Beschäftigten Personen. Von den
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 21/727 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
114 verbliebenen Standorten werden 8 von Personen geleitet, deren Geburtsort
in Ostdeutschland liegt.
Von den 12 Inlandsinstituten wird eines von einer Person mit Geburtsort in
Ostdeutschland geleitet.
11. Welche Maßnahmen haben die Bundesregierungen seit 2020 in Angriff
genommen, um eine Ausweitung der Förderung Ostdeutscher in der
Begabtenförderung zu initiieren, entsprechend finanziell auszustatten und
zu verstetigen?
Der Bund und die 16 Länder finanzieren gemeinsam die bundesweit agierende
Studienstiftung des deutschen Volkes e. V. Ihr Ziel ist es, möglichst unabhängig
von Herkunft jeglicher Art ein breites Spektrum an Bewerbungen von
besonders leistungsfähigen und engagierten Personen zu erhalten. Ein Fokus liegt
hierbei darauf, wie die Bewerberlage in Ostdeutschland verbessert werden
kann.
Zu den einschlägigen Aktivitäten gehören u. a. regelmäßige Auftritte bei
Studienmessen, jährliche Anschreiben an Schulleitungen und Hochschulleitungen,
der Besuch von Schulrektorenkonferenzen und der Austausch mit Kultus- und
Wissenschaftsministern ostdeutscher Länder. Im Oktober 2022 führte die
Studienstiftung zudem eine dreitägige Tagung in Halle an der Saale zur
Begabtenförderung in den ostdeutschen Bundesländern durch.
Die Bemühungen haben Erfolg: Während unter allen Studierenden an
deutschen Hochschulen im Wintersemester 2023 9,3 Prozent ihre
Hochschulzugangsberechtigung in einem der fünf ostdeutschen Flächenländer erworben
haben, lag dieser Anteil unter den Neuaufnahmen der Studienstiftung 2024 bei
9,9 Prozent, also etwas über dem zu erwartenden Wert.
12. Arbeitet die Bundesregierung an der Einrichtung eines
„Begabtenförderungswerks Ostdeutschland“, wenn ja, seit wann, und wenn nein, warum
nicht?
Für die Antwort wird auf die ausführliche Stellungnahme der Bundesregierung
auf den Abschlussbericht der Arbeitsgruppe „Zukunftszentrum für Europäische
Transformation und Deutsche Einheit“ sowie zu den Handlungsempfehlungen
der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ auf
Bundestagsdrucksache 19/31837 verwiesen. Demnach fällt die Errichtung und
Finanzierung eines regionalen Begabtenförderungswerkes in den
Kompetenzbereich der Länder. Der Bund hat keine verfassungsrechtliche Zuständigkeit für
eine rein regionale Begabtenförderung.
13. Welche Maßnahmen haben die Bundesregierungen seit 2020 in Angriff
genommen, um über eine gezielte Strukturförderung zur Stärkung
demokratischer Institutionen beizutragen und Prozesse zum Abbau von
Teilhabenachteilen in den ostdeutschen Bundesländern auf diese Weise zu
befördern?
Die Berichte der Bundesregierung zum Stand der deutschen Einheit und zur
Entwicklung der ländlichen Räume sowie die Zwischenbilanz der Politik für
gleichwertige Lebensverhältnisse und der Gleichwertigkeitsbericht stellen die
bundespolitischen Maßnahmen zur Stärkung strukturschwacher Regionen und
demokratischer Institutionen umfassend dar. Eine strukturpolitische
Maßnahme, die auch zur besseren Repräsentation von Ostdeutschen in
Führungspositionen beitragen kann, ist bspw. die gezielte Ansiedlung von neuen
Bundesbehörden bzw. der Erweiterung von Standorten bereits bestehender
Bundesbehörden und -einrichtungen in den ostdeutschen Bundesländern. Dazu bekannte
sich die Bundesregierung im Kabinettbeschluss vom Juni 2024, in dem das
„Konzept zur Ansiedlung von Bundesbehörden und außeruniversitären
Forschungseinrichtungen in strukturschwachen Regionen“ verabschiedet wurde. In
diesem sollen insbesondere strukturschwache Regionen gestärkt und
Arbeitsplätze sowie Karrierechancen für die Menschen vor Ort geschaffen werden.
14. Plant die Bundesregierung unter der im Bundesministerium der Finanzen
(BMF) angesiedelten Staatsministerin und Beauftragten der
Bundesregierung für Ostdeutschland, Elisabeth Kaiser,
a) eine umfassende Neubewertung der Politik der Treuhand-Anstalt
(THA) und der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte
Sonderaufgaben (BvS) der Jahre 1990 bis 2000 unter besonderer
Berücksichtigung des Gleichstellungsgrundsatzes von Ost- und Westdeutschen
nach Artikel 72 Absatz 2 GG, wenn ja, wann, und wenn nein, warum
nicht,
Die Aufgaben der Treuhandanstalt wurden von der frei gewählten
Volkskammer der ehemaligen DDR am 17. Juni 1990 per Gesetz festgelegt. Die
Herausforderungen waren enorm und es gab keinen vorbereiteten Masterplan zur
Transformation zur Marktwirtschaft. Die Kombinate und Unternehmen in der
DDR waren jahrzehntelang durch Planwirtschaft und staatliche Einflussnahme
geprägt. Strukturen mit ineffizienten Produktionsprozessen und hohen Kosten
hatten sich entwickelt, die Produktionsanlagen waren stark veraltet.
Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat bereits in den vergangenen
Jahren die Aufarbeitung der Geschichte der Treuhandanstalt durch finanzielle
Förderung des „Forschungsprojekts zur Aufarbeitung der Geschichte der
Treuhandanstalt“ (Forschungsprojekt) des Instituts für Zeitgeschichte München-
Berlin (IfZ), einer außeruniversitären Forschungseinrichtung der Leibnitz-
Gemeinschaft, im Wege einer Zuwendung zur Projektförderung unterstützt.
Das IfZ untersuchte in den Jahren 2017 bis 2021 anhand von Primärquellen die
Struktur und Arbeitsweise sowie die Wahrnehmung und Stellung der
Treuhandanstalt zur Zeit der Wiedervereinigung.
Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden sowohl politik- und
kulturgeschichtliche als auch wirtschafts- und sozialhistorische Fragestellungen
wissenschaftlich und empirisch fundiert untersucht. Ziel war es, einen Beitrag zur
Historisierung der Treuhandanstalt und zur Versachlichung der Debatte zu leisten.
Dabei richtete sich die Forschungsarbeit im Wesentlichen auf die Auswertung
des Archivgutes der Treuhandanstalt und anderer Beteiligter, die bislang nicht
öffentlich zugänglich waren.
Das Forschungsprojekt wurde durch das BMF finanziell gefördert, jedoch nicht
im Auftrag des BMF durchgeführt. Es handelt sich vielmehr um ein
eigenständiges Forschungsprojekt des IfZ.
Neben einem Eigenanteil des IfZ in Höhe von rund 20 Prozent erfolgte die
Finanzierung des Forschungsprojektes in Höhe von rund 80 Prozent durch eine
Förderung des Bundes. Das BMF hat für das Forschungsprojekt insgesamt rund
2,8 Mio. Euro aus dem Bundeshaushalt bereitgestellt.
Die Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden in den Jahren 2022 bis 2024 in
der Buchreihe „Studien zur Geschichte der Treuhandanstalt“ im Verlag Ch.
Links veröffentlicht und bei öffentlichen Veranstaltungen vorgestellt. Auch der
damalige Ostbeauftragte und Staatsminister Carsten Schneider nahm an zwei
dieser Veranstaltungen auf dem Podium teil.
Des Weiteren gibt es neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung zahlreiche
Projekte zur Aufarbeitung der Treuhandanstalt, die sich an ein breites Publikum
richten, wie z. B. das Grimme Online Award nominierte Projekt der
Bundesstiftung Aufarbeitung in Zusammenarbeit mit dem Mitteldeutschen Rundfunk
„Treuhandanstalt online“ (
https://treuhandanstalt.online/).
b) eine umfassende Neubewertung der früheren DDR-Arbeits-, Familien-
und Jugendgesetzgebung sowie der dortigen Kulturvermittlung nach
Artikel 18 der Verfassung der DDR von 1968 unter besonderer
Berücksichtigung des Gleichstellungsgrundsatzes von Ost- und
Westdeutschen nach Artikel 72 Absatz 2 GG, wenn ja, wann, und wenn
nein, warum nicht?
Die Gesetzgebung der DDR-Verfassung wurde im Rahmen der Deutschen
Einheit bewertet: Die Deutsche Einheit wurde sowohl von ost- als auch
westdeutscher Seite von demokratisch durch Wahlen legitimierten Regierungen
verhandelt und demokratisch legitimierten Parlamenten beschlossen. Der
Einigungsvertrag, offiziell als Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der
Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit
Deutschlands bekannt, wurde am 31. August 1990 unterzeichnet und regelte den
Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland.
Die erste Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zur Aufarbeitung
von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur wurde im März 1992
eingerichtet. Eine gemeinsame Verfassungskommission von Bundestag und Bundesrat
beriet nochmals 1992/1993, wie das Grundgesetz an die neuen Gegebenheiten
nach der Vereinigung angepasst werden sollte.
Die Ostbeauftragte wird das 35. Jubiläum von Vereinigung und Beitritt zum
Grundgesetz 2025 nutzen, um die deutsch-deutsche Geschichte in den Fokus
öffentlicher Aufmerksamkeit zu tragen. Insbesondere der Bericht der
Ostbeauftragten 2025 wird sich diesem Fokus widmen.
Bundesländer
Anzahl der Mitarbeitenden im
Bundesland (31.05.2025)
Anzahl der Einwohner
(Dezember 2023)*
Anzahl der Mitarbeitenden pro
1.000 Einwohnern
Baden-Württemberg 21.643 11.230.740 1,9
Bayern 30.694 13.176.426 2,3
Berlin 24.739 3.662.381 6,8
Brandenburg 6.760 2.554.464 2,6
Bremen 2.150 702.655 3,1
Hamburg 9.722 1.851.596 5,3
Hessen 32.736 6.267.546 5,2
Mecklenburg-Vorpommern 3.650 1.578.041 2,3
Niedersachsen 12.930 8.008.135 1,6
Nordrhein-Westfalen 31.878 18.017.520 1,8
Rheinland-Pfalz 7.430 4.125.163 1,8
Saarland 1.857 1.014.047 1,8
Sachsen 12.750 4.054.689 3,1
Sachsen-Anhalt 7.035 2.144.570 3,3
Schleswig-Holstein 4.079 2.953.202 1,4
Thüringen 3.983 2.114.870 1,9
Summe 214.036 83.456.045 2,6
Ausland** 1.664
Andere Systeme *** 4.170
Deutschland 219.870 83.456.045
* Quelle: Statistisches Bundesamt |
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/71085/umfrage/verteilung-der-einwohnerzahl-nach-bundeslaendern/ (12411-0010)
** hierunter i. W. Mitarbeiterende, die im einen Arbeitsort im grenznahen Raum haben (z.B. Basel Schweiz) oder die für Projekte ins Ausland entsandt wurden
*** Verbuchung in anderen Personalsystemen
Unternehmen Rechtsform Wirtschaftsbereich Ressort Anteil
%
Bund
BW BY BE BB HB HH HE MV NI NW RP SL SN ST SH TH Sum
m
e
Zentrum für Internationale
Friedenseinsätze gGmbH (ZIF) gGmbH Entwicklungspolitik AA 100 1 70 1 72
Kulturveranstaltungen des Bundes
in Berlin GmbH GmbH Kultur BKM 100 578 578
Kunst- und Ausstellungshalle der
Bundesrepublik Deutschland
GmbH GmbH Kultur BKM 60,98 111 111
Transit-Film-Gesellschaft mbH GmbH Kultur BKM 100 1 1
CISPA - Helmholtz-Zentrum für
Informationssicherheit gGmbH GmbH Wissenschaft BMFTR 90 13 8 654 675
Deutsches Zentrum für Hochschul-
und Wissenschaftsforschung
GmbH GmbH Wissenschaft BMFTR 70,37 29 169 198
Forschungszentrum Jülich GmbH GmbH Wissenschaft BMFTR 90 1 302 551 54 6.722 7.630
Futurium gGmbH gGmbH Wissenschaft BMFTR 88 81 81
GSI Helmholtzzentrum für
Schwerionenforschung GmbH GmbH Wissenschaft BMFTR 90 1.473 26 36 75 1.610
Helmholtz Zentrum München
Deutsches Forschungszentrum für
Gesundheit und Umwelt (GmbH) GmbH Wissenschaft BMFTR 90 42 2.393 120 2.555
Helmholtz-Zentrum Berlin für
Materialien und Energie
Gesellschaft mit beschränkter
Haftung GmbH Wissenschaft BMFTR 90 1.342 41 1.383
Helmholtz-Zentrum für
Infektionsforschung GmbH GmbH Wissenschaft BMFTR 90 61 5 83 740 221 1.110
Helmholtz-Zentrum für
Umweltforschung GmbH - UFZ GmbH Wissenschaft BMFTR 90 1 1 1.009 221 1.232
Helmholtz-Zentrum hereon GmbH GmbH Wissenschaft BMFTR 70,62 16 3 48 135 755 957
SPRIND GmbH GmbH Wissenschaft BMFTR 100 146 146
Wissenschaftszentrum Berlin für
Sozialforschung gGmbH GmbH Wissenschaft BMFTR 75 430 430
Deutsche Bahn AG AG Infrastruktur BMV 100 0
DFS Deutsche Flugsicherung
GmbH GmbH Infrastruktur BMV 100 796 590 170 496 57 3.296 45 183 108 4 5.745
Die Autobahn GmbH des Bundes GmbH Infrastruktur BMV 100 1.060 2.530 755 698 32 406 1.055 286 1.290 2.732 821 234 443 561 330 279 13.512
Fluko Flughafenkoordination
Deutschland GmbH GmbH Infrastruktur BMV 100 14 14
Unternehmen Rechtsform Wirtschaftsbereich Ressort Anteil
%
Bund
BW BY BE BB HB HH HE MV NI NW RP SL SN ST SH TH Sum
m
e
NOW GmbH Nationale
Organisation Wasserstoff- und
Brennstoffzellentechnologie GmbH Wirtschaftsförderung BMV 100 200 200
Toll Collect GmbH (inkl.
Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft
mbH - MIG) GmbH Infrastruktur BMV 100 3 5 701 8 8 8 57 790
DBFZ Deutsches
Biomasseforschungszentrum
gGmbH gGmbH Wissenschaft BMELH 100 262 262
Bundesdruckerei Gruppe GmbH GmbH
Effizienzsteigerung
und Abwicklung BMF 100 9 9
Bundesrepublik Deutschland -
Finanzagentur GmbH GmbH
Effizienzsteigerung
und Abwicklung BMF 100 242 242
EWN Entsorgungswerk für
Nuklearanlagen GmbH (EWN
GmbH) GmbH Wissenschaft BMF 100 139 964 1.103
Lausitzer und Mitteldeutsche
Bergbau-Verwaltungsgesellschaft
mbH GmbH Infrastruktur BMF 100 23 462 233 24 62 804
UBG Uniper Beteiligungsholding
GmbH GmbH Infrastruktur BMF 100 0
VEBEG GmbH GmbH
Effizienzsteigerung
und Abwicklung BMF 100 4 44 48
gematik GmbH GmbH Infrastruktur BMG 51 547 547
DigitalService GmbH des Bundes GmbH
Effizienzsteigerung
und Abwicklung BMI 100 206 206
Sachverständigenrat für
Integration und Migration (SVR)
gGmbH gGmbH Wissenschaft BMI 100 27 27
Zentrum für digitale Souveränität
in der Öffentlichen Verwaltung
(ZenDiS) GmbH GmbH
Effizienzsteigerung
und Abwicklung BMI 100 26 26
juris GmbH Juristisches
Informationssystem für die
Bundesrepublik Deutschland GmbH
Effizienzsteigerung
und Abwicklung BMJV 50,01 6 23 168 197
BGZ Gesellschaft für
Zwischenlagerung mbH GmbH Wirtschaftsförderung BMUKN 100 66 80 44 36 135 314 71 746
Bundesgesellschaft für
Endlagerung mbH (BGE) GmbH Wirtschaftsförderung BMUKN 100 6 7 20 8 4 4 12 5 1.865 60 3 17 292 5 34 2.342
Zukunft - Umwelt - Gesellschaft
(ZUG) gGmbH gGmbH Wirtschaftsförderung BMUKN 100 888 101 55 1.044
Unternehmen Rechtsform Wirtschaftsbereich Ressort Anteil
%
Bund
BW BY BE BB HB HH HE MV NI NW RP SL SN ST SH TH Sum
m
e
Agentur für Innovation in der
Cybersicherheit GmbH GmbH Wissenschaft BMVg 100 1 1 1 4 98 105
Bw Bekleidungsmanagement
GmbH GmbH Verteidigung BMVg 100 95 235 25 29 12 22 21 46 291 494 144 27 98 88 144 41 1.812
BwConsulting GmbH GmbH Verteidigung BMVg 100 72 129 201
BwFuhrparkService GmbH GmbH Verteidigung BMVg 75,10 8 77 346 5 3 53 21 51 383 34 1 22 4 19 6 1.033
BWI GmbH GmbH Verteidigung BMVg 100 155 1.672 536 207 1 156 306 95 368 3.343 223 7 233 20 56 60 7.438
Fernleitungs-Betriebsgesellschaft
mbH GmbH Verteidigung BMVg 51 68 12 11 23 83 141 13 351
GEKA Gesellschaft zur Entsorgung
von chemischen Kampfstoffen und
Rüstungsaltlasten mbH GmbH Verteidigung BMVg 100 169 169
HIL Heeresinstandsetzungslogistik
GmbH GmbH Verteidigung BMVg 100 122 211 280 202 68 189 710 79 330 41 36 31 156 2.455
Deutsche Energie-Agentur GmbH
(dena), Berlin GmbH Wirtschaftsförderung BMWE 50,01 596 30 626
Deutsche Energy Terminal GmbH GmbH Infrastruktur BMWE 100 25 25
Germany Trade and Invest -
Gesellschaft für Außenwirtschaft
und Standortmarketing mbH
(GTAI) GmbH Wirtschaftsförderung BMWE 100 143 143 286
SEEHG Securing Energy for Europe
Holding GmbH GmbH Infrastruktur BMWE 100 2 270 23 917 20 51 19 14 10 1.326
WIK Wissenschaftliches Institut
für Infrastruktur und
Kommunikationsdienste GmbH GmbH Wissenschaft BMWE 100 60 60
Wismut GmbH GmbH
Effizienzsteigerung
und Abwicklung BMWE 100 414 362 776
Deutsche Gesellschaft für
Internationale Zusammenarbeit
GmbH GmbH Entwicklungspolitik BMZ 100
55 756 23 3.424 2.321 9
6.588
Deutsches Evaluierungsinstitut der
Entwicklungszusammenarbeit
(DEval) gGmbH gGmbH Entwicklungspolitik BMZ 100 1 1 2 1 1 104 6 1 117
Engagement Global gGmbH gGmbH Entwicklungspolitik BMZ 100 7 59 5 4 721 6 802
German Institute of Development
and Sustainability (IDOS) gGmbH gGmbH Entwicklungspolitik BMZ 75 2 1 3 1 1 5 1 155 8 1 178
Summe 2432 8.253 9.493 2.010 545 818 11.139 1.642 5.409 18.937 1.495 1.875 2.962 1.417 1.486 1.068 70.981
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ISSN 0722-8333