Deutscher Bundestag Drucksache 21/2446
21. Wahlperiode 28.10.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Edgar Naujok, Ruben Rupp, Robin
Jünger, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/1997 –
Bedeutung der Halbleiterindustrie für Deutschlands wirtschaftliche und
sicherheitspolitische Souveränität
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Mikrochips stellen eine der zentralen Schlüsseltechnologien des 21.
Jahrhunderts dar. Ihre Verfügbarkeit ist nicht allein für zivile Anwendungen
entscheidend, sondern auch für militärische Fähigkeiten, Nachrichtendienste und
strategische Autonomie. Eine besondere Bedeutung haben hierbei hinsichtlich der
Innovationskraft Sub-5-Nanometer-Chips (Chips mit weniger als 5 Nanometer
Größe) erlangt (vgl.
www.elektronikpraxis.de/spanien-will-sub-5-nm-chips-fe
rtigen-a-58a23d831a3d99442b4dc617886f939a/,
https://winfuture.de/news,14
3732.html). Ein wesentliches Verfahren stellt die Extrem-Ultraviolett-
Lithografie (EUV-Lithografie) dar, auf welche Chiphersteller angewiesen sind
(
www.wired.com/story/asml-extreme-ultraviolet-lithography-chips-
mooreslaw/). In der Halbleiterproduktion sind v. a. hochreines Silizium sowie weitere
Spezialchemikalien erforderliche Rohstoffe (
https://si-electronics.com/de/vo
m-sand-zum-mikrochip/,
https://alliancechemical.com/blogs/articles/high-puri
ty-chemicals-in-semiconductor-fabrication-how-sulfuric-acid-nitric-acid-and-a
mmonium-hydroxide-power-advanced-electronics?srsltid=AfmBOorl7XYGE
1QEd18hr3fQtEICS88aUuTrg14uyGG4WrvBm6GNHdt4).
Zum 21. September 2023 trat das Europäische Chip-Gesetz in Kraft, in
welchem sich u. a. zum Ziel gesetzt wurde, die Produktionskapazität im Bereich
der Halbleitertechnologien innerhalb der EU signifikant zu erhöhen (
www.eur
oparl.europa.eu/topics/en/article/20230210STO74502/chips-act-the-eu-s-
planto-overcome-semiconductor-shortage). In ihrem Koalitionsvertrag haben
CDU, CSU und SPD das Ziel festgehalten, den Aufbau robuster
Wertschöpfungsketten u. a. im Bereich der Chip- und Halbleitertechnik aufbauen zu
wollen (
www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/
koav_2025.pdf, S. 68).
Während die USA und asiatische Staaten mit erheblichen Investitions- und
Industrieprogrammen die eigene Chipproduktion ausbauen, droht Deutschland –
Die an den Deutschen Bundestag übermittelte Ursprungsdatei ermöglicht keine Weiterverarbeitung zu einer
barrierefreien Bundestagsdrucksache.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
22. Oktober 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
eingebettet in eine weitgehend von Brüssel regulierte EU-Industriestrategie –
auch nach Ansicht der Fragesteller, den Anschluss bei Spitzentechnologien zu
verlieren (
www.wiwo.de/politik/europa/wachstum-in-europa-draghi-ohne-ans
chluss-an-spitzentechnologien-verliert-europa-seine-macht/100150747.html).
Ende Juli 2025 äußerte Prof. Dr. Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts
für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) u. a. eine deutliche Kritik an der
Subventionspolitik der Bundesregierung: „Da braucht man keine riesigen
Subventionen, da muss man einfach die Verfahren verbessern“ (
www.mdr.de/nachric
hten/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/intel-absage-einschaetzung-iwh-re
int-gropp-102.html). Ebenso empfahl er, den Fokus in diesem Kontext gerade
auch auf kleinere Unternehmen zu lenken (ebd.).
Aktuelle Entwicklungen wie gerade der Rückzug von Intel aus dem geplanten
Werk in Magdeburg (
www.faz.net/aktuell/politik/inland/intel-aus-in-magdebur
g-die-naechste-subventionspleite-110614804.html) – zuvor verbunden mit
einer Subventionszusage der Bundesregierung in Höhe von 9,9 Mrd. Euro
(
www.deutschlandfunk.de/intel-fabrik-chips-subventionen-magdeburg-10
0.html) – und langwierige Genehmigungsverfahren werfen bei den
Fragestellern Fragen zur Handlungsfähigkeit der Bundesregierung wie auch zur
Innovationsfähigkeit des Standortes Deutschland auf. Zugleich stellt sich ihnen die
Frage, welche konkrete Bedeutung die Bundesregierung der
Halbleiterindustrie für die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Souveränität Deutschlands
beimisst.
1. Welche strategische Bedeutung misst die Bundesregierung der
Halbleiterproduktion in Deutschland und Europa für die wirtschaftliche und
sicherheitspolitische Souveränität bei?
Die Bundesregierung misst der Halbleiterproduktion in Deutschland und
Europa eine hohe Bedeutung für die wirtschaftliche und sicherheitspolitische
Souveränität bei. Aus diesem Grund ist der Bereich Mikroelektronik seit Ende des
letzten Jahrzehnts ein Förderschwerpunkt in der Innovations- und
Investitionsförderung. Aus demselben Grund hat die Bundesregierung am 15. Oktober
2025 eine Mikroelektronik-Strategie beschlossen, mit der erstmals ein
strategischer Handlungsrahmen für den Bereich der Mikroelektronik geschaffen
wird.
2. Hat die Bundesregierung seit 2022 konkrete Maßnahmen ergriffen, um
eine eigenständige Produktion von Sub-5-Nanometer-Chips in
Deutschland aufzubauen, wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?
Die Bundesregierung steht seit mehreren Jahren im Austausch mit industriellen
Stakeholdern hinsichtlich der Etablierung einer Produktion von sog. Leading-
Edge-Fabrikation in Deutschland.
3. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den derzeitigen
Weltmarktanteil Deutschlands bei Sub-5-Nanometer-Chips vor?
Es gibt derzeit keine Fertigung für Sub-5-Nanometer-Chips in Deutschland,
folglich ist der Marktanteil nicht-existent.
4. Welche Fördermittel wurden seit Inkrafttreten des European Chips Act
von 2023 in Deutschland für Forschung, Entwicklung und Produktion
von Halbleitern bereitgestellt (bitte nach Jahr, Förderprogramm,
Fördersumme und Projekt aufschlüsseln)?
Die Beantwortung von Frage 4 erfolgt gemeinsam durch das
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und das
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE). Hierzu wird auf die Anlage 1
(BMFTR) sowie auf die Anlage 2 (BMWE) verwiesen.*
5. Wie viele Fachkräfte arbeiten nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell
in Deutschland sowie in der Europäischen Union im Bereich
Mikroelektronik (bitte nach den Bereichen Produktion sowie Forschung und
Entwicklung aufschlüsseln)?
Lt. dem Report „Skills Strategy 2024“ der European Chips Skills Academy
(ECSA) waren im Jahr 2023 rund 328.000 Beschäftigte in der Mikroelektronik
in der Europäischen Union (EU) tätig. Es wird erwartet, dass der
Fachkräftebedarf im Mikroelektronik-Sektor in der EU bis 2030 auf rund 538.000 Personen
ansteigen wird. Dabei hat Deutschland, als größter Mikroelektronik-Standort in
der EU, einen maßgeblichen Anteil. Alleine im sog. Silicon Saxony arbeiten
aktuell rund 81.000 Personen (2025) in der Mikroelektronik-Branche (vgl:
https://chipsacademy.eu/wp-content/uploads/2024/11/ECSA-Skills-Strategy-20
24.pdf).
Der Bundesregierung liegen mit der Statistik der Bundesagentur für Arbeit
Zahlen mit Stichtag 31. August 2023 vor. Insoweit wird auf die Anlage 3
verwiesen.*
6. Welche Standortkriterien – wie z. B. Energieversorgung,
Fachkräfteverfügbarkeit und regionale Infrastruktur – legt die Bundesregierung bei der
Förderung von Halbleiter- und Chipprojekten zugrunde?
Die Bundesregierung sieht bei der Förderung von Halbleiter- und
Chipprojekten keine Differenzierung nach Standort- oder regionalpolitischen Kriterien vor,
da – entsprechend der üblichen Förderpraxis – grundsätzlich alle Bundesländer,
Regionen und Standorte gleichbehandelt werden. Die Bundesregierung prüft
allerdings im Rahmen der üblichen Weiterverfolgungsprozesse (nach
Bewerbung auf eine Förderung, jedoch vor Bewilligung) die Plausibilität der
Projektdurchführung.
7. Welche Gründe liegen nach Kenntnis der Bundesregierung für das
Scheitern des geplanten Intel-Werkes in Magdeburg vor?
Die Bundesregierung sieht für die Absage der Intel-Investition in Magdeburg
vor allem betriebswirtschaftliche Gründe im Unternehmen – insbesondere die
ungünstige Entwicklung der Nachfrage nach Intel-Produkten. So hat der Intel-
CEO Lip-Bu Tan am 24. Juli 2025 als Begründung ausgeführt: „Over the past
several years, the company invested too much, too soon – without adequate
demand. In the process, our factory footprint became needlessly fragmented and
underutilized. We must correct our course. […] With that in mind, we have
decided not to move forward with previously planned projects in Germany and
Poland.“ (vgl.
https://newsroom.intel.com/corporate/lip-bu-tan-steps-in-the-rig
ht-direction).
* Von einer Drucklegung der Anlagen wird abgesehen. Diese sind auf Bundestagsdrucksache 21/2446 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
8. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus dem
Scheitern des geplanten Intel-Werkes in Magdeburg – gerade in Bezug auf die
Subventionspolitik, Wirkungsabschätzung und Sicherheit von
Steuerinvestitionen?
Die Bundesregierung prüft jeden Sachverhalt sehr genau und analysiert
Zwischenschritte, Ergebnisse, aber auch den Fall Intel sehr genau. Großvorhaben
sind durch Besicherungspflichten und Rückforderungssysteme abgesichert. Wie
in der Antwort zu Frage 1 ausgeführt, misst die Bundesregierung der
Halbleiterproduktion in Deutschland und Europa eine hohe Bedeutung für die
wirtschaftliche und sicherheitspolitische Souveränität bei.
9. Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen des Scheiterns des
geplanten Intel-Werkes in Magdeburg im Hinblick auf die
Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit Deutschlands als Industriestandort gegenüber
internationalen Investoren?
Da die Gründe der Absage vor allem betriebswirtschaftlicher Art sind, sind sie
nach hiesiger Einschätzung nicht auf Seiten der Bundesregierung zu verorten
(siehe Antwort zu Frage 7). Die Bundesregierung wie auch die
Landesregierungen arbeiten gemeinsam an einer Stärkung des Standorts Deutschland und
ordnen den Standort Deutschland als einen sehr attraktiven und verlässlichen
Standort für internationale Investoren ein.
10. Hat die Bundesregierung die Einschätzung des IWH-Präsidenten Prof.
Dr. Reint Gropp, dass die geplante Förderung der Intel-Ansiedlung in
Magdeburg eine fehlgeleitete Subventionspolitik darstellte, zur Kenntnis
genommen, und wenn ja, welche Schlussfolgerungen zieht sie ggf.
daraus – insbesondere angesichts der ausgesprochenen Empfehlung, den
Blick auch auf kleinere Unternehmen zu richten?
Die Bundesregierung hat die Einschätzung zur Kenntnis genommen. Sie ist –
ebenso wie die weiteren zahlreichen Wortmeldungen und Beiträge der
Fachwelt und Stakeholder – in die Erstellung der am 15. Oktober 2025
beschlossenen Mikroelektronik-Strategie eingeflossen.
11. Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen des Scheiterns des
Intel-Werkes in Magdeburg im Hinblick auf die Zielsetzung des
Europäischen Chip-Gesetzes, die Produktionskapazität im Bereich der
Halbleiterproduktion signifikant zu erhöhen?
Die Absage Intels hat eine Auswirkung auf die Zielsetzung des Europäischen
Chip-Gesetzes (ECA), die Produktionskapazität im Bereich der
Halbleiterproduktion signifikant zu erhöhen, da das Intel-Werk eine signifikante Größe über
die bereits geplanten Produktionserweiterungen (z. B. Ansiedlung von TSMC
in Dresden) hinaus gehabt hätte. Die Bundesregierung ist im Übrigen der
Meinung, dass die Ziele des ECA sich vor dem Hintergrund des global sehr starken
Marktwachstums als nicht realistisch erwiesen haben. Die Bundesregierung
unterstützt daher im Kreise der 27 EU-Mitgliedstaaten eine Initiative zur
Anpassung der Ziele im Rahmen der für 2026 geplanten Überarbeitung des ECA.
12. Beabsichtigt die Bundesregierung Maßnahmen, um die
Genehmigungsverfahren für Halbleiterproduktionsstätten zu beschleunigen, wenn ja, in
welcher Weise, und innerhalb welchen Zeitraums?
Die Bundesregierung plant im Kontext ihrer Ziele des Bürokratierückbaus und
der Staatsmodernisierung Maßnahmen, die u. a. der Beschleunigung von
Genehmigungsverfahren dienen. Jüngst wurde in diesem Zusammenhang die
„Modernisierungsagenda für Staat und Verwaltung“ vom Kabinett beschlossen.
Die darin verankerten Maßnahmen haben einen Querschnittscharakter, d. h.
auch Halbleiterproduktionsstätten profitieren davon.
13. Beabsichtigt die Bundesregierung Maßnahmen, um Unternehmen der
Halbleiterbranche bei der Ausweitung ihrer Produktionskapazitäten
gezielt zu unterstützen, wenn ja, in welcher Weise, mit welchen Mitteln,
und innerhalb welchen Zeitraums?
Die Bundesregierung hat im November 2024 die „Bekanntmachung für die
Förderung von innovativen Investitionsprojekten im Rahmen des Europäischen
Chip-Gesetzes“ veröffentlicht, auf deren Grundlage aktuell eine zweistellige
Zahl von Vorhaben zur Ausweitung von Produktionskapazitäten („first of a
kind“-Vorhaben im Sinne des Europäischen Chip-Gesetzes) in der
Weiterverfolgung befindlich ist. Erste Bewilligungen sind noch im Jahr 2025 nach Erhalt
der beihilferechtlichen Genehmigungen durch die EU-Kommission geplant.
14. Welche Kooperationsprojekte im Bereich Forschung und Entwicklung
von Halbleitern bestehen derzeit zwischen Deutschland und strategischen
Partnern innerhalb und außerhalb der EU (bitte mit Partnerländern und
Projektinhalten angeben)?
Es wird auf die Anlage 4 verwiesen.*
15. Beabsichtigt die Bundesregierung gezielte Maßnahmen, um eine
Rückholung von hochqualifizierten Fachkräften aus den Bereichen Produktion
sowie Forschung und Entwicklung aus dem Ausland zu erreichen, wenn
ja, in welcher Weise, mit welchen Mitteln, und innerhalb welchen
Zeitraums?
Zum jetzigen Zeitpunkt plant die Bundesregierung keine gezielten
Maßnahmen, um eine Rückholung von hochqualifizierten Fachkräften speziell der
Halbleiterindustrie aus den Bereichen Produktion, Forschung und Entwicklung
aus dem Ausland zu erreichen. Die Bundesregierung hat verschiedene
Initiativen, um für ausländische Fachkräfte und für die Attraktivität des Standort
Deutschlands zu werben.
16. Inwieweit gibt es in der Bundesregierung ggf. Erwägungen, kritische
Halbleitertechnologien unter besondere Exportkontrollen zu stellen, um
eine technologische Abwanderung zu verhindern?
Halbleitertechnologien unterliegen Exportkontrollen. Die Exportkontrolle für
Dual-Use Güter ist in der EU-Dual-Use Verordnung (EU) 2021/821 geregelt.
Die Bundesregierung bringt sich über die internationalen Exportkontrollregime
und im Austausch mit den EU-Mitgliedstaaten in den kontinuierlich stattfind-
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 21/2446 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
enden Prozess der Aktualisierung der Listen für exportkontrollierte Güter ein.
Dies umfasst auch den Bereich der Halbleitertechnologien.
17. Beabsichtigt die Bundesregierung, Maßnahmen zu ergreifen, um
Lieferketten im Bereich Halbleiterproduktion auch im Falle globaler Krisen
funktionsfähig zu halten, wenn ja, welche, mit welchen Mitteln, und
innerhalb welchen Zeitraums?
Aus Sicht der Bundesregierung ist die europäische Ebene die richtige, um auf
Lieferkettenkrisen im Chip-Bereich zu reagieren. Das Europäische Chip-Gesetz
sieht für solche Fälle einen Krisenmechanismus vor: Nach Meldung eines
Mitgliedstaats kann die EU-Kommission eine „Krisenstufe“ aktivieren.
Anschließend kann die Kommission zur Bewältigung der Halbleiterkrise in der Union
die in Artikel 25 bis 27 des Europäischen Chip-Gesetzes bezeichneten
Notfallinstrumente einsetzen:
a) Artikel 25: Einholung von Informationen von entlang der Halbleiter-
Lieferkette tätigen Unternehmen;
b) Artikel 26: Verpflichtung von Unternehmen, einen Auftrag über
krisenrelevante Produkte anzunehmen und vorrangig zu behandeln;
c) Artikel 27: Gemeinsame Beschaffungsinstrumente.
18. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung ggf. bislang
ergriffen, um den im Koalitionsvertrag angekündigten Aufbau robuster
Wertschöpfungsketten im Bereich der Chip- und Halbleitertechnik
voranzutreiben?
Die Bundesregierung hat bereits mehrere Maßnahmen ergriffen:
Fortsetzung der Weiterqualifizierung von Projektvorschlägen unter der
„Bekanntmachung für die Förderung von innovativen Investitionsprojekten im
Rahmen des Europäischen Chip-Gesetzes“ mit dem Ziel der baldigen
Bewilligung (siehe Antwort zu Frage 13), Vorbereitung eines IPCEIs „Advanced
Semiconductor Technologies” gemeinsam mit Frankreich und den Niederlanden,
Beschluss einer Mikroelektronik-Strategie der Bundesregierung.
Weitere Maßnahmen werden in der Umsetzung der Strategie folgen.
19. Welche Rohstoffe und Vorprodukte für die Chipproduktion werden nach
Kenntnis der Bundesregierung derzeit in Deutschland produziert, und
welche stammen überwiegend aus Drittländern (bitte nach Rohstoff bzw.
Vorprodukt, Menge und Herkunftsländern aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung liegen keine detaillierten Informationen zu allen
Rohstoffen und Vorprodukten, die für die konkrete Halbleiterindustrie in Deutschland
benötigt werden, vor. Die Sicherstellung der nötigen Vorprodukte für die
Produktion ist in erster Linie die Verantwortung der produzierenden Unternehmen.
Üblicherweise werden für die Halbleiterproduktion hauptsächlich Silizium,
welches aus Quarz gewonnen wird, sowie in kleineren Mengen Germanium
und Gallium benötigt. Zu Silizium wird auf die Veröffentlichungen der
Deutschen Rohstoffagentur verwiesen (
www.deutsche-rohstoffagentur.de/DE/Geme
insames/Produkte/Downloads/DERA_Rohstoffinformationen/rohstoffinformati
onen-59.pdf). Bei Germanium und Gallium findet nach Kenntnis der
Bundesregierung nur ein kleiner Teil der Gewinnung in Deutschland durch Recycling
statt. Deutschland ist bei diesen beiden Rohstoffen von Importen, hauptsächlich
aus China, abhängig. Ebenso verhält es sich mit den notwendigen Edelgasen
wie z. B. Helium, Neon und Xenon.
20. Bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit Abhängigkeiten bei
der Beschaffung von Schlüsseltechnologien wie EUV-Lithografie und
Rohstoffen wie hochreinem Silizium bzw. Spezialchemikalien, wenn ja,
welche, und wie sollen diese ggf. angegangen werden?
21. In welchen Bereichen der Halbleiterproduktion sieht die
Bundesregierung Deutschland unter den Technologieführern, in welchen Bereichen
wettbewerbsfähig, und in welchen Bereichen technologisch
abgeschlagen?
Die Fragen 20 und 21 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Wettbewerbsfähig ist Deutschland in der Halbleiterproduktion reifer
Halbleitertechnologien (Technologieknoten >22 nm). Insbesondere in den Bereichen
Leistungselektronik und Sensorik sind deutsche Chiphersteller global führend.
Darüber hinaus ist Deutschland bei Präzisionsoptiken für die EUV-
Lithographie und Spezialchemikalien für die Halbleiterproduktion sehr gut aufgestellt.
Auch bei wichtigen Rohstoffen wie hochreines Polysilizium und Halbleiter-
Rohwafer, Automatisierung und Spezialmaschinen spielt Deutschland eine
essentielle Rolle im globalen Zulieferökosystem. In anderen Bereichen wie z. B.
bei der Massenfertigung moderner Logik-Chips (<10 nm) und großvolumigen
Packaging-Lösungen ist Deutschland auf Importe angewiesen.
Die Mikroelektronik-Strategie sieht als Ziele zukünftiger Maßnahmen sowohl
die Etablierung einer Massenfertigung für Leading-Edge-Chips in Deutschland,
wie auch den Aufbau von Kompetenzen und Standorten für das sog. Advanced
Packaging vor, um die genannten bestehenden Abhängigkeiten zu reduzieren.
22. Wie bewertet die Bundesregierung die Gefahr, dass Deutschland im
globalen Wettbewerb dauerhaft auf nachrangige Technologien und
Produktionsschritte beschränkt bleibt, und welche Gegenmaßnahmen sieht sie
ggf. vor?
Die Mikroelektronik-Wertschöpfungsketten sind global vernetzt und
technologisch stark diversifiziert, insofern ist eine Autarkie Deutschlands und Europas
aus Fachsicht nicht realistisch. Für den Erhalt der technologischen
Souveränität, der Resilienz der Lieferketten und der mit der Mikroelektronik verknüpften
Wertschöpfung entscheidend ist daher, dass bestehende wirtschaftliche und
technologische Stärken insbesondere dort weiter ausgebaut werden, wo
Fähigkeiten unverzichtbar in der globalen Halbleiterwertschöpfung sind (so können
die geopolitische Verhandlungskraft verbessert und bestehende
Abnehmerindustrien gestärkt werden); neue Mikroelektronik-Technologien auf Basis von
Forschung erschlossen werden und dabei primär dort angesetzt wird, wo der
künftige Bedarf der Chip-Anwenderindustrien und/oder erhebliche
wirtschaftliche Potentiale liegen; die Resilienz bestehender Lieferketten durch gezielte
Maßnahmen gestärkt wird, wobei auch die Relevanz der Mikroelektronik für
Sicherheit und kritische Infrastrukturen sowie für neue Basistechnologien wie
KI oder Quantentechniken berücksichtigt werden muss.
Diese drei Leitmotive bilden daher das Rückgrat der am 15. Oktober 2025
beschlossenen Mikroelektronik-Strategie.
23. Welche Rolle misst die Bundesregierung ggf. der militärischen
Verwendbarkeit von Hochleistungschips in Bezug auf die nationale
Sicherheitsstrategie bei?
Die Bundesregierung verortet in ihrer Nationalen Sicherheitsstrategie
Mikroelektronik/Hochleistungs-Halbleiter als strategisch bedeutsame Technologie
und verknüpft deren Verfügbarkeit mit technologischer Souveränität, Resilienz
und der Reduzierung kritischer Abhängigkeiten.
24. Wie bewertet die Bundesregierung im Bereich der militärischen
Verwendbarkeit die Abhängigkeit von Rohstoffen, Vorprodukten und
Bauteilen aus Staaten, die nicht der NATO angehören (bitte nach Produkt,
Menge und Herkunftsland aufschlüsseln)?
Lieferketten liegen in der Verantwortung der Unternehmen und unterliegen
dem Geschäftsgeheimnis. Zudem ist jedes System sehr individuell und besteht
aus tausenden von Einzelteilen, Baugruppen und damit Vorprodukten. Eine
Aufschlüsselung nach Produkt, Menge und Herkunftsland ist damit nicht
möglich.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333