[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2889
21. Wahlperiode 21.11.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Clara Bünger, Doris Achelwilm,
Anne-Mieke Bremer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/2646 –
Förderung der rechten Denkfabrik Republik21
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Mit dem Bundeshaushalt 2025 wird unter anderem über die Vergabe
öffentlicher Mittel an eine Vielzahl von Institutionen entschieden, darunter auch
parteinahe Stiftungen, Denkfabriken und politische Bildungseinrichtungen. In
diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass die Denkfabrik Republik21
(R21) Fördermittel in Höhe von 250 000 Euro aus dem Bundeshaushalt
erhalten soll. Dies wurde in der sogenannten Bereinigungssitzung am 4.
September 2025 entschieden. Der entsprechende Antrag trägt das Datum 2.
September 2025. In der Regel gehen einer institutionellen Förderung verschiedene
Projektförderungen voraus. In diesem Fall jedoch nicht. Die Denkfabrik R21
wurde im Jahr 2021 unter anderem von der ehemaligen Bundesministerin für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder (CDU), und von
Dr. Andreas Rödder gegründet und wird von den Fragestellenden als
parteinahes Projekt im Umfeld der Union eingeordnet.
In der Vergangenheit ist R21 aus Sicht der Fragestellenden wiederholt durch
die Nähe zu autoritär-konservativen und rechtslibertären Positionen
aufgefallen. In dem von R21 im Juni 2025 veröffentlichten Manifest „Diagnosen für
Deutschland – eine bürgerliche Reformagenda“ heißt es: „Daher müssen die
öffentlichen Gelder für NGOs mit einer politischen Agenda gestrichen
werden“. Beobachterinnen und Beobachter und Expertinnen und Experten ordnen
die Einrichtung politisch rechts der Mitte ein und kritisieren, dass sie mit
öffentlichen Geldern finanziert wird, ohne eine transparente und demokratisch
kontrollierte Struktur aufzuweisen. (vgl.: Staat fördert umstrittene Denkfabrik:
Kristina Schröders Verein Republik21 erhält eine Viertelmillion Euro,
www.ta
gesspiegel.de/politik/staat-fordert-umstrittene-denkfabrik-kristina-schroders-v
erein-republik21-erhalt-eine-viertelmillion-14372048.html; CDU und SPD
verschaffen konservativer Denkfabrik R21 staatliche Fördergelder,
www.rn
d.de/politik/cdu-und-spd-verschaffen-konservativer-denkfabrik-r21-staatliche-
foerdergelder-GJHOC5Z7CZCDLNOW6Z7KCUDVXQ.html; Förderung für
R21: Was gefragt werden muss | taz.de,
https://taz.de/Foerderung-fuer-R21/!6
115914/) Vor dem Hintergrund der im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU
und SPD betonten Bedeutung von Vielfalt, politischer Bildung und
Demokratieförderung stellen sich Fragen zur politischen und inhaltlichen Ausrichtung
der Denkfabrik R21, zu den Auswahlkriterien für die Förderung sowie zur
Höhe und Zweckbindung der vorgesehenen Haushaltsmittel.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung
vom 20. November 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Republik 21 e. V. (R21) wurde dem Presse- und Informationsamt der
Bundesregierung (BPA) im Haushaltsaufstellungsverfahren für 2025 als institutioneller
Zuwendungsempfänger zugewiesen. Die institutionelle Zuwendung ist
aufgrund von Beschlüssen des Deutschen Bundestages veranschlagt. Die
Darlegung eines erheblichen Bundesinteresses kann gemäß § 23 Satz 2 BHO
entfallen, weil Zuwendungen auf Grundlage von Beschlüssen des Bundestages diese
Voraussetzungen grundsätzlich erfüllen.
Gefördert wird hingegen nur ein tatsächlich festgestellter Bedarf. Die zur
Verfügung stehenden Fördersummen für Zuwendungsempfänger ergeben sich aus
einem verbindlichen Haushalts- oder Wirtschaftsplan einschließlich
Organisations- und Stellenplan, welcher vom jeweiligen Zuwendungsempfänger gemäß
Ziffer 3.2.2 der VV zu § 44 BHO i. V. m. Nummer 1.2 ANBest-I vorzulegen
ist.
Dazu im Einzelnen: Auf Grundlage der im Zuwendungsjahr erwarteten
Einnahmen sowie zu leistenden Ausgaben ergibt sich zumeist ein entsprechender
Fehlbetrag, den der Zuwendungsempfänger nicht selbst aus seinen Mitteln
bestreiten kann. Dieser Fehlbetrag bildet die Bemessungsgrundlage für eine mögliche
öffentliche Zuwendung.
Über die Bewilligung entscheidet nach Prüfung und Feststellung aller nötigen
Voraussetzungen die bewilligende Behörde, also die Behörde, bei der der
Zuwendungsempfänger den Antrag gestellt hat, nachdem der Gesetzgeber im
Rahmen des parlamentarischen Verfahrens (Beschluss des Haushaltsgesetzes) die
Höhe der zur Verfügung stehenden Fördermittel beschlossen hat.
Die Höhe der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel für öffentliche
Zuwendungen ist im Haushaltsplan des entsprechenden Ressorts öffentlich einsehbar.
Für das Haushaltsjahr 2025 liegt dem BPA kein Zuwendungsantrag von R21
vor, dementsprechend ist bisher keine Zuwendung erfolgt.
Die Bundesregierung weist darauf hin, dass es nicht ihre Aufgabe ist, anlasslos
und über die haushaltsrechtlichen Vorgaben hinaus allgemeine Informationen
über die Aktivitäten und Kontakte von Organisationen zu sammeln, zu
überwachen oder zu bewerten. Auch ein darauf gerichteter Informationsanspruch des
Parlaments besteht nicht, vielmehr könnte er Grundrechte Dritter verletzen
(vgl. BVerfGE 137, 185).
Das parlamentarische Fragerecht der Abgeordneten des Deutschen Bundestages
dient der politischen Kontrolle der Bundesregierung. Dabei erstreckt sich der
parlamentarische Informationsanspruch nur auf Gegenstände, die einerseits
einen Bezug zum Verantwortungsbereich der Bundesregierung gegenüber dem
Deutschen Bundestag haben. Andererseits müssen diese in der Zuständigkeit
der Bundesregierung liegen. Der Informationsanspruch erstreckt sich dagegen
ausdrücklich nicht auf Beurteilungen steuerlicher Einzelfälle und die
Anerkennung oder Nichtanerkennung der Gemeinnützigkeit, auf die die Fragestellenden
Bezug nehmen. Nach der verfassungsmäßigen Ordnung obliegt die Beurteilung
steuerlicher Einzelfälle allein der jeweils zuständigen Landesfinanzbehörde.
Mit Rücksicht auf die vom Grundgesetz vorgenommene Kompetenzverteilung
nimmt die Bundesregierung zu Fragen, die Aktivitäten im
Zuständigkeitsbereich der Länder betreffen, grundsätzlich keine Stellung. Entsprechende
Informationen kann die Bundesregierung schon mangels gesetzlicher Befugnis
weder zentral erheben noch verwalten.
1. Trifft es zu, dass im Fall von R21 nicht zuerst verschiedene
Projektförderungen angedacht wurden, sondern direkt eine institutionelle Förderung
vergeben wurde (siehe Vorbemerkung der Fragesteller), und wenn ja,
was war der Grund für dieses Vorgehen?
Die Entscheidung über die institutionelle Förderung liegt allein beim
Haushaltsgesetzgeber. Das BPA hat zuvor keine Projektförderung an R21 vergeben.
Im Übrigen wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
2. Wird geprüft, ob R21 erhaltene Fördergelder missbräuchlich für
parteipolitische Zwecke einsetzt?
Für das Jahr 2025 hat R21 keine Zuwendungen der Bundesregierung erhalten.
3. Erfüllt R21 ausschließlich gemeinnützige Zwecke, und wenn ja, welche?
Nach der verfassungsmäßigen Ordnung obliegt die Beurteilung steuerlicher
Einzelfälle der jeweils zuständigen Landesfinanzbehörde, siehe auch die
Vorbemerkung der Bundesregierung.
4. Wie definiert R21 seine gemeinnützigen Tätigkeiten, und wie grenzt sich
der Verein von parteipolitischer Einflussnahme ab?
Auf die Antwort zu Frage 3 wird verwiesen.
5. Gibt es Fälle, in denen R21 explizit für oder gegen eine Partei geworben
hat?
Wir verweisen auf die Vorbemerkung der Bundesregierung zu dieser Antwort
sowie auf die Vorbemerkung der Bundesregierung in ihrer Antwort auf
Bundestagsdrucksache 20/15101.
6. Wann wurde die Gemeinnützigkeit von R21 letztmalig durch das
zuständige Finanzamt geprüft?
Auf die Antwort zu Frage 3 wird verwiesen.
7. Wie groß ist der Anteil der finanziellen Mittel von R21, der aus
staatlichen Förderprogrammen stammt?
Auf die Antwort zu Frage 2 wird verwiesen.
8. Wie hoch ist der Anteil der Spenden aus der Wirtschaft oder von
parteinahen Stiftungen an R21?
Hierzu liegen keine eigenen Erkenntnisse vor.
9. Gibt es direkte Verbindungen zwischen R21 und bestimmten Parteien
oder politischen Akteuren?
Die Bundesregierung verweist auf den Internetauftritt von R21: REPUBLIK21
e. V. – Denkfabrik für neue bürgerliche Politik. Der Bundesregierung liegen
darüber hinaus keine eigenen Erkenntnisse vor. Im Übrigen wird auf die
Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
10. Haben Vorstände oder Führungspersonen von R21 politische Ämter oder
enge Verbindungen zu Parteien?
Auf die Antwort zu Frage 9 wird verwiesen.
11. Inwiefern beeinflusst R21 politische Entscheidungsprozesse oder
Gesetzesvorhaben?
Auf die Antwort zu Frage 9 wird verwiesen.
12. Gibt es Hinweise darauf, dass R21 gezielt gegen einzelne Parteien oder
Politiker und Politikerinnen Kampagnen führt?
Auf die Antwort zu Frage 5 wird verwiesen.
13. Unterstützt R21 politische Demonstrationen oder Proteste mit seinen
finanziellen Mitteln?
Auf die Antwort zu Frage 9 wird verwiesen.
14. Gibt es Kooperationen zwischen R21 und parteinahen Stiftungen wie der
Konrad-Adenauer-Stiftung oder der Desiderius-Erasmus-Stiftung?
Auf die Antworten zu Frage 9 wird verwiesen.
15. Nehmen Parteien Einfluss auf die Entscheidungsstrukturen innerhalb von
R21, und wenn ja, welche?
Auf die Antwort zu Frage 5 wird verwiesen.
16. Gibt es Verbindungen zwischen R21 und Regierungsbehörden, die deren
Finanzierung sicherstellen?
Es wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen. Darüber hinaus
müssen Behörden dann Kontakt zu Zuwendungsempfängern aufnehmen, wenn
sie entsprechende, haushaltsgesetzlich vorgegebene Zuwendungen bearbeiten.
17. Welche weiteren öffentlichen Fördermittel erhält R21, und aus welchen
Einzelplänen stammen sie?
Auf die Antwort zu Frage 2 wird verwiesen.
18. Erhält R21 Gelder von internationalen Organisationen oder NGOs aus
dem Ausland, und wenn ja, welche sind das, und wie viel?
Auf die Antwort zu Frage 8 wird verwiesen.
19. Nimmt R21 oder nehmen deren rechtliche Vertreter aktiv an
Wahlkämpfen teil oder ruft bzw. rufen zur Wahl bestimmter Parteien auf?
Auf die Antwort zu Frage 5 wird verwiesen.
20. War R21 in der Vergangenheit an politischen Kampagnen beteiligt, und
wenn ja, an welchen?
Auf die Antwort zu Frage 5 wird verwiesen.
21. Wie wird sichergestellt, dass die Aktivitäten von R21 nicht gegen das
parteipolitische Neutralitätsgebot verstoßen?
Die Bundesregierung ist nicht befugt, Zuwendungsempfängern Vorgaben für
deren Aktivitäten zu machen, sofern diese nicht Gegenstand einer Förderung
sind, das gilt auch für die parteipolitische Neutralität. Im Übrigen wird auf die
Vorbemerkung der Antwort der Bundesregierung zu ihrer Antwort auf
Bundestagsdrucksache 20/15101 verwiesen.
22. Gibt es Belege dafür, dass R21 einseitige Narrative in politischen
Debatten fördert, und wenn ja, welche?
23. Wie beeinflusst R21 die mediale Berichterstattung über politische
Themen?
24. Gibt es wissenschaftliche Studien, die den Einfluss von R21 auf die
öffentliche Meinungsbildung untersuchen?
25. Werden von R21 gezielt politische Gegner diskreditiert oder diffamiert,
und wenn ja, welche?
26. Haben die Kampagnen von R21 direkte Auswirkungen auf
Wahlergebnisse oder politische Entscheidungen?
27. Gibt es Stellungnahmen von Staatsrechtlern oder Staatsrechtlerinnen, die
die Aktivitäten von R21 im Hinblick auf das Neutralitätsgebot bewerten?
28. Sind die politischen Aktivitäten von R21 mit den Vorgaben des
Bundesverfassungsgerichts zur Chancengleichheit der Parteien vereinbar?
29. Welche Unterschiede bestehen zwischen R21 und klassischen
Wohltätigkeitsorganisationen wie dem Roten Kreuz oder den Tafeln?
Die Fragen 22 bis 29 werden gemeinsam beantwortet.
Es wird jeweils auf die Antwort zu Frage 5 verwiesen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
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ISSN 0722-8333]