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Kleine AnfrageWahlperiode 21Beantwortet

Altersarmut und Alterssicherung bei Selbstständigen

(insgesamt 23 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Datum

23.06.2026

Antwortdauer

14 Tage

Aktualisiert

01.07.2026

Deutscher BundestagDrucksache 21/630409.06.2026

Altersarmut und -sicherung bei Selbstständigen

der Abgeordneten Sarah Vollath, Mandy Eißing, Janine Wissler, Doris Achelwilm, Dr. Dietmar Bartsch, Desiree Becker, Janina Böttger, Jörg Cezanne, Agnes Conrad, Mirze Edis, Christian Görke, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier, Cem Ince, Cansin Köktürk, Tamara Mazzi, Pascal Meiser, Zada Salihović, Evelyn Schötz, Lisa Schubert, Ines Schwerdtner, Isabelle Vandre, Sascha Wagner, Anne Zerr und der Fraktion Die Linke

Vorbemerkung

Die große Mehrheit der Selbstständigen in Deutschland ist derzeit nicht verpflichtend fürs Alter abgesichert und muss eigenverantwortlich vorsorgen. Dabei führt bei vielen Selbstständigen die Kombination aus geringen Rücklagen und einer fehlenden obligatorischen Absicherung zu einem hohen Risiko, im Alter in Armut abzurutschen. Gerade Solo-Selbstständige weisen ein hohes Risiko für Altersarmut auf. Unter anderem ostdeutsche Selbstständige sind aus Sicht der Fragestellenden aufgrund von Brüchen in der Erwerbsbiografie nach 1990 und einem strukturell niedrigeren Lohnniveau besonders betroffen.

In der Erwerbspersonenbefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung vom August 2025 gaben 37 Prozent der Soloselbstständigen an, dass sie davon ausgehen, dass ihre finanzielle Vorsorge fürs Alter nicht ausreichend ist (Schulze Buschoff, Karin; Peters, Eileen; Emmler, Helge 2025: Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung? – Ergebnisse der WSI-Erwerbspersonenbefragung). Bei den Selbstständigen mit Beschäftigten war es immerhin „nur“ knapp jede/r Fünfte.

Mit einem fehlenden flächendeckenden obligatorischen Alterssicherungssystem für Selbstständige ist Deutschland innerhalb der 38 OECD-Länder fast allein: Nur vier andere OECD-Länder teilen dieses Merkmal mit Deutschland (OECD, Pension at a Glance 2025, S. 189). Unter anderem aufgrund des hohen Armutsgefährdungsrisiko bei den nicht obligatorisch abgesicherten Selbstständigen im Alter wird schon seit Jahren darüber diskutiert, Selbstständige verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Laut Sozialstaatsradar 2026 sprechen sich 77 Prozent der Befragten für eine verpflichtende gemeinsame Rentenversicherung für alle Erwerbstätigen bzw. für alle unabhängig vom Erwerbsstatus aus. Bei Selbstständigen lag die Zustimmung zu einer gemeinsamen Absicherung in der Umfrage mit 80 Prozent sogar nochmal höher. Aus Sicht der Fragesteller würde eine verpflichtende Altersvorsorge für Selbstständige ihr Risiko deutlich reduzieren, in Altersarmut zu rutschen.

Mit dieser Kleinen Anfrage wollen sich die Fragesteller einen Überblick über die aktuellen Daten zur Altersarmut und Alterssicherung der Selbstständigen in Deutschland verschaffen. Um vollständige Beantwortung der Fragen ohne Verweis auf andere Drucksachen wird gebeten.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen23

1

Wie viele Personen gehen nach Kenntnis der Bundesregierung einer selbstständigen Tätigkeit im Haupterwerb nach und wie hat sich diese Zahl in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte als Gesamtzahl sowie Zahl der Solo-Selbstständigen ohne eigene Beschäftigte aufgeschlüsselt nach Geschlecht und nach neuen und alten Bundesländern angeben)?

2

Wie viele Personen üben eine selbstständige Tätigkeit zusätzlich zu einer Hauptbeschäftigung aus (bitte gesamt sowie aufgeschlüsselt nach Geschlecht und nach neuen und alten Bundesländern angeben)?

3

Wie viele Selbstständige sind nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell pflichtversichert (bitte als Gesamtzahl und aufgeschlüsselt nach Geschlecht und nach neuen und alten Bundesländer sowie getrennt für berufsständische Versorgungswerke, Alterssicherung der Landwirte und gesetzliche Rentenversicherung angeben und die Zahl der Pflichtversicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung nach auf Antrag Pflichtversicherte, in der Künstlersozialkasse Pflichtversicherte, Handwerker bzw. sonstige Pflichtversicherte ausweisen)?

4

Wie viele Selbstständige sind nach Kenntnis der Bundesregierung nicht verpflichtend für das Alter abgesichert (bitte gesamt sowie aufgeschlüsselt nach Geschlecht und nach neuen und alten Bundesländern angeben)?

5

Wie viele Selbstständige ohne Versicherungspflicht sind nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell auf Antrag in der GRV abgesichert und wie hat sich diese Zahl in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte gesamt sowie aufgeschlüsselt nach Geschlecht und nach neuen und alten Bundesländern angeben)?

6

Wie viele Selbstständige entrichten freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung nach § 7 SGB VI und wie hat sich diese Zahl in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte gesamt sowie aufgeschlüsselt nach Geschlecht und nach neuen und alten Bundesländern angeben)?

7

Wie verteilen sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Beiträge der Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung (bitte gesamt sowie getrennt für auf Antrag Pflichtversicherte, in der Künstlersozialkasse Pflichtversicherte bzw. sonstige Pflichtversicherte die Anteile der Beiträge in 100-Euro-Schritten angeben und jeweils nach Geschlecht und nach neuen und alten Bundesländern aufschlüsseln)?

8

Welcher Anteil der über 65-Jährigen bezieht aktuell Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung (bitte gesamt sowie aufgeschlüsselt nach Geschlecht und nach neuen und alten Bundesländern angeben)?

9

Wie viele über 65-jährige (ehemals) Selbstständige beziehen nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung und wie hat sich diese Zahl seit 2005 entwickelt (bitte in absoluten Zahlen und als Anteil aller über 65-jährigen ehemals Selbständigen sowie aufgeschlüsselt nach Geschlecht und nach neuen und alten Bundesländern angeben)?

10

Wie viele über 65-jährige (ehemals) abhängig Beschäftigte beziehen nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung ab 65 Jahren und wie hat sich diese Zahl seit 2005 entwickelt (bitte in absoluten Zahlen und als Anteil aller über 65-jährigen ehemals abhängig Beschäftigten sowie aufgeschlüsselt nach Geschlecht und nach neuen und alten Bundesländern angeben)?

11

Wie viele über 65-jährige (ehemals) Selbstständige hätten nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell Anspruch auf Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, nehmen diese aber nicht in Anspruch (bitte gesamt sowie aufgeschlüsselt nach Geschlecht und nach neuen und alten Bundesländern angeben)?

12

Welcher Anteil der über 65-Jährigen, die zuletzt selbstständig bzw. abhängig beschäftigt waren, zählt nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell zu den untersten drei Dezilen in der Einkommensverteilung und wie hat sich diese Zahl seit 2005 entwickelt (bitte die Anteile für jedes Dezil getrennt ausweisen sowie aufgeschlüsselt nach Geschlecht und nach neuen und alten Bundesländern angeben)?

13

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der über 65-jährigen (ehemals) Selbstständigen entwickelt, die Wohngeld bezogen haben (bitte in absoluten Zahlen und relativ an allen Beziehenden ab 65 Jahren sowie aufgeschlüsselt nach Geschlecht und nach neuen und alten Bundesländern angeben)?

14

Wie hat sich die Zahl der Privatinsolvenzen bei (ehemals) Selbstständigen ab 65 Jahren seit 2011 nach Kenntnis der Bundesregierung entwickelt (bitte nach Geschlecht und nach neuen und alten Bundesländern aufschlüsseln)?

15

Wie schätzt die Bundesregierung das Armutsrisiko im Alter von (ehemals) Selbstständigen im Vergleich zu abhängig Beschäftigten ein?

16

Sieht die Bundesregierung ein besonders hohes Armutsrisiko im Alter bei selbstständigen Frauen, und falls ja, plant die Bundesregierung konkrete Maßnahmen im Bereich der Altersvorsorge, um selbstständige Frauen vor Altersarmut zu schützen?

17

Sieht die Bundesregierung ein besonders hohes Armutsrisiko im Alter bei Selbstständigen in Ostdeutschland, und falls ja, plant die Bundesregierung konkrete Maßnahmen im Bereich der Altersvorsorge, um diese Gruppe vor Altersarmut zu schützen?

18

Wie hat sich das Altersarmutsgefährdungsrisiko bei (ehemals) Selbstständigen nach Auffassung der Bundesregierung in den letzten Jahren entwickelt und plant die Bundesregierung konkrete Maßnahmen im Bereich der Altersvorsorge, um das Altersarmutsrisiko von (ehemals) Selbstständigen zu reduzieren?

19

Wie bewertet die Bundesregierung den verpflichtenden Einbezug aller Selbstständigen in die GRV als Maßnahme, um das Armutsrisiko im Alter bei Selbstständigen zu reduzieren?

20

Welche Auswirkungen auf die Finanzierung der GRV hätte ein verpflichtender Einbezug aller Selbstständigen in die GRV nach Kenntnis der Bundesregierung?

21

Wie viele (Solo-)Selbständige sind aktuell freiwillig gesetzlich und wie viele privat krankenversichert (bitte gesamt sowie aufgeschlüsselt nach Geschlecht angeben)?

22

Wie viele privat versicherte (Solo-)Selbstständige sind aufgrund der steigenden Prämien zuletzt in den PKV Basistarif gerutscht?

23

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Personen, die in der Künstlersozialkasse versichert sind, in den letzten 10 Jahren entwickelt und wie haben sich die Bundeszuschüsse im gleichen Zeitraum entwickelt (bitte gesamt sowie aufgeschlüsselt nach Geschlecht und nach Landkreisen angeben)?

Berlin, den 27. Mai 2026

Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion

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