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Kleine AnfrageWahlperiode 21Beantwortet

Kapazitäten und Struktur der Gartenbauwissenschaften in Deutschland

(insgesamt 21 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat

Datum

07.07.2026

Antwortdauer

26 Tage

Aktualisiert

15.07.2026

Deutscher BundestagDrucksache 21/643511.06.2026

Kapazitäten und Struktur der Gartenbauwissenschaften in Deutschland

der Abgeordneten Karl Bär, Dr. Ophelia Nick, Dr. Zoe Mayer, Niklas Wagener, Claudia Müller, Ayse Asar, Dr. Andrea Lübcke, Julia Schneider und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Die Gartenbauwissenschaften sind ein wichtiger Teil der Lösung bedeutender gesellschaftlicher Probleme. Sie liefern wichtige Beiträge in den Themengebieten Versorgungssicherheit mit hochwertigen Lebensmitteln, nachhaltige Transformation von Agrar- und Ernährungssystemen, Umsetzung des European Green Deals, Förderung der Biodiversität, Klimaschutz oder Förderung der Gesundheit. Dennoch ist seit vielen Jahren eine Erosion der Gartenbauwissenschaften insbesondere an den Hochschulen zu beobachten. Ein deutliches Negativbeispiel dafür ist der gartenbauwissenschaftliche Standort an der Leibniz-Universität Hannover, über den der Wissenschaftsrat im Jahr 2006 noch festgestellt hat, dass er der letzte breit aufgestellte und die bedeutendste gartenbauwissenschaftliche Einrichtung in Deutschland sei (Wissenschaftsrat (2006): Empfehlungen zur Entwicklung der Agrarwissenschaften in Deutschland im Kontext benachbarter Fächer (Gartenbau-, Forst- und Ernährungswissenschaften), Drs.7618-06, www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/7618-6.pdf, S. 193). Trotz dieser wissenschaftlichen Bedeutung wurden die Studiengänge der Gartenbauwissenschaften an der Universität Hannover mittlerweile eingestellt (Naturwissenschaftliche Fakultät der Leibniz Universität Hannover, www.naturwissenschaften.uni-hannover.de/studium/studienangebot/pflanzenwissenschaften/map-bsc#c3571). Ein weiteres Beispiel ist die drohende Abwicklung der Forschungsstelle für gartenbauliche Kulturpflanzen an der Fachhochschule Erfurt (Schreiben an den Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung vom 18. Mai 2026).

Der Wissenschaftsrat hat in seinem letzten Gutachten zu den Perspektiven der Agrar-, Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften aus dem Jahr 2024 seine große Sorge über diese Entwicklung in den Gartenbauwissenschaften zum Ausdruck gebracht (Wissenschaftsrat (2024): Empfehlungen zur Entwicklung der Agrarwissenschaften in Deutschland im Kontext benachbarter Fächer (Gartenbau-, Forst- und Ernährungswissenschaften), Drs.7618-06, www.wissenschaftsrat.de/download/2024/1956-24.pdf, S. 83).

Zum Kern der Gartenbauwissenschaften gehört einerseits die Grundlagenforschung, andererseits praxisnahe, transdisziplinäre Forschung, die gemeinsam mit Obstbauern oder Gemüsegärtnerinnen an konkreten Herausforderungen arbeitet. So können beispielsweise in kleinen Schritten der Einsatz von Pestiziden reduziert oder die Resilienz unserer Ernährungssystem gegen die Folgen der Klimakrise gestärkt werden. Die praxisnahe Ausrichtung der Forschung ist zudem entscheidend für die Ausbildung dringend benötigter Fachkräfte. Trotz ihrer Bedeutung für die Umwelt und das Gemeinwohl bleiben solche partizipativen und transdisziplinären Forschungsansätze in der Förderung des Bundes vergleichsweise unterrepräsentiert.

Im Koalitionsvertrag wurde das Maßnamenpaket Zukunft Gartenbau von der Bundesregierung aufgenommen. Teil dessen ist der Erhalt und die Stärkung der finanziellen Unterstützung der Gartenbauwissenschaften an Hochschulen und im Rahmen der Programmförderung des Bundes.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen21

1

Wie hat sich die Anzahl der gartenbauwissenschaftlichen Professuren an Universitäten und Hochschulen in den vergangenen 20 Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung entwickelt, bitte aufgeschlüsselt nach Hochschulstandort und Bundesländern?

2

Wie hat sich die Anzahl der Lehraufträge im Studiengang Gartenbauwissenschaften an Universitäten und Hochschulen nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen 20 Jahren entwickelt, bitte aufgeschlüsselt nach Hochschulstandort und Bundesländern?

3

Wie hat sich die Anzahl der Studierenden an Universitäten und Hochschulen, differenziert nach Einschreibungen und erfolgreichen Abschlüssen nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen 20 Jahren entwickelt, bitte aufgeschlüsselt nach Hochschulstandort und Bundesländern?

4

Welchen Bedarf an Gartenbauabsolventen und Absolvent*innen im Bereich Weinbau/Oenologie sieht die Bundesregierung in Deutschland bis 2035?

5

Mit wie vielen Gartenbauabsolvent*innen und Absolvent*innen im Bereich Weinbau/Oenologie rechnet die Bundesregierung jährlich bis 2035?

6

Was plant die Bundesregierung, um der Erosion der Gartenbauwissenschaften entgegenzuwirken?

7

Welche Maßnahmen sind aus Sicht der Bundesregierung dazu geeignet, um gemäß der im Koalitionsvertrag verankerten Umsetzung des „Maßnahmenpakets Zukunft Gartenbau“ die universitäre Verankerung und überregionale Vernetzung der Gartenbauwissenschaften gemeinsam mit den Ländern umzusetzen?

8

Verfolgt die Bundesregierung das Ziel aus dem Maßnahmenpaket, den Erhalt zweier universitärer Standorte zu sichern, und wenn ja, mit welchen Maßnahmen und in welchem Zeitrahmen?

9

Plant die Bundesregierung ein Engagement zum Aufbau oder Stärkung der universitären Standorte, zum Beispiel auf Grundlage des Artikel 91b des Grundgesetzes wie skizziert im Maßnahmenpaket Zukunft Gartenbau, und falls ja, wann?

10

Wie viele Gesprächstermine hat die Bundesregierung bisher mit den zuständigen Landesministerien zur Umsetzung des Maßnahmenpakets geführt?

11

Gibt es von Landesregierungen konkrete Angebote an den Bund, gemeinsam konkrete Maßnahmen zum Erhalt oder der Verbesserung der gartenbaulichen Forschung und Lehre in Deutschland, und wenn ja, welche?

12

Wie hat sich die institutionelle Förderung der Gartenbauwissenschaften an außeruniversitären Forschungseinrichtungen durch den Bund in den vergangenen 20 Jahren entwickelt?

13

Wie hat sie die Programmförderung des Bundes für die Gartenbauwissenschaften in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte nach federführenden Ressorts aufschlüsseln)?

14

Welche Fördermöglichkeiten im Bereich Gartenbauwissenschaften wurden im Rahmen der „Hightech Agenda Deutschland“ geschaffen?

15

Wie hat sich die Ressortforschung des Bundes im Bereich der Gartenbauwissenschaften in den vergangenen 20 Jahren entwickelt und welche inhaltlichen Schwerpunkte wurden dabei gesetzt (bitte nach federführenden Ressorts aufschlüsseln)?

16

Wie hoch sieht die Bundesregierung den finanziellen Bedarf in den kommenden zehn Jahren zur Unterstützung der universitären gartenbauwissenschaftlichen Lehre und Forschung?

17

Wie sieht der konkrete Zeitplan der Bundesregierung – unterteilt nach den wichtigsten Meilensteinen – für die Stärkung der Gartenbauwissenschaften unter Berücksichtigung der einzubeziehenden Bundes- und Landesministerien und -gremien aus?

18

Plant die Bundesregierung eine Neugestaltung bzw. einen Ausbau der Förderung partizipativer und transdisziplinärer Forschungsansätze, um die Vielfalt von praxisnahen Forschungsaktivitäten jenseits der aktuellen Kriterien für Exzellenz besser abzubilden?

19

Wie unterstützt die Bundesregierung die internationale Sicherbarkeit und Kooperation deutscher Forschungsstandorte im Wein- und Gartenbau?

20

Inwieweit sieht die Bundesregierung Forschungsbedarf im Weinbau, um die Anpassung an den Klimawandel ohne Ertragsverluste sicherzustellen?

21

Wie plant die Bundesregierung die zukünftige Förderung so auszugestalten, dass der Wissenstransfer zwischen Hochschulen und landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betrieben ausgebaut wird?

Berlin, den 8. Juni 2026

Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion

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