Altersarmut und Alterssicherung im Saarland
der Abgeordneten Sarah Vollath, Dr. Michael Arndt und der Fraktion Die Linke
Vorbemerkung
Die Zahl der Armutsbetroffenen in Deutschland bleibt weiterhin auf einem besorgniserregend hohen Stand. Laut dem Paritätischen Armutsbericht stieg sie im Jahr 2025 auf über 13,3 Millionen Menschen. Personen über 65 Jahre sind demnach überdurchschnittlich oft von Armut betroffen. Der Bericht beziffert die Armutsquote von Frauen ab 65 Jahren auf ganze 21,3 Prozent, während sie bei Männern bei 17,3 Prozent liegt. Demnach ist durchschnittlich etwa jede fünfte Person ab 65 Jahren von Altersarmut betroffen.
Gründe für die besonders hohe Altersarmut bei Frauen sind unter anderem geringere Erwerbseinkommen, die im Alter zu geringeren Rentenansprüchen führen. Im 9. Altersbericht kommt die Bundesregierung selbst zur Erkenntnis, dass die erheblichen Unterschiede beim Alterseinkommen zwischen Männern und Frauen „das Resultat einer oftmals noch traditionellen geschlechterspezifischen Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit in der BRD“ sind (Bundestagsdrucksache 20/14450, S. 59). So machen sich Unterbrechungen des Erwerbslebens und eine höhere Teilzeitquote bei Frauen, die die Betreuung von Kindern übernehmen, im Alter insbesondere in Westdeutschland bemerkbar. Mit zunehmender Kinderanzahl sinken die Renten bei Frauen im Westen laut Auskunft des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (Bundestagsdrucksache 21/3685, Frage Nr. 77) sogar.
Maßnahmen wie eine weitere Schwächung der Gesetzlichen Rente zugunsten der privaten Vorsorge oder Kürzungen im Bundeshaushalt bei Rente und Wohngeld könnten die Situation aus Sicht der Fragestellenden bald noch weiter verschärfen. Auch die Vorschläge der Rentenkommission, etwa eine Kopplung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung oder die Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte, können zu noch niedrigeren Renten und damit einem weiteren Anstieg der Altersarmut führen.
Insgesamt hat die Bundesregierung aus Sicht der Fragestellenden bisher keine konkreten Maßnahmen zur Bekämpfung der Altersarmut in Deutschland vorgelegt. Zu diesem Urteil kommt auch der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband in seinem Armutsbericht (Paritätischer Armutsbericht 2026, S. 4). Mit der nachfolgenden Kleinen Anfrage soll ein umfangreiches Bild über die aktuellen Daten zur Altersarmut und der Alterssicherung im Saarland und Deutschland geschaffen werden. Um vollständige Beantwortung der Fragen ohne Verweis auf andere Drucksachen wird gebeten.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen22
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren das Verhältnis der Pflichtversicherten der gesetzlichen Rentenversicherung zu Rentnerinnen und Rentnern im Saarland und in Deutschland (Ost/West) entwickelt (bitte auch in absoluten Zahlen)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der geringfügig Beschäftigten mit sowie befreit von einer Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung im Saarland und in Deutschland (Ost/West) entwickelt?
Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittlichen Zahlbeträge der Renten wegen Alters, wegen Erwerbsminderung und wegen Todes im Saarland und in Deutschland (Ost/West) im Rentenbestand und im Rentenzugang in den Jahren 2015 und 2025 (bitte nach Männern und Frauen aufschlüsseln)?
Wie viele Rentnerinnen und Rentner im Saarland und in Deutschland (Ost/West) haben mindestens 40 und wie viele Rentnerinnen und Rentner haben mindestens 45 Versicherungsjahre erreicht und erhalten eine Nettorente (Zahlbetrag) von unter 1 446 Euro und über 1 446 Euro (bitte nach Geschlecht aufschlüsseln)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren der Anteil der Erwerbsminderungsrenten mit Abschlägen an allen Erwerbsminderungsrenten sowie die durchschnittliche Höhe der Abschläge im Saarland und in Deutschland (Ost/West) entwickelt (bitte jeweils in absoluten Zahlen sowie prozentual angeben und nach Geschlecht aufschlüsseln)?
Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren die Anzahl der Rentnerinnen und Rentner im Saarland und in Deutschland (Ost/West) sowie deren durchschnittlicher Gesamtrentenzahlbetrag (bitte getrennt für Einzel- und Mehrfachrentnerinnen und Einzel- und Mehrfachrentnern angeben sowie nach Geschlecht aufschlüsseln)?
Wie viele Menschen ab dem Alter von 65 Jahren beziehen nach Kenntnis der Bundesregierung im Saarland und in Deutschland (Ost/West) ausschließlich (eigene oder abgeleitete) Alterssicherungsleistungen der gesetzlichen Rentenversicherung, und wie hoch ist deren Anteil an der entsprechenden Bevölkerungsgruppe (bitte nach Geschlecht aufschlüsseln)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Grundsicherungsfälle im Alter und bei Erwerbsminderung im Saarland und in Deutschland (Ost/West) in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte nach Geschlecht aufschlüsseln und jeweils als absolute Zahl und im Verhältnis zur jeweiligen Bevölkerungsgruppe angeben)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Grundsicherungsfälle im Saarland und in Deutschland (Ost/West) im Alter und bei Erwerbsminderung mit Rentenbezug sowie deren Anteil an den jeweiligen Rentenempfängerinnen und Rentenempfängern (Alter bzw. Erwerbsminderung) in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte nach Geschlecht sowie nach neuen und alten Bundesländern aufschlüsseln)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren die Zahl der Personen, die Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung ab der Regelaltersgrenze (bzw. ab 65 Jahren) bezogen haben, im Saarland und in Deutschland (Ost/West) entwickelt (bitte nach Geschlecht aufschlüsseln sowie in absoluten Zahlen und im Verhältnis zu allen Menschen ab 65 Jahren angeben)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Menschen ab 65 Jahren im Saarland und in Deutschland (Ost/West) entwickelt, die Wohngeld bezogen haben (bitte nach Geschlecht aufschlüsseln und in absoluten Zahlen und relativ an allen Menschen ab 65 Jahren angeben)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren die Armutsgefährdungsquote der Gesamtbevölkerung, der Bevölkerung ab 65 Jahren und der Rentnerinnen und Rentner im Saarland und in Deutschland (Ost/West) entwickelt (bitte gesamt sowie nach Geschlecht aufschlüsseln)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren die Armutsgefährdungsschwelle im Saarland und in Deutschland (Ost/West) entwickelt?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Riester-Sparerinnen und -Sparer insgesamt und derjenigen, die ihren individuellen Zulagenanspruch vollständig realisieren, im Saarland und in Deutschland (Ost/West) (bitte nach Geschlecht aufschlüsseln)?
Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2025 der Anteil der Menschen im Saarland und in Deutschland (Ost/West), die Leistungen aus allen drei Schichten der Alterssicherungssysteme (gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge und private Altersvorsorge) beziehen und wie hoch ist der durchschnittliche jeweilige Anteil der Alterssicherungseinkünfte am gesamten Alterseinkommen und wie hoch ist die jeweilige Verbreitung der jeweiligen Alterssicherungseinkünfte getrennt (bitte jeweils nach Geschlecht aufschlüsseln)?
Wie viele Empfängerinnen und Empfänger laufender Entschädigungsleistungen für Opfer nationalsozialistischen Unrechts nach dem Bundesentschädigungsgesetz oder anderen bundesrechtlichen Entschädigungsregelungen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit im Saarland sowie bundesweit (bitte nach Leistungsart und Geschlecht aufschlüsseln)?
Wie viele Empfängerinnen und Empfänger laufender Entschädigungsleistungen für Opfer nationalsozialistischen Unrechts beziehen nach Kenntnis der Bundesregierung ergänzend Leistungen der Grundsicherung im Alter oder Wohngeld (bitte jeweils für das Saarland und bundesweit aufschlüsseln)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Einkommenssituation und die Armutsgefährdung von Empfängerinnen und Empfängern laufender Entschädigungsleistungen für Opfer nationalsozialistischen Unrechts nach dem Bundesentschädigungsgesetz oder anderen bundesrechtlichen Entschädigungsregelungen vor?
Wie viele Menschen in der Altersgruppe von 20 bis 65 und von 60 bis 65 Jahren (gesamt und nach Einzeljahren) gingen nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren im Saarland und in Deutschland (Ost/West) einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach (bitte getrennt für Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung angeben sowie nach Geschlecht aufschlüsseln) und wie groß ist deren Anteil an allen Menschen der jeweiligen Altersgruppe?
Wie viele Menschen in der Altersgruppe 60 bis 65 Jahre gingen nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren im Saarland und in Deutschland (Ost/West) ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nach, und wie groß ist deren Anteil an allen Menschen dieser Altersgruppe (bitte nach Geschlecht aufschlüsseln)?
Wie viele Menschen ab 65 Jahren bzw. ab der Regelaltersgrenze gingen nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen zehn Jahren im Saarland und in Deutschland (Ost/West) ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nach und wie groß ist deren Anteil an allen Menschen dieser Altersgruppe (bitte nach Geschlecht aufschlüsseln)?
Sieht die Bundesregierung ein überdurchschnittlich hohes Armutsgefährdungsrisiko im Saarland und falls ja, mit welchen Maßnahmen wird die Bundesregierung die Altersarmut im Saarland reduzieren?