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Kleine AnfrageWahlperiode 21Beantwortet

Frühverrentungsmaßnahmen, Frühverrentungsmechanismen und Frühverrentungsanreize

Diese Kleine Anfrage von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN an Bundesministerium für Arbeit und Soziales gehört zur 21. Wahlperiode und hat den Stand „Beantwortet“.

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Datum

07.08.2026

Antwortdauer

15 Tage

Aktualisiert

07.08.2026

Offizielle Quellen und Volltext

Die verlinkten PDFs stammen direkt vom Dokumentenserver des Deutschen Bundestages.

Deutscher BundestagDrucksache 21/731424.07.2026

Frühverrentungsmaßnahmen, -mechanismen und -anreize

der Abgeordneten Dr. Armin Grau, Sylvia Rietenberg, Timon Dzienus, Ricarda Lang, Lisa Paus, Corinna Rüffer und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

In einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger forderte die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, am 22. Mai 2026 einen Stopp von Frühverrentungsprogrammen. Welche Frühverrentungsprogramme damit konkret gemeint sind, wird in dem Interview nicht näher ausgeführt. Relevant sein können dafür sowohl Möglichkeiten im Rentenrecht wie die Renten für langjährig und besonders langjährig Versicherte als auch tarifvertragliche, arbeitsrechtliche und steuerliche Regelungen sowie auch Formen unternehmerischen Handelns.

In der öffentlichen Debatte kommt eine systematische Einordnung, über welche Formen der Frühverrentung gesprochen wird, kaum vor. Meist wird nur über die rentenrechtlichen Formen und bestenfalls noch über Altersteilzeit gesprochen. Dass derzeit wieder verstärkt stattfindende große Stellenabbauprogramme wie vom Verband der Automobilindustrie (VDA) bis 2035 prognostiziert (www.zeit.de/wirtschaft/2026-05/deutschland-automobilindustrie-stellenabbauprognose-hildegard-mueller), in hohem Maße mit Frühverrentung einhergehen, kommt in Debatten bislang wenig vor. Zu Versachlichung und Systematisierung der Debatten ist es grundlegend notwendig, den aktuellen Stand der Verwendung und Wirkung der verschiedenen Frühverrentungsformen systematisch zu erfassen und darzustellen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen28

1

Wie haben sich das tatsächliche Renteneintrittsalter (getrennt nach Altersrente und Erwerbsminderungsrenten), die gesetzliche Regelaltersgrenze und die Differenz beider Werte in den letzten 25 Jahren entwickelt (bitte außer den Gesamtdaten auch aufgeteilt nach Geschlecht und Bundesländern) und wie bewertet die Bundesregierung die Entwicklung des tatsächlichen Renteneintrittsalters und des Unterschieds zwischen gesetzlichem und tatsächlichen Renteneintrittsalter?

2

Wie haben sich die Beitragsjahre aufgrund versicherungspflichtiger Beschäftigung, alle Beitragsjahre und Versicherungsjahre bei Rentenbeginn im Durchschnitt der letzten 25 Jahre für Altersrenten und bei Erwerbsminderungsrenten entwickelt (bitte außer den Gesamtdaten auch aufgeteilt nach Geschlecht und Bundesländern)?

3

In welchem Alter waren Beschäftigte durchschnittlich zuletzt vor Rentenbeginn beitragspflichtig beschäftigt – soweit möglich ohne Zeiten der Freistellung ohne Entgeltanspruch?

4

Wie viele Personen der Jahrgänge 1954–1969 erhalten eine gesetzliche Altersrente vor der Regelaltersgrenze bzw. hatten zum Zeitpunkt des Renteneintritts die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht (bitte um Angaben insgesamt und aufgeschlüsselt nach den einzelnen Jahrgängen 1945–1969, nach Geschlecht und Bundesländern und mit Angabe der Absolutzahlen und Anteile in Prozent an den jeweiligen Jahrgängen)?

5

Welchen Anteil an den Verrentungen der Geburtsjahrgänge ab 1945 machen die Rente für besonders langjährig Beschäftigte, die Rente für langjährig Beschäftigte und die Regelaltersrente aus (bitte in Absolutzahlen und Prozentzahlen, zusätzlich aufgeteilt nach Geschlecht und Bundesland)?

6

Wie viele der Altersrentner*innen der Jahrgänge ab 1945 gehen einem sozialversicherungspflichtigen Job nach (aufgeteilt nach geringfügiger Beschäftigung (Mini-Jobs), dem Übergangsbereich (Midi-Jobs) und nicht geringfügiger Beschäftigung, Geschlecht und Bundesländern)?

7

Welche Faktoren, die einem längeren Arbeiten entgegenwirken, spielen nach Ansicht der Bundesregierung eine Hauptrolle (bitte aufgeschlüsselt nach materiellen Anreizen, rechtlichen Hindernissen, Hindernissen am Arbeitsmarkt und gesundheitlichen Aspekten)?

8

Welche Maßnahmen sind nach Ansicht der Bundesregierung geeignet, um das tatsächliche Renteneintrittsalter weiter zu erhöhen und welche diesbezüglichen Maßnahmen plant die Bundesregierung?

Wie groß wären unerwünschte Folgewirkungen dieser Maßnahmen, insbesondere mit Blick auf Personen, die aus gesundheitlichen Gründen oder wegen den Bedingungen des Arbeitsmarktes den Renteneintritt nicht aufschieben bzw. die Erwerbstätigkeit nicht verlängern können und welche Folgekosten würde dadurch bei anderen Leistungen (Reha oder Erwerbsminderung) oder Sozialsystemen entstehen?

9

Welche Elemente im aktuellen Rentenrecht sieht die Bundesregierung, die Anreize hin zu einer früheren Verrentung auslösen können, und welche Maßnahmen erwägt die Bundesregierung, um diesen Anreizen entgegenzuwirken?

Wie groß wären dabei unerwünschte Folgewirkungen dieser Maßnahmen, insbesondere mit Blick auf Personen, die aus gesundheitlichen Gründen oder wegen den Bedingungen des Arbeitsmarktes den Renteneintritt nicht aufschieben bzw. die Erwerbstätigkeit nicht verlängern können und welche Folgekosten würde dadurch bei anderen Leistungen (Reha oder Erwerbsminderung) oder Sozialsystemen entstehen?

10

Wie viele Personen haben seit ihrem Bestehen die Rente für besonders langjährig Beschäftigte in Anspruch genommen und wie alt waren sie dabei im Durchschnitt (bitte neben den Gesamtzahlen aufgeteilt nach Jahr, Geschlecht, Bundesländern und Berufsgruppen)?

11

Wie bewertet die Bundesregierung die Wirkung der Rente für besonders langjährig Beschäftigte vor dem Hintergrund der bei ihrer Einführung erklärten Ziele und welche Maßnahmen plant die Bundesregierung bezüglich der Rente für besonders langjährig Beschäftigte?

12

Wie viele Personen haben seit ihrem Bestehen die Rente für langjährig Beschäftigte in Anspruch genommen und wie alt waren sie dabei im Durchschnitt (bitte neben den Gesamtzahlen aufgeteilt nach Jahr, Geschlecht, Bundesländern und Berufsgruppen)?

13

Wie hoch waren die durchschnittlichen Abschläge, die Personen bei der Rente für langjährig Beschäftigte in Kauf nehmen mussten (bitte neben den Gesamtzahlen aufgeteilt nach Jahr, Geschlecht und Bundesländern)?

14

Wie hoch waren die durchschnittlich pro Pflichtbeitragsjahr erworbenen Entgeltpunkte (ohne Berücksichtigung des Zugangsfaktors) bei verschiedenen Altersrenten und den Erwerbsminderungsrenten und wie hoch war jeweils die Summe an Entgeltpunkten vor Anwendung des Zugangsfaktors?

15

Wie viele Personen haben in den letzten 20 Jahren über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus gearbeitet und wie viele davon versicherungspflichtig (bitte neben den Gesamtzahlen aufgeteilt nach Jahr, nach Jahrgängen, Geschlecht und Bundesländern, Berufsgruppen und dem Anteil der Personen, die eine gesetzliche Altersrente erhalten haben)?

16

Wie hoch war in den letzten zehn Jahren jeweils jährlich die Zahl der aus den Unternehmen mittels Kündigungen, Abfindungen oder Transfergesellschaften sowie mit Aufhebungsverträgen, bezahlten Freistellungen und Konstruktionen über Sabbaticals freigesetzten Arbeitskräfte (bitte neben den Gesamtzahlen aufgeteilt nach Altersgruppen (< 50 Jahre, 50–54, 55–59, 60–64, 65–69, über 69 Jahre), Geschlecht, Bundesländern und Branchen, bitte jeweils mit Gesamtzahlen und Prozentanteilen; bitte Überlappungen der gefragten Kategorien separat ausweisen)?

17

Welche Formen der Frühverrentung sind der Bundesregierung bekannt, die von Unternehmen angewendet werden, um das Beschäftigungsverhältnis älterer Arbeitnehmer*innen vorzeitig vor der Regelaltersgrenze zu beenden (sowohl gegen den Willen der Beschäftigten als auch unter deren Zustimmung)?

Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Gesamtkosten der einzelnen Maßnahmen und wie verteilen sich die Kosten auf die Unternehmen, die Beschäftigten, die einzelnen Sozialversicherungen und die Einnahmen bzw. Ausgaben der Gebietskörperschaften?

18

Wie viele Personen haben in Deutschland in den letzten 10 Jahren an betrieblichen Abfindungsprogrammen mit Frührenteneintritt teilgenommen (bitte Angabe für die einzelnen Jahre, jeweils insgesamt und aufgeteilt nach den Altersgruppen der Frage 13, nach Geschlecht, nach Bundesland und dem Anteil der Personen, die neben der Rente noch gearbeitet haben, aufgeteilt nach Teil- und Vollzeit)?

19

Wie viele Arbeitnehmer*innen haben nach Kenntnis der Bundesregierung betriebliche Abfindungen bekommen und dazu benutzt, Abschläge bei früherem Renteneintritt auszugleichen, und wie viele davon haben tatsächlich von einem vorzeitigen Renteneintritt Gebrauch gemacht (bitte insgesamt und aufgeteilt nach Geschlecht und Bundesland)?

20

Wie viele Arbeitnehmer*innen haben in den letzten 20 Jahren Vorruhestandsgeld vom Arbeitgeber erhalten (bitte differenziert nach Jahr, Geschlecht, Bundesländern, nach Branchen und nach Einmalzahlung bzw. monatlicher Zahlung)?

21

Wie war das durchschnittliche Alter beim Beginn des Vorruhestandsgelds und, soweit bekannt, die durchschnittliche Höhe des Vorruhestandsgelds relativ zum vorherigen Bruttolohn (bitte differenziert nach Jahr, Geschlecht, Bundesländern und Branchen)?

22

Wie häufig beruhte die Zahlung des Vorruhestandsgelds auf a) Tarifverträgen, b) betrieblichen Vereinbarungen, c) arbeitsvertraglichen Einzelvereinbarungen und d) Sozialplänen (bitte differenziert nach Jahr, Geschlecht, Bundesländern und nach Branchen)?

23

Wie viele Arbeitnehmer*innen haben in den letzten 20 Jahren ein Altersteilzeitmodell in Anspruch genommen und welches durchschnittliche Alter hatten die Beschäftigten bei Eintritt in das jeweilige Modell (bitte differenziert nach Jahr, Geschlecht, Bundesland, Branchen und Blockmodell, Gleichverteilungsmodell und anderen Verteilungsmodellen)?

24

Wie häufig haben Beschäftigte in den letzten 10 Jahren Teilrente und Weiterarbeit kombiniert (Flexi-Rente) (bitte differenziert nach Jahr, Geschlecht, Bundesland und wenn möglich differenziert nach Branchen)?

25

Wie viele Personen im Alter von 60 bis unter 65 Jahren haben in den letzten 10 Jahren in den letzten 24 Monaten vor Erreichen der Regelaltersgrenze oder der abschlagsfreien Altersrente (ab 63 Jahren mit 45 Versicherungsjahren) Arbeitslosengeld I bezogen (bitte aufschlüsseln nach: Alter (60–62, 63–64 Jahre), Dauer des Bezugs (1–6 Monate, 7–12 Monate, 13–24 Monate), Grund für den Arbeitsplatzverlust (z. B. Insolvenz, Geschäftsaufgabe, betriebsbedingte Kündigung, andere Gründe), Geschlecht, Branchen und Bundesländern)?

26

Wie viele Personen im Alter von 60 bis unter 65 Jahren haben in den letzten 10 Jahren in den letzten 24 Monaten vor Erreichen der Regelaltersgrenze oder der abschlagsfreien Altersrente (ab 63 Jahren mit 45 Versicherungsjahren) zunächst Transferkurzarbeitergeld und dann Arbeitslosengeld I (sog. Airbag-Modell) bezogen (bitte aufschlüsseln nach: Alter (60–62, 63–64 Jahre), Dauer des Bezugs (1–6 Monate, 7–12 Monate, 13–24 Monate), Grund für den Arbeitsplatzverlust (z. B. Insolvenz, Geschäftsaufgabe, betriebsbedingte Kündigung, andere Gründe), Geschlecht, Branchen und Bundesländern)?

27

Wie viele Beschäftigte haben in den letzten 10 Jahren ein Wertguthabenmodell, in dem sie Arbeitszeit oder Entgelt angespart haben, zu einem vorgezogenen Übergang in den Ruhestand genutzt (bitte differenziert nach Jahren, Geschlecht, Alter, Branchen und Bundesländern)?

28

Wie beurteilt die Bundesregierung die Wirkung der verschiedenen Maßnahmen der Fragen 13 bis 23 im Hinblick auf den Arbeitsmarkt, den Fachkräftemangel und die gesetzliche Rentenversicherung und welche Maßnahmen hält sie für erforderlich?

Berlin, den 6. Juli 2026

Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion

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