Erhalt der genetischen Vielfalt heimischer Baumarten in Deutschland
der Abgeordneten Marcel Queckemeyer, Andreas Bleck, Dr. Michael Blos, Dr. Ingo Hahn, Karsten Hilse, Thomas Korell, Dr. Rainer Kraft, Manuel Krauthausen, Dr. Paul Schmidt und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Die genetische Vielfalt innerhalb von Baumarten stellt eine grundlegende Voraussetzung für die Anpassungsfähigkeit und Stabilität von Waldökosystemen dar. Sie ermöglicht Populationen, auf Umweltveränderungen, Krankheiten oder Schädlingsbefall zu reagieren und trägt somit wesentlich zur langfristigen Resilienz von Wäldern bei (www.bfn.de/begriffserlaeuterungen ).
Mehrere Baumarten in Europa und Deutschland sind derzeit von Krankheiten oder Schadorganismen betroffen. Besonders bekannt ist das Eschentriebsterben (Hymenoscryphus fraxineus), das seit den frühen 2000er Jahren zu erheblichen Schäden bei der Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior) geführt hat (www.nw-fva.de/fileadmin/nwfva/common/veroeffentlichen/waldschutzpraxis/Waldschutz_PraxisInfo_04_Eschentiebsterben_2016-08.pdf ). Untersuchungen zeigen, dass innerhalb der Population genetische Unterschiede bestehen und einzelne Individuen eine erhöhte Resistenz gegenüber dem Krankheitserreger aufweisen können (www.fnr.de/presse/forschung-live/projektnews/genetische-marker-zu-erhoehten-resistenzen-gegen-das-eschentriebsterben-bestaetigt).
Auch andere heimische Baumarten stehen zunehmend unter Druck durch invasive Schadorganismen, Klimastress oder Veränderungen der Landnutzung. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass genetische Ressourcen von Waldbaumarten eine entscheidende Grundlage für langfristige Waldstabilität darstellen (https://openknowledge.fao.org/server/api/core/bitstreams/1ca65f2b-dfae-44e0-9919-a8428d7ee7b7/content).
Auf europäischer Ebene befassen sich Programme wie das European Forest Genetic Resources Programme (EUFORGEN) mit der Erhaltung genetischer Ressourcen von Waldbaumarten und unterstützen Staaten bei der Identifikation und Sicherung genetisch bedeutender Bestände (www.euforgen.org/about-us/overview ).
Vor diesem Hintergrund besteht aus Sicht der Fragesteller Klärungsbedarf darüber, über welche Datengrundlagen, Monitoringstrukturen und Schutzmaßnahmen die Bundesregierung derzeit hinsichtlich der genetischen Vielfalt heimischer Baumarten verfügt und welche Maßnahmen sie zur langfristigen Sicherung dieser genetischen Ressourcen plant.
Vorabfassung - wird durch die lektorierte Version ersetzt.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen20
Welche Programme oder Strategien verfolgt die Bundesregierung derzeit zur Erhaltung genetischer Ressourcen heimischer Baumarten in Deutschland?
Welche Baumarten werden nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland derzeit als besonders gefährdet hinsichtlich ihrer genetischen Vielfalt eingestuft?
Über welche bundesweiten Datensätze oder Monitoringprogramme zur genetischen Vielfalt von Waldbaumarten verfügt die Bundesregierung gegebenenfalls?
Wie viele genetische Erhaltungsbestände (Anzahl) und wie viel Fläche (in ha) sind für heimische Baumarten in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit ausgewiesen, aufgeschlüsselt nach Baumart und Bundesland?
Welche Rolle spielt die genetische Vielfalt bei der Auswahl von Saatgut und Pflanzmaterial im Rahmen staatlicher oder staatlich geförderter Aufforstungsprogramme?
Welche konkreten Maßnahmen wurden seit dem Jahr 2010 zur Sicherung genetischer Ressourcen heimischer Baumarten nach Kenntnis der Bundesregierung umgesetzt (bitte mit Jahr, verantwortlicher Institution und, soweit vorhanden, Fördersumme in Euro auflisten)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über genetische Resistenz gegenüber Krankheiten oder Schädlingen bei heimischen Baumarten vor (z. B. beim Eschentriebsterben)?
Welche Maßnahmen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung ergriffen, um genetisch resistente Individuen betroffener Baumarten zu identifizieren, zu schützen oder gezielt zu vermehren?
Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung genetische Kriterien bei der Auswahl von Baumarten und Herkünften im Rahmen von Wiederbewaldungsprogrammen nach Schadereignissen in Deutschland?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung gegebenenfalls über mögliche Risiken für die genetische Vielfalt heimischer Baumarten durch großflächige Aufforstung mit wenigen genetischen Herkünften?
Wie viele Herkünfte bzw. Populationen heimischer Baumarten sind aktuell in nationalen Saatgutbanken oder Genbanken erfasst (bitte konkrete Anzahl je Baumart), und wie hat sich diese Zahl seit 2015 entwickelt?
Welche Forschungsvorhaben zur genetischen Vielfalt von Waldbaumarten wurden seit 2010 gegebenenfalls durch Bundesmittel gefördert (bitte mit Titel, Förderzeitraum und Fördersumme in Euro), und wie hoch war das gesamte Fördervolumen in diesem Bereich seit 2010?
Welche Rolle spielen Bundesinstitutionen wie das Thünen-Institut oder das Bundesamt für Naturschutz bei der Erforschung und Sicherung genetischer Ressourcen von Waldbaumarten?
Welche Maßnahmen zur Sicherung genetischer Vielfalt von Baumarten erfolgen gegebenenfalls im Rahmen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt?
In welchem Umfang werden in Deutschland genetische Aspekte bei der Umsetzung europäischer Programme zum Schutz forstlicher Genressourcen berücksichtigt?
Vorabfassung - wird durch die lektorierte Version ersetzt.
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über mögliche Auswirkungen invasiver Schadorganismen auf die genetische Vielfalt heimischer Baumarten?
Welche Rolle spielen genetische Aspekte in nationalen Programmen und Strategien zur Anpassung der Wälder in Deutschland an klimatische Veränderungen?
Welche Maßnahmen sieht die Bundesregierung vor, um langfristig die genetische Vielfalt heimischer Baumarten zu erhalten und zu fördern?
Welche Kooperationen bestehen gegebenenfalls zwischen Bund, Ländern und wissenschaftlichen Einrichtungen zur Erfassung und Sicherung genetischer Ressourcen von Waldbaumarten?
Plant die Bundesregierung ein bundesweit einheitliches Monitoring der genetischen Vielfalt von Waldbaumarten aufzubauen oder auszubauen (bitte mit Ja oder Nein beantworten), und falls ja, bis zu welchem konkreten Zeitpunkt soll dies umgesetzt werden?