[Deutscher Bundestag Drucksache 17/5705
17. Wahlperiode 04. 05. 2011 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Oliver Krischer, Thilo Hoppe, Hans-Josef
Fell, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 17/5595 –
Erdöl- und Erdgasspeicher in Deutschland
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Zu Beginn der 1970er-Jahre beauftragte die Bundesregierung die
Energieversorger in Deutschland damit, eine nationale Reserve an Erdöl- und
Erdgasspeichern anzulegen. Die Speicher sollten einerseits dazu dienen, kurzfristige
Schwankungen im Verbrauch auszugleichen, andererseits sollten sie im Falle
von Lieferengpässen zur Versorgungssicherheit in Deutschland beitragen. Einer
dieser Kavernenspeicher beispielsweise liegt im Kreis Wittmund auf dem
Gelände der Gemeinde Friedeburg, nahe der Ortschaften Horsten, Etzel und Marx.
Damals angelegt zur Bevorratung der nationalen Erdölreserve, werden
vorhandene Kavernen nun zur Gasspeicherung genutzt, und darüber hinaus neue
angelegt. So werden die Kavernenspeicher von gegenwärtig 40 auf 144 Kavernen
ausgebaut. Damit verbunden ist auch der Bau mehrerer Gasverdichterstationen
und weiterer oberirdischer Industrieanlagen, die von mehreren Unternehmen
betrieben werden. Es handelt sich um den größten Erdgasspeicher Europas. Für
die Anwohnerinnen und Anwohner des Gasspeichers bedeuten Bau und Betrieb
der Anlage jedoch enorme Belastungen. Sie sind durch Bodenabsenkungen
unter Meeresniveau und einer Industrialisierung der Landschaft mit allen
Begleiterscheinungen sowie einer Verschmutzung der Nordsee durch die Einleitung
von Sole in den Jadebusen betroffen.
1. Welche großen Speicheranlagen existieren in Deutschland insgesamt (bitte
auflisten nach Kubikmeter Kapazität und Standort getrennt für Erdöl und
Erdgas)?
Es existieren folgende Gasspeicher, in Deutschland aufgelistet u. a. nach
Standort, Betreiber und Arbeitsgaskapazität: Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie vom
3. Mai 2011 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/5705 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeSpeicher
Standort
Eigentümer,
Betreiber
Speichertyp gesamtes
Speichervolumen
Maximale
Arbeitsgaskapazität
Plateau-
Entnahmerate
(Mio. m3 Vn) (Mio. m
3 Vn) (1 000 m³ / h)
Allmenhausen b.
Mühlhausen/Th.
E.ON Thüringer
Energie AG
ehem. Gasfeld 380 62 62
Bad Lauchstädt b.
Halle
Verbundnetz Gas
AG
ehem. Gasfeld 670 440 238
Bad Lauchstädt b.
Halle
Verbundnetz Gas
AG
18 Kavernen 856 664 920
Berlin Berliner Gaswerke
AG (GASAG)
Aquifer 1 085 780 225
Bernburg Verbundnetz Gas
AG
34 Kavernen 1 410 1 091 1 000
Bierwang b.
München
E.ON Gas Storage
GmbH
ehem. Gasfeld 3 140 1 441 1 200
Breitbrunn/
Eggstätt im Chiemgau
RWE-DEA AG,
Mobil GmbH, E.ON
Gas Storage GmbH
ehem. Gasfeld 2 075 1 080 520
Bremen–Lesum swb Netze
GmbH & Co. KG
2 Kavernen 83 68 160
Bremen–Lesum Exxon Mobile Gas
Storage GmbH
2 Kavernen 247 160 220
Buchholz b.
Potsdam
Verbundnetz Gas
AG
Aquifer 234 175 80
Burggraf–
Bernsdorf b. Naumburg
Verbundnetz Gas
AG
stillg.
Bergwerk
5 3 40
Dötlingen b.
Oldenburg
BEB/Exxon Mobil
Gas
ehem. Gasfeld 4 058 1 580 840
Empelde b.
Hannover
GHG-Gasspeicher
Hannover GmbH
4 Kavernen 300 136 360
Epe b. Münster E.ON Gas Storage
GmbH
36 Kavernen 2 363 1 869 2 894
Epe b. Münster RWE WWE
Netzservice GmbH,
Thyssengas GmbH
10 Kavernen 606 478 870
Epe b. Münster Nuon Epe
Gasspeicher GmbH
4 Kavernen 285 216 500
Epe b. Münster Essent Energie
Gasspeicher GmbH
6 Kavernen 469 372 400
Epe b. Münster Trianel
Gasspeichergesellschaft
3 Kavernen 161 128 300
Eschenfelden E.ON Gas Storage
GmbH
Aquifer 168 72 130
Etzel b.
Wilhelmshaven
IVG Kavernen
GmbH
9 Kavernen 770 485 1 310
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/5705Speicher
Standort
Eigentümer,
Betreiber
Speichertyp gesamtes
Speichervolumen
Maximale
Arbeitsgaskapazität
Plateau-
Entnahmerate
(Mio. m3 Vn) (Mio. m
3 Vn) ( 1 000 m³ / h)
Frankenthal b.
Worms
Enovos Deutschland
AG, Creos
Aquifer 300 80 130
Fronhofen-
Illmensee
Storengy
Deutschland GmbH
ehem. Ölfeld 153 35 75
Hähnlein b.
Darmstadt
E.ON Storage
GmbH
Aquifer 160 80 100
Harsefeld b. Stade Exxon Mobile für
BEB
2 Kavernen 186 128 300
Huntorf i. d.
Wesermarsch
EWE AG 6 Kavernen 403 295 350
Inzenham-West b.
Rosenheim
RWE-DEA AG ehem. Gasfeld 880 500 300
Kalle b. Bad
Bentheim
RWE Gasspeicher
GmbH
Aquifer 630 215 400
Kiel-Rönne StadtwerkeKielAG,
E.ON Hanse AG
2 Kavernen 83 43 100
Kirchheilingen b.
Mühlhausen/Th.
Verbundnetz
Gas AG
ehem. Gasfeld 240 190 125
Kraak E.ON Hanse AG 3 Kavernen 216 190 200
Krummhörn b.
Emden
E.ON Storage
GmbH
3 Kavernen 54 39 200
Lehrte/Hannover E.ON Avacon AG ehem. Ölfeld 120 35 50
Neuenhuntorf EWE AG 1 Kaverne 33 17 100
Nüttermoor b. Leer EWE AG 16 Kavernen 1 452 1 068 1 300
Peckensen Storengy
Deutschland GmbH
1 Kaverne 100 65 125
Reckrod Gas-Union GmbH 3 Kavernen 178 110 100
Rehden b.
Diepholz
Wintershall,
WINGAS GmbH
ehem. Gasfeld 7 000 4 200 2 400
Reitbrook b.
Hamburg
GDF SUEZ E&P ehem. Ölfeld 530 350 350
Rüdersdorf EWE AG 1 Kaverne 58 47 70
Sandhausen b.
Heidelberg
E.ON Gas Storage
GmbH
Aquifer 60 30 45
Schmidhausen b.
München
GDF SUEZ E&P ehem. Gasfeld 300 150 150
Staßfurt Kavernenspeicher
Staßfurt GmbH,
RWE Gasspeicher
GmbH
4 Kavernen 242 200 250
Drucksache 17/5705 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeFür Mineralöl existierten zum Jahresende 2009 folgende Kavernenspeicher:
2. Wie hat sich die Gesamtkapazität in den letzten 30 Jahren verändert?
Die Kapazität der Gasspeicher betrug in Deutschland 1980 ca. 3 Milliarden
Kubikmeter.
Derzeit beträgt die Kapazität ca. 20,8 Milliarden Kubikmeter.
Die Kapazität der Ölspeicher betrug vor 30 Jahren knapp 28 Millionen
Kubikmeter.
Speicher
Standort
Eigentümer,
Betreiber
Speichertyp gesamtes
Speichervolumen
Maximale
Arbeitsgaskapazität
Plateau-
Entnahmerate
(Mio. m3 Vn) (Mio. m
3 Vn) (1 000 m³ / h)
Stockstadt b.
Darmstadt
E.ON Ruhrgas AG ehem. Gasfeld 94 45 45
Stockstadt b.
Darmstadt
E.ON Ruhrgas AG Aquifer 180 90 90
Uelsen Exxon Mobile für
BEB
ehem. Gasfeld 1 220 750 450
Wolfersberg b.
München
RWE-DEA AG ehem. Gasfeld 583 365 240
Xanten am
Niederrhein
RWE Gasspeicher
GmbH
8 Kavernen 217 187 280
Kapazität, insgesamt: 35 037 20 804
Quelle: Meldungen der Betreiberfirmen an Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, Hannover, 31. Dezember 2009.
Speicher-Standort Betreiber Gesamtvolumen
(1 000 cbm)
Friedeburg IVG Kavernen GmbH 8 000 000
Heide Nord-West-Kavernengesellschaft mbH 1 612 100
Sottorf/Rosengarten Nord-West-Kavernengesellschaft mbH 1 755 100
Wilhelmshaven Nord-West-Kavernengesellschaft mbH 7 158 300
Bremen Nord-West-Kavernengesellschaft mbH 1 289 800
Ahaus SGW (Kavernenspeicher) 3 161 168
Dörverden Wintershall Holding AG, Erdölwerke 466 000
Nordenham Untertagespeichergesellschaft mbH 2 286 698
Gesamtkapazität 25 729 166
Quelle: Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/57053. Welche Speicherkapazitäten für Erdöl und Erdgas befinden sich gegenwärtig
im Bau, bzw. für welche Kapazitäten liegen Anträge vor?
Stand 31. Dezember 2009 befanden sich 25 Erdgasspeicher mit einer Kapazität
von 13,9 Milliarden Kubikmetern in Bau oder Planung.
Für Öl wird gegenwärtig in Wilhelmshaven-Rüstringen ein Kavernenspeicher
mit einem Nettovolumen von 1 Millionen m3 gesohlt und der Bau dreier weiterer
mit gleicher Größe vorbereitet. Von weiteren Vorhaben hat die Bundesregierung
keine Kenntnis.
4. Welche Unternehmen betreiben gegenwärtig Erdgas- bzw. Erdölspeicher in
Deutschland?
Siehe Antwort zu Frage 1.
5. Wo befinden sich gegenwärtig Erdöl- und Erdgasspeicher in Deutschland,
und wo befinden sich solche Speicher im Bau?
In Deutschland befinden sich folgende Erdgasspeicher in Bau oder Planung:
a) Kavernenspeicher: Dabei enthält ein Speicherprojekt mehrere Einzelspeicher
Ort Gesellschaft Anzahl
der
Einzelspeicher
Teufem
Speicherformation
Gesamtvolumen
Mio.m3
(Vn)
max.
nutzbares
Arbeitsgas
Mio.m3
(Vn)
Arbeitsgas n.
Endausbau
Mio.m3
(Vn)
Plateau-
Entnahmerate
1 000 m3/h
Bad
Lauchstädt
Verbundnetz
Gas AG
44 800–860 Zechstein 2 332 – 260 –
Bernburg Verbundnetz Gas AG 2 500–700 Zechstein 2 88 – 71 –
Empelde GHG-Gasspeicher
Hannover GmbH
1 1 300–
1 800
Zechstein 2 125 – 100 –
Epe-CGS Continental
Gas Storage
Deutschl. GmbH
3 1 000–
1 400
Zechstein 1 292 – 177 –
Epe-
ENECO
ENECO Store GmbH 2 1 100–
1 400
Zechstein 175 – 125 –
Epe-Essent Essent Energie
Gasspeicher GmbH
4 1 120–
1 200
Zechstein 220 – 172 –
Epe-KGE Kommunale
Gasspeichergesellschaft
Epe mbH & Co. KG
4 1 100–
1 400
Zechstein 250 – 180 –
Epe-NUON NUON Epe
Gasspeicher GmbH
3 1 100–
1 420
Zechstein 1 154 – 330 –
Epe-Trianel Trianel
Gasspeichergesellschaft Epe mbH &
Co. KG
1 1 060–
1 400
Zechstein 1 143 – 109 –
Etzel-E.ON E.ON Gas Storage
GmbH
25 1 200 Zechstein 3 375 – 2 500 –
Etzel-IVG IVG Caverns GmbH 30 1 150 Zechstein 1 3 400 – 2 500 –
Etzel-IVG IVG Caverns GmbH 10 800–1 000 Zechstein 2 1 100 – 750 –
Jemgum-
E.ON
E.ON Gas Storage
GmbH
20 1 150–
1 600
Zechstein 2 590 – 2 000 –
Drucksache 17/5705 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodeb) Hinzu kommt ein Porenspeicher in Behringen von Storenergy mit einer
Arbeitsgaskapazität von 1 000 Millionen Kubikmeter.
c) Für Erdölspeicher siehe Antwort zu Frage 1.
6. Welche Bedeutung besitzen große Kavernenspeicher für Erdöl und Erdgas in
der Energiekonzeption der Bundesregierung?
Erdgas kann als wichtige Brücke zum Übergang in das Zeitalter der
erneuerbaren Energien dienen. Vor diesem Hintergrund sind Erdgasspeicher unter den
Gesichtspunkten Versorgungssicherheit und Liquidität auf dem Gasmarkt von
Bedeutung.
Im Bereich Erdöl werden Kavernenspeicher überwiegend genutzt, um die
gesetzlich geregelte Bevorratungspflicht zu erfüllen; auch
Bevorratungsorganisationen anderer EU-Staaten sind unter den Nutzern.
Ort Gesellschaft Anzahl
der
Einzelspeicher
Teufem
Speicherformation
Gesamtvolumen
Mio.m3
(Vn)
max.
nutzbares
Arbeitsgas
Mio.m3
(Vn)
Arbeitsgas n.
Endausbau
Mio.m3
(Vn)
Plateau-
Entnahmerate
1 000 m3/h
Jemgum-
EWE
EWE AG 5 950–1 400 Zechstein – – – –
Jemgum-
WINGAS
Wingas
GmbH & Co. KG
12 1 000–
1 600
Zechstein 1 620 – 1 200 –
Kiel-Rönne Stadtwerke Kiel AG 1 1 250–
1 600
Rotliegend 147 – 95 –
Kraak E.ON Hanse AG 1 1 300–
1 450
Zechstein 143 – 115 –
Nüttermoor EWE AG 3 950–1 300 Zechstein – – – –
Ohrensen Storengy
Deutschland GmbH
7 1 200–
1 500
Zechstein 1 305 – 730 –
Peckensen Storengy
Deutschland GmbH
9 1 100–
1 400
Zechstein 1 050 – 600 –
Reckrod-
Wölf
Wintershall
Holding AG
2 700–900 Zechstein 1 150 – 120 –
Rüdersdorf EWE AG 1 900–1 200 Zechstein – – – –
Staßfurt RWE
Gasspeicher GmbH
4 850–1 150 Zechstein 740 – 600 –
Xanten RWE
Gasspeicher GmbH
5 1 000 Zechstein 150 – 125 –
Summe (Planung/Bau) 159 17 549 – 12 859 –
Quelle: Betreiberfirmen ERDÖL ERDGAS KOHLE 126. Jg. 2010, Heft 11, Stand 31. Dezember 2009.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/57057. Auf welche Weise haben die Bundesregierung oder die Länder direkt oder
indirekt die Errichtung und den Betrieb solcher Kavernenspeicher in der
Vergangenheit veranlasst oder gefördert?
Für welche Speicheranlagen trifft dies zu?
8. Welche energiepolitischen Ziele verfolgte bzw. verfolgt die
Bundesregierung damit?
Die Fragen 7 und 8 werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung hat die Errichtung bzw. den Betrieb von Erdgasspeichern
nicht gefördert oder veranlasst. Maßnahmen der Länder sind der
Bundesregierung nicht bekannt. Im Jahr 1970 beschloss die Bundesregierung, Kavernen zur
Einlagerung einer neu zu schaffenden Bundesrohölreserve anzulegen. Die
damalige Bundeskavernenanlage Etzel wurde nach Auflösung der bundeseigenen
Rohölreserve im Jahr 2005 an die IVG veräußert (siehe Antwort zu Frage 1,
Anlage Friedeburg).
9. Welche veränderten Prioritäten hat es in den letzten Jahren gegeben?
Erdgasspeicher haben in den letzten Jahren an Bedeutung für die
Versorgungssicherheit gewonnen und dienen zunehmend auch der wettbewerblichen
Optimierung der Marktteilnehmer. Für Öl siehe Antwort zu Frage 6.
10. Welche Zeiträume können in Deutschland durch die vorhandenen Speicher
im Falle eines Ausbleibens von Erdöl- und Erdgaslieferungen überbrückt
werden?
Die Erdgasspeicherkapazitäten in Deutschland betragen mehr als 20 Prozent des
Jahresverbrauchs. Welcher Zeitraum mit den Speichern überbrückt werden
kann, hängt ab von der Jahreszeit (der Verbrauch ist im Winter deutlich höher als
im Sommer) und von den Speicherfüllständen zum Zeitpunkt des Ausfalls. Das
Arbeitsgasvolumen der Gasspeicher entspricht dem durchschnittlichen
bundesweiten Verbrauch von ca. 75 bis 80 Tagen.
Im Fall vollständig ausbleibender Erdöllieferungen kann mit den zur
Krisenvorsorge in Kavernen gelagerten Vorräten der Verbrauch der
bevorratungspflichtigen Erdölerzeugnisse für rund 59 Tage gedeckt werden.
11. Dienen z. B. die im Landkreis Wittmund errichteten oder noch geplanten
Kavernenspeicher der „nationalen Energiesicherheit“?
Wenn ja, in welcher Weise?
Erdgasspeicher dienen immer auch der Erdgasversorgungssicherheit, für die
nach dem Energiewirtschaftsgesetz primär die Unternehmen die Verantwortung
tragen.
Kavernenspeicher, in denen Erdöl oder Erdölerzeugnisse zur Erfüllung der
gesetzlich geregelten Bevorratungspflicht gelagert werden, dienen unmittelbar der
„nationalen Energiesicherheit“. Alle anderen Kavernenspeicher tragen ebenfalls
zur Versorgungssicherheit bei.
Drucksache 17/5705 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode12. Erachtet die Bundesregierung unter Aspekten der Versorgungssicherheit
einen weiteren Ausbau der Speicherkapazitäten für Erdöl und Erdgas als
notwendig, und wenn ja, warum?
Die Notwendigkeit des Ausbaus weiterer Erdgasspeicher hängt von der
zukünftigen Rolle von Erdgas im Energiemix ab und muss von den für die
Erdgasversorgungssicherheit verantwortlichen Unternehmen entschieden werden. Für
Erdöl gilt dies entsprechend.
13. In welcher Weise sind derartige Speicher Dritten zugänglich, die nicht den
Speicher besitzen oder betreiben?
Gibt es Ansprüche auf (Mit-)Nutzung für Dritte?
Der Zugang zu Erdgasspeicheranlagen erfolgt im Wege des verhandelten
Zugangs. Im Energiewirtschaftsgesetz ist geregelt, dass Betreiber von
Speicheranlagen anderen Unternehmen grundsätzlich zu angemessenen und
diskriminierungsfreien Bedingungen Zugang zu den Speicheranlagen gewähren müssen,
sofern der Zugang für einen effizienten Netzzugang im Hinblick auf die
Belieferung der Kunden technisch und wirtschaftlich erforderlich ist. Verweigern die
Betreiber von Speicheranlagen den Zugang zu Speicheranlagen, die eben
genannte Kriterien erfüllen, trifft die Betreiber der Speicheranlagen die
Nachweispflicht.
Im Bereich Erdöl kann Dritten der Zugang im Rahmen privatwirtschaftlicher
Verträge ermöglicht werden, wie dies auch geschieht.
14. Wird das in den Kavernen komprimierte Gas bei seiner Expansion auch zur
Stromerzeugung genutzt, oder sind der Bundesregierung Überlegungen,
Studien, Projekte etc. bekannt, dies zu tun?
Wenn ja, welche?
Im Druckluftspeicher Huntorf wird komprimiertes Gas (Luft) in Kavernen
gespeichert und zur Stromerzeugung genutzt. Weiter gehende
Forschungsaktivitäten gibt es zu adiabaten Druckluftspeichern, in denen neben der Druckluft auch
die Kompressionswärme gespeichert wird (z. B. Forschungsprojekt ADELE).
Über die Nutzung von Erdgas als Arbeitsmedium liegen der Bundesregierung
keine Informationen vor.
15. Auf welcher rechtlichen Grundlage werden Genehmigungen für den Bau
und den Betrieb von Erdgas- bzw. Erdölspeichern vergeben?
Die rechtliche Grundlage für die Zulassung der unterirdischen behälterlosen
Speicherung bilden im Wesentlichen das Bundesberggesetz und die Verordnung
über die Umweltverträglichkeitsprüfung bergbaulicher Vorhaben (UVP-V
Bergbau).
16. Ist im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für Erdöl- bzw.
Erdgasspeicher eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgesehen, und wenn nein,
warum nicht?
Das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) sieht für die
oberirdische und unterirdische Errichtung und den Betrieb einer Anlage, die der
Lagerung von brennbaren Gasen in Behältern oder von Erzeugnissen, die brenn-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/5705bare Gase z. B. als Treibmittel oder Brenngas in Behältern enthalten, dient, ab
einem bestimmten Fassungsvermögen eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor.
Für die behälterlose unterirdische Speicherung von Erdgas und Erdöl gilt ab
einem bestimmten Fassungsvermögen die Verordnung über die
Umweltverträglichkeitsprüfung bergbaulicher Vorhaben (UVP-V Bergbau).
17. Sollte es zu Schäden an der nahegelegenen Wohnbebauung durch
Bodenabsenkungen kommen, auf welcher rechtlichen Grundlage wird im
Streitfall über eventuelle Entschädigungen entschieden?
Bei Schäden, die infolge von Tätigkeiten im Zusammenhang mit der
Untergrundspeicherung auftreten, bestimmt sich die Entschädigung nach Zivilrecht.
18. Hält die Bundesregierung die existierenden rechtlichen Grundlagen für
Schadensfälle an Wohnbebauungen, welche durch Bodenabsenkungen
hervorgerufen wurden, für ausreichend?
Ja.
19. Warum wurde bei den Gebäuden im Senkungstrichter keine Nullmessung
zum Nachweis möglicher späterer Bergschäden vor dem Beginn der
Errichtung neuer Kavernen durchgeführt?
20. Erachtet die Bundesregierung die existierenden sicherheitstechnischen
Auflagen für Gasspeicher und Gasverdichterstationen für ausreichend, und
wenn ja, wieso konnte es zu einem solchen Großbrand wie am 26. Oktober
2007 in der Gemeinde Emsbüren kommen?
21. Erachtet die Bundesregierung es als angemessen, dass ein Großprojekt wie
die Gasspeicherkavernen in der Gemeinde Friedeburg im Kreis Wittmund
mit einer eigenen Werksfeuerwehr ausgestattet wird, und wenn nein,
warum nicht?
Die Fragen 19 bis 21 werden gemeinsam beantwortet.
Nach der im Grundgesetz festgelegten Kompetenzverteilung zwischen Bund
und Ländern ist für die Durchführung dieser Genehmigungsverfahren das
jeweilige Land ausschließlich zuständig. Zu den Einzelheiten dieser Verfahren kann
daher seitens der Bundesregierung nicht Stellung genommen werden.
22. Welche Mengen an Sole werden gegenwärtig durch den Betrieb des
Speichers in die Nordsee eingeleitet, und wie wird dieser Vorgang behördlich
überwacht?
23. Bewertet die Bundesregierung die Einleitung von Sole in die Nordsee als
unbedenklich, und wenn ja, warum?
Die Fragen 22 und 23 werden gemeinsam beantwortet.
Der Bundesregierung liegen hierzu – aus den in der Antwort zu Frage 19
dargelegten Gründen – keine eigenen Erkenntnisse vor. Die Niedersächsische
Landesregierung hat hierzu eine Stellungnahme abgegeben (Drucksache 16/
2670 des Niedersächsischen Landtages).
Drucksache 17/5705 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode24. Ab welcher Menge eingeleiteter Sole erachtet die Bundesregierung die
Einleitung von Sole in die Nordsee als problematisch?
Die pauschale Angabe einer Menge Sole, ab der eine Einleitung als
problematisch angesehen wird, ist nicht möglich. In Abhängigkeit vom Ort der Einleitung
in die Küstengewässer können Soleeinleitungen unterschiedliche Wirkungen
verursachen. Die lokalen Verhältnisse und mögliche besondere Schutzziele im
betreffenden Küstengewässer sind im Genehmigungsverfahren bei der
Festlegung der Einleitungsmengen zu berücksichtigen.
25. Mit welchen finanziellen Rücklagen wird sichergestellt, dass die IVG
Immobilien AG und die Betreiber der Gasverdichterstationen genügend
finanzielle Rücklagen haben, um eventuelle Schadensereignisse
kompensieren zu können?
Sofern das Bundesberggesetz Anwendung findet, kann eine Sicherheitsleistung
verlangt werden. Die Entscheidung darüber liegt bei der zuständigen
Landesbehörde. Es wird insofern auf die Antwort zu den Fragen 19 bis 21 verwiesen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]