[Deutscher Bundestag Drucksache 17/5724
17. Wahlperiode 05. 05. 2011
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 2. Mai 2011
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Jan Korte, Petra Pau,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 17/5617 –
Stand der Abschiebungen von Roma in den Kosovo zum 31. März 2011
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Aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE
LINKE. zu Abschiebungen von Roma in den Kosovo (Bundestagsdrucksache
17/3328) ergibt sich, dass zum Stand 30. Juni 2010 noch etwa 10 000
ausreisepflichtige Roma-Minderheitenangehörige (inklusive Ashkali und Ägypter) aus
dem Kosovo in Deutschland offiziell erfasst waren, ganz überwiegend lebten
sie in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg. Fast
80 Prozent aller Ausreisepflichten aus dem Kosovo waren Roma-
Minderheitenangehörige. Unter den über 15 000 geduldeten, noch nicht unmittelbar
ausreisepflichtigen Personen mit kosovarischer bzw. serbischer
Staatsangehörigkeit dürfte sich eine unbekannte Zahl aufenthaltsgefährdeter Roma befinden.
Niedersachsen gab an, dass für nahezu alle albanischen Volkszugehörigen und
andere Minderheitenangehörigen aus dem Kosovo bereits
Rückübernahmeersuchen gestellt worden seien – jedoch erst für 16 Prozent aller Roma. Vor
diesem Hintergrund ist damit zu rechnen, dass der Anteil der Roma an
Rückübernahmeersuchen und Abschiebungen in den Kosovo weiter ansteigen wird.
Von Januar bis Ende August 2010 gab es 1 724 Rückübernahmeersuchen. Nur
etwa 7 Prozent betrafen so genannte Straftäter, mehrheitlich albanischer
Volkszugehörigkeit, wobei die Länder „Straffälligkeit“ ganz unterschiedlich
definieren und nur höchst selten Ausweisungsgründe vorliegen. Fast 60 Prozent aller
Ersuchen betrafen Familienangehörige, 18 Prozent Personen, die bereits seit
über zwölf Jahren in Deutschland lebten. Bei 75 Prozent aller Ersuchen ging es
um Minderheitenangehörige, darunter 1 071 Roma. Da eine Zustimmung zur
Rückübernahme laut Abkommen auch durch Fristablauf als erteilt gilt
(Nichtbeantwortung innerhalb von 45 Tagen – dies ist in der Praxis mehrheitlich der
Fall), ermöglicht das Rückübernahmeabkommen mit dem Kosovo auch die
Abschiebung staatenloser Roma.
Faktisch abgeschoben wurden in den Kosovo bis Ende August 2010 403
Personen, darunter 154 Roma-Minderheitenangehörige. Die Diskrepanz des Roma-
Minderheitenanteils an allen Ersuchen (75 Prozent) zum Anteil an allen
Abgeschobenen (38 Prozent) könnte auf nachträglich festgestellte
Abschiebungshindernisse oder eine hohe Zahl „untergetauchter“ und/oder in andere Länder
der EU weitergeflüchtete Roma hindeuten.
Nachdem ein vom nordrhein-westfälischen Innenministerium verfügter
„Winterabschiebestopp“ vom 1. Dezember 2010 bis 31. März 2011 ausgelaufen ist und
sich keine Zustimmung des Bundesministeriums des Innern und der
Bundesländer für eine dauerhafte Aufnahmeregelung andeutet, ist in den
kommenden Monaten mit verstärkten Abschiebungen von Roma in den Kosovo zu
rechnen – entgegen allen massiven Protesten auf kommunaler, nationaler und
internationaler Ebene.
Der Tod der 47-jährigen Romni Borka T., die keinen Monat nach ihrer
Abschiebung vom 7. Dezember 2010 in den Kosovo an den Folgen einer Gehirnblutung
starb, veranschaulicht auf drastische Weise die unter Umständen tödlichen
Folgen einer restriktiven Aufenthaltspolitik (vgl. Berliner Zeitung vom 12. Januar
2011: „Tod nach Neujahr“). Die Betroffene befand sich in Deutschland wegen
erlittener Kriegs- und Vertreibungserlebnisse und einer posttraumatischen
Belastungsstörung in einer fachärztlichen und traumatherapeutischen Behandlung.
Dennoch wurde sie zusammen mit ihrem Mann und ihrem in Deutschland
aufgewachsenen 14-jährigen Sohn ohne konkrete Vorwarnung im Morgengrauen
von Polizisten festgenommen und gewaltsam in den Kosovo abgeschoben – das
zuständige Verwaltungsgericht war aufgrund der allgemeinen Auskünfte des
Auswärtigen Amts zu der Auffassung gelangt, sie würde nach einer
Abschiebung im Kosovo von Fachärzten empfangen und weiterbehandelt werden.
Tatsächlich gab es keinerlei Unterstützung in Pristina, über Geld für notwendige
Medikamente oder eine Behandlung verfügten die Betroffenen nicht. Die
Familie hätte vermutlich von der von der Innenministerkonferenz (IMK) am 19.
November 2010 geforderten und nunmehr auch vom Deutschen Bundestag
beschlossenen Bleiberechtsregelung für integrierte Jugendliche profitiert – eine
Abschiebestoppregelung im Vorgriff auf diese Regelung erließ Rheinland-Pfalz,
anders als Nordrhein-Westfalen, jedoch erst am 23. Dezember 2010. Den
Familienangehörigen wurde später die Wiedereinreise ins Bundesgebiet gestattet
(vgl. Frankfurter Rundschau vom 25. Januar 2011: „Abgeschobene Familie darf
zurückkehren“).
1. Wie viele ausreisepflichtige Personen aus dem Kosovo lebten zum letzten
der Bundesregierung bekannten Stand in Deutschland (bitte wie zu Frage 1
auf Bundestagsdrucksache 17/3328 antworten, d. h. nach Bundesländern
und Personengruppen, zusätzlich aber bitte auch nach Alter – unter 18 Jahre,
zwischen 18 und 60 Jahre, über 60 Jahre – differenzieren), wie viele von
ihnen waren vollziehbar ausreisepflichtig, wie viele von ihnen hatten eine
Duldung bzw. eine Grenzübertrittsbescheinigung oder andere Papiere (falls
seit Beantwortung auf Bundestagsdrucksache 17/3328 keine neuen
Erkenntnisse hinzugekommen sind, ist eine Antwort entbehrlich)?
Die auf Bitte der Bundesregierung hierzu von den Ländern übermittelten
Angaben können der nachfolgenden Übersicht entnommen werden. Im Übrigen wird
auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 1 der Kleinen Anfrage der
Fraktion DIE LINKE. vom 19. Oktober 2010 (Bundestagsdrucksache 17/3328)
verwiesen.1
1 Soweit keine Angaben (k. A.) gemacht werden können, werden diese nicht statistisch erhoben bzw. ist deren Erhebung nur mit einem
unverhältnismäßigen Aufwand zu leisten.
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Baden-Württemberg
vollziehbar Ausreisepflichtige 219 46 1 122 226 45 k. A. k. A. k. A. 45 1 703
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
219 46 1 122 226 45 k. A. k. A. k. A. 45 1 703
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon über 60 Jahre k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Bayern 117 4 42 6 2 0 2 2 0 175
vollziehbar Ausreisepflichtige k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon über 60 Jahre k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Brandenburg
vollziehbar Ausreisepflichtige 7 1 2 0 1 0 0 3 0 14
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
7 1 2 0 1 0 0 3 0 14
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
k. A. 0 0 0 k. A. 0 0 k. A. 0 0
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
k. A. 1 2 0 k. A. 0 0 k. A. 0 3
davon über 60 Jahre k. A. 0 0 0 k. A. 0 0 k. A. 0 0
Berlin
vollziehbar Ausreisepflichtige k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon über 60 Jahre k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Bundesland
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Bremen
vollziehbar Ausreisepflichtige k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
21 k. A. 258 k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. 279
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon über 60 Jahre k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Hamburg
vollziehbar Ausreisepflichtige 263 5 29 3 0 0 0 0 2 302
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. 140
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. 156
davon über 60 Jahre k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. 6
Hessen
vollziehbar Ausreisepflichtige k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon über 60 Jahre k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Mecklenburg-Vorpommern
vollziehbar Ausreisepflichtige 0 1 49 1 0 0 0 0 0 51
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
0 1 49 1 0 0 0 0 0 51
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
0 0 21 0 0 0 0 0 0 21
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
0 1 23 1 0 0 0 0 0 25
davon über 60 Jahre 0 0 5 0 0 0 0 0 0 5
Bundesland
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Niedersachsen
vollziehbar Ausreisepflichtige 191 58 2 237 277 51 2 17 59 0 2 892
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
191 58 2 237 277 51 2 17 59 0 2 892
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon über 60 Jahre k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Nordrhein-Westfalen 705 25 3 455 678 14 0 25 0 249 5 151
vollziehbar Ausreisepflichtige k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
203 3 1 245 191 5 0 9 0 61 1 717
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
451 21 1 980 428 9 0 13 0 176 3 078
davon über 60 Jahre 51 1 230 59 0 0 3 0 12 356
Rheinland-Pfalz
vollziehbar Ausreisepflichtige 105 34 295 28 6 0 7 0 6 481
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon über 60 Jahre k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Saarland
vollziehbar Ausreisepflichtige 24 0 84 24 24 1 0 0 0 157
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
24 0 84 24 24 1 0 0 0 157
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
11 0 46 13 13 0 0 0 0 83
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
12 0 35 10 10 0 0 0 0 67
davon über 60 Jahre 1 0 3 1 1 1 0 0 0 7
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Sachsen
vollziehbar Ausreisepflichtige 40 0 64 13 0 0 1 0 0 118
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
11 0 17 4 0 0 0 0 0 32
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
28 0 42 7 0 0 1 0 0 78
davon über 60 Jahre 1 0 5 2 0 0 0 0 0 8
Sachsen-Anhalt
vollziehbar Ausreisepflichtige 39 23 211 25 1 0 9 0 1 309
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
39 23 211 25 1 0 9 0 1 309
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon über 60 Jahre k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Schleswig-Holstein
vollziehbar Ausreisepflichtige 19 0 16 2 0 0 0 0 2 39
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
19 0 16 2 0 0 0 0 2 39
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
9 0 9 0 0 0 0 0 0 18
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
9 0 7 2 0 0 0 0 2 20
davon über 60 Jahre 1 0 0 0 0 0 0 0 0 1
Thüringen
vollziehbar Ausreisepflichtige 8 4 42 6 0 0 4 0 0 64
Duldung bzw.
Grenzübertrittsbescheinigung
8 4 42 6 0 0 4 0 0 64
davon Altersgruppe
unter 18 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon Altersgruppe
zwischen 18 und 60 Jahre
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
davon über 60 Jahre k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
2. Wie viele geduldete Personen (bitte differenzieren) weisen nach dem
Ausländerzentralregister zum Stand 31. März 2011 eine kosovarische bzw.
serbische (inklusive Vorgängerstaaten) Staatsangehörigkeit auf (bitte auch nach
Bundesländern und Alter differenzieren)?
Nach Angaben des Ausländerzentralregisters hatten zum Stichtag 31. März 2011
insgesamt 4 801 Personen mit kosovarischer Staatsangehörigkeit eine Duldung,
darunter 1 916 unter 18 Jahre, 2 684 im Alter von 18 bis 60 Jahre sowie 201 über
60 Jahre. Unter den Staatsangehörigkeitsbezeichnungen „Serbien und
Montenegro (ehemals)“, „Serbien und Kosovo (ehemals)“, „Jugoslawien (ehemals)“
sowie „Republik Serbien“ hatten zum genannten Stichtag 13 361 Personen eine
Duldung, darunter 5 163 unter 18 Jahre, 7 609 im Alter von 18 bis 60 Jahre
sowie 589 über 60 Jahre. Die Differenzierung der Geduldeten nach Bundesländern
kann der nachfolgenden Tabelle entnommen werden:
Bundesland Kosovo Serbien und
Vorgängerstaaten
Baden-Württemberg 398 1 943
Bayern 183 557
Berlin 39 525
Brandenburg 4 75
Bremen 100 414
Hamburg 147 500
Hessen 127 663
Mecklenburg-Vorpommern 54 72
Niedersachsen 823 2 473
Nordrhein-Westfalen 2 367 4 844
Rheinland-Pfalz 204 464
Saarland 128 129
Sachsen 38 199
Sachsen-Anhalt 130 295
Schleswig-Holstein 31 97
Thüringen 28 111
Gesamt 4 801 13 361
3. Für wie viele in Deutschland lebende ausreisepflichtige Personen aus dem
Kosovo wurde noch kein Rückübernahmeersuchen gestellt (bitte auch nach
Bundesländern differenzieren)?
Die auf Bitte der Bundesregierung hierzu von den Ländern übermittelten
Angaben können den nachfolgenden Übersichten entnommen werden:2
Land Beitrag
Baden-Württemberg Auf die Stellungnahme zu Frage 3 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE.
vom 19. Oktober 2010 (Bundestagsdrucksache 17/3328) wird verwiesen.
Bayern Auf die Stellungnahme zu Frage 3 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE.
vom 19. Oktober 2010 (Bundestagsdrucksache 17/3328) wird verwiesen; im
Übrigen k. A.
Berlin k. A.
Brandenburg 12
Bremen Auf die Stellungnahme zu Frage 3 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE.
vom 19. Oktober 2010 (Bundestagsdrucksache 17/3328) wird verwiesen.
Hamburg Die Frage kann mit den vorliegenden statistischen Erhebungen nicht beantwortet
werden, denn die Antwort ergibt sich nicht notwendig aus der Differenz der
ausreisepflichtigen Personen (s. Antwort zu 1.) und den in den Jahren 2010 sowie
2011 erteilten Abschiebungsaufträgen (s. Antwort zu 4.), weil letztere auch
Personen betreffen können, die gegenwärtig nicht (mehr) ausreisepflichtig sind.
Hessen Auf die Stellungnahme zu Frage 3 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE.
vom 19. Oktober 2010 (Bundestagsdrucksache 17/3328) wird verwiesen; im
Übrigen k. A.
Mecklenburg-Vorpommern 24
Niedersachsen Eine ständige Bilanzierung der Rückübernahmeersuchen, unter
Berücksichtigung der zwischenzeitlich erfolgten Rückführungen, der freiwilligen Ausreisen,
der Untergetauchten oder der neu hinzugekommenen Ausreisepflichtigen erfolgt
nicht. Es kann lediglich auf Schätzungen auf der Grundlage der Bestandszahlen
der Ausreisepflichtigen zum 31. Dezember 2010 zurückgegriffen werden:
Danach sind für ca. 4 v. H. der Albaner, 2 v. H. der sonstigen Minderheiten und
ungeklärten Volkszugehörigen und ca. 82 v. H. der Roma-Volkszugehörigen noch
keine Rückübernahmeersuchen gestellt worden.
Nordrhein-Westfalen Diese Frage kann so nicht beantwortet werden. Es handelt sich zunächst um den
bei Frage 1 genannten Personenkreis, abzüglich der ausreisepflichtigen
Personen, für die bereits Rückübernahmeersuchen gestellt wurden, die aber noch nicht
zurückgeführt wurden. Dabei kann es sich um Personen handeln, für die noch
keine Übernahmeerklärung vorliegt oder die aus anderen, nicht im Einzelnen
bekannten Gründen noch nicht zurückgeführt wurden.
Für eine Beantwortung ist eine aufwendige Abfrage bei allen
Ausländerbehörden notwendig, die zum größten Teil eine manuelle Bearbeitung aller Akten
erforderlich machen würde. Auf eine solche Erhebung wurde verzichtet, sie wäre
auch in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht leistbar (vgl. Antwortbeitrag
Nordrhein-Westfalen zur gleichlautenden Frage 3 der Kleinen Anfrage der
Fraktion DIE LINKE. vom 2. September 2010 – Bundestagsdrucksache 17/3328).
2 Soweit keine Angaben (k. A.) gemacht werden können, werden diese nicht statistisch erhoben bzw. ist deren Erhebung nur mit einem
unverhältnismäßigen Aufwand zu leisten.
4. Wie viele „Abschiebungsaufträge“ aus den einzelnen Bundesländern
wurden den Koordinierungsstellen in Karlsruhe und Bielefeld im Jahr 2010 und
bislang im Jahr 2011 (bitte getrennt beantworten) übermittelt, und wie
verteilten sich diese Aufträge auf die Personengruppen
– Straftäter,
– alleinreisende Erwachsene,
– Familien/Kinder,
– alleinerziehende Elternteile,
– Alte und Pflegebedürftige,
– langjährig Aufhältige (seit 1. Januar 1998),
– unbegleitete Minderjährige,
– Roma-Angehörige,
– andere Minderheitenangehörige,
– Empfänger von Sozialleistungen,
– Personen, gegen die Ausweisungsgründe vorliegen
(bitte in der Form wie zu Frage 4 auf Bundestagsdrucksache 17/3328
antworten, jedoch zusätzlich noch – wie bereits erbeten – die Summen beider
Koordinierungsstellen angeben)?
Die auf Bitte der Bundesregierung hierzu von den Ländern übermittelten
Angaben können den nachfolgenden Übersichten entnommen werden:3
Land Beitrag
Rheinland-Pfalz Auf die Stellungnahme zu Frage 3 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE.
vom 19. Oktober 2010 (Bundestagsdrucksache 17/3328) wird verwiesen.
Saarland 156
Sachsen 42
Sachsen-Anhalt Auf die Ausführungen von Nordrhein-Westfalen wird verwiesen.
Schleswig-Holstein 11
Thüringen Für 25 Personen wurde noch kein Rückübernahmeersuchen gestellt.
3 Soweit keine Angaben (k. A.) gemacht werden können, werden diese nicht statistisch erhoben bzw. ist deren Erhebung nur mit einem
unverhältnismäßigen Aufwand zu leisten.
D
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cksach
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–
1
0
–
D
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Abschiebungsaufträge an Regierungspräsidium Karlsruhe im Zeitraum 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2010
Ersuchen: Davon4:
Davon aus
Bundesland
Gesamt
Straftäter
Alleinreisende
Erwachsene
Familien/
Kinder
(Anzahl der
gesamten
Mitglieder)
Unbegleitete
Minderjährige
Alleinerziehende
Elternteile
Alte
und/oder
Pflegebedürftige
langjährig
Aufhältige
(seit 1.1.1998)
Roma-
Angehörige
andere
Minderheitenangehörige
Empfänger
von
Sozialleistungen
Personen, gegen die
Ausweisungsgründe
vorliegen
Baden-
Württemberg5
285 30 49 203 3 1 1 64 210 12 k. A. 10
Berlin7 23 4 9 10 0 2 0 10 110 12 k. A. 11
Bayern 170 8 150 11 1 3 k. A. k. A. 118 16 k. A. k. A.
Hessen6 88 23 44 9 (44) 0 1 1 17 150 16 46 16
Rheinland-Pfalz 145 6 k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. 183 14 k. A. k. A.
Saarland 8 3 5 3 0 0 0 12 113 10 k. A. k. A.
Sachsen 55 4 13 40 0 0 0 20 132 21 k. A. 12
Thüringen 21 2 11 10 0 0 0 11 119 16 21 12
Gesamtzahl 795 80 281 286 4 7 2 94 405 67 67 31
4 Die Gesamtzahl der Ersuchen der einzelnen Länder ist nicht identisch mit der von der Fragestellerin erbetenen Aufteilung in Personengruppen, da Personen unter mehrere der genannten Kategorien subsumiert
werden können.
5; 6; 7 Die Angaben geben den Stand bis August 2010 wieder. Aufgrund der Kürze der Zeit der für eine Beantwortung zur Verfügung stehenden Zeit können derzeit keine weiteren Angaben gemacht werden.
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Abschiebungsaufträge an Zentrale Ausländerbehörde Bielefeld im Zeitraum 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2010
Ersuchen: Davon8:
Davon aus
Bundesland
Gesamt
Straftäter
Alleinreisende
Erwachsene
Familien/
Kinder
(Anzahl der
gesamten
Mitglieder)
Unbegleitete
Minderjährige
Alleinerziehende
Elternteile
Alte
und/oder
Pflegebedürftige
langjährig
Aufhältige
(seit 1.1.1998)
Roma-
Angehörige
andere
Minderheitenangehörige
Empfänger
von
Sozialleistungen
Personen, gegen die
Ausweisungsgründe
vorliegen
Nordrhein-
Westfalen
1 662 32 123 507 0 9 7 191 429 136 k. A. k. A.
Niedersachsen 1 415 59 153 152
(244
Personen)
0 19 0 189 348 111 k. A. k. A.
Bremen 1 112 1 118 113 0 10 0 110 114 111 k. A. k. A.
Hamburg 1 138 4 116 118 0 11 1 119 134 112 k. A. k. A.
Schleswig-
Holstein
1 111 0 111 110 0 1+3
Kinder
0 110 116 110 61 1
Sachsen-
Anhalt
1 125 1 112 118 0 10 1 k. A. 111 111 k. A. k. A.
Mecklenburg-
Vorpommern
1 121 0 114 117 0 k. A. 0 k. A. 118 113 121 k. A.
Brandenburg 11 17 1 111 1 (4) 0 10 0 113 110 110 17 0
Gesamtzahl 1 191 98 208 616 0 30 9 292 850 144 34 1
8 Die Gesamtzahl der Ersuchen der einzelnen Länder ist nicht identisch mit der von der Fragestellerin erbetenen Aufteilung in Personengruppen, da Personen unter mehrere der genannten Kategorien subsumiert
werden können.
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Abschiebungsaufträge an Regierungspräsidium Karlsruhe im Zeitraum 1. Januar 2011 bis 31. März 2011
Ersuchen: Davon9:
Davon aus
Bundesland
Gesamt
Straftäter
Alleinreisende
Erwachsene
Familien/
Kinder
(Anzahl der
gesamten
Mitglieder)
Unbegleitete
Minderjährige
Alleinerziehende
Elternteile
Alte
und/oder
Pflegebedürftige
langjährig
Aufhältige
(seit 1.1.1998)
Roma-
Angehörige
andere
Minderheitenangehörige
Empfänger
von
Sozialleistungen
Personen, gegen die
Ausweisungsgründe
vorliegen
Baden-
Württemberg10
k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Berlin11 k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Bayern 43 2 33 8 0 1 k. A. k. A. 18 0 k. A. k. A.
Hessen12 k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Rheinland-Pfalz 26 1 k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. 16 2 k. A. k. A.
Saarland 11 1 11 0 0 0 0 1 10 0 0 1
Sachsen 10 0 10 0 0 0 0 0 10 0 0 0
Thüringen 11 0 11 0 0 0 0 0 10 0 1 0
Gesamtzahl 71 4 35 8 0 1 0 1 24 2 1 1
9 Die Gesamtzahl der Ersuchen der einzelnen Länder ist nicht identisch mit der von der Fragestellerin erbetenen Aufteilung in Personengruppen, da Personen unter mehrere der genannten Kategorien subsumiert
werden können.
10; 11; 12 Aufgrund der Kürze der Zeit der für eine Beantwortung zur Verfügung stehenden Zeit können derzeit keine weiteren Angaben gemacht werden.
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Abschiebungsaufträge an Zentrale Ausländerbehörde Bielefeld im Zeitraum 1. Januar 2011 bis 31. März 2011
Ersuchen: Davon13:
Davon aus
Bundesland
Gesamt
Straftäter
Alleinreisende
Erwachsene
Familien/
Kinder
(Anzahl der
gesamten
Mitglieder)
Unbegleitete
Minderjährige
Alleinerziehende
Elternteile
Alte
und/oder
Pflegebedürftige
langjährig
Aufhältige
(seit 1.1.1998)
Roma-
Angehörige
andere
Minderheitenangehörige
Empfänger
von
Sozialleistungen
Personen, gegen die
Ausweisungsgründe
vorliegen
Nordrhein-
Westfalen
178 13 17 148 0 16 3 21 154 17 k. A. k. A.
Niedersachsen 156 18 19 110 0 12 0 16 154 12 k. A. k. A.
Bremen 110 k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Hamburg 113 10 13 110 0 10 0 11 111 10 k. A. k. A.
Schleswig-
Holstein
116 10 11 115 0 10 0 15 110 10 15 1
Sachsen-
Anhalt
149 11 14 140 0 19 0 10 145 12 k. A. k. A.
Mecklenburg-
Vorpommern
110 10 11 119 0 k. A. 0 k. A. 119 11 10 k. A.
Brandenburg 112 10 10 111 0 10 0 10 110 10 12 0
Gesamtzahl 204 32 35 103 0 17 3 43 163 12 17 1
13 Die Gesamtzahl der Ersuchen der einzelnen Länder ist nicht identisch mit der von der Fragestellerin erbetenen Aufteilung in Personengruppen, da Personen unter mehrere der genannten Kategorien subsumiert
werden können.
5. Hält die Bundesregierung an ihrer Antwort fest, wonach „Personen, die
besonders hilfsbedürftig sind, … stets nachrangig angemeldet“ werden
(Bundestagsdrucksache 17/2089, Antwort zu Frage 8), obwohl offenkundig
auch solche besonders hilfsbedürftige Personen bereits angemeldet und
abgeschoben wurden (bitte begründen), welche Personen sind nach Ansicht
der Bundesregierung „besonders hilfsbedürftig“ (z. B. auch traumatisierte
Personen, Alleinerziehende, unbegleitete Minderjährige, Alte/
Pflegebedürftige), und was konkret bedeutet „nachrangig“ (Nachfrage bzw.
Ergänzungsfrage zur insoweit nicht beantworteten Frage 10 auf Bundestagsdrucksache
17/3328)?
Die auf Bitte der Bundesregierung hierzu von den koordinierenden Stellen der
Länder übermittelten Beiträge können der nachfolgenden Übersicht entnommen
werden:
6. Wie viele Ersuchen im Rahmen des Rückübernahmeabkommens wurden in
den Jahren 2010 bzw. 2011 aus welchen Gründen abgelehnt?
Seit Inkrafttreten des deutsch-kosovarischen Rückübernahmeabkommens am
1. September 2010 wurden bis Jahresende 2010 insgesamt 55
Übernahmeersuchen durch die kosovarische Seite abgelehnt. Wesentliche Gründe hierfür
waren die Nichtermittelbarkeit der betroffenen Person und Verfahren, die durch
die kosovarische Seite noch nicht abgeschlossen waren.
Im Jahr 2011 wurden bis Ende März insgesamt 30 Übernahmeersuchen
abgelehnt. Auch hier waren die wesentlichen Gründe Nichtermittelbarkeit der
betroffenen Personen bzw. noch nicht abgeschlossene Verfahren durch die
kosovarische Seite.
7. Wie viele Ersuchen im Rahmen des Rückübernahmeabkommens werden in
der Praxis nicht innerhalb von 30 bzw. 45 Tagen beantwortet, bzw. welche
anderen Angaben lassen sich zur Bearbeitungszeit machen?
Seit Inkrafttreten des bilateralen Rückübernahmeabkommens zwischen der
Republik Kosovo und der Bundesrepublik Deutschland am 1. September 2010
hat Deutschland bis einschließlich Februar 2011 insgesamt 687
Rückübernahmeersuchen gestellt. In dem genannten Zeitraum wurden von der kosovarischen
Regierung 187 Ersuchen innerhalb der vorgesehenen Frist von 30 Tagen
beantwortet, 500 wurden nicht innerhalb dieser Frist beantwortet. Fälle, für die gemäß
dem Abkommen eine Antwortfrist von 45 Tagen gilt, werden statistisch nicht
erhoben.
koordinierende Stelle Beitrag
Regierungspräsidium
Karlsruhe
Auf unsere Stellungnahme zu Frage 8 der Antwort der Bundesregierung zur
Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. vom 14. Juni 2010
(Bundestagsdrucksache 17/2089) wird verwiesen.
Zentrale Ausländerbehörde
Bielefeld
Die Prüfung der Vorrangigkeit liegt in der Verantwortung der örtlichen
Ausländerbehörden. Ergänzend berücksichtigt die Zentrale Ausländerbehörde
Bielefeld vorrangig Straftäter und alleinreisende Erwachsene, wenn bei
Sammelchartern die Kapazität überschritten wird (vgl. Antwortbeitrag zu
Frage 10 der Kleinen Anfrage vom 19. Oktober 2010 (Bundestagsdrucksache
17/3328).
8. Welchen Anteil machen Abschiebungen aus, in denen es zuvor keine
ausdrückliche Zustimmung zur Rückübernahme gab, und wie ist dieses
Verhältnis bei Roma-Angehörigen?
Die auf Bitte der Bundesregierung hierzu von den koordinierenden Stellen der
Länder übermittelten Beiträge können der nachfolgenden Übersicht entnommen
werden:
9. Welche praktischen Erfahrungen und Probleme gibt es seit Inkrafttreten
des Rückübernahmeabkommens im Ersuchen- und
Abschiebungsverfahren aus Sicht der Bundesregierung, und welche Probleme wurden von der
kosovarischen Seite angesprochen?
Der Bundesregierung und den Ländern sind bislang keine nennenswerten
Probleme bei der Anwendung des deutsch-kosovarischen
Rückübernahmeabkommens bekannt. Solche wurden auch nicht durch die kosovarische Seite
angesprochen. Die Zusammenarbeit gestaltet sich gut.
10. Für wie viele Personen erfolgten im Jahr 2010 bzw. bislang im Jahr 2011
(bitte differenzieren) „Fluganmeldungen/Abschiebungsaufträge“, und wie
viele Abschiebungen wurden tatsächlich vollzogen (bitte wie zu Frage 12
auf Bundestagsdrucksache 17/3328 antworten)?
Die auf Bitte der Bundesregierung hierzu von den koordinierenden Stellen der
Länder übermittelten Angaben können den nachfolgenden Übersichten
entnommen werden:
koordinierende Stelle Beitrag
Regierungspräsidium
Karlsruhe
Auf die Stellungnahme zu Frage 11d der Kleinen Anfrage vom 19. Oktober
2010 (Bundestagsdrucksache 17/3328) wird verwiesen. Weitere Personen im
Sinne der Anfrage wurden nicht abgeschoben.
Zentrale Ausländerbehörde
Bielefeld
Von der Zentralen Ausländerbehörde Bielefeld wurden bisher zwei Straftäter
ohne Zustimmung zur Rückübernahme aufgrund der im deutsch-kosovarischen
Rückübernahmeabkommen geltenden Verschweigensfrist zurückgeführt. Die
Rückführungen wurden den kosovarischen Behörden angekündigt. Die
Zustimmungen kamen in diesen Fällen noch am Tag der Abschiebung.
Außerdem wurden in 2010 ohne Rückübernahmezustimmung zwei Personen
und in 2011 bislang sechs Personen mit gültigen kosovarischen Ausweisen
zurückgeführt. Es handelte sich dabei ausschließlich um albanische
Volkszugehörige.
Meldungen aus dem Regierungspräsidium Karlsruhe (Baden-Württemberg)
Fluganmeldungen in die Republik Kosovo vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 201014
von Regierungspräsidium Karlsruhe:
Ethnie Straftäter alleinreisende
Erwachsene15
Familien
(Anzahl
der Personen)
Unbegleitete
Minderjährige
Alte/Pflegebedürftige
Albaner 582 126 11 3 1
Ashkali 513 558 21 0 0
Ägypter 554 551 50 0 0
Roma 526 523 66 0 0
Serben 551 550 50 0 0
Sonstige 550 552 50 0 0
Gesamtzahl 126 160 98 3 1
Rückführungen in die Republik Kosovo vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 201010
über das Regierungspräsidium Karlsruhe:
Ethnie Straftäter alleinreisende
Erwachsene15
Familien
(Anzahl
der Personen)
Unbegleitete
Minderjährige
Alte/Pflegebedürftige
Albaner 62 595 56 3 1
Ashkali 10 555 50 0 0
Ägypter 53 552 50 0 0
Roma 13 512 55 0 0
Serben 51 550 50 0 0
Sonstige 50 552 50 0 0
Gesamtzahl 89 116 11 3 1
14 Die Angaben geben den Stand bis August 2010 wieder. Aufgrund der Kürze der Zeit der für eine Beantwortung zur Verfügung stehenden Zeit
können derzeit keine weiteren Angaben gemacht werden.
15 Hierin sind auch die alleinstehenden Erwachsenen enthalten.
Meldungen von der Zentralen Ausländerbehörde Bielefeld (Nordrhein-Westfalen)
Fluganmeldungen in die Republik Kosovo vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2010
von der Zentralen Ausländerbehörde Bielefeld:
Ethnie Straftäter alleinreisende
Erwachsene16
Familien
(Anzahl
der Personen)
Unbegleitete
Minderjährige
Alte/Pflegebedürftige
Albaner 27 108 543 0 2
Ashkali 56 519 533 0 1
Ägypter 50 553 550 0 0
Roma 36 565 271 0 0
Serben 50 551 553 0 0
Sonstige 53 552 550 0 0
Gesamtzahl 72 198 350 0 3
Rückführungen in die Republik Kosovo vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2010
von der Zentralen Ausländerbehörde Bielefeld:
Ethnie Straftäter alleinreisende
Erwachsene16
Familien
(Anzahl
der Personen)
Unbegleitete
Minderjährige
Alte/Pflegebedürftige
Albaner 24 569 15 0 2
Ashkali 53 513 59 0 1
Ägypter 50 552 50 0 0
Roma 23 530 45 0 0
Serben 50 550 53 0 0
Sonstige 51 552 50 0 0
Gesamtzahl 51 116 72 0 3
16 Hierin sind auch die alleinstehenden Erwachsenen enthalten.
Fluganmeldungen Rückführungen
Karlsruhe11 5 388 220
Bielefeld 5 623 242
Gesamt 1 011 462
17 Die Angaben geben den Stand bis August 2010 wieder. Aufgrund der Kürze der Zeit der für eine
Beantwortung zur Verfügung stehenden Zeit können derzeit keine weiteren Angaben gemacht werden.
Meldungen aus dem Regierungspräsidium Karlsruhe (Baden-Württemberg)
Fluganmeldungen in die Republik Kosovo vom 1. Januar 2011 bis 31. März 201118
vom Regierungspräsidium Karlsruhe:
Ethnie Straftäter alleinreisende
Erwachsene19
Familien
(Anzahl
der Personen)
Unbegleitete
Minderjährige
Alte/Pflegebedürftige
Albaner k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Ashkali k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Ägypter k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Roma k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Serben k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Sonstige k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Gesamtzahl k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Rückführungen in die Republik Kosovo vom 1. Januar 2011 bis 31. März 201118
über das Regierungspräsidium Karlsruhe:
Ethnie Straftäter alleinreisende
Erwachsene19
Familien
(Anzahl
der Personen)
Unbegleitete
Minderjährige
Alte/Pflegebedürftige
Albaner k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Ashkali k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Ägypter k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Roma k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Serben k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Sonstige k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
Gesamtzahl k. A. k. A. k. A. k. A. k. A.
18 Aufgrund der Kürze der Zeit der für eine Beantwortung zur Verfügung stehenden Zeit können derzeit keine weiteren Angaben gemacht werden.
19 Hierin sind auch die alleinstehenden Erwachsenen enthalten.
Meldungen von der Zentralen Ausländerbehörde Bielefeld (Nordrhein-Westfalen)
11. Wie viele der Abschiebungen in den Kosovo im Jahr 2010 bzw. im Jahr
2011 (bitte differenzieren) wurden im Rahmen von Sammelabschiebungen
per Charterflug durchgeführt (bitte die einzelnen Flüge mit Datum,
Startflughafen in Deutschland, Fluggesellschaft, Zahl der „Buchungen“, Zahl
der Abgeschobenen, Anteil von Minderheiten- bzw. Roma-Angehörigen,
Kosten je Flug auflisten und die jeweiligen Summen nennen)?
Die auf Bitte der Bundesregierung hierzu von den koordinierenden Stellen der
Länder übermittelten Angaben können den nachfolgenden Übersichten
entnommen werden:
Fluganmeldungen in die Republik Kosovo vom 1. Januar 2011 bis 31. März 2011
von der Zentralen Ausländerbehörde Bielefeld:
Ethnie Straftäter alleinreisende
Erwachsene20
Familien
(Anzahl
der Personen)
Unbegleitete
Minderjährige
Alte/Pflegebedürftige
Albaner 2 29 50 0 0
Ashkali 0 53 50 0 0
Ägypter 0 51 50 0 0
Roma 3 13 12 0 0
Serben 0 50 50 0 0
Sonstige 0 52 50 0 0
Gesamtzahl 5 48 12 0 0
Rückführungen in die Republik Kosovo vom 1. Januar 2011 bis 31. März 2011
von der Zentralen Ausländerbehörde Bielefeld:
Ethnie Straftäter alleinreisende
Erwachsene20
Familien
(Anzahl
der Personen)
Unbegleitete
Minderjährige
Alte/Pflegebedürftige
Albaner 0 20 0 0 0
Ashkali 0 51 0 0 0
Ägypter 0 51 0 0 0
Roma 3 58 0 0 0
Serben 0 50 0 0 0
Sonstige 0 51 0 0 0
Gesamtzahl 3 31 0 0 0
20 Hierin sind auch die alleinstehenden Erwachsenen enthalten.
Fluganmeldungen Rückführungen
Karlsruhe k. A. k. A.
Bielefeld 65 34
Gesamt 65 34
Zeitraum 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2010
Zeitraum 1. Januar 2011 bis 31. März 2011
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Düsseldorf 17.03.2010 Czech Airlines 528 789,60 152 553 22 58
Karlsruhe/Baden-Baden 12.01.2010 Bulgaria Air 528 500,00 536 517 52 52
Karlsruhe/Baden-Baden 09.02.2010 Bulgaria Air 528 500,00 533 527 53 56
Karlsruhe/Baden-Baden 09.03.2010 Bulgaria Air 528 500,00 539 523 51 54
Karlsruhe/Baden-Baden 13.04.2010 Bulgaria Air 528 500,00 534 515 52 55
Karlsruhe/Baden-Baden 18.05.2010 Bulgaria Air 528 500,00 535 520 55 58
Karlsruhe/Baden-Baden 15.06.2010 Bulgaria Air 528 500,00 540 515 57 58
Karlsruhe/Baden-Baden 20.07.2010 Bulgaria Air 528 500,00 572 539 12 14
Karlsruhe/Baden-Baden 24.08.2010 Bulgaria Air 528 500,00 545 520 51 53
Karlsruhe/Baden-Baden 21.10.2010 Bulgaria Air 533 040,75 551 528 53 57
Karlsruhe/Baden-Baden 18.11.2010 Bulgaria Air 532 820,08 569 544 19 52
Gesamt 322 650,43 606 301 77 67
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Karlsruhe/Baden-Baden 20.01.2011 Bulgaria Air 31 133,67 25 20 54 2
Karlsruhe/Baden-Baden 17.03.2010 Bulgaria Air 30 551,69 28 20 56 1
Gesamt 61 685,36 53 40 10 3
12. Welche Abschiebungsaktionen unter der Leitung oder Beteiligung von
FRONTEX (Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an
den Außengrenzen) gab es im Jahr 2010 bzw. 2011 (bitte differenzieren),
und welche genaueren Angaben hierzu sind der Bundesregierung bekannt
(z. B. Datum, beteiligte Länder, Fluggesellschaft, Zahl der „Buchungen“,
Zahl der Abgeschobenen, Anteil von Minderheiten- bzw. Roma-
Angehörigen, Kosten je Flug; Angaben bitte soweit möglich länderspezifisch
differenzieren und jeweilige Summen nennen)?
Die der Bundesregierung zur Verfügung stehenden Angaben können der
nachfolgenden Übersicht entnommen werden:
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Hamburg,
München
14.01.2010 Österreich,
Frankreich,
Schweden,
Großbritannien
Lufthansa,
Austrian Airlines
3 3 ca. 6 000
Düsseldorf 16.02.2010 Österreich,
Polen,
Slowenien
Majestic Executive
Aviation AG
2 2 ca. 13 800
München 14.04.2010 Finnland,
Frankreich,
Österreich
Grossmann Air Service 13 13 ca. 24 400
Düsseldorf 20.05.2010 Österreich,
Schweden,
Frankreich
Cirrus Airlines 18 17 ca. 27 100
Düsseldorf 22.06.2010 Österreich,
Frankreich,
Schweden
Air Berlin 47 21 ca. 91 500
Düsseldorf 11.08.2010 Österreich,
Slowenien,
Großbritannien
Sky Taxi 21 18 ca. 26 200
Stuttgart 22.09.2010 Frankreich,
Österreich
Travel Service 68 36 ca. 67 000
Düsseldorf 07.12.2010 Österreich,
Ungarn,
Schweden
Air Berlin 126 39 ca. 67 000
Stuttgart 15.02.2011 Österreich,
Schweden,
Frankreich,
Norwegen
Air Berlin 58 26 ca. 67 000
Düsseldorf 12.04.2011 Österreich,
Schweden,
Norwegen,
Portugal
Air Berlin 126 43 ca. 67 000
13. Wie erklärt die Bundesregierung die erhebliche Differenz des Anteils von
Roma bei den in den Kosovo Abgeschobenen im Vergleich zu ihrem Anteil
an den Rückübernahmeersuchen, und inwieweit könnte dies ihrer
Einschätzung nach, insbesondere mit einem hohen Anteil nachträglich
festgestellter Abschiebungshindernisse oder gerichtlich angeordneten
Aussetzungen der Abschiebungen, erklärt werden (Nachfrage zur Antwort zu
Frage 19 auf Bundestagsdrucksache 17/3328)?
Die auf Bitte der Bundesregierung hierzu von den koordinierenden Stellen der
Länder übermittelten Beiträge können der nachfolgenden Übersicht entnommen
werden:
14. Wie hoch war die Zahl der „freiwilligen“ Rückkehrer im Jahr 2010 bzw.
bislang im Jahr 2011 (bitte differenzieren, auch nach Bundesländern), und
wie hoch war jeweils der Anteil bzw. die Zahl der Roma hieran?
Die Anzahl freiwilliger Rückkehrer, die mit einer finanziellen Förderung durch
das Bund-Länder-Rückkehrförderprogramm „Reintegration and Emigration
Programme for Asylum-Seekers in Germany (REAG)“ und „Government
Assisted Repatriation Programme GARP“ (vgl. Antwort der Bundesregierung zu
Frage 17 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. vom 12. Oktober 2009;
Bundestagsdrucksache 16/14129) ausgereist sind bzw. denen diese Förderung
bewilligt wurde, kann der nachfolgenden Übersicht entnommen werden.
Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass weitere Personen ohne finanzielle
Förderung durch das Bund-/Länder-Programm freiwillig ausgereist sind. Diese
werden jedoch nicht erfasst.
koordinierende Stelle Beitrag
Regierungspräsidium
Karlsruhe
Aufgrund der Kürze der für eine Beantwortung zur Verfügung stehenden Zeit
sind derzeit keine Angaben möglich.
Zentrale Ausländerbehörde
Bielefeld
In etwa 75 % aller Fälle entziehen sich die Betroffenen der Abschiebung durch
Untertauchen, in ca. 10 % der Fälle werden Asylfolgeanträge gestellt und in
einer nicht quantifizierbaren Zahl von Fällen führen fehlende Reisefähigkeits-/
Flugtauglichkeitsbescheinigungen der Betroffenen zum Abbruch der
Rückführungsmaßnahme.
Den Anteil nachträglich festgestellter Abschiebungshindernisse bzw.
gerichtlich angeordneter Aussetzungen der Abschiebungen schätzt die Zentrale
Ausländerbehörde auf ca. 15 %.
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Baden-
Württemberg Bayern Berlin Brandenburg Bremen Hamburg Hessen
Mecklenburg-
Vorpommern
Jahr 2010
Zielland Kosovo 96 35 57 6 5 2 30 2
davon Roma 34 50 56 0 0 0 20 0
Anteil in % 35 50 86 0 0 0 67 0
Jahr 2011
(1. Januar bis
31. März)21
Zielland Kosovo 15 12 50 0 0 0 53 0
davon Roma 50 51 50 0 0 0 50 0
Anteil in % 50 58 50 0 0 0 50 0
Niedersachsen
Nordrhein-
Westfalen
Rheinland-
Pfalz Saarland Sachsen
Sachsen-
Anhalt
Schleswig-
Holstein Thüringen
Jahr 2010
Zielland Kosovo 23 118 24 55 12 1 54 7
davon Roma 58 580 57 51 11 0 51 0
Anteil in % 35 568 29 20 92 0 25 0
Jahr 2011
(1. Januar bis
31. März)21
Zielland Kosovo 58 554 53 50 50 0 50 0
davon Roma 50 550 50 50 50 0 50 0
Anteil in % 50 550 50 50 50 0 50 0
Gesamt
Jahr 2010
Zielland Kosovo 377
davon Roma 168
Anteil in % 545
Jahr 2011
(1. Januar bis 31. März)21
Zielland Kosovo 545
davon Roma 551
Anteil in % 552
21 Die Zahlen für die ersten drei Monate des laufenden Jahres geben die Anzahl an bewilligten REAG/GARP-Förderungen wieder. Diese kann von der Zahl der tatsächlich ausgereisten Personen abweichen.
15. Mit welcher Begründung wird die Bundesregierung auch weiterhin von
einem „Vorrang der freiwilligen Rückkehr“ im Zusammenhang der
Rückkehr/Abschiebung der Roma in den Kosovo sprechen, obwohl nach der
empirischen Studie von UNICEF (vgl. auch Ausschussdrucksache
17(4)70D, S. 3 f.) von 40 interviewten Roma-Familien nur eine einzige
angab, „freiwillig“ zurückgekehrt zu sein, während fünf Familien angaben,
die Einverständniserklärung zur „freiwilligen Rückkehr“ nur aus Angst vor
einer Zwangsabschiebung unterzeichnet zu haben – oft auf dem
Polizeirevier, bevor sie zum Flughafen verbracht wurden –, bzw. inwieweit trifft es
zu, dass die Bundesregierung (wie die Antwort auf Bundestagsdrucksache
17/3328 zu Frage 21 nahelegt) damit lediglich meint, dass die Ausreisen
formal betrachtet „freiwillig“ und ohne Anwendung unmittelbaren Zwangs
erfolgen, die Betroffenen Deutschland aber nicht im allgemeinen
Gebrauch des Wortes „freiwillig“, sondern gezwungenermaßen und nur zur
Abwendung unmittelbar bevorstehender Abschiebungen verlassen?
Die Bundesregierung verweist zunächst auf ihre Antwort zu Frage 21 der
Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. vom 19. Oktober 2010
(Bundestagsdrucksache 17/3328). Im Übrigen hat die Bundesregierung keine Kenntnis von
den Motiven, unter denen sich ausreisepflichtige Personen individuell für eine
freiwillige Rückkehr entscheiden.
16. Welche konkreten Erkenntnisse hat die Bundesregierung zur
Nachhaltigkeit der zumeist auf sechs Monate begrenzten Rückkehrhilfen durch das
Projekt URA 2, und welche Evaluierungen sind diesbezüglich geplant oder
bereits unternommen worden?
Durch das Projekt „URA 2“ wurden im Jahr 2009 insgesamt für 107 Personen
und im Jahr 2010 für insgesamt 123 Personen Fördermaßnahmen zur
Arbeitsvermittlung durchgeführt. Nach Erkenntnissen der Bundesregierung standen
nach Ablauf der sechsmonatigen Förderung etwa 50 Prozent der in 2009
geförderten Rückkehrer (51 Personen) noch in einem Beschäftigungsverhältnis. Im
Jahr 2010 beläuft sich diese Zahl auf etwa 60 Prozent der geförderten
Rückkehrer (73 Personen), die nach Ablauf der sechsmonatigen Förderung noch in einem
Beschäftigungsverhältnis tätig waren.
Für das Projektjahr 2010 ist eine systematische Evaluierung von „URA 2“ durch
schriftliche Befragungen der Rückkehrer in Vorbereitung. Der Beginn ist im
ersten Halbjahr 2011 geplant. Ziel wird es sein, u. a. die Durchführung der
Maßnahmen zur Arbeitsvermittlung sowie deren Nachhaltigkeit zu evaluieren.
17. Hält die Bundesregierung die auf Bundestagsdrucksache 17/3328 zu
Frage 26 wiedergegebene Angabe der Leitung des URA-Projekts für
glaubhaft, dass abgeschobene Roma im Kosovo „im Regelfall etwa vier bis
acht Wochen“ „bis zum Beginn einer Arbeitsaufnahme“ benötigen
würden, und wenn ja, bitte begründen, und wie verträgt sich diese Angabe mit
übereinstimmenden Berichten über eine enorme Arbeitslosenquote von
Roma im Kosovo, die unter den Abgeschobenen noch einmal höher sein
dürfte?
Die Einschätzungen zum Zeitraum, innerhalb dessen durch „URA 2“ im
Regelfall eine Beschäftigung vermittelt werden kann, ergeben sich aus einer
Gesamtschau der zu jedem Einzelfall der Rückführungsbetreuung gemachten
Aktenführung von „URA 2“.
Die hohe Arbeitslosenquote im Kosovo, speziell unter Angehörigen der RAE-
Volksgruppen, steht zu den Erfolgen bei der Beschäftigungsvermittlung durch
„URA 2“ nicht in Widerspruch; vielmehr wird hierin sichtbar, dass die
Rückführungsbetreuung durch das Projekt einen Beitrag zur Nachhaltigkeit der
Reintegrationspolitik Kosovos leisten kann.
18. In welchen Kommunen können abgeschobene Roma öffentliche
Unterstützungsleistungen beantragen, stimmt es, dass dies nur in den zuletzt
gemeldeten Wohnorten vor der Flucht der Fall ist, und was ist eine
verfassungsgemäß garantierte „Freizügigkeit“ wert, wenn sie real dadurch beschränkt
ist, dass sie bei Bedürftigkeit faktisch nur an einem Ort einlösbar ist (von
Sicherheitsbedrohungen einmal ganz abgesehen; Nachfrage zur Antwort
zu Frage 28 auf Bundestagsdrucksache 17/3328)?
In Umsetzung des „Aktionsplans für Reintegration“ der Regierung Kosovos
werden Rückkehrer seit dem 1. Januar 2011 – unabhängig von ihrer ethnischen
Zugehörigkeit – für die Dauer von bis zu einem Jahr mit Geld-, Sach- und
Beratungsleistungen durch kosovarische Behörden unterstützt. Zur Finanzierung der
Hilfen stellt die Regierung im Haushaltsjahr 2011 Mittel in Höhe von 3,4 Mio.
Euro zur Verfügung. Die Inanspruchnahme der Leistungen ist nicht von der
Registrierung am letzten Wohnort vor der Ausreise abhängig. Rückkehrer sind
grundsätzlich frei bei der Wahl ihres Wohnortes. Von der Gemeinde ihrer letzten
Registrierung erhalten Rückkehrer im Falle eines Wohnortwechsels eine
Abmeldebescheinigung, die sie zur Registrierung bei der neuen Gemeinde
benötigen. Die für die Ermittlung des Integrationsbedarfs zuständige
Gemeindeverwaltung des neuen Wohnortes legt Art und Höhe der Leistungen auf den
individuellen Einzelfall bezogen fest. Die Mittel zur Leistungserbringung
werden dann vom kosovarischen Innenministerium, „Büro für Reintegration“,
bereitgestellt.
Ergänzend verweist die Bundesregierung auf ihre Antwort zu Frage 28 der
Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. vom 19. Oktober 2010
(Bundestagsdrucksache 17/3328).
19. Warum und mit welchen Gründen zieht die Bundesregierung die
Einschätzungen und Erkenntnisse von UNICEF, aber auch des Leiters von URA 2
in Zweifel, viele abgeschobene Roma würden den Kosovo mangels
realistischer Überlebensperspektiven bereits nach wenigen Monaten wieder
verlassen und unter anderem versuchen, (illegal) nach Deutschland
zurückzukehren (vgl. z. B. Ausschussdrucksache 17(4)70 D, S. 9)?
Der Bundesregierung ist bekannt, dass eine gewisse Zahl in den Kosovo
zurückgeführter Roma, Ashkali und Ägypter (RAE) nach ihrer Rückkehr von den
UNHCR-Beobachtungsteams nicht mehr unter der bei Ankunft der Rückkehrer
angegebenen Adresse angetroffen werden. In diesem Zusammenhang weist
UNICEF-Kosovo in der von der Fragestellerin zitierten Stellungnahme zu Recht
auf die beachtlichen Schwierigkeiten hin, belastbare Nachweise zur Zahl der aus
Deutschland zurückgeführten RAE zu erbringen, die sich nicht mehr im Kosovo
aufhalten. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum zurückgeführte RAE von
den UNHCR-Beobachtungsteams nicht mehr angetroffen werden. So kommen
unter anderem auch z. B. kurzfristige Aufnahme bei Verwandten, Umzug
innerhalb Kosovos ohne Registrierung des Wohnortswechsels oder das zum Teil
fehlerhafte Adress-System in Betracht.
Im Ergebnis liegen keine ausreichenden tatsächlichen Erkenntnisse vor, die
konkrete Schlussfolgerungen zu Wanderungsbewegungen von Roma in andere
Staaten, insbesondere nach Deutschland, erlauben.
20. Ist die Bundesregierung angesichts ihrer Antwort zu Frage 30 auf
Bundestagsdrucksache 17/3328 tatsächlich der Auffassung, dass es zur
vorbehaltlosen Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention genügt, auf
Verfassungsnormen, Erklärungen und in der Praxis weitgehend wirkungslose
Pläne einer anderen Regierung zu verweisen, wenn durch nachvollziehbare
und glaubhafte empirische Untersuchungen, etwa von UNICEF (vgl.
Ausschussdrucksache 17(4)70 D), belegt ist, dass Abschiebungen von Roma-
Kindern, die hier geboren und/oder aufgewachsen sind und Deutschland
als ihre „Heimat“ empfinden, dazu führen, dass sie im Kosovo zu 74
Prozent nicht einmal mehr zur Schule gehen können und in extremer Armut
und Hoffnungslosigkeit enden (bitte ausführen)?
An der in der von den Fragestellern zitierten Antwort der Bundesregierung
dargestellten Rechtslage haben sich keine Änderungen ergeben. Die
Bundesregierung verweist darauf.
21. Welche Erkenntnisse oder Einschätzungen hat die Bundesregierung dazu,
inwieweit insbesondere Roma aus dem Kosovo von der jüngst
beschlossenen Bleiberechtsregelung für integrierte Jugendliche (§ 25a des
Aufenthaltsgesetzes) betroffen sein werden (bitte differenzieren nach den
Chancen der direkt anspruchsberechtigten Kinder bzw. ihrer Eltern und
Geschwister)?
Die Bundesregierung hat keine Anhaltspunkte dafür, dass Angehörige
bestimmter Staaten größere oder weniger große Chancen auf Erteilung einer
Aufenthaltserlaubnis nach § 25a des Aufenthaltsgesetzes haben als Angehörige anderer
Staaten.
a) Welche Bundesländer haben nach Informationen der Bundesregierung
welche „Vorgriffs“-Regelungen infolge des IMK-Beschlusses vom
19. November 2010 getroffen?
Der Bundesregierung ist ein entsprechender Erlass des nordrhein-westfälischen
Ministeriums für Inneres und Kommunales vom 3. Februar 2011 bekannt.
Weitere Informationen liegen der Bundesregierung nicht vor.
b) Wird die Bundesregierung andere Bundesländer bei Initiativen für ein
Bleiberecht von Roma aus dem Kosovo im Rahmen der IMK
unterstützen (wenn nein, warum nicht), und welche Initiativen welcher Länder
sind ihr hierzu bekannt?
c) Wird die Bundesregierung vor dem Hintergrund der Rede von Zoni
Weisz im Deutschen Bundestag und seiner Mahnung einer besonderen
Verantwortung für die Roma oder auch in Kenntnis des Todes der nach
einer Abschiebung verstorbenen 47-jährigen Romni Borka T.
gegebenenfalls selbst initiativ werden oder ihre bisher ablehnende Position zu
einem Bleiberecht für die überschaubare Gruppe der zumeist bereits
seit vielen Jahren in Deutschland lebenden Roma aus dem Kosovo
überdenken (bitte begründen)?
Die Bundesregierung hält an ihrer Auffassung zu diesen Fragen fest. Auf die
Antwort der Bundesregierung zu Frage 32 der Kleinen Anfrage der Fraktion
DIE LINKE. vom 19. Oktober 2010 (Bundestagsdrucksache 17/3328) wird
verwiesen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]