[Deutscher Bundestag Drucksache 17/7003
17. Wahlperiode 19. 09. 2011 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Friedrich Ostendorff, Bärbel Höhn,
Cornelia Behm, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 17/6885 –
Entwicklung der Weidehaltung in Deutschland
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Während die Geflügel- und Schweinehaltung in Deutschland bereits
überwiegend industrialisiert und geographisch konzentriert ist, ist die
Milchviehhaltung noch weitgehend bäuerlich strukturiert und findet in der Fläche und
vielfach auf der Weide statt. Aus gesellschaftlicher Sicht sprechen zahlreiche
Argumente für die Weidehaltung von Kühen: Dauergrünland stellt eine
entscheidende landwirtschaftliche CO2-Senke dar. Die Erhaltung von
Dauergrünland ist daher eine klimapolitische Priorität in der Landwirtschaft.
Dauergrünland ist Lebensraum zahlreicher Arten. Für den Erhalt der Artenvielfalt in der
Agrarlandschaft kommt dem Dauergrünland daher eine zentrale Rolle zu. Die
nachhaltige Erhaltung von artenreichem Dauergrünland ist auf vielen
Standorten nur durch Beweidung möglich. Daneben gehören Kühe auf der Weide für
viele Menschen zur Kulturlandschaft. Der landschaftskulturelle Wert
ländlicher Räume wird daher entscheidend von der Weidehaltung geprägt. Die
Milchqualität, u. a. der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, ist bei Weidehaltung
signifikant höher als bei Stallfütterung. Nicht zuletzt stellt die Grasfütterung
von Wiederkäuern im Gegensatz zur Kraftfutterfütterung keine
Nahrungsmittelkonkurrenz zum Menschen dar.
Trotz dieser positiven Funktionen ist die Weidehaltung in Deutschland
rückläufig.
1. Welche Bedeutung hat die Weidehaltung von Milchkühen nach Meinung
der Bundesregierung für die Erhaltung von Dauergrünland?
Die Beweidung von Dauergrünland durch Milchkühe stellt eine mögliche
nachhaltige Nutzungsform für Dauergrünland dar. Grünland wird darüber hinaus
auch von anderen Tieren wie Mutterkühe, Mastrinder, Schafe und Ziegen
beweidet. Ein großer Teil des Dauergrünlandes wird schließlich zur
Futtergewinnung genutzt. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz vom 15. September 2011 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/7003 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode2. Welchen Wert hat die Weidehaltung von Milchkühen und Rindern nach
Meinung der Bundesregierung für die Kulturlandschaft?
Die Weidehaltung von Milchkühen und Rindern gehört für viele Verbraucher
zum Landschaftsbild in Deutschland und trägt als besonders nachhaltige Form
der Landbewirtschaftung zur Erhaltung der Kulturlandschaft bei.
3. Welche Daten liegen der Bundesregierung über die langfristige
Entwicklung der Weidehaltung von Milchkühen in Deutschland vor?
4. Welche Daten liegen der Bundesregierung über die langfristige
Entwicklung der Weidehaltung von Milchkühen in den einzelnen Bundesländern
vor?
Die Fragen 3 und 4 werden gemeinsam beantwortet.
Angaben zur Weidehaltung wurden in der Bundesstatistik erstmals im Rahmen
der Landwirtschaftszählung 2010 erfragt; sie sind bezogen auf das Jahr 2009.
Aus dieser Erhebung hat das Statistische Bundesamt erste, noch vorläufige
Ergebnisse veröffentlicht. Vergleichbare Daten für frühere Jahre liegen der
Bundesregierung nicht vor.
1 Haltung von Milchkühen zum Stichtag 1. März 2010.
2 Weidehaltung im Kalenderjahr 2009.
3 Dauergrünland im Jahr 2010.
A = Fehlerklasse A des einfachen relativen Standardfehlers bis unter 2 Prozent.
B = Fehlerklasse B des einfachen relativen Standardfehlers ± 2 bis unter 5 Prozent.
C = Fehlerklasse C des einfachen relativen Standardfehlers ± 5 bis unter 10 Prozent.
D = Fehlerklasse D des einfachen relativen Standardfehlers ± 10 bis unter 15 Prozent.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Landwirtschaftszählung (2010).
5. Bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung signifikante Unterschiede in
der Entwicklung der Weidehaltung innerhalb Deutschlands?
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bestehen hohe Unterschiede im
Anteil der Tiere mit Weidegang zwischen den einzelnen Bundesländern. Es ist
jedoch zu beachten, dass Durchschnitte auf Bundeslandebene nur bedingt
aussagekräftig sind, da die Weidehaltung nicht gleichmäßig über das Bundesland
verteilt ist, sondern sich auf ausgewählte Regionen konzentriert.
Bundesländer Betriebe mit Milchkühen Milchkühe
Insgesamt1 darunter mit
Weidehaltung2
Dauergrünland3 beweidete
Fläche2
Insgesamt1 mit
Weidegang2
Anzahl ha Anzahl
in 1 000
Baden-Württemberg
Bayern
Brandenburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen
Stadtstaaten
11,1 A
41,7 A
0,7 B
4,0 B
0,8 B
13,4 A
8,3 B
2,5 B
0,3 A
1,1 B
0,6 A
5,0 A
0,6 B
0,1 A
4,0 B
8,3 B
0,3 B
2,3 B
0,5 B
10,3 B
7,0 B
1,7 B
0,2 A
0,6 B
0,3 B
4,5 A
0,3 B
0,1 A
291,0 A
771,6 A
101,2 A
139,1 A
109,9 A
474,1 A
217,2 B
111,1 B
16,9 A
99,8 A
80,1 A
202,6 A
69,5 A
5,5 A
68,9 B
200,6 D
44,1 A
66,2 B
51,7 A
320,3 B
137,1 B
47,7 B
7,4 A
45,4 A
32,7 A
155,2 A
40,4 A
3,8 A
358,2 A
1 253,8 A
160,9 A
154,6 A
172,4 A
782,2 A
389,2 A
117,3 B
14,3 A
186,8 A
123,7 A
370,4 A
111,5 A
4,8 A
101,9 B
202,3 B
24,2 A
74,2 B
59,3 A
536,8 B
322,2 B
72,6 B
9,6 A
27,3 A
21,6 A
285,8 A
14,7 A
4,0 A
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/70036. Wenn ja, worauf führt die Bundesregierung diese Unterschiede zurück?
Der Bundesregierung sind keine Untersuchungen zu dieser Thematik bekannt.
Es ist jedoch davon auszugehen, dass beispielsweise die naturräumliche Lage,
klimatische Bedingungen sowie einzelbetriebliche Bedingungen wie Lage der
Betriebsflächen, Lage von Verkehrsstraßen, Betriebsgrößenstruktur etc. eine
Rolle spielen.
7. In welchen Regionen ist in den letzten zehn Jahren ein
überdurchschnittlicher Rückgang der Weidehaltung von Milchkühen zu verzeichnen?
8. In welchen Regionen ist in den letzten zehn Jahren eine
überdurchschnittliche Zunahme der Weidehaltung von Milchkühen zu verzeichnen?
Die Fragen 7 und 8 werden gemeinsam beantwortet.
Da diese Daten erstmal 2010 erfasst wurden, liegen keine langfristigen Daten
über die Weidehaltung von Milchkühen vor.
9. Wie hoch ist der Anteil der Weidehaltung bei Herdengrößen von unter
50 Tieren?
10. Wie hoch ist der Anteil der Weidehaltung bei Herdengrößen von 50 bis
100 Tieren?
11. Wie hoch ist der Anteil der Weidehaltung bei Herdengrößen von über
100 Tieren?
Die Fragen 9, 10 und 11 werden gemeinsam beantwortet.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hatten im Jahr 2009 in
Herdengrößen von unter 50 Milchkühen 42 Prozent der Tiere Weidegang, in
Herdengrößen von 50 bis 99 Tieren etwa rd. 51 Prozent. In Herdengrößen von 100 und
mehr Tieren erreichte der Weidehaltungsanteil 33 Prozent. Insgesamt lag der
Weidehaltungsanteil bei rd. 42 Prozent.
12. Wie hat sich die räumliche Verteilung der Milchviehhaltung innerhalb
von Deutschland in den letzten zehn Jahren entwickelt?
Die Zahl der Milchkühe hat im letzten Jahrzehnt insgesamt abgenommen. Bei
günstigen natürlichen Standortbedingungen war auf regionaler Ebene nur eine
schwache Abnahme bzw. sogar eine Zunahme der Milchkuhzahl zu
verzeichnen. Dies gilt insbesondere für küstennahe Grünlandstandorte in Niedersachsen
und Schleswig-Holstein sowie für Grünlandstandorte am Niederrhein.
13. Wie hat sich die durchschnittliche Herdengröße der Milchviehbetriebe in
den letzten zehn Jahren entwickelt?
14. Wie hat sich der Anteil der Betriebe mit Herdengrößen unter 50 Tieren,
zwischen 50 bis 100 Tieren und über 100 Tieren in den letzten zehn
Jahren verändert?
Die Fragen 13 und 14 werden gemeinsam beantwortet.
Drucksache 17/7003 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeNach den Ergebnissen der beiden Landwirtschaftszählungen in den Jahren
1999 und 2010 stieg die durchschnittliche Herdengröße bei Milchviehbetrieben
in diesem Zeitraum von 31 auf 46 Milchkühe je Betrieb.
Der Anteil von Betrieben in der Größenklasse von 1 bis 49 Kühen sank in
dieser Zeit von 85,9 Prozent auf 70,3 Prozent. Der Anteil in der Größenklasse von
50 bis 99 Kühen stieg von 11,5 Prozent auf 22 Prozent. Der Anteil von
Betrieben mit 100 und mehr Kühen stieg von 2,6 Prozent auf 7,7 Prozent.
15. Welche betrieblichen Faktoren tragen nach Auffassung der
Bundesregierung zum Rückgang der Weidehaltung bei?
16. Welche rechtlichen und politischen Faktoren tragen nach Auffassung der
Bundesregierung zum Rückgang der Weidehaltung bei?
17. Welche marktbezogenen Faktoren tragen nach Auffassung der
Bundesregierung zum Rückgang der Weidehaltung bei?
18. Welchen Einfluss hat nach Einschätzung der Bundesregierung der
landwirtschaftliche Strukturwandel auf die Weidehaltung?
Die Fragen 15, 16, 17 und 18 werden gemeinsam beantwortet.
Weidehaltung wird häufig erfolgreich in Betrieben eingesetzt, die über
ausreichend qualitativ hochwertiges Grünland in Hofnähe verfügen. Eine reine
Stallhaltung kann jedoch aus produktionstechnischen, arbeitsorganisatorischen
und betriebswirtschaftlichen Gründen vorteilhafter sein.
Die Frage, ob Milcherzeugung in Stall- oder Weidehaltung oder in
Kombinationen von beidem stattfindet, ist allein eine produktionstechnische Frage und
Entscheidung des Milch erzeugenden Unternehmens. Diese wird, abgesehen von
bestimmten Qualitätsprogrammen, die Weidehaltung in ihr
Qualitätsversprechen aufnehmen, von der produktionstechnischen Zweckmäßigkeit und nicht
von marktbezogenen Faktoren abgeleitet. Hierbei unterscheidet sich die
relative Vorzüglichkeit der verschiedenen Verfahren vor allem hinsichtlich der
Kapitalintensität und des Arbeitseinsatzes. Im Übrigen wird auf die Antworten
zu den Fragen 3 und 4 verwiesen.
19. Wie schätzt die Bundesregierung die Auswirkungen des Milchpaketes
der Europäischen Kommission auf die Haltungsformen von Milchkühen
in Deutschland ein?
Die Bundesregierung sieht keinen unmittelbaren Wirkungszusammenhang
zwischen dem Milchpaket und den Haltungsformen für Milchkühe in Deutschland.
Ziel des Milchpaketes ist es, im Wesentlichen die Verhandlungsmacht der
Milcherzeuger zu steigern, indem Erzeugerorganisationen oder deren
Vereinigungen Verhandlungen über die Lieferung der Rohmilch durch ihre Mitglieder
führen dürfen. Dies kann mittelbar auch die Stellung von Milcherzeugern mit
Weidehaltung stärken.
20. Wie bewertet die Bundesregierung den Einfluss des „Sonderprogramms
mit Maßnahmen für Milchviehhalter“ auf die Haltungsformen für
Milchkühe?
21. Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass das „Sonderprogramm mit
Maßnahmen für Milchviehhalter“ die wirtschaftliche Lage der
Milchviehhalter verbessert hat?
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/700322. Wenn ja, auf welche Daten stützt die Bundesregierung ihre
Einschätzung?
23. Hat das „Sonderprogramm mit Maßnahmen für Milchviehhalter“
verhindert, dass landwirtschaftliche Betriebe aufgrund des geringen
Milchauszahlungspreises aufgegeben wurden?
24. Wenn ja, bei wie vielen Betrieben konnte die Aufgabe verhindert
werden?
Die Fragen 20, 21, 22, 23 und 24 werden gemeinsam beantwortet.
Über die Auswirkungen des „Sonderprogramms mit Maßnahmen für
Milchviehhalter“ liegen derzeit noch keine endgültigen Daten vor. Nach Kalkulationen auf
der Basis der Testbetriebsdaten für den Agrarbericht haben die Zahlungen 2010
aus dem Sonderprogramm in den Milch erzeugenden Betrieben im Durchschnitt
zu einer Einkommensverbesserung um 9 Prozent geführt. In spezialisierten
Grünland-Milchbetrieben (Grünland mehr als 80 Prozent der LF) beträgt die
Einkommenswirkung 20 Prozent.
25. Welche Auswirkungen hat nach Einschätzung der Bundesregierung die
Biogasförderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz auf die
Entwicklung der Weidehaltung von Milchkühen?
Der Bundesregierung sind dazu derzeit keine detaillierten Untersuchungen
bekannt.
26. Hat die Bundesregierung aus der Sektoruntersuchung Milch des
Bundeskartellamtes Konsequenzen gezogen?
27. Wenn ja, welche?
28. Wenn nein, warum nicht?
Die Fragen 26, 27 und 28 werden gemeinsam beantwortet.
Die Sektoruntersuchung des Bundeskartellamtes ist noch nicht abgeschlossen.
Erst nach Vorlage des Abschlussberichtes der Sektoruntersuchung Milch ist es
angezeigt, diesen zu analysieren und zu bewerten.
29. Welchen Einfluss hat nach Kenntnis der Bundesregierung die Förderung
landwirtschaftlicher Betriebe in benachteiligten Gebieten auf die
Weidehaltung in diesen Gebieten?
Für die benachteiligten Gebiete hat die Ausgleichszulage in Verbindung mit
weiteren agrarpolitischen Maßnahmen – insbesondere den
Agrarumweltmaßnahmen – einen deutlich Einfluss auf die Flächennutzung und damit auch auf
den Umfang der Weidehaltung. Insbesondere in den Berggebieten leistet die
Ausgleichszulage aufgrund der dort oftmals fehlenden Nutzungsalternativen
einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Grünlandnutzung und der
Weidehaltung.
Drucksache 17/7003 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode30. Welchen Einfluss wird nach Einschätzung der Bundesregierung die
geplante neue Definition benachteiligter Gebiete auf die Weidehaltung
haben?
Nach Einschätzung der Bundesregierung ist durch die von der Europäischen
Kommission beabsichtigte Neuabgrenzung benachteiligter Agrarzonen auf
Basis biophysikalischer Indikatoren in erster Linie mit einer Veränderung der
Gebietskulisse für die benachteiligten Gebiete in Deutschland zu rechnen. Ob
damit Veränderungen der Landnutzung – speziell der Weidehaltung –
einhergehen, kann nicht abgeschätzt werden. In Berggebieten, die von der
Neuabgrenzung ausdrücklich ausgeschlossen werden sollen, werden keine Auswirkungen
auf die Weidehaltung erwartet.
31. Welchen Einfluss hat nach Kenntnis der Bundesregierung die Förderung
nachhaltiger Landbewirtschaftung durch die Gemeinschaftsaufgabe
„Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) auf die
Weidehaltung von Milchkühen?
Die Förderung nachhaltiger Landbewirtschaftung ist innerhalb der GAK mit
dem Grundsatz für die Förderung einer markt- und standortangepassten
Landbewirtschaftung (MSL) verankert. Die Maßnahme der Einführung und
Einhaltung der betriebsbezogenen Grünlandextensivierung weist dabei einen
mittelbaren Bezug zur Weidehaltung dahingehend auf, dass ein Mindestviehbesatz
von 0,3 raufutterfressenden Großvieheinheiten (RGV) je Hektar
Hauptfutterfläche nicht unter- und ein Höchstviehbesatz von 1,4 RGV je Hektar nicht
überschritten werden darf. Die extensive Grünlandnutzung erfolgt dabei häufig in
Form der Weidehaltung.
Bei der Förderung der extensiven Bewirtschaftung bestimmter
Grünlandflächen (einzelflächenbezogene Grünlandextensivierung) ist die Anwendung
bestimmter Verfahren der Weidehaltung und des an die jeweiligen Schutzziele
angepassten Weidemanagements per se Voraussetzung für eine
Inanspruchnahme dieser Fördermaßnahme.
32. Welche Bundesländer bieten nach Kenntnis der Bundesregierung
Programme zur Förderung der Weidehaltung an?
Im Jahr 2011 werden Maßnahmen zur Förderung umwelt- und tiergerechter
Haltungsverfahren innerhalb der GAK mit finanzieller Unterstützung des
Bundes in den Ländern Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, dem
Saarland und der Freien und Hansestadt Hamburg angeboten. Der Freistaat
Bayern bietet die Förderung außerhalb der GAK an. Der Schwerpunkt der
Förderung bildet die Sommerweidehaltung von Rindern.
Einige Länder führen darüber hinaus umwelt- und tiergerechte
Fördermaßnahmen durch, bei denen spezielle kulturlandschaftserhaltende Ziele, z. B. eine
extensive Weidenutzung naturschutzfachlich wertvoller Lebensräume oder der
Erhalt vom Aussterben bedrohter lokaler Nutztierrassen, im Vordergrund
stehen.
Die Maßnahme der einzelflächenbezogenen Grünlandextensivierung zur
Verringerung der Betriebsmittelanwendung oder Anwendung spezieller Verfahren
der Weidehaltung wird im Jahr 2011 in den Ländern Brandenburg, Berlin,
Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt
und Thüringen angeboten.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/700333. Welchen Einfluss hat nach Kenntnis der Bundesregierung die
Stallbauförderung über das Agrarinvestitionsförderprogramm (AFP) der GAK
auf die Entwicklung der Weidehaltung von Milchkühen?
Der Bundesregierung liegen bezüglich der Auswirkungen des
Agrarinvestitionsförderprogramms (AFP) auf die Weidehaltung von Milchkühen keine
aussagekräftigen Evaluationen der Bundesländer vor. Durch das AFP wird die
Etablierung tiergerechterer Haltungsverfahren in Milchkuhbetrieben, etwa durch
die Umstellung von Anbinde- auf Laufstallhaltung, beschleunigt. Die
Förderung tier- und umweltgerechter Haltungsverfahren weist zudem eine Kohärenz
mit den investiven Maßnahmen des Agrarinvestitionsförderprogramms der
GAK auf. Entsprechend den Zielen des AFP zur Förderung der Errichtung bzw.
Modernisierung baulicher Anlagen und Schaffung baulicher und technischer
Voraussetzungen (z. B. Stallbauten) einer nachhaltigen, umweltschonenden und
tiergerechten Tierproduktion, werden diese investiven Fördermaßnahmen
durch die Maßnahmen umwelt- und tiergerechter Haltungsverfahren flankiert
bzw. ergänzt.
34. Unterstützt die Bundesregierung die Einführung eines generellen
Umbruchverbots für Dauergrünland als Bestandteil der „Begrünung“ der
Ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik?
Die Bundesregierung teilt die Zielsetzung der Kommission, Umweltziele
verstärkt im Rahmen der GAP zu berücksichtigen. Sie wird die Vorschläge der
Europäischen Kommission zur Weiterentwicklung der GAP nach 2013, die für
Oktober 2011 erwartet werden, entsprechend prüfen. Zur Erhöhung der
Umweltbeiträge durch die GAP sind nach Auffassung der Bundesregierung
Maßnahmen zu entwickeln, die tatsächlich in effizienter Weise zu einem höheren
Umweltbeitrag führen, ohne im Gesamtsystem zusätzlichen Bürokratieaufwand
zu verursachen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]