[Deutscher Bundestag Drucksache 17/8717
17. Wahlperiode 23. 02. 2012 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ute Koczy, Dr. Frithjof Schmidt,
Hans-Christian Ströbele, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 17/8558 –
Umstrukturierungen im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Am 25. Januar 2012 befasste sich der Deutsche Bundestag zunächst in der
Fragestunde und im Anschluss in einer Aktuellen Stunde mit der
Personalpolitik im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ). Anlass war die anhaltende und breite Kritik am Bundesminister
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dirk Niebel und der
FDP-Führung im BMZ in den ersten Wochen des Jahres 2012. Die Kritik kam
aus Presse, Opposition und Fachöffentlichkeit, vor allem aber auch von Seiten
des Personalrats im BMZ und von der Fraktion der CDU/CSU.
Auslöser der Kritik waren zwei Entscheidungen des BMZ von Dezember
2011 und Januar 2012. Im Dezember 2011 gab die Leitung des BMZ die
Einrichtung der neuen Abteilung „Steuerung und Kommunikation“, den Aufbau
drei neuer Unterabteilungen sowie acht neuer Referate bekannt. Die neue
Abteilung soll von Friedel Eggelmeyer, ehemaliger Sicherheitsberater der
FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag geleitet werden. Dieser hatte zuvor
die im März 2010 neu geschaffene Abteilung 4 für „Europäische und
multilaterale EZ, Nordafrika, Nahost und Afghanistan“ geleitet. Seine Nachfolgerin
in Abteilung 4 wird Dr. Uta Böllhoff, laut Hausmitteilung des BMZ zuvor
„Senior-Projektleiterin in leitender Funktion bei der Unternehmensberatung
McKinsey&Company“. Auch Dr. Uta Böllhof war in der Vergangenheit für
die FDP aktiv. Ab dem 17. Januar 2012 kam es zu einem anhaltenden
Presseecho, nachdem bekannt geworden war, dass die neue Servicestelle ENGAGE-
MENT GLOBAL gGmbH von einer ehemaligen FDP-Oberbürgermeisterin
geleitet werden soll.
Der Personalrat im BMZ kritisiert in seinem 2. Halbjahresbericht 2011, dass
keine Mitbestimmungsmöglichkeiten bei der Neueinstellung von
Führungspersonal mehr bestehen. Daher lehnt der Personalrat die neue Abteilung
„Planung und Kommunikation“ ab und befürchtet sogar, mit dieser
Umstrukturierung entstehe die neue „Kampa für den Wahlkampf 2013“. Zudem wird
seitens des Personalrates die fehlende bzw. nicht ausreichende
Berücksichtigung von fachlicher Qualifikation bei den aktuellen Personalentscheidungen
bemängelt – insbesondere, weil langjährige und fachlich hoch qualifizierte Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung vom 21. Februar 2012 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/8717 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeMitarbeiterinnen/Mitarbeiter des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung übergangen wurden.
Auch der Koalitionspartner ist über die liberale Personalpolitik verärgert. Die
Obfrau der CDU/CSU-Fraktion im Ausschuss für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung des Deutschen Bundestages, Sibylle Pfeiffer, schrieb in
einem Brief vom Dezember letzten Jahres an die Bundeskanzlerin Dr. Angela
Merkel, dass die Personalentscheidungen des Bundesministers Dirk Niebel
weder mit der Union abgesprochen noch in deren Interesse seien. Auch der
Dachverband der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen
VENRO – Verband Entwicklungspolitik deutscher
Nichtregierungsorganisationen e. V. beanstandete, dass das Versprechen, die Zivilgesellschaft bei der
Konzeption für die neue Servicestelle ENGAGEMENT GLOBAL gGmbH eng
einzubeziehen, gebrochen wurde.
In der Fragestunde am 25. Januar 2012 stand die Parlamentarische
Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung, Gudrun Kopp, für die Beantwortung der fristgerecht eingereichten
und schriftlich vorliegenden Mündlichen Fragen der Abgeordneten sowie für
deren Nachfragen zur Verfügung. Während der Fragestunde wurde wiederholt
und von Abgeordneten verschiedener Fraktionen angemerkt, dass einige
Fragen nicht vollständig beantwortet worden seien, andere Antworten von der
Parlamentarischen Staatssekretärin Gudrun Kopp standen in der
Wahrnehmung der Fragestellerinnen und Fragesteller im Widerspruch zu
vorliegenden Informationen und früheren Aussagen, etwa des Bundesministers Dirk
Niebel (Plenarprotokoll 17/154).
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Reorganisation und der Stellenzuwachs des BMZ sind Teil der größten
Strukturreform der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Mit der erfolgten
Fusion der deutschen Durchführungsorganisationen GTZ, InWent und DED zur
Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), wird die Wirksamkeit
und Sichtbarkeit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gestärkt und
somit die Umsetzung der entwicklungspolitischen Ziele der Bundesregierung
gefördert. Die dem BMZ vom Haushaltsgesetzgeber bewilligten zusätzlichen
Stellen sind Teil dieses Reformprozesses und dienen der Verbesserung der
Steuerungsfähigkeit des BMZ und damit der Leistungsfähigkeit der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit.
Die Auswahl für die Besetzung von Stellen im BMZ erfolgt im Einklang mit
Artikel 33 Absatz 2 des Grundgesetzes (GG) und § 9 des
Bundesbeamtengesetzes (BBG) nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung. Die
Parteizugehörigkeit darf und wird unter Hinweis auf Artikel 3 Absatz 3 GG nicht
abgefragt.
1. a) Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass die Antwort der
Parlamentarischen Staatssekretärin Gudrun Kopp in der Fragestunde im
Deutschen Bundestag am 25. Januar 2012, auf die Frage des
Abgeordneten Dr. Sascha Raabe, zu welchem Zeitpunkt Bundesminister Dirk
Niebel von der Bewerbung von Gabriela Büssemaker erfahren habe,
„Ich kann Ihnen aber kein Datum nennen und nicht sagen, wer bei ihm
wann in welcher Weise nachgefragt hat. Ich kann auch nicht sagen, ob
er im Nachhinein eine Liste gesehen hat. Ich glaube auch, das ist nicht
relevant“, eine unzureichende Antwort auf die fristgerecht eingereichte
Mündliche Frage ist?
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/8717b) Hält die Bundesregierung es für angemessen, die Mündliche Frage
eines Abgeordneten als „nicht relevant“ einzustufen und deshalb nicht
zu beantworten (vgl. Plenarprotokoll 17/154)?
Die Parlamentarische Staatssekretärin Gudrun Kopp hat die Frage des
Abgeordneten Dr. Sascha Raabe nicht als irrelevant eingestuft (s. Plenarprotokoll
17/154), vielmehr hat die Parlamentarische Staatssekretärin Gudrun Kopp die
Frage beantwortet und, wie von ihr in der Fragestunde am 25. Januar 2012
zugesagt, mit Schreiben vom 27. Januar 2012 noch ergänzende Informationen
übermittelt. Die Beantwortung wird damit als ausreichend erachtet.
2. a) Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass die Antwort der
Parlamentarischen Staatssekretärin Gudrun Kopp in der Fragestunde im
Deutschen Bundestag am 25. Januar 2012, sie habe noch nie mit
Gabriela Büssemaker gesprochen, eine unzureichende Antwort auf die
fristgerecht eingereichten Mündlichen Fragen verschiedener
Abgeordneter zu der Aussage von Gabriela Büssemaker in einem Interview im
„Boulevard Baden“ vom 16. Oktober 2011 ist?
b) Wie begründet die Bundesregierung, dass die Parlamentarische
Staatssekretärin sich auf diese Frage offensichtlich nicht angemessen
vorbereitet hat (vgl. Plenarprotokoll 17/154)?
Die Parlamentarische Staatssekretärin Gudrun Kopp war angemessen auf die
Fragestunde vorbereitet und hat die Fragen angemessen beantwortet.
3. Ist die Äußerung von Bundesminister Dirk Niebel in der Aktuellen Stunde
im Deutschen Bundestag am 25. Januar 2012 „Die verbliebenen 71 Stellen
sind für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die größte Chance in der
Geschichte des Ministeriums, aufzusteigen oder sich in ihrer Funktion zu
verändern“ so zu verstehen, dass 71 Personen im BMZ, die dort seit mehr als
zwei Jahren arbeiten, im Zuge des Personalaufwuchses aufsteigen bzw.
ihre Funktion im Bundesministerium verändern werden (vgl.
Plenarprotokoll 17/154)?
Die neuen Stellen werden für alle langjährigen und neuen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter im BMZ die Chance bieten, sich in ihrer Funktion oder in ihrem
Aufgabengebiet zu verändern, aufzusteigen oder befördert zu werden.
4. Wie lautete die Aufgabenbeschreibung für die Ausschreibung der Leitung
der Servicestelle ENGAGEMENT GLOBAL gGmbH des BMZ gegenüber
der Firma Dr. Heimeier & Partner Management- und Personalberatung
GmbH, und was war der genaue Gegenstand des Gespräches zwischen der
Firma und den Abteilungsleitern im BMZ, auf das die Parlamentarische
Staatssekretärin Gudrun Kopp in der Fragestunde am 25. Januar 2012
verwiesen hat (vgl. Plenarprotokoll 17/154)?
Die Aufgabenbeschreibung für die Firma Dr. Heimeier & Partner lautete: „Wir
beauftragen Sie mit der externen Beratung und Unterstützung für die Auswahl
einer qualifizierten Führungskraft für die Servicesstelle“. Dies implizierte die
Unterstützung bei der Organisation des Suchprozesses (Inserierung, bei Bedarf
Direktansprachen, Vorauswahl, Eignungsinterviews, Bewerber-Präsentation
und Endauswahl). Gegenstand des Vorbereitungsgespräches im BMZ, auf das
die Parlamentarische Staatssekretärin Gudrun Kopp am 25. Januar 2012 Bezug
genommen hat, war die weitere Auftragsklärung, die Abstimmung des
Anzeigentextes sowie die Vereinbarung des zeitlichen Rahmens für den
Auswahlprozess.
Drucksache 17/8717 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode5. Inwieweit und mit welcher Zielsetzung haben Bundesminister Dirk
Niebel oder andere Mitglieder der Leitungsebene des BMZ vor und nach
dem Interview von Gabriela Büssemaker im „Boulevard Baden“ vom
16. November 2011 Gespräche mit ihr über die geplante Stelle vor dem
Beginn des Bewerbungsverfahrens und vor dessen Abschluss geführt?
Nach Erscheinen der Stellenanzeige hat sich Gabriele Büssemaker bei
Bundesminister Dirk Niebel telefonisch in der Zeit zwischen dem 13. Oktober 2011
und dem 25. Oktober 2011 nach der Möglichkeit einer Bewerbung erkundigt.
Diese Frage hat Bundesminister Dirk Niebel mit Verweis auf die formalen
Voraussetzungen bejaht.
6. Inwiefern trifft es zu, dass die Parlamentarische Staatssekretärin Gudrun
Kopp es erläuterte, dass Bundesminister Dirk Niebel während des
laufenden Bewerbungsverfahrens für die Leitung der Servicestelle ENGAGE-
MENT GLOBAL gGmbH Einsicht in die Liste der 133 Bewerberinnen
und Bewerber gehabt hatte?
Wenn ja, zu welchem Zeitpunkt?
Bundesminister Dirk Niebel hatte während des Auswahlverfahrens keine
Einsicht in die Liste der 133 Bewerberinnen und Bewerber.
7. Wann wurde Gabriela Büssemaker erstmals von welcher Stelle im BMZ
darüber informiert, dass sie voraussichtlich ihre spätere Stelle erhält?
8. Wann erhielt sie die endgültige Bestätigung, und von wem?
Gabriele Büssemaker wurde am 16. Januar 2012 telefonisch von
Abteilungsleiter 1 informiert, dass ihre Bewerbung erfolgreich war. Der Arbeitsvertrag
wurde am 26. Januar 2012 von Gabriele Büssemaker und Staatssekretär Hans-
Jürgen Beerfeltz unterschrieben.
9. Für welche Ausschreibungsverfahren neben dem für die Leitung der
neuen Servicestelle ENGAGEMENT GLOBAL gGmbH beauftragte die
Bundesregierung die Firma Dr. Heimeier & Partner Management- und
Personalberatung GmbH?
Die Firma Dr. Heimeier & Partner wurde im Rahmen der Personalauswahl für
die Geschäftsführung des Evaluierungsinstitut beauftragt. Darüber hinaus
erfolgten bislang keine weiteren Beauftragungen der Bundesregierung an die
Firma Dr. Heimeier & Partner in dieser Legislaturperiode.
10. Bestanden persönliche oder geschäftliche Beziehungen zwischen
Personen aus der Leitungsebene des BMZ von der Abteilungsleiterebene
aufwärts und der für das Ausschreibungsverfahren für die Servicestelle
ENGAGEMENT GLOBAL gGmbH beauftragten Firma Dr. Heimeier &
Partner Management- und Personalberatung GmbH, bevor der Auftrag an
die Beratungsfirma vergeben wurde?
Die Firma Dr. Heimeier & Partner ist ein in Baden-Württemberg ansässiges
Unternehmen, welches aufgrund seiner fachlichen Kompetenz bundesweit tätig
ist. Die Reputation des Unternehmens dürfte der Grund dafür sein, dass auch
die jetzige Landesregierung sich der Hilfe des Personalberaters bedient.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/8717Bundesminister Dirk Niebel, Parlamentarische Staatssekretärin Gudrun Kopp,
Staatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz sowie die zu dem Zeitpunkt der
Ausschreibung im BMZ beschäftigten Abteilungsleiter unterhielten und unterhalten weder
persönliche noch geschäftliche Beziehungen mit der Firma Dr. Heimeier &
Partner.
Nur dem Abteilungsleiter 1 ist dieses Unternehmen aufgrund seiner früheren
Tätigkeit im Wirtschaftsministerium in Baden-Württemberg bekannt gewesen.
Nach Kenntnis des Abteilungsleiters hat es keine direkte Auftragsvergabe im
Rahmen seiner früheren Funktionen gegeben.
11. Was versteht die Bundesregierung genau unter der Erhöhung der
Steuerungsfähigkeit des BMZ?
Die Bundesregierung versteht unter der Erhöhung der Steuerungsfähigkeit des
BMZ die Sicherstellung, dass ministerielle Kernaufgaben des BMZ
ausschließlich durch Mitarbeiter/-innen des Ministeriums wahrgenommen werden. Zu den
ministeriellen Kernaufgaben zählen laut Gemeinsamer Geschäftsordnung der
Bundesministerien (GGO) u. a. Gestaltungs-, Steuerungs-, Koordinierungs- und
Aufsichtsfunktionen. Wie auch im Kabinettbeschluss zur Strukturreform vom
7. Juli 2010 dargelegt, sind Voraussetzungen zur Erhöhung der
Steuerungsfähigkeit unter anderem die Ausstattung des Ministeriums mit den entsprechenden
personellen Kapazitäten und eine klare Trennung zwischen politischer
Steuerung und Durchführung. Entsprechend des Wunsches vieler früherer
Bundesregierungen kann sich das BMZ heute nach der historischen Fusion zur GIZ
Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit e. V. auf die Steuerung
konzentrieren und die Durchführungsorganisationen auf die Durchführung.
12. Hält die Bundesregierung für eine Stärkung der Steuerungsfähigkeit des
BMZ auch eine personelle Stärkung der Fach- und Länderreferate für
notwendig?
Wenn ja, in welcher Form, und in welchem Ausmaß (bitte die
entsprechenden Referate nennen)?
Die Bundesregierung hält die personelle Stärkung der Fach- und Länderreferate
für notwendig. Von den bis Ende 2013 nach Abzug linearer Stellenkürzungen
und anderer Stellenabgaben real zur Verfügung stehenden Stellen werden über
58 Prozent in die Fach- und Länderreferate gehen. Die neuen Auslandsstellen
stärken dabei den Regionalbereich. Einzelne Referate können aufgrund des
noch laufenden Organisationsprozesses noch nicht genannt werden.
13. Welche Referate im BMZ, die bereits vor der im Dezember 2011 bekannt
gewordenen Umstrukturierung des BMZ bestanden, werden durch den
Stellenaufwuchs gestärkt?
Der Stellenaufwuchs führt zu einer Stärkung fast aller Referate in
unterschiedlichem Ausmaß. Einzelne Referate können aufgrund des noch laufenden
Organisationsprozesses noch nicht genannt werden. Bundesminister Dirk Niebel
wird dabei aber weiter dem Wunsch aller Bundesregierungen seit 1998
Rechnung tragen, die Wirksamkeit und Sichtbarkeit der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit (EZ) zu erhöhen.
Drucksache 17/8717 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode14. Welche Personen und Referate im BMZ waren in die Entscheidung für
eine neue Abteilung und drei neue Unterabteilungen einbezogen, und
welche Personen und Referate waren mit der Konzeption dieser neuen
Abteilung betraut?
Der Neugestaltung der Organisationsstruktur lag ein Auftrag von Staatssekretär
Hans-Jürgen Beerfeltz an Abteilungsleiter 4 zugrunde. Zur Vorbereitung der
Planung wurden Gespräche mit allen Abteilungsleitungen und
Unterabteilungsleitungen sowie verschiedenen Referatsleitungen geführt, ebenso mit
Personalrat und Gleichstellungsbeauftragter. Damit wurde einem Wunsch des
Personalrats für frühzeitige Einbeziehung des Hauses entsprochen.
15. Was sind die genauen Aufgabenbeschreibungen der neu geschaffenen
Referate im BMZ, wie sie im Dezember 2011 bekannt gegeben wurden?
Die genauen Aufgabenbeschreibungen der neuen Referate können den
beigefügten Geschäftsverteilungsplänen entnommen werden (Stand: 1. Februar 2012).
16. Welche externe Beratung erarbeitet bzw. unterstützt die Erarbeitung der
genauen Verteilung der neuen Stellen auf die Organisationseinheiten im
BMZ, wie wurde diese ausgewählt, und welche Kosten entstehen dadurch
(vgl. Plenarprotokoll 17/154)?
Das Unternehmen Rambøll Management GmbH unterstützte mit der
Erarbeitung eines Entwurfs für die genaue Verteilung der neuen Stellen auf die
Organisationseinheiten im BMZ. Der Auftrag wurde unter Beachtung der
vergaberechtlichen Regelungen vergeben. Die Kosten beliefen sich auf 20 116,54 Euro
inkl. Mehrwertsteuer.
17. Inwiefern und mit welchem Ergebnis wurde der Personalrat im BMZ in
die Besetzung der frei werdenden Abteilungsleiterstelle im BMZ
einbezogen, die dann an Dr. Uta Böllhof ging, und wie verhält sich dies zu der
Aussage von der Parlamentarischen Staatssekretärin Gudrun Kopp in der
Fragestunde des Deutschen Bundestages „Ich kann Ihnen versichern,
dass wir bei der Besetzung von Stellen, bei der Auswahl geeigneter
Personen – für welche Stelle auch immer – den Personalrat einbeziehen.“
(vgl. Plenarprotokoll 17/154)?
Der Personalrat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung wird bei Personalangelegenheiten auf der Grundlage der
§§ 75 bis 77 des Bundespersonalvertretungsgesetzes (BPersVG) einbezogen.
Bei der Besetzung von Beamtenstellen der Besoldungsgruppe A16 aufwärts ist
laut § 77 BPersVG keine Mitbestimmung des Personalrats vorgesehen. Vor
diesem Hintergrund wurde der Personalrat über die Besetzung der
Abteilungsleitung 4 mit Dr. Ute Böllhoff informiert. Der Personalrat hat dies zur Kenntnis
genommen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/871718. Wie bewertet die Bundesregierung im Einzelnen die Aussagen und
Angaben im Tätigkeitsbericht des Personalrates im BMZ zu dem diesjährigen
Stellenaufwuchs „Das erscheint nur auf den ersten Blick ein Selbstläufer
zu sein. Schaut man genauer hin, schmilzt der Stellensegen schnell dahin:
65 Stellen dienen dazu, die bereits im letzten Jahr unter dem Label „65
plus“ geschaffenen Posten zu BMZ-Stellen zu machen – dadurch erhalten
wir keine einzige zusätzliche Arbeitskraft im Haus. 46 Stellen sollen für
zusätzliche WZ-Referenten an das Außenamt gehen. Weitere sechs
Stellen sollen im Zusammenhang mit der Abgabe der
entwicklungsorientierten Not- und Übergangshilfe an das Außenamt gehen. Siebzehn Stellen
fallen durch lineare Kürzungen und die Erbringung von Kw-Vermerken
gleich wieder weg. Bleiben knapp 50 Stellen, von denen etwa 36 durch
Kolleginnen und Kollegen des mittleren und gehobenen Dienstes aus
dem Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung
(BMVg) gefüllt werden sollen. Das bedeutet: Wir bekommen in der
Zentrale im kommenden Jahr maximal fünf zusätzliche Stellen im höheren
Dienst.“, oder widerspricht sie den Aussagen des Personalrates?
Wenn ja, wie verteilen sich die Stellen aus Sicht der Bundesregierung?
Der Stellenzuwachs des BMZ beläuft sich auf 210 Stellen für die Jahre 2012
und 2013. Voraussichtlich bis 2013 zu erbringende lineare Stellenkürzungen
sowie voraussichtliche sonstige Verpflichtungen belaufen sich auf 25,5 Stellen.
Die verbleibenden 184,5 Stellen, stellen den realen Zuwachs des BMZ dar. Von
diesen sind 142,5 Plan-/Stellen des höheren Dienstes. Die rund 40 Stellen des
höheren Dienstes zur Stärkung der BMZ-Außenstruktur sind entscheidend für
die Erhöhung der Steuerungsfähigkeit des BMZ gegenüber KfW und GIZ.
Diese Stellen – die mit BMZ-Mitarbeitern besetzt werden – sind nicht
herauszurechnen sondern entscheidender Bestandteil der besseren
Steuerungsfähigkeit.
19. Wie bewertet die Bundesregierung die Aussage des Personalrats im
BMZ, er sei zu spät über die Gründung der neuen Abteilung „Planung
und Kommunikation“ informiert worden?
Der Personalrat wurde zeitgerecht beteiligt.
20. Wie bewertet die Bundesregierung die Feststellung des Personalrates im
BMZ, dass durch den Stellenaufwuchs im BMZ netto nur wenig wirklich
neue Stellen hinzukommen und dass angesichts dieser Tatsache dieses
Jahr nicht die Zeit sei, um neue Leitungsposten zu schaffen?
Es wird auf die Antwort zu Frage 18 verwiesen.
21. Wie setzt sich die angesprochene Einsparung von, wie es Bundesminister
Dirk Niebel in der Aktuellen Stunde am 25. Januar 2012 formulierte,
„unterm Strich 300 Stellen“ genau zusammen (bitte nach BMZ und
Vorfeldorganisation aufschlüsseln)?
Bedeutet die Einsparung von ca. 300 Stellen auch eine finanzielle
Einsparung für den Bundeshaushalt, und wenn ja, in welcher Höhe?
Durch die Verschmelzung des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) und der
Internationale Weiterbildung und Entwicklung gemeinnützige GmbH (InWEnt)
auf die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) – seit 1. Januar
2011 Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH –
und einem damit verbundenen Wegfall von 693 Stellen aus dem
Personalhaushalt des Bundes, reduziert sich – auch bei Stärkung des BMZ um 210 Stellen,
Drucksache 17/8717 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodebei Gründung der ENGAGEMENT GLOBAL gGmbH (145 Stellen s. u.) und
eines Evaluierungsinstituts (38 Stellen) – der Personalbestand des Bundes
dauerhaft um rund 300 Stellen.
Durch die o. g. Änderungen ergeben sich zunächst keine finanziellen
Einsparungen für den Bundeshaushalt. Die rechnerisch 300 Stellen, die bereits aus der
Personalliste Z des Bundes weggefallen sind, finden sich nach erfolgter Fusion
im Personalkörper der GIZ wieder; sie werden durch die GIZ finanziert. Die
GIZ ist ein Unternehmen, das seine Stellen flexibel an die Auftragslage
anpasst.
Aber die Strukturreform der TZ bietet durch den Abbau von Doppelstrukturen
Einsparungspotenzial, von bis zu 17 Mio. Euro bis 2014, wie in der
Wirtschaftlichkeitsanalyse von Nov. 2010 dargelegt (siehe Haushaltsausschussdrucksache
17-3315, 11. Oktober 2011).
22. Trifft es nach Ansicht der Bundesregierung zu, dass im BMZ seit der
Amtsübernahme durch Bundesminister Dirk Niebel 24 neue
Leitungsstellen geschaffen worden sind?
Wenn nein, wie viele sind es tatsächlich, und wie begründet die
Bundesregierung jede einzelne dieser Stellen?
Es wurden zwei Positionen für Abteilungsleitungen, vier für
Unterabteilungsleitungen, 16 für Referatsleitungen und eine für eine (zeitlich befristete)
Projektgruppenleitung geschaffen. Zur Begründung siehe die Vorbemerkung. Ziel
ist bei allem die Steuerungsfähigkeit der Bundesregierung auf Augenhöhe
gegenüber z. B. der GIZ zu erhöhen, das wurde von früheren Bundesregierungen
leider versäumt.
23. In welchem Bereich sollen die angekündigten 36,5 Stellen aus dem
Überhangpersonal des BMVg eingesetzt werden?
Von den vom Parlament für 2012 gebilligten 180 Stellen sind laut
entsprechendem Haushaltsvermerk 36,5 Stellen des mittleren und gehobenen Dienstes mit
Überhangpersonal aus dem BMVg zu besetzen. Diese Stellen sollen in allen
Bereichen des BMZ eingesetzt werden.
24. Wann und wo ist die Stelle der Leitung für die Unterabteilung 12 des
BMZ ausgeschrieben worden?
Die Position der Unterabteilungsleitung 12 wurde am 7. April 2011
ausgeschrieben und in das Intranet eingestellt.
25. Sind der Bundesregierung Fälle von Personen bekannt, die im
Assessment Center des BMZ zunächst durchgefallen waren, die jedoch zu
einem späteren Zeitpunkt erneut zu Bewerbungsgesprächen eingeladen
wurden und/oder in der Folge eingestellt wurden?
Wenn ja, um wie viele Personen handelt es sich, und wo sind diese
Personen jetzt eingesetzt?
Es ist gesetzlich nicht ausgeschlossen, dass Personen sich wiederholt um eine
Tätigkeit in der Bundesverwaltung bewerben. Daher ist es auch im
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung langjährige
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/8717Praxis, dass Bewerberinnen und Bewerbern die Möglichkeit einer erneuten
Bewerbung offensteht.
Es gibt keine statistischen Erhebungen darüber, ob Personen nach wiederholter
Bewerbung eingestellt wurden. Die Speicherung dieser Bewerbungsdaten ist
aus Gründen des Datenschutzes auch nicht zulässig.
26. Wie verläuft das aktuelle Auswahlverfahren für Stellen im BMZ genau,
und gibt es nach Ansicht der Bundesregierung Möglichkeiten, dieses
Bewerbungsverfahren, etwa für eine Referentinnen-/Referentenstelle in
einem Fachreferat, durch den Arbeitgeber auszusetzen?
Im konkreten Fall werden nach einem durch das Bundesverwaltungsamt
durchgeführten öffentlichen Ausschreibungs- und Bewerbungsverfahren die nach den
Bewerbungsunterlagen besten Kandidatinnen und Kandidaten zu einem
eineinhalbtägigen Assessementcenter eingeladen. Dieses besteht aus einem
Vorstellungsgespräch, einem mündlichen Sachvortrag und einer Gruppendiskussion
sowie aus einer schriftlichen Arbeit und einem schriftlichen und mündlichen
Sprachentest.
Auf dieses aufwändige Verfahren wird im BMZ nur in den gesetzlich
zulässigen und erforderlichen Fällen, die unter Frage 28 genannt sind, verzichtet.
27. Welche Auswahlkriterien legt das BMZ für eine erfolgreiche Bewerbung
für den höheren Dienst zugrunde, und gibt es hierbei
Mindestanforderungen, wie etwa entwicklungspolitische Fachkenntnisse, praktische
Erfahrungen in der Umsetzung von Projekten in Entwicklungsländern,
Hochschulabschluss oder Mindestnote beim Hochschulabschluss?
Grundsätzlich sind die Verfahren zur Auswahl von Personal durch Recht und
Gesetz definiert. In der konkreten Umsetzung führen die Bundesministerien
mehr oder weniger umfangreiche Verfahren durch. Das BMZ hat in seiner
Geschäftsordnung das Verfahren für die Neueinstellung von Mitarbeitern und
Mitarbeiterinnen geregelt, um eine sachgerechte und objektive Einstellungspraxis
zu gewährleisten. Darin sind abstrakte Auswahlkriterien enthalten, unter
anderem Berufsausbildung und Qualität der Abschlüsse/Examina, Berufserfahrung,
Beurteilungen und Sprachkenntnisse. In den Ausschreibungen werden je nach
Bedarf zusätzliche Anforderungen formuliert.
28. In welchen Fällen und aus welchen Gründen wurden seit 2009 im BMZ
bei der Einstellung Ausnahmen von Regelverfahren für Neueinstellungen
gemacht?
Im BMZ werden unterschiedlich aufwändige Auswahlverfahren angewendet.
Die aufwändigste Form ist die eines Assessmentcenters (s. hierzu Frage 26).
Dies wird in anderen Ressorts auch oft in reduzierter Form durchgeführt. In
einzelnen Fällen, wie zum Beispiel Krankheitsausfall, Schwangerschaften,
Elternzeiten, kurzfristige Vakanzen, Arbeitsspitzen, oder speziellen
Stellenprofilen (z. B. persönliche Referenten) wird – wie auch in früheren
Legislaturperioden – in Abstimmung und mit Zustimmung des Personalrats ein weniger
aufwändiges Verfahren durchgeführt. Festzuhalten ist, dass aber auch diese
weniger aufwändigen Verfahren die Anforderungen an ein Auswahlverfahren
erfüllen und rechtlich zulässig sind. Genau dieser Spielraum war für frühere
Regierungen wichtig – und wird es auch für zukünftige sein.
Drucksache 17/8717 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode29. An wie viele Personen, die nicht aus dem Verwaltungsbereich oder dem
Bereich Übersetzer oder dem Bereich IT stammen, und die nicht das
Standardauswahlverfahren des BMZ durchlaufen haben, wurden in den
letzten Jahren unbefristete Verträge vergeben, und wie begründet die
Bundesregierung diese Ausnahmeregelungen?
In der aktuellen Legislaturperiode wurden nach erfolgreich absolvierter
Probezeit an fünf Personen unbefristete Verträge vergeben, die nicht das in Frage 26
erläuterte Auswahlverfahren durchlaufen haben. Weitere Fälle gab es natürlich
auch in den früheren Legislaturperioden.
Die Art und Weise und der Umfang der Auswahlverfahren für neue
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind rechtlich nicht maßgebend für die Frage der
Befristung von Verträgen. Insofern handelt es sich nicht um eine Ausnahmeregelung,
sondern um die Ausgestaltung eines in verschiedener Art und Weise nach Recht
und Gesetz möglichen Verfahrens.
Drucksache 17/8717 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode
Drucksache 17/8717 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode
Drucksache 17/8717 – 16 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode
Drucksache 17/8717 – 18 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode
Drucksache 17/8717 – 20 ��� Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode
Drucksache 17/8717 – 22 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode
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