[Deutscher Bundestag Drucksache 18/167
18. Wahlperiode 13.12.2013Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sabine Zimmermann (Zwickau),
Jutta Krellmann, Matthias W. Birkwald, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
DIE LINKE.
– Drucksache 18/108 –
Zwischenbilanz zum Modellprojekt „Bürgerarbeit“
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Im Jahr 2010 startete die Bundesregierung das Modellprojekt „Bürgerarbeit“.
An diesem Programm sollten 160 000 Erwerbslose mit einem Leistungsbezug
nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II – Hartz IV) „aktiviert“ und
ein Teil dieser schließlich auf 34 000 öffentlich geförderte Arbeitsplätze
einmünden. Kritische Sozial- und Arbeitsmarktexperten wiesen von Anbeginn
darauf hin, dass dieses Programm den betroffenen Erwerbslosen wenig
Perspektiven biete, aber das Potential für eine Verdrängung regulärer Jobs und
Lohndumping enthalte (vergleiche Spindler SOZIALE SICHERHEIT 7/2012).
Zudem beruht die Bürgerarbeit nicht auf einer freiwilligen Teilnahme, stellt sich
vielmehr in den Rechtsrahmen des SGB II und ist damit ein Mittel, um auf die
Erwerbslosen Druck mit möglichen Sanktionen auszuüben. Auf die erste Kleine
Anfrage der Fraktion DIE LINKE. im Jahr 2010 stellte die Bundesregierung
klar, dass das „Hauptaugenmerk der „Bürgerarbeit“ auf der Aktivierung“ liegt.
„Für die erwerbsfähigen Hilfebedürftigen bedeutet dies, dass sie sich damit
verpflichten, an den vereinbarten Aktivierungsmaßnahmen teilzunehmen. Bei einer
Pflichtverletzung sind die Sanktionsregelungen in § 31 SGB II zu prüfen […]
(vergleiche Bundestagsdrucksache 17/2666).
Schon wenige Monate nach der Einführung entzündete sich ein Streit um die
tarifliche Bezahlung der Bürgerarbeitsplätze und deren Umgehung mittels
Leiharbeit (vergleiche Bundestagsdrucksache 17/6999). Seitdem melden immer
wieder Betroffene, dass sie als ausgebildete Fachkräfte zu niedriger Entlohnung
auf regulären Arbeitsplätzen eingesetzt werden. Anfang dieses Jahres entschied
das Verwaltungsgericht Potsdam in einem Fall, dass Beschäftigte des
Arbeitsmarktprogrammes „Bürgerarbeit“ in der Regel nach dem Tarifvertrag für den
öffentlichen Dienst zu bezahlen sind (21 K 1480/12.PVL). Ein weiteres, ähnlich
lautendes Urteil folgte (ArbG Frankfurt/Oder vom 9. Oktober 2013,
Aktenzeichen: 1 Ca 756/13).
Im kommenden Jahr läuft das Modellprojekt „Bürgerarbeit“ aus. Eine erste
Zwischenbilanz sollte möglich sein. Die Bundesregierung hat verschiedene
Institute mit einer Evaluierung beauftragt, die erste Zwischenergebnisse
vorgelegt haben. Daneben haben die Rosa-Luxemburg-Stiftung Gesellschaftsanalyse Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom
12. Dezember 2013 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/167 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodeund politische Bildung e. V. und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di
eine Regionalstudie gefördert (Wolfgang Richter, Irina Vellay: Bürgerarbeit –
Teil der großen Umverteilung? Eine empirische Untersuchung am Beispiel der
Stadt Dortmund, Juni 2013), die unter anderem die Probleme der Bürgerarbeit
als „außertarifliche Hilfsarbeit ohne Aufstieg“ und die Verdrängung regulärer
Beschäftigung thematisiert. Aus all diesen Erfahrungen lassen sich mögliche
Schlussfolgerungen für weitere Programme öffentlich geförderter
Beschäftigung ziehen.
1. Wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden bisher im Rahmen der
Bürgerarbeit in wie viel teilnehmenden Jobcentern aktiviert?
Wie viele von ihnen gingen anschließend in die Beschäftigungsphase über?
Die Bundesagentur für Arbeit ist Träger der amtlichen Arbeitsmarktstatistik.
Daher umfassen die Angaben der Bundesagentur für Arbeit auch die Daten der
zugelassenen kommunalen Träger, sofern dies nicht anders gekennzeichnet ist.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind in den 198 teilnehmenden
Jobcentern seit Projektbeginn im Juli 2010 bis zum August 2013 neben
denjenigen Personen, die in verstärkte vermittlerische Bemühungen einbezogen
wurden, rund 86 900 Personen im Rahmen der Aktivierungsphase in
Fördermaßnahmen eingetreten. Die höchste Zahl an Teilnehmern in Maßnahmen der
Aktivierungsphase wurde im Mai 2011 mit 15 800 Personen erreicht. Danach
gingen die Teilnehmerzahl kontinuierlich zurück. Im August 2013 lag die
Teilnehmerzahl der Aktivierungsphase bei 1 900 Personen.
In die Beschäftigungsphase sind von Januar 2011 bis August 2013 rund 45 000
Personen eingetreten. Die Zahl an Teilnehmern in der Beschäftigungsphase
erreichte im Juli 2012 mit 29 500 Personen seinen höchsten Wert. Im August
2013 lag die Teilnehmerzahl in der Beschäftigungsphase bei 27 900 Personen.
2. Wie hoch sind die Zahl und der Anteil derjenigen, die bereits in der ersten
Projektphase der Aktivierung aus dem Projekt ausgeschieden sind?
Was waren die Gründe dafür?
Zu welchem Anteil erfolgte die Aufnahme einer ungeförderten
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach der Aktivierung?
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind im ersten Jahr der
Programmlaufzeit (Juli 2010 bis Juni 2011) 42 400 Teilnehmer aus im Rahmen der
Aktivierungsphase durchgeführten Fördermaßnahmen ausgetreten. Sechs Monate
nach Abgang waren davon insgesamt 36,4 Prozent in
sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung (25,4 Prozent sozialversicherungspflichtige Beschäftigung
am allgemeinen Arbeitsmarkt und 11 Prozent gefördertes
Beschäftigungsverhältnis oder Beschäftigungsphase Bürgerarbeit). 22 Prozent der Teilnehmer
waren sechs Monate nach Abgang nicht arbeitslos, aber auch nicht in
sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. 41,7 Prozent waren sechs Monate nach
Austritt arbeitslos.
In späteren Zeiträumen änderten sich die Teilnehmerzahlen, aber nicht die
Abgangsstruktur. Von Dezember 2011 bis November 2012 sind 23 300 Teilnehmer
aus Maßnahmen der Aktivierungsphase ausgetreten. Sechs Monate nach
Abgang waren 36,2 Prozent sozialversicherungspflichtig beschäftigt. 20,3 Prozent
waren am allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt. 23,1 Prozent waren nicht
arbeitslos, aber auch nicht in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.
40,8 Prozent waren arbeitslos.
Zu anderen Abgangsgründen sind keine Aussagen möglich.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/1673. Inwiefern erfolgte im Rahmen der Aktivierungsphase eine bedarfsdeckende
bzw. nichtbedarfsdeckende Integration auf dem Arbeitsmarkt (bitte
entsprechende Daten nennen)?
Hierzu liegen der Bundesagentur für Arbeit keine Daten vor.
4. Inwiefern gibt es Belege dafür, dass an der „Bürgerarbeit“ beteiligte
Jobcenter stärker auf eine schnelle Integration setzten als auf eine
existenzsichernde Beschäftigung abzielen?
Es gibt dafür keine Belege. Ziel des Programms ist vielmehr, arbeitsmarktferne
Kunden in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu integrieren.
5. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Nachhaltigkeit der
Beschäftigungsverhältnisse, die während der Aktivierungsphase
aufgenommen wurden?
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind die ehemaligen
Teilnehmerinnen und Teilnehmer von im Rahmen der Aktivierungsphase durchgeführten
Fördermaßnahmen umso häufiger in sozialversicherungspflichtiger
Beschäftigung, je länger der Abgang zurückliegt. Von den Teilnehmern des ersten Jahres
(Austritte von Juli 2010 bis Juni 2011) waren im nächsten Monat nach Abgang
nur 22,1 Prozent sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Ein halbes Jahr nach
Abgang waren es 36,4 Prozent. Von denjenigen, bei denen die
Maßnahmeteilnahme zwölf Monate bzw. 18 Monate zurücklag, waren 42,8 Prozent bzw. sogar
45,2 Prozent sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Auch in den späteren
Austrittszeiträumen ist der Anteil der beschäftigten Teilnehmer umso höher,
je länger der Austritt zurückliegt.
6. Wie hoch ist die Zahl bzw. der Anteil derjenigen, die in der
Aktivierungsphase nicht eine Erwerbstätigkeit aufnahmen, aber trotzdem aus dem
Leistungsbezug und der Arbeitslosigkeit ausgeschieden sind?
Welche Erklärungen hat die Bundesregierung dafür?
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren von den 14 800
Teilnehmern, die von März 2012 bis April 2013 aus der Aktivierungsphase abgingen,
im nächsten Monat 6 900 Personen bzw. 46,6 Prozent nicht arbeitslos. Von
diesen waren 2 800 Personen bzw. 18,8 Prozent nicht arbeitslos, aber auch nicht in
sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Diese Abgänge können nicht
genauer differenziert werden; es handelt sich z. B. um Abgänge in Rente,
Arbeitsunfähigkeit oder sonstige Nichterwerbstätigkeit.
Es liegen keine Daten darüber vor, wie häufig der Abgang auch mit dem Abgang
aus Hilfebedürftigkeit verbunden war.
7. Wie viel Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden in welchen Phasen der
Bürgerarbeit aus welchen Gründen sanktioniert?
Sofern keine konkreten Zahlen vorliegen, welche Erkenntnisse hat die
Bundesregierung über die Sanktionierung von Betroffenen im Rahmen der
Bürgerarbeit?
Nach Auskunft der Bundesagentur für Arbeit liegen zu Sanktionen von
Teilnehmern an Bürgerarbeit keine Daten vor. Die Bundesregierung verfügt auch im
Übrigen nicht über Erkenntnisse über die Sanktionierung von Betroffenen im
Rahmen der Bürgerarbeit.
Drucksache 18/167 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode 8. Wie unterscheidet sich die Betreuungsintensität bei dem Modellprojekt
Bürgerarbeit gegenüber der herkömmlichen Vermittlung?
Welche Angaben kann die Bundesregierung zu möglichen
unterschiedlichen Betreuungsschlüsseln machen?
Informationen zu den Betreuungsschlüsseln liegen in der Bundesagentur für
Arbeit nur für die gemeinsamen Einrichtungen vor. Die Zuweisung von
Maßnahmeteilnehmern und die Betreuung finden nach Auskunft der Bundesagentur für
Arbeit im normalen Geschäftsprozess statt. Die Betreuungsschlüssel in den
gemeinsamen Einrichtungen, die sich am Modellprojekt Bürgerarbeit beteiligen,
unterscheiden sich nur geringfügig von den anderen Jobcentern: Im Bereich der
unter 25-Jährigen werden in den gemeinsamen Einrichtungen, die sich an
Bürgerarbeit beteiligen, pro Vermittler 71 Jugendliche betreut. Das sind zwei
Jugendliche weniger als in den Jobcentern ohne Bürgerarbeit. Im Bereich der über
25-Jährigen werden in den gemeinsamen Einrichtungen, die sich an
Bürgerarbeit beteiligen, pro Vermittler 146 erwachsene Kunden betreut. Das sind vier
erwerbsfähige Leistungsberechtigte mehr als in den Jobcentern ohne Bürgerarbeit.
9. Inwiefern gibt es Anhaltspunkte, dass eine intensivere Betreuung von
Betroffenen im Rahmen der Bürgerarbeit ohne die notwendige Aufstockung
von Personal in den Jobcentern zu Lasten der Betreuungsintensität der
anderen Erwerbslosen im teilnehmenden Jobcenter geht?
Die fachliche Arbeit richtet sich nach den geltenden Standards der
Integrationsarbeit. Die Umsetzung wurde vor Ort unterschiedlich ausgestaltet. Daraus lässt
sich nicht ableiten, dass sich die Betreuungssituation bei den anderen Kundinnen
und Kunden verschlechterte.
10. Wie lange ist die durchschnittliche Beschäftigungsdauer in der
Beschäftigungsphase der Bürgerarbeit?
Wie hoch ist die Zahl und der Anteil derjenigen, die folgende
Beschäftigungsdauer aufweisen: weniger als drei Monate, drei bis sechs Monate,
sechs bis zwölf Monate, zwölf bis 24 Monate, (voraussichtlich) länger?
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind von Januar bis August 2013
rund 7 000 Personen aus der Beschäftigungsphase abgegangen. Diese verteilen
sich folgendermaßen nach ihrer tatsächlichen Teilnahmedauer:
a) weniger als drei Monate: 470 Personen bzw. 6,8 Prozent,
b) drei bis sechs Monate: 560 Personen bzw. 8,0 Prozent,
c) sechs bis zwölf Monate: 1 400 Personen bzw. 19,8 Prozent,
d) zwölf bis 24 Monate: 3 900 Personen bzw. 56,3 Prozent,
e) 24 Monate und länger: 600 Personen bzw. 9,1 Prozent.
11. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, dass ein
Bürgerarbeitsplatz in kürzeren Abständen mit mehreren Erwerbslosen besetzt wird?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, dass
Erwerbslosen nur eine kurzfristige Beschäftigung auf Bürgerarbeitsplätzen
zugestanden wurde, obwohl von den Betroffenen eine längere
Beschäftigung gewünscht wurde und keine Aussicht auf eine andere Beschäftigung
bestand?
Die Förderung eines Beschäftigungsverhältnisses ist von einer persönlichen
Zuweisung der Teilnehmer durch die zuständigen Jobcenter sowie von der indi-
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/167viduellen Vereinbarung mit dem Arbeitgeber abhängig. Die Dauer der
Zuweisung ist regional unterschiedlich. Die Zwischenergebnisse der im Rahmen
der Evaluation durchgeführten Fallstudien zeigen, dass die Laufzeit der
Arbeitsverträge stark variiert und von sechs Monaten bis zur maximal möglichen Dauer
von drei Jahren alle Modelle umgesetzt werden.
12. Zu welchen Anteilen wird in der Bürgerarbeit zu 20 Stunden und zu
30 Stunden gearbeitet?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über das in diesen zwei
Gruppen erzielte Einkommen?
In der Regel wurden Bürgerarbeitsplätze mit 30 Stunden pro Woche beantragt
und bewilligt. Arbeitgeber haben jedoch die Möglichkeit, im Arbeitsvertrag
gleichwohl nur 20 Stunden pro Woche zu vereinbaren. Der Bundesregierung
liegen keine Daten vor, zu welchen Anteilen die Wochenarbeitszeit 30 oder
20 Stunden beträgt.
Die Förderung der Bürgerarbeitsplätze ist an die Zahlung eines
Bruttoarbeitsgehalts von mindestens 900 Euro (bei 30 Wochenstunden) bzw. 600 Euro (bei
20 Wochenstunden) geknüpft. Diese Mindestbeträge werden in allen Fällen
gezahlt. Darüber hinausgehende Gehaltszahlungen werden nicht erfasst. Das
Bundesverwaltungsamt finanziert einen Festbetrag, sobald der Mindestbetrag
erreicht ist.
13. Inwiefern liegen der Bundesregierung Kenntnisse vor, dass von den
Arbeitgebern der Bürgerarbeitsplätze überwiegend nur die seitens des
Bundesverwaltungsamtes zur Verfügung gestellten Mittel von 900 Euro (30 Stunden)
bzw. 600 Euro (20 Stunden) zur Entlohnung verwandt (mit
Sozialversicherungsbeiträgen 1 080/720 Euro) und darüber hinaus keine weiteren Mittel
aufgebracht werden?
Sofern andere Mittel zur Kofinanzierung aufgebracht werden, welche
Kenntnisse hat die Bundesregierung über deren Höhe und Herkunft?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse zur tatsächlichen
Kofinanzierung vor. Im Übrigen siehe die Antwort zu Frage 12.
Nach Angaben des mit der Umsetzung der Beschäftigungsphase der
Bürgerarbeit beauftragten Bundesverwaltungsamtes lassen sich aus den
Antragsverfahren Hinweise zur geplanten Kofinanzierung ableiten. In knapp 19 Prozent der
Anträge wurden (nennenswerte) Eigenmittel (ab 1 000 Euro für die gesamte
Laufzeit; je Vorhaben) durch den Träger eingeplant (bei 6 211 von 33 169
Stellen). In gut 18 Prozent wurden (nennenswerte) Drittmittel (ab 1 000 Euro)
eingeplant (bei 6 139 von 33 169 Stellen.). Bei 3,2 Prozent wurden geplante Eigen-
und Drittmittel kombiniert (1 048 von 33 169 Stellen).
14. Welche Angaben kann die Bundesregierung derzeit zur tariflichen
Bezahlung bei der Bürgerarbeit machen?
15. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den Urteilen
des Verwaltungsgerichtes Potsdam vom 15. Januar 2013 (21 K 1480/
12.PVL) und ähnlich des Arbeitsgerichtes Frankfurt/Oder vom 9. Oktober
2013 (1 Ca 756/13), wonach von kommunalen Arbeitgebern geschaffene,
subventionierte Arbeitsplätze im Rahmen des Modellprojekts
„Bürgerarbeit“ den Regelungen des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst
(TVöD) unterliegen?
Drucksache 18/167 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode16. Hat die Bundesregierung dieses Urteil zum Anlass genommen, seitens des
Bundesverwaltungsamtes oder anderen Behörden eine Überprüfung der
Bürgerarbeitsplätze hinsichtlich ihrer tariflichen Bezahlung vorzunehmen?
Wenn ja, mit welchem Ergebnis?
Wenn nein, warum nicht?
17. Inwiefern gilt nach Ansicht der Bundesregierung das Urteil auch für
Tarifverträge außerhalb des öffentlichen Dienstes, beispielsweise bei
Krankenhäusern in privater Trägerschaft, Bereichen in kirchlicher Trägerschaft
oder Träger freier Jugendarbeit?
Die Fragen 14 bis 17 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Bei der Bürgerarbeit handelt es sich um reguläre Beschäftigungsverhältnisse.
Für diese gelten die allgemeinen Bestimmungen des Arbeitsrechts. Die
Einhaltung dieser Bestimmungen ist Sache der Arbeitsvertragsparteien. Sie wird nicht
durch das Bundesverwaltungsamt oder andere Behörden überprüft. Fallen
Bürgerarbeitsverhältnisse in den Geltungsbereich von Tarifverträgen und sind
die Parteien des Bürgerarbeitsvertrags tarifgebunden oder vereinbaren die
Anwendung eines Tarifvertrags, finden die einschlägigen tariflichen Regelungen
Anwendung.
Der TVöD findet nach § 1 Absatz 2 Buchstabe k keine Anwendung bei
Beschäftigten, die Arbeiten nach § 260 ff. SGB III verrichten. Nach Auffassung der
Bundesregierung gilt dies auch für Beschäftigungsverhältnisse im Rahmen der
Modellprojekte Bürgerarbeit.
Bei den erwähnten Gerichtsurteilen bzw. -beschlüssen handelt es sich um
erstinstanzliche Entscheidungen, die nur die Streitparteien betreffen und keine
allgemeine Wirkung entfalten. Die Bundesregierung sieht keinen Anlass, zum
jetzigen Zeitpunkt Schlussfolgerungen zu ziehen.
18. Sind Bürgerarbeitsplätze in nachgelagerten Behörden und Einrichtungen
des Bundes eingerichtet worden?
Wenn ja, wie viele, wo, und ist hier eine tarifliche Zahlung gesichert?
Bürgerarbeitsplätze werden im Rahmen von Zuwendungen an Arbeitgeber
gefördert. Zuwendungen sind haushaltsrechtlich nur an Stellen außerhalb der
Bundesverwaltung möglich (§ 23 BHO).
19. Hat die Bundesregierung inzwischen Erkenntnisse über das Ausmaß von
Arbeitnehmerüberlassung in der Bürgerarbeit?
Wenn ja, welche?
Wenn nein, wird dies bis zum Ende des Programms der Fall sein?
Das mit der Umsetzung der Beschäftigungsphase der Bürgerarbeit beauftragte
Bundesverwaltungsamt erfasst dieses Kriterium bei der Antragstellung nicht.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind von Januar 2011 bis August
2013 rund 1 400 Teilnehmer in die Beschäftigungsphase im Wirtschaftszweig
„Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften“ eingetreten. Das entspricht
einem Anteil von 4,1 Prozent an allen Bürgerarbeitern.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/16720. Wie hoch ist die Zahl und der Anteil der Betroffenen, die im Programm
„Bürgerarbeit“ einen Arbeitsplatz in der Beschäftigungsphase besetzen
und zugleich aufstockende Leistungen nach dem SGB II erhalten?
Lässt sich dieser Umstand nach Haushaltstypen, insbesondere nach
Singlehaushalten differenzieren?
Nach Auskunft der Bundesagentur für Arbeit liegen hierfür keine statistischen
Daten vor.
21. Was sind die häufigsten Einsatzgebiete für Bürgerarbeit?
Inwiefern sind diese im Bereich des öffentlichen Dienstes angesiedelt?
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit fanden von Januar 2011 bis August
2013 35 500 Eintritte in die Beschäftigungsphase Bürgerarbeit statt, für die der
Wirtschaftszweig angegeben werden kann. Die größten Anteile der Bürgerarbeit
sind im Gesundheits- und Sozialwesen (11 500 Eintritte bzw. 32,4 Prozent),
Sonstige Dienstleistungen (7 700 Eintritte bzw. 21,7 Prozent), Erziehung und
Unterricht (5 200 Eintritte bzw. 14,7 Prozent) und Öffentliche Verwaltung/
Verteidigung/Sozialversicherung (4 300 Eintritte bzw. 12,2 Prozent) angesiedelt.
Die anderen Wirtschaftszweige haben nur einstellige Anteile an den Eintritten.
22. Was sind die häufigsten Tätigkeiten bzw. Tätigkeitsfelder, die im Rahmen
der Bürgerarbeit ausgeübt werden?
Inwiefern unterscheiden sich diese von den Tätigkeitsfeldern, die bisher im
Rahmen der Arbeitsgelegenheiten oder anderer
Beschäftigungsprogrammen bedient wurden?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über das mögliche Problem
der Verdrängung oder Ersetzung regulärer Beschäftigung durch
Bürgerarbeit?
Zu den konkreten Tätigkeitsfeldern liegen der Bundesregierung keine
statistischen Daten vor.
Den vorläufigen Ergebnissen der Evaluation zufolge verteilen sich die
Tätigkeitsfelder der Bürgerarbeitsplätze zu einem sehr großen Anteil auf soziale und
im weitesten Sinn gesundheitliche oder kulturelle Dienstleistungen, gelegentlich
auf kaufmännische Tätigkeiten und seltener auf handwerkliche Tätigkeiten. Da
sowohl bei der Bürgerarbeit als auch bei Arbeitsgelegenheiten die ausgeführten
Arbeiten zusätzlich sein und im öffentlichen Interesse liegen müssen, kommen
Bürgerarbeit und Arbeitsgelegenheiten häufig in denselben Tätigkeitsfeldern
zum Einsatz.
Um eine Verdrängung oder Ersetzung regulärer Beschäftigung zu verhindern,
sehen die Förderbedingungen zur Bürgerarbeit vor, dass die im Rahmen der
Bürgerarbeit durchgeführten Arbeiten zusätzlich sein und im öffentlichen Interesse
liegen müssen. Förderfähig sind nur Arbeitsplätze, die reguläre Beschäftigung
nicht ersetzen.
23. Wie wird das Kriterium der Zusätzlichkeit in der Praxis kontrolliert?
Finden Begehungen vor Ort statt?
Die Bewilligungsvoraussetzungen werden gemäß den Bestimmungen des
Haushaltsrechts mit Zwischen- und Verwendungsnachweisen der Arbeitgeber
überprüft (Sachbericht). Zudem finden stichprobenartige und anlassbezogene Vor-
Ort-Prüfungen durch das Bundesverwaltungsamt statt.
Drucksache 18/167 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode24. In welchem Ausmaß wurden Bürgerarbeitsplätze im Umfeld von Tafeln
und Sozialkaufhäusern eingerichtet?
Auf die Antwort zu Frage 22 wird verwiesen.
25. Wie gliedern sich die in der „Bürgerarbeit“ beschäftigten
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von der Anzahl und dem Anteil nach beschäftigt
– in Gemeinden, Städten oder Kreisen,
– per Arbeitnehmerüberlassung durch eine kommunale
Beschäftigungsgesellschaft bei einer Kommune,
– bei Trägern, Vereinen oder Stiftungen,
– sonstige auf?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Daten vor.
26. Wie gliedern sich die Arbeitgeber auf, die Bürgerarbeitsplätze anbieten
bzw. wahrnehmen (bitte nach verschiedenen Wohlfahrtsorganisationen,
kommunalen Beschäftigungsträgern und anderen Arbeitgebern
differenzieren)?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Daten vor.
27. Wie verteilen sich die bewilligten Bürgerarbeitsstellen auf die
verschiedenen Träger auf ?
Was sind die, gemessen an der Zahl der bewilligten Stellen, 20 größten
Träger, und wie hoch ist bei diesen jeweils der Stellenumfang?
Die 20 größten Träger – gemessen nach der Zahl der bewilligten Stellen – sind:
Zuwendungsempfänger Stellen
1 Bitterfelder Qualifizierungs- und Projektierungsgesellschaft
mbH – BQP
533
2 Stadt Halle (Saale) 380
3 AQB Gemeinnützige Gesellschaft für Ausbildung,
Qualifizierung und Beschäftigung mbH, Magdeburg
372
4 Stadt Dortmund 342
5 NEUE ARBEIT SAAR Arbeits- und Berufsförderung
Gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung
334
6 ASG Arbeitsförderungs- und Sanierungsgesellschaft mbH,
Mücheln, Sachsen-Anhalt
327
7 GSG – Gesellschaft für Sanierung
und Gesamtstrukturentwicklung Mansfeld-Südharz mbH
244
8 KUBUS – gemeinnützige Gesellschaft für soziale Arbeit mbH,
Berlin
243
9 agens Arbeitsmarktservice gGmbH, Berlin 232
10 Beschäftigungsförderung Zwickau gemeinnützige GmbH
der Stadt Zwickau BFZ
225
11 OTEGAU Arbeitsförder- und Berufsbildungszentrum GmbH
Ostthüringen/Gera
213
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/16728. Inwiefern kann die Bundesregierung die Einschätzung bestätigen, dass
Beschäftigungsträger mit den neuen Bürgerarbeitsplätzen den Rückgang
der Förderung durch Ein-Euro-Jobs kompensieren?
Gibt es Fälle, in denen Arbeiten, die vormals im Rahmen von Ein-Euro-
Jobs erledigt wurden, nun als Bürgerarbeit weitergeführt werden?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse darüber vor, ob und in welchem
Umfang Beschäftigungsträger mit der Einrichtung von Bürgerarbeitsplätzen auf
den Rückgang der Förderung von Arbeitsgelegenheiten reagiert haben.
Inwieweit im Rahmen von Bürgerarbeit Arbeiten erledigt werden, die vormals im
Rahmen von Arbeitsgelegenheiten gefördert wurden, wird statistisch nicht
erfasst. Die Förderfähigkeit eines Arbeitsplatzes ist nicht davon abhängig, ob
dieser zuvor auf andere Weise öffentlich gefördert wurde. Nach Auffassung der
Bundesregierung kann dementsprechend nicht ausgeschlossen werden, dass
Arbeitsgelegenheiten in Bürgerarbeitsplätze umgewandelt wurden, da die Arbeiten
in beiden Fällen zusätzlich sein und im öffentlichen Interesse liegen müssen.
29. Wie viel Geld ist bisher im Rahmen der Bürgerarbeit abgeflossen (bitte,
sofern möglich, für die einzelnen Jobcenter mit Soll und Ist angeben)?
Die Angaben zur Beschäftigungsphase sind der Anlage zu entnehmen.
30. In welchem Umfang wurden Dritte für das begleitende Coaching
einbezogen, bzw. welche Jobcenter haben das begleitende Coaching selbst
angeboten, in welchem Umfang wurde es in Anspruch genommen, und
welche Mittel standen dem jeweiligen Jobcenter dafür zur Verfügung?
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit wird das begleitende Coaching
überwiegend in den Jobcentern mit dessen eigenem Personal durchgeführt. In
41 Jobcentern wurde das Coaching an Dritte vergeben. Rund 8 600 Teilnehmer
sind seit Beginn der Projektlaufzeit in an Dritte vergebene Coaching-
Maßnahmen eingetreten, 4 800 Teilnehmer waren im August 2013 im Bestand. Die
Ausgaben für das Coaching können in den Finanzsystemen der BA nicht ermittelt
werden.
12 Diakonisches Werk an der Saar gGmbH 207
13 Kommunaler Eigenbetrieb Leipzig/Engelsdorf 200
14 Gesellschaft für Arbeitsförderung und Sanierung
des Landkreises Stendal mbH
200
15 Kommunale ökologische Sanierungsgesellschaft mbH 196
16 Zentrum für Bildung und Beruf Saar gGmbH in Burbach 195
17 trias Gesellschaft für Arbeit, Gesundheit und Soziales mbH,
Berlin
183
18 Tandem gemeinnützige Beschäftigungs-
und Qualifizierungsgesellschaft mit beschränkter Haftung
175
19 Sächsisches Umschulungs- und Fortbildungswerk Dresden e. V. 160
20 DSA Dienstleistungen
für Struktur- und Arbeitsmarktentwicklung GmbH, Dresden
158
Zuwendungsempfänger Stellen
Drucksache 18/167 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode31. Wie viele Beschäftigte sind in den einzelnen Kommunen nach der
Beschäftigungsphase in sozialversicherungspflichtige Jobs übernommen
worden, und wie hoch ist der Anteil derer, die wieder in den
Leistungsbezug zurückgekehrt sind?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
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ISSN 0722-8333]