[Deutscher Bundestag Drucksache 18/936
18. Wahlperiode 21.03.2014Kleine Anfrage
der Abgeordneten Birgit Wöllert, Sabine Zimmermann (Zwickau),
Matthias W. Birkwald, Dr. Petra Sitte, Azize Tank, Kathrin Vogler, Harald Weinberg,
Pia Zimmermann und der Fraktion DIE LINKE.
Gesundheitsförderung und Prävention vor dem Hintergrund ungleicher
Gesundheitschancen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Gesundheit als vollständiges
körperliches, geistiges und soziales Wohlergehen definiert. Doch die Chancen auf
Gesundheit sind in Deutschland ungleich verteilt. Menschen mit niedrigem
Einkommen haben nicht nur durchschnittlich einen schlechteren
Gesundheitszustand als Reiche, sie sterben auch früher. Eine aktive, auf den Kenntnisstand
der Wissenschaft aufbauende Gesundheitsförderung und Prävention hätte
primär an den Lebenswelten und den strukturellen Verhältnissen anzusetzen. Vor
allem eine Verminderung der Ungleichheiten in der Verteilung trüge dazu bei,
dass weniger Menschen krank wären und die sozial bedingte gesundheitliche
Ungleichheit abnähme. Gleichzeitig würden die Gesundheitskosten langfristig
sinken.
Aufklärung, Information und Beratung als Elemente von Verhaltensprävention,
erreichen vor allem Menschen, die ohnehin gesundheitsbewusst und in der Lage
sind, sich entsprechend zu informieren und zu verhalten.
Aufklärungskampagnen etc. tragen nur dann zum Erfolg von Gesundheits- und Präventionspolitik
bei, wenn sie in ein wirksames Konzept von Verhältnisprävention eingebettet
sind, das primär an der Verminderung der Verteilungsungleichheit und darauf
aufbauend an der Gestaltung gesundheitsförderlicher Lebenswelten ansetzt.
Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD ist für das Jahr 2014 ein
Präventionsgesetz angekündigt, „das insbesondere die Prävention und
Gesundheitsförderung in Lebenswelten wie Kita, Schule, Betrieb und Pflegeheim und
die betriebliche Gesundheitsförderung stärkt und alle Sozialversicherungsträger
einbezieht“. Dabei darf der Lebensweltansatz nicht auf den Ort des Geschehens
– Kindergarten, Schule etc. – verkürzt werden. Wichtig ist zudem der Einbezug
der Zielgruppen in die gesundheitsförderliche Gestaltung ihrer Lebenswelt.
Einem verordneten Sportunterricht oder einer vorgeschriebenen sogenannten
gesunden Ernährung fehlt die für den Erfolg wichtige Partizipation.
Langfristigen Erfolg erreicht man nur mit intensiver Einbeziehung der Betroffenen.
Gesundheitspolitik kann die sozial bedingten gesundheitlichen Ungleichheiten
nicht im Alleingang wirksam bekämpfen. Die Einflüsse des Arbeitsmarktes, der
Einkommensverteilung, der Qualität der sozialen Sicherungssysteme und der
Bildungspolitik sind so groß, dass gesundheits- und präventionspolitische
Ansätze allenfalls Gegenakzente setzen können. Um die Chancen, Ressourcen und
damit auch die gesundheitliche Situation der Bevölkerung und insbesondere der
Drucksache 18/936 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeKinder und Jugendlichen entscheidend zu beeinflussen, ist eine
gesundheitsfördernde Gesamtpolitik erforderlich, die über die klassische Aufgabenstellung
der Gesundheitspolitik hinausgeht und alle Politikbereiche umfasst.
Insbesondere Bildungs-, Arbeitsmarkt-, Wirtschafts-, Kinder-, Familien-,
Wohnungsbau-, Umwelt- und Sozialpolitik sind gesundheitsfördernd aufeinander
abzustimmen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Ungleiche Verteilung, Armut
1. Wie hat sich in Deutschland die Verteilung von Einkommen und Vermögen
in den letzten 20 Jahren entwickelt (bitte nach Quintilen aufschlüsseln und
den Gini-Koeffizienten angeben)?
Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus dieser Entwicklung?
2. Wie hat sich das Verhältnis zwischen Einkommen aus Löhnen und Gehältern
im Verhältnis zu Kapitaleinkommen und Einkommen aus selbstständiger
Arbeit im gleichen Zeitraum entwickelt?
3. Wie hat sich in den letzten 20 Jahren die Armut von Kindern in Deutschland
entwickelt, und wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklung (bitte
in Jahresschritten auflisten)?
4. Welche gesundheitspolitischen Rückschlüsse zieht die Bundesregierung aus
aktuellen Forschungsergebnissen, denen zufolge die
„Vermögensungleichheit (in Deutschland) […] im internationalen Vergleich auf einem hohen
Niveau“ liegt (DIW Wochenbericht 9/2014, S. 164), wobei „das wahre
Ausmaß von Vermögensungleichheit aller Wahrscheinlichkeit“ unterschätzt
wird, da „Milliardäre oder Multimillionäre, in dieser Stichprobe nicht
enthalten sind“ (ebd.: S. 165), dass eine „signifikante Zunahme der Zahl von
Personen mit negativem Nettovermögen“ zu verzeichnen ist (ebd.: 164) und
dass „die Arbeitslosen […] in den letzten Jahren signifikant Vermögen
eingebüßt“ haben (ebd.: 165)?
5. Hält die Bundesregierung Armut und Ungleichverteilung für einen
gesundheitlichen Risikofaktor, der im Rahmen einer Strategie gesundheitlicher
Prävention reduziert werden kann?
Falls ja, wie wird die Bundesregierung diesen Risikofaktor zu vermindern
versuchen?
6. Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die Bundesregierung
aus den Erkenntnissen von Richard Wilkinson (Richard Wilkinson, Kate
Pickett: Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser
sind, 2009) oder Martin Karlsson (Karlsson, M. et al., Income inequality and
health: Importance of a cross-country perspective, 2009), nach denen eine
größere Einkommensungleichverteilung zu geringerer Gesundheit einer
Gesellschaft führt, einschließlich der oberen Einkommensklassen (bitte
begründen)?
Soziale Determinanten von Gesundheitschancen
7. Wie hat sich in den letzten 20 Jahren die Lebenserwartung in den einzelnen
Einkommensdezilen entwickelt?
Wie hat sich insbesondere die Differenz zwischen dem Dezil mit der
höchsten und dem Dezil mit der niedrigsten Lebenserwartung verändert?
Welche Rückschlüsse zieht die Bundesregierung aus dieser Entwicklung?
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/936 8. Welchen Zusammenhang gibt es jeweils zwischen der Höhe des
Einkommens, der Höhe des Bildungsabschlusses, dem Berufsstatus auf der einen
Seite und der Lebenserwartung, der subjektiven Gesundheitseinschätzung
bzw. der Morbidität auf der anderen Seite?
Wie erklärt sich die Bundesregierung diese Zusammenhänge (bitte
geschlechtervergleichend ausweisen)?
9. Welche Erkenntnisse sind der Bundesregierung über die Prävalenz
gesundheitlicher Beeinträchtigungen (wie z. B. Adipositas, Diabetes, Herzinfarkt)
in den unterschiedlichen Einkommensklassen bekannt?
10. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Unterschiede in
Bezug auf die so genannten „guten Jahre“ (Jahre mit gutem
Gesundheitszustand) in Abhängigkeit vom Einkommen und vom Geschlecht vor (bitte
Entwicklung in den letzten 20 Jahren darlegen)?
11. Wie viele Beziehende von Leistungen nach dem Zweiten Buch
Sozialgesetzbuch (SGB II) weisen gesundheitliche Beeinträchtigungen auf (bitte
differenziert nach Beziehenden von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld,
nach Frauen und Männern, nach Alter sowie nach Gruppen von
Krankheitsbildern angeben)?
12. Welche Erkenntnisse besitzt die Bundesregierung über die Auswirkungen
des längerfristigen Verbleibs im Niedriglohnsektor auf die gesundheitliche
Situation der Betroffenen?
13. Worin sieht die Bundesregierung die Hauptursachen für die schlechtere
gesundheitliche Situation von längerfristig im Niedriglohnsektor arbeitenden
Beschäftigten (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, Datenreport
2013, Kapitel 8.3)?
14. Wie hat sich in den unteren Einkommensgruppen in den letzten 20 Jahren
die Beurteilung des eigenen Gesundheitszustandes entwickelt?
Welche Rückschlüsse zieht die Bundesregierung aus dieser Entwicklung?
15. In welchem Ausmaß sind Kinder aus einkommensschwachen Familien
gesundheitlich benachteiligt gegenüber Kindern aus einkommensstarken
Familien?
16. Welchen Einfluss auf die Gesundheitschancen von Kindern hat der Besuch
einer Kita (bitte nach Halbtags- und Ganztagsbetreuung so- wie nach dem
Alter der Kinder unter 1 Jahr, 1 bis unter 3 Jahre und 3 Jahre bis zur
Einschulung aufschlüsseln)?
17. Welchen Einfluss hat die Schulform auf die Gesundheitschancen der
Schulkinder (bitte getrennt für Halb- und Ganztagsschulen, nach Grundschulen
sowie bei weiterführenden Schulen nach Sonder-, Haupt-, Realschulen,
Gymnasien, Gemeinschafts- bzw. Gesamtschulen und integrativen Schulen
angeben)?
18. Wie erklärt sich die Bundesregierung, dass der Anteil von Kindern mit
psychischen Auffälligkeiten sowie Verhaltensauffälligkeiten mit der
Zunahme des Einkommens der Eltern zurückgeht (Prof. Dr. Jörg M. Fegert auf
www.uniklinik-ulm.de „Arme Kinder armer Eltern“, 2009)?
Wie erklärt die Bundesregierung, dass umgekehrt die Kinder aus
Elternhäusern mit höherem Einkommen mehr Sport treiben, eine bessere
motorische Entwicklung aufweisen, sich gesünder ernähren, weniger Essstörungen
verzeichnen und seltener bzw. weniger Tabak konsumieren (ebd.)?
Drucksache 18/936 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode19. Welche konkreten Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um der in
zahlreichen Studien festgestellten überproportional stärkeren
Fehlernährung einkommensschwacher und bildungsferner Bevölkerungsschichten zu
begegnen?
20. Sieht die Bundesregierung Möglichkeiten, sozial bedingte gesundheitliche
Benachteiligungen nachhaltig und effektiv zu verringern, ohne die sozialen
Unterschiede als auslösende Faktoren zu verändern?
Wenn ja, welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, und
welche messbaren Gesundheitsziele verfolgt sie dabei in welchem
Zeitraum?
21. Wie viel Prozent der unterschiedlichen Lebenserwartungen, der
unterschiedlichen subjektiven Gesundheitseinschätzungen und der Morbidität zwischen
niedrigem und hohem Sozialstatus können nach Ansicht der
Bundesregierung etwa durch das individuelle Gesundheitsverhalten erklärt werden?
Soziale Stellung und Pflegebedürftigkeit
22. Welchen Einfluss haben nach Ansicht der Bundesregierung die folgenden
Faktoren auf das Risiko der Pflegebedürftigkeit:
Alter,
Geschlecht,
Familie und soziale Netzwerke,
Einkommen und Vermögen,
Bildung,
berufliche Stellung sowie
Behinderung
(bitte jeweils für sich und in Relation zu den jeweiligen Faktoren
aufschlüsseln und unter Angabe der zugrunde liegenden wissenschaftlichen Studien
begründen)?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus diesen
Erkenntnissen?
23. Wie bewertet die Bundesregierung die wissenschaftlich belegte Erkenntnis,
dass „die sozioökonomische Position nicht nur […] einen signifikanten
Einfluss auf das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko ausübt, sondern
zugleich auch auf das Risiko einer möglichen Pflegebedürftigkeit einwirkt“
(Borchert/Rothgang 2009)?
Inwieweit lassen sich hierbei Unterschiede zwischen den verschiedenen
Pflegestufen feststellen?
Menschen mit Behinderungen
24. Wie wird die Bundesregierung den Artikel 25 Buchstabe a der Konvention
über die Rechte von Menschen mit Behinderungen umsetzen, nach der
„Menschen mit Behinderungen eine unentgeltliche oder erschwingliche
Gesundheitsversorgung in derselben Bandbreite, von derselben Qualität
und auf demselben Standard […] wie anderen Menschen, einschließlich
sexual- und fortpflanzungsmedizinischer Gesundheitsleistungen und der
Gesamtbevölkerung zur Verfügung stehender Programme des öffentlichen
Gesundheitswesens“ bereitgestellt werden muss?
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/93625. Welche Daten liegen der Bundesregierung bezüglich der barrierefreien
Gestaltung von Praxisräumen, Kliniken sowie von Verwaltungs- und
Dienstgebäuden der Sozialleistungsträger (§ 15 Absatz 1 Nummer 4 SGB I)?
Geschlecht als Determinante
26. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, wie sich das
Geschlecht und andere Variablen zur Differenzierung der gesundheitlichen
Lage (Bildungsstand, Erwerbsstatus, Lebensform, soziale Schicht usw.)
jeweils gegenseitig beeinflussen?
27. Wie bewertet die Bundesregierung die Versorgung von Frauen im
Gesundheitssystem durch unspezifische und daher in der Regel männerorientierte
Arzneimittel, Arzneidosierungen, Diagnosen und Therapien (www.
bvpraevention.de „Gesundheit von Männern und Frauen effektiv fördern –
geschlechterspezifische Prävention und Gesundheitsförderung“)?
Welche Schritte erwägt die Bundesregierung, um diese unspezifische
Versorgung zu beseitigen?
28. Welche Erkenntnisse über die möglicherweise bestehende Über-, Unter-
und Fehlversorgung beider Geschlechter liegen der Bundesregierung vor,
und was unternimmt sie, um diese möglichen Missstände zu beheben?
29. Wie bewertet die Bundesregierung die deutlich höhere Frequenz der
Arztbesuche von Frauen gegenüber der von Männern (
www.rki.de
„Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems: Arztbesuch“)?
30. Warum nehmen Frauen deutlich häufiger an Vorsorgeuntersuchungen teil?
31. Betrachtet die Bundesregierung das schlechtere Gesundheitsverhalten von
Jungen und Männern (
www.bvpraevention.de „Gesundheit von Männern
und Frauen effektiv fördern – geschlechterspezifische Prävention und
Gesundheitsförderung“ sowie
www.bmg.bund.de „Männer in Bewegung!“) als
strukturelles, verhältnisbedingtes Problem oder als individuelles,
verhaltensbedingtes Problem?
Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus?
32. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus der
geschlechtervergleichenden Gesundheitsberichterstattung des Robert Koch-Instituts in
Bezug auf die Formulierung geschlechtsspezifischer Gesundheitsziele?
Migration und Gesundheitschancen
33. Wie hat sich in den letzten zehn Jahren die Armut von Menschen mit
Migrationshintergrund in Deutschland entwickelt, und wie bewertet die
Bundesregierung diese Entwicklung?
34. Welche Zusammenhänge sieht die Bundesregierung zwischen der
gesundheitlichen Situation von Menschen und dem Umstand ihrer (freiwilligen)
Migration bzw. (erzwungenen) Flucht, und welche Mängel sieht sie bei
Berücksichtigung interkultureller Aspekte der gesundheitlichen Versorgung in
Deutschland?
35. Worin sieht die Bundesregierung die Ursachen für das migrationsabhängig
unterschiedliche Gesundheitsverhalten (Bundeszentrale für politische
Bildung, Datenreport 2013, Kapitel 8.3), und was gedenkt die Bundesregierung
dagegen zu tun?
Drucksache 18/936 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode36. Welche Unterschiede sind auch dann noch konsistent, wenn Einkommens-
und Vermögensdifferenzen sowie unterschiedliche Alters- und
Wohnstrukturen, Bildungsstandards, Arbeitsbedingungen usw. berücksichtigt werden
(z. B. schlechtere Wohnungen, belastende Arbeitsplätze, höherer
Migrationsanteil in Großstädten usw.)?
37. Wie reagiert die Bundesregierung auf Erkenntnisse, dass Migrantinnen und
Migranten besonders selten an Früherkennungsmaßnahmen teilnehmen
(Dr. Birgit Babitsch, Prof. Dr. Thea Bode „Gesundheitsversorgung von
Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland“)?
38. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über eine unterschiedliche
Pflegebedürftigkeit von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund,
welche Gründe sieht die Bundesregierung hierfür, welche Auswirkung hat
dies ggf. auf deren Versorgung, und welche Konsequenzen zieht die
Bundesregierung aus diesem Umstand?
Früherkennung
39. Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen dem
Sozialstatus und der Inanspruchnahme von Vorsorgeleistungen und
Früherkennungsuntersuchungen in der gesetzlichen Krankenversicherung?
40. Wird nach Ansicht der Bundesregierung die Zielsetzung der
Teilnahmequoten von Früherkennungsuntersuchungen erreicht, und sieht die
Bundesregierung angesichts der reduzierten Inanspruchnahme von sozial
Benachteiligten (vgl. etwa „Kinderarmut in Deutschland“,
www.armutszeug-
nisse.de) den Bedarf an sozial spezifischen Maßnahmen in diesem Bereich?
Falls ja, welche?
Prävention und Gesundheitsförderung
41. Welche Daten und Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Evaluationen zu
den bisherigen Kampagnen im Bereich der Prävention bei Ernährung und
Bewegung liegen der Bundesregierung bisher vor, und inwieweit haben die
bisherigen Kampagnen einen Beitrag dazu geleistet, die sozial bedingte
Ungleichheit von Gesundheitschancen zu verringern?
42. Hat nach Ansicht der Bundesregierung der § 20 SGB V, wonach die
gesetzlichen Krankenversicherungen einen Beitrag zur „Verminderung von sozial
bedingter Ungleichheiten von Gesundheitschancen“ zu leisten haben,
ausreichend Wirkung gezeigt?
Gibt es Evaluationen dazu, und an welchen Parametern macht sich eine
Wirkung fest?
43. Ist die Bundesregierung der Ansicht, dass durch ein besseres
Gesundheitsverhalten der Versicherten eine deutliche Kostensenkung im
Gesundheitssystem erreicht werden könnte?
Falls ja, auf welche Studien und Daten beruft sie sich dabei?
44. Welche Präventionskonzepte und Gesundheitsförderprogramme sind nach
Ansicht der Bundesregierung geeignet, besonders sozial benachteiligte
Menschen zu erreichen und somit sozial bedingte gesundheitliche
Ungleichheiten zu verringern (bitte jeweils begründen)?
45. Mit welcher Summe im aktuellen Bundeshaushalt werden diese geeigneten
Präventionskonzepte und Gesundheitsförderprogramme von der
Bundesregierung gefördert?
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/93646. Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen den
persönlichen Ressourcen (im Sinne von Fähigkeiten, auf externe
Herausforderungen adäquat reagieren zu können) und dem Gesundheitsverhalten?
47. Welchen Unterschied gibt es nach Ansicht der Bundesregierung zwischen
Gesundheitsförderung und Prävention?
Gesundheitsförderliche Lebenswelten
48. Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen dem
Sozialstatus und der gesundheitlichen Gefährdung durch Arbeitsbedingungen?
Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die Bundesregierung
daraus?
49. Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen dem
Sozialstatus und der gesundheitlichen Gefährdung durch Umweltbedingungen?
Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die Bundesregierung
daraus?
50. Welchen Zusammenhang sieht die Bundesregierung zwischen dem
Sozialstatus und der gesundheitlichen Gefährdung durch Wohnbedingungen?
Welche Daten liegen der Bundesregierung diesbezüglich jeweils für
städtische und ländliche Regionen vor?
Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die Bundesregierung
daraus?
51. Welche Bedeutung kommt nach Ansicht der Bundesregierung der
Partizipation, also der freiwilligen, aktiven Beteiligung, der Zielgruppen bei
Präventions- und Gesundheitsförderungsprogrammen zu?
52. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung des Sachverständigenrats zur
Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, dass Partizipation
eine Schlüsselgröße für erfolgreiche Gesundheitsförderung und Prävention
darstellt?
Wenn ja, wie will die Bundesregierung die Partizipation besonders der
sozial benachteiligten Gruppen stärken und gewährleisten?
53. Welche Bedeutung kommt nach Ansicht der Bundesregierung der
Gesundheitsförderung durch Settingentwicklung zu (bitte begründen)?
54. Welche Präventions- und Gesundheitsförderungsprogramme werden derzeit
von der Bundesregierung durchgeführt, unterstützt oder finanziert, die eine
Gesundheitsförderung durch Settingentwicklung beinhalten (bitte
benennen)?
Präventionsgesetz
55. Vor dem Hintergrund, dass im Koalitionsvertrag unter dem Motto
„Gesundheit im Lebensverlauf“ neue Initiativen für eine moderne Kinder- und
Jugendmedizin, Arbeitsmedizin sowie die Geschlechter- und Altersmedizin
auch unter dem Gesichtspunkt der Prävention und Gesunderhaltung
angekündigt sind, welche konkreten Initiativen kann sich die Bundesregierung
vorstellen, um diese Ziele umzusetzen?
56. Mit welchen konkreten Maßnahmen wird die Bundesregierung im Entwurf
des Präventionsgesetzes verhindern, dass möglich weitere Zunahmen der
Verteilungsungleichheit und ein Anwachsen der von Armut betroffenen
Bevölkerungsanteile Maßnahmen der Verhaltensprävention in ihren Wirkun-
Drucksache 18/936 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodegen mindestens reduzieren, im schlimmsten Fall sogar überkompensieren
können?
57. Welchen konzeptionellen Stellenwert wird die Bundesregierung im Entwurf
eines Präventionsgesetzes der wissenschaftlich belegten Tatsache
beimessen, dass mit wachsender Einkommensungleichheit die Gesundheit der
gesamten Bevölkerung leidet, während umgekehrt die Reduktion der
Einkommensungleichheit die Gesundheit der gesamten Bevölkerung verbessert?
58. Berücksichtigt die Bundesregierung bei ihren Reformplänen besonders die
Wirkungen auf die gesundheitliche Versorgung von chronisch Kranken und
Menschen mit Behinderungen?
59. Sieht die Bundesregierung die Notwendigkeit, bei statistischen Erhebungen
im Gesundheitsbereich und bei der Evaluation von Maßnahmen im
Gesundheitsbereich grundsätzlich neben dem Geschlecht auch den Sozialstatus,
den Behinderungsstatus, den Migrationsstatus und den Familienstatus zu
berücksichtigen und öffentlich auszuweisen und bei Bewertungen und
Entscheidungen zu berücksichtigen?
60. Welche konkreten Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um so
genannte Leuchtturmprojekte, also Projekte mit anerkannter guter
Wirksamkeit, zu verstetigen und in die Fläche zu bringen?
Berlin, den 21. März 2014
Dr. Gregor Gysi und FraktionGesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]