[Deutscher Bundestag Drucksache 18/1747
18. Wahlperiode 12.06.2014Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Monika Lazar, Claudia Roth (Augsburg),
Özcan Mutlu, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/1538 –
Proteste bei der Fußball-WM 2014 in Brasilien
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
In Brasilien findet in diesem Jahr die Fußballweltmeisterschaft statt. Die
Vorbereitungen auf das Turnier, das am 12. Juni 2014 in Sao Paolo beginnt und am
13. Juli 2014 in Rio de Janeiro endet, stehen bereits seit der Vergabe und
besonders seit den Massendemonstrationen im Sommer 2013 im Fokus der
Öffentlichkeit.
Seit Beginn der Bauarbeiten sind nach Medienberichten insgesamt acht Arbeiter
beim Bau der Infrastruktur für die Fußball-WM ums Leben gekommen. Die
Stadien sind nicht planmäßig fertiggeworden, einige Bauvorhaben wurden gleich
ganz gestrichen. So ist der für die Bewältigung der Besuchermassen benötigte
Ausbau von Flughäfen im Land sowie die Modernisierung und der Ausbau des
öffentlichen Personennahverkehrs in vielen Austragungsorten abgebrochen bzw.
gar nicht erst begonnen worden. Zugleich gilt diese Fußball-WM als die teuerste
WM aller Zeiten. Insgesamt sollen sich die durch den brasilianischen Staat zu
tragenden Kosten für die Vorbereitung der Fußball-WM zwischen 8,3 Mrd.
Euro und 10 Mrd. Euro belaufen (
www.dw.de/brasiliens-pr%C3%A4
sidentinrousseff-verteidigt-hohe-kosten-f%C3%BCr-fu%C3%9Fball-wm/a-17574843,
zuletzt abgerufen am 12. Mai 2014).
Während für die Fußball-WM und die im Jahr 2016 in Rio de Janeiro
stattfindenden Olympischen Sommerspiele viele Mrd. Euro ausgegeben werden, leidet
das Land unter massiven Mängeln im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen.
So haben im Sommer 2013 im Zuge des Confederations Cups schätzungsweise
zwei Millionen Menschen aus Protest gegen die Politik der brasilianischen
Regierung unter der Präsidentin Dilma Roussef überall im Land demonstriert. Sie
prangerten dabei u. a. die zwischen der brasilianischen Regierung und dem
Weltfußballverband FIFA (= Fédération Internationale de Football Association)
geschlossenen Verträge an. Danach muss die FIFA keinerlei Steuerabgaben
leisten, auch gibt es nur sehr eingeschränkt ermäßigte Tickets für bestimmte
Bevölkerungsgruppen, womit einem Großteil der brasilianischen Staatsbürgerinnen
und Staatsbürger der direkte Zugang zu diesem Sportgroßereignis versperrt
wird. Es gibt zudem zahlreiche Berichte über massive Korruption bei der
Vorbereitung des Turniers (
www.berliner-zeitung.de/sport/korruption-wie-die-Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 10. Juni 2014 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/1747 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodewm-2014--nach-brasilien-kam,10808794,23495878.html, zuletzt abgerufen am
12. Mai 2014). Auch massive Zwangsumsiedlungsmaßnahmen von
Bewohnerinnen und Bewohnern von Favelas hat es in Brasilien gegeben. Die Praxis der
brasilianischen Behörden wurde u. a. von der UN-Beauftragten für das Recht auf
angemessenes Wohnen, Raquel Rolnik, kritisiert (
www.amnesty.ch/de/aktuell/
magazin/2011-3/interview-raquel-rolnik, zuletzt abgerufen am 13. Mai 2014).
Die Probleme des Landes bei der Vorbereitung drücken sich auch in der
Zustimmung zum Turnier innerhalb der brasilianischen Bevölkerung aus: waren bei der
Vergabe des Turniers im Jahre 2008 noch 79 Prozent für die WM gewesen, so ist
dieser Wert stetig gesunken. Die Zustimmung zur WM betrug im Februar 2014
nur noch 52 Prozent (
www.faz.net/aktuell/sport/fussball-wm/fussball-wm-
inbrasilien-vorfreude-auf-das-fussball-fest-sinkt-12819498.html).
Es gibt widersprüchliche Prognosen darüber, wie sich die Situation in Brasilien
während der in insgesamt zwölf Austragungsorten stattfindenden Fußball-WM
entwickeln wird. Dass es zu Protesten innerhalb der Bevölkerung kommen
wird, ist unstrittig. Fraglich ist aber das Ausmaß der Proteste. Nach Angaben
der FIFA ist bereits das gesamt Ticketkontingent für die WM-Spiele mit
deutscher Beteiligung ausgeschöpft. Damit ist mit mindestens 55 000 deutschen
Fans zu rechnen, die sich während der WM in Brasilien aufhalten werden. Um
ihre Sicherheit zu gewährleisten, entsendet die Bundesregierung routinemäßig
deutsche Polizeibeamte, die vor Ort mit den Sicherheitsorganen
zusammenarbeiten sollen.
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Föderative Republik Brasilien hat sich erfolgreich auf die Ausschreibung
der FIFA für die Ausrichtung einer Fußball-WM im Jahr 2014 beworben.
Brasilien ist damit nach 1950 zum zweiten Mal Gastgeber der Fußball-WM.
Ausrichtung und Vergabe von internationalen Sportgroßveranstaltungen erfolgen nach
den Maßgaben und Regeln der jeweiligen internationalen Sportverbände. Die
Wahrung der Integrität des Sports, Vergabekriterien und Nachhaltigkeit von
Sportgroßveranstaltungen waren ein wesentlicher Bestandteil der Agenda der
5. Weltsportministerkonferenz der UNESCO (MINEPS V) in Berlin im Jahr
2013 und der dort verabschiedeten „Berliner Erklärung“. Die Bundesregierung
setzt sich für die Umsetzung der darin enthaltenen Empfehlungen ein.
Die Rahmenbedingungen für die Durchführung der Fußball-WM hat Brasilien
vertraglich bilateral mit dem zuständigen internationalen Sportverband FIFA
abgestimmt.
Die brasilianische Regierung hat sich in den Verhandlungen mit der FIFA
entschlossen, das Turnier nicht nur in den von der FIFA geforderten acht Stadien
sondern an zwölf Spielorten auszurichten. Erklärtes Ziel der Regierung war es,
dafür zu sorgen, dass nicht nur die urbanen Ballungszentren im Süden sondern
möglichst weite Teile des fünftgrößten Landes der Erde (mit 8 547 403,5
Quadratkilometern 24-mal so groß wie Deutschland, mit einer Nord-Süd-
Ausdehnung von 4 394,7 Kilometern), in dem über 200 Millionen Einwohner in sehr
unterschiedlichen Lebensrealitäten leben, in die Weltmeisterschaft eingebunden
werden und von der weltweiten medialen Aufmerksamkeit profitieren können.
Brasilien war in jüngster Zeit erfolgreich Gastgeber zahlreicher internationaler
Großveranstaltungen, u. a. im Jahr 2012 der „Rio plus 20“-Konferenz der
Vereinten Nationen zu nachhaltiger Entwicklung mit mehr als 100 teilnehmenden
Staats- bzw. Regierungschefs und im Jahr 2013 des Katholischen
Weltjugendtags, an dem der Papst und schätzungsweise über drei Millionen Pilger aus dem
In- und Ausland teilnahmen. Jedes Jahr ist Brasilien nicht nur zur Zeit des
Karnevals Ziel von Millionen Touristen aus aller Welt, darunter auch viele Gäste aus
Deutschland.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/1747Medienberichten ist zu entnehmen, dass ca. 55 000 Tickets für alle 64 WM-
Spiele an Personen verkauft worden sein sollen, die ihren Wohnsitz in der
Bundesrepublik Deutschland haben und/oder die deutsche Staatsangehörigkeit
besitzen. Das „Ticketing“ für die Fußball-WM erfolgt zentral durch die FIFA. Der
Bundesregierung liegen keine eigenen Zahlen zu den aus Deutschland
anreisenden WM-Besuchern vor. Es wird davon ausgegangen, dass in zahlreichen Fällen
einzelne Käufer Karten für mehrere Spiele erworben haben, so dass die
Gesamtzahl der aus Deutschland anreisenden Fußballfans deutlich unter 55 000 liegen
dürfte.
Die allgemeine Sicherheitslage in Brasilien ist weiter durch hohe
Allgemeinkriminalität mit hoher Gewaltbereitschaft und Straftaten im Bereich der
Organisierten Kriminalität geprägt. Alleine im Jahr 2012 soll es nach jüngsten Angaben
der brasilianischen Regierung 56 337 gewaltsame Todesfälle gegeben haben.
Die Mehrzahl der Gewaltdelikte wird in Zusammenhang mit
Rauschgiftkriminalität gebracht und soll zu einem hohen Prozentsatz Mitglieder rivalisierender
Gruppierungen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren betreffen.
Im Vorfeld der Fußball-WM kommt es in verschiedenen Städten Brasiliens zu
Demonstrationen und Streiks. In der Vergangenheit kam es dabei auch zu
gewalttätigen Ausschreitungen. Bei Streiks der Sicherheitsorgane wurde aus
einigen Provinzen auch über lokale Zusammenbrüche der öffentlichen Ordnung
berichtet.
Für Reisende nach Brasilien stehen im Internet unter
www.diplo.de die Reise-
und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zur Verfügung, die nach Bedarf
jederzeit aktualisiert werden. Zusätzliche Hinweise der deutschen
Auslandsvertretungen in Brasilien zur Fußball-WM 2014 sind unter www.
brasilienwm.de abrufbar.
1. Wie schätzt die Bundesregierung die Sicherheitslage in Brasilien im Vorfeld
der WM ein?
Auf die Ausführungen zur allgemeinen Sicherheitslage in der Vorbemerkung der
Bundesregierung wird hingewiesen.
Die Bundesregierung verfolgt die Entwicklung der Lage aufmerksam. Nach
Einschätzung der Bundesregierung unternimmt die brasilianische Regierung
große Anstrengungen, um die Sicherheit während der Fußball-WM zu
gewährleisten. Die brasilianische Bundespolizei hat inzwischen zugesichert, dass sie
während der Fußball-WM nicht streiken wird.
2. Sind nach den kürzlich erfolgten Sicherheitsberatungen zwischen
deutschen und brasilianischen Behörden im Vorfeld der WM Änderungen in der
Einschätzung der Sicherheitslage im Land erfolgt?
a) Wenn ja, welche?
b) Wenn nein, warum nicht?
Bereits am Rande des Confederations-Cup im Jahr 2013 waren
Demonstrationen zu verzeichnen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse wurden bereits bei der
aktuellen Lageeinschätzung berücksichtigt. Derzeit liegen hinsichtlich der FIFA
Fußball-WM 2014 in Brasilien keine Erkenntnisse vor, die bedeutsame
Änderungen in der Einschätzung der Sicherheitslage in Brasilien nach sich gezogen
haben.
Drucksache 18/1747 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode3. Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die Bundesregierung
aus der Risikoanalyse der „Agência Brasileira de Inteligência“ (Abin),
wonach die größte Gefährdung für einen regulären Ablauf der Spiele durch
Massendemonstrationen ausgeht (
www.faz.net/aktuell/politik/ausland/
amerika/brasilien-vor-der-wm-die-welt-zu-gast-bei-chaoten-12908763-p3.
html, zuletzt abgerufen am 19. Mai 2014), und welche Schlussfolgerungen
und Konsequenzen zieht sie vor diesem Hintergrund aus den massiven
Aufgebot an brasilianischem Sicherheitspersonal während der WM (
www.zeit.de
vom 10. Mai 2014 „Vor WM: Brasilien schickt 30 000 Soldaten an die
Grenze“)?
Auf die Antwort zu Frage 2 wird verwiesen. Die Lageeinschätzung der
Bundesregierung basiert auf allen verfügbaren Informationen. Die Entscheidung über
den Einsatz brasilianischen Sicherheitspersonals liegt in der alleinigen
Verantwortung der brasilianischen Regierung.
4. Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die Bundesregierung
dabei aus den Worten des Chefs des brasilianischen Präsidialamtes, Gilberto
Carvalho, wonach die größte Bedrohung für einen geregelten Ablauf der WM
nicht von Massenkundgebungen, sondern von „eingeschleusten
Krawallmachern“ ausgehe (
www.merkur-online.de/sport/fussball-wm/wm-gegner-
erneut-ausschreitungen-brasilien-zr-3560789.html, zuletzt abgerufen am
19. Mai 2014), und wie schätzt sie vor diesem Hintergrund die Lage vor Ort
für deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ein?
Der Bundesregierung ist der konkrete Hintergrund der in der Presse zitierten
Aussagen des Chefs des brasilianischen Präsidialamtes, Gilberto Carvalho, nicht
bekannt. Der Bundesregierung liegen zum Begriff „eingeschleuste
Krawallmacher“ keine Erkenntnisse vor. Es liegen Medienberichte über Aktionen
einschließlich Vandalismus namentlich im Zusammenhang mit
Massendemonstrationen am Rande des Confederations-Cup 2013 vor.
Mit näher rückendem Veranstaltungsbeginn kann erfahrungsgemäß ein Anstieg
krimineller Aktivitäten an den jeweiligen Veranstaltungsorten nicht
ausgeschlossen werden. Im Zusammenhang mit Streiks und Demonstrationen in
Brasilien kam es in jüngster Zeit u. a. zu Straßensperrungen und teils erheblichen
Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr wie auch im
Dienstleistungssektor. In der Vergangenheit kam es dabei auch zu gewalttätigen
Ausschreitungen. Reisenden wird daher geraten, Demonstrationen und
Massenkundgebungen zu meiden und sich über die aktuelle Lage vor Ort zu informieren. Hierzu
wird ergänzend auf die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts
verwiesen.
5. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um die
Polizeibehörden in Brasilien für Strategien der Gewaltdeeskalation und
Gewaltprävention zu sensibilisieren?
Die Wahrung rechtsstaatlicher Standards ist die Richtschnur jeder
Zusammenarbeit mit Partnern im Ausland. In Zusammenarbeit mit brasilianischen
Polizeibehörden wurden verschiedene Maßnahmen realisiert. Zuletzt wurden folgende
konkrete Maßnahmen durchgeführt:
In der Zeit vom 16. bis 20. Juli 2012 fand in Rio de Janeiro ein Symposium zur
Sicherheit von sportlichen Großveranstaltungen – Erfahrungen Deutschlands –
statt. Die deutsche Delegation bestand aus Vertretern deutscher
Sicherheitsbehörden, darunter u. a. auch Experten des Bundeskriminalamtes (BKA) und der
Bundespolizei (BPOL), der Inspekteur der Bereitschaftspolizeien der Länder
(IBP), Polizeiführer der Austragungsorte der FIFA-WM 2006, Vertreter des
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/1747Nationalen Ausschusses Sport und Sicherheit (NASS), Zentrale
Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) und Fanbeauftragte.
Eine Delegation des brasilianischen Sondersekretariats für Großveranstaltungen
„Secretarió Extraordinario de Seguranca para Grandes Eventos“ (SESGE)
besuchte Ende Januar 2014 das BKA und das RheinEnergie-Stadion in Köln. Ziel
des Arbeitsbesuchs war der Informationsaustausch zum Umgang mit
Sportgroßveranstaltungen.
6. Wie schätzt die Bundesregierung ihre eigenen Möglichkeiten durch
Entsendungspersonal ein, während der WM in Konfliktsituationen schnell und
angemessen zu reagieren?
Auf Einladung der brasilianischen Sicherheitsbehörden wird eine siebenköpfige
deutsche Polizeidelegation unter Leitung der Zentralen Informationsstelle
Sporteinsätze (ZIS) anlässlich der WM 2014 nach Brasilien entsandt. Im
Übrigen verrichten eingesetzte Verbindungsbeamte des Bundeskriminalamts
permanent ihren Dienst an der Deutschen Botschaft in Brasília und dem
Generalkonsulat in Sao Paulo.
Die Beamten können die brasilianischen Behörden hinsichtlich des Verhaltens
deutscher Fußballanhänger beraten. Darüber hinaus stehen die Beamten für
deutsche Fußballanhänger vor Ort als Ansprechpartner zur Verfügung und
können im Dialog mit den Fans zu einem friedlichen Verlauf der Spielbegegnungen
beitragen. Für die Lösung von Konfliktsituationen sind in erster Linie die
brasilianischen Behörden selbst zuständig.
7. Inwieweit hält die Bundesregierung die Kooperation zwischen den
brasilianischen Sicherheitsbehörden untereinander und mit der deutschen Polizei
bzw. den konsularischen Vertretern der Bundesrepublik Deutschland für
ausreichend (bitte begründen)?
Die Bundesregierung hat Kenntnis, dass die zuständigen Stellen in Brasilien um
die Bedeutung einer engen Kooperation der Sicherheitsbehörden wissen und
gezielt daran arbeiten, diese Kooperation kontinuierlich weiter zu optimieren. Die
Zusammenarbeit mit den deutschen Sicherheitsbehörden und den
konsularischen Vertretungen entspricht in Form und Umfang der Kooperation, wie sie im
Vorfeld vorangegangener Fußball-WM üblich war.
8. Wie verhält sich die Bundesregierung zu der massiven Mobilisierung des
Militärs im Vorfeld der WM (
www.zeit.de/news/2014-05/10/
fussballwm-vor-wm-brasilien-schickt-30000-soldaten-an-die-grenze-10225203), und
welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht sie aus der Aussage,
wonach die militärische Präsenz das Bild dieses Sportgroßereignisses
vielerorts prägen wird?
Die Entscheidung über den Einsatz von Sicherheitskräften in Brasilien ist eine
souveräne Entscheidung der brasilianischen Regierung, die sich an der dortigen
verfassungsmäßigen Ordnung und den Sicherheitserfordernissen orientiert. Die
brasilianische Regierung hat wiederholt deutlich gemacht, dass sie sehr großes
Interesse daran hat, dass der Sport im Mittelpunkt der Fußball-WM stehen wird.
Drucksache 18/1747 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode 9. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die nichtpolizeiliche
Gefahrenabwehr der brasilianischen WM-Organisatoren?
Der Bundesregierung ist bekannt, dass der Zustand der nichtpolizeilichen
Gefahrenabwehr in den 26 Bundesstaaten und dem Bundesdistrikt Brasilia
erhebliche Unterschiede aufweist.
Auf Einladung des brasilianischen Gesundheitsministeriums führte das
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mit Unterstützung
durch die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in Deutschland
(AGBF) seit Oktober 2013 verschiedene Workshops zur Notfallvorsorge und
Optimierung der Krankenhausalarmplanung in Brasilien durch. Der
Schwerpunkt lag überwiegend im klinischen Bereich.
10. In welchem Umfang hat die Bundesrepublik Deutschland
Kommunikations- und Informationssysteme im Hinblick auf den Confederations Cup
2013, die Fußball-WM und die Olympischen Sommerspiele 2016 an die
brasilianischen Polizei- und Zivilschutzbehörden geliefert, und wo
kommen diese nach Kenntnis der Bundesregierung zum Einsatz (bitte nach
Produkt, Kosten und Einsatzort aufschlüsseln)?
Lieferungen der Bundesregierung im Sinne der Fragestellung sind nicht erfolgt.
11. Welchen Inhalts ist der zwischen der brasilianischen Regierung und der
Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH
International Services (GIZ IS) ausgehandelte Rahmenvertrag zur
Durchführung von Beschaffungsleistungen (vgl. Antwort der damaligen
Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung, Gudrun Kopp, vom 7. November 2011 auf die
Schriftliche Frage 140 der Abgeordneten Ute Koczy auf
Bundestagsdrucksache 17/7701)?
a) Welche Leistungen wurden dort vereinbart (bitte nach Produkt, Kosten
und Einsatzort aufschlüsseln)?
b) Wurden alle dort festgelegten Leistungen erbracht, oder stehen noch
Leistungen aus?
Ein Vertrag zwischen dem brasilianischen Justizministerium und der GIZ IS für
das geplante Projekt der Modernisierung der Institutionen für Öffentliche
Sicherheit auf Bundes- und Länderebene kam nicht zustande, da Brasilien sich
im Dezember 2011 aus den Verhandlungen zurückgezogen hat.
12. Welche Bauvorhaben im Bereich der Infrastruktur konnten für die WM
2014 in Brasilien nach Kenntnis der Bundesregierung nicht abgeschlossen
werden?
Die Fertigstellung von Bauvorhaben im Bereich der Infrastruktur für die FIFA-
WM 2014 wird von den zuständigen brasilianischen Stellen und der FIFA
überwacht. Die Bundesregierung hat hierzu keine eigenen weitergehenden
Erkenntnisse.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/174713. Welche durch die Internationale Projekt- und Exportfinanzierung (IPEX)
der von der KfW Bankengruppe geförderten Bauvorhaben zur
Vorbereitung der Fußball-WM 2014 konnten nicht abgeschlossen werden (bitte
nach Projekt, Kosten und Stand der Umsetzung des Projekts
aufschlüsseln)?
Die KfW-IPEX GmbH ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen und
unterliegt den Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen. Somit können derzeit keine
Angaben zu den Bauvorhaben zur Vorbereitung der Fußball-WM 2014 und
Olympischen Sommerspiele 2016 gemacht werden.
Die Bundesregierung ist sich ihrer verfassungsrechtlichen Antwortpflicht im
Rahmen von parlamentarischen Antworten bewusst und weiß um das
umfängliche Auskunftsrecht des Deutschen Bundestages und seiner Abgeordneten. Sie
ist bei der Beantwortung von Fragen aus dem Parlament jedoch auch
verfassungsrechtlich verpflichtet, die Grundrechte der von diesen Fragen betroffenen
Grundrechtsträger zu wahren.
Im vorliegenden Fall ist der über Artikel 12 und Artikel 14 des Grundgesetzes
vermittelte und damit mit verfassungsmäßigem Rang versehene Schutz des
eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetriebs als Ausschlussgrund zur
Verweigerung der Herausgabe von Informationen über die Bauvorhaben deutscher
Exporteure einschlägig. Dieses Rechtsinstitut beinhaltet auch die Wahrung von
Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen eines Unternehmens.
Geschützte Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse sind auch Informationen zu
Kundenbeziehungen, wenn sie nur einem beschränkten Personenkreis bekannt
und für Außenstehende wissenswert sind und wenn dem Unternehmen durch
deren Bekanntwerden erhebliche Nachteile drohen (vgl.
Oberverwaltungsgericht Lüneburg, Beschluss vom 24. Januar 2003, 14 PS 1/02). Es kann im
vorliegenden Fall nicht ausgeschlossen werden, dass die Wettbewerbsposition der
Bank durch Nennung der Projekte nebst kundenbezogener Informationen (z. B.
Standorte) erheblich beeinträchtigt würde.
14. Fördert die KfW Bankengruppe IPEX auch Bauvorhaben für die
Olympischen Sommerspiele 2016?
Wenn ja, welche (bitte nach Projekt, Kosten und Stand der Umsetzung des
Projekts aufschlüsseln)?
Auf die Antwort zu Frage 13 wird verwiesen.
15. Sind die brasilianischen Behörden nach Einschätzung der
Bundesregierung in der Lage, bei Unfällen im Umfeld der WM schnell und
angemessen zu reagieren?
Internationale Sportveranstaltungen von der Größenordnung einer Fußball-WM
sind für jedes Gastgeberland eine große Herausforderung. Brasilien stellt sich im
Vorfeld der Weltmeisterschaft auch auf mögliche Schadensereignisse ein und
kann dabei auf Erfahrungen mit internationalen Großereignissen in jüngster Zeit
aufbauen.
16. Welche Kenntnis hat die Bundesregierung von Notfallplänen, die bei der
Fußball-WM ggf. greifen würden?
Die deutschen Auslandsvertretungen in Brasilien haben ihre Krisenpläne
zeitnah vor der Fußball-WM überprüft und aktualisiert. Zusätzlich sind solche Pläne
Drucksache 18/1747 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodefür die möglichen Spielorte der deutschen Nationalmannschaft und für den Ort
ihres Trainingslagers erstellt worden. Diese Krisenpläne enthalten auch die
notwendigen Kontaktdaten zu brasilianischen Behörden, so dass die im Krisenfall
notwendigen Maßnahmen rasch koordiniert werden können. Über die Kontakte
der Sicherheitsbehörden hinaus hat die Bundesregierung keinen Einblick in die
Notfallpläne der brasilianischen Behörden.
17. Wie schätzt die Bundesregierung die Arbeit der Koordinationsstelle
Fanprojekte (KOS) ein, welche während des Turniers „Fanbotschaften“
errichten wird und somit als Anlaufpunkt für deutsche Fans dient?
Die Bundesregierung bewertet die Arbeit der „Koordinationsstelle Fanprojekte“
(KOS) als sehr sinnvoll und begrüßt das für die FIFA-Fußballweltmeisterschaft
2014 in Brasilien geplante Angebot. Bei den „Fanbotschaften“ handelt es sich
um ein gemeinsames Angebot der deutschen Auslandsvertretungen in Brasilien,
der KOS und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) während der FIFA-WM
2014 in Brasilien. Die „Fanbotschaft“ soll als erste Anlaufstelle für angereiste
deutsche Besucher der FIFA-WM 2014 dienen, unter anderem durch die
Bereitstellung aktueller Informationen zum Spielort, durch konsularische Beratung
bzw. Hilfe im Notfall. Die mobile „Fanbotschaft“ wird an allen Spielorten, an
denen die deutsche Mannschaft während der FIFA-WM 2014 in Brasilien spielt,
vom Tag vor dem Spiel der deutschen Mannschaft bis zum Tag nach dem Spiel
für die deutschen Fans bereit stehen. Diese enge Zusammenarbeit der
Netzwerkpartner hat sich bei vorangegangenen internationalen Fußballveranstaltungen
bewährt.
18. Hat die Bundesregierung Kenntnis von den Sicherheitskooperationen, die
zwischen Brasilien und anderen Ländern im Rahmen der WM getroffen
wurden?
Wenn ja, wie schätzt die Bundesregierung diese im Vergleich zu den
eigenen Anstrengungen ein?
Über das Netzwerk der nationalen Kontaktstellen Fußball („National Football
Information Points“ – NFIP) erfolgt von deutscher Seite grundsätzlich ein
Austausch mit anderen Teilnehmerstaaten in Europa. Nach Kenntnis der
Bundesregierung wurden diese von brasilianischer Seite in gleicher Weise um eine
Unterstützung durch Entsendung einer Polizeidelegation gebeten.
19. Wie verhält sich die Bundesregierung zur Kritik der UN-Beauftragten für
das Recht auf angemessenes Wohnen, Raquel Rolnik, an der Praxis der
Zwangsumsiedlungen durch die brasilianischen Behörden im Zuge der
Vorbereitungen auf die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele
2016?
Deutschland verfolgt die Berichterstattung der Sonderberichterstatterin für das
Recht auf Wohnen, Raquel Rolnik, mit großer Aufmerksamkeit und steht mit ihr
im regelmäßigen Austausch. Insbesondere hat Deutschland die Leitprinzipien
für den Schutz der Wohnungssicherheit der armen urbanen Bevölkerung, welche
die Sonderberichterstatterin erarbeitet hat („Guidelines on Security of Tenure for
the Urban Poor“), explizit begrüßt und setzt sich für deren Umsetzung ein.
Deutschland engagiert sich seit Jahren bei der internationalen Um- und
Durchsetzung des Rechts auf Wohnen und begleitet das Mandat der
Sonderberichterstatter für das Recht auf Wohnen bereits seit seiner Schaffung im Jahr 2000.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/174720. Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die
Bundesregierung aus dem baulichen Zustand und etwaige Nachnutzungskonzepte der
brasilianischen Stadien (bitte nach Stadien aufschlüsseln)?
Bauvorhaben für die Fußball-WM werden von den zuständigen brasilianischen
Stellen und der FIFA überwacht. Nach Auskunft der FIFA sollen alle Stadien
rechtzeitig zur Fußball-WM bespielbar sein. Die Bundesregierung hat hierzu
keine eigenen, weitergehenden Erkenntnisse.
Die Frage der Nutzung der Stadien nach der Fußball-WM ist Sache der
jeweiligen staatlichen bzw. privaten Betreiber. Detaillierte Informationen zur weiteren
Planungen hierzu liegen der Bundesregierung nicht vor. Der Presse ist zu
entnehmen, dass alle Stadien weiterhin für Großveranstaltungen unterschiedlicher
Art genutzt werden sollen.
21. Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die Bundesregierung
aus dem Ausschluss des deutschen Industrieunternehmens Siemens AG von
weiteren Auftragsvergabeverfahren in Brasilien aufgrund von
Schmiergeldzahlungen beim Bau von U-Bahnen in Sao Paolo und Brasilia, wie er
zuletzt am 24. Januar 2014 nochmals von einem brasilianischen Gericht
bestätigt wurde (
www.sueddeutsche.de/wirtschaft/siemens-in-
brasilienboom-und-raus-1.1902394, zuletzt abgerufen am 19. Mai 2014)?
a) Hat die Bundesregierung bereits Gespräche mit der Siemens AG über
die Vorgänge geführt, die zum Ausschluss von weiteren
Vergabeverfahren geführt haben?
b) Hat die Bundesregierung entsprechende Gespräche mit den
brasilianischen Behörden geführt?
c) Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus dem
Gerichtsurteil?
Dem Einspruch von Siemens gegen das Urteil hat das Regionale Bundesgericht
durch eine einstweilige Verfügung Ende März vorläufig stattgegeben. Eine
endgültige Entscheidung durch den Obersten Gerichtshof (Supremo Tribunal de
Justica) ist noch nicht erfolgt. Die Bundesregierung gibt zu rechtshängigen bzw.
laufenden Gerichtsverfahren der brasilianischen Gerichtsbarkeit keine
Stellungnahme ab.
22. Hat die Bundesregierung Kenntnis von weiteren Korruptionsvorwürfen,
die im Zusammenhang mit den Vorbereitungen auf die Fußball-WM 2014
oder die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro stehen?
Wenn ja, welche?
Die Bundesregierung hat über die aus den Medien bekannten
Korruptionsvorwürfe hinaus keine diesbezüglichen Erkenntnisse.
23. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um die
Korruption im Zusammenhang mit Sportgroßereignissen einzudämmen?
Die Bundesregierung setzt sich mit Nachdruck für die Integrität des Sports ein.
Die Wahrung der Integrität des Sports war ein wesentlicher Bestandteil der
Berliner Erklärung der 5. Weltsportministerkonferenz der UNESCO (MINEPS V).
Wie alle an MINEPS V beteiligten Staaten, setzt sich die Bundesrepublik
Deutschland nachhaltig für die Umsetzung der in der „Berliner Erklärung“
enthaltenen Empfehlungen ein. Dazu gehört auch der Kampf gegen Korruption im
Sport.
Drucksache 18/1747 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode24. Hat die Bundesregierung konkrete Gespräche mit den brasilianischen
Behörden über die Umsetzung der im Rahmen der 5. UNESCO-
Weltsportministerkonferenz MINEPS V getroffenen Verabredungen und in der dort
niedergeschriebenen „Berliner Erklärung“ geführt?
a) Wenn ja, welchen Inhalts waren diese Gespräche, und wurden
verbindliche Standards, insbesondere im Hinblick auf
Korruptionsbekämpfung bzw. Nachhaltigkeit von Sportgroßereignissen, besprochen?
b) Wenn nein, wann beabsichtigt die Bundesregierung, diese Gespräche
zu führen?
Die Bundesregierung hat keine konkreten Gespräche mit den brasilianischen
Behörden über die Umsetzung der im Rahmen der 5.
Weltsportministerkonferenz MINEPS V getroffenen Verabredungen und in der dort
niedergeschriebenen „Berliner Erklärung“ geführt. Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 23
verwiesen.
25. Hat die Bundesregierung Vertreter des Weltfußballverbandes FIFA auf die
Situation im Vorfeld der Fußball-WM 2014 angesprochen?
a) Wenn ja, welche Ergebnisse haben die Gespräche gebracht?
b) Wenn nein, warum hat sie noch keine diesbezüglichen Gespräche mit
der FIFA geführt, und wann beabsichtigt sie, solche Gespräche zu
führen?
Nein. Es wird auf die Ausführungen zum Verhältnis zwischen FIFA und der
brasilianischen Regierung in den Vorbemerkungen der Bundesregierung verwiesen.
Die Bundesregierung steht zu Fragen der Situation im Vorfeld der FIFA-WM
2014 in Brasilien in regelmäßigem Kontakt mit Vertretern des Deutschen
Fußball-Bundes.
26. Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, auf der Ebene der
Europäischen Union bzw. über den Europarat selbst auf eine strengere Einhaltung
von Nachhaltigkeitsstandards bei Sportgroßveranstaltungen zu drängen?
Grundsätzlich besteht mit dem „Enlarged Partial Agreement on Sport“ (EPAS)
des Europarates ein geeignetes Forum zur Diskussion von
Nachhaltigkeitsfragen im Zusammenhang mit Sportgroßveranstaltungen. Der am 21. Mai 2014
vom Rat der EU-Sportminister angenommene EU-Arbeitsplan Sport für die
Jahre 2014 bis 2017 sieht unter anderem die Befassung mit der wirtschaftlichen,
sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit von Sportgroßveranstaltungen vor.
Hierzu soll eine EU-Expertengruppe Empfehlungen erarbeiten. Eine weitere
EU-Expertengruppe wird sich im Übrigen mit der Berücksichtigung von
Demokratie, Menschen- und Arbeitnehmerrechten im Rahmen von Verfahren zur
Vergabe der Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen beschäftigen. In allen
Arbeitsgruppen bringt sich die Bundesregierung aktiv ein.
27. Wie beurteilt die Bundesregierung ihre Möglichkeit, innerhalb der
Vereinten Nationen (UN) auf eine Einhaltung von Menschen- und Bürgerrechten
sowie auf ökologische Nachhaltigkeitsstandards bei
Sportgroßveranstaltungen, etwa über den UN-Sonderbotschafter Willi Lemke, zu drängen?
Die Bundesregierung setzt sich gleichermaßen in allen Menschenrechtsgremien
der Vereinten Nationen für die Einhaltung der Menschenrechte ein. Dies gilt für
alle Kontexte und daher auch für Sportgroßveranstaltungen. Darüber hinaus
setzt sich die Bundesregierung in den Vereinten Nationen in allen geeigneten
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 11 – Drucksache 18/1747Gremien für eine angemessene Berücksichtigung der ökologischen Dimension
nachhaltiger Entwicklung ein. Der VN-Sonderberater für Sport im Dienste von
Frieden und Entwicklung untersteht als Mitarbeiter der Vereinten Nationen dem
VN-Generalsekretär und ist auf die VN-Charta verpflichtet. Die
Bundesregierung übt keinen über die übliche Zusammenarbeit mit VN-Gremien
hinausgehenden Einfluss aus.
28. Hält die Bundesregierung die Aufnahme verbindlicher Menschen- und
Bürgerrechtsstandards sowie internationaler Arbeitsrechtsstandards in die
Vergabekriterien von zukünftigen Sportgroßveranstaltungen für geboten?
a) Wenn ja, hat die Bundesregierung ihre Haltung diesbezüglich
gegenüber den Weltverbänden des Sports bereits artikuliert?
b) Wenn nein, warum nicht?
Die Bundesregierung ist bemüht, das im Rahmen der Vorbereitung und
Ausrichtung von MINEPS V gezeigte internationale sportpolitische Engagement in
Hinblick auf die Vergabekriterien von Sportgroßveranstaltungen fortzusetzen und
unterstützt auch die Bemühungen der UNESCO zur Umsetzung der „Berliner
Erklärung“. Diese richtet sich an die zuständigen Regierungen der beteiligten
Länder, insbesondere an Ausrichterstaaten von Sportgroßveranstaltungen sowie
an die Weltsportverbände. Die Bundesregierung hat aktiv um die Unterstützung
bei der Umsetzung der „Berliner Erklärung“ bei den verschiedenen Akteuren
gebeten.
29. Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die
Bundesregierung aus der Äußerung des FIFA-Generalsekretärs, Jérôme Valcke, vom
April 2013 (
www.bbc.com/sport/0/football/22288688, zuletzt abgerufen am
16. Mai 2014), dass weniger Demokratie bei der Planung einer WM besser
sei und dass es für die Organisatoren leichter als in Ländern wie
Deutschland sei, wenn es ein starkes Staatsoberhaupt mit Entscheidungsgewalt
wie Wladimir Putin gibt, und wird die Bundesregierung die FIFA als
Dachorganisation des Deutschen Fußball-Bunds e. V. (DFB) um eine
Erklärung bitten, inwieweit die FIFA die freiheitlich-demokratische
Grundordnung in Deutschland anerkennt?
Die Bundesregierung kommentiert die in der Presse zitierte Äußerung, die dem
FIFA-Generalsekretär zugeschrieben wurde, nicht.
30. Werden Mitglieder der Bundesregierung zur WM nach Brasilien reisen
(bitte nach Mitglied der Bundesregierung und Spiel der Weltmeisterschaft
aufschlüsseln)?
Wenn ja, wird sich die Bundesregierung vor Ort zu Gesprächen über die
sozialen Spannungen und die Sicherheitslage im Land mit Vertretern der
brasilianischen Regierung treffen und etwaige Missstände offen
ansprechen?
Die Bundeskanzlerin, Dr. Angela Merkel, und die brasilianische
Staatspräsidentin, Dilma Rousseff, planen ein Gespräch zu aktuellen Themen am Rande der
Fußball-WM in Brasilien. Für weitere Details wird auf die üblichen Verfahren
der Terminankündigung verwiesen.
Der Bundesminister des Innern, Dr. Thomas de Maizière, plant bei
erfolgreichem Verlauf der Gruppenphase, das Achtelfinalspiel mit deutscher Beteiligung
zu besuchen. Ob und inwieweit sich hierbei Gelegenheit für Gespräche im Sinne
der Fragestellung ergeben wird, ist derzeit noch nicht absehbar.
Drucksache 18/1747 – 12 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode31. Wie schätzt die Bundesregierung die Vorbereitungen im Hinblick auf die
Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro ein, welche im Jahr 2016
stattfinden sollen?
Über die Berichterstattung in den Medien hinaus liegen der Bundesregierung
keine eigenen wesentlichen Erkenntnisse zum Stand der Vorbereitungen der
Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro vor.
32. Ist die Bundesregierung in Bezug auf die Olympischen Spiele 2016 bereits
in Kontakt mit den lokalen Behörden?
Ja.Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
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ISSN 0722-8333]