[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung vom
20. Januar 2016 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/7334
18. Wahlperiode 22.01.2016
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Norbert Müller (Potsdam), Sigrid Hupach,
Wolfgang Gehrcke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/7021 –
Belegrechte der Bundeswehr in Einrichtungen der frühkindlichen Förderung und
Betreuung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Bundeswehr ist um eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Dienst
bemüht. In der Zentralen Dienstvorschrift 10/1 heißt es dazu: „Die
Vereinbarkeit von Familie und Dienst verbessert die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte und
die Attraktivität des militärischen Dienstes.“ Eine bedeutende Rolle bei der
Vereinbarkeit kommt der Kinderbetreuung zu.
Einige Hundert Kinderbetreuungsplätze kann die Bundeswehr durch den
Aufkauf von so genannten Belegrechten in Kinderbetreuungseinrichtungen ihren
Angehörigen zur Verfügung stellen. Dabei handelt es sich um „Kita-Plätze, die
gegen Zahlung von Bundesfinanzhilfen an Träger von
Kinderbetreuungseinrichtungen zur Errichtung oder Erweiterung dieser Einrichtungen erworben
werden, mit der Auflage, dass Kinder von Bundeswehrangehörigen – meist in
einer zahlenmäßig festgelegten Anzahl – in die Einrichtungen aufgenommen
werden“ (siehe Allgemeiner Umdruck 1/500 – Handbuch zur Vereinbarkeit von
Familie und Dienst in den Streitkräften (2010), Anlage 6/14).
Seit August 2013 haben alle Kinder vom vollendeten ersten Lebensjahr an einen
Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertageseinrichtung zur
Frühförderung und Betreuung. Nach wie vor besteht hierbei ein Mangel an Plätzen und
neben den rein quantitativen Aspekten sind zusehends qualitative Aspekt in den
Einrichtungen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die Bundeswehr bemüht
sich, diesen Mangel für ihre Angehörigen auszuräumen. Aus der Antwort der
Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE.
(Bundestagsdrucksache 18/2080) wird ersichtlich, dass Belegrechte vor allem dort
erworben werden, wo der Ausbau der Kinderbetreuung dem tatsächlichen
Betreuungsbedarf hinterherhinkt.
Damit wird ein privilegierter Zugang zu Betreuungsangeboten für Angehörige
der Bundeswehr gegenüber anderen Familien ermöglicht. Dabei gibt die
Bundesregierung einen Mangel an Betreuungsplätzen offen zu und hält die
Privilegierung von Bundeswehrangehörigen gegenüber anderen Familien für
gerechtfertigt: „Die Möglichkeiten einer bedarfsgerechten Kinderbetreuung an den
Deutscher Bundestag Drucksache 18/7334
18. Wahlperiode 22.01.2016
Standorten der Bundeswehr, den die Kommunen nicht decken können, sind
vielfältig. Ziel ist, künftig eine flächendeckende Kinderbetreuung an allen
Standorten der Bundeswehr zu gewährleisten. Der Erwerb von Belegrechten kann
geeignet sein, den standortbezogenen Bedarf an Kinderbetreuung zu decken.“
(Bundestagsdrucksache 18/2080). Für die Gewährleistung dieses Privilegs
bezahlt die Bundeswehr bis zu 5 000 Euro pro Jahr und Kitaplatz (ebenda).
V o r b e me r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Es ist das erklärte Ziel des Bundesministeriums der Verteidigung, die
Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Arbeitsgebers Bundeswehr deutlich zu stärken.
Hierbei liegt die wesentliche Herausforderung im Spannungsfeld zwischen der
Sicherstellung der militärischen Auftragserfüllung und dem legitimen Wunsch
der Bundeswehrangehörigen nach lebensphasenorientierter Teilhabe am
Familienleben. Nur wenn die Bundeswehr entsprechende Rahmen- und
Arbeitsbedingungen nachweisen kann, wird sie als familienfreundlicher Arbeitgeber
wahrgenommen und auf dem Arbeitsmarkt für potentielle Bewerber attraktiver. Zudem
wird die personelle Einsatzfähigkeit der Bundeswehr heute und für die Zukunft
gesichert.
Im Rahmen der „Agenda Attraktivität“ wurden Maßnahmen entwickelt, um die
Angehörigen der Bundeswehr und deren Familien weiter zu unterstützen. Die
Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz mit seinen bundeswehrspezifischen
Anforderungen sollen attraktiver gestaltet und die Berufszufriedenheit damit spürbar
verbessert werden. Hierzu gehört auch die Gewährleistung einer
bedarfsgerechten Kinderbetreuung an den Standorten der Bundeswehr. Hierbei ist festzustellen,
dass bereits ein größeres Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten in den
neuen Bundesländern existiert, so dass dort vergleichsweise geringerer
Handlungsbedarf als in den alten Bundesländern besteht.
Die Möglichkeiten der Gewährleistung einer flächendeckenden bedarfsgerechten
Kinderbetreuung an den Standorten sind vielfältig, falls die Kommunen vor Ort
den Bedarf nicht decken können. Beispielsweise kann der Erwerb von
Belegrechten in Betracht kommen.
Bundeswehrangehörige, deren Kinder über die Nutzung dieser Belegrechte eine
bedarfsgerechte Kinderbetreuung erfahren, haben dadurch keine finanziellen
Vorteile. Sie zahlen den in der jeweiligen Kommune ortsüblichen Elternbeitrag
unmittelbar, da nach dem Willen des Gesetzgebers die Zahlung von
Elternbeiträgen ausschließlich den Personensorgeberechtigten obliegt. Entsprechende
Beiträge finanziell zu kompensieren liegt nicht im Ermessen der Bundeswehr.
Hierfür wäre auch eine rechtliche Grundlage erforderlich, um eine entsprechende
Zahlung im Sinne der Bundeshaushaltsordnung zu begründen.
1. An welchen Standorten wurden seitens des Bundesministeriums der
Verteidigung (BMVg) bzw. Einrichtungen der Bundeswehr Vereinbarungen mit
Trägern von Kinderbetreuungseinrichtungen geschlossen, die zum Ziel
haben, Kindern von Bundeswehrangehörigen einen Betreuungsplatz mit
Belegrechten zu sichern (bitte detailliert nach Bundesländern, Kommunen,
Betreuungseinrichtung, vorgehaltenen und belegten Plätzen, Plätzen für Kinder
unter und über drei Jahren sowie Zeitpunkt des Erwerbes der Belegrechte,
Kosten und Laufzeit aufschlüsseln)?
Die durch die Bundeswehr erworbenen Belegrechte sind der beigefügten
Anlage 1 zu entnehmen.
r cksac e 18/7334 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Wurden mit den Einrichtungen bzw. den Trägern der Einrichtungen weitere
Kooperationen bzw. Verträge geschlossen, die über die Belegung von
Plätzen hinausgehen, und wenn ja, was beinhalten diese Vereinbarungen (bitte
detailliert ausführen)?
Weitere Kooperationen bzw. Verträge sind der Bundesregierung derzeit nicht
bekannt.
2. An welchen Standorten planen das Bundesministerium der Verteidigung
bzw. Einrichtungen der Bundeswehr weitere Belegrechte in
Kinderbetreuungseinrichtungen anzukaufen (bitte detailliert nach Bundesländern,
Kommunen, Betreuungseinrichtung, vorgehaltenen Plätzen, Plätzen für Kinder
unter und über drei Jahren sowie Zeitpunkt des geplanten Erwerbes der
Belegrechte, Kosten und Laufzeit aufschlüsseln)?
Das Bedarfsdeckungsverfahren wurde an den in der Anlage 2 aufgeführten
Standorten eingeleitet. Ob der Bedarf durch den Erwerb von Belegrechten gedeckt
wird, ist noch nicht entschieden.
Ist dabei beabsichtigt, mit den Einrichtungen bzw. den Trägern der
Einrichtungen weitere Kooperationen bzw. Verträge abzuschließen, die über die
Belegung von Plätzen hinausgehen, und wenn ja, was sollen diese
Vereinbarungen beinhalten (bitte detailliert ausführen)?
Weitere Kooperationen bzw. Verträge sind derzeit nicht geplant.
3. An welchen Standorten führen das Bundesministerium der Verteidigung
bzw. Einrichtungen der Bundeswehr aktuell Gespräche/Verhandlungen mit
dem Ziel, weitere Belegrechte in Kinderbetreuungseinrichtungen
anzukaufen (bitte detailliert nach Bundesländern, Kommunen,
Betreuungseinrichtung, vorgehaltenen Plätzen, Plätzen für Kinder unter und über drei Jahren
sowie Zeitpunkt des geplanten Erwerbes der Belegrechte, Kosten und
Laufzeit aufschlüsseln)?
Auf die Antwort zu Frage 2 wird verwiesen.
Wird mit den Einrichtungen bzw. den Trägern der Einrichtungen über
weitere Kooperationen bzw. Verträge verhandelt, die über die Belegung von
Plätzen hinausgehen, und wenn ja, was beinhalten diese Vereinbarungen
(bitte detailliert ausführen)?
Nein.
4. Welche Kosten entstanden bzw. entstehen der Bundeswehr insgesamt durch
den Erwerb von Belegrechten, und mit welchen Kosten für die Belegrechte
rechnet die Bundeswehr in den kommenden Jahren bis 2020 (bitte nach
Jahren seit 2010 und Bundesländern aufschlüsseln)?
Auf die in tabellarische Auflistung in der Antwort zu Frage 1 (Anlage 1) mit den
entsprechenden Vertragslaufzeiten wird verwiesen. Eine Prognose der Kosten bis
zum Jahr 2020 ist nicht möglich, da die Weiterführung der Verträge jährlich
evaluiert und nicht alle Verträge weitergeführt bzw. die Verträge bedarfsgerecht
angepasst werden.
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 3 – Drucksache 18/7334
5. Wurden bzw. werden aus Mitteln des Sondervermögens für den Kitaausbau
Einrichtungen der Bundeswehr gefördert oder Belegrechte in
Kinderbetreuungseinrichtungen angeschafft (bitte detailliert nach Bundesländern,
Standorten, Kommunen sowie bei erworbenen Belegrechten in vorgehaltenen und
belegten Plätzen sowie Zeitpunkt des Erwerbes der Belegrechte, Kosten und
Laufzeit aufschlüsseln)?
Aus Mitteln des Sondervermögens „Kinderbetreuungsausbau“ wurden keine
Belegrechte für die Bundeswehr erworben.
Die Neubauten der Kindertagesstätten an der Universität der Bundeswehr
(UniBw) München in Neubiberg sowie am Bundeswehrkrankenhaus (BwKrhs)
in Ulm wurden bzw. werden nicht aus Mitteln des Sondervermögens für den
Kitaausbau gefördert. Für die Kindertagesstätte am Bundeswehr-Zentralkrankenhaus
(BwZKrhs) in Koblenz wurde mit Bescheid des Landesamtes für Soziales, Jugend
und Versorgung Rheinland Pfalz vom 6. Juli 2015 eine
Investitionskostenförderung in Höhe von 269 000 Euro bewilligt; die Fördermittel werden im Jahr 2016
ausgezahlt.
6. Wurden bzw. werden aus Mitteln des Programmes für den Ausbau der
betrieblichen Kinderbetreuung Betreuungsplätze geschaffen bzw. Belegrechte
in Kinderbetreuungseinrichtungen für die Bundeswehr erworben (bitte
detailliert nach Bundesländern, Kommunen, Betreuungseinrichtung,
geförderten Plätzen, Plätzen für Kinder unter und über drei Jahren und Höhe der
Ausgaben aufschlüsseln)?
Aus dem Förderprogramm „Betriebliche Kinderbetreuung“ wurden keine
betrieblichen Kinderbetreuungsplätze der Bundeswehr gefördert.
7. Wie viele der bestehenden Altbelegrechte (vergleiche Antwort zu Frage 12
auf Bundestagsdrucksache 18/2080) werden derzeit durch Angehörige der
Bundeswehr in Anspruch genommen (bitte detailliert nach Bundesländern,
Kommunen, Betreuungseinrichtung, vorgehaltenen und belegten Plätzen,
Plätzen für Kinder unter und über drei Jahren sowie Zeitpunkt des Erwerbes
der Belegrechte, Kosten und Laufzeit aufschlüsseln)?
Eine Nutzung von „Altbelegrechten“ seitens der Bundeswehr ist der
Bundesregierung nicht bekannt. Die Antwort zu Frage 12 auf Bundestagsdrucksache
18/2080 wird dazu wie folgt zitiert:
„Diese ‚alten‘ Belegungsrechte existieren grundsätzlich zwar noch heute, haben
aber hinsichtlich des heutigen Bedarfs praktisch keine Bedeutung mehr, da sie zu
den in den siebziger Jahren geltenden tatsächlichen und rechtlichen Konditionen
der Kinderbetreuung erworben wurden. Durch die ‚alten‘ Belegrechte wurde
meist nur die ‚Normalversorgung‘ für Kinder ab 3 Jahren zu Vormittagszeiten
abgedeckt. Im Laufe der Jahrzehnte sind durch Stationierungsänderungen auf
Seiten der Bundeswehr und Auflösen von Kindertagesstätten aufseiten der Träger
Änderungen eingetreten.“
8. Hat die Bundesregierung mittlerweile Kenntnis darüber, ob der Erwerb von
Belegrechten in Kindertageseinrichtungen zu einer Verdrängung anderer
Kinder geführt hat, und wenn ja, wo?
Die Bundesregierung hat hiervon keine Kenntnis.
r cksac e 18/7334 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
9. Wo betreibt die Bundeswehr eigene Kindertageseinrichtungen bzw. hat sie
einen anderen Träger mit dem Betrieb einer Kindertageseinrichtung
beauftragt, welche dieser Einrichtungen sind auch für Kinder von
Nichtbundeswehrangehörigen offen, und erhält die Bundeswehr dabei Mittel von den
örtlichen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe (bitte nach Standorten, Plätzen
für Kinder unter und über drei Jahren und Plätzen, die von
Nichtbundeswehrangehörigen belegt werden sowie Standort der Betreuungseinrichtungen
innerhalb oder außerhalb von Kasernengelände, Rechtsform und Anbindung
an Jugendamtsstrukturen bzgl. Qualität und Betriebserlaubnis
aufschlüsseln)?
Die Antwort zu Frage 16 auf Bundestagsdrucksache 18/2080 wird wie folgt
aktualisiert:
In absoluten Ausnahmefällen, dort wo ein bundeswehrspezifischer Bedarf es
erfordert (Schichtzeiten, Betreuungsstruktur in der Kommune, häufige
Versetzungen des Personals – innerhalb eines Kindergartenjahres), richtet die Bundeswehr
Kinderbetreuungseinrichtungen ein. Dies ist bisher an drei Standorten der Fall;
an einem weiteren Standort befindet sich das Bauverfahren in der
Projektvorbereitungsphase. Die Bundeswehr stellt in diesen Fällen die Infrastruktur auf ihrem
Gelände bereit. Im Rahmen eines öffentlichen Ausschreibungsverfahrens wird
der pädagogische Betrieb der jeweiligen Einrichtung an einen externen Träger der
Kinder- und Jugendhilfe vergeben. Die Auswahl des Trägers erfolgt in enger
Absprache mit den jeweils zuständigen Jugendbehörden (u. a. Voraussetzung für die
Erteilung der Betriebserlaubnis). Bei der Auswahl werden neben preislichen
Aspekten die pädagogischen Grundsätze und das Qualitätsmanagement des Trägers
betrachtet. Die jeweiligen Träger betreiben die Kindertagesstätten
eigenverantwortlich. Zwischen der Bundeswehr und den jeweiligen Trägern wird ein
Dienstleistungskonzessionsvertrag geschlossen. Die Bundeswehr entrichtet einen fixen
Zuschuss als Ausgleich für Fördergeldausfall und längere Öffnungszeiten. Die
Nebenkosten für den Betrieb der Einrichtung hat der pädagogische Träger zu
entrichten (Abrechnung über die Bundeswehr). Die Bundeswehrangehörigen
entrichten die ortsüblichen Elternbeiträge. Sollten die jeweiligen Kindertagesstätten
nicht durch die Bundeswehrangehörigen (zivil und militärisch) ausgelastet sein,
kann der Träger nach einer Aufwuchsphase die freien Plätze extern an Kinder aus
der Wohnbevölkerung vergeben.
An der UniBw München in Neubiberg wurde eine Krippe für max. 36 U3-
Kinder eingerichtet. Sie wird seit dem 1. April 2014 vom Johanniter-Unfall-
Hilfe e. V., Regionalverband München, betrieben.
Seit Herbst 2014 betreibt die Dussmann Kulturkindergarten gGmbH am
BwZKrhs in Koblenz eine Kindertagesstätte für 42 Kinder. Die
Kindertagesstätte verfügt über zwei Gruppen mit jeweils zehn Plätzen für U3-Kinder und
eine dritte altersgemischte Gruppe für insgesamt 22 Kinder.
Am BwKrhs in Ulm wurde eine Kindertagesstätte für 50 Kinder in vier
Gruppen eingerichtet. In drei Krippengruppen werden jeweils zehn U3-Kinder
betreut. In einer vierten Gruppe sind insgesamt 20 Plätze für Ü3-Kinder
eingerichtet worden. Die Kita wurde am 1. September 2015 in Betrieb genommen.
Bei dem pädagogischen Träger handelt es sich um die Sodexo
Dienstleistungen GmbH.
Am BwKrhs in Berlin soll eine Kindertagesstätte für 46 Kinder mit vier
Gruppen entstehen. In zwei Krippengruppen sollen jeweils acht Plätze für
U3-Kinder geschaffen werden. In zwei Kindergartengruppen sollen
insgesamt 30 Plätze für Ü3-Kinder eingerichtet werden. Die Kindertagesstätte soll
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 5 – Drucksache 18/7334
in den Jahren 2017 bzw. 2018 in Betrieb genommen werden. Die
pädagogische Trägerschaft wurde noch nicht ausgeschrieben.
Die Kindertagesstätte der Bundeswehr in Bonn, die derzeit noch durch die
Bundeswehr selbst betrieben wird, soll durch einen Neubau ersetzt und der
pädagogische Betrieb im Rahmen einer Ausschreibung an einen externen Träger vergeben
werden. Derzeit existieren 92 Betreuungsplätze mit drei Gruppen zu je 20 Plätzen
für den Ü3-Bereich und vier Gruppen zu je acht Plätzen für den U3-Bereich.
Künftig sollen vier Gruppen U3 zu je zehn Plätzen und drei Gruppen Ü3 zu je
20 Plätzen betreut werden. Eine Übergabe an den Nutzer ist ab Mitte des Jahres
2019 geplant.
Hinsichtlich der im Ausland befindlichen Schulen, an denen die Nutzung der
angegliederten Kinderbetreuungseinrichtungen möglich ist, wird auf die Antwort zu
Frage 15 auf Bundestagsdrucksache 18/2080 verwiesen.
10. Welche Kosten entstanden bzw. entstehen der Bundeswehr insgesamt durch
den Betrieb von eigenen Kindertageseinrichtungen bzw. der Beauftragung
des Betriebes einer Kindertageseinrichtung an andere Träger, und mit
welchen Kosten für den Betrieb eigener Kindertageseinrichtungen bzw. der
Beauftragung des Betriebes einer Kindertageseinrichtung an andere Träger
rechnet die Bundeswehr in den kommenden Jahren bis 2020 (bitte nach
Jahren seit 2010 und Bundesländern aufschlüsseln)?
Kosten der bundeswehreigenen Kindertagesstätte in Bonn
Für die technische Unterhaltung der bundeswehreigenen Kindertagesstätte in
Bonn wurden vom Jahr 2010 bis zum Jahr 2015 folgende Kosten auf die
technischen Plätze des Gebäudes verbucht. Die höheren Buchungen für die Jahre 2014
und 2015 sind auf Reparaturarbeiten zur Erhaltung der Betriebserlaubnis
zurückzuführen.
2010: 26 239,40 Euro
2011: 16 481,15 Euro
2012: 21 528,38 Euro
2013: 17 605,42 Euro
2014: 44 434,06 Euro
2015: 99 355,30 Euro.
Für die Jahre von 2010 bis 2015 wurden folgende Personalkosten veranschlagt
(Anstieg der Beschäftigten von 19 auf 22 im Jahr 2013):
2010: 830 000 Euro
2011: 850 000 Euro
2012: 925 000 Euro
2013: 910 000 Euro
2014: 1 100 000 Euro
2015: 1 100 000 Euro.
r cksac e 18/7334 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Die Kindertagesstätte in Bonn wird durch eine pädagogische Fachberatung
betreut. Zusätzlich erfolgt eine logopädische Betreuung von Kindern mit
Sprachproblemen. Die hierfür jährlich durchschnittlich anfallenden Kosten betragen für
die
pädagogische Fachbetreuung 9 000,00 Euro und die
logopädische Betreuung in der Kita 2 500,00 Euro.
Prognosen bis zum Jahr 2020 liegen aufgrund der beabsichtigten Vergabe des
pädagogischen Betriebes nicht vor.
Kosten der Kindertagesstätten in Koblenz und München
Für die bereits in Betrieb befindlichen Kindertagesstätten in München und
Koblenz liegen erste Erfahrungswerte vor. Liegenschaftsbetriebsleistungen werden
durch den pädagogischen Träger übernommen.
Kosten für den pädagogischen Betrieb der Kindertagesstätte in Koblenz:
2014: 11 095,50 Euro (Betriebsaufnahme Mitte Oktober 2014)
2015: 138 833,44 Euro
2016: 138 833,44 Euro
2017: 102 522,00 Euro
2018: 102 522,00 Euro
2019: 102 522,00 Euro
2020: 102 522,00 Euro.
Kosten für den pädagogischen Betrieb der Kindertagesstätte in München:
2014: 25 722,64 Euro (Betriebsaufnahme im April 2014)
2015: 40 488,75 Euro
2016: 61 200 Euro
2017: 70 200 Euro
2018: 79 200 Euro
2019: 88 200 Euro
2020: 97 200 Euro.
Kosten für den pädagogischen Betrieb der Kindertagesstätten in Ulm und Berlin
Die Kindertagesstätte in Ulm wurde zum 1. September 2015 in Betrieb
genommen. Für das Jahr 2015 wurde ein Betrag in Höhe von 43 237,65 Euro zum
Jahresende angewiesen. Aufgrund fehlender Erfahrungswerte können noch keine
Aussagen zu Prognosen getroffen werden.
Die Kindertagesstätte in Berlin befindet sich derzeit noch in Planung.
11. Ist die Bundeswehr oder sind einzelne Standorte der Bundeswehr an dem
Unternehmensprogramm „Erfolgsfaktor Familie“ des Bundesministeriums
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) beteiligt, und wenn ja,
seit wann nimmt die Bundeswehr an dem Programm teil, und welche
Maßnahmen werden angeboten (bitte nach Standorten aufschlüsseln)?
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 7 – Drucksache 18/7334
Zentraler Bestandteil des Unternehmensprogramms „Erfolgsfaktor Familie“ ist
das gleichnamige Unternehmensnetzwerk. Insgesamt acht Einrichtungen der
Bundeswehr sind Mitglied im Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Angaben zu den angebotenen
familienfreundlichen Maßnahmen keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Aktualität
erheben. Die Aufnahme in das Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“
erfolgt in einem niedrigschwelligen Verfahren. Es werden nur die für die
Netzwerkarbeit erforderlichen Angaben von den Mitgliedern wie Branche, Sitz und
familienfreundliche Maßnahmen abgefragt. Die Angaben, insbesondere Details zu
familienfreundlichen Maßnahmen, erfolgen dabei auf freiwilliger Basis. Die
Informationstiefe und der Aktualisierungsgrad schwanken daher.
Einzelheiten zu den beteiligten Standorten sind der folgenden Tabelle zu
entnehmen:
Strausberg Flexible Arbeitszeitregelung (Teilzeit, Gleitzeit,
Familienbewusste Arbeitsorganisation, Familienfreundlicher Arbeitsort
(Telearbeit),
Informations- und Kommunikationspolitik, Familienfreundliche
Führungskompetenz, Familienfreundliche Personalentwicklung, Angebote
für den (Wieder-) Einstieg nach der Elternzeit, Entgeltbestandteile/
Geldwerte Leistungen für Familien
04.03.2009
Oberammergau Keine Maßnahme ausgewiesen 22.03.2012
Standort Familienfreundliche Maßnahmen Beitrittsdatum
Regensburg
(Dienststelle der Bundeswehr)
Flexible Arbeitszeitregelung, Familienbewusste Arbeitsorganisation,
Familienfreundlicher Arbeitsort
Angebote für den (Wieder-)Einstieg nach der Elternzeit
22.06.2010
Köln-Wahn Flexible Arbeitszeitregelung (Gleitzeitrahmen von 06.30 Uhr - 20.00
Uhr, Kernarbeitszeit 09.00 Uhr - 15.30 Uhr, Herabstufung von 41-
Stundenwoche auf 40-Stundenwoche, Möglichkeit der Teilzeit -oder
Telearbeitszeit), Informations- und Kommunikationspolitik (Ständige
Weitergabe von Informationen über Möglichkeiten in Bezug auf
Kinderbetreuung, Telearbeit, Teilzeitarbeit und sonstige
Arbeitszeitmodelle), Gespräche über zuständige Stellen bei eventuell auftretenden
Problemen (z.B. Einsatz/Übungen/Lehrgänge etc.)
Service für Familien (Kindergarten am Standort)
10.11.2006
Ulm Flexible Arbeitszeitregelung, Familienbewusste Arbeitsorganisation,
Familienfreundliche Führungskompetenz, Familienfreundliche
Personalentwicklung, Angebote für den (Wieder-)Einstieg nach der
Elternzeit
17.06.2013
Veitshöchheim Flexible Arbeitszeitregelung, Familienbewusste Arbeitsorganisation,
Familienfreundlicher Arbeitsort, Familienfreundliche
Personalentwicklung, Angebote für den (Wieder-)Einstieg nach der Elternzeit
07.12.2006
Weißenfels Flexible Arbeitszeitregelung (Teilzeitarbeit unter Berücksichtigung
persönlicher Belange),
Familienbewusste Arbeitsorganisation (Terminierung von
Besprechungen), Familienfreundlicher Arbeitsort (nach Möglichkeit, ist bei der
Bundeswehr nicht immer realisierbar),
Familienfreundliche Führungskompetenz (Teilkonzeption zur
Vereinbarkeit von Familie und Dienst liegt vor), Familienfreundliche
Personalentwicklung (Ziel: 50% Frauen im Sanitätsdienst, derzeit 33%,
Tendenz steigend, in den übrigen Truppengattungen Ziel: 15%)
20.11.2006
Neubiberg Service für Familien 15.01.2007
r cksac e 18/7334 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
12. Hat die Bundeswehr oder haben einzelne Standorte/Abteilungen der
Bundeswehr ein Zertifikat vom „audit berufundfamilie“ erhalten, und wenn ja,
wie lautet die jeweils erarbeitete Zielvereinbarung, und seit wann ist das
jeweilige Zertifikat vorhanden (bitte nach Standorten aufschlüsseln)?
Das Bundesministerium der Verteidigung ist seit 2009 zum „audit
berufundfamilie“ zertifiziert. Das Zertifikat wurde am 14. März 2013 bestätigt.
Ziel der Re-Auditierung:
Mit der Re-Auditierung zum „audit berufundfamilie“ wird das Engagement für
eine familienbewusste Unternehmenskultur gegenüber den vorhandenen und
zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Soldatinnen und Soldaten
des BMVg verstetigt.
Die Stärkung des Familienbewusstseins soll maßgeblich dazu beitragen, dass
unter allen Angehörigen des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) eine
höhere Zufriedenheit und Motivation erreicht wird. Mit der Re-Auditierung zum
audit erhält das BMVg Impulse für spezifische Handlungsstrategien, einen
systematischen und gewichteten Maßnahmenkatalog sowie Anregungen für eine
Weiterentwicklung des Unternehmensleitbildes, um so weiterführende
familienbewusste Ziele und Maßnahmen auf Basis des bislang Erreichten zu definieren.
Das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) hat
das Zertifikat vom „audit berufundfamilie“ am 15. Dezember 2015 erhalten.
Ziel der Auditierung:
Das BAPersBw möchte – über die bereits bestehenden familienorientierten
Maßnahmen hinaus – durch ein familienbewusstes aktives Management seines
Personals die Attraktivität als Dienststelle erhöhen. Darüber hinaus soll ein Beitrag zu
einem familienbewussteren Management des gesamten Bundeswehrpersonals
geleistet werden. Durch die Umsetzung zahlreicher Maßnahmen zur Verbesserung
der Vereinbarkeit von Familie und Beruf/Dienst wird das Ziel verfolgt, die
Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten zu erhöhen. Ziel der Auditierung ist es
darüber hinaus, das BAPersBw als wertschätzenden Arbeitgeber zu präsentieren, um
so angesichts der Herausforderung des demografischen Wandels auch zukünftig
qualifizierte Beschäftige zu gewinnen.
13. An welchen „Lokalen Bündnissen für Familie“ nimmt die Bundeswehr
derzeit teil, und welche Aufgaben nimmt die Bundeswehr in diesen Bündnissen
wahr (bitte nach Ort, Personalumfang, Aufgaben und inhaltlichen
Schwerpunkten des Engagements aufschlüsseln)?
Die Bundeswehr engagiert sich nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit in
17 Lokalen Bündnissen für Familie. Details zum eingesetzten Personalumfang
sowie der konkreten Aufgabenverteilung im Lokalen Bündnis werden nicht
erhoben und liegen daher nicht vor.
Bündnisprojekte mit Bundeswehrbeteiligung liegen schwerpunktmäßig im
Bereich der Verbesserung der Transparenz bestehender Angebote, die Familien bei
der Vereinbarkeit von Familie und Beruf/Dienst am jeweiligen Standort
unterstützen können und der Verbesserung des Zugangs zu diesen Angeboten.
Lokale Bündnisse für Familie, an denen die Bundeswehr beteiligt ist:
1. Ahlen, Ahlener Bündnis für Familie
2. Bad Frankenhausen, FFB – Frankenhäuser Familien Band
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 9 – Drucksache 18/7334
3. Donau-Ries (Kreis), Lokales Bündnis für Familie im Landkreis Donau-
Ries
4. Günzburg (Kreis), Lokales Bündnis für Familie Landkreis Günzburg
Güstrow, Lokales Bündnis für Familie
5. Höxter, Bündnis für Familie und Generationen
6. Kaufbeuren, Lokales Bündnis für Familie in Kaufbeuren
7. Koblenz, Koblenzer Bündnis für Familie
8. Köln, Kölner Bündnis für Familien
9. Kümmersbruck, Lokales Bündnis für Familie Kümmersbruck
10. Neubrandenburg, Stark durch Familie
11. Rheine, Familienbeirat
12. Schleswig-Flensburg (Kreis), Bündnis für Familie in der Region
Schleswig-Flensburg
13. Speyer, Runder Tisch zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf
14. Stendal (Kreis), Lokales Bündnis für Familie
15. Uecker-Randow (Kreis), Lokales Bündnis für Familie
16. Uetersen, Lokales Bündnis für Familie Uetersen.
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ISSN 0722-8333]