[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 20. Juni 2016 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/8868
18. Wahlperiode 22.06.2016
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Eva Bulling-Schröter, Caren Lay,
Wolfgang Gehrcke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/8224 –
Klimawandel und Migration im Nahen Osten und in Nordafrika (MENA-Region)
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die MENA-Region gilt als einer der globalen Brennpunkte klimabedingter
Veränderungen (Sicherheitsrisiko Klimawandel, Beirat der Bundesregierung
Globale Umweltveränderungen, 2007). Klimawandel, Migration und Sicherheit
werden heute zunehmend zusammen betrachtet. Laut Vereinten Nationen findet
sich in fast jedem Dringlichkeitsappell zu humanitären Hilfeleistungen ein
direkter Bezug zum Klima. Die Europäische Kommission versteht den
Klimawandel als „Bedrohungsmultiplikator“, der „bestehende Tendenzen, Spannungen
und Instabilität noch verschlimmert“ (Klimawandel und internationale
Sicherheit, 2007). Andere Stimmen warnen vor einer Militarisierung des
Klimawandels und seiner Folgen (vgl.
www.theguardian.com/commentisfree/2015/nov/
29/climate-change-syria-civil-war-prince-charles vom 29. November 2015).
Die MENA-Region erstreckt sich südlich des Mittelmeeres von Marokko bis
Ägypten nach Sudan, Somalia und Dschibuti, östlich des Mittelmeeres vom
Jemen über die Länder der arabischen Halbinsel bis nach Syrien, die Türkei und
den Irak. In der direkten Nachbarregion der Europäischen Union leben circa
380 Millionen Menschen, rund 6 Prozent der Weltbevölkerung. In Ländern wie
Syrien, Irak, Libyen, Jemen, Somalia und Sudan gibt es bewaffnete Konflikte
mit vielen Akteuren. Das hohe Bevölkerungswachstum, Armut und
Ungleichheit, Landflucht, Ressourcenknappheit (Wasser, Ackerland, Nahrungsmittel),
eine Arbeitslosigkeit von durchschnittlich 12 Prozent und schwache
Konjunkturdaten, sowie geo- und wirtschaftspolitisch motivierte Einflussnahme (Öl,
Pipelines, Handelsrouten) auf die Innen- und Außenpolitik der Staaten durch
globale Großmächte und regionale Hegemone und religiöse, ethnische und
stammesbezogene Konflikte stellen für die postkolonialen Gesellschaften eine
anhaltend große Belastung dar.
Der Klimawandel wird in der MENA-Region, die als eine der konfliktreichsten
Weltregionen gilt (vgl. Institute for Economics and Peace, 2013), vielfach als
Verstärker oder sogar Auslöser für die Eskalation von Konflikten identifiziert.
In den institutionell oft schwachen MENA-Staaten, in denen die Landmasse im
Schnitt zu 95 Prozent aus Wüste besteht, die Sonnenintensität sehr stark und die
Klimaabhängigkeit wegen kleiner Regenquoten und geringer Trinkwasservor-
Deutscher Bundestag Drucksache 18/8868
18. Wahlperiode 22.06.2016
räte besonders hoch ist (Arab Water Council 2015), verursachen die sich
verändernden Umweltbedingungen besonders gravierende Auswirkungen, während
die Industrienationen mit der größten Verantwortung für den
menschengemachten Klimawandel über ausreichend Mittel und Infrastruktur verfügen, um
negative Klimawandelfolgen abzufedern. Die jüngsten Migrationsbewegungen
zeigen, dass die Europäische Union und Deutschland, wie selten zuvor, Ziel von
Migration sind von Menschen, die aus vom Klimawandel besonders stark
betroffenen Weltteilen stammen.
Im Koalitionsvertrag der die Bundesregierung stellenden Parteien CDU, CSU
und SPD wird der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Migration
genannt. Hervorgehoben wird Deutschlands Mitverantwortung für die Entstehung
und Bewältigung aktueller Krisen: „Globale Ungleichgewichte, Klimawandel
und der Verbrauch knapper Ressourcen erfordern ein neues, nachhaltiges
Wohlstandsmodell“ (Deutschlands Zukunft gestalten, 2013, S. 7). Um
Klimawandelfolgen besser zu verstehen, werde Klimaforschung gestärkt „mit den
Schwerpunkten Klimamodellierung und regionale Klimafolgenabschätzung“, die ein
Verständnis für „Chancen und Risiken sowie zu Handlungsoptionen“
ermöglichen soll (ebd., S. 25). Im Bereich der internationalen Zusammenarbeit werde
der „Fokus auf den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, wie auf
Maßnahmen des Klimaschutzes einschließlich einer effizienten und erneuerbaren
Energieversorgung, des Schutzes der Wälder und der biologischen Vielfalt“ gelegt,
besonders Entwicklungsländer müssten „bei der Anpassung an den
Klimawandel und dessen Folgen unterstützt werden.“ Auch kündigten die
Regierungsparteien an, sich für die „Entwicklung internationaler Instrumente bei dem
zunehmend wichtigen Thema der Klimaflüchtlinge [zu] engagieren“ (ebd., S. 125).
1. Sieht die Bundesregierung direkte oder mittelbare Zusammenhänge
zwischen Klimawandel und Migration aus den Ländern der MENA-Region?
Wenn ja, welche?
2. Sind der Bundesregierung Zusammenhänge zwischen Armut und
Klimawandel in der MENA-Region bekannt?
Wenn ja, welche?
3. Sind der Bundesregierung Zusammenhänge zwischen sozialer Ungleichheit
und Klimawandel in der MENA-Region bekannt?
Wenn ja, welche?
Die Fragen 1 bis 3 werden zusammen beantwortet.
Der Bundesregierung ist der mögliche Zusammenhang zwischen den Folgen des
Klimawandels und Migration, Armut und oft daraus resultierender sozialer
Ungleichheit bekannt. Der Nachweis eines direkten kausalen Zusammenhangs
zwischen den Folgen des Klimawandels und sozialer Ungleichheit in der MENA-
Region ist allerdings in der Regel schwer zu erbringen. Vielmehr können klima-
und wetterbedingte Faktoren als ein Verstärker bestehender sozioökonomischer
und politisch-institutioneller Probleme wie Urbanisierungsdruck, hoher
Arbeitslosigkeit oder Versorgungsproblemen durch überlastete Infrastrukturen wirken.
r cksac e 18/8868 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
4. Berücksichtigt die Bundesregierung den Zusammenhang zwischen
Klimawandel und Migration aus der MENA-Region in die Europäische Union und
nach Deutschland in ihren mittel- und langfristigen Prognosen zu
Migrations- und Fluchtbewegungen?
Wenn ja, inwiefern, und auf Grundlage welcher Erkenntnisse?
Wenn nein, warum nicht, und gedenkt sie dies künftig zu tun?
Die Bundesregierung berücksichtigt alle ihr bekannten und für das
Wanderungsgeschehen maßgeblichen Faktoren. Prognosen zur Zuwanderung aus der MENA-
Region hat die Bundesregierung bislang nicht vorgenommen.
5. Welche Rolle spielen klimawandelbedingte Migrations- und Fluchtfaktoren
bei der Bestimmung sicherer Herkunftsländer gemäß des gesetzlichen
Ermessenspielraums durch die Bundesregierung vor dem Hintergrund, dass der
globale Klimawandel die Verwirklichung der Menschenrechte gefährdet und
dies insbesondere für diejenigen Bevölkerungsgruppen gilt, deren Rechte
und deren Existenz ohnehin besonders bedroht sind, und wenn sie keine
Rolle spielen, warum nicht?
Sind diesbezüglich gesetzliche Neuerungen geplant?
Die Bestimmung eines Staates als sicherer Herkunftsstaat erfolgt gemäß
Artikel 16a Absatz 3 des Grundgesetzes (GG), und den Anforderungen des Artikels
37 der Richtlinie 2013/32/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung
des internationalen Schutzes und den Anforderungen nach der Rechtsprechung
des Bundesverfassungsgerichts (Urteil vom 14. Mai 1996, 2 BvR 1507/93 und 2
BvR 1508/93). Sie setzt voraus, dass in dem betroffenen Staat auf Grund der
Rechtslage, der Rechtsanwendung und der allgemeinen politischen Verhältnisse
gewährleistet ist, dass dort weder politische Verfolgung noch unmenschliche oder
erniedrigende Bestrafung oder Behandlung stattfindet oder keine Bedrohungslage
infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder
innerstaatlichen Konflikts zu befürchten ist. Die Entscheidung erfolgt anhand verschiedener
Informationsquellen, deren Gesamtschau ein hinreichend sicheres Bild über diese
Verhältnisse in dem betreffenden Staat ergeben muss.
Sowohl bei der Prognoseentscheidung über die weitere Entwicklung in dem
betreffenden Staat als auch hinsichtlich der Frage, inwiefern und in welchem
Verhältnis die erhobenen Tatsachen zu gewichten sind, insbesondere für die in
Artikel 16a Absatz 3 Satz 1 GG, genannten Kriterien zueinander, kommt dem
Gesetzgeber ein Einschätzungs- und Wertungsspielraum zu. Dieser bezieht sich auf
Faktoren, die die Rechtslage, Rechtsanwendung oder die allgemeinen politischen,
aber auch die tatsächlichen Verhältnisse betreffen. Vor diesem Hintergrund
können durch den Klimawandel hervorgerufene tatsächliche Veränderungen
berücksichtigt werden.
Gesetzliche Neuerungen in dieser Richtung sind derzeit nicht geplant.
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 3 – Drucksache 18/8868
6. Welche Rolle spielen klimawandelbedingte Migrations- und Fluchtfaktoren
bei der Einzelfallprüfung von Asylbegehren vor dem Hintergrund, dass der
globale Klimawandel die Verwirklichung der Menschenrechte gefährdet und
dies insbesondere für diejenigen Bevölkerungsgruppen gilt, deren Rechte
und deren Existenz ohnehin besonders bedroht sind, und wenn sie keine
Rolle spielen, warum nicht?
Sind diesbezüglich gesetzliche Neuerungen geplant?
7. Befragt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Antragstellerinnen
und Antragsteller auf Asyl zu umwelt- und klimabezogenen Migrations- und
Fluchtgründen?
Wenn nein, warum nicht, und gedenkt es dies künftig zu tun?
Die Fragen 6 und 7 werden zusammen beantwortet.
Bei der Einzelfallprüfung von Asylbegehren kommt es für die Gewährung von
Flüchtlingsschutz gemäß § 3 des Asylgesetzes (AsylG) darauf an, ob der
Antragsteller Fluchtgründe nach der Genfer Flüchtlingskonvention geltend machen
kann. Dazu gehört Verfolgung aufgrund der Rasse, Religion, Nationalität,
politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe.
Das Konzept der Verfolgung nach § 3 AsylG setzt dabei eine Handlung eines
Verfolgungsakteurs (vergleiche § 3c AsylG) voraus. Umwelt- und klimabedingte
Faktoren als solche begründen keine Verfolgung.
Für die Gewährung von subsidiärem Schutz gemäß § 4 AsylG kommt es darauf
an, ob dem Antragsteller in seinem Herkunftsland ein ernsthafter Schaden droht.
Als ernsthafter Schaden gilt die Verhängung oder Vollstreckung der Todesstrafe,
Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung oder
eine ernsthafte individuelle Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit einer
Zivilperson infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder
innerstaatlichen bewaffneten Konflikts. Umwelt- und klimabedingte Faktoren an
sich reichen danach nicht für die Annahme aus, dass ein ernsthafter Schaden im
Sinne des § 4 Absatz 1 AsylG, wie er für die Gewährung von subsidiärem Schutz
erforderlich wäre, droht. Zudem muss auch hier die Gefahrenlage einem Akteur
zurechenbar sind (§ 4 Absatz 3 Satz 1 in Verbindung mit § 3c AsylG).
In bestimmten Fällen können umwelt- und klimabezogene Umstände zu einem
Abschiebungsverbot führen. In welchen Fällen ein Abschiebungsverbot im Sinne
des § 60 Absatz 5 des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG) in Verbindung mit
Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention aufgrund der humanitären
Zustände besteht, hängt maßgeblich von den Umständen im Einzelfall ab. Nach
der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte kommt
ein Abschiebungsverbot in den Fällen, in denen die humanitäre Notlage in engem
Zusammenhang mit der Armut eines Staates oder einem Ressourcenmangel steht,
nur in Betracht, wenn „zwingende Gründe“ gegen die Abschiebung sprechen.
Im Fall durch umwelt- und klimabezogene Umstände entstehender Gefahren
kommt ferner ein Abschiebungsverbot im Sinne des § 60 Absatz 7 AufenthG in
Betracht. Da es sich dabei typischerweise um allgemeine Gefahren im Sinne des
§ 60 Absatz 7 Satz 5 AufenthG handelt, sind sie regelmäßig nur bei der
vorübergehenden Aussetzung der Abschiebung nach § 60a Absatz 1 AufenthG zu
berücksichtigen. Sie können aber dann zu einem Abschiebungsverbot führen, wenn
eine so genannte Extremgefahr vorliegt. Weiter ist notwendig, dass der
Antragsteller sich der Gefahr nicht durch ein Ausweichen in sichere Gebiete seines
Herkunftslandes entziehen kann. Dies ist regelmäßig nur der Fall, wenn die
Gefahrenlage landesweit besteht.
r cksac e 18/8868 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Entscheidungsrelevant sind nach der derzeitigen Rechtslage demnach nur
landesweit extreme allgemeine Gefahrenlagen aufgrund von Umwelteinflüssen (zum
Beispiel Flutkatastrophen ohne Ausweichmöglichkeit). Da es sich dabei um
offenkundige Tatsachen handelt, sind diese ohne eine weitere Befragung der
Antragsteller zu berücksichtigen.
Die Bundesregierung plant insoweit keine Gesetzesänderungen.
8. Wie definiert und misst die Bundesregierung den vom Bundesamt für
Migration und Flüchtlinge in seinen kurzfristigen Prognoseschreiben
verwendeten Begriff „Migrationsdruck“ (
www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/
Downloads/Infothek/DasBAMF/2015-08-20-prognoseschreiben-asylantraege.
pdf;jsessionid=1A51084C65615085A203F227266003A8.1_cid294?__blob=
publicationFile), und beeinhaltet dieser eine umwelt- bzw. klimabezogene
Komponente?
Wenn nein, warum nicht, und gedenkt sie dies künftig zu tun?
Der Begriff „Migrationsdruck“ beschreibt in dem zitierten Prognoseschreiben
vom 20. August 2015 den zu diesem Zeitpunkt erkennbar anhaltend hohen Zuzug
von Asylsuchenden aus Westbalkanstaaten nach Deutschland und insbesondere
den sprunghaften Anstieg Asylsuchender aus Albanien. Eine umwelt- oder
klimabezogene Komponente ist – vor allem mit Blick auf die Westbalkanländer –
hier nicht maßgeblich.
Sofern zukünftig der Zuzug von Migranten durch umwelt- oder klimabezogene
Faktoren erkennbar beeinflusst werden sollte, würden auch diese in ein
Prognoseschreiben in geeigneter Form einbezogen.
9. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in der Europäischen Union und
Deutschland eine amtliche Definition von „Umwelt- oder Klimaflüchtling“
in Anlehnung an das Umweltbüro der Vereinten Nationen (UNEP), das
Personen als Umweltflüchtlinge bezeichnet, „die gezwungen wurden, ihre
traditionelle Umgebung vorübergehend oder dauerhaft zu verlassen, da
Umweltschäden (seien diese natürlicher Art oder durch den Menschen
ausgelöst) ihre Existenz in Gefahr brachten und/oder ihre Lebensqualität
schwerwiegend beeinträchtigten“ (UNEP, 1995, Environmental Refugees)?
Nach Kenntnis der Bundesregierung gibt es bisher keine amtliche Definition des
Begriffs „Umwelt- oder Klimaflüchtling“ in der EU und Deutschland.
10. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl von Migrantinnen
und Migranten aus der MENA-Region in Deutschland und der Europäischen
Union seit dem Jahr 2007 (bitte nach Herkunftsland, Alterskohorten,
Geschlecht, Aufenthaltsstatus, Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent
sowie Anteil an der Gesamtmigration auflisten)?
Die Zahlen für Zu- und Fortzüge seit 2007 sind in Tabellenform in den Anlagen 1
und 2* für die MENA-Region insgesamt und für die einzelnen Herkunfts- und
Zielländer der MENA-Region bis 2014 dargestellt. Entsprechende Daten des
Statistischen Bundesamtes für 2015 liegen der Bundesregierung noch nicht vor.
Aussagen zum Aufenthaltsstatus lassen sich auf Basis der Wanderungsstatistik
des Statistischen Bundesamts nicht treffen. Hierfür wird auf Daten des Auslän-
* Von einer Drucklegung der Anlagen wird abgesehen. Diese sind auf Bundestagsdrucksache 18/8868 auf der Internetseite des Deutschen
Bundestages abrufbar.
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 5 – Drucksache 18/8868
derzentralregisters (AZR) zurückgegriffen, die – abweichend von den
Wanderungszahlen – die Bestandszahlen aller sich in Deutschland aufhaltenden
Personen aus der MENA-Region zum jeweiligen Stichtag wiedergeben. Die
nachfolgende Tabelle stellt die Zahl der sich in Deutschland aufhaltenden Ausländer mit
Staatsangehörigkeiten der MENA-Region* nach aufenthaltsrechtlichem Status
und Stichtagen dar.
Stichtag Aufenthalts-gestattung Duldung
EU-
Aufenthaltsrechte
Aufenthaltserlaubnis
Niederlassungserlaubnis
Sonstiges/
Befreiungen** Summe
31.12.2011 18.102 30.990 8.586 438.019 815.971 679.373 1.991.041
31.12.2012 23.075 26.999 9.427 438.974 1.005.950 477.643 1.982.068
31.12.2013 35.868 27.651 9.013 434.895 1.127.654 363.108 1.998.189
31.12.2014 59.206 30.355 10.640 448.747 1.224.810 293.679 2.067.437
31.12.2015 147.177 40.120 12.219 514.655 1.283.791 391.647 2.389.609
*… ohne Malta und Zypern
** …inkl. "alte" Aufenthaltstitel nach AuslG
Quelle: Ausländerzentralregister
11. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung das sog. Braindrain
(Abwanderung hochqualifizierter Staatsbürgerinnen und Staatsbürger als
Verlust der betroffenen Volkswirtschaft) aus der MENA-Region in die
Europäische Union und nach Deutschland?
Wie misst die Bundesregierung dieses?
Wie bewertet die Bundesregierung die Abwanderung vor dem Hintergrund
entwicklungspolitischer Aspekte?
Welche Programme der Bundesregierung gibt es, um einem Fortschreiten
bestehender Bildungsungleichheiten zwischen der Europäischen Union und
Deutschland gegenüber der MENA-Region entgegenzuwirken?
Die meisten Analysen zum Thema Abwanderung von Akademikern und
Facharbeitern aus der MENA-Region stammen aus der Zeit vor dem arabischen
Frühling. Für die 1990er- und 2000er-Jahre waren demnach vor allem Iran, Marokko,
Algerien, der Libanon und Tunesien von der Abwanderung gut ausgebildeter
Fachkräfte betroffen. Da die Messung von wirtschaftlichen oder sozialen und
politischen Effekten von Abwanderungsprozessen schwierig und wissenschaftlich
umstritten und darüber hinaus die Datenlage für die MENA-Region über die
letzten fünf Jahre ungenügend ist, nimmt die Bundesregierung keine Messung von
Braindrain-Effekten vor.
Die Bundesregierung setzt sich im Rahmen ihrer Entwicklungspolitik dafür ein,
negative Effekte von Migration für die Herkunftsländer abzumildern, positive
Effekte zu fördern und Bleibeperspektiven vor Ort zu schaffen. Bildung und
Beschäftigung stellen dabei zwei Schlüsselbereiche vor allem für junge Menschen
in der Region dar und werden in den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas
substantiell gefördert. Die Bundesregierung unterstützt Partnerländer in der
MENA-Region unter anderem dabei, die Berufs- und Hochschulausbildung
praxis- und arbeitsmarktorientierter zu gestalten – etwa durch
Hochschulkooperationsprogramme des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD)
zwischen deutschen Universitäten und Hochschulen in den Partnerländern oder über
r cksac e 18/8868 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
Praxispartnerschaften zwischen Hochschulen oder Berufsfachschulen und
Unternehmen in Deutschland und in den Partnerländern. Ziel ist eine bessere
Zusammenarbeit von Wirtschaft und Hochschulen und Berufsfachschulen, um die
Integration von Absolventen in den lokalen Arbeitsmarkt zu erhöhen. Zudem
unterstützt die Bundesregierung die Einrichtung des Panafrikanischen Instituts für
Wasser, erneuerbare Energie und Klimaschutz (PAUWES) in Algerien, den
Aufbau von fünf bikulturellen Masterstudiengängen in der MENA-Region als
Kooperationen zwischen jeweils einer deutschen und einer arabischen Hochschule
sowie die akademische Ausbildung von Studierenden aus MENA-Ländern in
ihrer Heimatregion durch Vorort-Stipendienprogramme des DAAD. Die
Sonderinitiative „Stabilisierung und Entwicklung Nordafrika/Naher Osten“ des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
verstärkt das bilaterale Engagement im Bereich Beschäftigungsförderung in der
ganzen Region.
12. Sind der Bundesregierung wissenschaftliche Studien bekannt, denen zufolge
der Klimawandel und seine Folgen (Dürren, Ernteausfälle,
Nahrungsmittelknappheit) mit zum Ausbruch von Anti-Regierungsprotesten („Arabischer
Frühling“) in der MENA-Region geführt haben?
Welche sind das, und wie bewertet sie diese?
Der Bundesregierung sind keine Studien bekannt, die eine wissenschaftlich
belastbare, direkte Verbindung zwischen den Folgen des Klimawandels und den
Anti-Regierungsprotesten („Arabischer Frühling“) herstellen. Sie betrachtet die
wissenschaftliche Diskussion zur Frage, ob die negativen Effekte des
Klimawandels sich auf die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und deren Preise auswirkten
und somit die Proteste beeinflussten oder ob die Verknappung der Nahrungsmittel
und die damit einhergehende Steigerung der Lebensmittelpreise nur als ein
Einflussfaktor unter vielen gesehen wird, als noch nicht abgeschlossen.
13. Sind der Bundesregierung wissenschaftliche Studien bekannt, denen zufolge
der Klimawandel und seine Folgen (Dürren, Ernteausfälle,
Nahrungsmittelknappheit) mit zum Ausbruch der Anti-Regierungsproteste in Syrien und
damit zum Ausbruch des Bürgerkrieges geführt haben?
Welche sind das, und wie bewertet sie diese?
Der Bundesregierung sind keine Studien bekannt, die eine wissenschaftlich
belastbare, direkte Verbindung zwischen den Folgen des Klimawandels und den
Anti-Regierungsprotesten in Syrien und damit zum Ausbruch des Bürgerkrieges
herstellen. Die Studie „Climate change in the Fertile Crescent and implications of
the recent Syrian drought“ [Kelleya, Colin P., Shahrzad Mohtadib, Mark A.
Canec, Richard Seagerc und Yochanan Kushnirc: „Climate change in the Fertile
Crescent and implications of the recent Syrian drought“, in: Proceedings of the
National Academy of Sciences of the United States of America, 112 (11), März
2015] von Colin P. Kelleya und andere kommt zwar zu dem Schluss, dass es eine
Verbindung zwischen den Folgen des Klimawandels und sozialen Unruhen gebe,
sie betont jedoch auch, dass daraus keine kausale Verknüpfung abgeleitet werden
kann.
Auch Dr. Christiane Fröhlich, Forscherin am Institut für Friedensforschung
und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg, zieht in ihrer Studie
„Climate migrants as protestors? Dispelling misconceptions about global
environmental change in pre-revolutionary Syria“ [Fröhlich, Christiane: „Climate
migrants as protestors? Dispelling misconceptions about global environmental
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 7 – Drucksache 18/8868
change in pre-revolutionary Syria“, in: Contemporary Levant, 1 (1), 2016] den
Schluss, dass man hier nicht von einem Fall direkter Kausalität sprechen
könne, und dass weder die Dürre in Syrien und die ihr folgende Migration
Ursache für die Anti-Regierungsproteste waren, noch „Klimamigrantinnen
und -migranten“ die Proteste initiierten.
Die Bundesregierung schließt aus diesen Studien, dass sich bislang keine
direkte Kausalität zwischen Dürre, Migration und Konfliktausbruch ziehen
lässt.
14. Welche allgemeinen durch den Klimawandel ausgelösten Chancen, Risiken
und Handlungsoptionen (etwa bezogen auf Nahrungsmittelproduktion,
Süßwasserressourcen, Extremwetter) identifiziert die Bundesregierung für die
MENA-Region insgesamt?
Klimaprognosen für die MENA-Region lassen trotz sehr begrenzter regionaler
Datenverfügbarkeit einen Temperaturanstieg über den globalen Durchschnitt
hinaus erwarten sowie Veränderungen bezüglich der – ohnehin kargen – Regenfälle,
wobei die Regenfälle teils zunehmen, teils abnehmen, sich jedenfalls aber in
Zeitpunkt und Intensität verändern. Für den größeren Teil der MENA-Region wird in
Zukunft weniger Regen erwartet. Darüber hinaus muss mit einer Zunahme von
Extremwetterereignissen, unter anderem Sandstürmen und Überschwemmungen,
in Häufigkeit und Intensität gerechnet werden. Des Weiteren ist mit einem
Anstieg des Meeresspiegels zu rechnen, bei dem zusätzliche 0,5 m bis zum Jahr 2100
erwartet werden.
Diese Klimawandelfolgen treffen auf eine ohnehin äußerst wasserarme Region
mit geringer landwirtschaftlich nutzbarer Fläche. Sie erhöhen dort das Risiko des
vermehrten Auftretens von Dürren, eines Rückgangs der Grundwasserreserven,
vermehrter Bodenerosion und Wüstenbildung sowie einer stärkeren Versalzung
von Böden führen. An den Küsten muss mit einer Gefährdung der vorhandenen
Infrastruktur gerechnet werden.
Die Handlungsoptionen sind je nach Land unterschiedlich zu gewichten und
durch seine politische wie wirtschaftliche Lage begrenzt. Grundsätzlich
empfehlenswert sind unter anderem ein sparsamerer Wasserverbrauch und die vermehrte
Speicherung von Regenwasser, die Wiedernutzung von entsprechend
aufbereitetem Brauchwasser, eine Anpassung der Landwirtschaft und ihrer Produkte an die
klimatischen Veränderungen, die Schärfung des Bewusstseins für die Folgen des
Klimawandels, die Stärkung staatlicher und ziviler Strukturen zur Frühwarnung,
zur Analyse der Klimaveränderungen und zur Entwicklung von
Anpassungsstrategien, die Ausrichtung von Infrastrukturplanung und Wohnungsbau am
Kriterium der Klimaresilienz und Verbesserungen im Hochwasser- und Küstenschutz.
15. Welche spezifischen durch den Klimawandel ausgelösten Chancen, Risiken
und Handlungsoptionen identifiziert die Bundesregierung für:
- Syrien
- Türkei
- Jordanien
- Libanon
- Israel
- Palästinensische Gebiete
r cksac e 18/8868 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
- Irak
- Iran
- Ägypten
- Jemen
- Saudi-Arabien
- Katar
- Kuweit
- Bahrain
- Vereinigte Arabische Emirate
- Oman
- Sudan
- Somalia
- Dschibuti
- Marroko
- Tunesien
- Algerien
- Mauretanien
(bitte in Form gesonderter und ausführlicher Klima-Länderberichte im
Anhang anführen)?
Für die Beantwortung dieser Frage wird auf die Anlage 3* verwiesen
(Länderlistung in alphabetischer Reihenfolge).
16. Welche konkreten klimaschutzpolitischen Maßnahmen hat die
Bundesregierung mit der MENA-Region bisher eingeleitet, um Klimawandelfolgen nicht
nur mit kurzfristiger Nothilfe (etwa bei Dürren oder Überschwemmungen),
sondern durch langfristige Planung vorzubeugen (bitte nach Programmen,
Kurzbeschreibung, Land, Jahr, Haushaltstitel sowie Mittelabfluss seit dem
Jahr 2007 auflisten)?
Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesministeriums für
Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) finanziert seit 2008
gezielt Klima- und Biodiversitätsprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern
sowie in den Transformationsstaaten. Die IKI ist ein wichtiger Bestandteil der
deutschen Klimafinanzierung und der Finanzzusagen im Rahmen der
Biodiversitätskonvention. Sie fokussiert, einhergehend mit einer Verbesserung der
Lebensverhältnisse in den Partnerländern, Klimaschutz, Anpassung an die Folgen des
Klimawandels und den Schutz der biologischen Vielfalt.
In der MENA-Region (inklusive Türkei) wurden aus der IKI seit 2008 45
Projekte mit einem Finanzvolumen von etwa 235,9 Mio. Euro bewilligt oder
beauftragt. Zudem befinden sich 16 weitere Projekte mit einem Fördervolumen von
82,5 Mio. Euro in der Bewilligungsphase. Bei den bereits bewilligten Projekten
handelt es sich um 19 bilaterale (Fördervolumen 98,6 Mio. Euro), sieben
regionale (26,2 Mio. Euro) und 19 globale Projekte (111,1 Mio. Euro einschließlich
Länderkomponenten in anderen Regionen). Die bilateralen Projekte in der
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 18/8868 auf der Internetseite des Deutschen
Bundestages abrufbar.
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 9 – Drucksache 18/8868
MENA-Region werden in Marokko, Tunesien, der Türkei, Jordanien und
Algerien umgesetzt.
39 Projekte fokussieren die Minderung von Treibhausgasen, drei Projekte die
Anpassung an den Klimawandel, ein Projekt den Erhalt natürlicher
Kohlenstoffsenken mit dem Schwerpunkt, die Emissionen aus Entwaldung und
Walddegradierung (REDD+) zu reduzieren, sowie zwei Projekte zum Thema Biodiversität/
Schutz der biologischen Vielfalt.
18 bilaterale und regionale Projekte haben ihren inhaltlichen Schwerpunkt in der
Förderung erneuerbarer Energien mit einem Finanzvolumen von etwa 138,2 Mio.
Euro.
Eine Liste der Projekte ist in Anlage 4* enthalten.
Klimaschutzpolitische Maßnahmen sind auch in der
Entwicklungszusammenarbeit des BMZ mit der MENA-Region von großer Bedeutung.
Klimaschutzpolitische Maßnahmen sind in Anlage 5* aufgelistet. Von insgesamt 215 Vorhaben
haben 39 als Hauptziel die Emissionsminderung und 30 gelten der Klimaanpassung.
17 Vorhaben bedienen beide Ziele gleichermaßen. Die internationale
Gebergemeinschaft hat eine eigene Kategorie für Klimaprojekte („Klimakennung“) erst
2010/2011 eingeführt. Demnach werden Klimavorhaben in der
Entwicklungszusammenarbeit erst seit diesem Zeitpunkt gesondert erfasst und können aus der
Vielzahl der entwicklungspolitischen Maßnahmen herausgelöst und gesondert
dargestellt werden. Die Daten hierzu basieren – analog zum Klimabericht der
Bundesregierung – auf den Zusagen der bilateralen staatlichen
Entwicklungszusammenarbeit (Finanzielle Zusammenarbeit (FZ) und Technische
Zusammenarbeit (TZ) im erfassten Zeitraum.
Mehrfachnennungen einzelner Vorhaben stellen Tranchenfinanzierungen über
mehrere Jahre hinweg dar. Sie werden, analog zum Klimabericht, als einzelne
Posten in den jeweiligen Zusagejahren abgebildet.
17. Wie hoch ist der Mittelanteil klimaschutzpolitischer Maßnahmen gegenüber
dem gesamten Mitteleinsatz der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
mit der MENA-Region mit und ohne Berücksichtigung der Förderung des
Ausbaus erneuerbarer Energien (bitte in Prozent und absolut seit dem Jahr
2007 angeben)?
Klimaschutzvorhaben in der Entwicklungspolitischen Zusammenarbeit sind, wie
in der Antwort zu Frage 16 erläutert, erst seit 2010/2011 separat erfasst.
Seit 2010 hat die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Mittel in Höhe von
2 419 979 732 Euro für klimarelevante Maßnahmen in der MENA-Region
eingesetzt. Ohne die Berücksichtigung des Ausbaus erneuerbarer Energien beträgt
diese Zahl 1 000 320 162 Euro. Diese Mittel sind zu einem großen Teil Darlehen.
Der gesamte Mitteleinsatz der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit der
MENA-Region seit 2010 beträgt 4 670 735 335 Euro. Davon entfallen 51,8
Prozent auf klimaschutzpolitische Maßnahmen, einschließlich des Ausbaus
erneuerbarer Energien, der hiervon 30,38 Prozent ausmacht.
* Von einer Drucklegung der Anlagen wird abgesehen. Diese sind auf Bundestagsdrucksache 18/8868 auf der Internetseite des Deutschen
Bundestages abrufbar.
r cksac e 18/8868 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
18. Von welchen klimaschutzpolitischen Maßnahmen der
Klimafolgenanpassung auf EU-Ebene mit der MENA-Region hat die Bundesregierung
Kenntnis, und wie hoch ist der Anteil an den Gesamtmitteln der EU-
Entwicklungszusammenarbeit mit der Region mit und ohne Förderung erneuerbarer
Energien (bitte nach Programmen, Kurzbeschreibung, Land, Jahr, Haushaltstitel,
Mittelabfluss seit dem Jahr 2007 sowie Vergleich in Prozent und absolut
auflisten)?
Die Europäische Union ist vor allem über ihr Instrument für die Europäische
Nachbarschaftspolitik (bis 2013: „European Neighbourhood and Partnership
Instrument“, ENPI, seit 2014: European Neighbourhood Instrument, ENI) in zehn
Ländern ihrer südlichen Nachbarschaft engagiert. Diese Mittel werden in einem
mehrjährigen Finanzrahmen mit dem Ziel der Demokratisierung, Modernisierung
und Stabilisierung in Europas Nachbarschaft eingesetzt und umfassen seit 2007
auch klimarelevante Projekte. Darüber hinaus wird auch das Instrument der
Entwicklungskooperation (Development Cooperation Instrument, DCI) in kleinerem
Umfang für die MENA-Region eingesetzt. Der Bundesregierung liegt jedoch
keine Einzelübersicht aller entsprechenden EU-Klimaprojekte in der Region vor.
19. Welche Stellen in welchen Bundesministerien und Behörden beschäftigen
sich seit dem Jahr 2007 zuständigkeitshalber schwerpunktmäßig mit dem
Zusammenhang von Klimawandel und Migration (bitte nach
Bundesministerium, Anzahl der Personalstellen sowie Mitteleinsatz auflisten)?
Als Querschnittsthema spielt das Thema Klimawandel und Migration in viele
Bereiche der Bundesministerien und Behörden hinein. Es gibt jedoch keine Stellen
in Bundesministerien und Behörden, deren Arbeitsschwerpunkt bei dem
Zusammenhang von Klimawandel und Migration liegt.
20. Welche Studien hat die Bundesregierung seit dem Jahr 2007 zur Erforschung
des Zusammenhangs von Klimawandel und Migration in Auftrag gegeben?
Welche plant sie in Auftrag zu geben (bitte Nennung der beauftragen
Forschungsinstitute, Studientitel, Jahr sowie Mitteleinsatz)?
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat 2010 bis 2013
das Verbundvorhaben „Klimawandel, Umweltveränderungen und Migration:
Sozial-ökologische Bedingungen von Bevölkerungsbewegungen am Beispiel der
Sahelländer Mali und Senegal“ mit Finanzmitteln in Höhe von 880 000 Euro
gefördert. Zuwendungsempfänger waren das Institut für sozial-ökologische
Forschung (ISOE) und das Geographische Institut der Universität Bayreuth. Das
Vorhaben hat keinen direkten Bezug zur MENA-Region, die Ergebnisse sind aber
auf die ganze Sahelzone übertragbar.
Darüber hinaus hat das BMBF das Projekt „Climates of Migration. Klimawandel
und Umweltmigration in historischer Perspektive“ von 2010 bis 2013 mit
1,06 Mio. Euro gefördert, das vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und
der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführt wurde. Es bestand
kein direkter Bezug zur MENA-Region.
Im Rahmen des Umweltforschungsplans des BMUB hat das Umweltbundesamt
2008 bis 2009 das Vorhaben „Entwicklung von Vorschlägen zur Rechtsstellung
und rechtlichen Behandlung von Umweltflüchtlingen“ mit Finanzmitteln in Höhe
von 45 000 Euro gefördert. Forschungsnehmer war das Ludwig Boltzmann
Institut für Menschenrechte (Wien) und die Universität Wien,
Rechtswissenschaftliche Fakultät, Abteilung Völkerrecht und Internationale Beziehungen. Das Projekt
hat keine besondere Fokussierung auf die MENA-Region.
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 11 – Drucksache 18/8868
Ab Juli 2016 bis Juni 2021 wird das BMBF das Projekt „Nachwuchsgruppe
MigSoko – kausaler Zusammenhang zwischen Umweltwandel,
Bevölkerungsdruck, Migration und den ökologischen Konsequenzen von Migration in
Trockengebieten und humiden Tropen innerhalb eines globalen Kontextes“ am
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH (UFZ) mit 720 000 Euro
fördern. Die Fallstudien im Projekt beziehen sich auf Äthiopien und Indonesien.
Allerdings ist die Übertragbarkeit auf andere Gebiete (globale Trockengebiete und
humide Tropen) Projektziel, weshalb diese Erkenntnisse auch für die MENA-
Region von Interesse sein werden.
Für den Umweltforschungsplan des BMUB für das Jahr 2017 wird derzeit die
Einbeziehung eines Vorhabens mit dem Arbeitstitel „Sachstand der Diskussion
und Daten zur Migration und Flucht aus Gründen der Umweltzerstörung und des
Klimawandels“ überlegt. Der Finanzrahmen hierfür steht noch nicht endgültig
fest. Das Projekt hat jedoch keine besondere Fokussierung auf die MENA-
Region.
21. Inwiefern hat der Klimawandel für die Bundesregierung
sicherheitspolitische Relevanz?
In welchen Politiken und konkreten Maßnahmen kommt diese Relevanz zum
Ausdruck, und welche künftigen Vorhaben sind geplant, insbesondere mit
Hinblick auf die MENA-Region?
Der Klimawandel besitzt nach Überzeugung der Bundesregierung außen- und
sicherheitspolitische Relevanz, da seine schleichenden Auswirkungen zu
regionalen Destabilisierungen mit globalen Effekten führen können. Konkurrenz um
knappe Wasservorräte, Nahrungsmittelverknappung sowie
Meeresspiegelanstieg, Territorialverluste und Migrationsdruck bergen Konfliktpotenzial über
nationale Grenzen hinaus. Hinzu kommen grenzüberschreitende Folgen von
Extremwetterereignissen (Stürme, Dürren, Fluten), deren Zahl und Intensität durch
den Klimawandel zunehmen wird, sowie das Auftreten tropischer Krankheiten in
gemäßigten Klimazonen. Zugleich wirkt Klimawandel als ein
Risikomultiplikator für schon bestehende Konflikte, vor allem um Ressourcen.
Mit ihrer Klimapolitik will die Bundesregierung dem Klimawandel national wie
international entgegenwirken und vulnerable Staaten in geographischen Zonen
wie der MENA-Region darin unterstützen, ihre Resilienz gegen unvermeidbare
Folgen des Klimawandels zu stärken. Diese Ziele unterstreicht die
Bundesregierung bei der Umsetzung des Pariser Klimaübereinkommens sowie mit der
angekündigten Verdoppelung der öffentlichen deutschen Klimafinanzierung für
Entwicklungsländer zwischen 2014 und 2020, wovon auch die MENA-Region
profitieren soll. Speziell im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik hat die
Bundesregierung das Thema in den G7-Kreis der Außenministerien eingebracht und
2015/2016 eine entsprechende G7-Arbeitsgruppe zu Klima und Fragilität geleitet,
die sich mit der Rolle der Außenpolitik im Umgang mit Klimawandelfolgen in
fragilen Staaten beschäftigt und ihre Arbeit unter japanischem Vorsitz in
2016/2017 fortsetzen wird. Spezifische, sicherheitspolitisch ausgerichtete Klima-
Vorhaben für die MENA-Region als Ganzes sind aufgrund der sehr
unterschiedlichen Voraussetzungen in den einzelnen MENA-Staaten nicht vorgesehen, wohl
aber eine Fortsetzung der entwicklungspolitischen Kooperation und Projekten der
Internationalen Klimainitiative mit einzelnen MENA-Staaten.
r cksac e 18/8868 – 12 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
22. Welche Stellen in welchen Bundesministerien und Behörden beschäftigen
sich seit dem Jahr 2007 zuständigkeitshalber schwerpunktmäßig mit dem
Zusammenhang von Klimawandel und Sicherheit (bitte nach Institution,
Anzahl der Personalstellen sowie Mitteleinsatz auflisten)?
Auf die Antwort zu Frage 19 wird verwiesen.
23. Welche Stellen in der Bundeswehr, Bundesgrenzschutz und im
Bundesnachrichtendienst beschäftigen sich seit dem Jahr 2007 zuständigkeitshalber
schwerpunktmäßig mit dem Zusammenhang von Klimawandel und
Sicherheit (bitte nach Institution, Anzahl der Personalstellen sowie Mitteleinsatz
auflisten)?
Es gibt keine Stellen in der Bundeswehr und beim Bundesgrenzschutz, deren
Arbeitsschwerpunkt auf dem Zusammenhang von Klimawandel und Migration
liegt.
Bezüglich des Bundesnachrichtendienstes (BND) sind die erbetenen Auskünfte
einer Beantwortung in offener Form nicht zugänglich. Sie enthalten unter dem
Aspekt des Staatswohls schutzbedürftige Informationen, die im Zusammenhang
mit dem Auftragsprofil der Bundesregierung (VS-Geheim) und den sich daraus
ergebenden nachrichtendienstlichen Aufklärungsaktivitäten stehen. Aus ihrem
Bekanntwerden können Rückschlüsse auf Auftrag, Arbeitsmethoden und
Vorgehensweise des BND im Rahmen der Aufgabenwahrnehmung gezogen werden.
Folge einer offenen Bekanntgabe solcher Informationen wäre eine wesentliche
Schwächung des dem BND zur Verfügung stehenden Aktionsradius. Dies kann
für die Interessen der Bundesrepublik Deutschland schädlich sein. Deshalb sind
die entsprechenden Informationen als Verschlusssache gemäß der VSA mit dem
VS-Grad „VS-Geheim“* eingestuft.
24. Welche Studien hat die Bundesregierung zur Erforschung des
Zusammenhangs von Klimawandel und Sicherheit in der Vergangenheit in Auftrag
gegeben?
Welche plant sie in Auftrag zu geben (bitte die beauftragten
Forschungsinstitute, Studientitel, Jahre und Kosten seit dem Jahr 2007 nennen)?
Seitens des Auswärtigen Amts wurden seit 2007 zwei Studien in Auftrag gegeben
und eine Studie mit anderen Außenministerien der G7-Staaten kofinanziert. Bei
den Auftragsstudien handelt es sich um „Climate Change, Migration, and Conflict
in the Amazon and the Andes“ (2012, Auftragswert 30 000 Euro) und „Climate
Change, Migration, and Nontraditional Security Threats in China“ (2013, 41 000
Euro); Auftragnehmer war für beide Studien das Center for American Progress
(USA). Die kofinanzierte Studie „A New Climate for Peace: Taking Action on
Climate and Fragility Risks“ (2015, deutscher Anteil 200 000 Euro) wurde von
folgenden Institutionen erstellt: adelphi (Deutschland), International Alert
(Großbritannien), European Union Institute for Security Studies (Frankreich) und
Woodrow Wilson International Center for Scholars (USA). Weitere
Auftragsvergaben zu dem Themenkomplex sind derzeit nicht vorgesehen.
Im Rahmen des Umweltforschungsplans des BMUB hat das Umweltbundesamt
von 2008 bis 2009 das Vorhaben „Entwicklung von Ansätzen und Instrumenten
* Das Auswärtige Amt hat die Antwort als „VS – Geheim“ eingestuft.
Die Antwort ist in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort nach Maßgabe der
Geheimschutzordnung eingesehen werden.
Deutscher Bundestag – 18. ahlperiode – 13 – Drucksache 18/8868
sowie Förderung von Prozessen zur Eindämmung der Sicherheitsrisiken des
Klimawandels im Rahmen der Anpassung an den Klimawandel“ von 2010 bis 2013
mit Finanzmitteln in Höhe von 125 425 Euro gefördert. Forschungsnehmer war
adelphi reseach, Berlin. Aktuell fördert das Umweltbundesamt mit einer Laufzeit
von 2016 bis 2018 (gleichfalls im Rahmen des Umweltforschungsplans des
BMUB) das Vorhaben „Orientierungsleitfaden für die konfliktsensitive
Gestaltung von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel“ mit Finanzmitteln in
Höhe von 130 000 Euro. Forschungsnehmer ist auch hier adelphi research.
Durch das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) wurden die Studien
„Geofaktoren und zivile Krisenprävention in Megastädten“ (2009 bis 2011,
Auftragnehmer CSC Deutschland GmbH mit Mitteln in Höhe von 1 006 977 Euro)
sowie „Militärpolitische/-strategische Implikationen des Klimawandels aus
deutscher Sicht" (2010/2011, Auftragnehmer RWTH Aachen mit Mitteln in Höhe von
61 608 Euro) beauftragt. Seitens des BMVg sind derzeit keine weiteren Studien
zum Themenbereich Klimawandel und Sicherheit geplant.
25. Wie definiert die Bundesregierung ein „neues, nachhaltiges
Wohlstandmodell“ im Sinne des Koalitionsvertrages der die Regierung bildenden Parteien
CDU, CSU und SPD?
Bewertet sie das bestehende Wohlstandsmodell daraus abgeleitet als nicht
nachhaltig, und welche konkreten Schritte hat sie zu dessen Überwindung
eingeleitet?
Die Förderung der nachhaltigen Entwicklung ist grundlegendes Ziel und Maßstab
des Handelns der Bundesregierung. Angestrebt wird ein langfristig tragfähiges
Gleichgewicht, in dem die Ziele wirtschaftlicher Erfolg, sozialer Zusammenhalt,
Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und Wahrnehmung internationaler
Verantwortung bestmöglich erreicht werden und dadurch Wohlstand dauerhaft
gesteigert wird.
Die nationale Nachhaltigkeitsstrategie wird derzeit unter breiter Beteiligung der
Öffentlichkeit auf Grundlage des Monitorings zur Zielerreichung und unter
Berücksichtigung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung weiterentwickelt.
Mit den laufenden Arbeiten an der Regierungsstrategie „Gut Leben in
Deutschland – Was uns wichtig ist“ greift die Bundesregierung die Diskussion über
Lebensqualität und Wohlstand auf.
r cksac e 18/8868 – 14 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode
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Anlage 1 zu Frage 10
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Israel
Destatis, F202 23.05.2016
Zu‐ und Fortgezogene Nichtdeutsche Personen über die Bundesgrenze nach Herkunfts‐ bzw. Zielländern
Israel
ins‐
gesamt
Anteil
Frauen
(%)
Ver‐
änderung
zum Vorjahr
(%)
Anteil an Gesamt‐
zuzügen nach DEU
(%) *)
insgesamt Anteil
Frauen
(%)
Ver‐
änderung
zum Vorjahr
(%)
Anteil an Gesamt‐
fortzügen aus
DEU (%) *)
Wanderungs‐
saldo dieses
Herkunfts‐
/Ziellandes
Gesamtwanderungs‐
saldo DEU *)
unter 18 143 46,9 0,3 86 55,8 0,3 57 15 327
18 ‐ 25 402 32,6 0,3 158 32,9 0,2 244 53 105
25 ‐ 50 651 35,2 0,2 463 30,7 0,2 188 42 195
50 ‐ 65 87 32,2 0,2 67 34,3 0,1 20 ‐ 3 566
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zusammen 1 308 35,8 0,2 827 35,3 0,2 481 99 003
unter 18 112 42,9 ‐21,7 0,2 110 48,2 27,9 0,3 2 13 664
18 ‐ 25 460 33,5 14,4 0,3 197 29,4 24,7 0,2 263 42 945
25 ‐ 50 607 38,2 ‐6,8 0,2 616 34,9 33,0 0,2 ‐ 9 ‐ 16 086
50 ‐ 65 66 42,4 ‐24,1 0,1 105 37,1 56,7 0,2 ‐ 39 ‐ 16 179
65 und mehr 23 43,5 ‐8,0 0,2 47 38,3 ‐11,3 0,2 ‐ 24 ‐ 13 659
zusammen 1 268 37,2 ‐3,1 0,2 1 075 35,6 30,0 0,2 193 10 685
unter 18 171 46,8 52,7 0,3 123 46,3 11,8 0,4 48 21 442
18 ‐ 25 553 29,3 20,2 0,4 219 32,4 11,2 0,2 334 48 478
25 ‐ 50 735 37,8 21,1 0,2 745 32,5 20,9 0,2 ‐ 10 ‐ 7 682
50 ‐ 65 86 32,6 30,3 0,2 133 39,1 26,7 0,2 ‐ 47 ‐ 18 164
65 und mehr 33 54,5 43,5 0,3 69 44,9 46,8 0,3 ‐ 36 ‐ 16 568
zusammen 1 578 35,9 24,4 0,3 1 289 35,1 19,9 0,2 289 27 506
unter 18 188 42,0 9,9 0,3 111 58,6 ‐9,8 0,3 77 33 415
18 ‐ 25 581 28,9 5,1 0,4 246 26,0 12,3 0,3 335 65 881
25 ‐ 50 915 37,2 24,5 0,2 807 33,0 8,3 0,3 108 70 842
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65 und mehr 45 44,4 36,4 0,4 70 47,1 1,4 0,3 ‐ 25 ‐ 12 001
zusammen 1 823 35,4 15,5 0,3 1 341 34,4 4,0 0,3 482 153 925
unter 18 157 41,4 ‐16,5 0,2 95 46,3 ‐14,4 0,3 62 46 526
18 ‐ 25 621 32,4 6,9 0,3 287 25,8 16,7 0,3 334 89 901
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65 und mehr 26 34,6 ‐42,2 0,2 75 45,3 7,1 0,4 ‐ 49 ‐ 6 614
zusammen 1 810 34,9 ‐0,7 0,2 1 211 33,8 ‐9,7 0,2 599 302 858
unter 18 187 48,7 19,1 0,2 116 53,4 22,1 0,3 71 65 652
18 ‐ 25 596 37,4 ‐4,0 0,3 287 30,0 0,0 0,3 309 107 291
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zusammen 2 036 39,1 12,5 0,2 1 239 35,5 2,3 0,2 797 387 149
unter 18 223 46,6 19,3 0,2 120 40,0 3,4 0,2 103 86 893
18 ‐ 25 677 36,2 13,6 0,3 343 32,7 19,5 0,3 334 124 360
25 ‐ 50 1 193 37,7 8,9 0,2 794 33,5 15,2 0,2 399 226 669
50 ‐ 65 82 31,7 ‐24,1 0,1 72 29,2 ‐15,3 0,1 10 18 061
65 und mehr 47 44,7 ‐6,0 0,3 54 53,7 ‐12,9 0,3 ‐ 7 ‐ 5 519
zusammen 2 222 38,1 9,1 0,2 1 383 34,4 11,6 0,2 839 450 464
unter 18 228 46,9 2,2 0,1 138 42,0 15,0 0,2 90 131 144
18 ‐ 25 690 35,4 1,9 0,2 286 37,1 ‐16,6 0,2 404 155 040
25 ‐ 50 1 358 39,5 13,8 0,2 860 34,0 8,3 0,2 498 274 888
50 ‐ 65 104 36,5 26,8 0,1 66 39,4 ‐8,3 0,1 38 21 183
65 und mehr 57 42,1 21,3 0,3 61 44,3 13,0 0,3 ‐ 4 ‐ 5 331
zusammen 2 437 38,9 9,7 0,2 1 411 36,1 2,0 0,2 1 026 576 924
*) bezogen auf Nichtdeutsche Personen.
2012
2013
2014
2007
2008
2009
2010
2011
Jahr Zuzüge Fortzüge SaldoAlter der
Wandernden
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5.
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25
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24
20
12
20
13
20
14
20
11
Iran
Destatis, F202 23.05.2016
Zu‐ und Fortgezogene Nichtdeutsche Personen über die Bundesgrenze nach Herkunfts‐ bzw. Zielländern
Iran
insgesamt Anteil
Frauen (%)
Veränderung zum
Vorjahr (%)
Anteil an Gesamt‐
zuzügen nach DEU (%) *)
insgesamt Anteil
Frauen (%)
Veränderung zum
Vorjahr (%)
Anteil an Gesamt‐
fortzügen aus DEU (%) *)
Wanderungssaldo dieses
Herkunfts‐/Ziellandes
Gesamtwanderungs‐
saldo DEU *)
unter 18 290 52,8 0,6 186 44,6 0,6 104 15 327
18 ‐ 25 425 50,1 0,3 159 44,0 0,2 266 53 105
25 ‐ 50 1 621 44,1 0,5 1 280 29,7 0,4 341 42 195
50 ‐ 65 193 46,6 0,4 229 45,0 0,4 ‐ 36 ‐ 3 566
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zusammen 2 632 46,9 0,5 2 007 35,8 0,4 625 99 003
unter 18 314 43,6 8,3 0,6 256 47,3 37,6 0,7 58 13 664
18 ‐ 25 432 45,6 1,6 0,3 220 37,7 38,4 0,2 212 42 945
25 ‐ 50 1 982 42,8 22,3 0,6 1 747 32,2 36,5 0,5 235 ‐ 16 086
50 ‐ 65 227 46,3 17,6 0,5 475 42,3 107,4 0,7 ‐ 248 ‐ 16 179
65 und mehr 131 56,5 27,2 1,4 292 55,5 90,8 1,3 ‐ 161 ‐ 13 659
zusammen 3 086 44,1 17,2 0,5 2 990 37,8 49,0 0,5 96 10 685
unter 18 445 43,1 41,7 0,8 179 50,3 ‐30,1 0,5 266 21 442
18 ‐ 25 532 49,6 23,1 0,4 288 41,0 30,9 0,3 244 48 478
25 ‐ 50 2 376 42,6 19,9 0,7 2 038 36,8 16,7 0,6 338 ‐ 7 682
50 ‐ 65 288 43,4 26,9 0,5 504 41,5 6,1 0,7 ‐ 216 ‐ 18 164
65 und mehr 130 64,6 ‐0,8 1,3 343 60,9 17,5 1,3 ‐ 213 ‐ 16 568
zusammen 3 771 44,5 22,2 0,6 3 352 41,1 12,1 0,6 419 27 506
unter 18 695 45,5 56,2 1,1 190 40,5 6,1 0,6 505 33 415
18 ‐ 25 765 43,9 43,8 0,5 176 33,0 ‐38,9 0,2 589 65 881
25 ‐ 50 3 489 39,6 46,8 0,9 1 528 32,2 ‐25,0 0,5 1 961 70 842
50 ‐ 65 373 41,3 29,5 0,6 483 35,2 ‐4,2 0,8 ‐ 110 ‐ 4 212
65 und mehr 145 52,4 11,5 1,3 292 57,2 ‐14,9 1,3 ‐ 147 ‐ 12 001
zusammen 5 467 41,4 45,0 0,8 2 669 36,1 ‐20,4 0,5 2 798 153 925
unter 18 917 42,3 31,9 1,1 178 53,4 ‐6,3 0,5 739 46 526
18 ‐ 25 968 38,3 26,5 0,5 176 36,4 0,0 0,2 792 89 901
25 ‐ 50 4 489 43,6 28,7 0,9 1 381 35,0 ‐9,6 0,4 3 108 161 447
50 ‐ 65 379 41,7 1,6 0,5 293 32,8 ‐39,3 0,5 86 11 598
65 und mehr 125 52,8 ‐13,8 1,0 138 54,3 ‐52,7 0,7 ‐ 13 ‐ 6 614
zusammen 6 878 42,7 25,8 0,8 2 166 37,6 ‐18,8 0,4 4 712 302 858
unter 18 1 115 43,2 21,6 1,1 197 46,2 10,7 0,5 918 65 652
18 ‐ 25 1 039 40,2 7,3 0,5 227 27,3 29,0 0,2 812 107 291
25 ‐ 50 5 110 44,0 13,8 0,9 1 456 33,7 5,4 0,4 3 654 204 011
50 ‐ 65 443 42,2 16,9 0,5 298 36,9 1,7 0,5 145 16 034
65 und mehr 136 52,2 8,8 1,1 150 54,7 8,7 0,8 ‐ 14 ‐ 5 839
zusammen 7 843 43,4 14,0 0,8 2 328 35,9 7,5 0,4 5 515 387 149
unter 18 1 180 46,6 5,8 0,9 198 47,5 0,5 0,4 982 86 893
18 ‐ 25 877 46,2 ‐15,6 0,3 209 41,1 ‐7,9 0,2 668 124 360
25 ‐ 50 5 030 46,5 ‐1,6 0,8 1 675 36,6 15,0 0,4 3 355 226 669
50 ‐ 65 431 46,6 ‐2,7 0,5 278 34,2 ‐6,7 0,4 153 18 061
65 und mehr 141 62,4 3,7 1,0 125 52,8 ‐16,7 0,6 16 ‐ 5 519
zusammen 7 659 46,8 ‐2,3 0,7 2 485 38,4 6,7 0,4 5 174 450 464
unter 18 1 046 42,7 ‐11,4 0,5 215 54,0 8,6 0,4 831 131 144
18 ‐ 25 820 43,4 ‐6,5 0,3 163 33,7 ‐22,0 0,1 657 155 040
25 ‐ 50 4 454 47,4 ‐11,5 0,6 1 525 38,0 ‐9,0 0,3 2 929 274 888
50 ‐ 65 376 49,2 ‐12,8 0,4 261 33,7 ‐6,1 0,3 115 21 183
65 und mehr 163 57,1 15,6 1,0 167 53,3 33,6 0,8 ‐ 4 ‐ 5 331
zusammen 6 859 46,5 ‐10,4 0,5 2 331 39,8 ‐6,2 0,3 4 528 576 924
*) bezogen auf Nichtdeutsche Personen.
2012
2013
2014
2007
2008
2009
2010
2011
Jahr Zuzüge Fortzüge SaldoAlter der
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Anlage 3 (zu Frage 15)
Ägypten
Wasserintensive Landwirtschaft, starke bestehende Wasserknappheit und dicht besiedelte
Küstengebiete bedingen Ägyptens hohe Anfälligkeit für Klimaveränderungen durch steigende
Durchschnittstemperaturen, unregelmäßigere Niederschläge, vermehrte Extremwetterereignisse
und den Meeresspiegelanstieg.
Bodenversalzung, Desertifikation und zunehmende Wasserknappheit bedrohen den Bestand des
fruchtbaren Ackerlandes. Sinkende Eigenproduktion bei gleichzeitig steigender
Lebensmittelnachfrage durch Bevölkerungszuwachs führen zu steigender Abhängigkeit von
Importen und damit von globalen Nahrungsmittel-Preisschwankungen. Bereits heute ist eine
(nationale) Landflucht zu verzeichnen, die sich indirekt auch aus der klima-induzierten Bedrohung
der Existenzgrundlagen der landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung (etwa 25 Prozent) ergibt.
Mit steigendem Meeresspiegel droht der Verlust von Küstengebieten, was sozial problematische
Umsiedlungen erforderlich machen würde.
Steigende Durchschnittstemperaturen und anhaltende Wetterextreme bedingen gesundheitliche
Risiken wie Hitzestresssymptome und begünstigen die Verbreitung viraler Krankheiten (etwa
Malaria).
95% der Wasserversorgung Ägyptens erfolgen über den Nil, weshalb Ägypten um die
Auswirkungen des im Bau befindlichen Wasserstaudamms "Grand Ethiopian Renaissance Dam" in
Äthiopien fürchtet (sinkender Nilwasserpegel mit fortschreitender Wasser- und odenversalzung).
Das Bewusstsein für Klimafragen und die Vorteile regionaler Klimaschutzkooperation wächst;
Ägypten bemüht sich um eine politische Rolle im internationalen Klimaschutz (VN-Klimagipfel,
Vorsitz der Afrikanischen Umweltministerkonferenz (AMCEN)), bleibt national jedoch weiter auf
externe Unterstützung, Technologietransfer und Expertise angewiesen und ist offen für
Kooperationen. Investitionen und Innovationen im Bereich erneuerbarer Energien,
Energieeffizienz, Wasser und Landwirtschaft können dringend notwendige Arbeitsplätze schaffen;
Unternehmensgründungen im Energie-, Wasser- und Abfallbereich (waste-to-energy) finden statt;
urbane Landwirtschaft wird als individuelle Einnahmequelle genutzt; weiteres Potenzial bieten der
Bau einer neuen Hauptstadt und Ökotourismus.
Klimaschutzrelevant ist auch die Verbesserung von Transparenz und Datenlage, insbesondere in
den Bereichen CO2-Ausstoß und Stromerzeugungskosten, sowie eine Stärkung des
zivilgesellschaftlichen Engagements im Umweltbereich.
2
Algerien
Algerien wird vom Klimawandel vor allem in der Landwirtschaft (etwa 9 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts) und der Wasserversorgung betroffen sein. Ein Anstieg der
Durchschnittstemperaturen und der Extremwetterereignisse wie Dürren, Starkregen und Stürme,
sowie Veränderungen der Niederschlagsperioden führen zum Rückgang des Grundwasserspiegels,
was wiederum einen Rückgang der Ernteerträge zur Folge hat. Küstenabschnitte sind verstärkt von
Erosion bedroht.
Die potenziellen klimabedingten Veränderungen der Lebensverhältnisse erscheinen hinreichend
virulent, zunächst interne, später eventuell auch grenzüberschreitende Migration auszulösen. Die
weitere Zunahme von Hitzephänomenen dürfte den schon bestehenden Drang in die
Ballungsgebiete des Nordens verstärken; auch eine Küstenflucht ist nicht auszuschließen.
Algerien besitzt eine für die Region sehr fortschrittliche Umweltgesetzgebung und fördert mit
verschiedenen Strategien (2013 aktualisierter nationaler Aktionsplan) und Institutionen
(Klimaschutzagentur) Emissionsminderung und Klimaanpassung. Algerien nimmt in der Region
eine bedeutende Vorreiterrolle als politischer und wirtschaftlicher Akteur bei Umweltthemen ein.
Algeriens Programm zu Erneuerbaren Energien sieht bis zum Jahr 2030 einen Anteil von 40
Prozent (fast ausschließlich) Solarstrom vor bei gleichzeitiger Schaffung notwendiger, dezentraler
Versorgungsstrukturen. Algerien betreibt in der Sahara eine der weltgrößten Anlagen zur
unterirdischen CO2-Speicherung.
3
Bahrain
Als kleiner Inselarchipel in einer sehr trockenen Region ist Bahrain durch den Klimawandel vor
allem von steigendem Meeresspiegel, höheren Temperaturen, geringeren Regenfällen und
vermehrten Sandstürmen betroffen.
Bahrain hat kaum natürliche Frischwasservorkommen, weshalb Trinkwasser nahezu vollständig
über Meerwasserentsalzungsanlagen gewonnen wird. Diese Abhängigkeit wird durch
Temperaturanstieg und weiter nachlassende Regenfälle zusätzlich verstärkt.
Ein Anstieg des Meeresspiegels bedingt verstärkte Anstrengungen und höhere Kosten für
Küstenschutz und Landgewinnung; bereits seit 2013 werden mit der Pflanzung von Mangroven
geschädigte Küstengebiete rehabilitiert.
Eine zunehmende Häufigkeit von Sandstürmen infolge des Klimawandels könnte zu vermehrten
Atemwegserkrankungen führen.
Die nationalen fossilen Energiereserven sind im Vergleich zu denen der Nachbarstaaten gering; um
die entsprechende Importabhängigkeit zu überwinden, wird mittelfristig eine Umstellung der
Energieversorgung auf erneuerbare Energien von der Regierung angestrebt. Wie in der gesamten
Region besteht auch in Bahrain erhebliches Potenzial für den Ausbau der Solarenergie
einhergehend mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze.
Bahrains "Economic Vision 2030" verfolgt die Diversifizierung der Wirtschaft und des
Energiesektors zur Verringerung der Abhängigkeit von Öl und Gas (aktuell 22 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts und 90 Prozent der Staatseinnahmen) und zielt auf Investitionen von
Technologien zur Verringerung der CO2-Emissionen, Minimierung der Umweltverschmutzung und
nachhaltigen Energieerzeugung.
Der Verfall des Ölpreises hat bereits zu Maßnahmen im Bereich Energieeffizienz geführt; ein
schrittweiser Subventionsabbau bei Benzin, Strom und Wasser bewirkte eine Senkung des
Verbrauchs. Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz im Bereich der Öl- und
Gasindustrie beinhalten die Rückgewinnung von CO2, die Nachrüstung von Gasturbinen und eine
Modernisierung der Erdölraffinerie. Auch neue Baustandards mit verbesserter Gebäudeisolierung
und strengeren Spezifikationen für Klimaanlagen begünstigen die Steigerung von Energieeffizienz
und damit die Emissionsminderung.
4
Dschibuti
Dschibuti ist ein semi-arides Land ohne eigene Süßwasserreserven. Mit dem Klimawandel geht
bereits jetzt ein Anstieg der Durchschnittstemperaturen und der Temperaturamplitude einher.
Ebenso ist ein Rückgang der Regenfälle in den Monaten April bis Juli und ein starker Anstieg der
Niederschlagsmengen im Januar und Oktober zu verzeichnen. Die größten, mit den Klimawandel
verbundenen Risiken für Dschibuti sind Dürren, Überschwemmungen, die Versalzung des
Grundwassers und der Böden, Epidemien, Küstenerosion, Rückgang der Viehhaltung und der
Ernteerträge sowie die Migration nomadischer Bevölkerungsteile.
Die vom Wetterphänomen El Nino 2011 ausgelöste Dürre hat weite Gebiete im Norden des Landes
ausgetrocknet und den einzigen zusammenhängenden Baumbestand des Landes, den Forêt du Day,
unwiederbringlich zerstört. Eine weitere Dürre in 2015 bewirkte die Zuwanderung von Nomaden
aus den Dürreräumen des benachbarten Äthiopien, was die chronische Überweidung in den
Grenzräumen Dschibutis weiter verschärfte.
Ständige Wasserknappheit und fortschreitende Desertifikation dezimieren das landwirtschaftliche
Potential erheblich; bereits jetzt müssen bis zu 80 Prozent der Nahrungsmittel importiert werden.
Die Wasserversorgung der Hauptstadt Djibouti Ville, in der mehr als 70 Prozent der
Landesbevölkerung wohnen, erfolgt fast ausschließlich durch Brackwasser mit der Folge weit
verbreiteter, chronischer Organerkrankungen bei den Bewohnern.
Für ein effizienteres Wassermanagement in der Stadt und in der Landwirtschaft werden vermehrt
Auffangmöglichkeiten für Regenwasser oder Aufbereitungsanlagen für Abwasser benötigt.
Um der Wasserknappheit begegnen zu können, wird derzeit eine Wasserleitung gebaut (Kosten 280
Mio. US-Dollar, Kreditfinanzierung aus China), um künftig Wasser aus dem äthiopischen Ogaden-
Gebiet zuzuführen. Die EU hat eine Meerwasserentsalzungsanlage im Wert von über 40 Mio. Euro
als Schenkung zugesagt; dieses Projekt wird allerdings seit drei Jahren durch Bauplanungen eines
von China finanzierten Hafens am unmittelbar benachbarten Küstenabschnitt aufgehalten.
Geeigneter Küstenschutz, etwa durch den Erhalt und Ausbau von Mangrovenwäldern sowie den
Schutz von Korallenriffen, ist maßgeblich, um die fast 90 Prozent der Bevölkerung, die in den
Küstenregionen lebt, vor Überflutungen und dem steigenden Meerwasserspiegel zu schützen.
5
Irak
Wasserknappheit, Dürren und Hitzeperioden sind im Irak die primären Effekte des Klimawandels.
Aufgrund der Wasserknappheit steigt der Salzgehalt in den Flüssen und damit die
Bodenversalzung, was die südlichen Provinzen besonders trifft, wo die meisten Menschen von der
Landwirtschaft leben. Zahlreiche Staudammprojekte an den türkischen und iranischen Oberläufen
des mesopotamischen Flusssystems erschweren eine Verbesserung des nationalen
Wassermanagements und führen zu politischen Spannungen. Der Rückgang der
Niederschlagsmenge und ein sinkender Grundwasserspiegel führen zur Austrocknung von
Ackerflächen.
Viele Landbesitzer verlieren durch die Klimaänderungen ihre Lebensgrundlage. Landflucht oder
Migration sind die Folge. Zugleich führen die Ertragsverluste zu einem starken Anstieg der Importe
von Obst und Gemüse und damit zu einer Abhängigkeit von globalen Preisentwicklungen für
Nahrungsmittel.
Irak ist verstärkt von Extremwetterereignissen wie übermäßigen Regenfällen und
Überschwemmungen betroffen. Starkregen in den Wintermonaten führte zuletzt 2012 und 2015 zu
Überflutungen in Bagdad und anderen Städten. Überschwemmungen verursachen schwere Schäden
und stellen wegen unzureichender Abwassersysteme auch eine Gesundheitsgefahr dar.
Trotz der bereits spürbaren Folgen des Klimawandels ist das Thema im politischen Raum Iraks
nachrangig. Die multiple politische, Wirtschafts- und Sicherheitskrise bindet im Irak derzeit alle
verfügbaren personellen und finanziellen Kapazitäten auf Seiten der irakischen Behörden wie in
internationalen Organisationen. Entsprechend schwach ist das Umweltbewusstsein auch in der
Bevölkerung ausgeprägt. Auf wissenschaftlicher Seite fehlt es zudem an Klimaexperten, um die
gegenwärtigen und kommenden Risiken des Klimawandels für den Irak zu analysieren und
Gegenstrategien zu entwickeln. Maßnahmen im Zuge des laufenden Stabilisierungs- und
Wiederaufbauprogramms könnten die Förderung dezentraler Energieversorgung und effizienterer
Wassermanagementsystemen, insbesondere in der Landwirtschaft, sein.
6
Iran
Der Klimawandel im Iran zeigt sich vor allem im Temperaturanstieg und dem Rückgang der
Regenfälle. Die Zunahme von Sandstürmen, insbesondere im Südwesten des Landes, sowie
Küstenverlust durch den steigenden Meeresspiegel ist zu erwarten.
Zur Verhinderung von Landflucht wurde in den letzten Jahrzehnten die Landwirtschaft, die 80 bis
90 Prozent des Wasserverbrauchs ausmacht, stark gefördert, jedoch die parallele Einführung
wassersparender Maßnahmen versäumt. Die iranische Regierung subventioniert die Wasserpreise
erheblich, die Nutzung illegaler Brunnen ist bei der Bevölkerung und in der Industrie weit
verbreitet, weshalb das Grundwasser pro Jahr um mehrere Meter absinkt. Zugleich ist ein
Austrocknen von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten zu beobachten (Urumieh-See, zu 90 Prozent
ausgetrocknet, der Fluss Zayendeh Rud in Isfahan, Hamoun-Feuchtgebiete an der Grenze zu
Afghanistan, Sumpfgebiete in der Grenzregion zu Irak). Die schon heute feststellbare
Wüstenbildung im Iran wird sich durch den Klimawandel verstärken, sofern nicht gegengesteuert
wird.
Zusätzlich verschärft der Wassermangel das Risiko von Spannungen in den Beziehungen mit
Staaten, mit denen Iran die Nutzung von Flusswasser teilt; umso mehr, wenn Staudämme
Nachbarstaaten die Regulierung des Wasserzuflusses entsprechend der eigenen Interessen,
(Landwirtschaft, Energieerzeugung) ermöglichen. Mit Irans erhöhtem Energiebedarf steigt auch
das Konfliktpotential in der Auseinandersetzung um die Wassernutzung.
Umweltverschmutzung und Wassermangel sind Irans zentrale Herausforderungen, denen nach
Expertenmeinung mit einer Erhöhung der Wasserpreise, der Einführung von Kontrollen zur
Verhinderung illegaler Brunnen und der Förderung einer wassereffizienteren Landwirtschaft
begegnet werden müsste. Zudem wäre eine Rückführung der hohen Subventionen im Bereich
fossiler Energien (Gas und Benzin) sinnvoll, um einen effizienteren Ressourceneinsatz
voranzutreiben und alternativen Energiequellen eine Marktchance zu eröffnen.
Dem entgegenstehende Hindernisse sind Partikularinteressen einzelner Gruppen, die bisher
mangelnde Bereitstellung staatlicher Gelder und nicht zuletzt Irans Ambition, wieder als
bedeutender Ölexporteur auf dem Weltmarkt aufzutreten.
Gleichwohl bietet der Umweltbereich zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten. Das Interesse Irans
ist vielfältig: Dürreprävention, Wasser- und Abwassermanagement, Wissenschaftsaustausch und
Unterstützung bei grenzüberschreitenden Projekten.
7
Israel
In Israel bedingt der Klimawandel einen Anstieg der Durchschnittstemperaturen, eine Abnahme der
Niederschlagsmengen, verstärktes Auftreten von Extremwetterereignissen sowie einen weiteren
Anstieg des Meeresspiegels.
Wasser ist in Israels semiaridem Klima bereits gegenwärtig eine knappe Ressource, gleichwohl hat
Israel vor allem durch seine intensive Landwirtschaft einen großen Wasserbedarf (einschließlich
der Anbauflächen im durch Israel völkerrechtswidrig besiedelten Jordantal). Bereits bestehende
Konflikte um Wasserressourcen mit Syrien, Libanon und den palästinensischen Gebieten könnten
sich durch den Klimawandel verschärfen.
Die Biodiversität in Israel wird durch das Austrocknen von Feuchtgebieten, die Beschleunigung der
Wüstenbildung und vermehrte Waldbrände bedroht. Allgemein muss mit einem Rückgang der
Aquakulturkapazitäten, geringeren landwirtschaftlichen Erträgen und vermehrten Schäden an der
vorhandenen Infrastruktur, etwa durch häufigere Überschwemmungen, gerechnet werden. Auch
Israel könnte sich einem Migrationsdruck ausgesetzt sehen, wenn Bewohner der Nachbarstaaten
den Klimawandelfolgen ausweichen wollen oder müssen.
Israel ist es bisher gelungen, trotz Wasserknappheit durch hochentwickelte Entsalzungs- und
Wasseraufbereitungstechnologie im eigenen Land und durch die Nutzung von Ressourcen im
Westjordanland seinen hohen Wasserbedarf zu decken. Israel ist Weltmarktführer für
Wassertechnologien und Innovationen (Entsalzung, Bewässerung). Die Anlagen zur
Trinkwasserproduktion und der Wiederauffüllung von natürlichen Wasserressourcen wirken
Effekten des Klimawandels entgegen, sind allerdings sehr energieintensiv. Israel bereitet 75
Prozent des Abwassers zur Wiederverwendung auf, insbesondere in der Landwirtschaft.
Da die nationale Wasserproduktion nunmehr den Eigenbedarf übersteigt, kommt Israel als
Handelspartner für Wasser und Wassertechnologie eine strategisch wichtige Position in der Region
zu, die durch den Klimawandel an Bedeutung zunehmen wird.
Seinem steigenden Energieverbrauch plant Israel mit dem Ausbau erneuerbarer Energien zu
begegnen und will diesen Anteil bis 2030 von bisher knapp 2 Prozent auf 17 Prozent des
Strommixes erhöhen (Hauptträger Solarenergie, in zweiter Linie Windenergie). Weltweit führend
ist Israel bei der fast flächendeckenden Nutzung von Solarenergie zur Warmwasser-Erzeugung in
Haushalten.
Erhebliches Potential bietet energieeffizientes Bauen, wo Israel im internationalen Vergleich noch
zurückliegt.
Auch plant Israel den Ausbau des Hochwasserschutzes und die Einrichtung eines Informations-
und Warnsystems zur Unterrichtung der Öffentlichkeit über bevorstehende Extremwetterlagen.
8
Jemen
In Jemen führt der Klimawandel zu Veränderungen der Regenfälle, einem Anstieg der
Temperaturen, häufigeren und heftigeren Extremwetterereignissen sowie dem Anstieg des
Meeresspiegels.
Da Jemen ein besonders fragiles Land ist, könnten sich die Effekte des Klimawandels weitaus
drastischer auswirken. Bereits jetzt ist die Pro-Kopf-Wasserverfügbarkeit in Jemen weltweit am
niedrigsten, die Wasserspiegel der Grundwasser-Vorkommen fallen um bis zu sieben Meter pro
Jahr. Sanaa gilt als erste Hauptstadt der Welt, die innerhalb der nächsten zehn Jahre ohne
Trinkwasser sein könnte. Selbst in Jahren ohne Extremwetter ist die Nahrungsmittelversorgung
nicht gesichert; aufgrund der innenpolitischen Krise und der folgenden kriegerischen
Auseinandersetzungen haben mittlerweile dauerhaft die Hälfte der knapp 15 Millionen Menschen
keinen ausreichenden Zugang zu Nahrungsmitteln. Die Lebensmittelimportabhängigkeit des
Landes kann bis zu 90 Prozent betragen.
Erwartbar sind im Zuge des Klimawandels in Jemen eine weiter sinkende Wasserverfügbarkeit,
stärkere Stürme und Überschwemmungen, längere Dürreperioden, vermehrte Desertifikation,
Schäden und Verluste an Agrarland, an Obstbaum- und Tierbestand sowie an der Infrastruktur. Der
Meeresspiegelanstieg dürfte Verluste einzelner Küsten- und Feuchtgebiete sowie geringere
Fischereierträge zur Folge haben.
Jemen verfügt nicht über die notwendigen Kapazitäten, dem Klimawandel zu begegnen, weder
nach Eintritt einer Krise noch durch vorsorgliche Maßnahmen. 60 Prozent der Bevölkerung leben
bereits jetzt unter der Armutsgrenze. Das Bewusstsein für Klimawandel und Umweltschutz ist in
Jemen kaum ausgeprägt, Institutionen für das Sammeln und Auswerten von Klimadaten fehlen,
Erfahrungen mit praktischen Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sind rar, die
Umweltgesetzgebung ist schwach.
Extremwetterereignisse haben im Jemen bereits in der Vergangenheit wiederholt zu
Migrationsbewegungen geführt. Die aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen verursachten
einen deutlichen Anstieg der Binnenvertriebenen (derzeit etwa 2,8 Mio. nach VN-Schätzungen)
und Flüchtlinge (etwa 170.000).
Mögliche Chancen und Handlungsoptionen sind maßgeblich abhängig von einer Beendigung der
militärischen Auseinandersetzungen und einer Rückkehr zum politischen Prozess. Im Rahmen
eines allgemeinen Kapazitätsaufbaus muss auch die Stärkung funktionsfähiger Institutionen im
Bereich Klima, Umwelt und Wasser unterstützt werden, zumal an ein Nationales (Klima-)
Anpassungsprogramm und bestehende Projekte mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten
Nationen (UNDP), der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) und der
deutschen Entwicklungszusammenarbeit angeknüpft werden kann.
9
Jordanien
Klimamodelle prognostizieren für Jordanien einem spürbaren Temperaturanstieg, einen
signifikanten Rückgang von Regenfällen, die Gefahr des Anstiegs des Meeresspiegels sowie einen
Anstieg der Meeresoberflächentemperatur und vermehrte Extremwetterereignisse wie zum Beispiel
extreme Niederschläge oder Dürreperioden.
Jordanien gehört zu den wasserärmsten Ländern der Welt mit weniger als 100 Kubikmeter pro
Kopf und Jahr an erneuerbaren Wasserressourcen. Die gegenwärtig massive Übernutzung der
Wasserressourcen hängt unter anderem mit den Flüchtlingspopulationen aus Syrien und Irak
zusammen. Die Sicherstellung der Wasserversorgung erfolgt vor allem über fossile
Grundwasserreserven und aufbereitetes Abwasser, längerfristig werden Investitionen für
Meerwasserentsalzung notwendig.
Zunehmende Wasserknappheit und Dürren im Zuge des Klimawandels verringert die
Grundwasserneubildung um bis zu 30 Prozent. Schon jetzt ist Jordanien abhängig von
Nahrungsmittelimporten. Die sinkende Wasserverfügbarkeit würde mit erheblichen
Beeinträchtigungen für das ökonomische Wachstum einhergehen (Landwirtschaft,
Produktionssektor, Dienstleistungen, Tourismus) und einer Bedrohung für die öffentliche
Gesundheit. Meeresspiegelanstieg und Extremwetterereignisse beeinträchtigen Tourismus,
Infrastruktur und die marinen Habitate (Korallenriffe).
Jordaniens Klimapolitik sieht unter anderem zur Minderung von Treibhausgasen Maßnahmen in
allen relevanten Sektoren (Energieeffizienz, Erneuerbare Energie, Abwasser- und Abfallsektor,
Transport und Verkehr und andere) vor.
Anpassungsmaßnahmen hinsichtlich der Wasserressourcen wären vermehrte Regenwassernutzung,
effizientere Wassernutzung durch Aufarbeitung und Wiederverwendung von Abwasser und eine
Nutzungsbegrenzung für Grundwasserverbrauch in der Landwirtschaft, auch um die Bevölkerung
für die Ressourcenknappheit zu sensibilisieren.
Den bereits jetzt feststellbaren Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion einschließlich
Tierhaltung (und damit Nahrungssicherheit) als indirekte Folge des Klimawandels sollen
sozioökonomische Maßnahmen abfedern. Geeignet sind Modifikationen von Anbaumethoden, Saatgut,
Pflanzzeiten und die Einführung von ergänzenden, effizienten Bewässerungssystemen.
Anpassungsmaßnahmen zur Unterstützung oder Erhaltung der Biodiversität und Ökosysteme wie
die Aufforstung degradierter Wälder und Etablierung neuer Baumbestände gegen fortschreitende
Erosion, sollten als partizipationsorientierte Strategien zur Erweiterung der Landschafts- und
Naturschutzgebiete die Bevölkerung einbinden.
10
Katar
Das Emirat Katar ist Wüstenland und zählt zu den heißesten und trockensten Ländern der Erde. Da
Katar kaum eigene natürliche Wasserressourcen hat, erfolgt die Wasserversorgung zu über 95
Prozent über Meerwasserentsalzungsanlagen.
Katar verfügt über die weltweit drittgrößten Erdgasvorkommen, ist weltgrößter Exporteur von
Flüssiggas (Liquid Natural Gas, LNG) und abhängig vom Export seiner Energierohstoffe. Die
Kapazitäten bei Strom- und Wasserversorgung sowie die strategischen Wasservorräte (Reservoire)
werden kontinuierlich ausgebaut. Eine Herausforderung stellen der steigende Salzanteil und die
Zunahme von Giften im Persisch-Arabischen Golf dar, die künftig die Meerwasserentsalzung
gefährden können. Zudem könnten Feinstaub und Sandstürme vermehrt zu Atemwegserkrankungen
führen.
In Katar gibt es mittlerweile Ansätze, Brauchwasser für die zahlreichen Bauprojekte zu reinigen.
Bei Neubauprojekten kommen verstärkt erneuerbare Energien und Techniken für energieeffizientes
Bauen zum Einsatz.
Der Energiesektor verursacht über 90 Prozent der katarischen Treibhausemissionen, auch wegen
des Abfackelns von Begleitgas bei der Öl- und Gasproduktion. Für die Verminderung des
Abfackelns wurden Aufwendungen für Technologien in Millionenhöhe (US-Dollar) getätigt. Katar
engagiert sich finanziell auch im Forschungsbereich vor allem für Auffang- und Speichermethoden
von Treibhausgasen (Doha Carbon and Energy Forum, Qatar Carbonates and Carbon Storage
Research Centre).
11
Kuwait
Kuwait zählt zu den heißesten Ländern der Welt und verfügt nur über sehr geringe natürliche
Wasserquellen. Kuwait ist vor allem durch einen sinkenden Grundwasserspiegel, einem möglichen
Anstieg des Meeresspiegels mit einhergehender Überflutung von Teilen des Landes und damit
einer weiteren Verschlechterung der Qualität der verfügbaren Grundwassermenge betroffen. Ein
weiterer Anstieg der ohnehin hohen Temperaturen dürfte für die Bevölkerung gesundheitliche
Beeinträchtigungen bedeuten.
Aufgrund der extremen klimatischen Bedingungen beginnen Bevölkerung und Politik mit einer
verstärkten Auseinandersetzung mit Umweltfragen und nehmen entsprechende internationale
Veranstaltungen vermehrt wahr.
Es gibt in Kuwait bisher kein Umweltministerium; typische Ressortaufgaben werden von einer
Umweltbehörde (Environment Public Authority) übernommen. Forschungstätigkeiten, auch zum
Klimawandel, werden vom „Kuwait Institute for Scientific Research“ und von der „Kuwait Oil
Company“ betrieben.
Klimapolitisch problematisch ist Kuwaits extrem hohe Abhängigkeit von der Öl- und Gasförderung
(jeweils 94 Prozent der Exporte und der Staatseinnahmen), weshalb signifikante ökonomische und
energiepolitische Anpassungen trotz des Klimawandels kurzfristig nicht zu erwarten sind. Ansätze
für die wirtschaftsverträgliche Gestaltung einer energiepolitischen Umsteuerung müssen
gewährleisten, dass die Förderung erneuerbarer Energien mit der Volkswirtschaft kompatibel ist.
Kuwait ist als kleines Land nur begrenzt in der Lage, raumintensive Technologien für erneuerbare
Energien unterzubringen und daher an Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer auch mit
Deutschland interessiert.
12
Libanon
Libanon ist stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen: Anstieg der
Durchschnittstemperatur, Rückgang der Niederschläge, Rückgang der Wasserressourcen. Der
Temperaturanstieg hebt zudem die Schneegrenze an mit drastischen Folgen für die
Grundwasserneubildung. Ein steigender Wassermangel hat unmittelbare Auswirkungen auf die
Landwirtschaft. Die globale Erwärmung bedroht die Biodiversität, ein Anstieg des Meeresspiegels
die Küstenregion.
Für die Risiken des Klimawandels sind Bevölkerung und Politik bislang nicht hinreichend
sensibilisiert; eine öffentliche Diskussion zu Umwelt- und Klimathemen findet nicht statt. Auch
wird Küstenschutz mit Blick auf einen ansteigenden Meeresspiegel bisher nicht thematisiert.
Die Emissionen des Landes werden zum größten Teil durch Stromerzeugung verursacht sowie vom
Straßenverkehr. Der Emissionsanteil von Industrie (Emissionen von CO2 oder anderen
Treibhausgasen) und Landwirtschaft (Methan-Emissionen) ist äußerst gering.
Der Bereich erneuerbare Energien bietet Kooperationspotenzial. Erste Erfahrungen mit einem von
China finanzierten und in Betrieb gegangenen Photovoltaik-Kraftwerks (1-Megawatt- Kapazität zur
Beleuchtung der Autobahn Beirut – Damaskus) sowie netzunabhängige Solar-
Straßenbeleuchtungen liegen vor. Für strategische Förderprogramme in diesem Bereich fehlen die
staatlichen Mittel. Gleichwohl sind Fortschritte erkennbar, etwa die vom Ministerium für
Elektrizität und Wasser betriebene Umrüstung einiger seiner (Schweröl-) Kraftwerke auf Diesel-
Treibstoff, mit der Option einer späteren Umstellung auf Gas, sobald die Erschließung der
libanesischen Vorkommen weiter vorangeschritten ist.
13
Marokko
Der Klimawandel bedroht die Lebensgrundlagen in Marokko insbesondere durch eine
Verringerung der Niederschläge und damit größere Trockenheit sowie sinkenden
Grundwasserspiegeln. Mit einer Zunahme von Extremwetterereignissen wie Dürren und Unwettern
muss ebenfalls gerechnet werden. Aufgrund seiner langen Küstenlinie (3.500 km) droht Marokko
erheblicher Landverlust durch das Ansteigen des Meeresspiegels.
Bereits jetzt besteht Wasserknappheit, bis 2025 wird eine weitere Reduzierung der
Wasserressourcen um 30 Prozent prognostiziert. Trockenheit und Bodenversalzung belasten die
Landwirtschaft. Die Ozeanerwärmung beeinträchtigt den Fischfang.
40 Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft und sind von Trockenheit und lokalen
Dürren besonders betroffen. Die in Marokko bereits zu beobachtenden internen
Migrationsbewegungen, insbesondere in Form von starker Landflucht und Abwanderungen in
urbane Ballungsgebiete, werden durch die klimabedingten Veränderungen möglicherweise
verstärkt. 80 Prozent der Stadtbevölkerung Marokkos leben in Ballungsgebieten in Küstennähe und
sind dort von Extremwetterereignissen wie Überflutungen und Sturmfluten unmittelbar betroffen.
Marokko hat bereits 2009 einen Aktionsplan (Plan National de Lutte contre le Réchauffement
Climatique) formuliert, der insbesondere Maßnahmen zur Wiederaufforstung und zur Verringerung
von CO2-Emissionen vorsieht sowie die Entwicklung schädlings- und trockenheitsresistenter
Getreidesorten. Außerdem sieht der Plan die Errichtung von Bewässerungssystemen für bisher
regenbewässerte Felder sowie den Bau von Talsperren und Niederschlagsammelanlagen vor;
zusätzlich soll Wasser durch Meerwasserentsalzung und Abwasseraufbereitung verfügbar gemacht
werden. Außerdem entwickelt Marokko ein Frühwarnsystem für Dürren und plant
Schutzmaßnahmen gegen Überschwemmungen, darunter Umsiedlungspläne für die an besonders
gefährdeten Standorten lebende Bevölkerung. Weiterer Schwerpunkt ist die Sensibilisierung der
Bevölkerung für ressourcenbewussten Umgang mit Wasser.
Marokko gehört in der Region zu den Vorreitern im Bereich Klimapolitik und wird im November
2016 in Marrakesch die Weltklimakonferenz ausrichten. Das Königreich verfolgt eine
ambitionierte Strategie zur Energiewende und beabsichtigt, bis zum Jahre 2030 52 Prozent der
installierten Kapazität aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Marokko profitiert dabei von seinen
günstigen geographischen Voraussetzungen für eine effiziente Nutzung von Wind- und
Sonnenenergie.
14
Mauretanien
Mauretanien besteht zu etwa 80 Prozent aus Wüste und ist durch Temperaturanstieg, der Abnahme
und gleichzeitig stärkeren Variabilität der Regenfälle sowie einer Zunahme von
Extremwetterereignissen wie Dürreperioden und Starkregen einer der am stärksten vom
Klimawandel betroffenen Staaten.
Bereits seit der Staatsgründung 1960 haben sich die Gesellschaft und damit die Strukturen der
Besiedlung und Landwirtschaft unter dem Eindruck immer wiederkehrender Trockenperioden stark
verändert. Ausbleibende Regenfälle verursachten 1968 den Verlust von etwa 50 Prozent der
Herden der mauretanischen Nomaden und damit eine erste Migrationswelle größerer
Bevölkerungsgruppen aus dem Landesinneren in die Hauptstadt Nouakchott. Verheerende
Trockenzeiten seit 1973 in den Sahel-Staaten drängten erneut Binnenmigranten an die Peripherie
der Hauptstadt Nouakchott, wo 1977 über 40 Prozent der Gesamtbevölkerung lebten.
Der bereits angestiegene Meeresspiegel und der durch Sandabbau zerstörte, natürliche
Dünenschutzwall erhöhen das Risiko von Überschwemmungen der Siedlungsquartiere in der
Hauptstadt. Das bei Flut steigende Grundwasser und die unzulängliche wie überlastete Kanalisation
sind Brutstätten für Mücken und andere Krankheitserreger.
Die mit den Naturkatastrophen einhergehenden massiven Migrationsbewegungen in die städtischen
Zentren und den Süden des Landes haben bereits in der Vergangenheit zu gesellschaftlichen
Verwerfungen und Konflikten geführt und dürften sich im Zuge des Klimawandels verschärfen.
Ehemals fruchtbare Oasen wie Chinguetti und Oualata im Norden des Landes sind heute versandet.
Die Nord-Süd-Wanderungsbewegung führte zur Konkurrenz zwischen ansässigen Bauern und
nomadisierenden Viehzüchtern, so dass sich Spannungen und Konflikte um die knapper werdenden
Ressourcen nutzbares Land und Wasser zuspitzten.
Für Mauretanien ist ein optimiertes Wassermanagement maßgeblich, um sich auf die klimatischen
Veränderungen einzustellen.
Die Regierung plant im Küstenbereich den Wiederaufbau der Dünen, um den natürlichen
Hochwasserschutz angesichts des zu erwartenden Anstiegs des Meeresspiegels wieder herzustellen.
15
Oman
Vom Klimawandel ist Oman schon jetzt vor allem durch Extremtemperaturen im Sommer
betroffen. Hinzu kommt eine höhere Frequenz periodisch auftretender, tropischer Stürme mit
Sturzfluten, die vor allem durch Flusswasser in Trockentälern große Zerstörungskraft entwickeln.
Die stark steigenden Temperaturen bedingen einen Rückgang der Artenvielfalt.
Regional sinken die Grundwasserspiegel, was zur Bodenversalzung und Desertifikation führt. Das
Ansteigen des Meeresspiegels geht mit heftigeren Winden einher und führt zu verstärkter
Küstenerosion.
Oman zeichnet sich durch eine der niedrigsten Bevölkerungsdichten der Region aus und bietet mit
seinem gegenwärtigen Wirtschaftsmodell (Öl-Wirtschaft) mit einem Bruttoinlandsprodukt pro
Kopf von etwa 16.800 Euro (in 2014) relativen Wohlstand.
Wenngleich Klimawandel kein Schwerpunktthema in Oman ist, ist der Regierung bewusst, dass
Handlungsbedarf besteht. Zahlreiche Tote im Jahr durch Sturzfluten, erhebliche
Infrastrukturschäden sowie die Klagen von Fischern und Landwirten haben ein Umdenken
veranlasst.
Omans Chance, seine kontinuierliche Entwicklung ohne größere volkswirtschaftliche Schäden
fortzusetzen liegt in einer erfolgreichen Umstellung alternativer Energie- und
Trinkwassergewinnung bei gleichzeitig effizienterer Energienutzung.
Bereits jetzt werden erhöhte Anstrengungen unternommen, die CO2-intensiven Folgen der Öl-und
Gasförderung zu reduzieren (Verminderung von Gasabfackelung, Errichtung von Solaranlagen auf
Ölfeldern). Oman plant mittel- und langfristig eine Änderung des nationalen Energiemixes, der
gegenwärtig zu 98 Prozent durch konventionelle Gaskraftwerke gedeckt wird.
16
Palästina
In den palästinensischen Gebieten ist der Klimawandel bisher vor allem an einer Verschiebung der
saisonalen Niederschlagsverteilung auszumachen. Mit dem zeitgleichen Anstieg der
Durchschnittstemperaturen erhöht sich, vor allem in der Landwirtschaft, der Wasserbedarf und
damit das Risiko der Desertifikation. Die Unbewohnbarkeit des Gazastreifen wird bereits für 2020
prognostiziert angesichts der drohenden Versalzung des Aquifers und der durch Kriege belasteten
Böden.
Die Landwirtschaft gilt als tragende Säule der palästinensischen Wirtschaft. Den steigenden Trink-
und Brauchwasserbedarf deckt Palästina seit Jahren durch von Israel zugekauftes Wasser.
Fehlendes Ressourcenmanagement auf Betriebs- und Kommunalebene, unzureichende
Informationen und fehlender Zugang zu technischen Innovationen tragen zu vermeidbaren
Defiziten bei der Anpassung an den Klimawandel bei.
Im internationalen Vergleich sind die Treibhausgasmissionen der palästinensischen Gebiete gering.
Darüber hinaus hat die palästinensische Führung nur geringen Einfluss auf die
Umweltverträglichkeit der eigenen Energieversorgung, da diese überwiegend in Israel generiert
wird.
Die Umweltsituation und Folgen des Klimawandels sind für die Bevölkerung Palästinas im
Vergleich zur politischen, humanitären und wirtschaftlichen Lage nachrangig. Gleichwohl ist
Palästina generell um bessere Möglichkeiten zur Energiegewinnung und –versorgung bemüht,
bleibt dabei aber auf die Zustimmung und Unterstützung Israels angewiesen, so dass Projekte
teilweise aus politischen Gründen nicht umgesetzt werden.
Seit Ende 2015 erleichtert die palästinensische Gesetzgebung Privatpersonen und Institutionen die
Einspeisung von Strom aus eigenen Solaranlagen in das lokale Stromnetz. Angesichts häufiger
Stromausfälle ist die Sicherstellung einer kontinuierlichen Stromversorgung gegenüber dem
Klimaschutz eindeutig prioritär.
Palästina ist auch an Kooperation mit Deutschland interessiert, etwa im Bereich erneuerbaren
Energien (zum Beispiel Solarstrom), Wassermanagement und Naturschutz.
17
Saudi Arabien
Saudi Arabien zählt zu den heißesten Ländern der Erde, wo lebensbedrohliche Hitzewellen und
eine stetige Abnahme der Wasserressourcen den Klimawandel kennzeichnen. Der Rückgang des
Grundwassers befördert die Desertifikation.
Saudi Arabiens größte Herausforderung ist effektives Wassermanagement, zumal die
Wasserknappheit vor allem der staatlichen Subventionierung der Landwirtschaft geschuldet ist, die
in den vergangenen Jahren eine exzessiven Nutzung der Grundwasserressourcen begünstigte und
keine Systeme zur Wasserwiedergewinnung förderte.
In Saudi Arabiens „Vision 2030“ sind Änderungen in der Wasserbewirtschaftung angesetzt: die
schrittweise Verteuerung von Wasser durch Subventionsabbau, die Beschränkung von
landwirtschaftlichen Nutzflächen auf Gegenden mit natürlichen Wasservorkommen und die
Abschaffung des Anbaus von wasserintensiven Pflanzen, darunter auch Futtermittel für Tiere.
Saudi Arabien will außerdem die Abhängigkeit vom Erdöl reduzieren und die wirtschaftliche
Diversifizierung vorantreiben und damit die Schaffung von Arbeitsplätzen für seine junge
Bevölkerung in der Privatwirtschaft begünstigen. Entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung
der „Vision 2030“ ist die kontinuierliche Einbindung der Bevölkerung in diesen Prozess. Die
Regierung hat erkannt, dass die wirtschaftliche Reformierung des Landes alternativlos ist, nicht nur
um auf den Klimawandel, sondern um vor allem auch auf den fallenden Ölpreis und das
Bevölkerungswachstum zu reagieren.
Die Wasserversorgung ist für Saudi Arabien zentrales Anliegen, dem sich die Regierung derzeit
verstärkt mit der Erkundung und Bewertung von bestehenden Wasserressourcen annimmt.
18
Somalia
Der Klimawandel manifestiert sich in Somalia mit einem dauerhaft heißen Klima, unregelmäßigen
Regenfällen und Trockenperioden. Zusätzlich gefährden bekannte Wetterphänomene wie El Nino
das fragile ökologische Gleichgewicht in Somalia durch häufigere und heftigere Dürren und
Überflutungen. Die Klimaveränderungen verstärken die fortschreitende Bodenerosion und
Desertifikation, die durch Wasserknappheit versursacht sind, aber auch durch klimaunabhängige
Faktoren wie Überweidung und Abholzung der Wälder.
70 Prozent der somalischen Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Mangelnde Aufbereitungsmöglichkeiten verunreinigen das wenige verfügbare Wasser und
verursachen hohe gesundheitliche Risiken. Mangelernährung ist eine ständige Bedrohung für viele
Somalier. Hungersnöte und Extremwetterereignisse treiben die Menschen in die Migration, aber
auch soziale und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit wie in den politisch relativ stabilen Regionen
„Puntland“ und "Somaliland".
Die Entscheidungsträger der Regierungen auf Bundes- und Landesebene erkennen hier das
Potenzial der klimatischen Gegebenheiten des Landes (Sonne, Wind) für seine nachhaltige
wirtschaftliche Entwicklung. Gleichwohl ist die Sicherheitslage in Somalia zu fragil, um
ausländische Direktinvestitionen vorzunehmen.
19
Sudan
Weite Teile des bewohnten Sudans sind von Desertifikation bedroht, was schon jetzt zahlreiche
Konflikte um die knapper werdenden Land- und Wasserressourcen befördert. Gewalttätige
Auseinandersetzungen um Weidegründe in der Region Darfur zwischen ansässigen Stämmen
eskalieren nun auch zwischen ansässigen und nomadisierenden Stämmen häufiger, da diese
aufgrund klimatischer Veränderungen neue Weidegründe erschließen müssen und dabei in Gebiete
sesshafter Stämme eindringen.
Nach Angaben der Vereinten Nationen gibt es in der Region Darfur derzeit etwa 2,6 Mio.
Binnenvertriebene. Klimaaspekte belasten zusätzlich und schaffen neue Konflikte. Abgesehen vom
Kampf um Weidegründe zwischen rivalisierende Stämmen und Ethnien kann sich durch
ausbleibenden Regen die Nahrungsmittelsicherheit für weite Teile der Bevölkerung verschlechtern,
was neben der ohnehin politisch brisanten Situation zusätzliche Spannungen schafft. Zunehmende
Nahrungsmittelunsicherheit und ökonomische Perspektivlosigkeit verstärken den Migrationsdruck
innerhalb des Landes, aber auch ins Ausland. Auch die zahlreichen Gesundheitsrisiken dürften sich
durch den Klimawandel verschärfen. Neben Infektionskrankheiten, verursacht durch schlechte
Wasserqualität, besteht ein erhöhtes Risiko insbesondere für Malaria und Dengue.
Ein Bewusstsein für Klimafragen und für regionale Klimaschutzkooperationen entwickelt sich
unter sudanesischen Entscheidungsträgern erst langsam. Die humanitäre und
entwicklungsorientierte Arbeit im Sudan könnte Themen wie Energie, Umwelt und
Ressourcenschutz stärker aufnehmen. Wenngleich der Bereich der erneuerbaren Energien,
Investitionschancen für ausländische Unternehmen bietet und damit dringend notwendige
Arbeitsplätze schaffen könnte, erschweren die bestehenden Wirtschaftssanktionen, die regionalen
Krisen und die Reputation des Landes ausländisches Engagement; Ausnahmen sind Investoren aus
China und den Golfstaaten, insbesondere aus Saudi-Arabien.
20
Syrien
Das Klima in Syrien ist trocken und relativ heiß, in den Wintermonaten sind Temperaturen unter
dem Gefrierpunkt nicht untypisch. Die natürliche Pflanzenwelt ist durch Abholzung und
Überweidung stark degradiert, Waldflächen sind kaum vorhanden. Klimaveränderungen in Form
von Dürren haben Syrien bereits schwer geschadet. Bereits im Jahre 2009 berichteten die Vereinten
Nationen, dass rund 800.000 Syrer ihre Lebensgrundlage aufgrund schwerer Dürren verloren
hätten. Arbeitslosigkeit, wachsende Nahrungsmittelunsicherheit und zusätzlicher Wasserbedarf
verschärften die ohnehin angespannte Situation in Syrien. Die Migrationswellen, verursacht durch
den Bürgerkrieg und Folge der klimatischen Veränderungen, erfassen das Landesinnere, gehen aber
auch über die Landesgrenzen hinaus.
Die Landwirtschaft zählt zu den Eckpfeilern der syrischen Wirtschaft, jedoch kann nur etwa ein
Drittel der Landfläche landwirtschaftlich genutzt werden, überwiegend für den wasserintensiven
Anbau von Baumwolle und Weizen. Unterbrochene oder zerstörte Wasser- und Stromleitungen
erschweren die Wasserversorgung, die auch wegen der politischen Situation zunehmend
problematischer wird, so steht der Verlauf des Euphrat nicht mehr unter der Kontrolle der
Regierung. Die Qualität des ohnehin knappen Wassers ist zudem wegen eingeschränkter
Aufbereitungsmöglichkeiten dürftig, was den Ausbruch von Epidemien begünstigt.
Die Wiederherstellung des Friedens in Syrien und damit die Stabilisierung des Landes und die
Versorgungssicherheit der Bevölkerung sind unabdingbar und prioritär, um eine Grundlage zu
schaffen, auf der sich Syrien den Herausforderungen des Klimawandels stellen kann.
Kernelemente einer dann notwendigen Klimapolitik sind vor allem besseres Wassermanagement
(effizientere Nutzung, Regenauffangbecken, Nutzung von Brauchwasser) sowie der Wechsel von
Anbaumethoden und Produkten in der Landwirtschaft.
21
Tunesien
Tunesien ist aufgrund seiner fragilen Ökosysteme den Veränderungen durch Klimawandel per se
stark ausgesetzt. Temperaturanstieg und Niederschlagsrückgang können Wasserressourcen weiter
verknappen und die landwirtschaftliche Produktion deutlich einschränken und zu Verlusten der
Nutzflächen führen. Durch den Temperaturanstieg sind vermehrt Waldbrände zu erwarten; der
Verlust von Weideland im Süden des Landes sowie in Zentraltunesien könnte zu einer Verlagerung
der Viehzucht auf den Norden führen und dort eine zunehmende Überweidung mit sich bringen.
In den Küstenregionen kann ein steigender Meeresspiegel zu Infrastrukturschäden in küstennahen
Städten führen, die nach wie vor der wirtschaftliche Motor des Landes sind.
Tunesien verfügt nur sehr begrenzt über Energiequellen und ist vom Import fossiler Energieträger
abhängig. Erneuerbaren Energien haben bislang einen Anteil von einem Prozent am Verbrauch.
Die Landwirtschaft verbraucht 76 Prozent der raren Wasserressourcen. Schon jetzt sinkt der
Grundwasserspiegel um einen bis drei Meter pro Jahr. Seit der Revolution haben illegale
Brunnenbohrungen durch die Bauern zugenommen. Diese Entwicklung bedroht die
Existenzgrundlagen der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung und könnte Landflucht
begünstigen, was den großen Druck, der schon heute auf dem tunesischen Arbeitsmarkt lastet,
weiter verschärfen würde. Im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit engagiert sich die
Bundesregierung deshalb intensiv im Bereich des integrierten Wassermanagements.
Tunesien bemüht sich um Prävention und erarbeitet Anpassungsmaßnahmen wie die Verwendung
von hitze- und dürreresistenteren Pflanzenarten, integrierte Forstwirtschaft, effizientere
Bewässerung und Anpassung der landwirtschaftlichen Zyklen (Ernteperioden) sowie Bekämpfung
der Küstenerosion und eine an den Meeresspiegelanstieg angepasste Städteplanung.
Im Bereich der Emissionsminderung ist unter anderem die tunesische Zementindustrie eingebunden
in den Aufbau eines Fördermechanismus für die Finanzierung von Innovationen zur Nutzung
erneuerbarer Energien, Energieeffizienz und Abfall-Mitverbrennung. Im Bereich Verkehr wird mit
deutscher Unterstützung ein Verkehrsentwicklungsplan und ein Emissionsminderungsplan für den
Straßenverkehr erstellt mit dem Ziel die lokalen Lebensbedingungen zu verbessern.
Besonders positive Effekte sind im Bereich der erneuerbaren Energien zu verzeichnen,
Fördermechanismen legten die Grundlage für das Entstehen eines beachtlichen Marktes für
solarthermische und Photovoltaik-Anlagen (kleinere Aufdachanlagen) mit positiven Auswirkungen
auf die lokale Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Ein weiteres deutsch-tunesisches Vorhaben zielt
auf die Fort- und Weiterbildung im Bereich Photovoltaik, um dauerhaft genügend qualifizierte
tunesische Fachkräfte bereitzustellen.
22
Türkei
Die Türkei zählt zu den Ländern, die von den Auswirkungen des Klimawandels stark betroffen sein
werden: extreme Niederschlagsereignisse, Überflutungen, Stürme, Dürreperioden und Hitzewellen
führen in zunehmender Zahl und Intensität zu großen Schäden.
Seit den 1950er Jahren ist eine stete Abwanderung der Bevölkerung aus den ländlichen Gebieten in
Richtung der Städte zu verzeichnen, so dass mittlerweile 92 Prozent der türkischen Bevölkerung in
urbanen Ballungsgebieten leben.
Aspekte des Klimawandels bergen in Bezug auf grenzüberschreitende Gewässer auch politisches
Konfliktpotenzial. Ein Rückgang der Wasserressourcen würde bei den Unterliegern des Euphrat-
Tigris-Beckens im Südosten der Türkei, Irak und Syrien, zu einer mangelnden Wasserversorgung
führen. Dies führte bereits in der Vergangenheit zu Konflikten, die trotz politischer Gespräche nicht
abschließend gelöst werden konnten. Zunehmende Wasserverknappung hätte gravierende Folgen
für die Lebensumstände der Bevölkerung in der gesamten Region, wobei auch
grenzüberschreitende Migration nicht auszuschließen wäre.
Ursachen für die Binnenmigration in der Türkei sind die wirtschaftliche Entwicklung und die
bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und der PKK insbesondere im
Südosten des Landes. Der Zustrom von Flüchtlingen aus Nachbarländern wie Syrien und Irak ist
Folge der kriegerischen Auseinandersetzungen, rund drei Mio. Flüchtlinge haben in den letzten
Jahren Zuflucht in der Türkei gefunden.
Mit präventiven Lösungsansätzen könnte einer potenziellen klimabedingten Migration vorgebeugt
werden. Rahmenbedingungen für eine effiziente und nachhaltige Nutzung der
grenzüberschreitenden Gewässer sowie zur Sicherung der Wasserversorgung in der Region sollten
gemeinsam im Zuge regionaler Projekte ausgearbeitet werden, was zur Vermeidung von
potenziellen politischen, umweltrelevanten und sozialen Konflikten wesentlich beitragen würde.
Mit Blick auf die steigende Bevölkerungszahl, die fortschreitende Industrialisierung des Landes
sowie die wirtschaftliche Entwicklung priorisiert die türkische Regierung bei der Planung und
Realisierung von Infrastrukturvorhaben und Großprojekten die Sicherung der Energieversorgung.
Dabei ist die Türkei gewillt, ihren Anteil des Energieverbrauchs im Verhältnis zum
Bruttoinlandsprodukt bis 2023 um 30 Prozent zu reduzieren.
23
Vereinigte Arabische Emirate
Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein vom Klimawandel besonders betroffenes Land; eine
Studie des Massachusetts Institute of Technology skizziert als „worst case“-Szenario, dass das
Land bei unvermindert fortschreitendem Klimawandel im Jahr 2070 nicht mehr bewohnbar sein
könnte. Mangel an Wasservorräten und Agrarflächen bedingen, dass 90 Prozent der Lebensmittel
importiert werden müssen.
Die Vereinigten Arabischen Emirate stehen trotz ihrer Öl- und Gasressourcen energiepolitisch vor
großen Herausforderungen. Klima, Bevölkerungswachstum, hoher Pro-Kopf-Verbrauch und die
wirtschaftliche Diversifizierung haben in der Vergangenheit zu einer jährlichen Steigerung des
Wasser- und des Stromverbrauchs um acht bis zehn Prozent geführt. Trinkwasser wird vor allem
über (energieintensive) Meerwasserentsalzung gewonnen und genau wie Strom hoch
subventioniert. Die Kühlung der Gebäude bei Außentemperaturen von bis zu 50 Grad Celsius
bedingt einen enormen Energieverbrauch.
Der Kronprinz von Abu Dhabi betreibt die Umgestaltung des Landes mit Blick auf eine post-Öl-
Zeit nach 2050.
Das enorme Potenzial des Landes im Photovoltaik-Bereich wird stark eingeschränkt durch die hohe
Staubbelastung der Luft (insbesondere Wüsten- und Baustaub) die gegenüber anderen Standorten
etwa 30 Prozent Effizienzverlust bei den Anlagen verursacht.
Um den Gesamtverbrauch der Ressourcen zu reduzieren, den öffentlichen Haushalt zu entlasten
und die Bevölkerung zu einem energieeffizienteren Verhalten zu bewegen, baut die Regierung Abu
Dhabis die Subventionen für Strom, Trinkwasser und Benzin schrittweise ab. Parallel wird in die
Forschung zur Entsalzung von Meerwasser mittels effizienterer Prozesse und durch Nutzung
erneuerbarer Energien investiert.
Zur Förderung von Energieeffizienz im Bauwesen wurden baurechtliche Vorgaben für Neubauten
sowie für die Nachrüstung von Bestandsbauten angepasst. Durch bessere Energiestandards für
elektrische Geräte soll der Energieverbrauch drastisch gesenkt werden. Im Bereich der Öl- und
Gasförderung wird der Einsatz moderner Technologie zur Emissionsreduzierung gefördert. In
anderen klimaschutzrelevanten Bereichen (Bildung, Agrarwirtschaft, Biodiversität, maritimer
Umweltschutz und anderes) befinden sich die Emirate noch in der Planungsphase.
Abu Dhabi ist Hauptsitz der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA), auch das
Global Green Growth Institute (GGGI) hat eine Zweigstelle in Masdar City. Der jährlich im Januar
in Abu Dhabi stattfindende „World Future Energy Summit“ ist eine der weltweit wichtigsten
Veranstaltungen im Bereich der Erneuerbaren Energien.
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ISSN 0722-8333]