[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
2. September 2016 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/9577
18. Wahlperiode 07.09.2016
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl, Oliver Krischer,
Steffi Lemke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/9347 –
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und Hans-Joachim-Martini-
Stiftung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
In der letzten Legislaturperiode waren die Bundesanstalt für Geowissenschaften
und Rohstoffe (BGR) und die mit ihr unter anderem personell verbundene Hans-
Joachim-Martini-Stiftung (im Weiteren kurz Stiftung) Gegenstand mehrerer
Kleiner Anfragen der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, vgl.
zuletzt Bundestagsdrucksache 17/9292. Auf eine ausführliche Wiederholung
der in diesen Kleinen Anfragen erfolgten Darlegung der Verbindungen
zwischen BGR und Stiftung wird hier verzichtet, es wird lediglich beispielhaft
darauf verwiesen, dass gemäß Stiftungssatzung die vier ständigen Mitglieder des
Stiftungsrats sind: der BGR-Präsident, ein Vertreter des Bundesministeriums
für Wirtschaft und Energie – BMWi – (vormals Bundesministerium für
Wirtschaft und Technologie), der bzw. die Vorsitzende des BGR-Kuratoriums und
der bzw. die stellvertretende Vorsitzende des BGR-Kuratoriums, vgl. hierzu
auch Bundestagsdrucksache 17/6701.
Ende Juni 2016 brachten gemeinsame Recherchen des WDR, der
„Süddeutschen Zeitung“ und des NDR unter anderem ans Licht, dass eine unter
Klimaforschern schnell umstrittene BGR-Studie in den 90er-Jahren von der Stiftung
und damit letztlich mit Geldern der Braunkohle-, Rohstoff- und
Chemieindustrie finanziert wurde (vgl. Berichterstattung der drei genannten Medien vom
29. Juni 2016: „Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe – Extra-
Kasse statt Extra-Klasse?“ auf tagesschau.de, „Gutes Geld für steile Thesen“ in
der Süddeutschen Zeitung und „Gefälligkeitsgutachten zu Gorleben und
Fracking?“ auf ndr.de sowie Online-Artikel „Wie die BGR einmal versuchte, die
wärmende Treibhauswirkung von CO2 zu widerlegen“ vom 4. Juli 2016 im
Wissenschaftsblog SciLogs, Verlag Spektrum der Wissenschaft).
Aufgrund der Medienrecherchen haben sich weitere Fragen ergeben. Auch ist
bei mehreren Aspekten unklar, wie BMWi und BGR nach der Antwort der
Bundesregierung auf Bundestagsdrucksache 17/9292 weiter verfuhren.
V o r b e me r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung hat zu dem Gegenstand der Kleinen Anfrage bereits in der
letzten Legislaturperiode in mehreren Kleinen Anfragen ausführlich Stellung
genommen (Bundestagsdrucksachen 17/6701, 17/7073, 17/7329, 17/7927, 17/8847
und 17/9292). Die Bundesregierung hält an den Aussagen in ihren Antworten auf
die Kleinen Anfragen fest. Die BGR ist eine eigenständige wissenschaftlich-
technische Behörde, an deren Unabhängigkeit die Bundesregierung keinen Zweifel
hat. Die BGR informiert und berät die Bundesregierung in allen
geowissenschaftlichen und rohstoffwirtschaftlichen Fragestellungen und entscheidet selbstständig
über Art und Umfang ihrer Forschungsprojekte. Die Bundesregierung nimmt
keinen Einfluss auf die Forschungsergebnisse der BGR und sieht keine Indizien
dafür, dass Dritte dies tun.
Zu den in der Vorbemerkung der Fragesteller angeführten Presseartikeln und den
darin erwähnten Arbeiten führt die Bundesregierung wie folgt aus:
a) Buch „Klimafakten – Der Rückblick – Ein Schlüssel für die Zukunft“, BGR,
2004
Das Buch beschäftigt sich vor allem mit der Klimageschichte der
Vergangenheit und zieht daraus aber auch Schlussfolgerungen für die zukünftige
Klimaentwicklung. Die Schlussfolgerungen wurden nach Erscheinen des Buches von
der Mehrzahl der Wissenschaftler nicht geteilt und mit wissenschaftlich-
fachlichen Argumenten kritisiert, so auch in dem oben zitierten Blogeintrag auf
SciLogs. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat sich
mit der kritischen Rezeption des Werkes auseinandergesetzt und diese
nachvollzogen. Deshalb spielt das Buch „Klimafakten“ für die Ausrichtung der
Klimapolitik der Bundesregierung keine Rolle.
b) Wissenschaftliche Publikation mit Bezug zu Infraschall
Die prämierte Arbeit untersucht die Verbreitung von Infraschall bei einer
Explosion in einem Treibstofflager in der Nähe von London im Dezember 2005.
Die Arbeit ist in einem wissenschaftlich, international hoch angesehenen
Journal publiziert („The Buncefield explosion: a benchmark for infrasound analysis
across Central Europe“, Geophysical Journal International, 177(2), 491-508,
2009). Die Arbeit wurde nach ihrer Veröffentlichung aufgrund der
wissenschaftlichen Exzellenz mit dem Martini-Preis prämiert. Der Vorwurf gegen
diese Arbeit ist nicht nachvollziehbar.
c) Diplomarbeit zur geologischen 3D-Modellierung mit Bezug zum Salzstock
Gorleben
Eine der prämierten Arbeiten – eine Diplomarbeit an der TU Berlin – weist
einen Bezug zum Salzstock Gorleben auf. Die Arbeit befasst sich in erster
Linie mit der Darstellung von Erkundungsergebnissen in geologischen 3D-
Modellen. Hierfür wurde eine Komponente zur Visualisierung von geologischen
Sachverhalten entwickelt, mit der das Standardprogramm „OpenGeo“ (3D-
Modellierungssoftware auf der Basis von AutoCAD) erweitert wurde. Die
Komponente ermöglicht die Visualisierung von unterschiedlichen
geologischen Situationen. Für die geologische Situation eines Salzstocks wurden
Daten aus der Erkundung des Salzstocks Gorleben verwendet. Der Vorwurf gegen
diese Arbeit ist nicht nachvollziehbar.
d) Die wissenschaftliche Studie „Schieferöl und Schiefergas in Deutschland –
Potentiale und Umweltaspekte“
Diese Studie wurde ausschließlich aus den Haushaltsmitteln der BGR
finanziert. Sie hat keinen Bezug zur Stiftung. Der Vorwurf gegen diese Arbeit ist
nicht nachvollziehbar.
Zum BGR-Kuratorium
1. Wer waren seit dem Jahr 1996 jeweils die Mitglieder des BGR-Kuratoriums,
und jeweils in welchem konkreten Zeitraum (die BGR-Tätigkeitsberichte auf
der BGR-Webseite sind den Fragestellerinnen und Fragestellern bekannt,
liefern hierzu aber keine vollständige und konkrete Antwort)?
Es wird auf die Anlage 1 verwiesen.
2. Über welchen Zeitraum hinweg fand ab bzw. nach dem Jahr 1997 die in der
Jahresendansprache 1997 des BGR-Präsidenten an die BGR-
Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter erwähnte „verstärkte Einbindung“ von BGR-
Kuratoriumsmitgliedern in die Arbeit der BGR statt – insbesondere hinsichtlich der
in der Ansprache erwähnten „verstärkte[n] Betreuungs- und
Controllingaufgaben“ –, in die die BGR-Kuratoriumsmitglieder laut BGR-Präsident
„eingewilligt“ hatten (vgl. hierzu die bei der BGR veraktete Abschrift der
Jahresendansprache 1997)?
Im Zeitraum von 1996 bis 2005 übernahmen BGR-Kuratoriumsmitglieder
wissenschaftliche Evaluierungen einzelner Fachbereiche der BGR, zu denen sie
jeweils hohe Fachexpertise aufwiesen (vgl. Tabelle in der Antwort zu Frage 3).
3. Jeweils welches BGR-Kuratoriumsmitglied nahm im Rahmen dieser
verstärkten Einbindung in jeweils welchem Zeitraum ab bzw. nach dem Jahr
1997 für jeweils welchen Bereich, Sektor o. Ä. dabei im Einzelnen welche
Aufgaben wahr – insbesondere hinsichtlich Betreuung und Controlling –
(bitte vollständige Angabe für die Zeit seit dem Jahr 1997)?
Mitglieder des BGR-Kuratoriums waren verstärkt eingebunden, indem sie solche
Bereiche der BGR wissenschaftlich evaluierten, in denen sie hohe Fachexpertise
aufwiesen. Auftraggeber der jeweiligen Evaluierung waren der Präsident der
BGR und das Kuratorium. Jede Evaluierung wurde in einem Bericht
dokumentiert. Die Berichte wurden dem Kuratorium anschließend vorgelegt und diskutiert.
Die daraus abgeleiteten Empfehlungen des Kuratoriums wurden über die
Abteilungsleitungen in die entsprechenden Fachbereiche eingebracht. Folgende
Bereiche der BGR wurden ab dem Jahr 1997 wissenschaftlich evaluiert:
Jahr Bereich der BGR Verantwortliches Kuratoriumsmitglied
1997
Außenstelle Berlin
Fachgruppe
„Hydrogeologie“
Prof. Peter Fritz, UFZ-Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbH,
Leipzig
1998
Zusammenarbeit
der BGR mit der
Industrie
Prof. Dr. Dr. Werner Gocht, Forschungsinstitut für internationale
technische und wirtschaftliche Zusammenarbeit (FIZ) an der RWTH Aachen;
Dipl.-Kfm. Peter Schuhmacher, Heidelberger Zement AG, Heidelberg
1998 Georisikofor-schung
Prof. Dr. Rolf Emmermann, GeoForschungszentrum Potsdam (GFZ),
Potsdam
1999/2000 Gebirgsmechanik Prof. Dr. Franz Jacobs, Geophysikalisches Institut der Universität Leipzig
2001 Energierohstoffe Prof. Dr. Hans-Peter Harjes, Ruhr-Universität Bochum
2002 Boden Prof. Dr. Ingrid Kögel-Knabner, Technische Universität München, Bodenkunde, Freising-Weihenstephan
2004 Mineralische Rohstoffe
Prof. Dr. Dr. Werner Gocht, Forschungsinstitut für internationale
technische und wirtschaftliche Zusammenarbeit (FIZ) an der Rheinisch-
Westfälischen Technische Hochschule Aachen (RWTH) Aachen
4. Jeweils welches BGR-Kuratoriumsmitglied nahm im Rahmen dieser
verstärkten Einbindung in jeweils welchem Zeitraum für den konkreten Bereich
Atommüll-Endlagerung im Einzelnen welche Aufgaben wahr –
insbesondere hinsichtlich Betreuung und Controlling – (bitte vollständige Angabe für
die Zeit seit dem Jahr 1997; diese spezielle Frage ist hilfsweise zu verstehen,
falls die Bundesregierung die voranstehende, allgemeiner bzw. offener
formulierte Frage nicht beantworten kann; vgl. hierzu die o. g.
Jahresendansprache 1997 des BGR-Präsidenten, in der die Atommüll-Endlagerung in diesem
Kontext explizit erwähnt wird)?
Der Bereich „Endlagerung“ wurde 1999/2000 im Rahmen der wissenschaftlichen
Evaluierung des Bereichs „Gebirgsmechanik“ (Kurator Prof. Dr. Franz Jacobs)
mitbetrachtet.
5. Gibt es diese verstärkte Einbindung von BGR-Kuratoriumsmitgliedern in die
Arbeit der BGR noch immer?
Wenn nein, wann, durch wen, und aus welchen Gründen wurde sie beendet?
Die verstärkte Einbindung von Kuratoriumsmitgliedern der BGR in Form von
wissenschaftlichen Evaluierungen von Teilbereichen der BGR endete mit der
Amtszeit des 7. Kuratoriums der BGR 2005. Die Bundesregierung hat im Jahr
2004 auf Grundlage eines Beschlusses des Deutschen Bundestages den
Wissenschaftsrat gebeten, eine Systemevaluierung der Ressortforschungseinrichtungen
des Bundes durchzuführen. Daraufhin wurde die BGR im Jahr 2007 umfassend
evaluiert. Aufgrund des übergreifenden Ansatzes der Bundesregierung waren
weitere wissenschaftliche Evaluierungen durch Mitglieder des BGR-Kuratoriums
verzichtbar.
6. Von wem ging im Jahr 1997 die Initiative für diese verstärkte Einbindung
von BGR-Kuratoriumsmitgliedern in die Arbeit der BGR aus, und aus
welchen Gründen?
Die Initiative für die verstärkte Einbindung von BGR-Kuratoriumsmitgliedern
zur wissenschaftlichen Qualitätssicherung in der BGR ging vom Präsidenten der
BGR und dem BGR-Kuratorium aus. Die BGR und das BGR-Kuratorium haben
damit frühzeitig die in den 1990er Jahren in der Wissenschaft umfassend geführte
Diskussion über die Evaluierung wissenschaftlicher Arbeiten an Universitäten
und außeruniversitären Wissenschaftseinrichtungen aufgegriffen. Die BGR hat
sich freiwillig einer Überprüfung der wissenschaftlichen Leistungen unterzogen
und zwar bereits bevor der Wissenschaftsrat im Jahr 2007 das Instrument der
externen wissenschaftlichen Evaluierung in der BGR einsetzte. Im Übrigen wird auf
die Antworten zu den Fragen 2, 3 und 5 verwiesen.
7. Wurde im Jahr 1997 seitens der BGR und bzw. oder des BMWi geprüft, ob
sich durch verstärkte Einbindung und Betreuungs- wie Controllingaufgaben
durch BGR-Externe Interessenkonflikte und bzw. oder unzulässige
Einflussnahme und bzw. oder sonstige Effekte ergeben könnten, die die
Unabhängigkeit und bzw. oder Korrektheit der BGR-Arbeit gefährden könnten –
insbesondere bei BGR-Kuratoriumsmitgliedern aus Wirtschaft und Industrie?
Wenn ja, wann, durch wen, und mit welchen Ergebnissen?
Wenn nein,
a) warum wurde dies nicht geprüft und
b) gab es bezüglich dieser verstärkten Einbindung BGR- und bzw. oder
BMWi-intern Bedenken einzelner Mitarbeiter, und wenn ja, wie wurde
mit diesen Bedenken umgegangen?
Die überwiegende Mehrheit der an den wissenschaftlichen Evaluierungen
beteiligten Kuratoriumsmitglieder entstammt dem Wissenschaftsbereich (siehe
Antwort zu Frage 3). Diese Evaluierungen dienten der Beratung der Bundesregierung
und waren keineswegs verpflichtend hinsichtlich einer Umsetzung der
Empfehlungen. Als bewährtes Instrument der Begutachtung in Wissenschaft und
Forschung wurden diese Evaluierungen von Personen mit hoher Reputation in der
wissenschaftlichen Gemeinschaft durchgeführt. Deshalb gab und gibt es keinen
Anlass, von einer unzulässigen Einflussnahme durch diese Evaluierungen
auszugehen. Vielmehr hat die BGR bereits vor der Evaluierung durch den
Wissenschaftsrat im Jahr 2007 das Instrument der externen wissenschaftlichen
Evaluierung eingesetzt.
8. Nahmen zusätzlich zu BGR-Kuratoriumsmitgliedern seit dem Jahr 1997
noch weitere BGR-Externe Betreuungs- und Controllingaufgaben bei der
BGR wahr?
Wenn ja, jeweils wer in welchem Bereich, und in welchem Zeitraum?
Nein. Die Aufstellung von Forschungsplan und Programmbudget wird
verantwortlich durch die BGR vorgenommen.
9. Wer war das BGR-Kuratoriumsmitglied bzw. waren die BGR-
Kuratoriumsmitglieder, unter dessen bzw. deren Federführung die Bereiche
„Rohstoffwirtschaft“ und „Lagerstättenforschung“ im Jahr 1996 evaluiert wurden (vgl.
hierzu die o. g. Jahresendansprache 1997 des BGR-Präsidenten)?
Die Bereiche „Rohstoffwirtschaft“ und „Lagerstättenforschung Metall“ wurden
im Jahr 1996 unter der Federführung von Prof. Dr. Dr. Werner Gocht vom
Forschungsinstitut für internationale technische und wirtschaftliche Zusammenarbeit
der RWTH Aachen wissenschaftlich evaluiert.
Zu Drittmitteln
10. Wie hoch waren in den letzten zehn Jahren jeweils die Einnahmen der BGR,
differenziert nach Kernhaushalt und Drittmitteln (bitte tabellarische
Übersicht; für die Jahre 2015 und 2016 vgl. Haushaltsangaben auf der BGR-
Webseite)?
11. Jeweils von wem, in welcher Höhe, und wofür erhielt die BGR in den letzten
zehn Jahren im Einzelnen ihre Drittmittel (bitte tabellarische Übersicht mit
differenzierter und konkreter, möglichst projektgenauer Angabe pro Jahr)?
12. Erfasst die BGR elektronisch, welche Drittmittel sie von wem, wann, und
wofür bekommt bzw. bekam?
Wenn ja,
a) bis zu welchem Jahr reicht diese elektronische Erfassung zurück, und
b) ist es dadurch möglich, mit relativ geringem Aufwand eine möglichst
konkrete Drittmittelübersicht zu erstellen bzw. anzugeben?
13. Erhielt die BGR in den letzten zehn Jahren auch Gelder von Privatpersonen,
und wenn ja und sofern diese nicht bei den Drittmitteln, sondern gesondert
erfasst werden, jeweils wie viel von wem, wann, und wofür?
Die Fragen 10 bis 13 werden gemeinsam beantwortet.
Die BGR betreibt seit Anfang 2002 zur Bewirtschaftung ihrer Einnahmen und
Ausgaben ergänzend zum Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen (HKR-
Verfahren) des Bundes hausintern ein betriebswirtschaftlich orientiertes
Rechnungswesen. Ab dem Jahr 2011 hat die BGR sukzessive ergänzend hierzu ein
elektronisches System zum haushaltsrechtskonformen Nachweis zahlungsbegründender
Unterlagen eingeführt.
Die BGR vereinnahmt sämtliche Zahlungen von bundesunmittelbaren
Institutionen sowie rechtlich Dritten über die Einnahmetitel im Kapitel 0915 des
Bundeshaushaltes (bis 2011: Kapitel 0909) einschließlich der den Einnahmetiteln im
HKR-Verfahren des Bundes zugeordneten Objektkonten.
Nachfolgend werden die Einnahmen der BGR nach Zahlungspartnern sowie
Haushaltsjahren der Vereinnahmung dargestellt. Dabei werden die
Zahlungspartner nach ihrer Zugehörigkeit zum öffentlich-rechtlichen und
wissenschaftlich-technischen Sektor sowie nach Sonstigen unterschieden:
Öffentlich-rechtlicher bzw. wissenschaftlich-technischer Sektor:
EU, Bundes- und Landesinstitutionen, kommunale Gebietskörperschaften,
rechtlich unselbstständige Teile internationaler Gebietskörperschaften,
Einrichtungen internationaler Organisationen, nationale und internationale
Universitäten und Hochschulen, nationale und internationale staatliche
geologische Dienste und Forschungseinrichtungen, außeruniversitäre
Forschungseinrichtungen; dazu Einnahmen der BGR aus Veräußerungen von
Vermögensgegenständen sowie Einnahmen der BGR aus Veröffentlichungen über von ihr
beauftragte Kommissionäre und Dienstleister.
Sonstige:
Privatpersonen sowie Unternehmen, mit denen die BGR auf privatrechtlicher
Basis Vereinbarungen getroffen hat.
Der weitaus überwiegende Teil der Einnahmen der BGR entfiel in dem
betrachteten Zeitraum von Anfang 2006 bis heute (Stand der Auswertung: 19. August
2016) auf den öffentlich-rechtlichen und wissenschaftlich-technischen Sektor.
Die Bundesregierung verweist darauf, dass detaillierte Angaben zu den
Rechtsgeschäften, die den verbuchten Einnahmen zugrunde liegen, die rechtliche
Prüfung jedes Einzelfalles erfordern würden. Die rechtliche Prüfung müsste u. a.
schutzwürdige Interessen Dritter wie z. B. personenbezogene Daten nach dem
Bundesdatenschutzgesetz oder Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse
berücksichtigen, würde einen sehr hohen Aufwand bedeuten und ist in dem für die
Beantwortung Kleiner Anfragen zur Verfügung stehenden Zeitrahmen nicht zu leisten.
Eine Prüfung ist deshalb nur beispielhaft für die Beantwortung der Frage 19
durchgeführt worden.
Zum sogenannten Präsidentenfonds des BGR-Präsidenten
14. Wann wurden zuletzt von Forschungsmitteln der BGR Arbeiten prämiert
oder finanziert, mit denen sich auch die Stiftung befasst hatte (vgl. hierzu
Abschnitt 4.7 im Bericht der Internen Revision – IR – des BMWi zur
Ausübung der BMWi-Fachaufsicht gegenüber der BGR vom 9. November 2011,
insbesondere die dortigen Ausführungen zum sogenannten
„Präsidentenfonds“ des BGR-Präsidenten)?
Die Prüfung der Internen Revision hat acht Projekte festgestellt, mit denen sich
einerseits die Stiftung thematisch befasst hat und für die die BGR andererseits
auch Forschungsgelder eingesetzt hat. Nach Kenntnis der Bundesregierung gab
es danach keine weiteren Forschungsprojekte, mit denen sowohl die Stiftung als
auch die BGR befasst waren.
Die BGR hat von den Ausgabeermächtigungen im Kapitel 0909/0915 im Rahmen
ihrer Zweckbestimmung Gebrauch gemacht. Die BGR stellt bzw. stellte sicher,
dass Anträge für Forschungsvorhaben, die aus Mitteln des Titels 544 31 bzw. des
ehemaligen Titels 544 01 bewirtschaftet werden sollen bzw. sollten, seitens des
Präsidenten der BGR genehmigt werden bzw. wurden.
15. Wurden auf derartige Weise ausschließlich für die im o. g. IR-Bericht vom
9. November 2011 auf Seite 33 genannten acht Projekte Mittel abweichend
von den haushalterischen Vorgaben verwendet (so das Prüfergebnis der IR),
oder verwendeten Mitglieder der BGR-Hausleitung, insbesondere BGR-
Präsidenten, auch in anderen Fällen Mittel abweichend von den
haushalterischen Vorgaben, und ggf. jeweils wann, wofür, und in welcher Höhe (die
Frage bezieht sich nicht nur auf das Jahr 2004 und spätere, sondern auch
frühere Jahre; es wird um vollständige, nicht nur beispielhafte Angabe
gebeten)?
Die Interne Revision hat im genannten Bericht keine von den Vorgaben des
Haushaltsgesetzgebers abweichende Mittelverwendung festgestellt. Die BGR hat im
Anschluss an den Bericht der Internen Revision den sachgerechten Einsatz der
Mittel nochmals geprüft und festgestellt, dass die Mittel zweckentsprechend
verwendet worden waren. Fälle, in denen Mitglieder der BGR-Hausleitung Mittel
entgegen solcher Vorgaben verausgabt hätten, sind der Bundesregierung nicht
bekannt.
Konsequenzen aus und Entwicklungen seit dem IR-Bericht des BMWi vom 9.
November 2011
16. Welche Veränderungen im Umgang des BMWi und der BGR mit der
Stiftung gab es nach den sechs Kleinen Anfragen der Bundestagsfraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in der letzten Legislaturperiode?
Welche konkreten Konsequenzen wurden beim BMWi und bei der BGR aus
dem IR-Bericht zur Stiftung vom 9. November 2011 gezogen?
Im Nachgang zu den Kleinen Anfragen des Deutschen Bundestages hat die
Interne Revision des BMWi im Oktober und November 2011 die mit der Martini-
Stiftung verbundenen Vorgänge geprüft. Die von der Internen Revision
ausgesprochenen Handlungsempfehlungen hat die BGR vollständig umgesetzt.
17. Wie viele Preise und Nachwuchspreise vergab die Stiftung nach Kenntnis
der Bundesregierung jeweils seit dem Jahr 2011
a) an Personen mit Bezug zum Geozentrum Hannover wie insbesondere
Mitarbeiter der BGR und
b) an Personen ohne Bezug zum Geozentrum Hannover?
Nach Kenntnis der Bundesregierung wurde der Martini-Preis seit dem Jahr 2011
nicht mehr vergeben. Beim Martini-Nachwuchspreis gab es nach Kenntnis der
Bundes-regierung seit 2011 sieben Preisträger. Bei den Preisträgern wurden in
zwei Fällen die Masterarbeit und in fünf Fällen die Promotion für preiswürdig
befunden. Die Arbeiten wurden prämiert, nachdem die wissenschaftliche
Anerkennung als akademische Abschlussarbeit durch ihre jeweiligen Universitäten
vorlag.
Ausgezeichnet wurden folgende Arbeiten:
Nutzung geothermischer Energie (2011, Leibniz Universität Hannover),
Lumineszenz-Datierung zur Erweiterung der Altersgrenzenbestimmung (2011,
Freie Universität Berlin),
Datierung holozäner Sedimente (2012, Freie Universität Berlin),
Entwicklung neuer Explorationsstrategien basierend auf Labormessungen
(2013, Universität Utrecht, Niederlande),
Entwicklung eines bildgebenden Verfahrens zur Untersuchung von
Fluidmigration (2013, Technische Universität Berlin),
Magnetisierung der Deccan Flutbasalte auf dem Indischen Subkontinent (2014,
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg),
Einfluss und Effekt von Klimaveränderungen im Spätquartär auf regionale
Sedimentablagerungen (2015, Freie Universität Berlin).
Drei Preisträger haben zeitweise in Arbeitsverhältnissen zur BGR gestanden.
Daneben hat die Martini-Stiftung seit 2011 insgesamt acht Stipendien an
Studierende der Universitäten Göttingen, Hamburg, Hannover, Münster und Würzburg
vergeben.
Sonstige Aspekte
18. Enthält der Umschlag, der laut Antwort der Bundesregierung zu Frage 23
auf Bundestagsdrucksache 17/7329 zu den BGR-Akten zur Stiftung gehört,
abgesehen von dem „Informationsmaterial“ nicht nur „nicht gebrauchte
Postüberweisungshefte“ (vgl. Schreiben der BGR an die Abgeordnete Sylvia
Kotting-Uhl vom 30. Mai 2012 zu den BGR-Akten zur Stiftung), sondern
auch Postscheckunterlagen und bzw. oder sonstige Unterlagen, die
Aufschluss über Mittelzu- und -abflüsse geben, und wenn ja, welche (ggf. bitte
vollständige und möglichst konkrete Angabe)?
Der Bundesregierung liegen keine Informationen darüber vor, dass der besagte
Umschlag weitere als die genannten Unterlagen enthielt.
19. War die Direktfinanzierung von Wissenschaftlern durch den Energiekonzern
RWE International SE beim BGR-Projekt „Stability“ eine Ausnahme, oder
gab es in den vergangenen 15 Jahren bei BGR-Vorhaben vergleichbare Fälle
von Personalfinanzierungen durch Industrieunternehmen (zu der RWE-
Finanzierung beim o. g. Projekt vgl. auf der Webseite der gemeinnützigen
Initiative LobbyControl den Artikel „RWE und Bundesanstalt für
Geowissenschaften und Rohstoffe – Kandidat für die Lobbykratie-Medaille“ vom
2. November 2011)?
Wenn ja, welche waren das, wann, und wer waren die Geldgeber?
Die Bundesregierung lässt die Einwerbung von Drittmitteln durch
Ressortforschungseinrichtungen unter bestimmten Voraussetzungen zu, da diese den Erhalt
der wissenschaftlichen Kompetenz der Ressortforschungseinrichtungen fördern,
der nationalen und internationalen Vernetzung im Wissenschaftssystem dienen
sowie zum Wissens- und Technologietransfer beitragen. Gemäß dem „Konzept
einer modernen Ressortforschung“ der Bundesregierung (2007) ist auf „eine
ausgewogene Verteilung der Drittmittelgeber […] zu achten, um Abhängigkeiten
und den Anschein von Befangenheit zu verhindern.“
Auf Grundlage der Regeln, die das „Konzept einer modernen Ressortforschung“
vorsieht, unterstützt das BMWi die Forschungsaktivitäten seiner nachgeordneten
wissenschaftlich-technischen Behörden und deren Bestreben, hierfür Drittmittel
einzuwerben. Den größten Teil der Drittmittel stellt dabei die öffentliche Hand
selbst zur Verfügung (Fördermittel der EU, der Deutschen
Forschungsgemeinschaft, des Bundes, wobei im Falle der BGR das Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit Fördermitteln für die
technische Zusammenarbeit einen hohen Anteil hat). Forschungskooperationen mit der
Wirtschaft erfolgen in der Regel über gemeinsame, öffentlich geförderte Projekte.
Zudem setzen auch einige europäische und nationale Forschungsprogramme eine
Beteiligung der Industrie explizit voraus. Daneben werden auch Aufträge der
Wirtschaft durchgeführt. In diesen Fällen wird darauf geachtet, dass die
Neutralität und die Unabhängigkeit der Bundesanstalten erhalten bleiben, u. a. durch die
Beachtung der o. g. Kriterien (z. B. eine ausgewogene Verteilung der
Drittmittelgeber).
Als geowissenschaftliches Kompetenzzentrum und
Ressortforschungseinrichtung des Bundes berät und informiert die BGR die Bundesregierung, die deutsche
Wirtschaft und die Zivilgesellschaft. Neben dem genannten Projekt „Stability“
führte die BGR in den vergangenen 15 Jahren vereinzelt Aufträge oder in
Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Unternehmen Arbeiten durch, bei denen
Mittel vereinnahmt wurden, aus denen befristete Beschäftigungsverhältnisse im
Rahmen der haushaltsrechtlichen Ermächtigungen der BGR finanziert wurden
(siehe Anlage 2). Ausschlaggebend für die Durchführung von Aufträgen und
Projekten im Rahmen der ihr übertragenen Aufgaben waren jeweils die fachlichen
Alleinstellungsmerkmale der BGR. Aufträge und Projekte wurden nur dann
realisiert, wenn die Arbeiten die wissenschaftliche Expertise der BGR erweiterten.
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ISSN 0722-8333]