[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 12. Oktober 2016
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/9973
18. Wahlperiode 14.10.2016
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Andrej Hunko, Annette Groth,
Dr. André Hahn, weitere Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/9794
Aktueller Stand des EU-weiten Reiseinformations- und -genehmigungssystems
(ETIAS)
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Europäische Kommission prüft die Schaffung eines EU-weiten
Reiseinformations- und -genehmigungssystems („EU Travel Information and
Authorisation System“ – ETIAS –, siehe Ratsdokument 7644/16,
Kommissionsdokument COM(2016) 205 final vom 6. April 2016, Bundestagsdrucksache
18/8872). Es geht um von der Visumpflicht befreite Reisende aus EU-
Drittstaaten. Vor ihrer Einreise sollen sie „sachdienliche Angaben über geplante Reisen“
in ein Onlineformular eingeben. Die Informationen würden „automatisch“
verarbeitet. Dadurch sollen Grenzschutzbeamte „bei der Bewertung von aus
Drittländern stammenden Besuchern“ durch die Möglichkeit einer
„Vorabkontrolle“ unterstützt werden. Laut der Europäischen Kommission könnte dadurch
eine Sicherheitslücke für Reisende aus Ländern, die für Kurzzeitaufenthalte von
der Visumspflicht befreit sind, geschlossen werden. Dies wiege umso schwerer,
als die EU mit immer mehr Ländern Abkommen zur Aufhebung der
Visumspflicht abschließt. Hierzu gehören etwa die Vereinigten Arabischen Emirate und
in Zukunft womöglich auch die Türkei. Jeder Grenzübertritt soll spätestens
72 Stunden vorher angemeldet werden, auf einem Internetformular müssten die
Reisenden neben Personendaten auch Informationen zum geplanten Aufenthalt
mitteilen. Hierzu gehören der Grund der Reise (etwa zu Tourismus- oder
Geschäftszwecken) und ein Reiseplan. In der Diskussion ist auch, die geplanten
Verkehrsmittel angeben zu müssen. Die Daten würden in einer
„Vorabkontrolle“ von den zuständigen Grenzbehörden mit nationalen und internationalen
Informationssystemen abgeglichen. Finden die Sicherheitsbehörden bei der
„Vorabkontrolle“ ein Sicherheitsrisiko, kann die Genehmigung zur Einreise an
den Außengrenzen der EU verweigert werden.
Nach einem vollzogenen „Brexit“ wären auch britische Staatsangehörige zur
Anmeldung des EU-Grenzübertritts verpflichtet. Eine Ausnahme wäre nur
möglich, wenn Großbritannien weiterhin dem so genannten Binnenmarkt angehören
würde, demzufolge Menschen, Waren, Dienstleistungen und Geld frei in der EU
zirkulieren dürfen. Nach dem „Brexit“-Votum entschied die Europäische
Kommission, die Verhandlungen zur Errichtung des ETIAS ohne die britische
Regierung zu führen (The Guardian vom 10. September 2016). Im Oktober 2016
will die Europäische Kommission die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie für
das ETIAS vorlegen, im November 2016 soll dann ein Verordnungsvorschlag
folgen.
1. Wann hat die Bundesregierung den Fragebogen im Ratsdokument 8590/16
zum ETIAS beantwortet, und welche Abteilung des Bundesministeriums des
Innern hat diese Antworten erstellt?
Das Ratsdokument 8590/16 beinhaltet keinen Fragebogen, sondern war ein
Diskussionspapier für die Sitzung des Strategischen Ausschusses für
Einwanderungs-, Grenz- und Asylfragen (SCIFA) am 10. Mai 2016. Daher gibt es hierzu
auch keine formale Beantwortung durch die Bundesregierung. In ihre
Weisungsabstimmung im Vorfeld der genannten Sitzung hat die Bundesregierung die im
Diskussionspapier 8590/16 aufgeworfenen Fragen mit einbezogen. Federführend
koordiniert hat diese Weisungsabstimmung die Abteilung Migration im
Bundesministerium des Innern.
2. Welche Überlegungen hat das Bundesinnenministerium zur Beantwortung
des Fragebogens angestellt?
Für das Bundesministerium des Innern ist es von Bedeutung, dass die im
Diskussionspapier 8590/16 aufgeworfenen Anmerkungen und Fragen in die von der
Europäischen Kommission angekündigte Machbarkeitsstudie Eingang finden, um
ein möglichst umfassendes Bild über ein künftiges ETIAS zu bekommen.
Entsprechend wurde die Weisung für den SCIFA am 10. Mai 2016 ausgestaltet.
Bislang liegen weder die Machbarkeitsstudie noch ein konkreter Legislativvorschlag
zu einem ETIAS vor. Die rechtliche und praktische Ausgestaltung mitsamt
etwaigen Auswirkungen ist noch nicht abzusehen. Frühestens mit dem Vorliegen der
Machbarkeitsstudie und eines Legislativvorschlags können sich die
Bundesregierung und folglich auch das Bundesministerium des Innern näher mit den
Vorstellungen der Europäischen Kommission zu der Thematik befassen. Es gibt daher
auch noch keine ressortabgestimmte Haltung zu den nachfolgend in Buchstaben
a bis k aufgeführten Fragen.
a) Welche bestehenden Systeme könnten von einem EU-weiten
Reiseinformations- und -genehmigungssystem ergänzt werden?
Die Europäische Kommission umschreibt in ihrer Mitteilung „Mehr Sicherheit in
einer von Mobilität geprägten Welt: Besserer Informationsaustausch bei der
Terrorismusbekämpfung und ein stärkerer Schutz der Außengrenzen“ vom
14. September 2016 die Ergänzung bestehender Systeme wie folgt:
„Die Zahl von der Visumpflicht befreiter Personen, die in den Schengen-Raum
einreisen, nimmt stetig zu. Eine zusätzliche Ebene systematischer Kontrollen von
Staatsangehörigen aus Ländern, die von der Visumpflicht befreit sind, wäre eine
wertvolle Ergänzung bereits bestehender Maßnahmen zur Aufrechterhaltung und
Stärkung der Sicherheit des Schengen-Raums.“
b) Welchen Mehrwert bringt ein ETIAS in Bezug auf die Sammlung von
Informationen über Personen aus Drittstaaten, die von der Visumspflicht
befreit sind?
Die Europäische Kommission sieht in ihrer Mitteilung „Mehr Sicherheit in einer
von Mobilität geprägten Welt: Besserer Informationsaustausch bei der
Terrorismusbekämpfung und ein stärkerer Schutz der Außengrenzen“ vom 14. September
2016 den Mehrwert wie folgt: „Es wird die Erfassung von Informationen über
diese Reisenden vor dem jeweiligen Reisebeginn und die Vorabverarbeitung
dieser Daten ermöglichen. Die Reisenden erhalten auf diese Weise die Gewissheit,
dass ihr Grenzübertritt reibungslos erfolgen wird. Die EU-Behörden haben auf
diese Weise die Möglichkeit, die Reisenden im Hinblick auf potenzielle
Sicherheitsrisiken zu überprüfen. Somit würde das System eine Doppelfunktion
erfüllen, nämlich in Bezug auf das Grenzmanagement und auf die
Rechtsdurchsetzung.“
c) Wie könnten die Vorabinformationen mit Passagierdaten (API oder PNR)
kombiniert oder gerastert werden?
Auf die Antwort zu Frage 2 wird verwiesen.
d) Welche Länder sollten zum Geltungsbereich eines ETIAS gehören?
Soweit mit dieser Frage der mögliche Anwendungsbereich eines künftigen
ETIAS gemeint ist, schreibt die Europäische Kommission in ihrer Mitteilung
„Mehr Sicherheit in einer von Mobilität geprägten Welt: Besserer
Informationsaustausch bei der Terrorismusbekämpfung und ein stärkerer Schutz der
Außengrenzen“ vom 14. September 2016: „[d]as System würde mindestens alle von der
Visumpflicht befreiten Drittstaatsangehörigen umfassen, die für einen
Kurzaufenthalt (höchstens 90 Tage innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen) in den
Schengen-Raum einreisen.“
e) Inwiefern sollte ein ETIAS von dem geplanten EU-Ein- und
Ausreisesystem (EES) unabhängig sein oder in dieses integriert werden?
Auf die Antwort zu Frage 2 wird verwiesen.
f) Welche Funktionen des im „Paket Intelligente Grenzen“ der
Europäischen Union ursprünglich vorgesehenen „Registrierungsprogramm für
Reisende“ (RTP) könnte ein EU-weites Reiseinformations- und -
genehmigungssystem übernehmen (Bundestagsdrucksache 18/7835)?
Das überarbeitete Smart Borders Paket zur Errichtung eines Entry-Exit-Systems
vom 6. April 2016 sieht zwar keine allgemeinverbindliche Regelung zur
Einführung eines Registrierungsprogramms für Reisende (RTPs) mehr vor, enthält aber
eine Ermächtigung für die Mitgliedstaaten, in eigener Zuständigkeit nationale
RTPs für nicht freizügigkeitsberechtigte Drittstaatsangehörige vorzusehen.
Inwieweit ein ETIAS einzelne Funktionen eines RTPs übernehmen könnte, ist
gegenwärtig nicht erkennbar. Abschließend lässt sich diese Frage aber erst nach
Vorlage eines konkreten Legislativvorschlags für ein ETIAS beantworten.
g) Auf welche Weise bzw. mit welchen technischen Verfahren (etwa einem
„Single Search Interface“, siehe Bundestagsdrucksache 18/8872) könnte
ein ETIAS mit dem EES „interoperabel“ gemacht werden?
h) Inwiefern sollte ein ETIAS als zentrales System angelegt sein oder eher
vorhandene, nationale Systeme vernetzen?
i) Welche (deutschen) polizeilichen oder geheimdienstlichen Behörden
sollten Daten eines ETIAS nutzen dürfen?
j) Inwiefern hält es die Bundesregierung für sinnvoll oder notwendig, die in
einem EU-weiten Reiseinformations- und -genehmigungssystem
erhobenen Daten auch nach der Ausreise der betreffenden Person weiterhin zu
speichern?
k) Inwiefern hält es die Bundesregierung für sinnvoll, wenn auch die EU-
Agentur Frontex und Europol auf die Daten eines EU-weiten
Reiseinformations- und -genehmigungssystems zugreifen dürfen oder dort geführte
Datenbanken abgefragt werden?
Die Fragen 2g bis 2k werden gemeinsam beantwortet.
Ob und welche Vorstellungen die Europäische Kommission im Hinblick auf die
aufgeworfenen Fragen verfolgt, ist der Bundesregierung nicht bekannt. In der
Mitteilung „Mehr Sicherheit in einer von Mobilität geprägten Welt: Besserer
Informationsaustausch bei der Terrorismusbekämpfung und ein stärkerer Schutz
der Außengrenzen“ vom 14. September 2016 wird auf die genannten Aspekte
nicht näher eingegangen. Es gibt auch noch keine ressortabgestimmte Haltung
der Bundesregierung zu den aufgeworfenen Fragen.
l) Inwiefern sollten auch Agenturen der Europäischen Union abgelehnte
Anmeldungen von Einreisenden bearbeiten?
Die Europäische Kommission hat in ihrer Mitteilung „Mehr Sicherheit in einer
von Mobilität geprägten Welt: Besserer Informationsaustauschbei der
Terrorismusbekämpfung und ein stärkerer Schutz der Außengrenzen“ vom 14. September
2016 zur möglichen Einbindung von EU-Agenturen Folgendes ausgeführt: „Bei
der automatischen Verarbeitung verweigerte Anträge würden an ein zentrales
Team weitergeleitet – zum Beispiel in einer bestehenden EU-Agentur –, das die
eindeutigen Fälle, wie etwa die Nichtbeachtung der Vorschriften über
Kurzaufenthalte, bearbeiten könnte“. Was genau mit „Bearbeitung“ in diesem
Zusammenhang gemeint ist, lässt sich der Kommissionsmitteilung nicht entnehmen.
Insoweit ist der angekündigte Legislativvorschlag abzuwarten.
3. Welche „sachdienlichen Angaben über geplante Reisen“ sollte ein ETIAS
aus Sicht der Bundesregierung unbedingt vorab erheben?
4. Auf welche Weise könnten die von den Reisenden eingegebenen
Informationen aus Sicht der Bundesregierung „automatisch“ verarbeitet werden?
Die Fragen 3 und 4 werden gemeinsam beantwortet.
Hierzu liegen noch keine näheren Angaben der Europäischen Kommission vor.
Daher gibt es auch noch keine ressortabgestimmte Haltung der Bundesregierung
zu den aufgeworfenen Fragen.
5. Mit welchen nationalen oder internationalen Datenbanken sollten diese aus
Sicht der Bundesregierung Informationen „automatisch“ abgeglichen
werden?
Die Europäische Kommission nennt in ihrer Mitteilung „Mehr Sicherheit in einer
von Mobilität geprägten Welt: Besserer Informationsaustausch bei der
Terrorismusbekämpfung und ein stärkerer Schutz der Außengrenzen“ vom 14. September
2016 folgende mögliche Datenbanken: Visa-Informationssystem, Schengener
Informationssystem, Europol-Informationssystem, Interpol-Datenbank für
gestohlene oder verlorene Reisedokumente sowie das Entry-Exit-System. Es wäre nach
Ansicht der Europäischen Kommission auch möglich, eine Anbindung an die
Datenbank für die vorab übermittelten Fluggastdaten (API-Daten) und die
Datenbank für die Fluggastdatensätze vorzusehen. Die Bundesregierung hat zum
jetzigen Zeitpunkt, also vor Machbarkeitsstudie und Legislativvorschlag, noch keine
ressortabgestimmte Haltung zu dieser Fragestellung.
6. Wie bewertet die Bundesregierung die Einführung eines ETIAS für die
Aspekte „wirksame und reibungslose Grenzkontrollen, Leichtigkeit des
Reiseverkehrs, Steuerung von Migration, Sicherheit, Datenschutz und
Grundrechtsrelevanz“?
Die Aspekte „wirksame und reibungslose Grenzkontrollen, Leichtigkeit des
Reiseverkehrs, Steuerung von Migration, Sicherheit, Datenschutz und
Grundrechtsrelevanz“ müssen bei der Ausgestaltung der Kontrolle der Außengrenzen durch
neue Systeme miteinander in Einklang gebracht werden. Das würde auch für die
mögliche Einführung eines ETIAS gelten. Konkret kann diese Frage erst
beantwortet werden, wenn feststeht, dass ein ETIAS eingeführt wird und wie dieses
tatsächlich ausgestaltet ist.
7. Was ist der Bundesregierung über in Ratsarbeitsgruppen vorgetragene
Vorschläge oder Forderungen anderer Regierungen bekannt, in einem ETIAS
auch EU-Bürger zu speichern, und wie positioniert(e) sie sich dazu?
Das ETIAS wurde bislang noch in keiner der Arbeitsgruppen des Rates
thematisiert. Entsprechend liegen der Bundesregierung hierzu auch keine Kenntnisse vor.
Im Übrigen wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 13 der Kleinen
Anfrage auf Bundestagsdrucksache 18/9762 verwiesen.
8. Inwiefern hält die Bundesregierung ein ETIAS für geeignet, Grenzverfahren
bei der Ankunft der Reisenden „schneller und reibungsloser“ vornehmen zu
können (bitte erläutern)?
a) Wann sollte ein geplanter Grenzübertritt durch die Reisenden spätestens
in einem ETIAS angemeldet werden?
b) Welche maximale Gebühr für eine solche Anmeldung hält die
Bundesregierung für verhältnismäßig?
Die Fragen 8 bis 8b werden gemeinsam beantwortet.
Hierzu liegen noch keine näheren Angaben der Europäischen Kommission vor.
Daher gibt es auch noch keine ressortabgestimmte Haltung der Bundesregierung
zu den aufgeworfenen Fragen.
9. Nach welcher Maßgabe und in welchen nationalen Informationssystemen
werden derzeit Übertritte einer EU-Außengrenze nach Deutschland (bona
fide und mala fide) gespeichert?
Informationen zum Grenzübertritt an den EU-/Schengen-Außengrenzen werden
durch die Bundespolizei nicht systematisch gespeichert. Im Einzelfall, etwa bei
Vorliegen eines polizeirechtlichen oder strafrechtlichen Grundes (z. B.
Zurückweisung oder unerlaubte Einreise), werden Zeit und Ort des Grenzübertrittes im
Vorgangsbearbeitungssystem der Bundespolizei erfasst. Eine Auswertung dieser
Informationen ist nur im jeweiligen Einzelfall möglich.
10. Welche Haltung vertritt die Bundesregierung zur Frage, inwiefern Europol
Prüm-Partner werden und zur Kreuztreffersuche von DNA-Daten und
Fingerabdrücken ermächtigt werden sollte, bzw. wann soll die Prüfung der
Bundesregierung zu dieser Frage abgeschlossen sein (Bundestagsdrucksache
18/8872)?
Die Prüfung der Bundesregierung zu dieser Frage ist noch nicht abgeschlossen.
Eine Abschätzung wann diese Prüfung abgeschlossen sein wird, ist nicht möglich.
11. Was ist der Bundesregierung darüber bekannt, welche US-Behörden (Polizei
oder Geheimdienste) nach Abschluss eines Abkommens des U.S. State
Department mit Europol zum Beitritt zu den Auswerteschwerpunkten
„Phoenix“ und „Checkpoint“ zur Bekämpfung des „Migrantenschmuggels“
auf dort gespeicherte Daten zugreifen dürfen (Pressemitteilung Europol vom
19. September 2016)?
Am 19. September 2016 haben Europol und die US-Behörde „US Diplomatic
Security Service“ (DSS) eine Vereinbarung gemäß Artikel 14 Absatz 8 des
Europol-Ratsbeschlusses 2009/371/JI zur Assoziierung des DSS zu den
Auswerteschwerpunkten „Phönix“ (Menschenhandel) und „Checkpoint“
(Schleusungskriminalität) unterzeichnet.
Neben dem DSS sind die US-Behörden „Immigration and Customs Enforcement“
(ICE) und „Customs and Border Protection“ (CBP) zum Auswerteschwerpunkt
„Checkpoint“ assoziiert. Beim Auswerteschwerpunkt „Phönix“ gibt es daneben
keine weitere assoziierte US-Behörde.
Nach Artikel 14 Absatz 2 Satz 2 des Beschlusses 2009/936/JI in Verbindung mit
Artikel 14 Absatz 2 Unterabsatz 2 des Europol-Ratsbeschlusses 2009/371/JI
beschließen die Teilnehmer einer Analysegruppe einstimmig, in welchem Umfang
Daten aus der Datei abgerufen werden dürfen und welche Voraussetzungen und
Einschränkungen hierfür gelten. Ein solcher Beschluss besteht weder für den
Auswerteschwerpunkt „Phönix“ noch „Checkpoint“, so dass mit der
Assoziierung der genannten US-Behörden kein Zugriff auf die dort gespeicherten Daten
verbunden ist.
Über die Verbreitung übermittelter Daten entscheidet nach Artikel 14 Absatz 6
Satz 2 des Europol-Ratsbeschlusses 2009/371/JI der Mitgliedstaat, der Europol
die betreffenden Daten übermittelt hat.
12. Welche Haltung vertritt die Bundesregierung inzwischen zur Frage,
inwiefern das Schengener Informationssystem (SIS II) auch DNA-Daten
speichern und verarbeiten sollte (Bundestagsdrucksache 18/8872)?
Die Prüfung der Bundesregierung zu dieser Frage ist noch nicht abgeschlossen.
13. Welche Haltung vertritt die Bundesregierung zur Frage, inwiefern
Ausschreibungen nach Artikel 36 SIS II auch die Festnahme ermöglichen
sollten, auch wenn kein Europäischer Haftbefehl vorliegt
(Bundestagsdrucksache 18/8872)?
Die Bundesregierung hat hierzu bisher keine abgestimmte Position.
14. Welche Haltung vertritt die Bundesregierung in Bezug auf eine neue
EURODAC-Verordnung zur Frage, inwiefern Sicherheitsbehörden über
noch mehr Zugriffsrechte verfügen sollten, und welche Defizite sollen damit
ausgeglichen werden?
a) Nach welchem Verfahren könnte ein solcher erweiterter Zugriff gestaltet
werden?
b) Welche deutschen Behörden sollten demnach in welchen Fällen über eine
neue Registrierung von Personen in EURODAC informiert werden?
Die Fragen 14 bis 14b werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung hat sich für einen möglichst frühzeitigen Abgleich der
Daten von irregulär in den Schengen-Raum Einreisenden mit vorhandenen
Sicherheitserkenntnissen nationaler Behörden ausgesprochen. Insoweit wird auf die
Antwort der Bundesregierung zu Frage 7 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE
LINKE. auf Bundestagsdrucksache 18/9762 verwiesen.
15. Mit welchem Ergebnis bezieht die Bundesregierung bei ihrer
Meinungsbildung zu einem ETIAS die „Erfahrungen anderer Staaten wie die USA,
Kanada und Australien mit elektronischen Reisegenehmigungsverfahren sowie
Auswirkungen auf den Reiseverkehr“ mit ein?
Die Bundesregierung hat ihre Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen. Eine
solche ist erst möglich, wenn konkrete Überlegungen der Europäischen
Kommission zu einem ETIAS vorliegen. Erst dann kann die Ausgestaltung ggf. mit der
bestehender Systeme verglichen werden, um so die Erfahrungen anderer Staaten
wie den USA, Kanada und Australien mit elektronischen
Reisegenehmigungsverfahren sowie die Auswirkungen auf den Reiseverkehr in die Meinungsbildung
mit einzubeziehen.
16. Welche Haltung vertritt die Bundesregierung zur Frage, unter welchen
Umständen auch britische Staatsangehörige zur Anmeldung eines EU-
Grenzübertritts in einem ETIAS verpflichtet wären?
Die Beantwortung dieser Frage hängt maßgeblich vom Ergebnis möglicher
Austrittsverhandlungen des Vereinigten Königreichs mit der Europäischen Union und
der konkreten Ausgestaltung eines möglichen ETIAS zusammen. Eine
Positionierung zu dieser Frage ist zum jetzigen Zeitpunkt daher nicht möglich.
17. Für wann hat die Europäische Kommission ihren Verordnungsvorschlag für
ein ETIAS angekündigt (sofern möglich, bitte das Datum angeben)?
In ihrer Mitteilung „Mehr Sicherheit in einer von Mobilität geprägten Welt:
Besserer Informationsaustausch bei der Terrorismusbekämpfung und ein stärkerer
Schutz der Außengrenzen“ vom 14. September 2016 hat die Europäische
Kommission einen Legislativvorschlag bis November 2016 angekündigt.
Voraussichtlich am 25. Oktober 2016 dürfte dieser veröffentlicht werden. Ob es sich dabei
um einen Verordnungsvorschlag handeln wird, ist derzeit nicht absehbar.
a) Wer ist für die Durchführung der von der Europäischen Kommission
beauftragten Machbarkeitsstudie zum ETIAS zuständig, und wann genau
soll diese vorliegen?
Nach hiesiger Kenntnis wird die Machbarkeitsstudie im engen Zusammenwirken
der Generaldirektion Migration und Inneres der Europäischen Kommission und
dem Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers erstellt. Die Studie soll im
Oktober 2016 vorliegen.
b) Was ist der Bundesregierung darüber bekannt, seit wann die britische
Regierung von den Verhandlungen zur Errichtung eines ETIAS
ausgeschlossen ist?
Die Verhandlungen zu einem ETIAS haben noch gar nicht begonnen.
Entsprechend liegen der Bundesregierung hierzu keine Kenntnisse vor.
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ISSN 0722-8333]