[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
vom 19. Juni 2017 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/12791
18. Wahlperiode 21.06.2017
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Nicole Maisch, Harald Ebner,
Friedrich Ostendorff, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/12463 –
Reformulierungsstrategie in Deutschland – Aktueller Stand und weiteres Vorgehen
der Bundesregierung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Am 11. Juni 2015 hat der Deutsche Bundestag die Bundesregierung
aufgefordert, eine nationale Reformulierungsstrategie vorzulegen. Eine gesunde und
ausgewogene Ernährung ist wichtiger Bestandteil eines gesunden Lebens. In
Deutschland nehmen gesundheitliche Risiken und Krankheiten wie
Übergewicht, Fettleibigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu, deren Ursachen
auch ein ungesundes Essverhalten und mangelnde Bewegung sind. Besonders
besorgniserregend sind diese Entwicklungen bei Männern und älteren
Menschen.
Die Ergebnisse des aktuellen 13. Ernährungsberichts der Deutschen
Gesellschaft für Ernährung (DGE) zur Übergewichtsentwicklung zeigen, dass
krankhaftes Übergewicht hierzulande noch immer auf dem Vormarsch ist. 59 Prozent
der Männer und 37 Prozent der Frauen sind übergewichtig. In der Altersklasse
der Berufstätigen ist Übergewicht heutzutage so weit verbreitet, dass es der
Normalzustand ist. Männer sind besonders betroffen. Sie sind in allen
Altersgruppen häufiger übergewichtig als Frauen. Der normalgewichtige Mann ist bereits
ab einem Alter von 30 bis 35 Jahren in der Minderheit. Besorgniserregend ist
der Anstieg von Adipositas, krankhafter Fettleibigkeit. Von 1999 bis 2013 nahm
der Anteil adipöser Männer um 40 Prozent und der adipöser Frauen um
24,2 Prozent zu. Insbesondere bei den über 65-Jährigen hat die Anzahl der
Personen mit sehr ausgeprägter Adipositas in der Zeit von 1999 bis 2013 stark
zugenommen: bei den Männern um 300 Prozent und bei den Frauen um 175
Prozent.
Der Beschluss des Deutschen Bundestages fordert die Bundesregierung auf,
gemeinsam mit der Lebensmittelwirtschaft und dem Lebensmittelhandel eine
nationale Strategie für die Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in
Fertigprodukten zu erarbeiten. Die Reformulierung von Fertigprodukten und Fast Food
hat eine große Bedeutung, wenn man bedenkt, dass die Zahl der Deutschen, die
regelmäßig kochen, abnimmt, und zugleich die Zahl der Menschen steigt, die
immer häufiger zu Fertigprodukten und Fast Food greifen (
www.bmel.de/
SharedDocs/Downloads/Broschueren/Ernaehrungsreport2017.pdf?__blob=
publicationFile).
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wollte bis
Ende des Jahres 2016 einen ersten Bericht zum Thema Reformulierung liefern.
Dies ist nicht geschehen.
Dabei werden die EU-Mitgliedstaaten vom Rat der EU aufgerufen, bis Ende des
Jahres 2017 einen nationalen Plan zur Verbesserung der Produktqualität von
Lebensmitteln zu erstellen, um die gesunde Wahl für Verbraucherinnen und
Verbraucher bis zum Jahr 2020 einfacher zu gestalten (
www.consilium.
europa.eu/de/press/press-releases/2016/06/17-epsco-conclusions-food-
productimprovement/). In den auf EU-Ebene gemeinsam erarbeiteten
Rahmenkonzepten wird dabei die Handlungsempfehlung gegeben, dass Produktgruppen mit
dem größten Wirkungspotential priorisiert werden soll. In dem im Jahr 2015
veröffentlichten Anhang „Added Sugars“ sind zu Beispiel elf wichtige
Produktgruppen zur Reduktion des Zuckergehalts definiert. Diese sind zuckergesüßte
Getränke, zuckergesüßte Produkte auf Milchbasis oder Milchersatzbasis,
Frühstückscerealien, Brot und Brotwaren, Süßwaren, Feine Backwaren (z. B.
Kuchen und Kekse), Fertiggerichte (inkl. Halbfertiggerichte/Instantprodukte),
salzige Snacks, Soßen (inkl. Ketchup), zuckergesüßte Desserts, Eiscremes und
Toppings sowie Konservenobst und -gemüse. Darüber hinaus wird eine
Ausweitung auf Schulessen und gastronomische Angebote empfohlen (EU
Framework, Ergänzender Anhang II von 2015, Added Sugars).
V o r b e me r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Mit Blick auf den Beschluss des Deutschen Bundestages vom 11. Juni 2015, mit
dem die Bundesregierung aufgefordert wurde, eine nationale Strategie zur
Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten vorzulegen
(Bundestagsdrucksache 18/3726) sowie auf die Aufforderung an die Mitgliedstaaten der EU
zur Erstellung eines nationalen Planes zur Verbesserung der Produktqualität von
Lebensmitteln bis Ende des Jahres 2017 durch die vom Rat für Beschäftigung,
Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz (EPSCO) am 17. Juni 2016
angenommenen Schlussfolgerungen hat das federführende Bundesministerium für
Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) den Entwurf einer Nationalen Strategie
zur Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten erarbeitet. Dieser
Entwurf wurde am 18. Mai 2017 den Bundesressorts zur Abstimmung übersandt.
Ein Beschluss des Bundeskabinetts wird für Juli 2017 angestrebt.
Verbänden und Fachkreisen wurde der Entwurf der Strategie am 26. Mai 2017
übersandt und Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben.
Da sich der Entwurf derzeit in der Ressortabstimmung und der
Verbändebeteiligung befindet und es somit noch keine abgestimmte Haltung der Bundesregierung
hinsichtlich der Nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker, Fetten und Salz
in Fertigprodukten gibt, können einige der in der Kleinen Anfrage gestellten
Fragen zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantwortet werden.
Bezüglich der in den Fragen 19 und 20 der Kleinen Anfrage thematisierten
Gespräche mit Vertretern der Lebensmittelwirtschaft, Gesundheits- und
Verbraucherorganisationen, Krankenkassen und Ärzteverbänden ist folgendes
anzumerken:
Mitglieder der Bundesregierung, Parlamentarische Staatssekretärinnen bzw.
Parlamentarische Staatssekretäre und Staatssekretärinnen bzw. Staatssekretäre der
Bundesministerien pflegen aufgabenbedingt Kontakte mit einer Vielzahl von
Akteuren und führen kontinuierlich Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern
der von der Thematik betroffenen Verbände. Ein Gedankenaustausch zu
einzelnen Themen kann zudem auch am Rande diverser Veranstaltungen stattfinden.
Eine vollständige und umfassende Aufstellung über all diese Kontakte erfolgt
nicht. Die Auflistung der auf Leitungsebene der Bundesministerien erfolgten
Gespräche in der Antwort zu den Fragen 19 und 20 erfolgt auf Grundlage der
vorliegenden Erkenntnisse sowie vorhandener Unterlagen und Aufzeichnungen, hat
aus den oben genannten Gründen jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
1. Sieht die Bundesregierung Reformulierung weiterhin als eine Maßnahme an,
die unter anderem dabei helfen kann, das Thema Fehlernährung und
Übergewicht besser in den Griff zu bekommen?
2. Ist es zutreffend, dass die Bundesregierung Reformulierung nur als
(Teil-)Instrument einer langfristig angelegten holistischen Strategie zu einer
gesünderen Ernährungsweise ansieht, und welches sind weitere Wege, die
die Bundesregierung aktuell verfolgt, um Übergewicht, Fettleibigkeit und
Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant zu reduzieren?
Die Fragen 1 und 2 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Aus Sicht der Bundesregierung ist die Reformulierung von Lebensmitteln im
Rahmen ihrer ernährungspolitischen Gesamtstrategie eine verhältnispräventive
Maßnahme, die dazu beitragen kann, eine gesunde Ernährung zu erleichtern und
so auch das Risiko für ernährungsmitbedingte Krankheiten, wie z. B.
Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes Typ 2, positiv beeinflussen
kann.
Die Bundesregierung orientiert sich in ihrer ernährungspolitischen
Gesamtstrategie an den Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung
(DGE) und verfolgt v. a. mit dem Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung
„IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr
Bewegung“ einen ganzheitlichen Ansatz, der den multifaktoriellen Ursachen von
Übergewicht und Fettleibigkeit gerecht wird. Dieser Ansatz setzt im Bereich
Ernährung auf Überzeugung und Eigenverantwortung, fördert Ernährungsinformation
und Ernährungsbildung – verbunden mit Angeboten, die die gesunde Wahl
erleichtern.
In erster Linie soll durch Information, Bildungsangebote, Schaffung von
Transparenz und Motivation für Verbraucherinnen und Verbraucher eine Grundlage für
selbstbestimmte Verbraucherentscheidungen gelegt werden. Gleichzeitig sollen
aber auch die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass die Menschen eine
gesunde Ernährung in ihrem Alltag auch tatsächlich verwirklichen können. In
diesem Sinn ist die Reformulierung von Lebensmitteln im Rahmen der
ernährungspolitischen Gesamtstrategie eine verhältnispräventive flankierende
Maßnahme.
3. Ist es zutreffend, dass die Bundesregierung bisher für gesättigte Fette keinen
produktbezogenen Zielwert genannt hat?
Wenn ja, wann wird dieser noch ergänzt?
Da sich der Entwurf der Nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker. Fetten
und Salz in Fertigprodukten noch in der Ressortabstimmung und der
Verbändebeteiligung befindet, kann zu produktbezogenen Zielwerten derzeit keine Angabe
gemacht werden.
4. Wann wird die Bundesregierung einen ersten Bericht zur Bestandsaufnahme
und Bewertung der national und international geplanten und bereits
durchgeführten Reformulierungsmaßnahmen veröffentlichen?
5. Wird dieser Bericht auch eine Identifizierung bestimmter Produktgruppen
enthalten, die für eine Reformulierungsstrategie in Deutschland relevant sein
könnten?
6. Wer hat diesen Bericht erstellt bzw. wird ihn erstellen?
Die Fragen 4 bis 6 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Der Entwurf der Nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker, Fetten und Salz
in Fertigprodukten ist vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
(BMEL) mit wissenschaftlicher Unterstützung des Max Rubner-Instituts
erarbeitet worden. Nach der im Juli 2017 geplanten Beschlussfassung im Bundeskabinett
wird die Strategie veröffentlicht. In dem Entwurf werden die Produktgruppen
genannt, auf die im Rahmen der Strategie fokussiert werden soll. Zudem werden
sowohl die bisherigen als auch die künftigen Reformulierungsaktivitäten auf
nationaler Ebene dargestellt. Ferner ist ein Zeitplan zum weiteren Vorgehen
enthalten.
Die Erstellung bzw. Veröffentlichung eines Berichts zur Bestandsaufnahme und
Bewertung der international geplanten und bereits durchgeführten
Reformulierungsmaßnahmen ist nicht beabsichtigt. Auf die Antwort zu Frage 29 wird
verwiesen.
7. Welche Produktgruppen sind im Hinblick auf Übergewicht, Fettleibigkeit
und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus der Sicht der Bundesregierung
relevant für die Bevölkerung in Deutschland, und werden sich die Festlegungen
vollständig an den Handlungsempfehlungen der EU-Framework
Vereinbarungen orientieren?
Wenn nicht oder nicht vollständig, warum nicht?
Bei der Identifizierung der Produktgruppen orientiert sich die Bundesregierung
an den auf EU-Ebene gemeinsam erarbeiteten Rahmenkonzepten (EU-
Frameworks). Da sich der Entwurf der Nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker,
Fetten und Salz in Fertigprodukten in der Ressortabstimmung und der
Verbändebeteiligung befindet, kann derzeit zu den Produktgruppen, die im Rahmen der
Strategie fokussiert werden, keine Angabe gemacht werden.
8. Verfügt die Bundesregierung über bestimmte Zielvorstellungen zu den
Reduzierungszielen (von Zucker, Salz und Fett) bei einzelnen Produktgruppen?
Der Bundesregierung dienen die auf EU-Ebene vorgeschlagenen
Zielvorstellungen bei der Festlegung der nationalen Reduktionsziele als Orientierung.
9. Wann wird die Nationale Reduktionsstrategie inklusive Nennung der
Reduktionsziele der Öffentlichkeit vorgestellt?
Auf die Antworten zu den Fragen 3 sowie 4 bis 6 wird verwiesen.
10. Werden gemäß den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) – Regionalbüro für Europa alle Marktsegmente in der
Reformulierungsstrategie bzw. im Minimierungsdialog berücksichtigt?
Es ist geplant, im Rahmen der Nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker,
Fetten und Salz in Fertigprodukten bei den zu fokussierenden Produktgruppen
alle Marktbeteiligten (Lebensmittelproduzenten aus Industrie, Handwerk und
Handel) einzubeziehen.
11. Inwieweit hält es die Bundesregierung für sinnvoll, dass Unternehmen wie
z. B. Lidl in ihrer unternehmenseigenen Reformulierungsstrategie (www.
presseportal.de/pm/58227/3543890) und deren Umsetzung zunächst auf
Produkte fokussieren, die gerne von Kindern verzehrt werden, wie
beispielsweise Frühstückscerealien?
Inwieweit schließt die Bundesregierung in ihren Überlegungen
Produktgruppen ein, die von besonders schutzbedürftigen Verbraucher- und
Verbraucherinnengruppen wie zum Beispiel Kindern verzehrt werden?
Die Bundesregierung begrüßt Aktivitäten von Wirtschaftsbeteiligten, die zu
einem größeren Angebot an Lebensmitteln mit niedrigerem Zucker-, Fett- und
Salzgehalt führen. Dies gilt insbesondere mit Blick auf sogenannte vulnerable
Bevölkerungsgruppen wie Kinder und Jugendliche, da z. B. Übergewicht im Kindes-
und Jugendalter mit Übergewicht und weiteren ernährungsmitbedingten
Krankheiten im Erwachsenenalter assoziiert ist.
Für die Bundesregierung ist der Aspekt der vulnerablen Bevölkerungsgruppen
ebenfalls ein Kriterium, das bei den Überlegungen zur Festlegung der im Rahmen
der Nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in
Fertigprodukten zu fokussierenden Produktgruppen eine Rolle spielt.
12. Wann wird die Bundesregierung einen Zeitplan und die weiteren geplanten
Maßnahmen im Rahmen der Nationalen Reformulierungsstrategie vorlegen?
Auf die Antwort zu den Fragen 4 bis 6 wird verwiesen.
13. Ist geplant – ähnlich wie beispielsweise in Frankreich oder Großbritannien –,
die konkreten Reduktionsziele der Unternehmen bzw. Branchen in Form
einer Selbstverpflichtung oder Erklärung öffentlich und transparent zu
machen, z. B. auf einer Webseite?
Wenn nicht, warum nicht?
Es ist geplant, die mit den Wirtschaftsbeteiligten in Form von freiwilligen
Selbstverpflichtungen vereinbarten Reduktionsziele zu veröffentlichen.
14. Wie kann der Verbraucher letztendlich zwischen den reformulierten und
nicht-reformulierten Produkten unterscheiden?
Ist eine Auslobung der Rezeptänderung geplant?
15. Geht die Bundesregierung davon aus, dass parallel zu den reformulierten
Produkten die Produkte in ihrer ursprünglichen Rezeptur weiterhin auf dem
Markt angeboten werden, oder ist es Ziel der Bundesregierung, dass die
Ursprungsprodukte vom Markt genommen werden?
Die Fragen 14 und 15 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Nach Kenntnis der Bundesregierung verfolgen die Lebensmittelhersteller
unterschiedliche Vorgehensweisen. Es gibt Unternehmen, die „still“ reformulieren,
das heißt, die Rezeptur wird schrittweise über einen längeren Zeitraum in Form
kleinerer, kaum sensorisch bemerkbarer Reduktionen verändert. Andere setzen
hingegen auf Kenntlichmachung ihrer reformulierten Produkte. Dies ist
letztendlich eine unternehmerische Entscheidung und soll es auch bleiben, ebenso wie die
Frage des Beibehaltens bzw. des vom Marktnehmens der unveränderten
Produkte.
Der Entwurf der Nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker, Fetten und Salz
in Fertigprodukten sieht vor, Möglichkeiten der Auslobung rezepturveränderter
Produkte zu prüfen, die auch dazu beitragen können, dass die Verbraucherinnen
und Verbraucher solche Produkte leichter erkennen können.
16. Welche Branchen und Anbieterinnen und Anbieter wurden in den
„Minimierungsdialog“ bislang einbezogen, und wie hat sich dieser Prozess gestaltet?
Im Rahmen der Wirtschaftsanhörung zur Vorbereitung der Kabinettbefassung
wurden alle großen Verbände der Ernährungswirtschaft und mit Blick auf die zu
fokussierenden Produktgruppen auch die betroffenen Branchenverbände
beteiligt. Im Rahmen der Vorbereitung des Entwurfs der Strategie fanden darüber
hinaus im Verlauf der vergangenen Monate auf Arbeitsebene zahlreiche Kontakte
und Gespräche mit den betroffenen Verbänden statt (vgl. Antwort zu Frage 19).
17. Welche Maßnahmen wird die Bundesregierung ergreifen, wenn sich
Branchen nicht freiwillig an dem Prozess der Festlegung von Reduktionszielen
für Produktgruppen beteiligen und sich keine Einigungen erzielen lassen?
Wann (unter der Nennung einer zeitlichen Konkretisierung) würden solche
Maßnahmen ergriffen?
Die Bundesregierung geht davon aus, dass es zu freiwilligen
selbstverpflichtenden Vereinbarungen mit der Wirtschaft kommen wird.
18. Wird der Prozess der Festlegung von Reduktionszielen transparent
durchgeführt (zum Beispiel in Form von veröffentlichten Protokollen), und werden
an diesem Prozess Vertreterinnen und Vertreter von
Verbraucherorganisationen teilnehmen?
Wenn nein, warum nicht?
Fragen zur Transparenz des Prozesses der Festlegung von Reduktionszielen
werden zu gegebener Zeit mit allen daran Beteiligten geklärt werden. Auf die
Antwort zu Frage 13 wird verwiesen.
Eine den Strategieprozess begleitende Beteiligung von Vertreterinnen bzw.
Vertretern von Verbraucherorganisationen ist vorgesehen.
19. Welche Gespräche wurden bereits mit der Lebensmittelwirtschaft und dem
Lebensmittelhandel zum Thema Reformulierung geführt (bitte Nennung mit
Datum, Teilnehmerinnen- und Teilnehmerkreis und Zielvorgaben der
einzelnen Sitzungen)?
20. Welche Gespräche wurden mit Vertreterinnen und Vertretern von
Gesundheits- und Verbraucherorganisationen, Krankenkassen und Ärzteverbänden
geführt, und inwiefern ist die Einbindung dieser Akteurinnen und Akteure in
den Entwurf und die Begleitung der Reformulierungsstrategie vorgesehen?
Die Fragen 19 und 20 werden aufgrund inhaltlicher Analogien zusammen
beantwortet.
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung zur Beantwortung der beiden
Fragen wird verwiesen. Es wurden auch Termine aufgelistet, bei denen das Thema
Reformulierung nur eines unter mehreren Gesprächsthemen war.
Darüber hinaus wurden vom federführenden BMEL auf Arbeitsebene zahlreiche
Gespräche u. a. mit dem Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde
(BLL), dem Milchindustrieverband (MIV), der Wirtschaftsvereinigung
alkoholfreie Erfrischungsgetränke (wafg), dem Verband der deutschen Fruchtsaft-
Industrie (VdF), dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks (ZVDB), der
Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der Deutschen Gesellschaft für
Ernährung (DGE), der REWE-Group sowie Nestlé geführt.
Die Gespräche dienten einerseits einem allgemeinen Informationsaustausch zur
geplanten Erstellung einer Nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker, Fetten
und Salz in Fertigprodukten. Andererseits wurden sie genutzt, um den
Wirtschaftsbeteiligten die Wichtigkeit des Abschlusses freiwilliger
Selbstverpflichtungen zu verdeutlichen.
Datum Anlass Teilnehmerkreis
01.06.2015 Gespräch mit dem
Bundesverband der deutschen
Süßwarenindustrie e. V. (BDSI)
- Herr Stephan Nießner, Vorsitzender
- Herr Klaus Reingen, Hauptgeschäftsführer
- Herr Staatsekretär a. D. Dr. Robert Kloos
- Vertreter Arbeitsebene BDSI und Fachebene BMEL
26.02.2016 Gespräch mit Vertretern der
Zuckerverbände und der
Zuckerindustrie
- Herr Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer WVZ
- Herr Axel Aumüller, Vorsitzender des Vereins der
Zuckerindustrie und Vorstandsmitglied der Nordzucker AG
- Herr Dr. Wolfgang Heer, Vorstandsvorsitzender
Südzucker AG
- Herr Staatsekretär a. D. Dr. Robert Kloos
- Vertreter Fachebene BMEL
08.06.2016 Gespräch mit Vertretern der
Zuckerverbände und der
Zuckerindustrie
- Herr Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer WVZ
- Herr Axel Aumüller, Vorsitzender des Vereins der
Zuckerindustrie und Vorstandsmitglied der Nordzucker AG
- Herr Dr. Wolfgang Heer, Vorstandsvorsitzender
Südzucker AG
- Herr Dr. Thomas Kuhlmann, Geschäftsführer der Pfeifer
& Langen GmbH und Co. KG
- Herr Staatssekretär a. D. Dr. Robert Kloos
- Vertreter Fachebene BMEL
Datum Anlass Teilnehmerkreis
14.06.2016 Mitgliederversammlung der
Wirtschaftlichen
Vereinigung Zucker (WVZ)
- Herr Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer WVZ
- Herr Axel Aumüller, Vorsitzender des Vereins der
Zuckerindustrie und Vorstandsmitglied der Nordzucker AG
- Herr Dr. Wolfgang Heer, Vorstandsvorsitzender
Südzucker AG
- Herr Dr. Thomas Kuhlmann, Geschäftsführer der Pfeifer
& Langen GmbH und Co. KG
- Herr Staatssekretär a. D. Dr. Robert Kloos
- Vertreter Fachebene BMEL
09.09.2016 Gespräch mit der Südzucker
AG
- Herr Dr. Wolfgang Heer, Vorstandsvorsitzender
- Frau Susanne Langguth, Direktorin Qualität und
Verbraucherpolitik
- Herr Parl. Staatssekretär Peter Bleser
- Vertreter Fachebene BMEL
21.10.2016 Gespräch mit der
Wirtschaftlichen Vereinigung
Zucker (WVZ)
- Herr Dr. Hans-Jörg Gebhard, Vorsitzender
- Herr Axel Aumüller, Vorsitzender des Vereins der
Zuckerindustrie
- Herr Helmut Bleckwenn, Mitglied Vorstand
- Herr Bernhard Conzen, Mitglied Vorstand
- Herr Dr. Wolfgang Heer, Stellv. Vorsitzender
- Herr Dr. Thomas Kuhlmann, Stellv. Vorsitzender des
Direktoriums des Vereins der Zuckerindustrie
- Herr Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer
- Herr Staatssekretär Dr. Onko Aeikens
- Vertreter Fachebene BMEL
22.11.2016 Parlamentarischer Abend
der Wirtschaftlichen
Vereinigung Zucker (WVZ) und
des Vereins der
Zuckerindustrie e. V.
- Herr Staatssekretär Dr. Onko Aeikens
- Frau Parl. Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth
25.11.2016 Gespräch mit dem Bund für
Lebensmittelrecht und
Lebensmittelkunde (BLL)
- Herr Stephan Nießner, Präsident
- Herr Dr. Marcus Girnau, Stellv. Hauptgeschäftsführer
- Herr Staatssekretär Dr. Onko Aeikens
02.12.2016 Gespräch mit dem
Bundesverband der deutschen
Süßwarenindustrie e. V. (BDSI)
- Herr Stephan Nießner, Vorsitzender
- Herr Klaus Reingen, Hauptgeschäftsführer
- Herr Dr. Michael Heinemann, Vorsitzender
Landesgruppe Ost
- Herr Staatssekretär Dr. Onko Aeikens
- Vertreter der Fachebene BMEL
Datum Anlass Teilnehmerkreis
22.12.2016 Gespräch mit Nordzucker
AG
- Herr Axel Aumüller, Vorsitzender des Vereins der
Zuckerindustrie und Vorstandsmitglied der Nordzucker AG
- Vertreter Arbeitsebene Nordzucker AG
- Frau Parl. Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth
- Vertreter Fachebene BMEL
29.01.2017 Internationale
Süßwarenmesse (ISM) 2017
- Herr Bastian Fassin, Vorsitzender des AISM
(Arbeitskreis der Internationalen Süßwarenmesse)
- Herr Stephan Nießner, Vorsitzender des BDSI
(Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie)
- Herr Klaus Reingen, Hauptgeschäftsführer BDSI
- Herr Hans Strohmaier, Vorsitzender des Vorstandes der
SG (Sweets Global Network)
- Herr Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung
Koelnmesse GmbH
- Frau Katharina C. Hamma, Geschäftsführerin der
Koelnmesse GmbH
- Herr Parl. Staatssekretär Peter Bleser
- Vertreter Fachebene BMEL
08.02.2017 Gespräch mit der
Wirtschaftlichen Vereinigung
Zucker (WVZ)
- Herr Axel Aumüller, Vorsitzender des Vereins der
Zuckerindustrie (VdZ) und Vorstandsmitglied der
Nordzucker AG
- Herr Helmut Bleckwenn, Vorstandsmitglied WVZ
- Herr Bernhard Conzen, Vorstandsmitglied WVZ
- Herr Dr. Thomas Kirchberg, Mitglied des Direktoriums
des VdZ undVorstandsmitglied der Südzucker AG
- Herr Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer WVZ
- Herr Parl. Staatssekretär Peter Bleser,
- Vertreter Fachebene BMEL
23.02.2017 Besuch der Südzucker AG
am Standort Ochsenfurt
- Herr Dr. Wolfgang Heer, Vorstandsvorsitzender
- Herr Dr. Thomas Kirchberg, Mitglied des Vorstands
- Frau Susanne Langguth, Direktorin Qualität und
Verbraucherpolitik
- Vertreter Arbeitsebene Südzucker
- Herr Paul Lehrieder, MdB, CSU,
- Herr Dr. Fred Zeller, Geschäftsführer der Süddeutschen
Zuckerrübenverwertungs-Genossenschaft SZVG
(Hauptaktionär der Südzucker AG)
- Herr Bundesminister Christian Schmidt
- Vertreter Fachebene BMEL
28.03.2017 Gespräch mit
Vorstandsmitgliedern der Südzucker AG
- Herr Dr. Wolfgang Heer, Vorsitzender des Vorstands
- Herr Dr. Thomas Kirchberg, Mitglied des Vorstands
- Herr Staatssekretär Dr. Onko Aeikens
- Vertreter Fachebene BMEL
Datum Anlass Teilnehmerkreis
30.04.2017 Mitgliederversammlung des
Bayerischen
Bäckerhandwerks
- Herr Landesinnungsmeister Heinz Hoffmann
- Herr Bundesminister Christian Schmidt
- Vertreter Fachebene BMEL
16.05.2017 Gespräch mit der
Nordzucker AG
- Herr Christian Kionka - Corporate Public Affairs
- Frau Parl. Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth
19.05.2017
Mitgliederhauptversammlung des Bundesverbandes
der deutschen
Süßwarenindustrie e. V. (BDSI)
- Herr Nießner, Vorsitzender des Präsidiums
- Herr Reingen, Hauptgeschäftsführer
- Herr Bundesminister Christian Schmidt
- Vertreter Fachebene BMEL
21. Werden neben dem Max-Rubner-Institut weitere unabhängige
wissenschaftliche Expertinnen und Experten und Institutionen in den Dialogprozess
eingebunden?
Wenn ja, welche?
Im weiteren Strategie- und Dialogprozess soll auch die wissenschaftliche
Expertise weiterer Experten und Institutionen, z. B. von Wissenschaftlern aus den vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekten
der Fördermaßnahme „Kompetenzcluster Ernährungsforschung“, eingebunden
werden.
22. Ist auch das Handwerk in den Dialogprozess einbezogen (z. B.
Bäckerinnung)?
Das Handwerk ist in den Dialogprozess eingebunden. Auf die Antwort zu den
Fragen 19 und 20 wird verwiesen.
23. Welche inhaltlichen und zeitlichen Vorgaben sind Gegenstand des Dialogs?
24. In welchen zeitlichen Abständen finden Sitzungen statt?
Handelt es sich um einen kontinuierlichen Prozess?
Die Fragen 23 und 24 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Zu den inhaltlichen Vorgaben gehört, dass die Reduktion von Zucker, Fetten und
Salz in Fertigprodukten kein Selbstzweck sein darf, sie muss technologisch
machbar und aus ernährungsphysiologischer Sicht sinnvoll sein sowie zu
geschmacklich akzeptablen Resultaten führen. Die Reduktion von Zucker, Fetten und Salz
soll im Sinne einer Produktverbesserung im besten Fall auch mit einer Reduktion
der Energiedichte einhergehen und darf nicht dazu führen, dass im Produkt z. B.
Zucker durch höherkalorisches Fett substituiert wird.
Da sich der Strategieentwurf in der Ressortabstimmung und der
Verbändebeteiligung befindet, können derzeit keine konkreten Angaben zu den zeitlichen
Vorstellungen zum weiteren Vorgehen gemacht werden. Auf die Antwort zu Frage 6
wird verwiesen.
25. Wie werden Fortschritte in dem Prozess gemessen?
26. Welche Art des Monitorings ist im Rahmen der Reformulierungsstrategie
geplant?
27. Mit welchen Maßnahmen will die Bundesregierung erreichen, dass bereits
im Jahr 2020 messbar mehr gesündere Lebensmittel auf dem Markt sind, und
wie konkret soll eine solche Messung vorgenommen werden?
Die Fragen 25 bis 27 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Um den Stand der Umsetzung und die Fortschritte der nationalen
Reduktionsstrategie zu erfassen sollen im Rahmen eines Monitorings die Zufuhr von Zucker,
Fetten und Salz sowie der Gesundheitsstatus in der Bevölkerung und die Gehalte
an Zucker, Fetten und Salz in den Lebensmitteln überprüft werden.
Große nationale Ernährungs- und Gesundheitssurveys bilden den Rahmen für ein
Monitoring der Zucker-, Fett- und Salzzufuhr sowie deren gesundheitliche
Auswirkungen. Deutschland verfügt sowohl im Ernährungs- als auch im
Gesundheitsmonitoring über langjährige Expertise. Aktuell wird gemeinsam vom Max
Rubner-Institut (MRI) und dem Robert Koch-Institut (RKI) in Fortführung der
Nationalen Verzehrsstudie (NVS), des Nationalen Ernährungsmonitorings
(NEMONIT) und des Gesundheitsmonitorings DEGS/GEDA eine bundesweite
repräsentative Studie zu Ernährung und Gesundheit der erwachsenen
Bevölkerung in Deutschland geplant.
Auf Basis eines repräsentativen Verbraucherpanels wurden Daten zu im
Lebensmitteleinzelhandel gekauften industriell vorgefertigten Produkten beschafft und
vom MRI die Spannbreiten der Zucker-, Fett- und Salzgehalte ermittelt. Es ist
geplant, zur Überprüfung der vereinbarten Reduktionsziele die Zucker-, Fett- und
Salzgehalte in den entsprechenden Produkten in regelmäßigen Abständen erneut
zu erheben.
Darüber hinaus existiert mit dem vom MRI betreuten
Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) in Deutschland nicht nur ein Standardinstrument zur Auswertung von
ernährungsepidemiologischen Studien und Verzehrserhebungen, sondern auch
eine umfängliche Datenbank für den Nährstoffgehalt von fast 15 000
Lebensmitteln. Besonders die Produktgruppen, bei denen im Rahmen der nationalen
Strategie die Rezepturen verändert werden sollen, sollen in regelmäßigen zeitlichen
Abständen analysiert werden. Auch auf diese Weise kann zusätzlich ermittelt
werden, inwieweit die Reduktionsziele erreicht werden.
28. Hat das BMEL andere Bundesministerien in die Erarbeitung der
Reformulierungsstrategie eingebunden oder ist eine Einbindung geplant?
Wenn ja, welche?
Wenn nicht, warum nicht?
Im Rahmen der derzeit laufenden Ressortabstimmung wurden das
Bundesministerium für Gesundheit, das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, das
Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Bundesministerium der
Justiz und für Verbraucherschutz sowie nachrichtlich alle übrigen Bundesressorts
beteiligt.
29. Was sind die Ergebnisse der von der Bundesregierung in ihrer Antwort
auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom
18. Dezember 2015 (Bundestagsdrucksache 18/7135, Antwort zu Frage 4)
erwähnten Auswertung einer Befragung der EU-Mitgliedstaaten zum Thema
Reformulierung?
Unter der EU-Ratspräsidentschaft der Slowakei wurde in der zweiten Jahreshälfte
2016 eine Befragung der EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen und der Schweiz
zum Thema „Best practices of Members States on Food reformulation“
durchgeführt. Daran haben sich 22 Mitgliedsstaaten sowie Norwegen und die Schweiz
beteiligt. Die Auswertung der Ergebnisse ergab, dass am häufigsten ein Fokus auf
Salz gelegt wurde (23 Länder), gefolgt von zugesetztem Zucker, trans-Fettsäuren,
Gesamtfett (jeweils 20 Länder) und gesättigte Fettsäuren (18 Länder).
30. Inwiefern greift die Bundesregierung auf die Informationen und Analysen
des von der Europäischen Kommission geförderten Europäischen Netzwerks
zum Thema Rezepturumstellungen in Lebensmitteln „SALUX“ (www.
salux-project.eu/de) zurück?
Befindet sich die Bundesregierung im Austausch mit den beteiligten
Universitäten (z. B. TU Berlin, Universität Hohenheim)?
Wie werden die im Rahmen von SALUX gewonnen Erkenntnisse in die
deutsche Reformulierungsstrategie einfließen?
Die im Rahmen von SALUX gewonnenen und veröffentlichten Erkenntnisse sind
in den Entwurf für die Nationale Strategie zur Reduktion von Zucker, Fetten und
Salz in Fertigprodukten eingeflossen. Ein direkter Austausch mit den an SALUX
beteiligten Universitäten hat bisher nicht stattgefunden.
31. Welche Stellen und Aktivitäten sind zum Thema Reformulierung im
Bundeszentrum für Ernährung geplant?
Im Rahmen der Nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker, Fetten und Salz
in Fertigprodukten sind Informations- und Sensibilisierungsaktivitäten geplant,
z. B. durch Broschüren und Informationsmaterialien, Internetseiten und
Medieninformationen. Dabei sollen sowohl breitenwirksame als auch
zielgruppenorientierte Maßnahmen ergriffen werden. Eine Einbindung des Bundeszentrums für
Ernährung (BZfE) ist vorgesehen, zusätzliche Stellen sind derzeit nicht geplant.
32. Inwiefern sind öffentliche Dialogveranstaltungen zum Thema
Reformulierung geplant, bei denen neben der Wirtschaft auch die Zivilgesellschaft
eingebunden wird?
Da bereits eine den Strategieprozess begleitende Beteiligung von Vertreterinnen
und Vertretern der Zivilgesellschaft vorgesehen ist, wird kein Erfordernis für
weitere öffentliche Dialogveranstaltungen gesehen.
33. Inwiefern werden Verbraucherinnenerwartungen und
Verbrauchererwartungen bzw. -anforderungen an Lebensmittelprodukte hinsichtlich Geschmack,
Konsistenz etc. berücksichtigt?
Rezepturänderungen von Lebensmitteln werden sich nur dann am Markt
durchsetzen, wenn sie vom Verbraucher akzeptiert werden. Dies gilt insbesondere für
Geschmack und Konsistenz der Produkte. Insofern müssen die Rezepturen
maßvoll, in einer vom Verbraucher geschmacklich akzeptierten Weise geändert
werden.
34. Welche Forschungseinrichtungen betreiben nach Kenntnis der
Bundesregierung Forschung im Bereich der Reformulierung?
35. Welche Forschungsprojekte werden mit Steuergeldern finanziert?
36. In welcher Form beabsichtigt die Bundesregierung, mit Steuergeldern
finanzierte Forschungsergebnisse bekannt zu machen und sie der
Lebensmittelwirtschaft, der Wirtschaft und der Öffentlichkeit zu Verfügung zu stellen?
Die Fragen 34 bis 36 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Der Bundesregierung liegen nur punktuell Informationen zu universitären (z. B.
TU Berlin, Universität Hohenheim) oder privatwirtschaftlichen
Forschungseinrichtungen vor, die Forschung im Bereich der Reduktion von Zucker, Fetten und
Salz in Lebensmitteln betreiben.
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) wird
vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) institutionell
gefördert und befasst sich u. a. mit Forschung zur gesünderen Zusammensetzung von
Lebensmitteln.
Im Geschäftsbereich des BMEL wurden beim Max Rubner-Institut (MRI) im
letzten Jahr Vorlaufforschungsprojekte angestoßen, um die Möglichkeiten und
Grenzen einer Produktreformulierung, die die Industrie häufig vor
technologische, lebensmittelsicherheitsrelevante und sensorische Herausforderungen stellt,
wissenschaftlich zu erörtern. Insgesamt wurden vom Max Rubner-Institut neun
Projekte gestartet, die sich der Reduktion von Fett, Salz und Zucker
beziehungsweise dem Einsatz von Ersatzprodukten oder der Erhöhung der
Geschmackswirkung – bei Zucker und Salz – widmen. Die Forschungsvorhaben werden teilweise
in Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft
durchgeführt und sind auf den Internetseiten des MRI ausführlich dargestellt
(
www.mri.bund.de/de/themen/reformulierung/). Die Gesamtfördersumme
beträgt rund 2 Mio. Euro.
Zusätzlich wurde Ende September 2016 im Bundesanzeiger eine Ausschreibung
im Rahmen des BMEL-Innovationsförderprogramms („Förderung von
Innovationen zur Reduktion von Salz, Fetten und Zuckern in Lebensmitteln“)
veröffentlicht. Im Rahmen dieser Bekanntmachung werden weitere Projekte mit
Wirtschaftsbeteiligung im Bereich der Reduzierung von Salz, Fett und Zucker in
Lebensmitteln mit einem Gesamtfördervolumen von rund 3 Mio. Euro gefördert
werden.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert derzeit im Rahmen
der Fördermaßnahme „Kompetenzcluster Ernährungsforschung“ insgesamt vier
regionale Cluster in einer ersten Förderphase. Die folgenden drei Cluster dieser
Fördermaßnahme befassen sich u. a. unmittelbar mit der gesünderen
Zusammensetzung von Lebensmitteln:
„nutriCARD“ - Kompetenzcluster für Ernährung und kardiovaskuläre
Gesundheit
Laufzeit: 1. Mai 2015 - 30. April 2018;
Gesamtfördersumme: 4 901 855 Euro
„enable“ - Förderung einer gesunden Ernährung in allen Lebensphasen
Laufzeit: 1. Juni 2015 - 31. Mai 2018; Gesamtfördersumme: 5 768 090 Euro
„NutriAct“ - Ernährungsintervention für gesundes Altern
Laufzeit: 1. Juni 2015 - 31. Mai 2018; Gesamtfördersumme: 5 564 252 Euro
Die aus verschiedenen der genannten Maßnahmen der Forschungsförderung
gewonnenen Ergebnisse und entwickelten Verfahren sollen vor allem kleinen und
mittleren Unternehmen (KMU) nutzbar gemacht werden, um Anreize zu setzen,
ihre Einbindung zu erleichtern und dafür zu sorgen, dass die Reformulierung
nicht zum treibenden Faktor eines Strukturwandels hin zu großen, global
agierenden Lebensmittelunternehmen wird.
37. Wie will die Bundesregierung Herstellerinnen und Hersteller dazu bewegen,
ihre Produkte gesünder zu machen?
Welche Rolle spielen dabei verbindliche Regeln, welche freiwillige
Absprachen, welche Anreize?
Auf die Antwort zu Frage 17 wird verwiesen.
Ein zusätzlicher Anreiz könnten verbesserte Optionen zur Auslobung sein.
38. Plant die Bundesregierung eine besondere Unterstützung für kleinere
Herstellerinnen und Hersteller, um diese bei der Umsetzung der anspruchsvollen
Reformulierungstechnologien nicht abzuhängen?
Auf die Antwort zu den Fragen 34 bis 36 wird verwiesen.
39. Welche weiteren Bundeshaushaltsmittel sind für die Erarbeitung und
Umsetzung der Reduktionsstrategie geplant?
Wofür werden diese verwendet?
Zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker, Fetten und
Salz in Fertigprodukten sind Informations- und Sensibilisierungsmaßnahmen für
Verbraucherinnen und Verbraucher geplant. Die Höhe der dafür benötigten
Haushaltsmittel wird im Rahmen der weiteren Planungen konkretisiert.
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken,
www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim,
www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]