[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit vom 29. Juni 2017 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/13055
18. Wahlperiode 03.07.2017
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Bärbel Höhn, Annalena Baerbock,
Oliver Krischer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/12628 –
Trockenheit in weiten Teilen Deutschlands
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Weite Teile Deutschlands leiden derzeit unter einer extremen Trockenheit.
Insbesondere im Südwesten Deutschlands ist seit Monaten weniger Regen gefallen
als im langjährigen Mittel. In einigen Regionen ist im April der Regen sogar
ganz ausgeblieben. Schon in den letzten zwei Jahren sind die meisten Monate
deutschlandweit zu trocken ausgefallen. Der vergangene Dezember 2016 war
sogar der trockenste seit 1963 – also seit 53 Jahren. Die Grundwasserstände
haben zum Teil kritische Stände erreicht. Die fortschreitende Klimakrise führt
zu Verschiebungen und Veränderungen bei den Niederschlägen, die z. T.
regional erhebliche Ausmaße annehmen können.
1. Welche aktuellen Daten zur gegenwärtigen Trockenheit in Deutschland
liegen der Bundesregierung derzeit vor, und mit welcher weiteren Entwicklung
der Niederschlagsmengen rechnet die Bundesregierung?
Die deutschlandweite Niederschlagsmenge auf Basis der Stationsauswertungen
lag in den Wintermonaten mit 115 Litern pro Quadratmeter (l/m2) bei nur 64
Prozent des Solls von 181 l/m2. Dabei war in allen Bundesländern in der Mitte und
im Süden Deutschlands ein Niederschlagsdefizit auszumachen. Der erheblich zu
trockene Winter in Deutschland ist Teil eines europaweit verbreitet zu trockenen
Winters von denen insbesondere die westlichen und südlichen Nachbarländer
Deutschlands ebenfalls betroffen waren.
Das Frühjahr des Jahres 2017 begann mit dem wärmsten März seit Messbeginn
im Jahr 1881 mit vielen neuen Temperaturrekorden an den Messstellen des
Deutschen Wetterdienstes (DWD). Die Niederschlagsmenge lag im
deutschlandweiten Mittel im Soll, verteilte sich aber regional äußerst unterschiedlich, wobei in
einem Streifen von Rheinhessen über den Hunsrück bis hin zur Eifel lediglich
etwa 25 l/m² im gesamten Frühjahr zu verzeichnen waren.
Der April war dagegen mit rund 40 l/m² erneut unter dem Soll von l/m² und damit
wieder verbreitet zu trocken. Besonders im Westen spitzte sich die allgemeine
Trockenheit weiter zu. In Rheinland-Pfalz und im Saarland fielen gebietsweise
weniger als 5 l/m² bzw. 10 Prozent des Monatssolls. Damit kamen dort seit
Jahresbeginn örtlich nur etwa 60 l/m² zusammen. Vereinzelt brachen erste
Waldbrände aus. Völlig anders zeigte sich der April dagegen im Süden. Die vor allem
ab der Monatsmitte von Norden heranziehenden Wolken führten oft an den Alpen
zu Stauniederschlägen. Auf diese Weise entstanden in Oberbayern
Monatssummen von fast 200 l/m² und damit ein Vielfaches der Niederschläge im Saarland.
Der gerade beendete Mai des Jahres 2017 verlief sehr warm, mit deutlichem
Niederschlagsdefizit und überdurchschnittlicher Sonnenscheindauer. Er war zwar
nicht so verbreitet trocken wie der April, allerdings haben die in der Mehrzahl als
Schauer und Gewitter gefallenen Niederschläge im deutschlandweiten Mittel nur
rund 55 l/m² gebracht. Somit fehlten dem Mai rund 20 Prozent zum Soll von
72 l/m². Die Niederschläge verteilten sich aufgrund ihres konvektiven Charakters
sehr ungleichmäßig und auf Ereignisse, die nur örtlich begrenzt auftraten und
führten somit auch nur örtlich zu einer Entspannung der anhaltenden Trockenheit.
Ausreichend fielen sie nur im äußersten Süden mit regional über 200 l/m² und in
Gebieten, die von Gewittern mit Starkregen getroffen wurden. So meldete
Alzenau, nordwestlich von Aschaffenburg, am 4. Mai innerhalb weniger Stunden
48,6 l/m². Besonders benachteiligt blieben dagegen der Osten sowie der äußerste
Westen Deutschlands, wo sich die Trockenheit weiter verschärfte – örtlich fielen
dort nur knapp 5 l/m².
Vorbehaltlich der Wirksamkeit der über Pfingsten bei einer Umstellung auf
deutlich kühleres Wetter teilweise unwetterartig gefallenen Niederschläge sieht die
Monatsvorhersage (4-Wochen-Vorhersage, Abbildung 1) des DWD in der ersten
vollen Juni-Woche, abgesehen von einem zu nassen Bayern und einem zu
trockenen Mecklenburg-Vorpommern und Saarland, die Klasse der normalen
Niederschlagsmengen als am Wahrscheinlichsten an. Für die folgenden drei Wochen
wird der Trend aber immer trockener und wärmer. Von den vorbenannten
regionalen Abweichungen abgesehen, wird insgesamt eine niederschlagsärmere
Wetterphase im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten der Referenzperiode
erwartet. Dieses Signal steht damit in gutem Einklang zur Temperaturvorhersage,
die auch von überwiegend zu warmen Verhältnissen ausgeht. Die Belastbarkeit
der letzten zwei Wochen der Vorhersage ist aber limitiert.
Abbildung 1: 4-Wochen-Vorhersage des DWD für die wahrscheinlichste Niederschlagsklasse.
2. In welchen Regionen Deutschlands sind die Grundwasserstände nach
Kenntnis der Bundesregierung zuletzt deutlich gesunken, welche Folgen ergeben
sich daraus, und mit welchen Maßnahmen begegnet die Bundesregierung
dem Problem?
Aus dem Vergleich der ersten und zweiten Bewirtschaftungspläne nach EU-
Wasserrahmenrichtlinie lassen sich bezogen auf den „mengenmäßigen
Grundwasserzustand“ keine negativen Entwicklungen feststellen (vgl. S. 74 der Broschüre:
„Die Wasserrahmenrichtlinie – Deutschlands Gewässer 2015“ unter www.
umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1968/publikationen/final_broschure_
wasserrahm_enrichtlinie_bf_112116.pdf). Weitere Informationen zu lokalen
Grundwasserständen liegen der Bundesregierung nicht vor.
3. In welchen Regionen ist nach Kenntnis der Bundesregierung ggf. im
kommenden Sommer von einer sich weiter verschärfenden Situation auszugehen,
und wie bereitet sich die Bundesregierung darauf vor?
Belastbare Aussagen zur Entwicklung der Trockenheit im kommenden Sommer
sind nicht möglich. Die Jahreszeitenvorhersage des DWD in Kooperation mit
verschiedenen wissenschaftlichen Instituten ist noch Gegenstand intensiver
Forschung und momentan zu großräumig und wenig genau, um auf dieser Basis
Aussagen zu treffen oder wasserwirtschaftliche Maßnahmen abzuleiten.
Grundsätzlich gibt es eine Reihe von wasserwirtschaftlichen Maßnahmen, die auch
kurzfristig eingesetzt werden können, um trockene Perioden zu überbrücken (z. B.
Talsperrenmanagement, Erhöhung der Grundwasserfördermenge,
Grundwasseranreicherung, wasserrechtliche Ausnahmegenehmigungen). Die Entscheidung
darüber liegt bei den Wasserbehörden der Bundesländer bzw. die Umsetzung bei
den Wasserversorgern.
Abbildung 2: Vorhersage der Wahrscheinlichkeit einer zu trockenen Periode im kommenden
Sommer (Juni, Juli, August) mit dem deutschen Klimavorhersagesystem. Eine generell zu trockene
Periode mit ähnlichen Mustern wie im Winter 2016/2017 wird prognostiziert.
4. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Wasserverbrauch in
Deutschland in den letzten Jahren entwickelt?
Aufgeteilt in die vier Sektoren „Öffentliche Wasserversorgung, Bergbau und
verarbeitendes Gewerbe, Wärmekraftwerke und landwirtschaftliche Beregnung“ hat
sich der Wassergewinnung von 1991 bis 2013 wie folgt entwickelt (Angaben in
Milliarden Kubikmeter):
46,3
42,6
40,4
38,0
35,5
32,1 32,8
25,1
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
1991 1995 1998 2001 2004 2007 2010 2013
Öffentl iche Wasserversorgung Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe Wärmekraftwerke Landwirtschaftl iche Beregnung*
Quelle: Stat ist isches Bundesamt, Fachserie 19, R. 2.1.1 und 2.2, Wiesbaden, verschiedene Jahrgänge
Wassergewinnung der öffentlichen Wasserversorgung, Bergbau und verarbeitendes Gewerbe,
der Wärmekraftwerke und der Landwirtschaft
Wasserentnahme in Milliarden Kubikmeter
* Daten erst ab 2007 verfügbar
Bei der öffentlichen Wasserversorgung beträgt die Reduzierung circa 21 Prozent,
im Bereich Bergbau und verarbeitendes Gewerbe circa 45 Prozent und im Bereich
der Energieversorgung circa 53 Prozent. Inwieweit eine weitere Reduzierung der
Wasserentnahmen für die Energieversorgung im Zuge des Ausbaus der
Erneuerbaren Energien erwartet werden kann, wird aktuell im Umweltbundesamt
untersucht. Die private Wassernutzung hat sich wie folgt entwickelt:
Quelle: Daten zur Umwelt,
www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/dateien/
3_tab_wasserverwendung-pro-ew_2016-04-29.pdf
Tab.: Öffentliche Wasserversorgung – Wasserabgabe an Haushalte in l/E*d (Quelle Statistisches
Bundesamt, Fachserie 19, Reihe 2.1.1 – 2013)
5. Welche Pläne liegen der Bundesregierung ggf. vor, um auf eine weitere
anhaltende Trockenheit zu reagieren, und welche Maßnahmen sind
vorgesehen, wenn sich die Situation weiter verschärft?
Da Trockenheit Auswirkungen auf verschiedene Umweltbereiche (z. B.
Wasserhaushalt, Boden) sowie auf diverse Sektoren (Landwirtschaft, Schifffahrt, ggf.
Gesundheit) hat, war das Thema Gegenstand in der Deutschen
Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS). Weiterhin wurde das Thema Trockenheit im
LAWA Strategiepapier „Auswirkungen des Klimawandels auf die
Wasserwirtschaft – Bestandsaufnahme und Handlungsempfehlungen“ von 2010
aufgegriffen, das momentan aktualisiert wird.
Aufgrund der überregionalen Wirkung und der damit in Zusammenhang
stehenden hohen Schäden hat die Bundesregierung bereits in den Jahren 2006 und 2007
gemeinsam mit den Bundesländern die „LAWA – Leitlinien für ein nachhaltiges
Niedrigwassermanagement“ erarbeitet.
Des Weiteren sieht die Bundesregierung ihre Aufgabe in der rechtzeitigen
Information und Warnung vor extremen Wetterereignissen oder wetterbedingten
Situationen. Aus diesem Grund bietet die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG)
den Elektronischen Wasserstraßen-Informationsservice (ELWIS) mit
Wasserstandsvorhersagen und Informationen über Niedrigwasser für den Schiffsverkehr
an. Die Hitze- und UV-Warnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) richtet
sich nicht nur an Krankenhäuser und Seniorenresidenzen, sondern auch allgemein
an Privatpersonen.
6. Welche Programme zum sparsamen Umgang mit Wasser werden von der
Bundesregierung verfolgt oder gefördert, und in welcher Höhe?
Die Bundesregierung verfolgt keine spezifischen Förderprogramme zum
sparsamen Umgang mit Wasser. Allerdings können Projekte zur Entwicklung und
großtechnischen Umsetzung von wassersparenden Verfahren oder von Verfahren zur
Erhöhung der Wasserverfügbarkeit z. B. im Rahmen der Forschungsförderung
des BMBF oder aus dem Umweltinnovationsprogramm des Bundesministeriums
für Umwelt, Naturschutz, Bauen und Reaktorsicherheit gefördert werden. Im
Übrigen verweist die Bundesregierung auf die verschiedenen gesetzlichen
Regelungen, die sowohl private als auch gewerbliche Verbraucher zu einem sparsamen
Umgang mit Wasser verpflichten bzw. Anforderungen an Produkte oder Anlagen
stellen, die einen sparsamen Umgang gewährleisten sollen. Zu diesen Regelungen
gehören u. a. die Vorschriften des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) (z. B.
Sparsamkeitsgebot in § 5 Absatz 1 Nummer 2, Bewirtschaftungsvorgaben für den
mengenmäßigen Grundwasserzustand in § 47 Absatz 1 Nummer 3 gekoppelt mit
den Genehmigungstatbeständen der §§ 8 bis 12) und der Abwasserverordnung
(§ 3 Absatz 1 Nummer 1 und 4) sowie Vorgaben für wassersparende
Wasserhähne und Duschköpfe auf Grundlage der EU-Ökodesign-Richtlinie, die nicht nur
den Wasserverbrauch, sondern vor allem den Energieverbrauch für die
Warmwasserbereitung mindern. Weitere Instrumente, wie das Umweltzeichen Blauer
Engel (Wassersparende Spülkästen – RAL-UZ 32) oder die Berücksichtigung bei
der Umweltbetriebsprüfung nach der EMAS-Verordnung (Verordnung (EG)
Nr. 1221/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. November
2009 über die freiwillige Teilnahme von Organisationen an einem
Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung), leisten
einen Beitrag zum sparsamen Umgang mit Wasser. Darüber hinaus setzen
kostendeckende Gebühren und Preise für den Bezug von Wasser sowie die in fast allen
Bundesländern erhobenen Wasserentnahmeentgelte einen ständigen Anreiz zur
sparsamen Nutzung von Wasser.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 19 der Kleinen Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 18/12915 verwiesen.
7. Von welchen Projektionen zum Wasserverbrauch und den zu erwartenden
Veränderungen der Niederschläge durch den Klimawandel geht die
Bundesregierung aus, und wie bereitet sie sich mit welchen Maßnahmen darauf vor?
Die Bundesregierung sieht derzeit keine Anzeichen, dass sich die in der Antwort
zu Frage 4 gezeigten sinkenden Wasserverbrauchstrends umkehren könnten.
Insbesondere für den Bereich der Kühlwasserverwendung für Kraftwerke ist mit
weiter sinkenden Trends zu rechnen.
Der nationale Klimareport 2016 des DWD führt aus, dass sich die Niederschläge
bereits verändert haben und sich auch in Zukunft weiter verändern werden. Eine
deutliche Änderung der mittleren Jahressumme des Niederschlags im
kurzfristigen Planungshorizont (2021 bis 2050) ist für Deutschland nicht zu erwarten,
allerdings zeichnet sich eine Änderung der jahreszeitlichen Verteilung zu Gunsten
der Wintermonate ab. Bis zum Ende des Jahrhunderts kann aber mit einer
Zunahme des Jahresniederschlags in Deutschland um plus 9 Prozent gerechnet
werden. Dieser Anstieg wird sich gleichmäßig auf alle Regionen verteilen. Werden
die Jahreszeiten einzeln betrachtet, zeigt sich in den Wintermonaten eine
Zunahme der Niederschläge bis zu plus 17 Prozent bis zum Ende Jahrhunderts. In
den Sommermonaten verzeichnen die Modelle je nach verwendetem
Emissionsszenario Abnahmen der Niederschläge von minus 4 Prozent oder minus 7
Prozent.
Auch die Vulnerabilitätsstudie für Deutschland (ein Bestandteil des
Fortschrittsberichtes zur DAS) weist auf zukünftige Änderungen des Niederschlags hin:
Mit den Ensembleauswertungen der Klimaprojektionen für die Niederschläge
zeigt sich für die Zukunft eine Tendenz zur Niederschlagsabnahme in den
Sommermonaten (Juni bis August), während in den Wintermonaten (Dezember bis
Februar) eine Niederschlagszunahme möglich ist: Für die Sommermonate in
naher Zukunft (2021 bis 2050) projizieren die Modelle für den starken Wandel
bundesweit geringe Abnahmen der Niederschlagsmenge, während die Modelle für
den schwachen Wandel bundesweit geringe Zunahmen berechnen. Erst in ferner
Zukunft (2071 bis 2100) wird eine deutliche Abnahme bis 20 Prozent erwartet.
Für die Wintermonate kann für größere Teile des Bundesgebietes beim starken
Wandel von einer Niederschlagszunahme ausgegangen werden: in naher Zukunft
(2021 bis 2050) bis zu 15 Prozent und für die ferne Zukunft bis zu 30 Prozent.
Extreme Wetterlagen wie Hitze, Dürre, Sturm, Überschwemmungen, Hagel oder
Frost können der Land- und Forstwirtschaft erheblichen Schaden zufügen.
Während die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels relativ gut erforscht sind,
liegen für die ebenfalls durch den Klimawandel bedingte und von vielen Experten
erwartete Zunahme von Extremwetterlagen dagegen kaum belastbare
Erkenntnisse vor. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
hat daher das Forschungsprojekt „Agrarrelevante Extremwetterlagen und
Möglichkeiten von Risikomanagementsystemen“ in Auftrag gegeben, das zu
folgenden Ergebnissen kommt:
Die Häufigkeit von Extremniederschlägen dürfte bis zum Jahr 2100 im Winter
um etwa 50 Prozent bis 100 Prozent, im Sommer dagegen nur leicht zunehmen.
Dieser Trend findet sich in den Beobachtungen des Deutschen Wetterdienstes für
die Wintermonate zum Teil auch bereits wieder, für den Sommer lassen sich
dagegen noch keine Änderungen feststellen.
Die weiteren Auswertungen für den Zeitraum der Jahre 1961 bis 2013 sowie die
Ergebnisse aus den Klimamodellen bis zum Jahr 2100 zeigen unter anderem
einen Anstieg extremer Hitzetage, dieser Trend wird sich in der Zukunft fortsetzen.
Ferner wurde in den letzten 20 Jahren eine Zunahme der Tage ohne Niederschlag
im März und April sowie eine Zunahme extrem trockener Tage im Sommer
beobachtet. Während für die Frühjahrstrockenheit keine Aussagen zur zukünftigen
Entwicklung vorliegen, soll extreme Sommertrockenheit zukünftig weiter
zunehmen, so die Wissenschaftler. Zunehmende Hitze und Trockenheit wirkt sich vor
allem auf die Ertragsbildung bei einigen Ackerkulturen aus. Im Wald ist die
Fähigkeit zur Selbstverjüngung vor allem unter Fichte und Kiefer gefährdet. Bei
einigen Extremwetterlagen, die insbesondere im Acker- und Sonderkulturanbau
hohe Schäden verursachen, wie z. B. Hagel, Starkniederschläge und Spätfröste,
besteht wegen fehlender Beobachtungsdaten bzw. nicht eindeutiger
Wechselwirkungen weiterer Forschungsbedarf.
Das Forschungsprojekt kommt zu der Empfehlung, dass angesichts vielfältiger
Anpassungsoptionen in der Land- und Forstwirtschaft keine unmittelbare
Notwendigkeit besteht, Risikomanagementsysteme verstärkt staatlich zu
unterstützen.
8. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung insbesondere in
Hinblick auf die Landwirtschaft in Deutschland, und welche Maßnahmen
ergreift sie oder hat sie ergriffen, um Schäden zu begrenzen?
Im Rahmen seiner Forschungsschwerpunkte für agrarrelevanten Klimaschutz und
Anpassung an den Klimawandel fördert BMEL schon seit vielen Jahren
Forschungsvorhaben u. a. zur Züchtung trockenresistenter Kulturpflanzen sowie
wassersparender Anbaumethoden. Der Themenbereich wird auch in mehreren
Fachinstituten der BMEL-Ressortforschung anwendungsorientiert beforscht. So
wurde in der bereits angesprochenen Studie zu den agrarrelevanten
Extremwetterlagen u. a. die Anzahl der niederschlagsfreien Tage für die Frühjahrsmonate
(März bis Mai) untersucht, da in diesem Zeitraum die Düngung
landwirtschaftlicher Bestände erfolgt. Fällt in einer längeren Phase nach der Düngung kein
Niederschlag, werden die im Düngemittel enthaltenen Nährstoffe nicht gelöst und
gelangen somit nicht zu den Wurzeln. Das schränkt das Pflanzenwachstum ein,
so dass die Ernteerträge deutlich hinter den Ertragserwartungen zurückbleiben
können.
Die Berechnung der Bodenfeuchte unter landwirtschaftlichen Kulturen kann
mithilfe von Modellen auf Grundlage der Klimadaten und der Klimaprojektionen
erfolgen. Dadurch sind Aussagen über die langfristige Entwicklung der
Bodenfeuchte möglich. Sinkt der Bodenwassergehalt unter einen kritischen Wert, ist
eine Versorgung des Wurzelapparates der Pflanzen mit Wasser und Nährstoffen
nicht ausreichend gewährleistet. Die Toleranz gegenüber Trockenstress ist sehr
unterschiedlich zwischen den Kulturen. Die Monate mit der größten Gefahr für
Trockenheit sind im Mittel Juni, Juli und August. Die Anzahl an Tagen, an denen
ein kritischer Bodenfeuchtewert unterschritten wird, wird in der Zukunft
zunehmen.
Mit den durch den Klimawandel steigenden Temperaturen nimmt die
Verdunstung der Pflanzen zu. Dadurch entziehen die Pflanzen dem Boden mehr Wasser
und die Bodenfeuchte nimmt somit auch bei gleichbleibenden Niederschlägen ab.
Bis zum Ende dieses Jahrhunderts wird für den Sommer jedoch mit einer
Änderung der Niederschläge von plus 10 Prozent bis minus 30 Prozent gerechnet (siehe
www.deutscher-klimaatlas.de). Die Kombination beider Effekte (höhere
Verdunstung plus Abnahme der Sommerniederschläge) kann so zu deutlich
geringeren Bodenfeuchten führen.
9. Welche landwirtschaftlichen Erträge werden nach Erwartung der
Bundesregierung in besonderem Maße betroffen sein, und geht die Bundesregierung
von entsprechenden Preissteigerungen bei Lebensmitteln aus, und wenn ja,
bei welchen?
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind Ernteprognosen für das laufende Jahr noch
mit einem hohen Unsicherheitsgrad behaftet, da die Vegetationsperiode der
Feldfrüchte noch nicht abgeschlossen ist und man über den weiteren
Witterungsverlauf allenfalls spekulieren kann. Die Europäische Kommission beobachtet im
Rahmen des MARS-Projektes (MARS = Monitoring Agricultural ResourceS) die
Vegetationsentwicklung wichtiger landwirtschaftlicher Kulturpflanzen. In ihrem
im Mai veröffentlichten Statusbericht (
https://ec.europa.eu/jrc/sites/jrcsh/files/
jrc_mars_bulletin_vol25_no5.pdf) weist sie darauf hin, dass die diesjährigen
Ertragsaussichten regional durch Trockenheit und/ oder Kälteperioden
beeinträchtigt werden. Bei den meisten Kulturen ging man zu diesem Zeitpunkt noch von
zumindest durchschnittlichen Erträgen aus.
Grundsätzlich sind Kulturen mit hohem Wasserbedarf bei ausbleibenden
Niederschlägen und geringer Bodenfeuchte besonderem Trockenstress ausgesetzt und
reagieren mit Ertrags- und/ oder Qualitätseinbußen, wobei deren Ausprägung
davon abhängt, in welcher Wachstumsphase der Wassermangel auftritt. Die
Landwirtschaft ist bestrebt, dem durch veränderte Anbaustrategien und
produktionstechnische Maßnahmen zu begegnen, insbesondere auch durch vermehrte
Bewässerung von Kulturen, bei denen dies ökonomisch sinnvoll ist. Hierzu gehören
insbesondere Kartoffeln, Zuckerrüben sowie Obst und Gemüse. So konnten im
Anbaujahr 2015, das durch eine starke Sommertrockenheit gekennzeichnet war,
beispielweise in Niedersachsen, wo rund die Hälfte der Kartoffelanbaufläche
bewässert wird, dennoch überdurchschnittlich hohe Hektarerträge realisiert werden.
Für Preissteigerungen von Lebensmitteln aufgrund trockenheitsbedingter
Angebotsverknappung gibt es derzeit keine Anzeichen. Für die Versorgung der Märkte
sind nicht nur die Hektarerträge wichtig, sondern auch die Anbauflächen. Bei
Kartoffeln und Zuckerrüben fällt die Fläche in diesem Jahr größer als in den
Vorjahren aus, sodass auch bei einem potenziell geringeren Hektarertrag die gesamte
Erntemenge reichlich ausfallen dürfte. Hinzu kommt, dass angesichts der
weltweiten Handelsverflechtungen die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln zu
weitgehend stabilen Preisen durch überregionale Importe sichergestellt werden
kann. Derzeit ist die globale Versorgungslage bei allen wichtigen agrarischen
pflanzlichen Erzeugnissen ausgesprochen gut, was sich auch in dem allgemein
relativ niedrigen Preisniveau auf den Weltmärkten für diese Produkte
widerspiegelt. Problematisch könnte eine länger anhaltende Trockenheit für die
Grundfutterversorgung der Rinder haltenden Betriebe werden. Aus Sicht der
Endverbraucher dürften sich eher die Frostschäden bei Obst und Weinreben aufgrund des
Kälteeinbruchs im April auf Angebot und Preise auswirken. Aber auch
diesbezüglich bleibt abzuwarten, wie stark sich die Pflanzen regenerieren können. Eine
verlässliche Bilanz der Auswirkungen widriger Witterungseinflüsse auf das
landwirtschaftliche Ertragsniveau kann erst nach Vorliegen konkreter
Ernteergebnisse gezogen werden.
10. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung insbesondere in
Hinblick auf den Erhalt der Biodiversität in Deutschland, und welche
Maßnahmen ergreift sie oder hat sie ergriffen, um Schäden zu begrenzen?
Die Biodiversität in Deutschland ist vielfältigen Belastungen unterworfen.
Änderungen im Klima, hier v. a. die erwartete Zunahme der Temperatur, aber auch die
damit einhergehenden Änderungen im Niederschlag lassen einen zunehmenden
Druck auf alle drei Ebenen der biologischen Vielfalt (Vielfalt der Ökosysteme,
Vielfalt der Arten und Populationen, Genetische Vielfalt) erwarten. Ergebnisse
von Forschungsvorhaben des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) zeigen, dass
zunehmende Trockenheitsperioden die Biodiversität negativ beeinflussen
können. Beispielsweise kann eine Zunahme von Trockenperioden zu Ausfällen bei
der Naturverjüngung und veränderten Artenzusammensetzungen in
Waldökosystemen führen.
Generell können sowohl sehr trockene, nährstoffarme Standorte als auch
kühlfeuchte, durch Grund-, Stau- und Sickerwasser beeinflusste Standorte (Moore,
Au- oder Bruchwälder) durch zunehmende Trockenheit und infolge dessen
veränderter Artenzusammensetzungen negativ beeinträchtigt werden. Natürliche
Übergangsbereiche (Ökotone) gelten als besonders sensibel gegenüber
Klimaänderungen. Dies gilt im Besonderen für Gebiete, die bereits Vorschädigungen,
z. B. durch Entwässerungsmaßnahmen oder Gewässerregulierung, aufweisen.
In dem, mit dem Fortschrittsbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den
Klimawandel (Bundestagsdrucksache 18/7111) von der Bundesregierung
vorgelegten, fortgeschriebenen Aktionsplan sind u. a. Maßnahmen enthalten, die den
Erhalt der Biodiversität sichern helfen. Dazu gehören Maßnahmen, die der
Optimierung der Lebensräume klimasensitiver und/oder gefährdeter Arten dienen,
Entwicklung eines Biotopverbundes, die Fortführung der Förderung von
Maßnahmen zur Sicherung der Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel im Rahmen
des Bundesprogramms Biologische Vielfalt sowie weitere Maßnahmen zur
Fortführung und Verstärkung der Forschung zum Thema Biodiversität und
Klimawandel.
11. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung insbesondere in
Hinblick auf die Wälder in Deutschland, und welche Maßnahmen ergreift sie
oder hat sie ergriffen, um Schäden zu begrenzen?
Länger anhaltende Trockenheit kann in Wäldern folgende Auswirkungen haben:
- Zuwachsrückgänge
- geminderte Vitalität der Bäume
- direkte Trockenschäden an Belaubung und Wurzeln
- erhöhte Anfälligkeit gegenüber biotischen Schaderregern (z. B. Borkenkäfer)
- erhöhte Mortalität.
Niederschlagshöhe und -verteilung sind ein wesentliches forstliches
Standortsmerkmal. Ihre Änderung stellt daher eine Änderung der Standortsverhältnisse dar.
Dies kann dazu führen, dass die neuen Standortverhältnisse nicht mehr den
Ansprüchen der gegenwärtig dort wachsenden Baumarten entsprechen.
Der derzeitige Kenntnisstand erlaubt allerdings keine abschließende Bewertung
der Folgen klimatischer Veränderungen auf die Sensitivität, Stabilität und
Elastizität von Waldökosystemen. Ein wichtiger Ansatz zur Stabilisierung und
Vitalisierung der Bestände ist der Waldumbau zu klimaangepassten Mischwäldern mit
überwiegend heimischen Baumarten. Kurzfristig kann die Konkurrenz um das
knappe Wasser durch Standraumerweiterung (Durchforstung) etwas entschärft
werden.
Waldbauliche Maßnahmen liegen in der Verantwortung der Waldbesitzer. Die
Bundesregierung fördert die Erarbeitung von wissenschaftlichen Grundlagen und
Entscheidungshilfen für die Waldbesitzer. Die Auswirkungen des Klimawandels
auf Wälder und die Entwicklung von Anpassungsstrategien sind u. a. Thema der
Ressortforschung des BMEL und Gegenstand zahlreicher aus dem
Waldklimafonds (WKF) von der Bundesregierung geförderter Projekte.
12. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung insbesondere in
Hinblick auf den Tourismus in Deutschland, und welche Maßnahmen ergreift
sie oder hat sie ergriffen, um Schäden zu begrenzen?
Es wird auf den Fortschrittsbericht der Bundesregierung zur deutschen
Anpassungsstrategie vom Dezember des Jahres 2015 verwiesen
(Bundestagsdrucksache 18/7111). Danach wird die Bedeutung der Klimawirkungen für den
Tourismus in Deutschland für die Gegenwart oder die nahe Zukunft als gering bis mittel
eingeschätzt. Für das Handlungsfeld „Tourismuswirtschaft“ bedeutet der
Klimawandel in Deutschland vor allem, dass sich die Hauptreisezeiten sowie die
regionale Nachfrage verschieben können (geringe Gewissheit) und sich die
Anforderungen an die touristische Infrastruktur wandeln werden (mittlere bis hohe
Gewissheit). Dies kann in Zukunft vor allem die Wintersportregionen vor große
Herausforderungen stellen.
13. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung insbesondere in
Hinblick auf die Pegelstände der Flüsse in Deutschland, und welche Maßnahmen
ergreift sie oder hat sie ergriffen, um Schäden zu begrenzen?
Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Pegelstände der größeren Flüsse
können wie folgt zusammengefasst werden: Im regenreicheren Westen
Deutschlands werden im Jahresmittel bis Mitte des 21. Jahrhunderts die Abflüsse im
Mittel aller Projektionen leicht ansteigen und bis Ende des 21. Jahrhunderts
stagnieren. Im Osten, wo generell weniger Niederschlag fällt, stagnieren die mittleren
Jahresabflüsse bis Mitte des 21. Jahrhunderts im Mittel aller Projektionen und
gehen dann bis Ende des 21. Jahrhunderts zurück. Es kommt überwiegend zu
einer relativen Verlagerung der Abflüsse in die Wintermonate, ausgeprägter dort,
wo bisher Schneeschmelze eine größere und zukünftig eine kleinere Rolle spielen
wird. Diese Umverteilung hat in nivalen Abflussregimen (Flüsse im
Einflussbereich der Hochgebirge) eine ausgleichende Wirkung, während sie in pluvialen
Abflussregimen (Flüsse mit überwiegendem Regenregime ohne Einfluss von
Gletscher- und Schneeschmelze) zu einer Verstärkung der Abflussschwankung
führt. Zu flussgebietsspezifischen Betrachtungen wird auf den Abschlussbericht
des Forschungsprogramms KLIWAS (
www.kliwas.de) verwiesen. Hier wird
aufgezeigt, dass die Veränderung der Pegelstände spezifisch für jedes
Flusseinzugsgebiet betrachtet werden sollte. Es wird allgemein zwischen mittleren Abflüssen,
Hochwasser und Niedrigwasser unterschieden. Das KLIWAS-
Forschungsprogramm bezieht sich auf Informationen für die Flussgebiete Rhein, Elbe und
Donau.
Handlungserfordernisse für die Bundesregierung werden in der
Interministeriellen Arbeitsgruppe zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel
(IMA-Anpassung) erarbeitet. Konkrete Maßnahmen sind in diesem
Zusammenhang (a) ein kontinuierliches Monitoring der aktuellen Verhältnisse und (b) eine
regelmäßige Überprüfung der Erkenntnisse zu möglichen Klimafolgen auf
Grundlage neuer Daten der globalen und regionalen Klimamodellierung. Im
Übrigen wird auf den „Fortschrittsberichts zur Deutschen Anpassungsstrategie an
den Klimawandel“ vom Dezember des Jahres 2015 (Bundestagsdrucksache
18/7111) verwiesen. Hinsichtlich Niedrigwasser hat sich die Bundesregierung
gemeinsam mit den hierfür zuständigen Ländern in der LAWA an der Entwicklung
von Leitlinien für ein nachhaltiges Niedrigwassermanagement beteiligt (www.
lawa.de, Veröffentlichungen; LAWA – Leitlinien für ein nachhaltiges
Niedrigwassermanagement 2007, ISBN 3-88961-255-7).
Für den Umgang mit Hochwasserereignissen wird in Deutschland nach den
Vorgaben der EU-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie vorgegangen.
Herausgehobener Bestandteil der Hochwasserrisikomanagement-Planung in Deutschland
ist das Nationale Hochwasserschutzprogramm (NHWSP). Im NHWSP arbeiten
Bund und Länder an der Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen mit
überregionaler Wirkung.
Das im Juni dieses Jahres von Bundestag und Bundesrat verabschiedete
Hochwasserschutzgesetz II soll dazu beitragen, die Verfahren für die Planung,
Genehmigung und den Bau von Hochwasserschutzanlagen zu erleichtern,
Gerichtsverfahren gegen geplante und genehmigte Hochwasserschutzmaßnahmen zu
beschleunigen. Zudem werden Regelungslücken geschlossen, um Schäden durch
Hochwasser zu minimieren (z. B. durch das Verbot von neuen Heizölanlagen und
eine Nachrüstpflicht für bestehende Anlagen in Risikogebieten, weitere
Anforderungen an hochwasserangepasstes Bauen und Möglichkeiten für die Länder,
Hochwasserentstehungsgebiete auszuweisen).
Darüber hinaus informiert die Hochwasserschutzfibel des BMUB seit vielen
Jahren über potenzielle bauliche Risiken und gibt Ratschläge zur notwendigen
privaten Bauvorsorge. Zudem stärkt die Fibel, die auf großes öffentliches Interesse
stößt, das Bewusstsein für eine wirksame Hochwasservorsorge auch dort, wo es
bislang noch keine Erfahrungen mit Hochwassern und Starkregen gibt (die
aktuelle Fassung steht gedruckt oder als Download zur Verfügung:
www.bmub.
bund.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Broschueren/hochwasserschutzfibel_bf.
pdf).
14. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung durch ggf. sehr
niedrige Pegelstände der Flüsse auf die Kühlsysteme von Kraftwerken und damit
auf die Stromproduktion in Deutschland, und welche Maßnahmen ergreift
sie oder hat sie ergriffen, um Schäden zu begrenzen?
Aus Sicht der Kraftwerksbetreiber können bei den an Flüssen gelegenen
Kraftwerken in Phasen anhaltender Trockenheit und/oder hohen Temperaturen die
Faktoren Niedrigwasser und Gewässertemperatur relevant sein.
Bei Niedrigwasser kommt es bei Unterschreiten bestimmter Pegelgrenzwerte zu
Einschränkungen in der Belieferung der Kohlekraftwerke bis hin zu einer
Einstellung der Belieferung per Schiff. Die Übertragungsnetzbetreiber überwachen
gemeinsam mit den Kraftwerksbetreibern unter Beteiligung der
Bundesnetzagentur in Niedrigwasserphasen die Kohlevorräte und ergreifen bei Bedarf
abgestimmte Maßnahmen zur Schonung bzw. zum Aufbau der Kohlevorräte. Hierzu
hat der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW ein mehrstufiges Konzept
erarbeitet, das derzeit unter Berücksichtigung der Erfahrungen der
Niedrigwasserphase im Winter 2016/2017 gemeinsam mit den Kraftwerksbetreibern
weiterentwickelt wird.
Bei der Gewässertemperatur ist ein oberer Grenzwert von 28 Grad in Rhein und
Neckar ganzjährig maßgeblich. Sollte sich die Gewässertemperatur diesem
oberen Grenzwert nähern, sind durch die Kraftwerksbetreiber Maßnahmen zu
ergreifen, die eine Einhaltung dieses Grenzwertes ermöglichen. Hierzu gehört die
Umstellung von Durchlaufkühlung mit einem hohen Wärmeeintrag in das Gewässer
auf Umlaufkühlung unter Nutzung des Kühlturms sowie ggf. eine
Leistungsreduzierung des Kraftwerkes zur Senkung des Wärmeeintrages. Zudem gilt eine
Temperaturobergrenze von 10 Grad im Winter von Mitte Dezember bis Ende März
nur für die Temperatur im Nachlauf des Kernkraftwerkes Philippsburg 2.
Nach dem sehr heißen Sommer des Jahres 2003 wurde ein Krisenplan mit
folgenden Beteiligten erarbeitet:
• Umweltministerium des Landes Baden-Württemberg
• Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg
• EnBW AG
• TransnetBW GmbH
• weitere Dienstleister.
Hierzu gehört auch der Betrieb eines Modells zur Vorhersage der
Wassertemperaturentwicklung entlang des Rheins und des Neckars, das in Krisensituationen
Zeit verschafft, um angemessen zu handeln. Zu den Handlungsoptionen zählt die
Beantragung von gewässerschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigungen, um auch
bei erhöhten Temperaturen Kraftwerke betreiben zu können und so die
Systemsicherheit aufrecht zu erhalten. Darüber hinaus kann bei Bedarf aus
Wasserspeichern entlang des Neckars die Verdunstungsmenge bei Kühlwasserentnahme
kompensiert werden.
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ISSN 0722-8333]