[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 5. Juli 2017
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/13068
18. Wahlperiode 06.07.2017
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Frank Tempel, Dr. André
Hahn, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/12685 –
Rechtsextreme Tendenzen in der Hooligan-Szene
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Neonazis und Rechtsextremisten versuchen immer wieder, über Fußballvereine
Anhänger zu werben. Bündnisse zwischen rechten Fußballhooligans und
Neonazis gibt es seit den 1980er Jahren. In den letzten Jahren ist diese von
Fußballvereinen und dem Staat nach Ansicht der Fragesteller lange ignorierte oder
verharmloste Allianz wieder verstärkt in die Öffentlichkeit getreten (www.
jungewelt.de/artikel/270174.15-prozent-%C3%BCberschneidung.html).
Anfang 2012 schlossen sich laut „SPIEGEL ONLINE“ 17 eigentlich rivalisierende
Hooligan-Gruppen aus ganz Deutschland zum Bündnis GnuHonnters (New
Hunters) zusammen. Eingeladen zu dem Treffen hatte die langjährige
rechtsextreme Dortmunder Hooligantruppe Borussenfront um ihren als „SS-Siggi“
bekannten Anführer und Aktivisten der Neonazi-Partei DIE RECHTE
Siegfried Borchardt. Als ihre Ziele benannten die GnuHonnters die „Herstellung
alter Werte“ und „Keine Antifa im Stadion“. In der Folge kam es bei
verschiedenen Bundesligavereinen zu gewaltsamen Übergriffen von rechtsgerichteten
Hooligans auf antirassistisch motivierte Ultra-Gruppen. Die GnuHonnters
erscheinen als ein Vorläufer der ebenfalls aus eigentlich rivalisierenden
Hooligan-Gruppen gebildeten „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa). Im
Oktober 2014 verwüsteten mehrere Tausend HoGeSa-Anhänger, darunter
neben Fußball-Hooligans auch Rocker und Anhänger rechtsextremer Parteien,
auf einer Demonstration die Kölner Innenstadt. In der Folge trat die sich
aufsplitternde HoGeSa-Bewegung auch unter anderen Namen auf, rechte
Hooligans marschierten zudem bei den Aufzügen der rassistischen und islamfeindlichen
Pegida-Bewegung mit (
www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/
199362/hogesa-wie-hooligans-rechte-bruecken-schlagen).
Während organisierte Neonazis durch die Zusammenarbeit von Vereinen und
Fans bei vielen Bundesliga-Klubs aus den Stadien verdrängt wurden, tummeln
sich Rechtsextreme verstärkt in den unteren Ligen. Beim
Fußballregionalligisten Energie Cottbus war 18 Jahre lang die von den Innenbehörden als
rechtsextrem eingeschätzte Fangruppierung Inferno Cottbus, der Neonazis,
Kampfsportler, Hooligans und Rocker angehören, aktiv. Verschiedene Medien
berichteten über ein kriminelles rechtsextremes Netzwerk innerhalb der Szene.
So habe Inferno andere Fangruppen des Brandenburger Vereins „bedroht und
mit Gewalt auf Linie bringen“ wollen. Als der Staatsschutz nach
Ausschreitungen bei einem Auswärtsspiel gegen SV Babelsberg, bei denen rechtsextreme
Parolen gerufen wurden, die Ermittlungen einleitete, gab Inferno Cottbus im
Mai 2017 seine Auflösung bekannt, möglicherweise um einem Verbot
zuvorzukommen (
www.rbb-online.de/sport/beitrag/2017/05/Inferno-Cottbus-Fanclub-
Energie-loest-sich-auf.html;
www.neues-deutschland.de/artikel/1050625.jaehes-
ende-des-infernos.html).
1. Wie viele Personen, die derzeit in der Datei „Gewalttäter Sport“ gespeichert
sind,
a) haben nach Kenntnis der Bundesregierung einen rechtsextremen
Hintergrund bzw. sind der rechtsextremen Szene zuzuordnen,
b) wie viele sind in welchen einschlägigen Polizeidateien sowie Dateien des
Bundesamtes für Verfassungsschutz erfasst?
In der im Bundeskriminalamt (BKA) geführten Datei „Gewalttäter Sport“ sind
aktuell (Stichtag: 12. Juni 2017) 10 646 Personen als Störer oder Straftäter im
Zusammenhang mit Fußball gespeichert.
Dem BKA werden über den „Kriminalpolizeilichen Meldedienst Politisch
Motivierte Kriminalität“ (KPMD-PMK) alle politisch motivierten Straftaten
mitgeteilt. Politisch rechts motivierte Straftaten mit Bezug zu Fußball bzw.
Fußballereignissen sind in den polizeilichen Dateien mangels einschlägigen Katalogwertes
nicht automatisiert recherchierbar.
Aussagen zu Beziehungen zwischen politisch rechts motivierten Straftaten und
Störern oder Straftätern im Zusammenhang mit Fußball müssen daher aufwendig
über komplexe Datenabgleiche erhoben werden.
Daher sind Aussagen zu einem möglichen rechtsextremen Hintergrund der
„Gewalttäter Sport“ bzw. zu deren potenziellen Zugehörigkeit zur rechten Szene der
Polizei nicht abschließend möglich.
Folgende polizeiliche Dateien beinhalten Informationen zu politisch rechts
motivierten Straftaten bzw. zu einer rechten Tatmotivation der gespeicherten Person:
INPOL-Fall Innere Sicherheit (IFIS) – Az. „rechts“
INPOL – Marker ermittlungsunterstützender Hinweis (EHW)
„rechtsmotiviert“
Gewalttäterdatei „rechts“.
Der weitaus größte Teil der in der Datei „Gewalttäter Sport“ gespeicherten
Personen (9 804 „Gewalttäter Sport“) hat in den o. g. Dateien keine Erkenntnisse,
d. h. zu diesen Personen liegen der Polizei keine Hinweise auf politisch rechts
motivierte Straftaten bzw. eine rechte Tatmotivation vor.
Zu 842 in der Datei „Gewalttäter Sport“ gespeicherten Personen liegen weitere
Informationen in einer oder mehreren der o. g. Dateien mit Bezug zur Politisch
motivierten Kriminalität – rechts – vor.
735 der in der Datei „Gewalttäter Sport“ gespeicherten Personen sind in der Datei
INPOLFall Innere Sicherheit (IFIS) – Az. „rechts“ gespeichert.
307 der in der Datei „Gewalttäter Sport“ gespeicherten Personen sind in INPOL
mit dem EHW „rechtsmotiviert“ gekennzeichnet.
33 der in der Datei „Gewalttäter Sport“ gespeicherten Personen sind in der
Gewalttäterdatei „rechts“ gespeichert.
181 der in der Datei „Gewalttäter Sport“ gespeicherten Personen sind in zwei der
o. g. Dateien gespeichert.
26 der in der Datei „Gewalttäter Sport“ gespeicherten Personen sind in drei
Dateien gespeichert.
Eine Abfrage der in der Datei „Gewalttäter Sport“ gespeicherten 26 Personen, zu
denen zugleich Informationen in den o. g. drei Dateien gespeichert sind, in der
Rechtsextremismusdatei (RED) ergab, dass zu 19 dieser 26 Personen ebenfalls
Erkenntnisse in der RED gespeichert sind.
Darüber hinaus wird auf den „Jahresbericht Fußball 2015/2016“ der Zentralen
Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) hingewiesen, der im Internet abrufbar ist
und Aussagen zur politischen Motivation der in der Datei „Gewalttäter Sport“
gespeicherten Personen enthält.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat nach seinen gesetzlichen Grundlagen
keinen Zugriff auf die Datei „Gewalttäter Sport“. Ein entsprechender Abgleich
kann deshalb nicht erfolgen.
2. Wie viele der sogenannten Problemfans (Kategorie A, B, C) gehören nach
Einschätzung der Bundesregierung rechtsextremen Parteien und
Organisationen bzw. der rechtsextremen Szene an?
Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze der Polizei Nordrhein-Westfalen
gibt in ihrem Jahresbericht Fußball Saison 2015/2016 (Berichtszeitraum 1. Juli
2015 bis 30. Juni 2016) folgende Zahlen an: 13 655 Personen der Kategorie B
(gewaltbereit/gewaltgeneigt) und Kategorie C (gewaltsuchend) in den
Anhängerschaften der ersten drei Ligen, davon 10 192 Personen der Kategorie B und
3 463 Personen der Kategorie C.
Aus den Einzelmeldungen des Kriminalpolizeilichen Meldedienstes (KPMD) zu
politisch rechts motivierten Straftaten lassen sich keine validen Schlüsse über
rechtsextreme Organisationen oder die rechte Szene ableiten.
Darüber hinaus liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
3. Wie viele Ermittlungsverfahren wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
innerhalb der letzten fünf Jahre gegen Fußballfans wegen Verstoßes gegen
§ 86 des Strafgesetzbuchs (StGB) (Verbreitung von
Propagandamaterialien verfassungswidriger Organisationen) bzw. § 130 StGB
(Volksverhetzung) im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen durchgeführt?
In den Spielzeiten 2012/2013 bis 2016/2017 wurden für den Bereich der
Bundespolizei insgesamt 288 Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes nach § 86 des
Strafgesetzbuches (StGB) und § 130 StGB im Zusammenhang mit der
Überwachung des Fußballfanreiseverkehrs geführt.
Darüber hinaus liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
4. Welche konkreten Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über
Unterwanderungsversuche von Rechtsextremen und Neonazis bei Fußballvereinen,
Fanclubs und den bei Fußballspielen eingesetzten Ordnerdiensten vor?
Der Bundesregierung liegen keine konkreten Erkenntnisse im Sinne der
Fragestellung vor.
Die Polizeibehörden der Länder und des Bundes beobachten aufmerksam
mögliche rechtsextreme Bestrebungen im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen
und verfolgen strafbares Handeln konsequent.
Die Verhütung und Verfolgung politisch motivierter Straftaten von Angehörigen
des rechtsextremistischen Spektrums gehört zu den Schwerpunkten der
polizeilichen Aufgabenwahrnehmung.
Dies gilt selbstverständlich auch, soweit der Fußball als Bühne für entsprechende
Aktivitäten genutzt wird.
Allerdings liegen nach wie vor keine Anzeichen vor, die eine systematische
Unterwanderung der Fußballvereine, der Fanszene oder der bei Fußballspielen
eingesetzten Ordnerdienstes durch Rechtsextremisten belegen.
Im Rahmen der örtlichen Netzwerkarbeit findet eine enge Abstimmung zwischen
Polizei, Vereinen und Kommunen statt. Werden rechtsextremistische Tendenzen
festgestellt, wird dies in den örtlichen Ausschüssen Sport und Sicherheit oder
entsprechenden örtlichen Arbeitskreisen thematisiert und Maßnahmen abgestimmt.
Polizeiliche Erkenntnisse werden unter Beachtung der datenschutzrechtlichen
Vorschriften an die Vereine herangetragen.
In vielen Standorten wird der Ordnungsdienst der Vereine durch die Polizei
sensibilisiert, um rechtsextremistische Symbole, Kleidung und Verhaltensweisen
entsprechend einordnen zu können.
5. Welche konkreten Erkenntnisse über eine gezielte rechtsextreme
Unterwanderung von Hooligan- und Ultragruppen liegen der Bundesregierung vor?
Der Bundesregierung liegen keine konkreten Erkenntnisse im Sinne der
Fragestellung vor.
6. Welche explizit rechtsextremen oder neonazistischen Hooligan- und
Ultragruppen welcher Vereine sind der Bundesregierung bekannt?
a) Seit wann existieren diese Gruppen jeweils?
b) Welche dieser Gruppen haben welche Art von Kontakten zu welchen
rechtsextremen Parteien und Organisationen?
c) Welche rechtsextremen Hooligan- und Ultragruppen wurden wann und
warum verboten?
d) Welche rechtsextremen Hooligan- und Ultragruppen haben sich wann und
warum selbst aufgelöst?
e) Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über etwaige Tätigkeiten
von Ersatz- oder Nachfolgeorganisationen?
f) Welche rechtsextremen Hooligan- und Ultragruppen haben nach
Kenntnis der Bundesregierung Stadionverbote durch die jeweiligen Vereine?
g) Welche einschlägigen rechtsmotivierten Straftaten gingen von den
jeweiligen Gruppen nach Kenntnis der Bundesregierung aus?
Die Fragen 6 bis 6g werden aufgrund des Sachzusammenhanges gemeinsam
beantwortet.
Der Bundesregierung sind mehrere Hooligangruppierungen bekannt geworden,
die aufgrund einer vergleichsweise großen Schnittmenge aus Hooligans und
Rechtsextremisten als zumindest rechtsextremistisch beeinflussbar eingeschätzt
werden können. Hierzu gehören die „Karlsbande Ultras“ in Aachen, die
„Borussenfront“ in Dortmund, „Division Duisburg“ (hier liegen Hinweise auf eine
mögliche Auflösung vor), „Standarte Bremen“, „Nordsturm Brema“ und „City
Warriors“ in Bremen, „Blue Caps LE“ in Leipzig, „Elbflorenz“ und „Faust des
Ostens“ aus Dresden, „New Society (NS-) Boys“ in Chemnitz, „HooNaRa“ (für
Hooligans, Nazis und Rassisten) ebenfalls in Chemnitz sowie „Inferno Cottbus“.
Für eine gezielte Unterwanderung der oben genannten Gruppierungen durch
Rechtsextremisten liegen keine konkreten Erkenntnisse im Sinne von Frage 5
vor. Darüber hinaus wird auf die Aussagen zu politischen Motivationen einzelner
Hooligan- und/oder Ultragruppierungen im ZIS-Jahresbericht 2015/2016
hingewiesen. Darüber hinaus liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
7. Welche Drohungen und Übergriffe von rechtsgerichteten Hooligans auf
antirassistische Ultra- und Fangruppen des eigenen Vereins sind der
Bundesregierung während der letzten fünf Jahre bekannt geworden (bitte einzeln nach
Vorkommnis, Datum, Verein und beteiligten Gruppierungen
aufschlüsseln)?
Als Übergriff im Sinne der Fragestellung ist der Bundesregierung ein Ereignis
vom 19. Oktober 2013 im Zusammenhang mit dem Fußballspiel MSV Duisburg
gegen 1. FC Saarbrücken (in Duisburg) bekannt. Hooligans des MSV Duisburg,
darunter Mitglieder der sich nach hiesigen Erkenntnissen inzwischen
möglicherweise aufgelösten Gruppierung „Division Duisburg“, griffen – teilweise
unterstützt unter anderem durch Personen aus dem Umfeld des mittlerweile
verbotenen, rechtsextremistischen „Nationalen Widerstand Dortmund“ – Fans des
eigenen Vereins an, dabei auch die Ultra-Gruppierung „Kohorte“.
8. Inwieweit kann die Bundesregierung in Drohungen und Übergriffen
rechtsgerichteter Hooligans auf andere, vor allem antirassistische Fangruppen des
eigenen Vereins eine gezielte Strategie zur Herstellung einer rechten
Hegemonie in den Fankurven erkennen?
Zu einer derartigen Strategie liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
9. Welche Drohungen und Übergriffe von rechtsgerichteten Hooligans auf
antirassistische Fan- und Ultragruppen gegnerischer Vereine während der
letzten fünf Jahre sind der Bundesregierung bekannt geworden (bitte einzeln
nach Vorkommnis, Datum, Verein und beteiligten Gruppierungen
aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung sind keine Drohungen und Übergriffe von Hooligans auf
Ultras und Fangruppen gegnerischer Vereine während der letzten fünf Jahre
bekannt, bei denen die Angreifer nach hiesigem Erkenntnisstand Rechtsextremisten
waren oder von Rechtsextremisten unterstützt wurden.
10. In wie vielen und welchen Fällen beteiligten sich während der letzten fünf
Jahre nach Kenntnis der Bundesregierung Hooligans und Ultras in größerer
Zahl an offen neonazistischen und rechtsextremen Aufmärschen (bitte Ort,
Datum, Thema und Veranstalter des Aufzugs sowie Zugehörigkeit der
Hooligans oder Ultras benennen)?
In der folgenden Tabelle sind die bekannt gewordenen Demonstrationen und
Kundgebungen aufgelistet, die entweder einen rechtsextremistischen oder
islamfeindlichen Hintergrund hatten und an denen unter anderem auch Hooligans
teilnahmen:
Datum Ort Veranstalter Veranstaltungsmotto Teilnehmer
insgesamt
23.03.2014 Mannheim unb. unb. 200
27.09.2014 Mannheim Privatperson Angriff auf unsere demokratischen Werte
durch die Scharia
100
28.09.2014 Dortmund Privatperson Treffen zum Kennenlernen 300
26.10.2014 Köln HoGeSa Gemeinsam gegen Salafisten 4.800
15.11.2014 Hannover HoGeSa Europa gegen den Terror des Islamismus 3.000
08.02.2015 Ludwigshafen GSD Gemeinsam gegen Salafisten 500
14.03.2015 Wuppertal PEGIDA-NRW Patriotische Europäer gegen die
Islamisierung des Abendlandes
1.000
28.03.2015 Dortmund Partei „Die
Rechte“
unb. 1.000
20.06.2015 Frankfurt am Main Widerstand Ost
West
Kundgebung gegen die radikale
Islamisierung und den Faschismus in Deutschland
250
20.09.2015 Essen HoGeSa Essen 2.0 250
25.10.2015 Köln HoGeSa Köln 2.0 1.700
09.04.2016 Magdeburg GSD Gegen Asylbetrug und Linke Gewalt 700
08.10.2016 Dortmund GSD Schicht im Schacht – gemeinsam gegen den
Terror
500
Darüber hinaus liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
11. In wie vielen und welchen Fällen beteiligten sich während der letzten fünf
Jahre nach Kenntnis der Bundesregierung Hooligans und Ultras an von der
Bundesregierung als nicht offen rechtsextrem eingeschätzten aber
flüchtlings- und fremdenfeindlichen oder islamfeindlichen Aufzügen (z. B. der
Pegida-Bewegung; bitte Ort, Datum, Thema und Veranstalter des Aufzugs
sowie Zugehörigkeit der Hooligans oder Ultras benennen)?
Auf die Antwort zu Frage 10 wird verwiesen.
12. Wie viele und welche Aufzüge der Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa)
und ihrer Abspaltungen und möglichen Nachfolgevereinigungen fanden
nach Kenntnis der Bundesregierung wann und wo und mit wie viele
Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus welchen Milieus seit Gründung dieser
Gruppierung statt?
a) Inwieweit beteiligten sich Mitglieder rechtsextremer Parteien und
Organisationen an den HoGeSa-Aufzügen?
b) Bei welchen dieser Aufzüge kam es zu welchen einschlägigen Straftaten
und Gewalttaten mit wie vielen Verletzten (bitte aufschlüsseln, ob die
Verletzten Teilnehmer der Aufzüge, Polizisten, Journalisten,
Gegendemonstranten oder Unbeteiligte sind)?
Die Fragen 12 bis 12b werden aufgrund des Sachzusammenhanges gemeinsam
beantwortet.
An verschiedenen Demonstrationen, die von „HoGeSa“ organisiert wurden,
beteiligten sich auch Mitglieder verschiedener rechtsextremistischer Parteien,
insbesondere Mitglieder der NPD und der Partei „Die Rechte“.
Vollständige Informationen zu den durch die (Länder-)Polizeien im
Zusammenhang mit diesen Versammlungen eingeleiteten Ermittlungsverfahren, den
verletzten Teilnehmern und deren Aufschlüsselung in Polizisten, Journalisten,
Gegendemonstranten und Unbeteiligte liegen der Bundesregierung nicht vor.
Darüber hinaus wird auf die Antwort zu Frage 10 verwiesen.
13. Wie entwickelte sich die HoGeSa-Bewegung nach Kenntnis der
Bundesregierung seit ihrer Gründung organisatorisch und personell?
a) Welche Abspaltungen oder Umbenennungen gab es?
b) Welche Internetauftritte (einschließlich sozialer Netzwerke) von HoGeSa
(einschließlich Abspaltungen und Umbenennungen) sind der
Bundesregierung bekannt?
Die Fragen 13 bis 13b werden aufgrund des Sachzusammenhanges gemeinsam
beantwortet.
Am 8. Februar 2014 traten erstmals Personen der Hooliganszene im
Zusammenhang mit einer Kundgebung des salafistischen Predigers Pierre Vogel in
Mönchengladbach/NW öffentlich zusammen. Im zweiten Halbjahr 2014 entwickelte
sich hieraus die Protestbewegung „Hooligans gegen Salafisten“ mit der
Zielrichtung, gegen Salafisten in Deutschland vorgehen zu wollen.
Die Facebook-Gruppe „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) wurde am
10. September 2014 gegründet.
Seit dieser Zeit wurden unter der Bezeichnung „Hooligans gegen Salafisten“
beziehungsweise „HoGeSa“ zahlreiche Internetauftritte auf Facebook und
eigenständige Internetforen gegründet. Beinahe täglich wechselten Präsenzen von Ho-
GeSa und sympathisierenden Internetseiten wie „8o7e19a“, „Gemeinsam sind
wir stark“ „hogesa.info“, „hogesa.club“.
Facebook und Internetforen dienten der HoGeSa als Plattform zur Ankündigung
geplanter Hooligan-Treffen und Gegenveranstaltungen zu salafistisch geprägten
Kundgebungen. Darüber hinaus stellten Forenmitglieder antiislamische und
antisalafistische Beiträge ein. Vereinzelt forderten Personen ein gewaltsames
Vorgehen gegen Pierre Vogel. Die Verantwortlichen veröffentlichten wiederholt
Strukturen eines Organisationsteams nach mehreren Führungswechseln. Zudem habe
man auf Gründungstreffen einen Vorstand gewählt und „Regionalleiter“ für die
Regionen Nord, Süd, Ost, West in Deutschland benannt. Das Organisationsteam
ist für diverse Internetauftritte verantwortlich und trat zum Teil als Anmelder/
Organisator von Veranstaltungen auf.
Aufgrund interner Streitigkeiten erfolgten im Dezember 2014 und Januar 2015
verschiedene Abspaltungen von „HoGeSa“:
„Gemeinsam stark Deutschland“ (GSD)
„Berserker Deutschland- Division Wolfsburg“
„Bündnis deutscher Hooligans“ (Auflösung September 2015)
„BDH 2.0“ (Folgeorganisation des „Bündnis deutscher Hooligans“.
Die im Zusammenhang mit „HoGeSa“ bekannt gewordenen Homepages bzw.
Foren waren insbesondere „hogesa.de“ und „gesiwista.net“.
Auf der Internetseite „Gesiwista.net“ befanden sich Links zu diversen Facebook-
Profilen von PEGIDA-Ablegern, die allerdings zum Teil nicht mehr aktuell sind.
Seit dem 24. November 2016 ist das „GESIWISTA-Forum“ über die Haupt-URL
„gesiwista.net“ nicht mehr zu erreichen.
14. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über den auf Initiative der
rechtsextremen Borussenfront im Jahr 2012 erfolgten bundesweiten
Zusammenschluss von Hooligans namens GnuHonnters (
www.bpb.de/politik/
extremismus/rechtsextremismus/199362/hogesa-wie-hooligans-rechte-
brueckenschlagen)?
a) Welche Hooligan-Gruppen aus welchen Städten und von welchen
Fußballvereinen gehören den GnuHonnters an, und welche dieser
Gruppierungen gelten als rechtsextrem?
b) Welche Aktivitäten im Einzelnen gingen seit der Gründung der Gnu-
Honnters von diesem Zusammenschluss aus?
c) Inwiefern kann die Bundesregierung eine personelle, ideologische oder
organisatorische Verbindung zwischen den GnuHonnters und HoGeSa
erkennen?
Zu den „GnuHonnters“ liegen der Bundesregierung keine über die in der
Vorbemerkung der Fragesteller hinausgehenden Erkenntnisse vor.
15. Welche Maßnahmen im Einzelnen hat die Bundesregierung in den letzten
fünf Jahren ergriffen, um den Einfluss fremdenfeindlich und rechtsextrem
motivierter Gruppen im Umfeld von Fußballfans zurückzudrängen, und
welchen Erfolg hatten diese Maßnahmen nach Kenntnis der Bundesregierung?
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
fördert seit 1993 die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) bei der Deutschen
Sportjugend (dsj). Diese berät und begleitet im Rahmen des „Nationalen
Konzepts Sport und Sicherheit“ die Fanprojekte in Deutschland. Die KOS bei der dsj
wurde mit dem Ziel eingerichtet, die sozialpädagogische Fanarbeit gezielt im
Sinne der Prävention von rechtsextremistischen Tendenzen zu unterstützen.
Vordringliche Aufgaben der KOS sind die Sicherstellung bestehender, die
Einrichtung neuer sowie die inhaltliche Begleitung der bestehenden Fanprojekte durch
Fort- und Weiterbildung. Ein weiterer Schwerpunkt der KOS ist es,
gesellschaftliche Aufmerksamkeit für die Themen „Rassismus, Rechtsextremismus und
Diskriminierung jedweder Art im Profi- und Amateurfußball zu schaffen,
Gegeninitiativen auf nationaler und internationaler Ebene zu unterstützen und auf diese
Weise extremistischen Orientierungen entgegen zu wirken. Die KOS ist heute
eine national und international anerkannte Fachstelle zur Prävention von Gewalt
und Rassismus im Fußball.
Die Finanzierung erfolgt gemeinsam durch das BMFSFJ und dem Deutschen
Fußball-Bund e. V. (DFB). Der Bundesanteil liegt seit dem Jahr 2016 bei
275 000 EUR jährlich.
Die Fanprojekte selbst werden zur Hälfte von Ländern/Kommunen und vom
Sport (Deutsche Fußball-Liga) finanziert. Bis heute haben sich insgesamt 58
Fanprojekte mit insgesamt 65 Fanszenen in ganz Deutschland etabliert, die nach dem
Nationalen Konzept Sport und Sicherheit arbeiten.
Eine ausführliche Darstellung der Aktivitäten der Fanprojekte und Ergebnisse
einer qualitativen Untersuchung zu Ansätzen, Praxiserfahrungen und
Herausforderungen finden sich in: Glaser, Michaela, „Zum Stand der pädagogischen
Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus im
Fußballsport“, online unter
www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs/96_10332_
Rechtsextremismus_Fremdenfeindlichkeit_und_Rassismus_im_Fussball.pdf.
Eine weitere Studie, welche sich mit der Thematik Gewaltprävention im Fußball
beschäftigt, ist „Fußball und Gewaltprävention, eine deutsch-französische
Studie“ von Nicolas Hourcade, Gunter A. Pilz und Silvester Stahl aus dem Jahr 2015.
Im Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenzen stärken“ wurden vier
Einzelmaßnahmen gefördert, um den Einfluss fremdenfeindlich und rechtsextrem
motivierter Gruppen im Umfeld von Fußballfans zurückzudrängen. Auch im
Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben! Aktiv gegen
Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ werden unterschiedliche Maßnahmen
sowohl auf lokaler als auch auf regionaler und bundesweiter Ebene gefördert, die
sich im Rahmen von präventiv-pädagogischen Ansätzen mit Gewalt und
Rechtsextremismus im Umfeld von Fußballfans auseinandersetzen. Darüber hinaus
beraten unterschiedliche Träger im Bundesprogramm „Demokratie leben!“
Fußballvereine in ihrer Arbeit gegen Rassismus. Weiterhin wird der Fachträger jugend-
schutz.net im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert. ju-
gendschutz.net beobachtet im Rahmen seines kontinuierlichen Monitorings
rechtsextremer Angebote im Internet auch Angebote sogenannter „Mischszenen“
im Bereich Sport.
Hinsichtlich der im Rahmen dieser Bundesprogramme seit dem Jahr 2012
geförderten Maßnahmen wird auf die angefügte Anlage verwiesen.
Durch eine Kooperation zwischen der Bundeszentrale für politische Bildung
(BpB), der Hochschule Esslingen und der Robert-Bosch-Stiftung wurde in den
Jahren 2013 bis 2017 ein Wissenschaft-Praxis-Projekt namens „Rückgrat“
gefördert.
In diesem Rahmen wurde von der Landesarbeitsgemeinschaft Baden-
Württemberg ein Projekt mit Jugendlichen durchgeführt, die sich in einer von
nationalistischen und von archaischen Männlichkeitsidealen dominierten Fanszene des
Karlsruher Sportclubs bewegen. Die Jugendlichen wurden durch gemeinsame
Aktivitäten u. a. mit homosexuellen Fanprojekten, mit Aktivisten gegen
Homophobie im Fußball und Turnieren mit Flüchtlingen zur Reflexion eigener
Positionen aufgrund von Begegnungen mit anderen Lebensstilen und -hintergründen
angeregt.
Das Bundesministerium des Innern (BMI) hat die Gedenkveranstaltung zu Ehren
jüdischen Fußballs in Deutschland am 10. November 2013 sowie die
Gedenkveranstaltung DFC Prag am 12./13. September 2015 der „Initiative 1903“ gefördert.
Des Weiteren hat das BMI die Dürener Initiative „Fußballvereine gegen Rechts –
gegen Rassismus, Extremismus und Gewalt“ bei deren Aktion „4 Schrauben für
Zivilcourage“ bei einem Fußballspiel von Dürener Fußballern gegen die
Fußballmannschaft FC Bundestag unterstützt. Durch diese Veranstaltungen ist
öffentlichkeitswirksam auf die jüdische Fußballvergangenheit in Deutschland und die
Problematik von Rassismus, Extremismus und Gewalt in Fußballvereinen
aufmerksam gemacht worden.
16. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Existenz explizit
antirassistisch orientierter Fanprojekte, und inwieweit gedenkt sie, diese zu
unterstützen?
Die Ziele und Aufgaben der Fanprojekte wurden in dem 1993 verabschiedeten
Nationalen Konzept Sport und Sicherheit definiert, welches bis heute Grundlage
aller Fanprojektarbeit ist. Grundlegendes Ziel ist zum einen die Stärkung einer
kreativen und positiven Fankultur, zum anderen sollen jugendliche Fußballfans
und junge Erwachsene durch alternative Freizeit- und Bildungsangebote in ihrer
Persönlichkeit gefördert werden.
Auch wenn die Auseinandersetzung mit Gewalt in der täglichen Arbeit der
Fanprojekte häufig im Vordergrund steht, umfasst der Arbeitsauftrag der Projekte
auch die Auseinandersetzung mit extremistischen sowie fremdenfeindlichen/
rassistischen Tendenzen. Insofern sind alle Fanprojekte mit unterschiedlicher
Ausprägung und mit unterschiedlichen, von den lokalen Zielgruppen abhängigen
Konzepten auch im Themenfeld Rassismus und Diskriminierung aktiv.
Dabei versucht eine Reihe von Fanprojekten gezielt, rechtsextreme und
fremdenfeindliche Erscheinungsformen im Stadion zurückzudrängen bzw. diesen
vorzubeugen, indem sie sowohl mit antirassistischen Initiativen wie auch mit
„unpolitischen“ Gruppierungen zusammenarbeiten oder versuchen, entsprechende
Initiativen zu initiieren und zu stärken (vgl. Glaser, Michaela, „Zum Stand der
pädagogischen Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit
und Rassismus im Fußballsport“, S. 131).
Begleitend unterstützt und beraten werden die Fanprojekte von der
Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), welche durch den Bund gefördert wird. Hinsichtlich
der Unterstützung von Fanprojekten wird auf die Antwort zu Frage 15 verwiesen.
17. Wie viele und welche Fanprojekte werden über die Bundesprogramme zum
Thema Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus unterstützt, und
wie hat sich diese Unterstützung in den letzten fünf Jahren entwickelt?
Hinsichtlich der Unterstützung von Fanprojekten im Rahmen der
Bundesprogramme „Toleranz fördern – Kompetenzen stärken“ und „Demokratie leben!
Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit" in den letzten
fünf Jahren wird auf die Antwort zu Frage 15 sowie auf die Übersicht in der
angefügten Anlage verwiesen.
Darüber hinaus wird im Rahmen der Weiterentwicklung des Bundesprogramms
„Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und
Menschenfeindlichkeit“ die Förderung der Arbeit von gemeinnützigen Trägern angestrebt,
die sich im Bereich des Aufbaus und der Stärkung von bundeszentralen Aufgaben
in der Arbeit für Demokratie und Vielfalt und gegen Rechtsextremismus, Gewalt
und Menschenfeindlichkeit engagieren.
In diesem Zusammenhang wurde in diesem Jahr die Förderung der
Strukturentwicklung zum bundeszentralen Träger (Programmbereich C des
Bundesprogramms) unter anderem im Themen- und Strukturfeld
„Radikalisierungsprävention im Sport“ ausgeschrieben.
Vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklung,
verbunden mit der gesellschaftlichen Bedeutung des Sports und der Dynamik im
Arbeitsfeld ergeben sich Herausforderungen für eine dauerhafte Stärkung der
Radikalisierungsprävention im Sport.
Ziel ist es, die Fachexpertise im Umgang mit Radikalisierung und
Menschenfeindlichkeit in den Fachsportverbänden zu erweitern, die Auseinandersetzung
mit Themen wie Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus, Islam- und
Muslimfeindlichkeit und anderen Ideologien der Ungleichwertigkeit
voranzutreiben und bestehende Projekte und Akteure bundesweit miteinander zu vernetzen.
Im Rahmen der Ausschreibung haben sich unterschiedliche Träger beworben.
Aktuell findet das Auswahlverfahren statt.
Darüber hinaus hat die Bundesregierung im Jahr 2016 das Modellprojekt der
Kompetenzgruppe „Fankulturen und Sport bezogene Arbeit“ (KoFaS) „Kicks für
alle!“ bei der Erstellung eines Schulungsfilms sowie der Durchführung eines
Tagesseminars zur Beratung von Betroffenen rechtsextremer Gewalt in
Fußballfankulturen gefördert.
18. Inwiefern ist die Thematik rechtsextremer Fangruppen Gegenstand von
Besprechungen im Gemeinsamen Extremismus- und
Terrorismusabwehrzentrum?
Fangruppen von Fußballvereinen sind grundsätzlich kein Besprechungspunkt im
Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum. Kam es in
Vergangenheit jedoch anlassbezogen zu relevanten Delikten der PMK – rechts im
Zusammenhang mit Fußballereignissen im In- und Ausland, war dies auch
Gegenstand von insbesondere polizeilichen Beiträgen im Gemeinsamen
Extremismus und Terrorismusabwehrzentrum – Rechts (GETZ-R).
Seit Jahresbeginn 2012 bis Stand 20. Juni 2017 ist in den Arbeitsgruppen des
GETZ-R die Thematik in diversen Sachzusammenhängen insgesamt 144 Mal
erörtert worden.
Anlage
Anlage zu der Antwort zu den Fragen 15 und 17
Bundesprogramme TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN, „Initiative Demokratie
stärken“, Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit Abfrage
Zeitraum 2012 bis 2017
Projekte im Bereich Rechtsextremismus/Antirassismus/Hooligans im Fußball/Fanprojekte
Bundesprogramm „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN“:
1. Maßnahmen, welche unmittelbar von Fanprojekten als Träger umgesetzt werden:
Hier: Einzelprojekte, Lokale Aktionspläne
Lfd.
Nr.
PfD/
Fördergebiet
Träger/Titel Jahr Kurzbeschreibung
1 Leipzig/
Leipzig
Outlaw gemeinnützige
Gesellschaft für Kinder- und
Jugendhilfe mbH/
Antidiskriminierungsarbeit
mit fußballinteressierten
Jugendlichen in der
offenen Jugendarbeit
2012 Das Colloquium wird sich in einen Seminar- und
einen Diskussionsteil gliedern. Im Seminarteil
wird über auftretende Diskriminierungen im
Sportkontext informiert, beispielsweise anhand
der Ausstellung „Strafraum Sachsen“, und den
Teilnehmer/innen werden
antidiskriminierungspädagogische Methoden vermittelt. Im
Diskussionsteil sollen praktische Lösungsansätze
diskutiert, gemeinsam Handlungsstrategien entwickelt
und so der Diskurs angestoßen werden. Die
Veranstaltung wird eine Vernetzung der Akteure
vorantreiben und einen besseren Austausch über
vorhandene Ressourcen und Kompetenzen
ermöglichen. Das Colloquium wird vom
Fanprojekt Leipzig, in Kooperation mit anderen, im
Fachgebiet angesiedelten Expert/innen, inhaltlich
vorbereitet und durchgeführt.
Lfd.
Nr.
PfD/
Fördergebiet
Träger/Titel Jahr Kurzbeschreibung
2 Zukünftige
Einheits-stadt
Silberberg
Fan Projekt Aue e. V./
Mädchen die mehr wollen
2012 Die Mitarbeiter des Fanprojektes suchen mit
Hilfe vielfältiger Angebote (die stetig
weiterlaufen um die Nachhaltigkeit zu gewährleisten) den
Kontakt zu verschiedenen Gruppierungen im
Umfeld der Fanszene vom FC Erzgebirge Aue.
Gemeinsam werden Probleme analysiert und
Lösungsansätze gesucht, um langfristig einer
Straffälligkeit oder einer negativen Entwicklung
vorzubeugen. Ressourcen gibt es noch in Integration
von Mädchen und jungen Frauen. Angebote und
Projekte: Auftaktveranstaltung Mädchenturnier
im März 12, betreute Gruppenreise zum
Fanfinale nach Berlin (10. – 12. Mai 2012) mit einer
Jungen- und einer Mädchenmannschaft,
wöchentlicher Fußballtreff für Mädchen.
Verschiedene Angebote in Kooperation mit dem FC
Erzgebirge Aue (Stadionrundgänge,
Fannachmittage)/U 16 und U 18 Fahrten sowie weitere
Auswärtsfahrten werden unterstützt und die Fans
begleitet.
3 Plauen/
Plauen
Fanprojekt Plauen –
Vogtland e. V./
Fanprojektarbeit/Netzwerk Sport
2014 Der Zielansatz der Projekte mit
sozialpädagogischer Fanprojektarbeit soll alle Gruppierungen
erreichen, die bereits eine ausgeprägte
Gewaltfaszination und -bereitschaft zeigen. Über die
Vereinsgrenzen hinweg sollen Gruppierungen
vernetzt werden, um bestehendes
Konfliktpotential zu reduzieren. Da die sozialpädagogische
Arbeit durch den höheren Bekanntheitsgrad des
Trägers sehr stark frequentiert wird, wurde das
Angebot erweitert. Hierzu sind die
Vereinsverantwortlichen über das bereits erweiterte
Kerngebiet hinaus für die Themen zu sensibilisieren und
gemeinsame Aktionen über das bestehende
Netzwerk Sport zu koordinieren. Gleichzeitig ist nach
der guten Verankerung im erweiterten
Kerngebiet das Angebot des Netzwerks in der Fläche
des Landkreises auszubauen. Schwerpunkte in
dieser Arbeit sind vor allem niederschwellige
Angebote, die bestehende Vorbehalte gegenüber
diesen Themen bei den Vereinsverantwortlichen
in den ländlichen Gebieten abbauen und damit
eine breitere Einbindung in das sich ausweitende
Netzwerk ermöglichen.
2. Maßnahmen, welche nicht von einem Fanprojekt als Träger umgesetzt werden, welche aber einen
unmittelbaren Bezug zur Sport- und/oder Hooliganszene haben
Name des Trägers Sportjugend Hessen im Landessportbund Hessen e. V.
Projektnummer M60528028
Bezeichnung des Projektes Erlebniswelt Sport – Wir bieten Respekt und Anerkennung! (R.AN!)
Laufzeit des Projektes 01.04.2011 – 31.03.2014
Das Projekt baut auf junge Multiplikator/innen, die von Coaches unterstützt , die mit ihrem Engagement und
Einfluss und ohne professionelle Sozial- und Jugendarbeit (als Kooperationspartner), Einfluss auf rechtsextrem
orientierte bzw. gefährdete Jugendliche nehmen sollen. Hierbei handelt es sich um Gruppen von mindestens fünf
Personen, die als Juniorteam innerhalb bereits bestehender (Sport-)Vereine agieren. Im Rahmen des
Modellprojekts soll so ausprobiert werden, ob es gelingt, attraktive Angebote zu schaffen, die eine kritische
Auseinandersetzung mit diesen Jugendlichen ermöglicht.
Ziele des Projektes
1. Schaffung von Alternativen zur Erlebniswelt Rechtsextremismus durch attraktive Sport- und Freizeitangebote
in 8 bis 9 R.AN! Sportvereinen, die in belasteten hessischen Gebieten liegen.
2. Aufbau und Unterstützung von R.AN! Juniorteams in den ausgewählten Sportvereinen um die Beteiligung von
jungen Leuten zu verbessern.
3. Anregung und Reflexion von Demokratieprozessen in den ausgewählten R.AN! Sportvereinen sowie in den
jeweiligen Gemeinden/Städten.
4. Sensibilisierung der R.AN! Sportvereine hinsichtlich der Auseinandersetzung mit (lokalen) rechtsextrem
orientierten Jugendlichen.
Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und
Menschenfeindlichkeit“
Programmbereich A: Förderung lokaler Partnerschaften für Demokratie
3. Maßnahmen, welche unmittelbar von Fanprojekten als Träger umgesetzt werden
Hier: Einzelmaßnahmen
Lfd.
Nr.
PfD/
Fördergebiet
Träger/Titel Jahr Kurzbeschreibung
1 PfD: Amt für
Kinder,
Jugendliche und
Familie der Stadt
Fürth/Abteilung
Jugendarbeit
Fördergebiet:
Stadt Fürth
Träger: Fanprojekt
Fürth – Kinderarche
gGmbH
Titel: Zurück am
Tatort Stadion
2015 Nicht erst seit den Übergriffen und Parolen der
„Hooligans gegen Salafisten“ ist klar: Quer durch die
Ligen gehören Gewalt und Diskriminierung noch
immer zum Alltag in Fußball-Fankulturen. Die Fanszene
in Fürth engagiert sich bereits seit längerer Zeit zu
antirassistischen Themen.
Im Rahmen einer Abendveranstaltung wird Pavel
Brunßen (einer der Autoren des Buches „Zurück am
Tatort Stadion“))über Rechtsextremismus und
Fanszenen im Fußball referieren. Im Buch „Zurück
am Tatort Stadion“ beleuchtet er dabei auch, welche
Faktoren an einem Standort ineinander greifen
müssen, um eine gelingende Antidiskriminierungsarbeit
zu etablieren. Im Anschluss an den Vortrag soll die
Gelegenheit gegeben werden, die Faktoren auf den
Standort Fürth zu übertragen. Der bereits engagierten
Fanszene soll so mehr Know-How an die Hand
gegeben werden, die Antidiskriminierungsarbeit im
Kontext Fußball fundierter weiter zu betreiben.
2 PfD:
Verbandsgemeinde
Schweich an der
Römischen
Weinstraße
Fördergebiet:
Verbandsgemeinde
Schweich
Träger:
Exzellenzhaus Trier e. V. –
Kinder, Jugend,
Kultur
Titel: Kick for
Colours
2017 Das Fanprojekt Trier und der Exzellenzhaus e. V.
veranstalten in Kooperation mit dem Kinder- und
Jugendbüro Schweich, dem Schwul-lesbischen Zentrum
Trier, der Fachstelle Jugendschutz im Landkreis
Trier-Saarburg und Vertreter/Innen verschiedener
gesellschaftlicher Gruppen ein Fußballturnier unter dem
Titel „Kick for Colours“. Das Konzept, das bereits in
Trier umgesetzt wurde, wird in Schweich in die
Veranstaltung „Horst“ des Kinder- und Jugendbüros
eingebettet. Es sollen Teams antreten, die
gesellschaftliche Vielfalt abbilden (z. B. Teams von Jugendlichen
mit und ohne Migrationsgeschichte, schwul-lesbische
Teams, gemischte Teams...). Als besondere
Auszeichnung wird ein FairPlay-Preis vergeben. Die
Kooperationspartner bieten Beratungs- und
Informationsmöglichkeiten an. Zu dem Projekt gehört die Vor- und
Nachbereitung. Jugendliche sollen mit einem
Videobeitrag über die Veranstaltung für Vielfalt und
Toleranz werben und Slogans entwerfen.
4. Maßnahmen, welche nicht von einem Fanprojekt als Träger umgesetzt werden, aber einen
unmittelbaren Bezug zur Sport- und/oder Hooliganszene haben
Lfd.
Nr.
PfD/
Fördergebiet
Träger/Titel Jahr Kurzbeschreibung
1 PfD: Landkreis
Elbe-Elster
Fördergebiet:
Landkreis Elbe-
Elster
Träger: GVFB
Elsterwerda
Titel: Fußball für
Toleranz unter dem
Motto „Vielfalt statt
Einfalt“ mit
Podiums-diskussion
2015 Ziel ist es, Bürger/innen für die Themen Toleranz,
Gender, Migration (auf dem Fußballplatz) zu
sensibilisieren. Themen zu Ausgrenzungserfahrungen im
Alltag, sowie der Abbau von Vorurteilen im Fußball
und durch Fußball sollen dabei zentral Beachtung
finden. In der Podiumsdiskussion berichten
verschiedene Fanprojekte von ihren Erfahrungen im Umgang
mit extremistischen „Fans“ und
Intervienierungsmitteln. Der Journalist Christoph Ruf unterstützt die
Veranstaltung.
2 PfD: Amt für
Soziale Dienste
Bremen/
Sozialzentrum Mitte/
östliche Vorstadt/
Findorff
Fördergebiet:
Stadt Bremen
(Mitte, Östl.
Vorstadt,
Findorff)
Träger: Caillera
Titel:
Antidiskriminierungs-Workshop
2016 Die Ostkurve im Weser Stadion hat bewegte Zeiten
hinter sich, da dies früher einmal ein Ort war, in dem
Nazi-Hooligans ihr Unwesen trieben! Wir freuen uns,
dass dies heute nicht mehr so ist, jedoch hat die
Gruppe erfahren, dass diese Nazi-Hooligans
mittlerweile ihren Aktivitäten außerhalb des Stadions
nachgehen und teilweise sogar noch ins Stadion gehen.
Sie wollen mehr wissen, über Gruppen wie Standarte
Bremen, und haben sich überlegt, einen Workshop zu
organisieren. Eine erfahrene Moderation wird den
Workshop begleiten. Zudem sind sie auf einen
Journalisten aufmerksam geworden, welcher lange Jahre
regelmäßig in der Ostkurve aktiv war und
mittlerweile Chefredakteur eines Magazins über Fußball,
Kultur und Politik („Transparent-Magazin“) ist. Er
wird einen Vortrag halten und offene Fragen
beantworten. Die Gruppe findet es wichtig sich darüber
weiterzubilden, da sie über verschiedene Medien viel
zu wenig herausfinden konnten. Sie wollen jedoch
mehr wissen, um den Wandel der Ostkurve besser zu
verstehen und vielleicht so in Zukunft dabei
mithelfen können, dass es in Bremen und im speziellen im
Weserstadion keinen Platz mehr für Nazi-Hooligans
gibt.
3 PfD: Bezirksamt
Wandsbek
Dezernat für
Soziales, Jugend
und Familie
Fachamt
Sozialraummanagement
Fördergebiet:
Hamburg-
Wandsbek
Träger: Arbeit und
Leben
Titel:
Rechtsextremismus im
Sportverein
2016 Durchführung von 2- bis 4-stündige Seminare zum
Thema:
„Rechtsextremismus im Sportverein“.
Wie können Vereinsmitglieder Rechtsextremismus
im Sportverein erkennen? Codes und Symbole,
Ausdrucks- und Agitationsformen der extremen Rechten,
konkrete Beispiele aus der rechten Szene Hamburg.
Umgang mit rechtsextremen Mitgliedern: (rechtliche)
Interventionsmöglichkeiten und präventive
Maßnahmen
Sinnvolle Kooperationspartner/Innen (bspw.
Fanprojekte, MBT, Sportbund)
Lfd.
Nr.
PfD/
Fördergebiet
Träger/Titel Jahr Kurzbeschreibung
4 PfD:
Landratsamt Sonneberg
Fördergebiet:
Landkreis
Sonneberg
Träger:
Kreissportbund Sonneberg
e. V.
Titel: Kopfball
macht schlauer
2017 Eine Fahrt mit Schülern der Klassen 8a aus der TGS
Steinach und der Klasse 9 aus der TGS
Neuhaus/Rwg. zum Fanprojekt „Kopfball“ des 1. FC
Nürnberg. Das Bildungsprogramm des Kopfball
Lernzentrums umfasst viele unterschiedliche
Schwerpunkte v. a. für junge Menschen, die mit
traditionellen Bildungsangeboten nur schwer zu erreichen sind.
Dabei ist ein Highlight die dazugehörige
Stadionführung.
Themen wie Zivilcourage, Menschenrechte,
Rechtsextremismus und die Macht der Gruppe sollen
Jugendliche zu aktivem und demokratischem Handeln
ermutigen. Ein Rundgang über das ehemalige
Reichsparteitagsgelände, ausgehend vom Stadion,
ermöglicht einen Einstieg oder eine Vertiefung zum Thema
Nationalsozialismus.
ZIELE DES PROJEKTS:
> Förderung des Bewusstseins für Demokratie und
politische Partizipation
> Entwicklung und Stärkung von sozialen und
demokratischen Basiskompetenzen
> Akzeptanz von Unterschiedlichkeit und
Gleichwertigkeit
> Stärkung gesellschaftlicher Teilhabe und sozialer
Integration
> Förderung von Eigenverantwortlichkeit, Solidarität
und Toleranz
> Berufsorientierung
> Erwerb von Medienkompetenzen
5 PfD:
Landratsamt Sonneberg
Fördergebiet:
Landkreis
Sonneberg
Träger:
Kreissportbund Sonneberg
e. V.
Titel: Kopfball
macht schlauer!
2017 ?Kopfball macht schlauer!? heißt das Projekt, bei
dem der Kreissportbund Sonneberg e. V. auf ganz
interessante Weise Sport mit Geschichte verbindet. In
seinem Zentrum stehen Tagesreisen für fußball- und
geschichtsinteressierte Jugendliche, die sie zu einem
Fußballspiel des 1. FC Nürnberg und in das
Dokumentationszentrum „Reichsparteitagsgelände“ der
Stadt führen. Betreut werden sie dort von
pädagogisch und historisch kompetenten Mitarbeitern des
Nürnberger Fanprojektes und bekommen von ihnen
an geschichtsträchtigem Ort interessante Einblicke in
den verbrecherischen Rassen- und Größenwahn des
nationalsozialistischen Regimes.
Ziele des Projektes:
30 Prozent der Teilnehmer beteiligen sich mit
eigenen Überlegungen am Workshop.
Die Sportler erfahren neues zeitgeschichtliches
Wissen am authentischen Lernort
(Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg).
70 Prozent der Übungsleiter und Betreuer
informieren sich über neue Entwicklungen in der
Fanbetreuung in der Bundesliga und über Gewaltprävention im
Stadion.
Lfd.
Nr.
PfD/
Fördergebiet
Träger/Titel Jahr Kurzbeschreibung
6 PfD: Landkreis
Coburg
Fördergebiet:
Landkreis
Coburg
Träger: DJK/TSV
Rödental-
Waldsachsen
Titel: Anti-
Rassismus-Camp
2017 Die Fußballkinder des Vereins sind selber bereits eine
„bunte Truppe“, neben deutschen Kindern gibt es
bereits vielfältige andere Migrationshintergründe
(Weißrussland, Polen, Ukraine, Frankreich, Italien,
Angola). Leider mussten diese Kinder bereits
rassistische Beleidigungen erfahren und die nahm der Verein
zum Anlass gerade mit ihren jüngsten Mitgliedern die
völkerverständigende Kraft des Sports zu
intensivieren. Zu diesem Zweck möchte der Verein gerne eine
Förderung beantragen, damit die Kinder samt
Betreuern am Anti-Rassismus-Fußballturnier in Icon, Italien
teilnehmen können. Neben einem Fußballturnier wird
das Rahmenprogramm nationalen Egoismen und
Fremdenfeindlichkeit thematisieren, um so den
Gedanken der kulturellen Vielfalt und der Toleranz zu
fördern.
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ISSN 0722-8333]