[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom
25. August 2017 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/13432
18. Wahlperiode 29.08.2017
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sevim Dağdelen, Matthias W. Birkwald,
Frank Tempel, Sabine Zimmermann (Zwickau) und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/13312 –
Beitragserstattung und Ansprüche in der Deutschen Rentenversicherung von
eingewanderten und ausgereisten Personen
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Unabhängig von Staatsangehörigkeit und Aufenthaltsstatus besteht in
Deutschland Rentenversicherungspflicht bei sozialversicherungspflichtiger
Beschäftigung. Bei Rückkehr, Abschiebung oder Weiterwanderung ins Ausland stellt
sich die Frage der Beitragserstattung nach § 210 des Sechsten Buches
Sozialgesetzbuch. Dort ist geregelt, unter welchen Umständen Beiträge zur gesetzlichen
Rentenversicherung erstattet werden können. Diese Möglichkeit besteht unter
anderem für Personen, die in Deutschland einer sozialversicherungspflichtigen
Beschäftigung nachgegangen sind, aber die allgemeine Wartezeit der
Rentenversicherung von fünf Jahren nicht erfüllt und zugleich keine Möglichkeit
haben, freiwillig Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zu leisten, und die
nicht oder nicht mehr versicherungspflichtig sind. Das dürfte in erster Linie
Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit betreffen. Die Erstattung erfolgt
in diesen Fällen ausschließlich auf Antrag und nur dann, wenn mindestens
24 Monate seit Ende der Versicherungspflicht verstrichen sind. Wenn aufgrund
von Sozialversicherungsabkommen eine Zusammenrechnung deutscher und
ausländischer Versicherungszeiten erfolgt, ist keine Erstattung möglich.
Sozialversicherungsabkommen bestehen mit zahlreichen Staaten außerhalb der
Europäischen Union (EU) und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), ebenfalls
ausgeschlossen ist eine Erstattung in den EU-Staaten und den Mitgliedsländern
des Europäischen Wirtschaftsraumes. Verschiedene Studien weisen darauf hin,
dass ältere Migrantinnen und Migranten in Deutschland (und auch in anderen
EU-Staaten) sich in oft schwierigeren Lebenssituationen befinden und
insbesondere geringere Renten erhalten als ältere Personen ohne
Migrationshintergrund. In der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der
Fraktion DIE LINKE. (Bundestagsdrucksache 18/10603, Frage 6) hat die
Bundesregierung Daten vorgelegt, denen zufolge Menschen mit Migrationshintergrund
erheblich häufiger einen Niedriglohn erhalten als Personen ohne
Migrationshintergrund. Ältere Migrantinnen und Migranten aus den so genannten
Anwerbestaaten gehören überwiegend zur ersten Einwanderungsgeneration und wurden
aufgrund der wirtschaftlichen Bedingungen häufig als un- oder angelernte
Arbeitskräfte im verarbeitenden Gewerbe und im Bergbau eingestellt. Die
Konzentration in geringqualifizierten Tätigkeiten ging mit ungünstigen
Arbeitsbedingungen, niedrigem Einkommen und überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit
einher (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge – BAMF,
Forschungsbericht 18, 2012). Das Renteneinkommen von Einwandererinnen und
Einwanderern ist im Mittel in Westeuropa um 20 Prozent niedriger als das der Bevölkerung
ohne Einwanderungsgeschichte (Wissenschaftszentrum Berlin für
Sozialforschung gGmbH, WZB-Mitteilungen, Heft 150, Dezember 2015).
1. Liegen nach Kenntnis der Bundesregierung spezifische Informationen der
Deutschen Rentenversicherung vor, die eine Differenzierung der bei der
Deutschen Rentenversicherung gemeldeten Personen nach
Staatsangehörigkeit, Migrationshintergrund, Aufenthaltsstatus oder Flüchtlingseigenschaft
erlauben, und wie werden diese Informationen bewertet (bitte ausführlich
und differenziert darlegen)?
Die Statistiken der Deutschen Rentenversicherung können nach dem Merkmal
Staatsangehörigkeit differenziert werden. Darüber hinaus wird auch das Merkmal
des Zahlungslandes, in welches die Rente entrichtet wird, erfasst. Informationen
zu Migrationshintergrund, Aufenthaltsstatus oder Flüchtlingseigenschaft werden
in den Rentenstatistiken hingegen nicht erfasst. Daher kann auch keine
Bewertung vorgenommen werden.
Die Staatsangehörigkeit der Versicherten wird nach dem
Staatsangehörigkeitsschlüssel des Statistischen Bundesamtes in der jeweils gültigen Fassung erhoben
und verschlüsselt. Für die Statistiken der Deutschen Rentenversicherung ist die
Staatsangehörigkeit, die am jeweiligen Auswertungsstichtag im
Versichertenbzw. Rentenkonto ausgewiesen ist, maßgeblich.
2. Liegen der Bundesregierung Kenntnisse darüber vor, wie viele ausgereiste
Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft und wie viele abgeschobene
Personen Anspruch auf Beitragsrückerstattung aus der Deutschen
Rentenversicherung oder Rentenanwartschaften bei der Deutschen Rentenversicherung
erworben haben (falls ja, bitte auflisten, sofern möglich, nach Anzahl der
Personen, Geschlecht, Staatsbürgerschaft, Anspruch auf
Beitragserstattung/Rentenanwartschaft differenzieren)?
Statistische Daten zu Ansprüchen auf Beitragsrückerstattung oder
Rentenanwartschaften entsprechend der Fragestellung liegen nicht vor. Hilfsweise kann aus der
Versichertenstatistik auf die Anzahl der ausländischen Versicherten, die im
Berichtsjahr Beitragserstattungen erhalten haben, abgestellt werden. Diese beläuft
sich für Versicherte mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Berichtszeitraum
2015 auf rund 5 000 Fälle.
3. Wie viele Anträge auf Beitragsrückerstattung sind nach Kenntnis der
Bundesregierung von Personen mit Migrationshintergrund bzw. ausländischer
Staatsangehörigkeit bei den Rentenversicherungsträgern in den vergangenen
fünf Jahren gestellt worden (bitte nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht
differenzieren)?
Statistische Daten zu Anträgen auf Beitragserstattungen liegen nicht vor. Zu den
im Jahr 2015 geleisteten Beitragserstattungen an ausländische Versicherte wird
auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen.
4. Wie hoch fallen nach Kenntnis der Bundesregierung die Aufwendungen für
die Rückerstattungsansprüche der vergangenen fünf Jahre in der Deutschen
Rentenversicherung aus (bitte nach Herkunftsländern differenzieren)?
Die Beitragserstattungen der Deutschen Rentenversicherung in den letzten fünf
Jahren sind in der nachstehenden Tabelle ausgewiesen. Eine Differenzierung
nach Herkunftsländern liegt nicht vor.
5. Welche Konsequenzen ergeben sich nach Kenntnis der Bundesregierung aus
der deutlich schlechteren Bezahlung von Menschen mit
Migrationshintergrund und den sich daraus ergebenden niedrigeren Rentenansprüchen, und
wie geht und ging die Bundesregierung dagegen vor (bitte ausführen)?
Die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland ist vom Äquivalenzprinzip
geprägt. Die Höhe der lohn- und beitragsbezogenen Rente der gesetzlichen
Rentenversicherung ist damit grundsätzlich abhängig von der Anzahl der
zurückgelegten Versicherungsjahre und von der Höhe der versicherten Entgelte.
Dementsprechend führen Lücken in der Erwerbsbiographie oder geringe
Beitragszahlungen auch zu entsprechend geringeren Renten. Dies gilt unabhängig von der
Staatsangehörigkeit oder einem eventuellen Migrationshintergrund für alle in der
gesetzlichen Rentenversicherung Versicherten.
6. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Gesamtzahl der
Männer und Frauen ab 65 in Deutschland, die auf Grundsicherung angewiesen
sind, wie viele von ihnen haben die deutsche Staatsbürgerschaft, wie viele
sind ohne deutsche Staatsbürgerschaft, und wie haben sich diese Zahlen in
den vergangenen zehn Jahren entwickelt (sofern möglich, bitte nach
Geschlecht, Altersgruppen 65 bis 74, ab 75 sowie nach deutscher/ausländischer
Staatsbürgerschaft differenzieren)?
Die Daten sind der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen. Zwischen 2006 und
2016 ist die Zahl der Grundsicherungsempfänger/innen ab der Altersgrenze von
insgesamt 364 535 auf 525 595 gestiegen. Dabei spielt auch die demografische
Entwicklung eine Rolle. Die Zahl der Leistungsempfänger ohne deutsche
Staatsbürgerschaft ist im gleichen Zeitraum von 74 247 auf 130 323 relativ gesehen
stärker gestiegen.
Ausgaben der Deutschen Rentenversicherung
für die Beitragserstattungen
Beitragserstattungen
in Mio. €
2012 102
2013 97
2014 90
2015 87
2016 88
Quelle: Statistik der Deutschen Rentenversicherung
Berichtsjahr
Empfänger von Grundsicherung im Alter nach dem SGB XII
Empfängerstruktur 2006* 2016
Insgesamt Insgesamt Altersgrenze** und älter 364.535 525.595
davon
Altersgrenze** bis 70 138.063 184.120
70 bis 75 89.110 123.549
75 und älter 137.362 217.926
männlich Altersgrenze** und älter 119.821 216.869
davon
Altersgrenze** bis 70 56.939 88.469
70 bis 75 33.074 54.886
75 und älter 29.808 73.514
weiblich Altersgrenze** und älter 244.714 308.726
davon
Altersgrenze** bis 70 81.124 95.651
70 bis 75 56.036 68.663
75 und älter 107.554 144.412
Empfängerstruktur 2006* 2016
Deutsche Insgesamt Altersgrenze** und älter 290.288 395.272
davon
Altersgrenze** bis 70 106.504 138.999
70 und älter 183.784 256.273
männlich Altersgrenze** und älter 89.354 164.297
davon
Altersgrenze** bis 70 43.745 69.110
70 und älter 45.609 95.187
weiblich Altersgrenze** und älter 200.934 230.975
davon
Altersgrenze** bis 70 62.759 69.889
70 und älter 138.175 161.086
Empfängerstruktur 2006* 2016
Ausländer Insgesamt Altersgrenze** und älter 74.247 130.323
davon
Altersgrenze** bis 70 31.559 45.121
70 und älter 42.688 85.202
männlich Altersgrenze** und älter 30.467 52.572
davon
Altersgrenze** bis 70 13.194 19.359
70 und älter 17.273 33.213
weiblich Altersgrenze** und älter 43.780 77.751
davon
Altersgrenze** bis 70 18.365 25.762
70 und älter 25.415 51.989
Daten zum Jahresende
* 2006: ohne Bremen
**Altersgrenze: 2016: Altersgrenze zum Renteneintrittsalter nach § 41 Abs. 2 SGB XII,
2006: ab 65 Jahren
Quelle: Statistisches Bundesamt sowie eigene Berechnungen
7. Wie wird sich die Zahl der Grundsicherungsbezieherinnen und -bezieher
entsprechend Frage 6 nach Einschätzung der Bundesregierung in den nächsten
15 Jahren entwickeln (bitte unter Angabe der zentralen Annahmen für die
Projektion, differenziert entsprechend Frage 6)?
Entsprechende Zahlen liegen nicht vor und lassen sich auch nicht verlässlich
berechnen, denn die Hilfebedürftigkeit im Alter hängt von einer Vielzahl oft auch
sehr individueller Sachverhalte ab. Zudem ist zum Beispiel auch die familiäre
Situation im Hinblick auf zu berücksichtigendes Einkommen etwa eines Partners
oder einer Partnerin von Bedeutung.
8. Wie hoch ist die Gesamtzahl der Männer und Frauen ab 65 in Deutschland,
die nach Kenntnis der Bundesregierung über ein regelmäßiges Einkommen
unterhalb der EU-weit anerkannten Armutsgefährdungsquote von 60 Prozent
des Medianeinkommens verfügen, wie viele von ihnen haben die deutsche
Staatsbürgerschaft, wie viele sind ohne deutsche Staatsbürgerschaft, und wie
haben sich diese Zahlen in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (sofern
möglich, bitte nach Geschlecht, Altersgruppen 65 bis 74, ab 75,
deutscher/ausländischer Staatsbürgerschaft differenzieren)?
Die Armutsrisikoquote ist eine statistische Maßgröße für die
Einkommensverteilung. Sie liefert keine Information über individuelle Hilfebedürftigkeit. Ihre Höhe
hängt u. a. von der zugrundeliegenden Datenbasis, dem verwendeten
Einkommensbegriff, der Bezugsgröße (50 Prozent, 60 Prozent oder 70 Prozent des
mittleren Einkommens) und der Gewichtung der Haushaltsmitglieder bei der
Bestimmung des Nettoäquivalenzeinkommens ab. Zu beachten ist zudem, dass
Ergebnisse aus Stichprobenbefragungen immer mit einem Unschärfebereich behaftet
sind, der mit zunehmender Gliederungstiefe und abhängig davon, ob es sich beim
betrachteten Merkmal um ein Hochrechnungsmerkmal handelt oder nicht,
zunimmt. Die Entwicklung der auf Basis der Stichprobe durch Hochrechnung
geschätzten absoluten Anzahl von Personen ist auch dadurch beeinflusst, dass es
immer mehr ältere Menschen gibt.
Daten liegen zwar für alle Personen ab 65 Jahren getrennt nach Geschlecht vor,
nicht aber eine zusätzliche Untergliederung nach Staatsangehörigkeit. Dies ist nur
bei EU-SILC (European Statistics on Income and Living Conditions) der Fall,
wobei in dieser Abgrenzung keine Untergliederung nach den erfragten
Altersgruppen vorliegt. Die Daten auf Basis des SOEP (Sozio-oekonomisches Panel)
sowie der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder liegen ausschließlich
als Anteilswert vor. Die sich auf Basis der zugrundeliegenden Stichprobe
ergebende absolute Fallzahl wird nicht ausgewiesen. Daten zur
Einkommensverteilung aus EU-SILC vor dem Einkommensjahr 2007 sind aus methodischen
Gründen nicht vergleichbar, Werte für das Einkommensjahr 2015 liegen noch nicht
vor. Je nach Datenbasis ergeben sich unterschiedliche Werte und Entwicklungen.
Armutsrisikoquote und hochgerechnete Bevölkerung ab 65 Jahren mit einem
Nettoäquivalenzeinkommen unterhalb der statistischen Armutsrisikoschwelle
2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Mikrozensus
Anteile in Prozent
insgesamt 10,4 11,3 12,0 11,9 12,3 13,2 13,6 14,3 14,4 14,6 14,8
Männer 8,5 9,2 9,9 9,7 10,3 10,8 11,1 12,0 12,3 12,6 12,7
Frauen 11,8 12,9 13,6 13,6 13,8 15,0 15,5 16,2 16,1 16,3 16,5
SOEP
Anteile in Prozent
insgesamt 12,0 13,3 14,9 14,7 13,9 13,4 13,0 12,5 13,7 - -
EU-SILC
Anteile in Prozent
insgesamt - 14,9 15,0 14,1 14,2 15,0 14,9 16,3 16,5 - -
männlich - 12,0 12,9 12,1 12,0 13,3 12,7 14,0 14,5 - -
weiblich - 17,4 17,0 15,9 16,2 16,6 17,0 18,4 18,3 - -
Deutsche
insgesamt - 14,6 14,8 14,0 13,9 14,9 14,8 16,1 16,3 - -
Männer - 11,7 12,7 12,0 11,8 13,0 12,5 13,7 14,2 - -
Frauen - 17,2 16,8 15,8 15,9 16,5 17,0 18,4 18,2 - -
Ausländer
insgesamt - 40,1 31,5 25,4 35,9 29,7 22,2 28,2 26,5 - -
Männer - 41,7 34,4 27,2 35,6 35,5 26,9 29,9 28,2 - -
Frauen - 38,7 29,4 24,3 36,0 24,0 14,2 26,1 25,2 - -
Anzahl in 1.000
insgesamt - 2.350 2.402 2.284 2.289 2.439 2.403 2.647 2.738 - -
männlich - 912 989 935 934 1.035 992 1.098 1.147 - -
weiblich - 1.438 1.413 1.348 1.356 1.404 1.411 1.550 1.591 - -
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder auf Basis Mikrozensus, Berechnungen des IAW für
den 5. Armuts- und Reichtumsbericht auf Basis SOEP v32, Eurostat auf Basis EU-SILC
9. Wie wird sich die Zahl der in Frage 8 abgefragten Personen nach
Einschätzung der Bundesregierung in den nächsten 15 Jahren entwickeln (bitte unter
Angabe der zentralen Annahmen für die Projektion, differenziert
entsprechend Frage 8)?
Wie sich die Zahl der in Frage 8 abgefragten Personen in den nächsten 15 Jahren
entwickeln wird, lässt sich nicht seriös abschätzen. Die Entwicklung der
Einkommensverteilung hängt von einer Vielzahl komplexer Einflüsse ab.
10. Wie viele Renten wurden nach Kenntnis der Bundesregierung erstmals im
Rentenzugang 2016 im Inland sowie im Ausland bezogen, und wie hat sich
die Zahl in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (falls die Zahlen für
2016 noch nicht vorliegen, bitte mit Zahlen für 2015, bitte jährlich
aufgeschlüsselt und differenziert nach Rentenart, Altersrente/
Erwerbsminderungsrente, deutscher und ausländischer Staatsangehörigkeit in absoluten
Zahlen und als Verhältnis zwischen entsprechenden Personen mit und ohne
deutsche Staatsangehörigkeit auflisten)?
In der Rentenzugangsstatistik der Deutschen Rentenversicherung ist eine
Differenzierung nach der Staatsangehörigkeit oder/ und Zahlungsland möglich. Die
Tabellen 10-1 und 10-2 im Anhang weisen die gewünschte Abgrenzung des
Rentenzugangs seit 2006 aus.
Im aktuellen Rentenzugang (2016) werden mehr als 95 Prozent der Renten im
Inland ausgezahlt. Der Anteil der im Ausland ausgezahlten Renten ist dabei seit
dem Jahr 2006 rückläufig. Dies spricht dafür, dass immer mehr Rentnerinnen und
Rentner den Ruhestand in Deutschland verbringen (sowohl Personen mit und
ohne deutsche Staatsangehörigkeit).
11. Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung der monatliche
durchschnittliche Zahlbetrag bei Renten wegen Alters insgesamt, bei
Regelaltersrenten und bei Renten für besonders langjährig Versicherte im Rentenzugang
für die vergangenen zehn Jahre (bitte jährlich aufgeschlüsselt und für die
Rentenarten sowie nach deutscher und ausländischer Staatsangehörigkeit
und Geschlecht differenzieren)?
Die gewünschte Auswertung ist der Tabelle 11 im Anhang zu entnehmen.
Erwartungsgemäß fällt die durchschnittliche Höhe der Regelaltersrenten deutlich
geringer aus als die Höhe der Renten für besonders langjährig Versicherte. Das
liegt daran, dass bei den Regelaltersrenten alle erdenklichen
Versicherungsbiografien enthalten sind. Insbesondere kurze Erwerbsbiografien (z. B. Personen, die
nach kurzer Versicherungszeit in ein Beamtenverhältnis wechseln, eine
selbstständige Tätigkeit aufnehmen oder nach der Geburt eines Kindes keine
versicherungspflichtige Erwerbsarbeit mehr aufgenommen haben) finden sich hier
wieder. Bei der Rente für besonders langjährig Versicherte dagegen muss die
Versicherungszeit mindestens 45 Jahre umfassen, was die höheren Renten erklärt.
Renten an Versicherte mit ausländischer Staatsangehörigkeit sind dabei deutlich
niedriger als an Deutsche. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass es sich bei den
dargestellten Rentenhöhen nur um die Ansprüche an die Deutsche Rentenversicherung
handelt. Hier dürften in vielen Fällen auch noch Ansprüche aus anderen Ländern
bestehen. Zudem ist bei der Rente für besonders langjährig Versicherte zu
beachten, dass in- und ausländische Versicherungszeiten zur Erfüllung der Wartezeit
von 45 Jahren kumuliert werden. So reichen beispielsweise 15 Jahre
Beschäftigung in Italien und 30 Jahre Beschäftigung in Deutschland aus, um die Wartezeit
für diese Rentenart zu erfüllen. Ausgewiesen ist auch hier nur die deutsche Rente.
12. Wie viele Personen bezogen nach Kenntnis der Bundesregierung in den
vergangenen zehn Jahren im Neuzugang Mehrfachrenten (Rentenkumulation,
etwa durch den Bezug von Hinterbliebenen- und selbst erworbener Rente),
und wie hoch waren die durchschnittlichen Gesamtrentenzahlungen je
Monat und Person (jährlich aufgeschlüsselt und bitte nach Geschlecht und
deutscher/ausländischer Staatsangehörigkeit differenzieren)?
In der Statistik der Deutschen Rentenversicherung zum Rentenzugang gibt es
keine Auswertung zu Bezieherinnen und Beziehern von mehreren Renten. Diese
werden lediglich für den Rentenbestand ausgewiesen.
Eine Differenzierung nach Staatsangehörigkeit oder Geschlecht erfolgt hier nicht.
13. Liegen der Bundesregierung Informationen oder Einschätzungen vor, für
wie viele Menschen mit Migrationshintergrund im Rentenbezug die
Rentenzahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung die wichtigste
Einkommensquelle darstellen bzw. welchen Anteil des Einkommens die Rente
dieser Personen ausmacht, und hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie
viele Menschen mit Migrationshintergrund nach Erreichen der
Regelaltersgrenze weiterhin einer Erwerbsarbeit nachgehen (sofern möglich, bitte
differenziert nach Geschlecht und Altersgruppen 65 bis 74 Jahre, ab 75 Jahre
ausführen)?
Dem Alterssicherungsbericht 2016 kann entnommen werden, dass die
Rentenzahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung für Menschen mit
Migrationshintergrund eine ähnlich hohe Bedeutung als Einkommensquelle im Alter haben wie
bei Menschen ohne Migrationshintergrund (vgl. Bundestagsdrucksache 18/10571,
S. 90). Unter den 65-Jährigen und Älteren mit Migrationshintergrund beziehen
83 Prozent eine eigene Rente und 17 Prozent eine abgeleitete Rente, der Anteil
der gesetzlichen Renten am gesamten Bruttoeinkommensvolumen beträgt 69
Prozent. Bei den gleichaltrigen Menschen ohne Migrationshintergrund beziehen
90 Prozent eine eigene Rente und 24 Prozent eine abgeleitete Rente, der Anteil
der gesetzlichen Renten am gesamten Bruttoeinkommensvolumen beträgt hier
63 Prozent.
Angaben zu erwerbstätigen Menschen mit Migrationshintergrund nach Alter
liegen aus der Mikrozensus-Befragung des Statistischen Bundesamtes vor. Nach
diesen Angaben lebten im Jahr 2016 rund 1,1 Millionen Menschen mit
Migrationshintergrund im Alter zwischen 65 und 74 Jahren in Deutschland. Insgesamt
gingen rund 121 000 Menschen einer Erwerbstätigkeit nach, davon 78.000
Männer. Unter den insgesamt 776 000 in Deutschland lebenden Menschen mit
Migrationshintergrund ab 75 Jahren sind 13 000 erwerbstätig, davon 10 000
Männer.
14. Mit welchen Staaten hat die Bundesrepublik Deutschland zurzeit geltende
Sozialversicherungsabkommen vereinbart, die eine Beitragserstattung aus
der Rentenversicherung ausschließen, und seit wann gelten die
entsprechenden Abkommen?
Eine Regelung, die sich direkt auf die Erstattung zu Recht gezahlter Beiträge
(§ 210 Sechstes Buch Sozialgesetzbuch – SGB VI) bezieht, ist in keinem der von
Deutschland derzeit anzuwendenden bilateralen Sozialversicherungsabkommen
(SVA) enthalten. Die Beitragserstattung wird daher durch kein SVA direkt und
generell ausgeschlossen.
Da sich das Recht auf eine Beitragserstattung aber grundsätzlich aus dem
Nichtbestehen des Rechts zur freiwilligen Versicherung ableitet, führt ein SVA
mittelbar zum Ausschluss einer Beitragserstattung, wenn es die freiwillige
Versicherung für bestimmte Personen eröffnet.
Im Ergebnis kommt eine Beitragserstattung bei Anwendung der folgenden SVA
insbesondere für folgende Personenkreise nicht in Betracht:
Drittstaatsangehörige (hierzu gehören auch Staatsangehörige eines
Abkommenstaates), die über die VO (EG) Nr. 859/2003 bzw. VO (EU) Nr. 1231/1210
(sogenannte Drittstaatsverordnungen) in den Geltungsbereich der VO (EWG)
Nr. 1408/71 bzw. VO (EG) Nr. 883/2004 einbezogen sind und ihren
rechtmäßigen Wohnsitz in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union haben
(zur Europäischen Union gehören nicht Island, Liechtenstein, Norwegen und
die Schweiz), wenn sie einen Vorbeitrag zur deutschen Rentenversicherung
gezahlt haben
Staatsangehörige von Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro und
Serbien bei gewöhnlichem Aufenthalt in einem dieser Staaten (SVA
Jugoslawien, anzuwenden ab 1. September 1969), ungeachtet der Anzahl der
gezahlten Beiträge
Israelische Staatsangehörige mit gewöhnlichem Aufenthalt in Israel (SVA
Israel, anzuwenden ab 1. Mai 1975), wenn sie einen Vorbeitrag zur deutschen
Rentenversicherung gezahlt haben
Japanische Staatsangehörige mit gewöhnlichem Aufenthalt in Japan, wenn sie
mindestens 60 Monate Beiträge zur deutschen Rentenversicherung gezahlt
haben (SVA Japan, anzuwenden ab 1. Februar 2000)
Staatsangehörige von Indien (SVA Indien, anzuwenden ab 1. Mai 2017),
Brasilien (SVA Brasilien, anzuwenden ab 1. Mai 2013), Australien (SVA
Australien, anzuwenden ab 1. Januar 2003), Korea (SVA Korea, anzuwenden ab
1. Januar 2003), Uruguay (SVA Uruguay, anzuwenden ab 1. Februar 2015),
USA (SVA USA, anzuwenden ab 1. Dezember 1979), Albanien (SVA
Albanien, noch nicht in Kraft getreten), Moldau (SVA Moldau, noch nicht in Kraft
getreten) und Philippinen (SVA Philippinen, noch nicht in Kraft getreten), mit
gewöhnlichem Aufenthalt außerhalb der Europäischen Union, sofern
mindestens 60 Monate Beiträge zur deutschen Rentenversicherung gezahlt wurden
Staatsangehörige von Mazedonien mit gewöhnlichem Aufenthalt außerhalb
der Europäischen Union, sofern mindestens 60 Monate Beiträge zur deutschen
Rentenversicherung gezahlt wurden oder vor dem 1. Januar 2005 ein
freiwilliger Beitrag bei gewöhnlichem Aufenthalt im Ausland gezahlt wurde (SVA
Mazedonien, anzuwenden ab 1. Januar 2005)
Kanadische Staatsangehörige mit gewöhnlichem Aufenthalt außerhalb der
Europäischen Union, sofern mindestens 60 Monate Beiträge zur deutschen
Rentenversicherung gezahlt wurden oder bei gewöhnlichem Aufenthalt in Kanada,
wenn ein freiwilliger Beitrag bei gewöhnlichem Aufenthalt in Kanada vor dem
1. April 1988 gezahlt wurde (SVA Kanada, anzuwenden ab 1. April 1988)
Türkische Staatsangehörige mit gewöhnlichem Aufenthalt außerhalb der
Europäischen Union, sofern ein freiwilliger Beitrag vor dem 1. April 1987 gezahlt
wurde (SVA Türkei i. d. F. des Zusatzabkommens vom 2. November 1984,
anzuwenden ab 1. April 1987)
Eine Beitragserstattung ist darüber hinaus ausgeschlossen, solange
Versicherungspflicht in der deutschen Rentenversicherung besteht. Das SVA Jugoslawien
sowie das SVA Türkei sehen in bestimmten Fällen eine Gleichstellung der
Versicherungspflicht nach Maßgabe der von ihnen erfassten Rechtsvorschriften mit
der Versicherungspflicht in der deutschen Rentenversicherung vor und schließen
eine Beitragserstattung insoweit aus.
15. Mit welchen Staaten werden derzeit Verhandlungen oder Vorgespräche zu
Sozialversicherungsabkommen geführt, und bei welchen dieser
Verhandlungen spielt eine eventuelle Beitragserstattung aus der Rentenversicherung
eine Rolle?
Aktuell werden Verhandlungen über ein SVA mit der Republik Vietnam geführt.
Eine Berechtigung zur freiwilligen Versicherung bei Aufenthalt außerhalb des
Hoheitsgebietes der Bundesrepublik Deutschland ist nicht vorgesehen, weil es
sich lediglich um ein Entsendeabkommen (Vermeidung der Doppelversicherung)
handelt. Eine Beitragserstattung wäre also ohne Einschränkung möglich.
16. Inwieweit wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im Zeitraum von
2006 bis einschließlich 2016 bestehende Sozialversicherungsabkommen
angepasst oder überarbeitet?
Das Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Australien über
Soziale Sicherheit vom 13. Dezember 2000 wurde mit dem Abkommen zwischen
der Bundesrepublik Deutschland und Australien über die Soziale Sicherheit von
vorübergehend im Hoheitsgebiet des anderen Staates beschäftigten Personen vom
9. Februar 2007 um Regelungen zur Entsendung ergänzt.
Die Vereinbarung zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und
der Regierung von Quebec über Soziale Sicherheit vom 14. Mai 1987 wurde
durch eine neue Vereinbarung vom 20. April 2010 abgelöst. Neben den
erforderlichen Anpassungen an das deutsch-kanadische Abkommen wurde die
gesetzliche Unfallversicherung in den sachlichen Geltungsbereich der Vereinbarung
einbezogen.
Das am 1. Mai 2017 in Kraft getretene Abkommen zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Republik Indien über Soziale Sicherheit vom 12. Oktober
2010 integriert das bisherige Entsendeabkommen vom 8. Oktober 2008 zwischen
den beiden Ländern und ermöglicht erstmals die Anrechnung von
Rentenversicherungszeiten und den Export von Renten.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 17 verwiesen.
17. In welchen konkreten Fällen werden derzeit bereits bestehende
Sozialversicherungsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem
jeweiligen Vertragspartner neu verhandelt oder zwischen den
Vertragspartnern besprochen (bitte ausführen, welche Veränderungen dabei angestrebt
sind), und inwieweit gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell
Bestrebungen oder Hinweise darauf, dass sich in solche Abkommen involvierte
Staaten aus diesen lösen wollen (bitte Staaten angeben)?
Neuverhandlungen bereits bestehender SVA finden mit Bosnien und
Herzegowina statt (Ablösung des mit Ex-Jugoslawien abgeschlossenen Abkommens) und
sind mit Kanada geplant (Aktualisierung und Anpassungen an das jeweilige
innerstaatliche Recht). Hinweise darauf, dass sich Staaten aus SVA lösen wollen,
gibt es nicht.
18. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung reguläre Überprüfungs- oder
Evaluierungszeiträume im Hinblick auf die bestehenden Abkommen (z. B.
im Hinblick auf Aktualität, Notwendigkeit und Angemessenheit)?
Falls ja, welche?
Falls nein, warum nicht?
Es gibt keine regulären Überprüfungs- oder Evaluierungszeiträume. Die
Überarbeitung eines SVA erfolgt dann, wenn es sich als notwendig erweist.
19. Wie und von wem werden nach Kenntnis der Bundesregierung freiwillig
ausreisende oder abzuschiebende Personen über einen eventuell bestehenden
Anspruch auf Beitragserstattung oder alternativ über Rentenanwartschaften
informiert, und welche Unterstützung gibt es nach Kenntnis der
Bundesregierung bei der entsprechenden Antragstellung auf Beitragsrückerstattung
bzw. Rente von Bundes- oder Landesbehörden für diese Personen?
Im Rahmen der Programme REAG/GARP (Reintegration and Emigration
Programme for Asylum Seekers in Germany/ Government Assisted Repatriation
Programme) und StarthilfePlus zur Unterstützung von freiwilligen Ausreisen werden
keine Informationen und Unterstützung mit Bezug auf Ansprüche aus der
Deutschen Rentenversicherung angeboten. Im Übrigen liegt die Zuständigkeit für die
Durchführung von Rückführungen bei den Bundesländern. Der Bundesregierung
liegen zu den Verfahren in den Ländern keine Erkenntnisse vor.
20. Welche Aktivitäten haben nach Kenntnis der Bundesregierung die deutschen
Auslandsvertretungen unternommen, um über die Möglichkeit der
Ansprüche von Bürgerinnen und Bürger mit ausländischer Staatsangehörigkeit in
der Deutschen Rentenversicherung aufzuklären?
Wann, wo und in welchen Sprachen wurden entsprechende Informationen
auf deren Webseiten bereitgestellt?
Dem örtlichen Bedarf entsprechend informieren die Webseiten deutscher
Auslandsvertretungen unter ihren konsularischen Informationen auch über
Rentenfragen, in der Regel durch Verlinkung mit den Informationsangeboten der DRV
und der jeweils zuständigen Verbindungsstelle der DRV. Diese Seiten können
über
www.diplo.de eingesehen werden. Sie sind auf Deutsch und in mindestens
einer Landessprache gehalten. Ein weiteres Informationsangebot der
Auslandsvertretungen sind Sprechtage mit Beratern der DRV, welche die
Auslandsvertretungen an Orten im Amtsbezirk veranstalten. Aus aktuellen Anlässen, wie z.B.
der Unterzeichnung oder des Inkrafttretens eines neuen
Sozialversicherungsabkommens, informieren die Auslandsvertretungen durch die Medien im Gastland
auch über die Auswirkungen für Renten- oder Erstattungsberechtigte.
21. Welche Informationen und Unterstützung werden nach Kenntnis der
Bundesregierung Ausreisewilligen innerhalb des Reintegration and Immigration
Programm for Asylum-Seekers in Germany/Government Assisted
Repatriation Programm (REAG/GARP) bzw. bei anderen Programmen im
Zusammenhang mit der freiwilligen Ausreise mit Bezug auf Ansprüche aus der
Deutschen Rentenversicherung angeboten?
Auf die Antwort zu Frage 19 wird verwiesen.
22. Bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung interne Regelungen bei der
Deutschen Rentenversicherung, die der besonderen Situation von
Migrantinnen und Migranten oder auch von Geflüchteten Rechnung tragen?
Falls ja, welche?
Das Recht der gesetzlichen Rentenversicherung – das Sechste Buch
Sozialgesetzbuch (SGB VI) – gilt für alle in der gesetzlichen Rentenversicherung
Versicherten, unabhängig von der Staatsangehörigkeit oder einem eventuellen
Migrationshintergrund. Die DRV Bund hat zur Information über die gesetzliche
Rentenversicherung den Willkommensflyer „Die Deutsche Rentenversicherung“ (www.
deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/5_Services/03_broschueren_
und_mehr/01_broschueren/01_national/willkommensflyer.html) herausgegeben,
der auch einen kurzen Überblick über das gesamte System der sozialen Sicherung
in Deutschland beinhaltet. Der Flyer richtet sich an Flüchtlinge und ist auf
Englisch, Arabisch, Farsi, Paschto, Tigrinya und Urdu verfasst.
23. Wird die Anerkennung der Kindererziehungszeiten bei der
Rentenberechnung bei Ausländerinnen und Ausländern verweigert, die im Anschluss an
eine Duldung oder Aufenthaltsgestattung einen rechtmäßigen oder später
sogar einen unbefristeten Aufenthaltsstatus erhalten haben, soweit diese
Erziehungsleistungen während des lediglich geduldeten oder gestatteten
Aufenthalts erfolgten?
Und wenn ja, wie bewertet die Bundesregierung diesen Umstand?
Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung können gemäß
§ 56 Absatz 1 Satz 2 Nummer 2 SGB VI u. a. dann anerkannt werden, soweit die
Erziehung im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland erfolgte. Hierzu muss der
erziehende Elternteil sich mit dem Kind während der ersten drei Lebensjahre
(bzw. bei einem vor dem 1. Januar 1992 geborenen Kind: zwei Lebensjahre) im
Gebiet der Bundesrepublik Deutschland gewöhnlich aufgehalten haben (§ 56
Absatz 1 Satz 1, Absatz 3 Satz 1 SGB VI). Seinen gewöhnlichen Aufenthalt im
Inland hat derjenige, der sich im Inland unter Umständen aufhält, die erkennen
lassen, dass er dort nicht nur vorübergehend verweilt (vgl. § 30 Absatz 3 Satz 2
Erstes Buch Sozialgesetzbuch – SGB I).
Die für die Dauer eines Asylverfahrens bestehende Aufenthaltsgestattung
begründet für den Asylbewerber während des Verfahrens grundsätzlich keinen
gewöhnlichen Aufenthalt im Sinne des § 56 Absatz 3 Satz 1 SGB VI, da sie für die
Durchführung des Asylverfahrens zweckgebunden ist und somit vor der
rechtskräftigen Entscheidung über den Asylantrag noch keine materiell-rechtlich
beständige Grundlage für einen gewöhnlichen Aufenthalt vermittelt. Wird dem
Asylantrag später stattgegeben, so bestand rechtlich gesehen in der Regel von
vornherein ein beständiges Aufenthaltsrecht. In diesem Fall können auch für die
Zeit vor der nachträglichen verwaltungsmäßigen Feststellung des Asylrechts nach
der derzeitigen Auslegungspraxis Kindererziehungszeiten anerkannt werden (vgl.
auch BSG, Urteil vom 28. Juli 1992, Az.: 5 RJ 4/92).
Personen mit einer Duldung sind hingegen vollziehbar ausreisepflichtig. Sie
haben daher grundsätzlich keinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland im Sinne des
§ 56 Absatz 3 Satz 1 SGB VI. Erlangen diese später einen zukunftsoffenen
Aufenthaltstitel, begründet dieser den gewöhnlichen Aufenthalt nicht rückwirkend,
sondern erst mit dem Tag der Erteilung des ersten zukunftsoffenen
Aufenthaltstitels (vgl. auch BSG, Urteil vom 28. Juli 1992, Az.: 5 RJ 24/91).
Dieses Ergebnis ist im Hinblick auf den für das Sozialrecht grundsätzlich
geregelten Geltungsbereich system- und sachgerecht.
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ISSN 0722-8333]