Die Bundesregierung fördert durch ihre EZ die nachhaltige Entwicklung von „Megacities“ und Großstädten im Rahmen verschiedener Vorhaben, die sich folgenden Sektorschwerpunkten zuordnen lassen: l Demokratie, Zivilgesellschaft und öffentliche Verwaltung (insbesondere Dezentralisierung und Kommunalentwicklung, Verwaltungsreform, Justizreform und Korruptionsbekämpfung, Menschenrechte einschließlich ihrer besonderen Ausprägung in Frauen- und Kinderrechten, Partizipation der Bevölkerung) l Trinkwasser, Wassermanagement, Abwasser/Abfallbeseitigung l Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen l Wirtschaftsreform und Aufbau der Marktwirtschaft (darunter Finanzwesen, Handelspolitik und Privatwirtschaftsförderung, Beschäftigung, Berufsbildung, Informeller Sektor, KMU, Industrieller Umweltschutz) l Energie (darunter Energieeffizienz, erneuerbare Energien) l Transport und Kommunikation l Integrierte Ansätze städtischer Entwicklung
Die Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung leistet einen Beitrag zur lokalen Demokratie. Die Schaffung rechtlicher und fiskalischer Rahmenbedingungen für Dezentralisierung unterstützt strukturell und direkt die kommunalen Handlungsspielräume. Beratungs- und Fortbildungsmaßnahmen, die den Verwaltungen von „Megacities“ und Großstädten zugute kommen, fördern ihre Kapazitäten in der Selbstverwaltung, im städtischen Management und bei der Herausbildung neuer Formen der Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren der Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Derzeit werden in der Technischen Zusammenarbeit (TZ) 70 Projekte und Programme dieser Art durchgeführt (z. B. in Bolivien, Kolumbien, Südafrika, Indonesien).
Daneben unterstützt die Bundesregierung durch ihre EZ konkret die Sanierung armer Stadtviertel in „Megacities“ und Großstädten. Maßnahmen umfassen vor allem die Wohnraumverbesserung (in der Regel über Wohnungsbaukreditprogramme der FZ) und die infrastrukturelle Erschließung von informellen Stadtteilen. Die Bewohner dieser Viertel erhalten erstmals Eigentumstitel an Grundstücken und Wohnhäusern bzw. geregelte Mietverträge. Die Erfassung und Registrierung des Wohneigentums schafft u. a. eine verlässliche Datenbasis für die kommunale Raumplanung und stellt eine Voraussetzung für die Herausbildung eines Bodenmarktes dar. Vor allem trägt die Vergabe von Eigentumstiteln dazu bei, dass arme Familien, die Wohnhäuser erworben haben, so vor Vertreibung geschützt werden. Die Bundesregierung unterstützt im Rahmen ihrer EZ Programme zur Sanierung armer Stadtviertel in Ägypten, El Salvador, Honduras, Kenia, Kolumbien, Indien, Namibia, Nepal, Senegal und Südafrika. Kooperationsvorhaben aus TZ und FZ sind hier besonders erfolgreich. In der Verknüpfung mit „Poverty Reduction Strategy“ – Prozessen tragen sie zur sozialen und politischen Integration bei.
Durch die Verbesserung der Wohn- und Wohnumfeldbedingungen, die Schaffung größerer Rechtssicherheit und durch ihre Einbeziehung in die Projektgestaltung identifizieren sich die Stadtteilbewohner in stärkerem Maße mit ihren Vierteln. Stadtteilsanierungskonzepte schaffen soziale Infrastruktur (wie u. a. der Bau von Gemeindezentren, Schulen, Kindergärten, Gesundheitseinrichtungen und Sportplätzen), verbessern die Wohnumfeldbedingungen und schließen Maßnahmen der Gewaltprävention mit ein. Gemeindestrukturen werden gestärkt und das Selbsthilfepotential der Bevölkerung gefördert, die Schaffung von Beschäftigung und Einkommen unterstützt.
Sektorschwerpunkte wie Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung, Umweltschutz im städtisch-industriellen Bereich, Energie und Transport tragen zur Stärkung der Leistungsfähigkeit der „Megacities“ und Großstädte sowie zur Verbesserung der dortigen Lebensbedingungen bei. Die bilaterale Zusammenarbeit im Sektorschwerpunkt „Wirtschaftsreform und Aufbau der Marktwirtschaft“ unterstützt die Schaffung von Einkommensmöglichkeiten auch in „Megacities“ und Großstädten. Ferner werden – aus Sondermitteln der Antiterrormaßnahmen und Armutsbekämpfung – in „Megacities“ und Großstädten gewaltpräventive und sozial integrierende Maßnahmen insbesondere für junge Bevölkerungsgruppen unterstützt. Dies kann die soziale und politische Sprengkraft mildern, die sich aus der Konzentration städtischer Armut und unerfüllter Hoffnungen auf eine bessere Zukunft bei der Jugend ergibt.
In „Megacities“ wie z. B. Mexico City werden verschiedene TZ-Vorhaben im Bereich der Luftreinhaltung, des Altlastenmanagements und der Abfallwirtschaft durchgeführt, die insbesondere die Umwelt- und Gesundheitssituation der armen Stadtbewohner verbessern sollen. Die Zahl der Abfallvorhaben ist noch gering, jedoch mit wachsender Tendenz.
Vorhaben im Sektorschwerpunkt Wasser wollen gesunde, ressourcenschonende und bezahlbare Wasserver- und Abwasserentsorgungssysteme in „Megacities“ und Großstädten sicherstellen. Dabei hat sich im Laufe der Zeit das Gewicht weg von der Förderung neuer gesamtstädtischer Systeme hin zur Rehabilitierung, Verlustreduzierung und Versorgungsverbesserung in armen Stadtvierteln verschoben.
Im Energiebereich unterstützt die Bundesregierung im Rahmen ihrer EZ in „Megacities“ und Großstädten vor allem den Einsatz von verbesserten Energieerzeugungstechnologien, die zur Reduzierung umwelt- und gesundheitsschädigender Emissionen beitragen (z. B. Rauchgasentschwefelungsanlagen in mehreren Kraftwerken in China; Heizkraftwerk in Shanghai mit Kraft-Wärme-Kopplung). Insbesondere durch den Einsatz von industriellen Kleinfeuerungsanlagen kann eine spürbare Reduzierung der lokalen Luftbelastung erreicht werden. In Ägypten hat ein in Vorbereitung befindliches Programm zur Reduzierung der Umweltbelastung bei der Elektrizitätserzeugung unter anderem die Reduzierung der Schadstoffbelastung in den Ballungsräumen von Kairo und Alexandria zum Ziel.
Aufgrund des in der Regel hohen Investitionsbedarfs bei städtischen Verkehrsvorhaben sind FZ-Vorhaben im Förderbereich Transport zum größten Teil Projekte mit einem erheblichen Finanzvolumen. Die U-Bahnen in Shanghai und Guangzhou (China), der Flughafen in Taschkent (Usbekistan), die Stadtbahnen in Konya und Bursa (Türkei) und die Straßenbahn in Tunis sind hier als Beispiele zu nennen. Bei den meisten Projekten geht es um die Verhinderung des drohenden Verkehrskollapses mit den bekannten Negativfolgen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung sowie um die damit eng zusammenhängende Umwelt- und Lebensqualität.