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Kleine AnfrageWahlperiode 15Beantwortet

Umsetzung der "Berliner Deklaration" in den Geo- und Umweltwissenschaften (G-SIG: 15010703)

Aufbau einer eScience-Infrastruktur für die Geo- und Umweltwissenschaften, Finanzierung, Maßnahmen, Rechte der Geoinformatik, freier Zugang, europaweite und globale Abstimmung

Fraktion

CDU/CSU

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

09.02.2004

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 15/234113. 01. 2004

Umsetzung der „Berliner Deklaration“ in den Geo- und Umweltwissenschaften

der Abgeordneten Vera Dominke, Michael Kretschmer, Marion Seib, Katherina Reiche, Thomas Rachel, Dr. Maria Böhmer, Dr. Christoph Bergner, Helge Braun, Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land), Dr. Maria Flachsbarth, Helmut Heiderich, Volker Kauder, Helmut Lamp, Werner Lensing, Dr. Martin Mayer (Siegertsbrunn), Bernward Müller (Gera), Uwe Schummer und der Fraktion der CDU/CSU

Vorbemerkung

Geoinformationen bilden einen wichtigen Standortfaktor und einen Schlüssel zu wirtschaftlichem Wachstum. Bei der Nutzung dieser Potenziale spielen die Geo- und Umweltwissenschaften eine besondere Rolle. Das Bundeskabinett hat bereits im Bericht zur Verbesserung der Koordinierung auf dem Gebiet des Geoinformationswesens vom 17. Juni 1998 festgestellt, dass Geoinformationen dort zu ungenutzten Datenbrachen verkümmern, wo ihre Gewinnung konzeptionell nicht auf eine externe Wiederverwendung angelegt ist. So wird geschätzt, dass allein im Forschungsbereich jedes Jahr in Projekten im Wert von 800 bis 900 Mio. DM Geodaten erzeugt werden, die bei guter Koordination auch anderweitig genutzt werden könnten.

Der Deutsche Bundestag stellte bereits in der Entschließung zu der Großen Anfrage der Fraktion der CDU/CSU „Nutzung von Geoinformationen in der Bundesrepublik Deutschland“ – Drucksachen 14/3214, 14/4139 – (Bundestagsdrucksache 14/5323) am 15. Februar 2001 fest: „Gewinnung, Verarbeitung, Verbreitung und Nutzung von Geoinformationen sind ein zentrales Element der modernen Informationsgesellschaft“. „Aus den Anwendungsmöglichkeiten der Geoinformation für Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft, mit Auswirkungen auf fast alle Segmente der Gesellschaft, ergeben sich wichtige Märkte mit weit überdurchschnittlichen Wachstumsraten und neuen qualifizierten Arbeitsplätzen“.

Im Oktober 2003 ist die „Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen“ verabschiedet worden. Zu den Unterzeichnern gehören die führenden deutschen Wissenschaftsorganisationen, unter anderem die Fraunhofer-Gesellschaft, die Max-Planck-Gesellschaft, die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz, die Helmholtz-Gemeinschaft und die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Die Deklaration ruft dazu auf, die Herausforderungen des Internets als Medium zur Wissensverbreitung aufzugreifen. Unter Berücksichtigung der Urheberschaft soll allen Nutzern ein freies, unwiderrufliches, weltweites Zugangs- und Nutzungsrecht von wissenschaftlichen Publikationen, Daten- und Metadaten sowie anderen digitalen Materialien garantiert werden.

Die Umsetzung von Forderungen der Berliner Deklaration durch den Aufbau einer eScience-Infrastruktur für die Geo- und Umweltwissenschaften ist eine wichtige forschungspolitische Aufgabe, durch die entscheidende Vorteile für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu erwarten sind, z. B.:

  • Durch den verbesserten Zugriff auf eine hochwertige Datenbasis ist eine deutliche Qualitätsverbesserung von Forschungsergebnissen zu erwarten.
  • Die interdisziplinäre Vernetzung und die multiple Nutzung von Daten über die Fachgrenzen hinaus werden gestärkt.
  • Die Entwicklung einer neuen Generation von digitalen Werkzeugen zur Prozessierung, Speicherung, Verbreitung, Analyse und Visualisierung von Geoinformationen wird stimuliert.
  • Wissenschaftliche Daten können für vielfältige Informations- und Entscheidungsprozesse in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung aufbereitet und genutzt werden.
  • Die Entstehung von Innovationsnetzwerken und der Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung werden gefördert.
  • Die Zusammenarbeit von Hochschulen und Forschungseinrichtungen wird wesentlich verbessert.
  • Die Integration der Infrastruktur in europäische und globale Netzwerke fördert internationale Kooperationen.
  • Für Aus- und Fortbildung sowie das lebenslange Lernen bieten sich neue Möglichkeiten.

Zur Erschließung der oben genannten Potenziale ist ein richtungsweisendes, forschungspolitisches Gesamtkonzept zum Aufbau einer eScience-Infrastruktur in den Geo- und Umweltwissenschaften erforderlich, wie es z. B. im Rahmen von eScience-Initiativen in anderen europäischen Ländern oder der Cyberinfrastructure in den Vereinigten Staaten bereits erfolgreich umgesetzt wird.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen8

1

Wie soll der Aufbau einer eScience-Infrastruktur für die Geo- und Umweltwissenschaften organisiert und abgestimmt werden, um Synergien zu schaffen und Doppelarbeit zu vermeiden?

2

Wie soll der zügige Aufbau und der langfristige Betrieb der eScience-Infrastruktur finanziert werden?

3

Welche Maßnahmen sind geplant, um die breite, übergreifende Einführung und Nutzung der entstehenden eScience-Infrastruktur im Rahmen eines gezielten Awareness-Programms in Forschungseinrichtungen und Hochschulen zu unterstützen?

4

Welche Rolle soll die entstehende Querschnittsdisziplin Geoinformatik übernehmen und wie soll besonders die Entwicklung innovativer Anwendungen gestärkt werden?

5

Welche Maßnahmen sollen das Wissensmanagement in den Geo- und Umweltwissenschaften stärken, da die Realisierung dieser Aufgaben sowie der komplexen Innovations- und Transferprozesse zusätzliche Kapazitäten benötigt?

6

Welche Schritte sind geplant, um einheitlich positive, rechtliche Rahmenbedingungen für die Nachnutzung von wissenschaftlichen Datenressourcen aber auch von Daten der öffentlichen Hand zu schaffen?

7

Wie kann ein kostengünstiger oder entgeltfreier Zugang zu den Informationen der öffentlichen Hand sichergestellt und in das föderale System der Bund-/Länderkompetenzen integriert werden?

8

Wie soll die Abstimmung mit und die Ausrichtung auf die Entwicklung eines europäischen bzw. globalen Forschungsraums erfolgen?

Berlin, den 3. Dezember 2003

Vera Dominke Michael Kretschmer Marion Seib Katherina Reiche Thomas Rachel Dr. Maria Böhmer Dr. Christoph Bergner Helge Braun Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land) Dr. Maria Flachsbarth Helmut Heiderich Volker Kauder Helmut Lamp Werner Lensing Dr. Martin Mayer (Siegertsbrunn) Bernward Müller (Gera) Uwe Schummer Dr. Angela Merkel, Michael Glos und Fraktion

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