Bt-Präparate und Bt-Mais, zwei vergleichbare Anwendungen desselben Wirkstoffprinzips
der Abgeordneten Dr. Christel Happach-Kasan, Hans-Michael Goldmann, Ulrike Flach, Daniel Bahr (Münster), Rainer Brüderle, Angelika Brunkhorst, Ernst Burgbacher, Helga Daub, Jörg van Essen, Otto Fricke, Horst Friedrich (Bayreuth), Klaus Haupt, Ulrich Heinrich, Birgit Homburger, Gudrun Kopp, Jürgen Koppelin, Sibylle Laurischk, Harald Leibrecht, Dirk Niebel, Detlef Parr, Cornelia Pieper, Gisela Piltz, Jürgen Türk, Dr. Wolfgang Gerhardt und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Präparate des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis (Bt) gehören nach Angaben der Bundesregierung zu den am häufigsten bei der Biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzten „Nützlingen“ (Tabelle in der Antwort der Bundesregierung auf Frage 1 der Kleinen Anfrage der Fraktion der FDP „Biologische Schädlingsbekämpfung“ auf Bundestagsdrucksache 15/2240). Bt-Mais nutzt dasselbe Wirkstoffprinzip. Bt-Mais ist in der Lage, den von den Bakterien produzierten Wirkstoff selbst zu produzieren und sich damit selbst gegen den Fraß von Schadinsekten zu schützen. Sowohl Bt-Mais wie auch Bt-Präparate bekämpfen Schadinsekten durch identische Wirkstoffe.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen19
In welchen Habitaten kommt Bacillus thuringiensis natürlicherweise vor, welche Extrembedingungen überdauern seine Sporen?
Woraus bestehen Bt-Präparate, wie wirken sie und wann wurden die ersten Präparate in Deutschland zugelassen?
Welche verschiedenen Bt-Präparate welcher Unterarten von Bacillus thuringiensis sind in Deutschland zugelassen, bei welchen Kulturen werden sie eingesetzt und welches sind die Zielorganismen?
Trifft es zu, dass das Zulassungsverfahren für Bt-Präparate dem von chemischen Pflanzenschutzmitteln entspricht?
Welche Nachweise hinsichtlich der Gesundheitsverträglichkeit, der Umweltverträglichkeit, des Arbeitsschutzes müssen von der antragstellenden Firma bei der Zulassung erbracht werden, und welche Behörden sind dabei beteiligt?
Welche Kenntnisse gibt es über die Wirkungsweise der Endo- und Exotoxine von Bacillus thuringiensis und seiner Sporen auf Säugetiere?
Wurden durch den Einsatz von Bt-Präparaten bisher in den Feldern und am Feldrand lebende Populationen von Mäusen, Wühlmäusen und Feldhamstern etc. geschädigt?
Gibt es Bt-Präparate von Exotoxin produzierenden Stämmen von Bacillus thuringiensis bzw. Bt-Mais-Sorten, die Exotoxine bilden können, und wenn ja, sind sie in Deutschland zugelassen?
Trifft es zu, dass die jahrzehntelangen guten Erfahrungen mit der Anwendung von Bt-Präparaten Motiv waren, Pflanzen zu züchten, die den Wirkstoff von Bacillus thuringiensis selbst produzieren und sich damit selbst gegen den Fraß von Insekten schützen können?
Sind die Erfahrungen der Sicherheitsforschung über Bt-Präparate hinsichtlich der Wirkung des Wirkstoffes auf Nicht-Ziel-Organismen prinzipiell übertragbar auf die Verhältnisse beim Anbau von Bt-Mais, und wenn nein, warum nicht?
Wie bewertet die Bundesregierung den Sachverhalt, dass bei der Anwendung von Bt-Präparaten der Wirkstoff außer von den Zielorganismen auch von Insekten anderer Arten gefressen werden kann, während der Wirkstoff im Bt-Mais nur von Schadinsekten gefressen wird?
Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die Verbreitung des Wirkstoffes durch Pollen?
Trifft es zu, dass Forschungen ergeben haben, dass die Auskreuzungsrate bei Mais im Abstand von 10 m im Durchschnitt unter 1 % liegt, bei 50 m sicher unter 1 % liegt, und wenn nein, welche Kenntnis hat die Bundesregierung?
Was bedeutet dies hinsichtlich der Praxisempfehlungen zur Koexistenz?
Auf wie vielen Hektar Fläche wurde weltweit im vergangenen Jahr Bt-Mais angebaut, auf wie vielen Hektar in der EU und auf wie vielen Hektar in Deutschland?
Welche konkreten Beispiele sind der Bundesregierung bekannt, bei denen die Verfütterung von Bt-Mais nachweislich Erkrankungen bzw. den Tod der gefütterten Tiere verursacht hat, wo und durch wen sind diese Vorfälle dokumentiert und welche Institution hat den Nachweis geführt?
Lässt sich Fleisch von Tieren, die mit BT-Mais gefüttert wurden, von Fleisch von Tieren unterscheiden, die mit herkömmlich gezüchtetem Mais gefüttert wurden, und wenn ja, mit welcher Methode und welcher Genauigkeit und wie hoch sind die Kosten einer Untersuchung?
Welche qualitativen Unterschiede hinsichtlich des Nährwerts bestehen zwischen dem Fleisch von Tieren, die mit Bt-Mais gefüttert wurden und solchen, die mit herkömmlich gezüchtetem Mais gefüttert wurden?
In welchen Regionen Deutschlands wurde in den letzten Jahren ein erhöhter Befall mit dem Maiszünsler beobachtet, der aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine Bekämpfung durch Bt-Präparate oder durch den Anbau von Bt-Mais sinnvoll erscheinen lässt?
Unterstützt die Bundesregierung die Forderung, die in der Zeitung „DIE ZEIT“ vom 29. Januar 2004 aufgestellt wird, dass „das ideologisierte Ausspielen von biologischen gegen chemische und gentechnische Bekämpfungsmethoden endlich aufhört“, und wenn nein, warum nicht?