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Kleine AnfrageWahlperiode 15Beantwortet

Bekämpfung des Vordringens des Maiswurzelbohrers mit Hilfe resistenter Sorten (G-SIG: 15011197)

Vordringen des Maiswurzelbohrers als Schädling, Stellenwert des Maisanbaus in Deutschland und des Maisimports, Züchtung einer gegen den Maiswurzelbohrer resistenten transgenen Maissorte, gesundheitliche Unbedenklichkeit und Zulassungsverfahren einer solchen Maissorte in der EU

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft

Datum

15.11.2004

Aktualisiert

23.10.2023

Deutscher BundestagDrucksache 15/386129. 09. 2004

Bekämpfung des Vordringens des Maiswurzelbohrers mit Hilfe resistenter Sorten

der Abgeordneten Dr. Christel Happach-Kasan, Hans-Michael Goldmann, Daniel Bahr (Münster), Rainer Brüderle, Angelika Brunkhorst, Ernst Burgbacher, Jörg van Essen, Ulrike Flach, Horst Friedrich (Bayreuth), Christoph Hartmann (Homburg), Klaus Haupt, Michael Kauch, Hellmut Königshaus, Harald Leibrecht, Ina Lenke, Dirk Niebel, Eberhard Otto (Godern), Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Max Stadler, Dr. Rainer Stinner, Dr. Dieter Thomae, Jürgen Türk, Dr. Volker Wissing, Dr. Wolfgang Gerhardt und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Mais (Zea mays) ist weltweit die wichtigste Nahrungs- und Futterpflanze vor Reis und Weizen mit einem Jahresertrag von über 600 Mio. t. Ursprünglich stammt Mais aus Mittelamerika und wurde dort aus dem Wildgras Teosinte durch Selektion in enormer Formenvielfalt entwickelt. 1493 brachte Columbus die ersten Maiskörner nach Europa, vor etwa 100 Jahren wurde Mais als „Welschkorn“ erstmals in Südbaden angebaut. In den letzten 50 Jahren wurden Sorten entwickelt, die die tropische Pflanze an das gemäßigte Klima angepasst haben. Mais ist auf Grund seines besonderen Stoffwechsels als C4-Pflanze in der Lage, CO2 sehr effektiv zu assimilieren. Gegenüber einer Wiese produziert ein Maisacker um etwa 20 % mehr Biomasse. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr etwa 3,4 Mio. t Mais geerntet und 900 000 t aus Frankreich importiert. Mais ist eine wichtige Futterpflanze, Maismehl für Zöliakiekranke von besonderer Bedeutung, da es glutenfrei ist.

Der Maisertrag wird zunehmend durch eingeführte Schadinsekten gefährdet. 1910 wurde der Maiszünsler eingeführt, der inzwischen bis zum Oderbruch vorgedrungen ist. Seit 1992 breitet sich von Belgrad aus der Maiswurzelbohrer aus, ein Schadinsekt, das mit dem Kartoffelkäfer verwandt ist und das in den USA in jedem Jahr Ertragsausfälle in Höhe von 1 Mrd. US-Dollar verursacht. In den USA wurde eine mit den Methoden der Gentechnik gezüchtete Bt-Maissorte entwickelt, die gegen den Maiswurzelbohrer resistent ist. Die Zulassung dieser Sorte in der EU ist strittig.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen12

1

Ist der westliche Maiswurzelbohrer inzwischen in Deutschland nachgewiesen worden, und wenn ja, wo?

2

Welche Kenntnisse über die Ausbreitungswege des Maiswurzelbohrers in Europa bestehen?

3

In welchen Regionen Deutschlands erfolgt ein intensiver Maisanbau, der durch die Ausbreitung des Schadinsekts beeinträchtigt werden könnte?

4

Teilt die Bundesregierung die Einschätzung, dass der Verzicht auf intensiven Maisanbau durch einen Ausbau der Grünlandnutzung nicht aufgefangen werden könnte und daher zu einer Verminderung der Tierhaltung und letztlich zum Verlust von Arbeitsplätzen führen würde, und wenn nein, warum nicht?

5

Teilt die Bundesregierung die Einschätzung, dass eine gegen den Maiswurzelbohrer resistente Maissorte die Ausbreitung des Schadinsekts verlangsamen und damit Ertragsausfälle vermeiden helfen könnte, und wenn nein, warum nicht?

6

In welcher Menge wird Futtermais aus den USA nach Deutschland importiert und wie groß ist bisher der Anteil von transgenem Futtermais?

7

Besteht ein Preisunterschied zwischen transgenem Futtermais und herkömmlich gezüchtetem Futtermais, und wenn ja, in welcher Höhe?

8

Wie beurteilt die Bundesregierung im Einzelnen die für die Zulassung von transgenen Sorten in der EU vorgeschriebenen Prüfverfahren, mit denen die gesundheitliche Unbedenklichkeit der zugelassenen Sorten sichergestellt werden soll?

9

Welche Versuche sind vorgeschrieben und welche weiteren hält gegebenenfalls die Bundesregierung für erforderlich, um die gesundheitliche Unbedenklichkeit neuer Sorten sicherzustellen?

10

In welchen Gremien der EU und mit welchen Anträgen hat sich die Bundesregierung bisher für eine Veränderung der Prüfverfahren eingesetzt?

11

Welche spezifischen Unterschiede bestehen zwischen der gegen den Maiswurzelbohrer resistenten Bt-Maissorte und den zugelassenen Bt-Maissorten, die gegen den Maiszünsler resistent sind, hinsichtlich des produzierten Giftstoffes und der Umweltwirksamkeit?

12

Welche Erfahrungen gibt es aus den USA mit dem Anbau der gegen den Maiswurzelbohrer resistenten Maissorte und der Verfütterung dieses Maises?

Berlin, den 29. September 2004

Dr. Wolfgang Gerhardt und Fraktion

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